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Die Happy in Hamburg – Perfekter musikalischer Jahresabschluss 2022

Die Happy spielten am letzten  Freitagabend vor Silvester und damit im alten Jahr 2022 ihr letztes Konzert der aktuellen “Guess What” Tour. Das Hamburger Grünspan war nahezu ausverkauft. Royalist, Support-Band auf der gesamten Tour, feierten dabei ihr Heimspiel.

ROYALIST

Pünktlich um 20:00 Uhr betraten die vier Hamburger von Royalist die Bühne. Das Grünspan war bereits sehr gut gefüllt und viele der Anwesenden schauten gebannt auf die Bühne. Für den Großteil sicherlich das erste Mal, dass sie von Royalist gehört haben. Die Jungs aus Hamburg schafften es aber, einen bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Und auch eine ganze Reihe an eigenen Fans konnte man in den vorderen Reihen ausmachen. Royalist überzeugten mit einem charismatischen Sänger und insgesamt einer sehr energievollen Performance. Gitarrist Nico zog es kurzzeitig sogar ins Publikum, um die Hamburger:innen aus nächster Nähe zu begrüßen. 40 Minuten präsentieren Royalist Songs aus ihrem Debütalbum „Violet“, aber auch ein bisher unveröffentlichter Song schaffte es ins Set, der im Februar 2023 erscheinen wird. Royalist gelang es auch, das (oftmals träge) Hamburger Publikum in ihre Show mit einzubinden.

DIE HAPPY

Gegen 21:10 Uhr war dann Zeit für das letzte Konzert von Die Happy in 2022. Seit knapp 30 Jahren steht die Band bereits auf Konzertbühnen, von Müdigkeit jedoch keine Spur. Die Band um Sängerin Marta Jandová versprühte ab dem ersten Song eine ansteckende Energie. Sängerin Marta sprang und lief über die Bühne, als wollte sie nebenbei noch ein Fitnessprogramm absolvieren. Das habe ich in dieser Form nicht erwartet. Die Besucher:innen waren zurecht begeistert und verfolgten das Treiben auf der Bühne erwartungsfroh. Die Happy mussten, wie viele andere Bands auch, lange auf diese Tour warten. Die Pandemie machte das Durchführen von Konzerten bekanntermaßen für eine ganze Weile unmöglich. Daher ist es nun auch schon zwei Jahre her, dass die aktuelle Platte “Guess What” erschien, zu der diese Tour eigentlich geplant war. Das Gute daran: Die Fans hatten viel Zeit die Songtexte zu lernen. Insgesamt spielten Die Happy ca. eine Stunde und 45 Minuten und bedienten dabei sowohl Fans der ersten Stunde als auch neuere Fans. Zur Mitte des Sets wurde das Energielevel etwas heruntergeschraubt und ein kleiner akustischer Teil eingeschoben. Zum Durchatmen für alle Beteiligten ein guter Schachzug. Traditionell ist das Gruenspan eine der wärmsten Locations in Hamburg. Auch das Destiny’s Child Cover “Survivor” durfte an diesem Abend nicht fehlen. Mit den beiden Zugaben “Letter to a Friend” und “Supersonic Speed” verabschiedeten sich Die Happy von der Hansestadt und aus diesem Jahr. Die Happy haben auch nach knapp 30 Jahren als Band noch jede Menge Spaß auf der Bühne und übertragen diese unweigerlich in die Besucher:innen ihrer Konzerte. In Hamburg führte das zu einem nahezu ausverkauften Gruenspan und einem rundum gelungenen letzten Konzertabend in 2022.

Space Fantasy Metal mit einer großen Portion Ironie – Gloryhammer in Hamburg

Freitag, 18:00 Uhr, Hamburger Reeperbahn. Ein Pärchen mit Einhorn-Haarreifen versucht vor der Großen Freiheit eine Einhorn-Schwimminsel aufzupusten und wird vom Türsteher gestoppt mit dem Hinweis, dies doch bitte erst drinnen zu machen. Eine Frau im Einhorn-Overall steht in der Einlass-Schlange vor mehreren Männern mit aufblasbaren Schwertern und Hämmer, und alle schreien sie “Hoots, Hoots” und recken ihre Fäuste oder aufgeblasenen Waffen in die Luft.

Der Kenner weiß sofort: Gloryhammer sind in der Stadt. Die Große Freiheit 36, die 1.600 Leute fasst, ist restlos ausverkauft. Fans sind von nah und fern angereist um sich Geschichten von Helden mit Astral Hammer, bösen Zauberern und Herden von Zombie-Einhörnern anzuhören und mitzusingen. Als Special Guest gibt es vorab noch die kalifornische Melodic Death Metalband Nekrogoblikon, die die Besucher mit ihren Songs über magische Spinnen und Power-Chords aufheizt.

Nekrogoblikon

Das erste Album “Gobiln Island” von Nekrogoblikon wurde von Gitarrist Tim und Keyboarder Nicolas in einer Garage aufgenommen und war nicht mehr als ein Hobby-Projekt. 5 Jahre später war aus dem Projekt eine 5 köpfige Band geworden, die ihr zweites Album “Stench” releaste. Mittlerweile zählt die Band 6 Musiker und wird von dem Maskottchen “John Goblikon” begleitet, einem Pyjama-tragenden und headbangenden Goblin.

