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Rockharz Open Air 2025 – Freitag + Samstag

Nach einem stürmischen Start in die Festivalwoche zeigte sich der Harz am Freitag, den 4. Juli, endlich wieder von seiner freundlichen Seite: 24 Grad, leichter Wind, strahlender Himmel – perfektes Wetter für die große Bühne und noch größere Riffs.

Beim Rockharz Open Air 2025 sorgten rund 600 bis 700 Helfer hinter den Kulissen – darunter Crew-Mitglieder, Zulieferer, Partnerfirmen und Einsatzkräfte von Polizei, Feuerwehr und Malteser – für einen reibungslosen Ablauf. Für die Infrastruktur standen über 85 Frischwasser-Zapfstellen sowie 1100 mobile Toiletten und zusätzlich mehr als 250 kostenfreie Spültoiletten zur Verfügung. Das neue Anreise- und Verkehrskonzept bewährte sich: Laut Gästefeedback betrug die durchschnittliche Wartezeit bis zum Erreichen des Campingplatzes nur 30 bis 50 Minuten. Ein besonderes Highlight: Acht Paare gaben sich am Donnerstag und Freitag direkt auf dem Festivalvorplatz das Ja-Wort.

So war der Freitag

Die Stimmung auf dem Flugplatz in Ballenstedt war entsprechend euphorisch, durchzogen von Sonnencreme, Bierdunst und der kollektiven Vorfreude auf Schwergewichte wie Powerwolf, Solstafir, Gloryhammer, Cradle of Filth, Deserted Fear oder Overkill die mit bombastischem Sound und fanfreundlichen Setlists ablieferten. Der Tag war ein Festivalhöhepunkt für Power- und Melodic-Death-Fans – mit epischen Chören, fliegenden Mähnen und Moshpits im Staub, der langsam dem Abendrot wich.

Harpyie + Aephanemer

Harpyie lieferten zu unserem Tagesstart eine mitreißende Folk-Metal-Show ab, die zwischen Flötenzauber, Stromgitarren und Festivalchaos perfekt balancierte. Die Ostwestfalen, bekannt für ihren Mix aus Mittelalterinstrumenten, Modern Metal und sozialkritischen Texten, zogen ein begeistertes Publikum in ihren Bann. Mit Chartplatzierungen und stetig wachsender Fanbase haben sich Harpyie längst aus dem Underground emporgespielt – und bewiesen in Ballenstedt einmal mehr, dass sie auf die große Bühne gehören. Eine energiegeladene, bunte und gleichzeitig tiefgründige Show, die zeigte: Folk Metal kann mehr als nur Dudelsack und Trinklieder.

Weiter ging es mit Aephanemer, die eine ordentliche Portion französischen Melodic Death Metal mit symphonischem Einschlag auf die Bühne brachten und für fliegende Mähnen sorgten. Die Band aus Toulouse überzeugt seit Jahren mit einem einzigartigen Sound, der epische Orchestrierungen mit gnadenlosen Riffs und Blastbeats verbindet – live ein echtes Erlebnis. Sängerin und Gitarristin Marion Bascoul führte das Publikum mit kraftvoller Stimme und charismatischer Präsenz durch ein tightes, dynamisches Set. Aephanemer zeigten sich als absolute Ausnahmeerscheinung im Genre – technisch brillant, atmosphärisch dicht und auf der Bühne schlicht mitreißend.

Deserted Fear + Vader

Kein Schnickschnack, kein Firlefanz – es folgte ein ehrlicher, ehrfurchtgebietender Death Metal vom Feinsten. Deserted Fear sorgten für einen amtlichen Abriss, der nach verbrannter Erde und ordentlich Thrash-getränktem Death Metal roch. Die Thüringer Death-Metal-Institution, seit Jahren fester Bestandteil der europäischen Szene, spielte sich mit unbändiger Energie und präzisem Geballer durch eine gut gewählte Setlist. Was die Jungs ausmacht, ist ihr Gespür für eingängige Härte, gepaart mit einem Sound, der sowohl oldschool brettert als auch modern drückt. Trotz früher Uhrzeit war die Crowd hellwach – Circle Pits, Pommesgabeln und eine Wand aus treibenden Riffs inklusive.

Vader walzten alles nieder, was nicht rechtzeitig das Bier festhielt – und lieferten eine Lehrstunde in Sachen polnischer Death-Thrash-Präzision. Seit den späten 80ern aktiv, zählen sie zu den langlebigsten und kompromisslosesten Exporten Osteuropas in Sachen Extrem-Metal. Mit einer Setlist voller Nackenbrecher feuerten sie tight, kalt und ohne Schnörkel durch ihr Set – keine Gnade, nur Blastbeats. Frontmann Piotr Wiwczarek growlte mit ungebrochener Autorität und ließ dabei die Gitarren kreisen wie ein Kreissägeblatt im Endzeitmodus. Eine Show, so erbarmungslos wie erwartet – und genau deshalb absolut sehenswert für alle, die Metal ohne Weichzeichner mögen.

Draconian + Any Given Day

Draconian brauchten leider ganze vier Anläufe in den vergangene Jahren, um endlich vor dem Rockharz-Punlikum zu stehen – und machten den lang erwarteten Moment zu einem intensiven Erlebnis. Die schwedischen Gothic-Doom-Meister zelebrierten ihre melancholisch-düsteren Klangwelten mit einer fast zerbrechlichen Wucht, getragen von der betörenden Stimme von Lisa Johansson und den tief grollenden Growls von Anders Jacobsson. Diese Show tauchte das Gelände in einen emotionalen Nebel aus Schwermut, Eleganz und doomiger Grandezza. Ein seltener, atmosphärisch dichter Auftritt, der sich vom üblichen Festivaldonner wohltuend abhob – und das lange Warten belohnte.

Mit einer modernen Metalcore-Massiveinheit kamen danach Any Given Day auf die Bühne, die zwischen Breakdowns, Melodie und Moshpit-Ekstase keinen Wunsch offenließen. Die Gelsenkirchener, die sich mit Alben wie “Overpower” und “Limitless” längst einen Namen im internationalen Core-Zirkus gemacht haben, überzeugten mit einem druckvollen Sound und einer enormen Bühnenpräsenz. Frontmann Dennis Diehl pendelte souverän zwischen brutalen Shouts und glasklarem Clean-Gesang, während die Gitarrenriffs messerscharf durch die Harzer Luft schnitten. Ihre Hits verwandelten das Gelände in ein Testgelände für Nackenmuskulatur und Crowdsurfer. Ein Auftritt, der zeigte: Metalcore made in Germany kann auch international ganz oben mitmischen – kompromisslos, emotional und absolut energiegeladen.

Die Kassierer + Gloryhammer

Eine unnachahmliche Mischung aus Punk-Wahnsinn, satirischem Humor und derben Beats brachten danach Die Kassier auf die Bühne – und bewiesen, dass sie seit Jahrzehnten Kultstatus in der deutschen Szene genießen. Ihre Hits zündeten ein Bauernhof-Theater deluxe, das zwischen provokanten Ansagen und absurder Performance pendelte. Die Herren um Wölfi verstanden es meisterhaft, ihre tiefschwarze Comedy in eine musikalische Trashhymne zu packen, bei der niemand stillstehen konnte – Campground-Pogo inklusive. Ein geradezu anarchischer, lautstarker Spaß, der zeigte: Wer Punk mit Zynismus und Lokalpatriotismus sucht, kommt an ihnen nicht vorbei.

Gloryhammer kamen danach mit einem bombastisches Power-Metal-Spektakel and en Start, das irgendwo zwischen Sci-Fi-Operette, Ritter-Epos und Festivalparty angesiedelt war. Mit ihren Songs zündete die Truppe um Sänger Sozos Michael eine Show, die gleichermaßen zum Headbangen wie zum Schmunzeln einlud. Die Band hat sich mit ihren epischen Konzeptalben und einer ordentlichen Portion Selbstironie eine treue Fangemeinde erspielt – und live verwandeln sie jedes Set in eine galaktische Schlacht mit Synthie-Glanz und Rüstungsblitz. Ein herrlich überzogenes, musikalisch tightes Fantasy-Feuerwerk, das genau weiß, wie viel Spaß Power Metal machen kann, wenn man ihn nicht zu ernst nimmt.

Cradle of Filth + Mono Inc.

Cradle of Filth entfachten ein schwarzromantisches Inferno aus düsterem Symphonic-Black-Metal, bei dem theatralische Eleganz auf bestialische Wucht traf. Die britischen Gothic-Metal-Pioniere haben mit unzähligen Platin-Auszeichnungen und mitreißenden Live-Auftritten seit den 90ern eine Kultbasis aufgebaut. Sänger Dani Filth entführte mit seiner einzigartigen Falsettstimme in finstere Klangwelten, während orchestrale Keyboards, aggressive Riffs und präzise Drums eine dichte Atmosphäre webten. Die Show war ein opulentes Spektakel aus Nebel, rotem Licht und perfekt gesetzten Metal-Schauspielmomenten – unbedingt sehenswert für Freunde der finsteren Seite des Metal-Zirkus.

Mono Inc. bewiesen erneut, warum sie zu den pfälzischen Gothic-Rock-Powerhouses gehören, indem sie Atmosphäre mit Stadionreife kombinierten. Mit ihren Hymnen erzeugten sie eine dichte, fast schon cinematic Stimmung, die selbst bei Tageslicht Wirkung zeigte. Sänger Martin Engler führte mit charismatischer Stimme und packender Bühnenpräsenz durch ein Set, das sowohl Fans der dunklen Klänge als auch Neueinsteiger abholte. Ein mitreißender Auftritt, der zeigte: Kraftvoll, emotional und absolut sehenswert.

Powerwolf + Sólstafir

Powerwolf verwandelten das Infield in eine mittelalterliche Metalmesse – mit Chorälen, Glockengeläut und pompöser Bühnendekoration, als wären sie direkt aus einem gotischen Comic gestiegen. Die Wolfsfanatiker aus Saarbrücken sind bekannt für ihre hymnische Power Metal‑Wucht, die auf Alben wie “Preachers of the Night” und “Call of the Wild” Charts und Festivalbühnen stürmte – live klang das dann wie ein heiliges Massaker im Kuttenschick. Frontmann Attila Dorn führte die Meute mit opernreifer Stimme, grandiosem Entertainer‑Charme und sakral-ulkigen Ansagen durch ihre Hits. Eine Show‑Explosion aus Pyro, Pomp und Party, die nicht nur Metal-Herz, sondern auch Kehle und Klatschkraft bestens forderte – absolut must-see für alle, die Metal mit Kirchenwürze mögen.

Sólstafir beendeten das Rockharz am Freitag spätabends als letzter Tagesact mit einem hypnotisch-düsteren Soundteppich, der zwischen Post-Rock, Black Metal und nordischer Weite oszillierte. Die Isländer, deren Alben wie “Endless Twilight of Codependent Love” international gefeiert werden, verzauberten das Publikum mit majestätischen Gitarrenklängen, melancholischen Melodien und emotioneller Tiefsinnigkeit. Sänger Adalbjörn Tryggvason führte mit eindringlicher Stimme durch ein Set, das trotz der Stunde keine Müdigkeit aufkommen ließ – im Gegenteil: Jeder Ton wirkte wie ein letzter Cliffhanger. Ein Abschluss, so eindrucksvoll wie ein Sonnenaufgang nach einer langen Nacht – sphärisch, berührend und unvergesslich.

So war der Samstag

Samstag, der 5. Juli, ließ es dann nochmal ordentlich krachen – auch wettertechnisch: 26 Grad, etwas windig, Sonne-Wolken. Jeder war bereit für das große Finale, das mit Acts wie In Ex, ASP, Dragonforce, Combichrist, Grand Magus und dem famosen Abschluss durch Tragedy eine letzte Klangkeule schwang, die ihresgleichen sucht. Die Stimmung war ausgelassen, familiär und voller Festivalmüdigkeit mit Glückstränen – kein Wunder nach fünf Tagen Zeltplatzbraterei, Bierfrühstück und durchgegrölter Nächte. Die Pyro-Show von In Flames tauchte Ballenstedt in ein flammendes Abschiedsszenario, während sich Metalheads aus aller Welt ein letztes Mal in den Armen lagen. Fazit: Das Rockharz 2025 endete so, wie ein gutes Festival enden muss – laut, schweißnass, glücklich und mit dem dringenden Wunsch nach 2026 (übrigens vom 1. bis 4. Juli).

Robse + Bokassa

Los ging es für uns mit Robse, die das Rockharz zu einer hymnischen Melodic-Metal-Sause einluden, bei der Herz und Härte gleichermaßen mitliefen. Frontmann Robert “Robse” Pfluger zeigte, warum sein Solo-Projekt mit Hits wie „Cry for the Rainbow“ und „One More Day“ längst nicht mehr nur Insiderstatus hat. Seine klare Stimme, kombiniert mit orchestralem Bombast und emotionalen Refrains, erzeugte live eine beeindruckende Gänsehautatmosphäre. Ein Auftritt, der zeigte: Robse ist nicht nur ein Sänger, er ist eine mitreißende Metal-Erfahrung, die im Line-up des Rockharz perfekt glänzte.

Bokassa brachen wie ein Tornado durch die Thrash‑und‑Stoner‑Szene und bewiesen, dass norwegischer Sand im Getriebe eines traditionellen Metal‑Festivals wunderbar funkelt. Mit ihrem Selbstbewusstsein, das an Bands wie Mastodon erinnerte, rissen sie Moshpits auf, als hätten sie ein Album voller Adrenalin im Gepäck. Ihr verrücktes Zusammenspiel aus treibenden Riffs, eingängigen Hooks und ausgelassener Show-Performance machte die Show sowohl für Genre‑Nerds als auch für Festival‑Einsteiger zum Highlight. Ein unvorhersehbarer, energiegeladener Wirbelsturm – der beweist: Bokassa sind live ein Erlebnis, das man so schnell nicht vergisst.

Pro-Pain + Grand Magus

Pro-Pain brachten als nächster Act den Hardcore-Metal auf den Punkt: roh, direkt und kompromisslos. Mit über 30 Jahren Bandgeschichte, Alben wie “Foul Taste of Freedom” und unzähligen Clubschweiß-Schlachten im Gepäck, fegte das New Yorker Quartett wie ein Dampfhammer über das Infield. Die markante Reibeisen-Stimme von Gary Meskil und die brutalen Grooves lieferten den perfekten Soundtrack für Circle Pits und genreübergreifende Nackenmassage. Ein ehrlicher Abriss – ohne Schnörkel, aber mit maximaler Wucht.