Nekrogoblikon spielt harten Melodic Death Metal mit finsteren Texten über das dunkle zweite ich dass man unterdrücken muss. Sie spielen aber auch einen 3-minütigen Song über den Hass auf Schimmel, und ihr Song “Magic Spider” beginnt mit einem Piano-Intro und hört sich an wie ein Kinderlied über eine magische Spinne (bis die harten Gitarren und die Double-Bass-Drum einsetzen). Dazu gibt es Ansagen, die mit Stimmverzerrer und Fanfaren unterlegt sind wie bei Fahrgeschäften auf dem Jahrmarkt.

Nekronomikon’s Melodic Death Metal ist nicht finster, sondern gut gelaunt und lustig. Perfekt, um das Publikum für einen Gloryhammer-Gig vorzubereiten.

Gloryhammer

Prinz Angus McFife schwingt den mächtigen Astral Hammer und reist durch Raum und Zeit um gegen böse Zauberer und Herden von Einhorn-Zombies zu kämpfen. Dieser eine Satz ist das Konzept hinter Gloryhammer und all ihren Songs, bzw. ihren Songtexten. Entstanden aus einer spontanen Idee an der Alestorm-Frontmann Christopher Bowes beteiligt war (bei Gloryhammer ist er Keyboarder und spielt die Rolle und die Robe des bösen Zauberers), brachte die Truppe 2013 ihr erstes Album mit Geschichten von Angus McFife heraus.

Auf der Bühne spielt Frontmann Thomas Winkler die Rolle von Angus McFife in einer Mischung aus Ritterrüstung und Power-Ranger-Anzug mit einer spacigen Sonnenbrille. Und schwingt beim Song „Gloryhammer“ einen riesigen Schaumstoff-Hammer um einen bösen Goblin von der Bühne zu verscheuchen. Den man wiederum nicht mit dem lieben Goblin-Maskottchen John Goblikon verwechseln darf, der keiner Seele was zuleide tun würde. Außer vielleicht ein Schluck vom Bier nehmen.

Der Gig wird dominiert von Songs aus dem 3. Studioalbum “Legends from Beyond the Galactic Terrorvortex”, auf dem erzählt wird wie Prinz Angus durch ein Wurmloch in eine alternative Realität reist, in die sein Erzfeind Zargothrax geflohen ist. Die Story von Angus wird also fortgeführt, in einer Welt, in der der magische Hammer keine Kraft hat. Das ganze endet auch noch mit einem spannenden Cliffhanger (no spoilers, wer mehr wissen will muss das Album hören oder die Handlung googlen). Das ganze präsentiert in kraftvollem Power-Metal, garniert mit spacigen Sounds, epischen Chören und trashigen Bühneneinlagen.

Gloryhammer legen mal wieder eine wunderbar gut-gelaunt-skurrile Show hin, und der einzige Wermutstropfen am Ende des Konzerts ist dass es sicher wieder ein paar Jahre dauern wird bis man erfährt wie die Geschichte von Angus McFife weitergeht.

The HU in Hamburg: Mongolische Rockmusiker im Grünspan

Nach einer kurzen Tour durch St. Pauli ist die Schlange, die sich zum Einlass vor dem Grünspan befindet, auch schon gefunden und beim klassischen Hamburger Wetter auch schnell überwunden. Das Innere des Grünspans ist gut gefüllt, schließlich ist das Konzert restlos ausverkauft und während einige Wenige, vor der Tür noch ihr Glück versuchen überzählige Karten zu ergattern, bahnen wir uns derweil den Weg nach innen.

Fire from the Gods

Fire From The Gods aus Austin/Texas legen pünktlich los und lassen mit einer unglaublichen Energie durch die ganze Band die Hütte brennen – Pyro ist dabei überflüssig. Der Einzige, der nicht wie ein Flummi über die Bühne fetzt, ist Drummer Richard Wicander, aber auch nur, weil er an sein Instrument gebunden ist. Dafür begrüßt er uns als gebürtiger Wiesbadener auch auf Deutsch: „Grützi!“. Sänger AJ Channer versprüht derweil sein Charisma im Raum und ab sofort wird geheadbangt, die Fäuste erhoben und dem Hass der Finger entgegen gestreckt. Während AJ durch den Graben hüpft, geht auch Lead-Gitarrist Drew Walker auf Tuchfühlung mit den Fans in der ersten Reihe. Zum Abschluss ihres gut 45-minütigen Sets pfeffern Fire From The Gods uns noch ihre aktuelle Single „Right Now“ um die Ohren und verlassen die Bühne vom Grünspan – oder eher Glühspan mittlerweile.

The Hu

Es folgt eine kurze Umbau-/Abkühlphase. Neben den Instrumenten werden auch große Ventilatoren ausgepackt, um die Luft etwas um zu wälzen – zumindest während die Pause anhält. Als es schließlich dunkel wird und noch nicht viel zu sehen ist, fängt das Publikum schon an zu rufen: “HU! HU! HU! HU!”. Unter dem immer lauter und lauter werdenden martialischen Chor, kommen nach und nach die Mongolen auf die Bühne. Während Jaya (Maultrommel und Flöte) uns kurz begrüßt, stimmen seine Bandkollegen ein und dann geht der wilde Ritt auch schon los. Ab den ersten Tönen steigt das Publikum voll mit ein. Egal ob die Fans lautstark mitbrüllen oder heftig die Schädel kreisen lassen. Von vorne bis hinten sind alle dabei.