Grand Magus ließen nachfolgend die Fahne des epischen Heavy Metal wehen – mit donnernden Riffs, wuchtigem Groove und Texten, in denen nordische Mythologie und Kriegerstolz aufeinandertreffen. Die Schweden um Frontmann Janne „JB“ Christoffersson lieferten mit Hits und Klassikern eine mitreißende Show, bei der jeder Refrain zum kollektiven Schlachtruf wurde. Ihr Sound – irgendwo zwischen Dio, Manowar und Doom – funktionierte live wie ein Runenritual mit Gitarrenverstärkern. Ein kraftvoller Auftritt, der Herz, Faust und Bart gleichzeitig erwärmte.

Visions of Atlantis + Avatatrium

Visions of Atlantis entführten die Besucher in eine bombastische Welt aus orchestralen Wellen, dramatischen Duetten und epischen Seefahrtsklängen. Die österreichische Symphonic-Metal-Formation begeisterte mit ihrem cineastischen Sound und der fesselnden Bühnenchemie zwischen Sängerin Clémentine Delauney und Michele Guaitoli. Viele der Songs riefen nicht nur Gänsehaut hervor, sondern auch ein Meer aus erhobenen Händen. Eine mitreißende Show voller Pathos, Fantasy und musikalischer Größe – wie ein Piratenabenteuer mit Nightwish-Attitüde.

Avatarium tauchten das Rockharz in schwere Melancholie und bluesgetränkten Doom – eine willkommene Verschnaufpause mit Tiefgang zwischen all dem Doublebass-Gewitter. Die Band um Sängerin Jennie-Ann Smith zeigte eindrucksvoll, wie man Doom mit emotionalem Gesang, Retro-Flair und progressiven Elementen auf die Bühne bringt. All ihre Songs entfalteten live eine dunkle Eleganz, die unter die Haut ging. Ein Auftritt wie ein schwerer Rotwein bei Nacht – bittersüß, betörend und absolut lohnenswert.

Combichrist + Mr. Hurley & die Pulveraffen

Combichrist verwandelten das Infield in einen pulsierenden, industrialgetränkten Tanz-Exorzismus – irgendwo zwischen Maschinenhalle, Metal-Rave und Endzeitstimmung. Mit ihrer treibenden Mischung aus Aggrotech, Electro-Industrial und knallhartem Metal-Sound sorgten Andy LaPlegua und Co. für ein energiegeladenes Chaos, bei dem kein Körper ruhig blieb. Die Setlist feuerte Knaller aus allen Rohren – begleitet von strobointensiver Lichtgewalt und schweißgetränkter Anarchie. Eine Show, die Grenzen sprengte und bewies: Combichrist sind der dystopische Soundtrack für alle, die ihre Apokalypse tanzend erleben wollen.

Mr. Hurley & die Pulveraffen enterten die Bühne mit der Energie eines rumbesoffenen Freibeuterchors und verwandelten das Infield kurzerhand in die „Tanzfläche Tortugas“. Mit ihrer mitreißenden Mischung aus Folk, Piraten-Rock und augenzwinkerndem Seemannshumor brachten sie selbst die letzten Landratten zum Mitgrölen und Mitschunkeln. Ihre Show zeigte einmal mehr, warum sie nicht nur auf Mittelaltermärkten, sondern auch auf Metal-Festivals regelmäßig abgefeiert werden. Eine Show voll Rumromantik und kollektiver Eskalation – absolut sehenswert für alle, die Metal auch mal mit Augenklappe feiern wollen.

Dragonforce + Abbath

DragonForce verwandelten das Infield in ein rasantes Spektakel mit guter Bühnenshow. Die britische Power-Metal-Formation um Herman Li und Marc Hudson ist seit ihrem Welthit „Through the Fire and Flames“ ein Garant für technisches Staunen und Mitsing-Melodien im Überformat. Live fegten sie mit neonbunten Visuals, Gameboy-Sounds und waghalsigen Gitarren-Duellen über die Bühne – ein Mix aus Power-Metal-Exzess und nerdigem Partyrausch. Wer hier nicht mit dem Kopf wippte, hatte vermutlich seine Finger in der Luftgitarre verknotet – episch, überdreht, absolut sehenswert.

Abbath schleuderte dem Rockharz eine gehörige Portion norwegische Finsternis entgegen – mit frostigem Black’n’Roll, martialischer Grimassenakrobatik und einer Präsenz, die irgendwo zwischen Eisgigant und Operndämon lag. Der frühere Immortal-Frontmann präsentierte sich mit seinem Solo-Projekt gewohnt roh, dreckig und tight, während seine Songs wie Lawinen durchs Publikum walzten. Abbath bewies einmal mehr, dass er trotz (oder gerade wegen) seines kauzigen Bühnenverhaltens ein unverkennbares Aushängeschild der Extreme-Metal-Welt bleibt. Ein Auftritt wie ein schwarzer Donnerkeil – laut, kalt und herrlich grotesk.

ASP + In Extremo

ASP entführte die Zuschauer in eine düster-poetische Klangwelt, in der die charakteristische Mischung aus Gothic-Rock, Chanson-Melancholie und theatralischem Erzählstil voll zur Wirkung kam. Mit einem Stakkato an Album-Hits malte Alexander „Asp“ Spreng stimmgewaltig und mit melancholischer Bühnenpräsenz atmosphärische Landschaften, die die Zuschauer förmlich in den Bann zogen. Seit Jahren Chart-Stammgäste und live ein Mix aus Intensität und Lyrik, bewies ASP, dass sie mehr sind als Musiker – sie sind Geschichtenerzähler der dunklen Sorte. Ihre Show war ein eindringliches Statement dafür, dass Metal abseits von Brachialität auch durch Atmosphäre und Tiefgang besticht – faszinierend, finster und zutiefst menschlich.

Bei der Abschlussrede kurz vor dem Finale, machte Geschäftsführer und Veranstalter Buddy (Thorsten Kohlrausch) auf der Bühne vor 25.000 Zuschauern seiner Partnerin und ebenso Hauptveranstalterin Dani (Daniela Glogner) einen Heiratsantrag, der natürlich glücklich angenommen wurde.

In Extremo beendeten das Rockharz Open Air 2025 als letzte Tages-Attraktion mit einem mitreißenden Mix aus mittelalterlichen Klängen, harten Gitarren und tanzbaren Rhythmen – perfekt inszeniert für die späte Festivalstunde. Die Mittelalter-Metal-Pioniere, seit Jahren in den deutschen Charts fest verankert und live mit Hymnen wie „Vollmond“ und „Küss mich“ eine Institution, entfalteten eine energiegeladene Atmosphäre, die selbst späte Müdigkeit verscheuchte. Sänger Michael Rhein und seine Mitstreiter kombinierten Dudelsäcke, Drehleier und E-Gitarren zu einem folkloristischen Metalmix, der Kopf und Körper gleichzeitig zum Tanzen brachte. Ein würdiger, kurzweiliger Abschluss, der zeigte: Wenn In Extremo spielen, bleibt kein Zeltplatz trocken – außer man schwitzt, feiert oder jammt mit.

Das Rockharz Open Air 2025 bot bei größtenteils sonnig-warmem Wetter fünf Tage lang beste Stimmung, laute Gitarren und eine rundum familiäre Festivalatmosphäre. Trotz kurzer Wetterkapriolen zeigte sich das Publikum durchweg feierfreudig, respektvoll und ausgelassen – eine Community, wie sie im Metal-Bilderbuch steht. Die staubige, aber reibungslose Abreise am Sonntag rundete ein grandioses Festival ab und macht die Vorfreude auf Rockharz 2026 jetzt schon greifbar wie ein frisch gezapftes Bier vor der Bühne.

Rockharz Open Air 2025 – Dienstag, Mittwoch + Donnerstag

Ballenstedt. Der Harz bebte – und das lag nicht nur an den Doublebass-Attacken. Das Rockharz Open Air 2025 ist mit einem wuchtigen Auftakt in seine ersten drei Tage gestartet – mit allem, was das Metalherz braucht: Sonne, Staub, Bier, Blastbeats und (natürlich) einem kleinen apokalyptischen Wetterchaos.

Schon am Dienstag, 1. Juli 2025, reisten die ersten tausend Metalheads an, um sich ihren Platz auf dem legendären Flugplatz in Ballenstedt zu sichern – bei knapp 27 Grad, strahlendem Himmel und der üblichen Mischung aus Festivalfreude, Bierduschen und Heringe-klopfen im Takt der Metalbeats. Das Campground-Gemurmel wurde nur von der Frage übertönt, wann der erste Kasten warm und der erste Nachbar freundlich verkatert sei.

So war der Mittwoch

Am Mittwoch, 2. Juli, ging’s dann richtig los – und wie: Bei bestem Festivalwetter (Sonne, 29 Grad, null Schatten, dafür Staubstufe „Endzeit“) gaben sich auf den beiden Hauptbühnen Acts wie Soulfly, Saxon, Insomnium, Clawfinger, Rhapsody of Fire oder Apocalyptica die Ehre. Die Stimmung war grandios, der Bierpreis akzeptabel, der Sound fett – und dann kam der Sturm. Gegen 23 Uhr zog ein massives Unwetter mit Sturmböen über das Gelände. Der Veranstalter reagierte schnell und rief über die LED-Wände und Social Media zur Sicherung aller Zelte, Pavillons und Campingequipment auf – und siehe da: Der Metalhead, sonst eher als wetterresistenter Feierkrieger bekannt, wurde zur Sturmfestung auf zwei Beinen. Keine größeren Schäden, aber Respekt an Orga und Crowd für das besonnene Handling.

EXCREMENTORY Grindfuckers + Týr

Mit einem derben Knall und einem noch derberen Humor eröffneten die Excrementory Grindfuckers den ersten Festivaltag – und zwar mit einer Grindcore-Party, wie sie nur diese Band zelebrieren kann. Die Hannoveraner Kulttruppe ist bekannt für ihre wilde Mischung aus Schlager, Pop und Blastbeats, serviert mit Grindcore-Gesicht und satirischem Dauerfeuer. Songs wie „Hartz 4“ und „Komm geh mit mir aufs Dixi-Klo“ brachten das Publikum trotz früher Stunde in Wallung – Circle Pit zum Frühschoppen inklusive. Seit über 20 Jahren bespielen sie erfolgreich die Nische zwischen Metal-Klamauk und echtem musikalischen Können, und das mit so viel Energie, dass selbst Genre-Puristen anerkennend mit dem Bier nickten. Ein würdiger, herrlich geschmackloser und maximal unterhaltsamer Festivalauftakt.

Mitten in der Nachmittagshitze des Rockharz-Mittwochs enterten Týr die Bühne – und verwandelten den Flugplatz Ballenstedt in eine sturmumtoste Klippe irgendwo zwischen den Färöern und Valhalla. Die Pagan-Metal-Helden, bekannt für ihren Mix aus nordischer Folklore, epischen Melodien und messerscharfen Riffs, lieferten eine Show, die zwischen Trinkhorn-Romantik und Hochgeschwindigkeits-Headbanging pendelte. Songs wie “Hold the Heathen Hammer High“ und “By the Sword in My Hand” wurden vom Publikum mit ausgestreckten Fäusten und kollektivem Mitgegröle gefeiert – Wikingerherzen schlugen schneller. Sänger und Gitarrist Heri Joensen führte mit charismatischer Stimme und solider Klampfenarbeit durch ein Set, das tight, hymnisch und überraschend emotional war. Die Band, längst Aushängeschild des färöischen Metalexports, zeigte einmal mehr, dass sie live nicht nur technisch glänzen, sondern auch atmosphärisch voll zünden. Kurz: ein nordischer Siegeszug im Staub des Harz – skål!

April Art + Primal Fear

April Art haben danach eindrucksvoll und explosiv bewiesen, dass moderner Alternative Metal mit Pop-Attitüde und ordentlich Druck absolut festivalbühnen-tauglich ist. Die Band aus Gießen, angeführt von der charismatischen Frontfrau Lisa-Marie Watz, brachte mit energiegeladenen Hymnen die Menge zum Beben – und das bei brütender Nachmittagshitze. Was April Art ausmacht, ist ihr Mix aus Eingängigkeit, Härte und unerschütterlicher Livepräsenz, gepaart mit einer Attitüde, die irgendwo zwischen Stadionrock und rotziger Rebellion liegt. Hier wächst ein ernstzunehmender Player im deutschsprachigen Metal-Underground heran. Nach Touren mit u.a. Dark Tranquillity und einer stetig wachsenden Fanbase liefern sie inzwischen Headliner-Qualität – auch im Nachmittags-Slot. Wer sie bisher übersehen hat, sollte spätestens jetzt ganz genau hinhören.

Als nächstes gingen Primal Fear an den Start mit ihrem klassischem Power Metal, der auch nach über zwei Jahrzehnten noch messerscharf klang – und dabei so frisch wie ein Gitarrensolo in der Mittagssonne. Sänger Ralf Scheepers schmetterte seine High-Pitch-Vocals mit der Präzision eines Laserstrahls durch die Harzer Höhenluft. Die Kombination aus speedlastiger Rhythmusarbeit, hymnischen Refrains und druckvollem Sound erinnerte daran, warum Primal Fear zu den großen Konstanten des europäischen Power Metal gehören. Dass sie in der Vergangenheit mit Judas Priest verglichen wurden, ist kein Zufall – nur dass sie live mittlerweile locker auf Augenhöhe agieren. Ein Pflichttermin für jeden, der seine Metalhymnen am liebsten mit viel Leder, Stahl und Leidenschaft serviert bekommt.

Insomnium + Dark Tranquility

Insomnium lieferten ein melancholisch-wuchtiges Meisterwerk ab, das zwischen Schönheit und Brutalität pendelte wie ein Metronom aus Nordlicht. Die Finnen sind seit Jahren Aushängeschild des Melodic Death Metal und begeistern mit ihrem charakteristischen Mix aus düsteren Melodien, schweren Riffs und epischem Songwriting – und genau das brachten sie in Ballenstedt mit voller Wucht auf die Bühne. Frontmann Niilo Sevänen growlte mit hypnotischer Intensität, während Gitarrist Ville Friman und Co. klangliche Welten zwischen Melancholie und Moshpit erschufen. Die Band, die mit ihrem aktuellen Album “Anno 1696” international erneut für Furore sorgte, bewies live einmal mehr, dass Melodic Death nicht nur ballert, sondern auch tief berührt. Ein Auftritt wie eine düstere Novelle bei Sonnenuntergang – tragisch schön, kraftvoll und absolut unvergesslich.

Dark Tranquillity gehören zu den Pionieren und ewigen Größen des schwedischen Melodic Death Metal. Mit einer Setlist zwischen Klassikern und neueren Brechern schufen sie eine perfekte Balance aus Atmosphäre, Aggression und Melodie. Frontmann Mikael Stanne überzeugte mit starker Bühnenpräsenz, charismatischem Clean-Growl-Wechsel und einer Fan-Nähe, die in der Szene ihresgleichen sucht. Die Gitarrenfraktion feuerte bittersüße Riffs und feine Leads ab, während das Publikum im Takt der Doublebass ein emotionales Beben erlebte. Ein Auftritt, der nicht nur technisch makellos, sondern vor allem emotional eindrucksvoll war – melancholisch, mitreißend und absolut würdig für die Prime-Time des Festivals.

Clawfinger + Apocalyptica

Mit Clawfinger ging die Reise zurück in die 90er – voller Wut, Groove und überraschend viel Aktualität. Die schwedischen Crossover-Veteranen sind bekannt für ihren einzigartigen Mix aus Rap, Metal und politischem Biss. Frontmann Zak Tell rappte, brüllte und sprang sich durch ein Set, das klang wie eine Mischung aus Protestmarsch und Abrissparty. Trotz einiger Jahre Bühnenpause bewies die Band, dass sie nichts von ihrer Schlagkraft verloren hat – im Gegenteil: Das war roh, ehrlich und extrem tight. Ein seltener, aber umso willkommener Festivalmoment für alle, die Crossover nicht als Relikt, sondern als Kampfansage feiern.

Apocalyptica brachten am Mittwochabend mit ihrem reinen Metallica-Cover-Set nicht nur die Bühne, sondern gleich die ganze Wetterlage zum Eskalieren – als hätten ihre Celli persönlich den Sturm heraufbeschworen, der später in der Nacht über Ballenstedt fegte. Die Finnen zelebrierten Klassiker wie “Master of Puppets”, “Enter Sandman” und “Seek and Destroy” in ihrer ganz eigenen Art: ohne Gesang, aber mit der vollen Wucht von vier entfesselten Cellos. Es war heavy, episch und so intensiv, dass man stellenweise vergaß, dass da keine Gitarren auf der Bühne standen – nur Bögen, Saiten und pure Energie. Apocalyptica bewiesen einmal mehr, warum sie seit den 90ern international gefeiert werden: Weil sie Metal fühlen, verformen und neu erschaffen können. Und als gegen Ende der Wind aufzog und der Himmel dunkler wurde, schien es fast, als hätte “One” persönlich den Wettergott provoziert.

Saxon + Soulfly

Saxon lieferten eine Heavy-Metal-Glanztat ab, die in jeder Hinsicht unter die Haut ging – nicht zuletzt, weil es vorerst der letzte Auftritt war. Die britischen NWOBHM-Legenden hatten kurz zuvor fast alle Sommertermine aus gesundheitlichen Gründen abgesagt, doch für Ballenstedt hieß es: noch einmal alles geben. Frontmann Biff Byford, stimmlich stark wie eh und je, führte mit Charme, Würde und donnerndem Organ durch ein Set voller Klassiker. Die Band spielte tight und mit sichtlich emotionaler Aufladung – als wäre jeder Song eine letzte Verbeugung vor Publikum und Bühne. Die Fans? Feierten Saxon, als gäbe es kein Morgen – mit Fäusten in der Luft, Tränen in den Augen und einem kollektiven Gefühl von Dankbarkeit. Ein denkwürdiger Abend, der einmal mehr bewies, warum Saxon zu den ganz Großen gehören – laut, legendär und auf ewig unvergessen.

Soulfly beendeten den ersten Festivaltag beim Rockharz Open Air 2025 mit einem brutalen Donnerhall, der den Harz bis tief in die Nacht erzittern ließ. Als letzter Act des Mittwochs ließ Max Cavalera keine Fragen offen, warum die Band seit über zwei Jahrzehnten zu den hartnäckigsten Groove-Metal-Institutionen zählt. Mit einer Setlist, die von Tribal-Beats über Thrash-Parts bis zu brachialem Death-Groove alles in den Mixer warf, prügelten sich Soulfly durch ihre besten Hits. Die Stimmung war elektrisch, die Circle Pits glühten, und Cavalera wirkte, als wolle er dem Harz persönlich den Schlaf austreiben. Soulfly sind seit jeher bekannt dafür, kulturelle Wurzeln mit kompromissloser Härte zu verbinden – live wird daraus ein spiritueller Moshpit zwischen Wahnsinn und Ekstase. Ein würdiger, schweißtreibender Abschluss für Tag eins, der eher nach Explosion als nach Feierabend klang.

So war der Donnerstag

Donnerstag, 3. Juli begann etwas kühler (21 Grad, leichter Nieselregen, Windstufe „Mütze festhalten“), doch das Line-up ließ das schnell vergessen. Nach dem 1/3 der Besucher nach einem schwarzen Schaf auf dem Campingbereich suchten, feierte der Rest mit der Folkband Kupfergold auf dem Festivalground. Asenblut verwandelten das Gelände in eine heilige Messe der Pyro-Ekstase, The New Roses knüppelten mit chirurgischer Präzision, J.B.O. sorgten für jede menge Humor und Spannung und King Diamond sowie Sodom zeigten einmal mehr, wie Metal mit maximaler Energie funktioniert. Der Moshpit war zurück, die Haare flogen, und der Harz hallte.

Mister Misery + The gems

Mister Misery lieferten ein düsteres, energiegeladenes Feuerwerk ab, das irgendwo zwischen Horror-Glam, Modern Metal und Melodic Mayhem angesiedelt war. Die Schweden, bekannt für ihre theatralische Optik, eingängigen Hooks und rotzige Attitüde, überzeugten mit ihren Hits, die live noch brachialer und mitreißender wirkten als auf Platte. Ihr Mix aus Horrorästhetik à la Manson und metallischer Härte mit Pop-Appeal sorgte für reichlich Bewegung im Pit und auf der Bühne. Seit ihrem Debüt 2019 haben sie sich zu einem Geheimtipp der düsteren Glam-Metal-Fraktion gemausert – und beim Rockharz bewiesen, dass sie live längst keine Newcomer mehr sind. Ein Auftritt, der Schminke verwischte, Herzen gewann und verdammt viel Lust auf mehr machte.

The Gems rockten mit einer solchen Wucht, dass selbst die Harzer Hügel kurz den Takt mitnickten. Die schwedische Power-Trio-Formation, entstanden aus Ex-Mitgliedern von Thundermother, kombiniert klassischen Hard Rock mit moderner Attitüde, fettem Riffing und einer unverschämt souveränen Bühnenpräsenz. Frontfrau Guernica Mancini bewies einmal mehr, dass sie stimmlich locker ganze Gebirgsketten abtragen könnte – während Drums und Gitarre kompromisslos das Fundament lieferten. Mit ihrem Debütalbum “Phoenix”, das 2024 europaweit in die Rockcharts knallte, haben sie sich endgültig als ernstzunehmende Kraft im Hard-Rock-Zirkus etabliert. Ihre Show war rotzig, selbstbewusst und mitreißend – ein echter Edelstein im diesjährigen Line-up.

the New Roses + Green Lung

The New Roses brachten dem Rockharz einen kräftigen Schuss Rock’n’Roll zwischen all der Metal-Massivität – und das mit Stil, Schweiß und ordentlich Swagger. Die Wiesbadener Truppe steht für ehrlichen, amerikanisch geprägten Hard Rock irgendwo zwischen Guns N’ Roses, Aerosmith und einem kühlen Bier nach Feierabend. Mit ihrer Songauswahl zeigten sie, warum sie längst nicht nur in Deutschland, sondern auch international – etwa als Support für KISS und Scorpions – Erfolge feiern. Sänger Timmy Rough überzeugte mit Reibeisen-Stimme und Rockstar-Attitüde ohne Allüren, während die Band tighter spielte als so mancher Tourbus geschnallt ist. Ein erfrischender, handgemachter Kontrast im Line-up – und genau deshalb ein echtes Highlight, be dem sogar Stagemanager Mutz mal mit auf die Bühne kam.

Green Lung verwandelten die Stimmung in ein okkultes Retro-Rock-Ritual, das irgendwo zwischen Sabbath-Riffs, Orgelmagie und britischer Folklore pendelte. Die Londoner Band, bekannt für ihren Mix aus Doom, Classic Rock und lyrischem Hexenkult, brachte düsteren Glanz in den Harzer Staub. Frontmann Tom Templar überzeugte mit charismatischer Bühnenpräsenz und einer Stimme, die klang wie eine Teestunde mit Lucifer. Mit ihrem Album “This Heathen Land” haben sie sich 2023 in der internationalen Szene festgesetzt – und live beweisen sie, dass Vintage-Sound keineswegs verstaubt klingen muss. Eine Show wie eine dunkle Messe im Morgengrauen – mystisch, heavy und verdammt mitreißend.

memoriam + J.B.O.

Memoriam brachten eine gewaltige Portion Old School Death Metal auf die Bühne, die sich wie ein Panzer durchs Publikum wälzte – langsam, schwer und gnadenlos direkt. Die britische Truppe rund um Ex-Bolt-Thrower-Frontmann Karl Willetts steht für kompromisslose Riffs, düstere Kriegs-Thematik und einen Sound, der mehr nach 90er-Schlammgrube als nach digitalem Hochglanz klingt. Mit ihren Hits zeigten sie eindrucksvoll, dass ehrlicher, handgemachter Death Metal auch 2025 nichts von seiner Durchschlagskraft verloren hat. Die Band hat sich seit ihrem Debüt 2017 zu einem festen Pfeiler der europäischen Death-Szene entwickelt – rau, roh und voller Haltung. Ein Auftritt, der nicht durch Show, sondern durch Substanz und Wucht überzeugte – nichts für Schöngeister, alles für Puristen.

J.B.O. verwandelten das Rockharz in ein Paralleluniversum aus Klamauk, Kult und kernigem Metal – und bewiesen erneut, dass Humor und Härte wunderbar zusammenpassen. Die Franken feuerten ein Hitfeuerwerk ab, das zwischen Schenkelklopfern und kollektiver Eskalation pendelte. Was J.B.O. ausmacht, ist ihr einmaliger Mix aus Metal-Parodie, echten musikalischen Fähigkeiten und einer treuen Fanbase, die jeden Gag lauter mitsingt als den Refrain. Besonders legendär wurde es, als während der Wall of Death plötzlich mehrere Security-Mitarbeiter selbst im Pit auftauchten – lachend, hüpfend und völlig im Sinne des gepflegten Wahnsinns. Seit den 90ern erfolgreich in den Charts, auf Festivals und in den Herzen der Spaßmetaller, zeigten J.B.O., dass sie live immer noch eine absolute Bank sind. Ein Auftritt, der nicht nur die Nackenmuskulatur, sondern auch die Lachmuskeln aufs Schönste malträtiert hat.

Sodom + Versengold

Sodom lieferten einen der intensivsten und emotionalsten Auftritte des gesamten Festivals – nicht nur wegen ihres kompromisslosen Old-School-Thrash, sondern weil die Band kürzlich ihre Auflösung angekündigt hatte. Die Essener Kult-Truppe um Frontmann Tom Angelripper warf noch einmal alles in die Menge an ihren Thrash-Hymnen, die wie Granaten durch die Harzer Abendluft flogen. Sodom stehen seit über 40 Jahren für puren, ungefilterten Teutonen-Thrash, roh, direkt und mit Haltung – und genau das war an diesem Abend in jeder Note zu spüren. Die Fans feierten sie mit erhobenen Fäusten, ehrlicher Dankbarkeit und einem bittersüßen Gefühl, Zeuge von etwas Endgültigem zu sein. Keine Show wirkte so authentisch, so laut, so final wie diese.

Versengold sorgten für eine ordentliche Portion gute Laune, Folk-Power und tanzbaren Mittelalter-Flair auf das Festivalgelände. Die Bremer Band, bekannt für ihren Mix aus Folk, Rock und frechem Wortwitz, lieferte eine Setlist, die selbst eingefleischte Death-Metaller zum Mitschunkeln zwang. Konfetti-Kanonen, mit Wucht gezündet, taten ihr Übriges, um das Gelände in ein farbenfrohes Chaos aus Bier, Lachen und Polka-Metal zu tauchen. Versengold haben sich in den letzten Jahren mit Top-10-Alben und ausverkauften Tourneen einen festen Platz in der Szene erspielt – und bewiesen auch auf dem Rockharz, dass sie live eine absolute Bank sind. Frontmann Malte Hoyer moderierte mit schelmischem Grinsen durch die Show, während Geige, Gitarre und Dudelsack ein Party-Feuerwerk nach dem anderen zündeten. Wem bei dieser Show nicht das Herz aufging, der stand vermutlich an der Bierbude – oder hat innerlich längst Konfetti gestreut.

King Diamond + Heaven Shall Burn

Ein makabres Metal-Theater der Extraklasse gab es bei King Diamond, bei dem Gänsehaut, falsettgetriebene Schreie und düsteres Storytelling Hand in Hand gingen. Der legendäre Däne mit der Totenschminke, der seit den 80ern mit Mercyful Fate und solo Metalgeschichte schreibt, zelebrierte seine Horror-Opern mit einer finsteren Eleganz, die zwischen Gruselshow und Hochkultur pendelte. Hier wurde alles mit Bühnendeko, Sarg-Requisiten und dämonischem Charme inszeniert – ein audiovisueller Albtraum im allerbesten Sinne. King Diamond ließen keinen Zweifel daran, warum sie zu den einflussreichsten Stimmen im Metal gehören. Trotz des Kultstatus wirkte der Meister nahbar, spielfreudig und stimmlich so gnadenlos präzise, dass selbst Satan im Publikum kurz innehielt. Eine Show, die weniger Konzert als finstere Liturgie war – ein Pflichttermin für alle, die Metal gerne mit schaurigem Stil serviert bekommen.