Der Blick durchs Publikum zeigt, für viele ist das nicht nur ein einfaches Konzert, sondern durchaus eine Kultur-Veranstaltung. So haben einige passende Outfits an, um die mongolische Kultur zu würdigen, egal ob Europäer oder Asiate. Vor zwei Monaten hat die Band erst die höchste staatliche Auszeichnung in Ihrer Heimat erhalten – den Orden des Genghis Khan – dafür, dass sie die mongolische Kultur in die Welt tragen und damit Orte erreichen, von denen der Namensgeber nur träumen konnte.

Aber genug zum Kulturprogramm, wird sind für die Musik hier und hier liefern die acht Mongolen ein spitzen Live-Programm. Seit Juni 2019 sind sie ohne größere Unterbrechungen unterwegs. Das Debütalbum „The Gereg“ ist dann im September 2019 erschienen und hat The Hu erst durch die USA und jetzt durch Europa geführt. Jeder Handgriff sitzt perfekt und die kurzen Pausen, die durch das Umstimmen der klassischen, mongolischen Pferdekopf-Geige entstehen, sind willkommen zum Durchatmen, bevor es weitergeht mit dem nächsten Song. Nicht nur auf der Bühne fegt noch einmal ein ganz anderer Wind, als es schließlich zu den Anfängen geht. Jeder einzelne schmettert zu „Yuve Yuve Yu“ und „Wolf Totem“ mit. Den beiden Songs, mit denen alles begonnen hat. Mit einer beeindruckenden Einigkeit schallt es wieder “HU! HU! HU!”. Nach dem großen Finale mit “Black Thunder” – etwas, was sie vom nächsten Album schon im Set haben – gepaart mit “This Is the Mongol” werden The Hu dann auch schon von der Bühne verabschiedet.

Gut durchgeglüht an diesem Winterabend geht es für uns danach wieder raus aus dem Tropenhaus – zumindest fühlt es sich mittlerweile so an – und rein in das gewohnte Hamburger Nieselwetter und Richtung heimwärts. Wir beobachten mit Vorfreude, was uns die  Mongolen noch 2020 für uns bereithalten, schließlich erobern sie derzeit die Bühnen der ganzen Welt für sich. Das nächste Album steht bereits in den Startlöchern und wer die Gelegenheit findet, für den ist ein Konzertabend mit The Hu ein echtes Erlebnis, an das man sich noch eine ganze Weile erinnern wird.

Max & Iggor Cavalera in Hamburg: Thrash-Nostalgie in Originalbesetzung

Mit 20 stolperte ich zum ersten Mal über Sepultura bzw. über das frisch veröffentlichte Album “Against”. Damals hatte Gründungsmitglied Max Cavalera die von ihm gegründete Band schon längst verlassen und Derrick Green war erstmals als Frontmann zu hören und in den Musikvideos zu sehen. In einer Zeit ohne viel Internet, wo Musik für mich etwas war, was aus dem Autoradio kam oder auf MTV lief, war Derrick Green für mich der einzige Frontmann von Sepultura, bis ich einige Jahre später die Plattenläden durchstöberte und auf „Beneath the Remains“, „Arise“ und “Chaos A.D.“ stieß, die meine Begeisterung für Sepultura verstärkten. Vor allem “Chaos A.D.” mit dem stark experimentellem Gesamtkonzept und der röhrenden Stimme von Max hatte doch eine ganz andere Note als Derrick Greens vielseitiger Gesang zwischen Melodie und harten Shouts.

Zeitsprung zu 2017, Max & Iggor Cavalera waren auf dem heiligen Acker von Wacken und spielten “Roots” – und zum ersten Mal hörte ich Max Cavalera LIVE Sepultura-Songs performen. Es war ein grandioses Erlebnis für mich und natürlich war “Roots” aufgrund der Symbolik des Titels eine hervorragende Wahl von den Cavaleras, um die alten Sepultura Zeiten aufleben zu lassen.

Und jetzt, zwei Jahre später, waren die beiden Brüder wieder auf Tournee und dieses Mal hatten sie die beiden Alben „Beneath the Remains“ und „Arise“ im Gepäck, die mir selbst viel mehr bedeuteten als „Roots“. Mit dabei war die Vorband Healing Magic – die neue Band von Max’s Sohn Igor Amadeus Cavalera – deren Songs spirituelle Themen behandelten und melodisch viel weicher waren als der Thrash von seinem Dad und seinem Onkel. Wer weiß, vielleicht gibt es in zwei Jahren ja wieder eine Tour, diesmal mit „Chaos A.D.“ …?

Healing Magic

Igor Amadeus Cavalera hat nicht nur einen, sondern zwei große Schatten, aus denen er hervortreten möchte. Nicht nur, dass er der Sohn der Thrash-Metal-Legende Max Cavalera ist, er trägt auch noch den (phonetisch) gleichen Vornamen wie sein Onkel Iggor. Nachdem er andauernd in Social-Media-Beträgen vertaggt wurde, obwohl eigentlich sein Onkel gemeint war, tritt er nun als Amadeus Cavalera auf und hat mit Travist Stone die Band “Healing Magic” gegründet. Vor der Europa-Tour wurde eine EP “Restoration” released, pünktlich zur Europa-Tour ist das erste Album fertig – genug Material, um eine halbe Stunde als Support-Act zu füllen. 

Healing Magic versucht den Spagat aus Mystik und Thrash-Metal hinzubekommen. Ein interessantes Konzept, sind die Mystischen Themen doch meist im heroischen Melodic- und Power-Metal zuhause, oder ganz finster im Death-Metal. Die Band aus Arizona nimmt die stampfende Rythmen und Riffs des Thrash, und mischt stimmungsvolle Licks ein, die auch in Filmen eingesetzt werden um Spannung zu erzeugen. Dazu kommen melodische Bass-Läufe vom E-Bass, den Amadeus mehr wie eine Gitarre als wie ein Rythmus-Instrument spielt. 