Heaven Shall Burn lieferten einen wuchtigen Abriss, der trotz ungewohnter Besetzung nichts an Intensität und Wucht vermissen ließ. Da Frontmann Marcus Bischoff seit Rock am Ring Anfang Juni gesundheitlich pausieren muss, übernahm erneut Britta Görtz (Hiraes, ex-Cripper) das Mikro – und lieferte eine derart energiegeladene Performance, dass selbst langjährige Fans ehrfürchtig nickten. Die Thüringer sind seit Jahren bekannt für ihren brachialen Mix aus Melodic Death, Metalcore und politischer Haltung – und Songs wie „Endzeit“, „Hunters Will Be Hunted“ oder „Combat“ funktionierten auch mit weiblicher Brutalität bestens. Die Pyro knallte, die Moshpits kochten, und die Band wirkte trotz Umstellung eingespielt, fokussiert und spürbar dankbar für die Festivalcrowd. Es war kein Ersatzauftritt, sondern ein Statement aus Stärke, Zusammenhalt und kompromissloser Livegewalt.

Nachtblut + Non Est Deus

Spät am Abend brachten Nachtblut die dunkle Seite des Festivals zum Leuchten – mit einer theatralischen, wuchtigen Show zwischen NDH, Gothic und Black-Metal-Anleihen. Die Osnabrücker Band, bekannt für ihre düsteren Texte, provokanten Bühnenbilder und treibenden Industrial-Grooves, feuerte Songs mit einer Mischung aus Zynismus, Eleganz und musikalischer Härte ins Publikum. Frontmann Askeroth inszenierte sich wie gewohnt irgendwo zwischen Hohepriester und Höllenanimateur – mit jeder Menge Bühnennebel, Kunstblut und schwarzem Humor. Nachtblut haben sich mit mehreren Chartplatzierungen und ihrer kompromisslosen Ästhetik einen festen Platz in der deutschen Dark-Metal-Szene erspielt. Die Show auf dem Rockharz war ein finsteres Fest für Fans morbider Melodien und düsterer Wortgewalt – verstörend schön und definitiv unvergesslich.

Für das große Tagesfinale fackelten Non Est Deus ein Black-Metal-Inferno ab, das ebenso blasphemisch wie beeindruckend war – finster, kompromisslos und mit einer Pyroshow, die jedem Höllenszenario zur Ehre gereicht hätte. Die Berliner Band, bekannt für ihre philosophisch-provokanten Texte und dichte, aggressive Klangwelten, zelebrierte ihre Show mit einer Intensität, die selbst gestandene Schwarzmetaller in Ehrfurcht erstarren ließ. Trotz ihrer vergleichsweise jungen Bandgeschichte hat sich Non Est Deus mit ihren Alben und kompromisslosen Live-Shows bereits einen festen Platz in der deutschen Black-Metal-Szene erspielt. Ihr Auftritt war ein audiovisueller Schlag in die Magengrube – messerscharf, erbarmungslos und absolut sehenswert.

Unser Fazit der ersten drei Tage: Wetterkapriolen, Metal in Bestform und eine Community, die selbst bei Sturm nicht wackelt – Rockharz bleibt eines der charmantesten und stimmungsvollsten Festivals der Szene. Wer es trocken mochte, hatte Pech. Wer es laut, ehrlich und familiär mochte, war genau richtig. Und es sind ja noch zwei Tage übrig. Prost!

Rockharz Open Air 2024 – Samstag

Noch bevor es mit der Live-Musik los ging, wuselten nicht wenige RHZ-Gänger*innen fleißig wie Ameisen auf dem Campground umher. Der Grund war mal wieder das Wetter. Obwohl Festivalbesucher*innen im Normalfall allen Ereignissen von oben trotzen, sind amtliche Unwetterwarnungen nichts, was zu ignorieren ist. Menschen sind schließlich sterblich (wer hätte es gedacht). Entsprechende Vorkehrungen wurden getroffen und so verschwanden schon jetzt zahlreiche Zelte, Pavillons und diverse andere Utensilien. Safty first eben.

Ungeachtet dessen stürmten die Recken von Nakkenknaekke, gleich Vorboten des Unwetters, wie ein Orkan los. Und obwohl der 5er aus Dänemark wirklich jung, also wirklich JUNG, bezüglich Alter der Musiker*innen ist, wirkte es eher so, als wäre eine klassische Old School Death Metal Band am Werke, wie Asphyx und Kollegen.

Obwohl Parasite Inc. sich vor fast 15 Jahren als Band zusammenfand, ist die Musik eindeutig im Geiste der heutigen Zeit. Vor allem der Industrial Einschlag verleiht dem Melodic Metal Quartett aus Aalen eine moderne Note. Das Ergebnis war ein voluminöser Live Auftritt, der noch vor 12 Uhr mittags wirklich akkurat die Haare bei unzähligen Zuschauer*innen in Bewegung versetzte.

Die Sturmsuchenden von Storm Seeker (ja, soll ein Wortwitz sein)  beschworen vor allem Bierdurst und gute Laune. Pirat Metal, mit Cello, Drehleier und Keyboard und einer Prise Mittelalter Flair. Die Mischung kam beim Publikum hervorragend an. Weniger verwunderlich war es, dass erneut zur frühen Mittagsstunde das Verlangen nach diversen Litern an Hopfenblütentee (Bier) geweckt wurde.

Weniger folkig, dafür schnell und finster, ging es im Programm mit Knife weiter. Speed meets Black Metal. Folglich legten die Musiker*innen um Vince Nihil wie der Teufel los. Tempogeladene Rhythmik und dazu beißende Lead Gitarren lösten die ersten nennenswerten Circle Pits aus. Die Marburger Formation ist ein Garant für finsterste Schnelligkeit.

Als Coppelius anstimmten, sorgten sie für ein Fragezeichen bei denen, die die Formation das erste Mal zu Gesicht bekamen. Wäre Metal bereits im europäischen 19. Jahrhundert publik gewesen, hätte es wohl so geklungen. Mit Kontrabass und Klarinette, statt E-Bass und Stromgitarre, Zylinder und Frack, statt Lederjacke und Stiefel, spielte sich die Band in die Herzen der Zuschauer – vor allem die Anweisungen ans Publikum, aufgemalt auf Schildern, waren ein absolutes Highlight, ebenso das Cover von System Of A Down „Chop Suey“.

Mit mindestens genau so viel Elan betraten die Musiker*innen von Mystic Prophecy die Bühne. Und was als viel versprechende Darbietung aus Heavy’n’Thrash Metal begann, sollte leider in einem Szenario enden, was man keiner Band auf einem Openair-Festival wünscht, auch nicht den Fans und Besucher*innen. Die am Vormittag ausgesprochene Unwetterwarnung traf ein und bei starkem Gewitter hört der Spaß auf. Dazu kamen noch starke Winde, die das ein oder andere Zelt in die Knie zwangen. An dieser Stelle sei das Orga-Team des RHZ nochmals ausdrücklich gelobt. Frühzeitig informierten sie auf allen Kanälen, dass das Unwetter drohte und sorgten rechtzeitig für eine Evakuierung des Infields. Zeitgleich baten sie allen KfZ-Inhaber*innen um deren Mithilfe, dass sie per Warnblinker signalisieren, dass in ihrem Auto noch Platz für Schutzsuchende ist. Bedingt durch die Extremwetterlage mussten die Auftritte von Nestor, Avatarium und Draconian leider abgesagt werden. Die Sicherheit und Unversehrtheit von Menschen geht eben vor.

Erst mit Orden Ogan ging es am späten Nachmittag, frühen Abend, weiter. Völlig unbeirrt von der Unwetterpause präsentierte die Heavy/Power Metal Truppe gleich zu Beginn mit „F.E.V.E.R.“ den ersten Nackenwirbelbrecher. Die Partystimmung und das Publikum waren sofort wieder belebt. Das erste Mal Vollgas gaben die Musiker*innen um Sänger  Sebastian „Seeb“ Levermann mit ihrem Ohrwurm „Gunman“. Trotz ansteigender Temperaturen gaben die Mannen in ihren Kostümen Vollgas.  Ihr wohl erfolgreichster und populärster Song „The Things We Believe In“ sorgte zum Schluss für ein Meer aus mit klatschenden Händen und einem Refrain sicheren Chor.

Soilwork. Wird neben In Flames die wohl einflussreichste Band in Sachen Melodic Death Metal der schwedischen Schule aus Göteborg erfragt, muss der Name fallen. Björn „Speed“ Strid und seine Band sind seit 1997 unter dem Namen im Geschäft und ihr Opener „Stabbing The Drama“ schlug wie eine saubere Gerade dem Publikum ins Gesicht. Die Band verstand es, wie keine Andere den Fokus der Aufmerksamkeit komplett auf die Musik zu legen. Ohne Schnörkel und pompösen Bühnenaufbau wurden Evergreen Hits wie „Sworn To A Great Divide“ sowohl von Band, als auch von den zahllosen Zuschauer*innen zelebriert. Wie sagt man so schön? Gekonnt ist eben gekonnt!

Bevor über die nächste Band berichtet wird, sei eines gesagt: Krebs ist ein Arschloch. Umso so erfreulicher ist es, wenn es Menschen gibt, die diese heimtückische und widerwertige Krankheit besiegen konnten – Thomas Lindner, Frontmann und Gründungsmitglied der nun aufspielenden Band Schandmaul, zählt zu jenen Menschen. Im Sommer letzten Jahres wurde beim Sänger ein Karzinom im Rachen entfernt, entsprechend weniger verwunderlich war es, dass er den Gesang nicht übernehmen konnte. Alea der Bescheidene, bekannt als Sänger der Band Saltatio Mortis, und Marco Klingel, seines Zeichen verantwortlich für das Stimm- und Gesangstraining von Lindner, nahmen diese Rolle ein. Und wie sie das taten! Generell war es ein sehr emotionaler Auftritt und obwohl die Genesung des Sängers deutlich für ein positives Gefühl bei allen Anwesenden sorgte, mahnten die Musiker*innen bei ihrem Song „Bunt Und Nicht Braun“ Faschisten*innen keinen Platz in der Gesellschaft zu geben. Als im Anschluss „Der Teufel Hat Den Schnaps Gemacht“ angespielt wurde, donnerten zahllosen Kehlen in den Strophen das „Na Und?“ mit. Es war ein Auftritt, der noch vielen Anwesenden in Erinnerung bleiben wird.

Nun war es Zeit für die Band, auf die wohl der größte Teil des RHZ, sowohl hinter, wie auch vor der Bühne, hin gefiebert hatten. Schon bei der Bekanntgabe des Headliners am Samstag ging ein Raunen durch die Community. Judas Priest – eine Band, die seit Dekaden unzählige Generation des Heavy Metal und Hard Rock geprägt haben und es immer noch tun gaben sich die Ehre auf dem diesjährigen RHZ zu spielen. Die mit ikonischste Figur des Heavy Metal Rob Halford, mittlerweile 72 (!) Jahre alt, betrat mit dem Intro von Black Sabbaths „War Pigs“ die Bühne und feuerte sofort mit „Panic Attack“ das erst Geschoss los. Wenn eine Band schon seit über 50 Jahren aktiv ist, bleiben Handicaps nicht aus. Doch sind es die Gruppen, die gestärkt daraus hervor gehen, die Unsterblichkeit erlangen. In diesem Sinne begrüßte Halford das Rockharz mit „The Priest is back!“, um nochmals zu unterstreichen, dass ihr 19. Studioalbum „Invincible Shield“ die Neufindung der Band bekräftigt. Gleich 3 Tracks der neuen Schiebe fanden ihren Weg in die Setlist („Panic Attack“, „Invincible Shield, und „Crown Of Horns“). Auch wenn die Elemente von Mutter Natur den Sound teilweise arg verwischten, tat das der Party keinen Abbruch. Das Schönste am gesamten Auftritt war jedoch, dass zahlreiche Altersgruppen die Lieder textsicher mitsangen was Halford dazu verleiten lies, einfach das Publikum singen zu lassen. Regelrecht in Ektase verfielen die tausenden Zuschauer*innen bei „Turbolover“ und (selbstverständlich) bei dem Priest Song schlecht hin „Painkiller“. Das Intro mit der wohl einprägsamsten Drumspur der Heavy Metalgeschichte musste nur kurz angespielt werden und ein Jubelorkan brach los. Für wohl nicht wenige Metalheads ging mit dieser Show ein Lebenstraum in Erfüllung.

Nach so einer Darbietung nicht unterzugehen muss gekonnt sein. Und was soll man noch sagen? Peter Tägtgren meisterte auch diese Aufgabe, diesmal mit Hypocrisy. Abermals demonstrierte der Skandinavier, dass er und seine Mitmusiker*innen ihr Handwerk schlicht und ergreifend gemeistert haben. Präzise, wie ein Uhrwerk, rollte das Death Metalkommando über das Trommelfell der begeisterten und zahlreichen Zuschauer*innen. Es schien egal, welchen Song die Schweden präsentierten. Rotierende und nickende Nackenmuskeln bewegten sich im Tack zu „Adjusting The Sun“ und teilweise wirkte das Infield eher wie ein Windpark im Miniaturformat.

Weniger tödlich, dafür mit mehr Horror und Rock’n’Roll, ging es kurz vor Schluss nochmal mit den finnischen Monstern von Lordi zur Sache. Was wohl nur wenigen wissen ist, dass die Band rund um Monsterboss Tomi „Mr. Lordi“ Putaansuu bereits seit 1992 existiert. Ein Denkmal schufen sich Finnen mit ihrem Sieg beim ESC 2006 in Griechenland mit ihrem populärsten Hit „Hard Rock Halleluja“. Selbstverständlich wurden der Songs zum Abschluss des Sets gespielt und textsicher mit gebrüllt, aber auch Lieder wie „Blood Red Sandman“ und „Who´s Your Daddy?“ fanden nicht wenige textsichere Fans vor der Bühne.

Ohne Metal, dafür mit viel Atmosphäre und Mystik, wurde das RHZ 2024 von der Pagan/Folk-Mittelalterband Faun beendet. Stimmungsvoll, mit abgestimmten Farben von der Lichttechnik in Szene gesetzt, kam es zum Schluss zu einem klangvollen Abschluss. Am Fuße der Teufelsmauer wahrlich ein geheimnisvoller Ausklang, nachdem wieder den ganzen Tag über Vollgas gegeben wurde. Zur späten Stunde war auch der letzte Ton irgendwann gespielt. Kurze Zeit später machten sich die zahlreichen Helfer und die Stagecrew daran die Bühnen abzubauen. Spätestens jetzt wurde auch dem letzten Gast klar: Das Rockharz 2024 war vorbei.