Allerdings merkt man auch, dass es die erste große Tour ist. Zwischen den Songs gibt es ein paar schüchterne Worte, und die Songs selbst werden nur gespielt, statt “für das Publikum gespielt”. Auch die Shouts und Growls von Amadeus haben noch nicht die durchdringende Power eines Veteran-Metallers.

Aber all das kann Healing Magic leicht lernen, und nicht jede Vorband im Grünspan bringt zumindest die vordere Hälfte des Publikums mit ihren Songs in Bewegung. 

Max & Iggor Cavalera

Und dann kommt er auf die Bühne: Max Cavalera, Gründer von Sepultura und Soulfly, Wegbereiter des Thrash Metals, der Mann, der nur 4 der 6 Saiten einer Gitarre braucht um Hits wie “Beneath the Remains”, “Arise”, “Slave of Pain” und “Desperate Cry” zu spielen. 

Das Publikum ist durch gemischt von jungen Leuten die von der 2017er Tour gehört haben und begeistert waren bis Fans der Ersten Stunde (d.h. die 1983 die erste Scheibe gekauft habe), neben Hamburgern trifft man auch viele Metalheads die eine längere anreise hinter sich haben um Max und Iggor live zu sehen. 

Und keiner ist enttäuscht. Max Grow-Shoutet in sein Mikro auf dem patronenbesetzten Ständer und seine Gitarre stimmt mit röhrenden Riffs mit ein. Iggor stampft in die Pedale der Double-Bass-Drum wie King Kong und drischt dabei auf die Drums ein als wolle er sie noch vor dem Ende des Gigs zerstören. Marc Rizzo (Gitarre) und John Chow (Bass) steigen in die hitzige Leidenschaft der Cavaleras mit ein, treiben sie noch weiter in die Höhe, und da Publikum hat keine andere Wahl als sich mitreißen zu lassen. 

Jeder Songs wird nach den ersten Tönen erkannt, auch wenn er nicht angesagt wurde, jede Strophe wird laut mitgegröhlt, und das Grünspan erhitzt sich durch die Moschende Menge zu einem Hochofen in dem pures Metal zusammengeschmolzen wird. Aber es gibt auch (vergleichsweise) ruhige Passagen, wie “Orgasmatron”, wo Max zu einem Prediger einer finsteren Zukunft wird. Und neben Songs von den beiden Alben “Beneath the Remains” und “Arise” werden noch Cover von  black Sabbath’s “War Pigs” und eine Version von “Ace of Spades” gespielt, auf die Lemmy Kilmister (Frontmann Mötörhead) sicher stolz gewesen wäre. Und schließlich, in der Zugabe, spielen sie noch einmal “Refuse” von Chaos A.D.

Clawfinger in Hamburg oder „Dürfen weiße das N-Wort benutzen?“

Normalerweise würde dieser Artikel wohl mit einer Location-Beschreibung anfangen, wie z. B. “Samstagabend, das ausverkaufte  Grünspan ist brechend voll und es ist mal wieder so stickig und heiß wie in einer Sauna”. Stattdessen möchte ich ein Missverständnis aus dem Weg räumen, auf das ich neulich angesprochen wurde: Clawfinger ist keine rassistische Band. Ja, die allererste Single von Clawfinger hieß “Nigger” und deren Refrain lautet “Nigger Nigger Nigger Nigger Nigger, You’re the real Niggers”. Natürlich gab es selbst in den 90en, als der Song rauskam – und als Süßigkeiten noch Negerkuss und Mohrenkopf heißen durften – schon einen großen Aufschrei und Rassismus-Vorwürfe gegen die Band.

Aber Letztendlich muss man nur etwas genauer Hinhören um zu erkennen, dass Clawfinger keine “Nazi-Band” ist. Denn der Song “Nigger” kritisiert die 90er-Jahre-Hip-Hop-Kultur, in der das Wort “Nigger” von den damaligen Gangster-Rappern nahezu inflationär in fast allen Liedtexten eingesetzt wurde. Auch wegen der anfänglichen Missverständnisse tritt Clawfinger immer wieder deutlich (und sehr glaubwürdig) gegen Gewalt und Diskrimierung ein. Aber genug davon, kommen wir zur Musik.

apRon

Dank eines Stellwerkfehlers der S-Bahn Hamburg verpasse ich leider die ersten Songs von apRon. Was sehr schade ist, denn die “Alternative CrossConfettiCoreOver”-Band (Zitat vom Sänger Till) aus München macht vor allem live sehr viel Spaß. Textlich sind ApRon eindeutig gesellschaftskritischer Deutsch-Punk. Songs wie “Ponyhof” und “Gläserner Mensch” kritisieren Themen wie Gentrifizierung und mangelnden Datenschutz in der modernen Gesellschaft. Musikalisch schöpft die Band aus der vollen Bandbreite, die man gerade noch so unter “Metal Core” zusammenfassen könnte: Eingängige Melodien und Gesänge die einen als Ohrwurm tagelang verfolgen – allen voran “Mensch aus Glas” – da wechseln sich Bassdrum-Maschingewehrfeuer und hartes Growling ab. Eine halbe Stunde als Vorband ist für diese vielseitigen Musiker aus München viel zu kurz und ich freue mich schon auf ein hoffentlich baldiges Wiedersehen.

Clawfinger

Clawfinger ist “Crossover Rap Metal”. Und das seit 25 Jahren. Wenn man ganz ehrlich ist, hat sich der Stil von Clawfinger in den letzten 25 Jahren eigentlich gar nicht verändert. Das stört aber offenbar niemanden, denn das Grünspan ist zur “25 years of Deaf Dumb Blind” Tour ausverkauft und 1.500 Besucher drängen sich vor die Bühne oder oben auf der Galerie um den Schweden dabei zuzusehen und zuzuhören, wie sie ihr erstes Album live aufführen … und noch ein paar Bonus-Tracks aus der 25-jährigen Bandgeschichte.

Die ersten 10 Tracks werden genau in der Reihenfolge wie auf dem Album gespielt, was bedeutet dass die erste Single “Nigger” der Eröffnungs-Song ist. Frontmann Zakk schreit ins Mikro, Bassist André wirbelt seine knielange Locken-Matte im Kreis während seine Finger über die Bass-Saiten fliegen, und Drummer Micke prügelt auf das Drumset ein dass man denk er braucht nach der ersten Set gleich ein neues. Etwas farblos bleibt Bård an der Gitarre, sowohl was Bühnenpräsenz als auch was sein Instrument angeht. Denn bei Clawfinger geht es um harte Beats und scharf gerappte, bissige texte, nicht um melodische Gitarren-Singles. Auch wenn man die Schweden oft mit Rage Against the Machine vergleich, so fehlt ihnen ein Gitarren-Virtuose wie Tom Morello. im Line-Up.

Kompensiert wird das ganze durch rohe Power, die das Publikum mitreißt und einen simplen, trotzdem unverwechselbaren Stil prägt, der zu zahlreichen Erfolgreichen “Remix by Clawfinger” Hits von Band-Größen wie Krupps, In Extremo und Rammstein führten. Heute Abend verzichtet die Band auf Remixes und bleibt sich treu: Bei “Catch me” springt Zak wie es sich gehört ins Publikum um zu Crowdsurfen, und nach den 10 Tracks von von Deaf Dumb Blind” folgen weitere Singles und Hits aus der Bandgeschichte, bis sich nach der Zugabe Band und Publikum völlig verschwitzt und ausgepowert voneinander verabschieden um ins samstägliche Nachtleben zu entschwinden.

Zum 1. Mal in Deutschland – Blackheart-Burlesque mit den SuicideGirls

Vor 10 Jahren zeigte mir ein guter Freund zum ersten Mal ein YouTube-Video von den SuicideGirls. Seine Erklärung dazu war “attraktive, natürlich Schönheiten mit kunstvollen Tätowierungen entkleiden sich kunstvoll auf der Bühne” – bzw. ist das die korrekte Übersetzung dessen, woran ich mich an diesem feucht-fröhlichen Abend noch erinnere.

Die SuicideGirls sind keine Stripperinnen mit aufgespritzten Lippen und gemachten Brüsten, die sich lasziv auf einer Bühne räkeln, sich dabei komplett entblättern und Geldscheine vom Publikum ins Höschen stecken lassen, während diese am 10 Euro-Bier nuckeln. Die SuicideGirls sind Burlesque-Tänzerinnen. Oben genannter Freund erklärte mir damals Burlesque mit “Titten gucken mit Niveau”. Tatsächlich sind Burlesque-Shows kleine Kabarett-Nummern, die Themen schlüpfrig und humorvoll erzählen. Die Frauen entkleiden sich dabei auf der Bühne nur bis zu einem gewissen Grad. Das Höschen bleibt an, die Nippel werden nicht gezeigt. Viele kennen vielleicht aus Filmen und Serien die klassischen Nippelteller mit Kordeln, die rotieren wenn die Burlesque-Tänzerin mit ihrem Busen wackelt. Die SuicideGirls kleben ihre Nippel einfach mit einem Kreuz aus schwarzem Tape ab. Es handelt sich bei den Frauen um natürliche, “ungemachte” Schönheiten, mehr oder weniger stark tätowiert, immer gut gelaunt und immer zu einem Scherz aufgelegt.

Bildergalerie: So waren die SUICIDE GIRLS live

Gemeinsam interpretieren sie moderne Themen neu wie Adventuretime, Orange is the New Black, Superhelden, die Spice Girls, Michael Jackson’s “Thriller” oder Star Wars mit Musik, guter Laune, Tanz-Choreografien und natürlich einer gehörigen Prise Ausziehen und nackter Haut. Noch nie waren Zombies und Stormtrooper so sexy wie beim Blackheart Burlesque. Aber natürlich gibt es auch “klassische” Motive, wie einen heißen lateinamerikanischen Paartanz oder eine Fetisch-Szene mit Augenbinde und einer (ganz kleinen) Peitsche.

Aufgelockert werden die Ensemble-Nummern durch Einzelauftritte der Girls. Eine sexy Arielle singt in einer schlüpfrigen Interpretation von “Part of your World” welchen “Parts” sich ihr Märchenprinz widmen soll, Harley Quinn kommt mit einem Baseball-Schläger auf die Bühne und tackert(!) sich als Liebesbeweis zwei Joker-Spielkarten an ihre nackten Oberschenkel und selbst der “Prince of Bel Air” hat ein Gastspiel mit seinem Basketball.