Fazit – ein Rückblich und ein Ausblick?

Bei seiner Abschlussansprache lies Buddy, Gründer des Rockharz, verlauten, dass das Festivals nicht mehr wachsen würde. In Anbetracht der Tatsache, wie (über-)voll das Infield, aber auch der Campground waren, ist das in der Tat eine frohe Botschaft gewesen. Nicht wenige teilten offen ihren Unmut über die Platzknappheit auf dem Rockharz. Vor allem auf den Socialmediakanälen wurden zum Teil wilde Geschichten veröffentlicht. Angeblich wurden Ticketinhaber*innen sogar gar nicht mehr auf den Campground gelassen, weil dieser bereits am Mittwochabend vollkommen ausgelastet gewesen sein soll. Besonders viel Unmut war von jenen zu lesen, die mit ihrem Privileg bereits am Dienstag angereist zu sein, damit bestraft wurden, am letzten Ende des Campgrounds zu campieren. Das scheint etwas Paradox, denn wie soll eine vorzeitige Anreise mit Aufpreis sich denn dann noch für die Gäste rentieren?

Auch der kilometerlange Rückstau am Dienstag stieß bei nicht wenigen RHZler*innen, die es betraf, sauer auf. Aber letztendlich sind das Punkte, mit denen sich jedes Festival dieser Größenordnung herumschlagen muss. Das Rockharz ist keine 2-Tages-Veranstalltung mehr, zu dem nur 5000 Leute erscheinen. Es ist mit 25000 eines der größten Metalfestival des Landes. Von 2009 bis 2024, also in den knapp 15 Jahren die es jetzt in Ballenstedt ist, hat sich die Größe (gemessen an Besucher*innen) verdreifacht und ist trotzdem weiterhin mit das familiärste Festival der Metalszene in dieser Größenordnung.

Über die Qualität des Sounds lässt sich bei Openairveranstaltungen immer sehr schnell die (vermeidliche) Schuld bei den Tontechniker*innen finden. Dass diese allerdings gegen die unbändige Gewalt der Natur ankämpfen müssen, scheint vielen egal zu sein. Bei den starken, teilweise stürmischen, Böen, war es kaum möglich auf dem Infield den Sound vernünftig zu streuen. Auch dieses Problem hat jedes Festival, das unter freiem Himmel stattfindet.

Dass Handeln der Verantwortlichen während der Unwetterphasen war absolut vorbildlich. Vor allem über die WhatsApp-Gruppe des RHZ konnten wichtige Information sofort und sehr schnell an die Besucher*innen weitergeleitet werden. Besonders zu erwähnen sind die zahllosen Helfer*innen, die aus Liebe zur Musik und zum Festival den Ablauf überhaupt erst möglich machen – danke an euch! Ihr seid der Hammer!

Letztendlich sieht sich das Rockharz mit all den Problemen, Herausforderungen und Aufgaben konfrontiert, wie jedes andere Festival im Metal auch. Es deswegen als „schlecht organisiert“ zu betiteln, wäre gegenüber den Helfer*innen und Veranstalter*innen nicht ganz fair. Perfekte Durchführung und Planung mag auf Papier möglich sein. In der Realität ist es eher unmöglich. Von daher sollten kritische Stimmen immer fair beseelt sein und nicht von Frust gesteuert sein.

Rockharz Open Air 2024 – Freitag

Gemütliche Morgenstimmung kann jeder und Mittagsruhe fehlt im Vokabular eines jeden Metalfestival. So auch auf dem RHZ. Heute wurde das Wetter, kalt, windig..also wie immer ein normaler RHZ Tag. Da die Modern Metal Band Defects leider absagen musste, übernahmen kurzer Hand die Thrasher von Surgical Strike die Rolle des Openers. Tempogeladener Zerstörungsmetall aus dem schönen Hannover, dazu Sonnenschein – verdammt! Da schmeckte das Bier doch gleich wieder viel zu gut und das noch vor 12 Uhr Mittag.

The Night Eternal präsentierten Heavy Metal Made In Ruhrpott. Die Recken aus Essen punkteten vor allem mit ihrer klassischen Attitüde, die einen sehr feinen Beigeschmack a la Merciful Fate mit sich führte. Das Quintett hat sich auf alle Fälle so einige neue Fans erspielt.

Mit Metal der modernen Schule stimmten League Of Distortion bewegungsfreudige Klänge an. Vor allem Sängerin Anna „Ace“ Brunner schien vor Energie nur so überzulaufen. Ihr musikalisches Talent hatte sie schon bei einigen Gastauftritten (Kissin Dynamite, Beyond The Black) auf Platte pressen lassen – auch Live überzeugte sie in allen Bereichen. Entsprechend gut kam auch die Präsentation ihrer neuen Single „My Hate Will Go On“ beim Publikum an.

Heiter weiter spielten Vogelfrey mittelalterliche Klänge mit einer großen Portion Folk und einer Prise Goth-Rock an. Die Musiker*innen aus der schönsten Stadt der Welt (gemeint ist natürlich Hamburg) ließen das gut gefüllte Infield tanzen. Vor allem ihr Cover „Was wollen wir trinken“ oder von AC/DC „Thunderstruck“ mit deutschem Text konnten punkten. Entsprechend wuchs auch die Stimmung und Trinklaune der Zuschauer*innen.

Aus Norwegen stammend, mit einer starken Mischung aus Hard Rock und Heavy Metal im Gepäck, jagten die Musiker*innen von Spidergawd das Stimmungsbarometer weiter aufwärts. Obwohl das Saxophone nicht zwingend das Instrument der Wahl im Heavy Metal ist, setzte Rolf Martin Snustad es wirklich klangvoll ein. Gerade die Mischung aus traditionellen Elementen des Hard Rock mit klassischen Heavy Metal konnte viele Zuschauer*innen überzeugen.

Unearth hingegen, fegten wie ein Orkan über die Mengen hinweg. Die US-Amerikaner aus Massachusetts verstehen schlichtweg ihr Handwerk. Die Mischung aus Metalcore und Melodic Death Metal löste auch den ersten amtlichen Moshpit des Tages aus. Technisch einwandfrei und kompromisslos donnerten die Musiker*innen ihre Klangkunst den Zuschauer*innen zwischen die Augen.

Und nun wurde Strom gespart, nicht aber an Stimmung und Qualität der Musik. Die A Capella Metal Formation Van Canto gaben sich erneut die Ehre auf dem RHZ zu performen. Es mag zwar für Neulinge etwas befremdlich klingen, wenn Gitarre und Bass mit bloßer Gesangstechnik kopiert werden, aber das macht das Ganze noch um einiges eindrucksvoller. Vor allem ihre Coverversionen „Rebellion“ vom Grave Digger oder „Run To The Hills“ von Iron Maiden wurden textsicher vom Publikum mitgesungen und bejubelt.

Strom an, Volume auf Anschlag und rein in die Saiten der Stromgitarren. Wer Death Metal kennt, kennt auch Benediction. Seit über 30 Jahren treiben die Briten mittlerweile ihr Unwesen in der Szene. Seit dem bleiben sie auch (regelrecht) stur ihrer Linie treu, was sie aber mitnichten langweilig oder monoton klingen lässt. Ein wirklich gut gefülltes Infield hatte große Lust den Old School Death Metal abzufeiern, obwohl die Engländer auf einen ihrer absoluten Klassiker „Transcend The Rubicon“ in ihrem Set verzichteten.

Tödlich und nicht mindestens genau so gnadenlos polterten Dying Fetus aus den USA los. Müsste der Begriff „Perfektion“ im technisch-musikalischen Sinne definiert werden, müsste lediglich der Name der Band auftauchen. Das Trio, seit nun mehr als 30 Jahren im Geschäft, lässt komplexe Klangläufe so einfach aussehen, dass es schon fast unverschämt ist. Vor allem eben Jene, die das Abrisskommando das erste Mal live erleben durften, staunten nicht schlecht. Moshpit folgte auf Moshpit – die Stimmung war am eskalieren.

Als Unleash The Archers aus Kanada die Bühne betraten und mit ihrem Set starteten, wurde das Todesmetallmassaker erst mal pausiert. Allerdings nicht die Qualität der Musik. Feinster Power Metal mit klangvollen Melodien und einer Stimme, die ihres gleichen sucht. Vor kurzem erst veröffentlichten die Nord-Amerikaner ihr jüngstes Werk „Phantoma“. Die Abwechslung schien dem Publikum irgendwie gut zu tun und dafür steht das RHZ: Es ist einfach für jeden was dabei.

Stimmungstechnisch wurde der Regler bei Kissin Dynamite abermals hochgejagt. Enthusiastischer Hard Rock, mit einem feinen Glam-Einschlag, neuer Platte am Start, viel Haarspray bei Sänger Hannes Braun und mit der Energieleistung eines eignen Kraftwerks, trieb die Formation das Publikum zum Mitklatschen und kollektiven Haareschütteln an. Auch wurde zu den treibenden Midtempo vereinzelt das Tanzbein geschwungen. Leider überwiegte aber bei vielen das Interesse am Länderspiel der DFB-Auswahl.

Deutlich aggressivere Töne schlugen Sucidal Tendencies an. Die US-Boys aus dem Sonnenstaat Kalifornien können zu Recht als Institution klassifiziert werden. Die Stilikonen des Hardcore Punks und Thrash Metals toben sich seit über 30 Jahren auf den Bühnen dieser Welt aus. Und obwohl Frontsänger Mike Muir, der mittlerweile über 60 Lenzen zählt, das letzte aktive Gründungsmitglied der Band ist, hat die Formation nichts in Sachen Authentizität eingebüßt. So ist es weniger verwunderlich, dass Circle Pits das Infieldbild prägten, insbesondere bei einem ihrer ältesten Werke „Send Me Your Money“. Was ein Abriss.

Deutlich ruhiger, aber nicht weniger stimmungsvoll ließen es die Musiker*innen von Amaranthe angehen. Mit Blick auf die Uhr fiel auf, dass Suicidal Tendencies überzogen hatten und die Show der schwedischen Formation mit etwa 10 Minuten Verspätung startete. Das führte aber nicht zum Abbruch der guten Stimmung. Gleich 3 Sänger*innen boten dem randvollen Infield Symphonic Power Metal der Extraklasse. Das Gesangstrio, Elize Ryd, Nils Molin und Mikael Sehlin harmonierten eindrucksvoll und konnte ihre Energie ungebremst auf das Publikum übertragen. Mit einem Set bestehend aus Klassikern, wurde Ohrwurm auf Ohrwurm auf die begeisterte Menge losgelassen.

Verkorkt den Rum, sperrt die Gläser mit Dreck weg und gebt acht vor dem Klabautermann. Oder so. Die Spaß-Piraten Metal Band Alestorm enterten mit gewaltigen gelben Bade Enten die Bühne, die auch zeitgleich das Bühnenbild waren. Die Band muss man einfach mal live erlebt haben um zu verstehen, was Spaß in Metal bedeutet. Neben einer (wahrscheinlich) enormen Steigerung des Bierkonsums, sorgten die Schotten auch für eine Woge an Crowdsurfern. Bei Klassikern wie „F*ck You With An Ancheor“ bebte der Boden auf Grund des hüpfenden Publikums. In Sachen Gute-Laune konnte nichts mehr gesteigert werden – das fast völlig ausgefüllte Infield war eine einzige Partyzone.

Deutlich spaßbefreiter wurde es mit dem Headliner des Abends. Keine geringere Band als Dimmu Borgir aus Norwegen huldigte mit ihrem (Symphonic) Black Metal dem Höllenfürsten. Es war das zweite Mal, dass die Band rund um Shagrath und Erkekjetter Silenoz das RHZ beehrten. Entsprechend düster und doch eindrucksvoll von der Lichttechnik in Szenegesetzt, boten die Skandinavier ihre schwarze Kunst dar. Sehr zur Begeisterung der Fans gab es gleich mal das Intro der „For All Tid“ Scheibe und den Song „Raabjørn Speiler Draugheimens Skodde“ aus dem Jahr 1994. Als dann auch noch nahtlos „Spellbound“ angestimmt wurde, flippten nicht wenige Fans regelrecht aus. Generell war das Set von hochkarätigen Songs aus knapp 3 Dekaden an Bandgeschichte zusammen gesetzt. Selbstverständlich durften da auch nicht „Progenise Of The Great Apocalypse“ und „Mourning Palace“ fehlen, die den krönenden Abschluss des Sets machten. Atemberaubend und meisterlich – was will man mehr?

Nach so einer Darbietung ist schwer einen vernünftigen Tagesabschluss hinzulegen. Unbeirrt stellte sich Nanowar Of Steel dieser Aufgabe. Wer sich selber schon als Disco Metal betitelt, der hält nicht viel von Seriosität. In bunten Kostümen und jeder Menge Blödsinn im Kopf, eröffneten die Italiener das Nachtleben und die Party. Ein letztes Mal, an diesem Festival Tag, wurde das Bierbarometer nochmal aufgefüllt und das Tanzbein geschwungen.

Bruce Dickinson beim Rockharz Open Air 2024 am Mittwoch

Am Mittwochabend, den 3. Juli 2024 war es Zeit für die Hochkaräter am ersten offiziellen Festivaltag. Den Anfang machte kein geringer als Leadsänger der absoluten Heavy Metal Legende aus UK von Iron Maiden, der einzig wahre Bruce Dickinson. Obwohl der ikonische Sänger dieses Jahr seinen 66 Geburtstag feiern wird, können sich weitaus jüngere Musiker*innen sich was von der schier endlosen Energie des Briten abzweigen. Zwischen seiner Aktuellen Platte „The Mandrake Project“ und seiner vorletzten Veröffentlichung „Tyranny Of Souls“ mögen zwar ganze 19 Jahre liegen, auf der Bühne war die Qualität der Musik im allgemeinen überragend. Den Auftakt machte der Dickinson-Show machte „Accident Of Birth“, der auf dem gleichnamigen Album 1997 erschien. Ungebremste präsentierte sich der ewig junge Sänger dem Publikum und rannte ohne Pause auf der Bühne auf und ab, ohne sich zu versingen.