Und das Publikum darf auch mitmachen. Ein glückliches Pärchen wird von den SuicideGirls im Lapdance gecoached – und dann darf ER zeigen was er gelernt hat und IHR einen Lapdance geben. Ein “intelligent Aussehender” (Auswahlkriterium!) männlicher Besucher muss einen Text lesen und daraufhin drei Fragen beantworten – und wird beim lernen leider von einem SuicideGirl abgelenkt. Respekt, dass er es trotzdem geschafft hat, zumindest die erste Frage richtig zu beantworten. Und natürlichen werden Ladies aus dem Publikum auf die Bühne gerufen, um zu zeigen wie gut sie tanzen können.

Am Ende sind zwei Stunden viel zu früh vorbei und ich kann mich nicht entscheiden welcher der Mädels ich einen Heiratsantrag machen will, bis zwei von ihnen einen Stagedive machen und diei eine – Sunny – nicht mehr zurück auf die Bühne, sondern stattdessen zur Bar getragen werden will. Eindeutig die Frau meines Herzens!

Die SuicideGirls sind mit ihrem “Blackheart Brulesque” noch bis zum 2. Dezember in Deutschland auf Tour und ich kann diese Show wärmstens jedem empfehlen, der auf natürliche Tänzerinnen, viel Haut und schlüpfrigen Humor steht oder in diesem Sinne auf “Titten-Gucken mit Niveau”.

Beyond the Black: neu formiert in Hamburg

Obwohl der Einlass erst um 18:30 begann, standen die ersten Fans bereits gegen 15 Uhr vor dem Grünspan. Gegen 17 Uhr führte die Schlange schon an dem Gebäude vorbei und spätestens um 18 Uhr wusste jeder, der am Grünspan vorbei ging, dass heute ein ausverkauftes Konzert stattfand.

Der zweite Termin auf der Headliner-Tour von Beyond the Black fand zwei Tage nach dem Announcement statt, dass die neue Band-Besetzung feststand. Erst im Juli wurde die Band bis auf Frontfrau Jennifer Haben aufgelöst, die daraufhin “volle Entscheidungsgewalt” zur Neubesetzung der Band erhielt. Ende Juli fand eine offene Audition statt, bei denen sich Bandmitglieder per Video bewerben konnten. Und nun, 3 Monate später, stand die neue Besetzung gemeinsam auf der Bühne um zu beweisen, dass die Umbesetzung der Band die richtige Entscheidung war.

IVORY TOWER

Vorband war Ivory Tower, eine “Modern and Progressive Metal Band” die in Hamburg ein Heimspiel haben, da die Bandbesetzung aus Hamburg, Kiel und Rendsburg stammt. Auch wenn die Band bereits 1998 gegründet wurde, besteht die aktuelle Besetzung mit Frontmann André Fischer erst seit 2014. Aber nach 13 Gigs in 2015 war der Support-Gig am heutigen Abend der 8. Live-Auftritt in 2016. Entsprechend routiniert rockte Ivory Tower die Grünspan-Bühne. Viele Vorbands schaffen in den 30 Minuten, die Ihnen zur Verfügung stehen, ca. 8 – 10 Songs. Ivory Tower spielten gerade mal 4. Auch wenn die Songs auf dem letzten Album “IV” stärker vom komplexem Melodic Metal in Richtung kompaktem Heavy Metal entwickelt haben, zeigt die Songlänge von Ivory Tower eindeutig ihre Wurzeln im Progressive Metal. Die Finger von Gitarrist Dirk Meyer fliegen nicht mehr ganz so schnell und wild über das Griffbrett und der Bass hat viel mehr Durchsetzungsvermögen, aber durch die abwechslungsreiche Struktur der Songs (Punkbands könnten aus einem Ivory Tower-Songs wahrscheinlich 3 – 5 Songs schreiben) gibt es keine Längen. Zu Recht wird Ivory Towers deshalb auch als “Mainstream-tauglicher Progressive Metal” bezeichnet, der auch Beyond the Black Fans einheizen konnte.

Bildergalerie: So war IVORY TOWER live

BEYOND THE BLACK

Das Grünspan mit seinem klassischen Säulen, den unverkleideten Wänden, der Theaterbühne die auch für Konzerte genutzt wird und dem Oberrang mit dem edel geschwungenen Stahlgittern. Eine perfekte Location für Symphonic Metal Bands, die klassische Songstrukturen und Frontfrauen mit klaren, durchdringenden Stimmen mit hartem Metalrythmen und growlenden Gitarristen kombinieren.

Auch Beyond the Black schienen sich auf der Bühne wohl zu fühlen. Sobald das Licht gedimmt war und das Intro loslief, bauten sich Schlagzeuger, Keyboarder und Bassist auf, die am Tag davor in Köln zum allerersten mal für Beyond the Black auf der Bühne standen. Dann folgen die beiden Gitarristen, die Wacken 2016-Besucher schon als “Übergangslösung” auf der Partystage gesehen hatten und schließlich Frontfrau Jennifer Haben, die direkt mit der Hitsingle “Lost in Forever” Vollgas gab. Das kleine Energiebündel rockte die Bühne, animierte die Fans zum Mitsingen, Klatschen, Jubeln und Rocken und sang dabei noch ihre Hits mit der beeindruckenden Stimme. Fast konnte man meinen, sie bräuchte kein Mikrofon um das Grünspan zu beschallen.  

Bildergalerie: So war BEYOND THE BLACK live

Erst nach 6 Songs gönnte sie sich eine Ruhepause, in dem Sie sich an das aufgebaute Stagepiano setzte und mit einem Cover des Motörhead-Songs “Love me Forever” Lemmy Kilmister gedachte. Beeindruckend war auch das Zusammenspiel der beiden Gitarristen, die sich bei dem darauffolgenden Song “Shine and Shade” ein kurzes Gitarrensolo-Duell lieferten. Chris mit der warmen Gibson LP, der Jennifer mit growlenden Song-Passagen unterstützte und Tobi, der mit flinken Fingern die jaulende Ibanez spielte, wirkten bereits auf der Wacken Partystage als eingespieltes Team. Auf der Grünspan-Bühne stimmten sich die beiden und Jenny mit kurzen, routinierten Blicken ab und legten eine Show hin, bei der man eindeutig spürte, dass zwischen den Dreien die Chemie stimmt.

Bassist Stefan, der die anderen drei überragte und durch seine Größe und seinen 5-Saitigen Bass allein schon Bühnenpräsenz besaß, muss noch seinen Platz in diesem Konstrukt finden – aber ist auf einem guten Weg. Man merkt noch ein wenig, dass die anderen drei einen leichten Vorsprung an gemeinsamen Gigs haben, aber Stefan fügt sich gut in die Bühnenshow ein, spielt mal mit Chris und mal mit Tobi, und wenn er doch mal keinen in der Nähe hat geht er direkt auf das Publikum zu und spielt mit den Fans. Keine Frage, noch ein paar Gigs und Stefan wird sich nahtlos in die neue Bühnenshow einfügen.

Neben Songs aus den Alben “Songs of Live and Death” und “Lost in Forever” pärsentierte die Band noch einen der 4 neuen Songs, die extra für das neue Touralbum geschrieben wurden. “The Other Side” ist ein kraftvoller Song, der sich dem Stil von Beyond the Black einfügt und den bisherigen Hitsingles in nichts nachsteht. Spätestens bei den Zugaben “Halleluja” und “Running to the Edge” dachte keiner mehr darüber nach, ob die Neubesetzung der Band die richtige Entscheidung war.

Das aktuelle Album von Beyond The Black erhaltet ihr bei Amazon:
Audio-CD „Lost in Forever oder MP3-Download „Lost in Forever“

In Kürze seht ihr bei uns JENNIFER HABEN
von BEYOND THE BLACK im INTERVIEW

Beyond The Black / Grünspan Hamburg 2016

Delain in Hamburg: Wochenendausklang mit 3-fach Metal

„Hat die perfekte Größe“, könnte man über das Grünspan als Location sagen. Die Halle ist groß genug um 800 Leute zu fassen, aber selbst wenn sie ausverkauft ist, kann man von der letzten Reihe noch das Geschehen auf der Bühne gut verfolgen. Und man braucht selbst von ganz vorn nicht mehr als fünf Minuten zum Bierholen und wieder zurück. 10 Minuten, wenn man mehr als zwei Bier holt und dabei wirklich keinen einzigen Tropfen verschütten will. Antike Säulen – meist Farbig angeleuchtet, tragen den Rang oben, zu dem es mittlerweile nur noch Zugang gibt, meistens wird er als Garderobe genutzt. Die 1968 eröffnete Location ist bekannt für die musikalische Vielfalt ihrer Veranstaltungen und Konzerte, und hat schon zahlreiche Metal-Acts auf der Bühne gehabt.

Am Sonntag Abend standen Delain auf der Bühne, mit Kobra and the Lotus und Evergrey als Vorband. Wobei der Anteil von Evergrey-Fans, zumindest wenn man nach der Anzahl der  Evergrey T-Shirts ging, nicht unwesentlich war. Die Kombination der Bands war abwechslungsreich und passend zugleich: Nachdem Kobra Paige mit ihrer Heavy Metal Kombo Kobra and the Lotus die Menge anheizten, legten die Prog-Metaller aus Göteburg Evergrey mit Songs aus ihrem gerade im September erschienenen Album (The Storm Within, VÖ 6/2016) noch eine Schippe drauf. Und als Delain endlich die Bühne enterten, war die Menge gut drauf und bereits warmgebangt und -gesprungen. Nach dreieinhalb Stunden war das komplette Spektakel vorbei und die Besucher strömten zum Ausgang, um nach einem gelungenen Konzertabend noch die letzte Bahn zu kriegen. Oder doch noch mal schnell beim Merch-Stand vorbei, denn Bier gab es im Grünspan ab der zweiten Hälfte der letzten Sets keines mehr.

KOBRA AND THE LOTUS

„Approved by Gene Simmons“, ein Attribut dass die kanadische Heavy Metal Kombo um Frontfrau Kobra Paige trägt, seit dem sie vor 5 Jahren von Simmons Rekords gesigned wurden – dem Label von Kiss-Ikone Gene Simmons. Auch wenn Sie mittlerweile bei Titan Rekords ihre Alben veröffentlichen, kann man nachvollziehen warum Simmons die Band damals unter Vertrag nahm: rockig kam die blonde Frontfrau daher, die ihre wallende Mähne zu den harten Riffs hin und her warf, den Mikrofonständer der Menge entgegen reckte und ihre Band und die Menge antrieb. Leider mit einem viel zu kurzen Set, dass mit „50 Shades of Evil“ kraftvoll beendet wurde.