Besonders erfrischend war, dass die Setlist ein gelungener Querschnitt der Bruce Dickinson Diskografie bot und sich nicht ausschließlich auf die aktuelle Scheibe konzentrierte. Ein besonderes Highlight bekamen die Fans und Zuschauer mit dem Track „Resurrection Men“ geboten. Die Single ist so frisch aus dem Ofen der Studioschmiede, dass sie noch dampft. Denn tatsächlich ist sie erst ab den 26.7. erhältlich. Egal ob „Abduction“ von der 2007er Scheibe „Tyrannie of Souls“ oder „Book Of Thel“, erschienen 1998 auf dem Album „The Chemical Wedding“ – keiner der 13 Songs der Show wirkte kraftlos. Das lag eben nicht nur an dem Frontmann selbst, sondern auch seinen Mitmusiker*innen. Schon fast in Iron Maiden-Manier performte die Tonerzeuger*innen so routiniert und eingespielt, dass es von Anfang bis Ende ein grandioser Fluss an Musik war, der sich über dem Publikum ergoss. Es war nicht verwunderlich, dass das Publikum bei „The Alchimist“ in brünstig den Endchorus mitsangen und im Takt mit klatschten. Entsprechend wurde der Engländer, samt seiner Mitstreiter*innen, von dem völlig ausgefüllten Infield gefeiert. Bruce Dickinson ist seit geraumer Zeit ein Synonym für professionelle und qualitativ hochwertige Musik, egal ob mit oder eben ohne Iron Maiden.

Rockharz Open Air 2024 – Donnerstag

Donnerstag, 4. Juli, der zweite Festivaltag

Ähnlich wie zur Eröffnung am Mittwoch, wurde mit Hammer King der Tag mit zünftigen Power Metal eröffnet. Während bei Power Paladin eher Blind Guardian als Wurzel zu vermachen ist, ist bei der Formation aus Kaiserslautern eher Hammerfall und Manowar zu nennen. Man spielt nicht mit Klischees, man rühmt sich dieser – das scheint wohl (ein) Motto der Band zu sein. Und obwohl es noch sehr früh am Tage war, fanden sich nicht wenige Schaulustige zu dem Testosteronspektakel ein.

Geografisch bleiben wir in Deutschland, werden aber mal eine ganze Dimension finsterer. Die Old School Melodic Death Metal Formation Nyktophobia legte mit ordentlich Tempo und Hass los. Der 5er aus Datteln prügelte nun auch dem/der letzten Besucher*in das Trommelfell frei und hob die Lust auf ein frisches Bier zur frühen Tagesstunde an. Stilistisch eindeutig an die frühen Alben von In Flames und Co angelehnt, wurde die Gruppe ordentlich abgefeiert. Was in Anbetracht der technischen Probleme und der dadurch resultierenden Verspätung umso beeindruckender war. Routiniert zogen die Musiker*innen ihr Set durch – sehr bemerkenswert. Doch leider sollte die Band nicht die letzte Gruppe sein, die technische Probleme haben sollte.

Heldmaschine folgte im Anschluss des Melodic Death Metal Angriffes. Mit Neuer Deutscher Härte luden die Musiker*innen zum rhythmischen Klatschen ein. Da die Gruppe seit mehr als 10 Jahre in der Szene aktiv ist, finden sich nicht wenige Fans vor der Bühne ein, was in einem Heiratsantrag Seitens der Band an das feiernde Publikum gipfelte. Man hat ja schon so einiges erlebt, aber eine größere Verbundenheit zur Fankultur kann man nicht zeigen, als dieses Maß an Anerkennung.

Nun wurde es nass. Petrus öffnete während der Show von The O’Reillys And The Paddyhats die Schleusen. Aber eine nicht minder große Menge an Bier und Whiskey floss die Hälse der partyhungrigen RHZ-Besucher*innen hinunter. Schließlich zelebrieren die 7 Musiker*innen aus Gelversberg die Lebensphilosophie der Iren mit ihrer Musik, was schlichtweg die Trinklaune ins unermessliche ansteigen lässt. Dementsprechend unerschütterlich zeigte sich die Band, aber die Menge an Regen war irgendwann zu viel für die Besucher*innen.

Leidtragender der Fluten waren leider Massiv Wagons. Obwohl die Rocker aus England in Sachen Qualität keine Abstriche machten, gaben sich mehr und mehr Zuschauer*innen den Regenmassen geschlagen. Wer konnte zog sich ein Regencape über, nicht wenige jedoch suchten Schutz unter allen möglichen Überdachungen oder traten fluchtartig ihren Weg ins Camp an. Trotzdem blieb das Stimmungshoch bei weiten Teilen der restlichen Besucher*innen weiter erhalten und die Insulaner wurden klassenkonform gefeiert.

Erst mit der Heavy Metal Band Bullet aus Schweden setzte zunächst eine Regenpause ein. Allerdings kamen die Metalfans erst langsam wieder aus ihren Unterständen hervor – nicht wenige waren bis auf die Unterwäsche nass geworden. Die Band schien das wenig zu interessieren, da man das Wetter als Musiker*in schlecht beeinflussen kann. Songs wie „Highway Pirates“ lockten aber auf Grund der schieren Power wieder diverse Fans vor die Bühne, sodass die Mannen rund um Hell Hofer zum Schluss doch noch von zahlreichen Fans bejubelt werden konnten.

Sollte man erwähnen, dass es fast 2 Stunden geregnet hat? Vielleicht, aber Varg schien das nicht im Geringsten zu interessieren, da die Götter die Sonne wieder raus ließen. Philipp „Freki“ Seiler treibt seit 2005 sein Unwesen mit der Band in der Szene des Pagan/Viking/Black Metals und kann durchaus als wegweisende Gruppe des Genres tituliert werden. Entsprechend voll (und durchnässt) war das Infield. Mittlerweile orientieren sich die Musiker*innen wieder in Richtung „Wolfzeit“ und „Schildfront“, verleihen aber mit der wundervollen Stimme von Jaqueline „Fylgja“ Seiler dem neuen Material eine imposante Klangdynamik in ihren Songs. Aber auch Gassenhauer wie „Blutaar“ oder „Wir Sind Die Wölfe“ haben nicht von ihrem Biss verloren.

Die wohl größten Pechvögel waren Rage. Die Wassermaßen konnten vom Bühnendach nicht mehr gehalten werden und genau da drunter stand was? Genau! Das Bass-Equipment von Sänger und Gründer Peter „Peavy“ Wagner. Und wann passierte das? Wieder richtig! Unmittelbar vor dem Start des Gigs. Trotz aller Bemühungen von Band, Crew und Technik, konnte der Schaden nicht mehr behoben werden. Und was macht eine/n gute/n Musiker*in aus, der/die Seit Urzeiten im Business aktiv ist? Korrekt! Er/Sie lässt sich nicht beirren. Rage ohne Bass mag zwar etwas seltsam anzusehen sein, aber dafür lieferte Peavy furios am Mikro ab. Alleine dafür verdient er maximalen Respekt!

Trockener ging es zumindest auf der Bühne für Dynazty weiter. Dargeboten wurde melodischer Hard Rock, made in Sweden. Die Stockholmer Truppe liefert seit 2007 qualitativ hochwertigste Musik auf Platte ab und weiß das auch Live eindrucksvoll umzusetzen. Höchst bewegungsfreudig zeigte sich Band und die 10000-Schritte-Marke, hatten alle Mitglieder (gut, der Schlagzeuger jetzt nicht) in den Beinen. Dieser enorme Bewegungsdrang sprang auch auf das Publikum über, welches diesen in Klatschen, Jubeln und Abfeiern kanalisierte.

Peter Tägtgren ist mit der begabteste Produzent in Sachen Metal unserer Zeit. Das gleiche Talent hat der Schwede aber auch, wenn es um seine eigene Musik geht. Es war Zeit für Pain. Mit der Hilfe einer großen Videoleinwand wurden nahezu alle Songs mit individuellen Videosequenzen untermalt. Beim Song „Call Me“ war das Antlitz von Joakim Brodén, dem Sänger von Sabaton, zu sehen und seine Stimme zu hören, damit seine Gastparts auch von ihm selber virtuell performt werden konnten. Spätestens beim Song „Shut Your Mouth“ hatte der Musiker und Produzent die HZ-Besucher*innen ganz in seinem Bann.

The Halo Effect ist ein noch recht junge Band, die allerdings mit hochkarätigen Musiker*innen bestückt ist. Am Mikro ist kein geringer als Mikael Stanne, der seines Zeichen Frontmann der Melodic Death Band Dark Tranquillity ist. Gitarrist Niclas Engelin ist Gründer der Formation Engel und seit geraumer Zeit fester Bestandteil der legendären In Flames aus Göteborg – mehr muss in Sachen Qualität der Musiker*innen nicht gesagt werden. Stilistisch angelehnt an der alten Schule des Melodic Death Metals legten die furiosen 5 richtig los. Ein Meer aus fliegenden Haaren bot sich zu „Days Of The Lost“. Das Set der Süd-Schweden endete mit „Shadowminds“, dass die Physiotherapeuten*innen wohl beim Anblick der rotierenden Nackenwirbel reihenweise in Ohnmacht gefallen wären.

Es gibt wohl nur wenige Bands aus dem Hardcore, die auf Metalfestival bis zum Exitus gefeiert werden. Hatebreed zählen zu diesem erlauchten Kreis. Die US-Amerikaner aus dem Bundesstaat Connecticut sorgten mit ihrer Energie für einen Belastungstest der Grabencrew, da eine schier endlose Welle an Crowdsurfern 60 Minuten lang von hinten nach vorne schwappte. Unermüdlich heizte Frontmann Jamey Jasta das Publikum an. Der Auftritt der US-Boys glich eher einer Sporteinheit mit Schwerpunkt auf die Ganzkörperertüchtigung. Spätestens ab ihrem Evergreen Hit „Destroy Everything“ gab es kein Halten mehr, aber auch Hits wie „Life For This“ bewiesen abermals, dass auch „einfache Klänge“ den gewünschten Effekt beim Publikum auslösen können.

Der Co-Headliner des Abends war keine geringere Band, als Hammerfall aus Schweden. Mit dem Song „Brotherhood“ legten die Skandinavier mit Frontmann Joacim Cans gleich erst mal ein stattliches Tempo vor. Im August kommt die neue Scheibe der Power Metaller auf den Markt und vor knapp einem Monat wurde das Video zum Track „The End Justifies“ veröffentlicht – selbstverständlich durfte der Song auch nicht im Set fehlen. Aber auch echte Klassiker wie „Renegade“ fanden in den 60 Minuten ihren Platz. Bei „Last Man Standing“ flogen die Haare nur so im treibenden Midtempo durch die Luft. Müdigkeit war weder auf, noch vor der Bühne zu verordnen und beim (schon fast) traditionellen Schlusstrack „Harz On Fire“ wurde der Chorus von (gefühlt) jedem Gast des RHZ mitgesungen. Eine souveräne Show, die auch jedes Lied akkurat in Szene gesetzt hat, sei es mit Licht oder Pyros, war die eines Headliners würdig.

Ohne Glanz und ähnliche Klischees, betrat der eigentliche Headliner im Anschluss die Bühne. Keine geringe Gruppe, als die legendären Ruhrpottthrasher von Kreator, sollte dem Publikum nochmal alles abverlangen. Vor allem der Tod und Gift speiende Miland „Mille“ Petrozza gab von Anfang bis Ende 666%. Mit dem Titeltrack der letzten Platte „Hate Über Alles“ gab es zur späten Stunde eine kostenlose Kieferkorrektur. Bei fast 40 Jahren Bandgeschichte können sich auch entsprechend viele Songs ansammeln. Dass da für so manchen Die-Hard-Fan der ein oder andere Track im Set gefehlt hat, ist wohl weniger verwunderlich. Es waren die wohl populärsten Songs der Band, die für einen Total-Arbiss sorgten, wie beispielsweise „Enemy Of God“. Alles in allem war der Auftritt eine Reise durch die Bandgeschichte. Und dennoch einten die alten Klassiker wie „Extrem Aggression“ und, die wohl heimliche Hymne, „Pleasure To Kill“ die Fan-Generationen. Eine wirklich hervorragende Arbeit seitens der Lichttechnik rundet das Bühnenbild perfekt ab.

Aber so langsam muss doch auch einmal der Tank leer sein, oder? Als ob. Nachdem die Nackenmuskulatur ein Extrem-Workout durchmachen musste, waren nun die Beine fällig. Ganz im Stile des Roman Autors Alexandre Dumas, gaben sich D’Artagnan die Ehre. 45 Minuten lang wurde gesprungen, getanzt, sich im Kreis gedreht und gefeiert. Mit Dudelsack und Geige, reichlich Feuer und zahllosen Crowdsurfern, wirkte es schon fast erstaunlich, dass zur nächtlichen Stunde noch so viel Energie bei den Besucher*innen abrufbereit war. Auf alle animierten die Lieder abermals dazu, sich ordentlich einen in die Rüstung zu römern.

Als Gute-Nacht-Begleitung präsentierten sich die Musiker*innen von Dominum als etwas ungeeignet, da es wesentlich härter zur Sache ging, als noch zu den Klängen von Flöte und Dudelsack. Horror Power Metal bezeichnet den Stil der Formation doch recht präzise. Sänger Dr. Dead wurde auch seinerseits nicht müde das Publikum, trotz der schon späten Stunde, zum Mitmachen zu animieren. Vor allem beim Scorpions-Cover „Rock You Like A Hurricane“ wurde ihm dieser Gefallen getan. Um 1.45 Uhr endete das Set und damit auch der 2. Tag des diesjährigen RHZ.

Rockharz Open Air 2024 – Dienstag und Mittwoch

Dienstag, 2. Juli, Tag der Anreise

Endlich wieder Rockharz! Das muss der Leitgedanke der zahllosen Metalmaniacs gewesen sein, die bereits einen Tag vor offiziellen Start des diesjährigen Rockharzes ihre Pilgerfahrt nach Ballenstedt angetreten hatten. Eine gewaltige Blechlawine schlängelte sich durch den Ost-Harz zum Flugplatz und das trotz der 30€ Aufpreis für die verfrühte Anreise. Wenig verwunderlich erschien es, das Gäste mehrere Stunden warten musste, um endlich den geweihten Boden betreten zu dürfen. Es kann von Glück gesprochen werden, dass das Wetter eher herbstlich als hochsommerlich war. Bedeckt und regnerisch lässt sich das Warten eher aushalten, als bei über 30 Grad und blanker Sonne. Auf Grund des massiven Aufkommens an Gästen, entschied die Orga des RHZ, dass das Zeitfenster für den Einlass auf den Campground weiter offen gelassen wurde, auch wenn dieses eigentlich um 22 Uhr endete. Entsprechend nächtlich war so mancher Aufbau des Zeltes.