Bildergalerie: So war KOBRA AND THE LOTUS live

EVERGREY

„Langhaarige Kerle, die trotz Hitze im Saal in Lederkutten schwitzend im schummrigen Licht auf Gitarren rumfummeln und ins Mikrofon grölen.“ Und außerdem waren „alle Songs viel zu lang“. Dies war die Rezension einiger Delain-Fans meines Vertrauens, die offensichtlich gut ausgeleuchtete weibliche Reize auf der Bühne brauchten um Metal genießen zu können. Das Ganze fällt unter den Namen Progressive Metal und Evergrey sind seit ihrem Debüt-Album 1998 aus dem Genre nicht wegzudenken und werden oft mit Dream Theater und Ted Monrose verglichen. Auch im Grünspan zeigten die Veteranen aus Göteburg, dass sie sich ihren Ruhm und den Erfolg ihren neues Albums „The Storm Within“ verdient haben. Eröffnet wurde das – auch diesmal leider viel zu kurze – Set mit „Passing Through“ gefolgt von fünf weiteren Songs aus dem letzten 10 Jahren. Düstere Atmosphäre, kraftvolle und finstere Songs machen Evergrey aus, deren Texte sich mit Tod, Paranoia und religiösem Fanatismus befassen. Zwischen den Songs sind die Schweden nett, scherzen mit den Fans, bedanken sich für den Support, erwidern den Applaus in dem sie den Gästen applaudieren und dann hauen sie wieder in die Saiten und Tasten. Zum Schluss besingen sie mit „King of Error“ den Geltungs- und Selbstinszinierungswahn der heutigen Welt und den den tiefen Abgrund der sich da runter auftut. Und ja, der Song ist über 7 Minuten lang! Deal with it.

Bildergalerie: So war EVERGREY live

DELAIN

Ein großer Bühnenumbau, Keyboard und Schlagzeug auf einem hohen Podest, dazwischen ein Plattform wo je ein Bandmitgleid über dem anderen stehen kann, das Logo groß auf der gesamten Rückwand, vorne nur eine leergeräumte Bühne und 3 Mikrofonständer. Der mittlere mit einer metall-ummantelten Lichtsäule mit ständigem Farbwechsel. Die Bühnenausstattung von Delain war eindeutig auf einem höheren Level als bei Evergrey und Kobra and the Lotus. Die vom Ex-Whithin-Temptation-Keyboarder gegründete niederländische Melodic Metal Band machte aus der kleinen Grünspan-Bühne eine Location, die sich vor größeren Sälen nicht verstecken musste. Und auch die einzelnen Band-Mitglieder wussten routiniert ihre Rollen auf der Bühne zu spielen. Nicht nur ihre Instrumente, wobei eine Kombination aus einer 7-saitigen und einer 8-saitigen Gitarre mit dem entsprechenden Geschick der Gitarristen sehr schöne Melodien zaubern können. Das dumpfe Growlen des Bassisten war eine passende Ergänzung zu der beeindruckenden, aber für Metal fast schon ein tick zu freundlichen Stimme der Sängerin Charlotte Wessels. Diese wurde nicht müde, während des 1,5-stündigen Sets sich vom Publikum nach jedem Song noch einen zweiten oder dritten Applaus abzuholen und sich feiern zu lassen. Gab dann aber auch die so erhaltene Energie mit Zins und Zinseszins an die begeistert mit-klatschende, -singende und schreiende Menge zurück.

Jeder Ton, jede Bewegung auf der Bühne saß perfekt und doch gab es auch immer wieder auflockernde Momente. Zum Beispiel wenn der fast 2 Meter große Bassist der 1,60 m großen Gitarristin zwischen zwei Songs kurz den Kopf tätschelt. Wie es sich gehört,ging die Band nach „Not enough“ von der Bühne, wie es sich gehört kamen sie nach lautem Applaus  wieder zurück und spielten „Mother Machine“, „Don’t let go“ und „We are the others“ als Zugabe. Und wie es sich gehört, stand kein Zuschauer im Grünspan während der Zugabe still, sondern klatsche, sang und sprang mit, so wie es Charlotte auf der Bühne vormachte.

Bildergalerie: So war DELAIN live

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Danke an:
Mark Carsten für Bilder und Text

Soul-Sänger Charles Bradley begeistert Hamburg

Am Dienstag den 12. April 2016 war es wieder soweit, der 67-jährige Soulsänger Charles Bradley betrat die Bühne im ausverkauften Grünspan in Hamburg.

Mit seinem goldenen Anzug und die Hände zu einem Herz geformt kam er auf die Bühne gekommen und hat mit seiner unglaublichen Soulstimme sein Publikum zum schreien und mitswingen gebracht. In seinen Liedern und seiner Stimme spielt Liebe, Trauer, Wärme mit er und gibt sich seinen Emotionen voll hin, geht auf die Knie und nimmt seinen Mikrofonständer als Last auf seine Schultern. Die Grundlage seiner emotionalen Songs sind seine unzähligen unschönen Erfahrungen, die er in seinem Leben machen musste.

Bildergalerie: So war CHARLES BRADLEY live:

Sein großes Vorbild, James Brown, hat er mit 14 Jahren gesehen. Er sagte über ihn: „…wenn ich seine Songs singe, fühle ich, wie meine Seele zu seinem Geist Verbindung aufnimmt. Aber jetzt singe ich meine eigenen Songs, damit die ganze Welt erfährt, was Charles Bradley in seinem Innern fühlt, all den Schmerz, die Verletzungen, die sich in mir aufgestaut haben.“ Bradley nimmt mit seinem Robotertanz und schwingenden Hüften sein Publikum in seinen Bann. Knapp 1,5 Stunden inklusive Zugabe konnten seine Fans feinsten Soul erleben und genießen, den der Vollblutmusiker an diesem Abend zum Besten gab.

Das neue Album von Charles Bradley gibt’s bei Amazon:
„Changes“ Audio-CD oder „Changes“ Vinyl-LP