Mittwoch, 3. Juli, offizieller Start des Rockharz

Und dann war es endlich soweit, nach einer feuchten und kalten Nacht öffneten sich zwar nicht Tore nach Vallhalla, aber die heiligen Tore des Infields. Das Wetter.. Wechselhaft und windig, Rockharz Standard. Ein Strom an Menschen füllte Selbiges auch in Nu auf, sehr zur Freude des Festival Openers Power Paladin. Metal aus Island, der kein Black Metal ist und nicht Solstafir heißt. Sachen gibt es, die gibt es gar nicht. Der 6er, Rund um Sänger Atli Guðlaugsson ging auch gleich in die Vollen. Temporeicher Power Metal, der sehr stark an Blind Guardian erinnert, wurde euphorisch bejubelt, gewagt war auch die Gardrobenauswahl, wer hier Rüstungen erwartet hatte, wurde enttäuscht.

Spaßig ging es nahtlos weiter mit Gutalax. Die Band aus Tschechien ist vor allem eingefleischten Party.San-Gänger*innen und Grindcore Fans ein Begriff. Fäkalgrind feierte nun seine Premiere auf dem RHZ. Entsprechend tummelten sich Menschen in Maleranzug mit Klobürsten bewaffnet vor der Bühne. Bis zum FOH staute sich die Menge. Krönung des Ganzen war eine große Restmülltonne, die zum ersten (und letzten?) mal Crowdsurfen durfte. Ein Spaß für Porzellanliebhaber oder Kackbandprinzessinen.

Nach einem bunt-spaßigem Rektalmassaker, wurde zum Mal am Tag das Epic-Level über die Regler hinaus hoch gedreht. Gleich 8 (!) Musiker*innen stürmten die Stage. Optisch eine Mischung aus Kratos von God of War und Vikings, der Serie, nur ohne die gestählten Körper, musikalisch Power Metal mit einer Prise Viking Metal. Die Rede ist von Brothers Of Metal aus Falun, Schweden. Vor allem die gesangliche Gewalt von Ylva Eriksson, Joakim Lindbäck Eriksson und Mats Nilsson gefiel nicht wenigen Zuschauer*innen.

Van Halen. Ein Name, den nun wirklich jeder Mensch irgendwo schon einmal gehört hat und mit Sicherheit, bewusst oder unbewusst, mit dem einen oder anderen Ohrwurm assoziiert. Allerdings ist hier jetzt nicht die Rede von Eddi Van Halen, sondern von seinem Sohn, Wolfgang Van Halen. Der Künstler aus den USA trat mit seinem Solo-Projekt Mammoth WVH den Zuschauer*innen mit einwandfreiem Hard Rock den Kitt aus der Brille. Der Grammy Award Gewinner aus 2022 ist von seinem musikalischem Gespür her genetisch geküsst worden, was bei einem solchem Vater jetzt nicht wirklich verwunderlich ist. Das war musikalische Professionalität auf ganz hohem Niveau.

Rockig ging es weiter, allerdings in eine andere Richtung. Prägende Off-Beats von den Drums, sehr ohrgängige Melodien von Gitarre und Gesang – mit Kärbholz wurde es nach klassischem Hard Rock, klassisch im Geiste des deutschsprachigen Punk Rock. Das Quartett um Sänger Torben Höffgen gilt zu den wohl einflussreichsten Bands des entsprechenden Genres. Folglich war es nicht verwunderlich, dass das Infield von zahlreichen Fans der Band gespickt war und die Songs textsicher mitsangen, wobei brüllen es eher trifft.

Deutlich aggressiver ließen es die Mannen von Callejon angehen. Obwohl es vor ein paar Monaten erst zu einem massiven Umbruch in der Band kam, merkte man davon nicht wirklich was. Die Formation, die als Pionier des deutschsprachigen Metalcore anzusehen ist, demonstrierte eindrucksvoll, dass auch Mitgliederwechsel nicht zwingend ein Abbruch der musikalischen Qualität sein muss. Ein randvolles Infield, fliegende Haare, frenetischer Jubel – so macht Metalcore Spass.

Augen auf – Oomph! betrat die Bühne des Geschehens. 35 Jahre Bandjubiläum wollten anständig zelebriert werden. Diesen Gefallen taten nicht nur bekennende Fans, sondern auch viele übrige Besucher*innen des RHZ. Obwohl eben für nicht eingeweihte Liebhaber der harten Musik es immer noch etwas ungewohnt erscheinen mag, dass nicht mehr Dero, sondern Der Schulz am Mikro steht, tat das der Party keinen Abbruch. Die durch und durch positive Energie auf der Bühne sprang ohne Weiteres auf das Publikum über.

Nun war es Zeit für die Hochkaräter am ersten offiziellen Festivaltag. Den Anfang machte kein geringer als Leadsänger der absoluten Heavy Metal Legende aus UK von Iron Maiden, der einzig wahre Bruce Dickinson. Obwohl der ikonische Sänger dieses Jahr seinen 66 Geburtstag feiern wird, können sich weitaus jüngere Musiker*innen sich was von der schier endlosen Energie des Briten abzweigen. Zwischen seiner Aktuellen Platte „The Mandrake Project“ und seiner vorletzten Veröffentlichung „Tyranny Of Souls“ mögen zwar ganze 19 Jahre liegen, auf der Bühne war die Qualität der Musik im allgemeinen überragend. Besonders erfrischend war, dass die Setlist ein gelungener Querschnitt der Bruce Dickinson Diskografie bot und sich nicht ausschließlich auf die aktuelle Scheibe konzentrierte. Entsprechend wurde der Engländer, samt seiner Musiker, von dem völlig ausgefüllten Infield gefeiert.

UK hat Dickinson, Deutschland hat Dirkschneider. Das Gründungsmitglied von Accept und U.D.O. der hiesigen Szene einen sehr markanten Stempel aufgedrückt, vor allem während seiner Zeit bei Accept. Im Zeichen seiner alten Formation stand auch das Set des Wuppertalers. Auch wenn der Altersdurchschnitt eventuell etwas anstieg, gab es auch nicht wenige Jungmetalheads, die textsicher die Hymnen „Fast As A Shark“ oder auch „Balls To The Wall“ mit sangen. Vor allem der Song „My Way“ unterstrich, dass der Sänger stets seine individuelle Vorstellung von Metal leben und produzieren wird. Udo Dirkschneider ist und bleibt eine feste Größe der Metalszene – er hat es (mal wider) eindrucksvoll bewiesen.

Es folgte Werbung (kleiner Spass am Rande). Mit der finnischen Formation Amorphis kam es zu einem Bruch mit dem knapp 2 Stunden Heavy Metal Sound. Die sympathische Gruppe aus Nordeuropa, rund um Sänger Tomi Joutsen, hat sich in den letzten Jahren zu einer regelrechten Institution und Exportschlager entwickelt. Ihr Erfolg mag vor allem damit einhergehen, dass sie in ihren über 30 Jahren diverse Einflüsse aus Metal und Rock äußerst erfolgreich adaptierten, zeitgleich aber nicht ihre Individualität verloren haben. Sie ergänzen ihren Melodic Death Metal und betrachten ihren Stil eben nicht als starres Konstrukt. Im Set machte sich das vor allem damit bemerkbar, dass neben Klassikern, wie „Black Winter Days“, auch ihre melodische Hymne „House Of Sleep“ neben den neusten Liedern der aktuellen Scheibe Platz fand. Dementsprechend war es auch nicht überraschend, dass zahllose Menschen dem Live Spektakel beiwohnten. Der 6er aus Finnland hatte nach ihrer Show definitiv neue Anhänger*innen dazu gewonnen.

Kam nun ein ruhiger Abschluss mit sanften Melodien, um den Tag friedlich ausklingen zu lassen? Weitgefehlt. Gleich dem Einschlag aus dem schweren Geschütz der Dicken Bertha schlugen Kanonenfieber ein. Die Black/Death Metal Formation hat sich ganz der Thematik der Urkatastrophe, dem 1. Weltkrieg, verschrieben. Entsprechend trugen alle Musiker die Grunduniform der deutschen Soldaten. Lediglich der Sänger hatte den Offiziersrock an. Auch der Bühnenaufbau, die Uniformen, die Licht- und Pyroshow war akribisch auf das jeweilige Lied abgestimmt. So trugen die Musiker*innen beispielsweise die Marineuniform der U-Bootfahrer der deutschen Marine, als sie das Lied „Die Haverie“ anstimmten. Den Abschluss des Abends und auch des ersten Festivaltages, machte der einer der zwei Songs mit englischsprachigen Textzeilen „ The Yankee Division March“. Das Abrisskommando ist wohl das heißeste Eisen aus der deutschen Metalschmiede – absolut legitim, wenn die Qualität auf der Bühne und die Unmengen an Zuschauer*innen davor als Referenzwert genommen werden.

Roskilde Festival 2024 – Mittwoch: Vielfalt und Gleichberechtigung im Line-up

Zum ersten Mal in der Geschichte des Festivals spielten und performten beim diesjährigen Roskilde Festival mehr weibliche Künstlerinnen als männliche. In Zahlen: 35 % männliche Gruppen/Künstler, 41 % weibliche Gruppen/Künstlerinnen, 20% gemischtgeschlechtliche Gruppen sowie 4 % nonbinäre Künstler. Insgesamt ca. 200 Acts aus allen Teilen der Welt. Wieder, und das ist weiterhin bewusstes Konzept, gab es im Line-up wesentlich mehr Newcomer neben den Headlinern als bei Festivals vergleichbarer Größe.

Mittwoch

Pünktlich zum Eröffnungstag des Hauptprogramms (das Warmup lief schon seit Samstag) zeigte sich das Wetter von seiner besten Seite. Die freundliche Begrüßung der Volunteers, blauer Himmel, Sonne und das erste Bier beim Campaufbau lassen spätestens jetzt das berühmte „Orange Feeling“ entstehen. Dieses legendäre Gefühl, dass nur verstehen kann, wer er es einmal erlebt hat.

Das legendäre Gates Opening mit dem Run auf das Infield vor der Orange Stage entfällt in diesem Jahr, da es im letzten Jahr dabei zu einigen Unfällen kam. Die ersten Festivalbesucher werden von der Security in 100er Gruppen auf des Gelände eskortiert. Es wirkt etwas skurril.

Die Better Lovers (USA) mit Greg Puciato von The Dillinger Escape Plan und drei ehemaligen Mitgliedern von Every Time I Die sorgen auf der Gaia Stage für einen sehr intensiven Metalcore Einstieg in des Festival.

Den Opener auf der  Orange Stage hat traditionell ein dänischer Act. Dieses Jahr ist es der Lamin, ein Hip Hop Act, der nach seinem ersten Roskilde Auftritt 2022 an die Spitze der dänischen Chart gelangte. Souverän meistert der 29 jährige die Eröffnung der Hauptbühne mit einer sympathischen Show.

Frank Carter & The Rattlesnakes  (UK) sind in Topform. Die EOS Stage verlässt Frank Carter schon nach dem ersten Song, um in der Crowd zu singen, eine Moshpit zu organisieren und hat sichtlich Freude daran. Sein legendärer Auftritt  von 2016  hier ist unvergessen und er macht in dieser Tradition weiter.

Coolen Alternative Rock gibt’s von Bar Italia aus UK dann anschließend auf der Gaia Stage. Ihr Name wird als einer der heißesten Namen in der Szene gehandelt! Empfehlenswert!

Nun ist es soweit. Der Headliner Act auf der Orange Stage ist mit Doja Cat superprominent besetzt. Doja Cat liefert eine perfekt konfektionierte Show mit einer exzellenten Liveband. Die Audience ist begeistert. Ja, Roskilde Festival, du hast uns am ersten Tag gepackt.

Rockharz Open Air 2023 – Unsere Highlights am Samstag

Auch der Samstag, der vierte und letzte Tag des Festivals, gibt sich noch einmal alle Mühe und begrüßt uns mit blauem Himmel und Temperaturen, die bereits am Vormittag weit über 20 Grad liegen. Der Tag beginnt entspannt mit der Band Voodoo Kiss. Lange war es still um die Hardrocker – zumindest bis sie letztes Jahr zum 25. Summer Breeze Jubiläum wieder aus der Versenkung geholt wurden. Die Musik funktioniert natürlich nicht nur dort, sondern auch hier auf dem Rock Harz hervorragend.

Nun folgt mit Soulbound etwas Modern Metal aus Bielefeld, die Band konnte ihr Können schon auf anderen Festivals unter Beweis stellen und sorgt für ein morgendliches Workout. Mit „Fuck You“ setzt die Band auch gleich ein Zeichen für Vielfalt und gegen Intoleranz. Bei „Addictect To Hell“ wird das Publikum stimmlich sehr aktiv und überrumpelt damit sogar die Band, die in den nächsten Minuten weiter Gas gibt.

Vielleicht hierzu mal eine passende Side Info zum Inklusionscamp auf dem Rockharz, hier gab es in diesem Jahr knapp 70 Behinderte mit Geh-/Hör-/Sehbehinderungen, die im extra Camp von der Lebenshilfe Braunschweig durchgehend betreut wurden und so am Festival teilnehmen konnten. Neben der nötigen Infrastruktur gab es hier auch eine Rezeption, Lane am Merch und weitere Hilfestellungen. Man darf gespannt sein, wie sich andere Festivals diesem tollen Konzept anschließen werden.

A Life Divided, die übrigens erst vor kurzem ihr neues Album mit dem Titel „Down The Spiral Of A Soul“ veröffentlicht haben, ziehen für die frühe Stunde bereits eine beachtliche Menge an Publikum vor die Rock Stage. Die Weisheit des Tages wird von Sänger Jürgen Plangger präsentiert, der feststellt, dass die Qualität der Headbanger grundsätzlich über die Quantität zu stellen sei. In diesem Sinne wird dann auch fleißig zu Titeln wie „Heart On Fire“ und „Best Time“ geheadbangt.

Ein bisschen AC/DC-Vibes gibt’s anschließend mit Ohrenfeindt auf die Ohren. Seit fast 30 Jahren sind die Hardrocker aus St. Pauli im Geschäft und auch heute noch voll dabei. Meistens geht es rockig zu, doch bei „Tanz nackt“ wird es auch mal ernst, denn auch wenn der Titel zunächst anrüchig klingt, dient er vor allem als Plädoyer dafür, seinen Mitmenschen mit Respekt zu begegnen und aufeinander zu achten. Als kleine Einstimmung auf den Headliner des Abends übernehmen nun Einherjer aus Norwegen das Ruder und bringen ein wenig Wikinger-Feeling ins Infield. Ob „Odin Owns Ye All“ oder „Dragons Of The North“, die Tracks laden zum Headbangen ein und bieten die passende musikalische Untermalung für den Aufstieg nach Valhalla.

Etwas härter und auch düsterer wird es mit Wolfheart, die uns den Nachmittag mit Melodic Death Metal aus den Tiefen des Nordens versüßen. Die Finnen um Frontmann Tuomas Saukkonen schmettern uns Songs wie „Aeon Of Cold“ und „The Hammer“ um die Ohren und sorgen damit für rekordverdächtige Circle Pits im Publikum.

Den Acker umgraben Wind Rose mit ihrem „Dwarf Metal“ – die Italiener stehen in Rüstungen und Pelzen auf der Bühne und besingen in ihren Power-Metal-Hymnen mit Vorliebe das Leben der Zwerge. Ob „Fellows Of The Hammer“ oder „Drunken Dwarves“, das Publikum ist begeistert und als zum Abschluss noch „Diggy Diggy Hole“ ertönt, gibt es kein Halten mehr.

Legion Of The Damned verspäten sich auf Grund von Anreiseproblemen um 20 Minuten – aber schließlich haben sie es doch noch aufs Rockharz geschafft, betreten nach einem kurzen Intro die Bühne und legen mit dem gleichnamigen Song „Legion Of The Damned“ direkt los. Aufgrund des späten Starts vergeht das Set viel zu schnell und endet nach knapp 30 Minuten Spielzeit mit „The Poison Chalice“.

Weiter geht es mit den Portugiesen von Moonspell, die direkt mit „Opium“ in ihr Set einsteigen und uns durch 30 Jahre Bandgeschichte führen. Die gesundheitlichen Probleme von Sänger Fernando Ribeiro aus dem Frühsommer scheinen kein Thema mehr zu sein und eine gut gelaunte Band präsentiert dem Publikum Songs wie „Extinct“, „Alma Mater“ oder „Breathe (Until We Are No More)“. Die düsteren Melodien schmelzen wie die Fans an diesem Tag in den Gehörgängen und sorgen für glückliche Nachtschattengewächse.

Mit Lacuna Coil begrüßen wir nun den zweiten italienischen Act des Tages auf der Dark Stage. Die Musik der Italiener ist von Kontrasten geprägt und lebt vor allem vom Wechselspiel zwischen Cristina Scabbias hellem Klargesang und Andrea Ferros harschen Vocals. Ob bei Klassikern wie „Heaven’s A Lie“ oder neueren Stücken wie „Layers Of Time“, die Italiener haben das Publikum mit ihrem düster-wuchtigen Sound fest im Griff und animieren mal zum Mitsingen, mal zum Headbangen.

Nun noch schnell zu Carcass, die Grind/Death Legenden verzaubern uns mit ihren Riffs aus den letzten Jahrzehnten und selbst Jeff Walker kann sich ein Grinsen nicht verkneifen. Die Setlist ist gut gewählt und durch alle Jahrzehnte der Band gut gemischt. Im Publikum wird gerockt und gebangt, als gäbe es kein Morgen mehr. Die Band bedankt sich mit einigen weiteren Grindgewittern und verabschiedet sich gut gelaunt von der Bühne.

Etwas ungewöhnlicher ist die Setlist von Life Of Agony. Diese befinden sich nämlich gerade auf einer Jubiläumstour zu ihrem 1993 erschienenen Debütalbum „River Runs Red“ und spielen daher das Album in voller Länge. Es ist ein Konzeptalbum, das einen Mann in der letzten Woche vor seinem Selbstmord begleitet. Klingt düster? Ist es auch ein bisschen. Den melancholischen Touch lockern die Amerikaner aber durch ihre energiegeladene Performance auf, auch wenn Sängerin Mina Caputo zu Beginn der Show etwas desorientiert wirkte und sogar auf die Bühne fiel.

Lord Of The Lost, unsere ESC-Sieger der Herzen, erfreuen sich heute großer Beliebtheit und sorgen erwartungsgemäß für ordentlich Andrang vor der Bühne. Sänger Chris Harms und seine Kollegen haben für uns Songs aus fast allen Schaffensphasen mitgebracht und bieten so eine Auswahl, bei der für jeden etwas dabei sein sollte. Natürlich darf auch der ESC-Beitrag „Blood & Glitter“ aus Liverpool nicht fehlen, um das Set der Hamburger abzurunden.

„Brot und Spiele“ für die Massen gibt es nun bei Saltatio Mortis, die aus ihrem Auftritt ein wahres Spektakel machen. Zu „Loki“ lassen sie Flammensalven über das Infield fegen (Crowdsurfen während dieser Zeit ist übrigens nicht zu empfehlen, sonst kommt man verbrannt vorne an), bei „The Dragonborn Comes“ wird Cristina Scabbia zum Duett gebeten und bringt mit ihrem Electric Callboy-Cover „Hypa Hypa“ die Menge ordentlich in Bewegung. Perfektes BBQ mit den Musikern von Salatio Mortis.

Vor dem Headliner kamen wie immer die Crew und der Veranstalter auf die Bühne, doch heute gab es wenig Gutes zu verkünden. Neben dem Tod des langjährigen Mitarbeiters Dirk wenige Wochen vor dem Festival starb auch die Catering-Chefin während des Festivals bei einem Autounfall. Veranstalter Buddy war dementsprechend sichtlich bewegt in seiner Rede und auch das gesamte Infield antwortete bewegt mit allen verfügbaren Lichtern. Auch der Headliner des Tages mag es feurig: „Death In Fire“ ist bei Amon Amarth nicht nur ein Titel auf der Setlist, sondern offensichtlich auch das Motto ihrer Pyro-Show. Auch das restliche Bühnenbild ist gewohnt spektakulär und ganz dem Wikinger-Thema gewidmet. Zu Songs wie „Raise Your Horns“, „Put Your Back Into The Oar“ und „God Of War“ wird im Publikum wild gemosht, gegrölt und gerudert. Der Klassiker „Twilight Of The Thunder God“ bildet natürlich das große Finale und gleichzeitig einen der Höhepunkte der Show, denn hier sieht man Johann Hegg mit dem Hammer Mjölnir bewaffnet in den Kampf gegen die Midgardschlange ziehen.

Den Abschluss bilden Phil Campbell And The Bastard Sons, die zu später Stunde noch einmal Motörhead auf den Kopf hauen. Das sorgt dann auch für einige Headbanger vor der Bühne, die das Festival so ausklingen lassen. Die Performance der Band ist enorm und das spürt man auch an der Resonanz im Publikum. Am Ausgang konnte man dann auch noch die Cantina Band bejubeln, wie lange ein Song dann noch lief, wissen nur die Überlebenden.

Trotz der wirklich heißen Bedingungen, die auch an den Mitarbeitern nicht spurlos vorbeigegangen sind, konnten wir ein gut organisiertes Festival und ein wirklich würdiges 30-jähriges Jubiläum erleben. Einziges wahrnehmbares Manko waren sicherlich die Staus bei der An- und Abreise für alle Beteiligten, zudem gehen manche Essenspreise mittlerweile schon an die Schmerzgrenze, dafür waren die Getränkepreise sehr im Rahmen. Auf ein 31. Rockharz 2024.

Redaktionelle Mitarbeit: Sandra Curtz

Rockharz Open Air 2023 – Unsere Highlights am Freitag

Festivaltag Nummer drei auf dem Rockharz Open Air 2023. Die Sonne brennt unbarmherzig vom Himmel, kein Wölkchen ist zu sehen und die Temperaturen nähern sich langsam aber sicher der 30-Grad-Marke. Der malerische Harz beherbergt seine Metal-Besucher nun schon seit Mittwoch und so langsam nähert sich das Festivalende in diesem Jahr.

Wir beginnen den Festival-Freitag auf der Rock Stage. Vor der Bühne hat sich für die relativ frühe Stunde schon eine beachtliche Menge versammelt, die die Band herzlich begrüßt. Frontfrau Elli lässt ihre Dreads kreisen und bedient mit Songs wie „Kollaps“ und „Insomnia“ ein breites stimmliches Spektrum von Klargesang bis Growls.

Wechsel auf die Dark Stage, wo Rauhbein heute die Veröffentlichung ihres neuen Albums „Herz eines Kriegers“ feiern. Natürlich dürfen Songs von der neuen Scheibe auf der Setlist nicht fehlen – bei Titeln wie „Feier Frei“ und „Typen wie wir“ geht auf und vor der Bühne die Post ab.

Eine weitere Album-Premiere gibt es im Anschluss bei All For Metal zu feiern, denn die Power-Metaller um Tim „Tetzel“ Schmidt und ¬Antonia Calanna veröffentlichen an diesem Tag ihr Debütalbum „Legends“. Erst zum zweiten Mal stehen sie überhaupt live auf der Bühne und haben für uns Titel wie „Raise Your Hammer“ und „Born In Valhalla“ im Gepäck.

Zeit für eine geballte Ladung Frauenpower von den Burning Witches aus der Schweiz. Sängerin Laura Guldemond und ihre Ladies trotzen der sengenden Mittagshitze und spielen für uns unter anderem „Witch’s Hammer“ und „The Dark Tower“. Vor der Bühne gibt es derweil eine nasse Abkühlung aus dem Gartenschlauch von den Pit Sisters.

Eine weitere Album-Veröffentlichung gibt es heute auch bei Bloodbound zu feiern. Die Power Metaller aus Schweden veröffentlichen heute ihr mittlerweile zehntes Studioalbum mit dem Titel „Tales From The North“. Auf dem Rockharz spielen sie heute unter anderem „In The Name Of Metal“ und laden zu einem „Drink With The Gods“ ein.

Auch die Griechen Septicflesh haben etwas Pech und müssen ohne ihre eigentlichen Bühnenklamotten auf die Bühne, aber egal, es ist sowieso zu warm und der musikalischen Qualität der Band tut das keinen Abbruch. Mit „Potrait of a Headless Man“, „Neuromancer“ oder „Martyr“ erobern sie schnell das Publikum und sorgen für einen entspannten dunklen Schleier über dem Rockharz. Mit „Anubis“ und „Dark Art“ setzen sie dann den Grabstein auf ihren Auftritt und haben den perfekten Abgesang.

Mächtig scheppert es heute auch bei den Thrash-Urgesteinen von Destruction. Bereits seit 1982 treiben sie ihr Unwesen in der Szene und zählen zu den erfolgreichsten deutschen Bands ihres Genres. Mit Songs wie „Nailed To The Cross“ oder auch dem Klassiker „Thrash Till Death“ bieten sie dem Publikum Circlepit-Material vom Feinsten.

Equilibrium lüften heute das Geheimnis um ihren neuen Sänger, der in die Fußstapfen von Robse treten wird. Es ist Fabian Getto, der hier beim Rockharz seinen ersten Live-Auftritt mit der Band absolviert und sich sowohl bei Klassikern wie „Blut im Auge“ als auch beim neueren Material wie „Renegades“ wacker schlägt.

Weiter geht es mit Power Metal aus Finnland von Sonata Arctica. Die Band um Sänger Toni Kakko ist schon lange nicht mehr aus der Szene wegzudenken und hat heute ein mit Klassikern gespicktes Set dabei, das zur Freude des Publikums unter anderem „I Have A Right“, „Full Moon“ und natürlich „Don’t Say A Word“ bereithält.

Versengold feiern in diesem Jahr ihr 20-jähriges Bestehen und laden aus diesem Anlass zu ihrer großen Jubiläumsshow im November ein. Doch zunächst sind die Bremer Stadtmusikanten hier auf dem Rockharz zu Gast. Mal laut und fröhlich mit „Thekenmädchen“ oder „Der Tag an dem die Götter sich betranken“, mal leise und gefühlvoll mit „Haut mir kein‘ Stein“. Das Infield ist brechend voll und die Folker sorgen für eine grandiose Stimmung, jeder Song reißt das Publikum auf seine Weise mit und sorgt für ein schönes Konzert der Bremer Stadtmusikanten von Versengold.

Über der Rock Stage hängt nun ein Banner mit einer idyllischen Landschaft und wir begrüßen den Mann mit einem Plan: Jonne Järvelä. Der Plan ist relativ simpel und sieht vor, sich ordentlich einen hinter die Binde zu kippen. Den passenden Soundtrack dazu liefern Jonne und seine Kollegen von Korpiklaani mit Titeln wie „Beer Beer“ und „Vodka“ und heizen damit die Partystimmung vor der Bühne weiter an.

Mit den Australiern von Airbourne wird es rockig. Frontmann Joel O’Keeffe sprüht vor Energie und ist kaum zu bremsen: Wenn er nicht gerade wie wild über die Bühne flitzt, lässt er sich Gitarre spielend durch die Menge tragen oder mixt Drinks und verteilt sie an das Publikum. Auf die Ohren gibt es derweil Hardrock vom Feinsten mit Stücken wie „Running Wild“ oder „Breakin‘ Outta Hell“.

Inzwischen ist die Sonne ganz untergegangen und wir sind endlich beim Headliner des Tages angelangt: Zeit für eine geballte Ladung Pure Fucking Metal von Arch Enemy. Frontfrau Alissa White-Gluz und ihre Bandkollegen Michael, Jeff, Sharlee und Daniel laufen an diesem Abend zu Hochform auf und hauen uns einen Brecher nach dem anderen um die Ohren. Zu Songs wie „War Eternal“, „As The Pages Burn“ und „Nemesis“ wird gemosht und geheadbangt, was das Zeug hält, und auch die Grabenschlampen haben alle Hände voll zu tun. Zusätzlich wird uns mit reichlich Pyros und etwas Feuerwerk eingeheizt.

Danach gibt es noch eine Runde Abschlusspogo mit Firkin, die Folk-Punk Band sorgt zu später Stunde noch für so manches Tänzchen vor der Bühne und kann noch ein paar Leute anlocken. Man merkt aber schon, dass die Hitze das Publikum etwas ausdünsten lässt und so sorgt die Band für einen schönen Ausklang des heutigen Abends.

Redaktionelle Mitarbeit: Sandra Curtz