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Versengold in Hamburg: Spektakuläres 20 Jahre Jubiläumskonzert

Als das Jubiläumskonzert von 20 Jahre VERSENGOLD angekündigt wurde, hatte niemand damit gerechnet, dass es doch so durchschlägt und so meldete die Band vor wenigen Wochen „SOLD OUT“. Damit ist die Show am Sonntag, den 5. November 2023 das größte Indoorkonzert der Band aller Zeiten, was sich die Versengold sicherlich auch verdient haben.

Mac Piet

Neben der Barclays Arena spielt an diesem Wochenende noch der HSV und so war die Anreise mit jeglichem Gefährt schon eine Herausforderung, dadurch war die Halle auch noch etwas schwach gefüllt als MAC PIET als Solodarsteller auftrat. Die Stimmung war dennoch gut, als er alleine mit Gitarre ein paar bekannte Hits schmetterte.

Eklipse

Nun ging es recht schnell weiter mit EKLIPSE, das weibliche Streicherquartett zauberte schnell alle Anwesenden in ihren Bann. Mit der Songauswahl zwischen dem eigenen Material, oder einigen Covern aus der Popmusik kann die Band überzeugen und wo sonst hört man schon mal „Only For The Weak“ in der Streicherversion. Dem Publikum gefiel es und der Auftritt war schon fast viel zu kurz für die Band.

Versengold

Dann wurde aber schon umgebaut und VERSENGOLD begannen kurze Zeit später mit dem Intro von „Niemals sang- und klanglos“ und einer Videoleinwand mit Bildern aus den letzten Jahrzehnten, während das Publikum lautstark mit summte, stieg die Stimmung massiv an, der Vorhang fiel. Was folgte, war ein Folkabriss der Extraklasse, die Fans sangen jede Verse lauthals mit und ab „Verliebt in eine Insel“ und „Glimmer und Gloria“ tanzten überall Menschen im Innenraum umher. Nun ließ sich die erste Überraschung blicken, Ralf „Albi“ Albers und Tobias Heindl von FIDDLERS GREEN spielten nun zusammen „Der Tag, an dem die Götter sich betranken“.

Die Stimmung im Saal war bereits jetzt nicht mehr zu toppen und dann haut uns die Band „Lautes Gedenken“ in die Setlist. Sänger Malte spricht nun über Wegbegleiter, Freunde, Familienmitgliedern und Fans die nicht mehr hier sind und während die Bilder von verstorbenen Wegbegleitern über die Leinwände laufen, kullert überall so manche Träne über die Wange. Die Kraft von einigen VERSENGOLD Liedern ist immer wieder ungebrochen stark, so auch bei diesem Lied was nur noch Gänsehaut erzeugt. Mit „Wem? Uns!“ geht es nun weiter in die ganz alten Gefilden der Band und auch hier ist das Publikum extrem textsicher, dies wurde dann mit „Hey Hanna“ fortgesetzt und die Stimmung war wieder hochgespielt. Kurze Zeit später gesellte sich nun Hannes von KISSING DYNAMITE auf die Bühne, um den Weihnachtssong „Sally O’Brien“ vom neuen Album anzustimmen. Nun ging es aber weiter mit den Gästen, Annie Hurdy Gurdy gesellte sich mit EKLIPSE zu „Eis und Asche“ auf die Bühne und sang den Song im Duett mit Malte, Gänsehautmoment Nummer zwei.

Dann wurden wieder die Tanztöne angestimmt, mit „Haut mir kein Stein“, „Wenn sie tanzt“ und „Thekenmädchen“ eskalierte die Stimmung wieder total in der Arena. Ein klares Statement erfolgte nun mit einer recht langen Ansage von Malte gegen Faschismus, Rassismus und Menschlichkeit und benannte die AFD als Feindin der Demokratie, mit der Einleitung zündete „Braune Pfeifen“ noch mehr seine Wirkung. Kurz darauf tauchte Mr. Hurley bei „Ich und ein Fass voller Wein“ im Publikum auf und wurde mit einem Plastikboot zur Bühne getragen. Darauf tauchten noch weitere Teile von KNASTERBART auf der Bühne auf, worauf die Bands ein Medley aus Songs von KNASTERBART und den PULVERAFFEN kredenztet. Das Publikum war auch hier extrem Textsicher und leitete hier sehr laut mit „Kobold im Kopf“ in den letzten Teil des Abends ein, Eskalation pur.

Zum letzten Part gesellten sich Malte und Eike direkt in das Publikum, um dort nun Die letzte Runde“ anzustimmen. Eike wurde dann zurückgelassen, um einen vernichtenden Circle Pit bei „Butter bei die Fische“ zu starten, was auch im Pyrosturm mehr als gelang. Nach fast 3 Stunden Show folgte nur noch der Abgesang der mehr als epischen Show, was sich so wohl auch keiner erträumt hatte.

Versengold in Hamburg – Augen auf und durch

Nun endlich war es soweit, VERSENGOLD haben es endlich wieder auf die Bühne geschafft, obwohl bis zuletzt doch noch Angst vor weiteren Verschiebungen mitschwebte. Nachdem zum Tourauftakt bereits drei Mitglieder der Band an Corona erkrankten und dadurch Köln/Stuttgart/Erlangen verschoben werden mussten, konnte Hamburg zum Glück ohne größere Probleme stattfinden. Auch wenn hier nun Sean und Eike das selbe Pech mit der „Seuche“ hatten und an diesem Konzertabend ausfielen. VERSENGOLD haben in den letzten Jahren einen großen Sprung gemacht und sich mittlerweile als wahrscheinlich größte deutsche Folk Band etabliert, dementsprechend gut gefüllt war auch die Edel-Optics Halle in Hamburg mit jeglicher Art an Fans und Altersstufen.

VON GRAMBUSCH

In Zeiten des Heizkostensparens musste das Heizen von der Vorband übernommen werden und zwar VON GRAMBUSCH aus Bremen, denen das echt gut gelang. Ihr Akustik-Pop Punk zündete recht schnell und die recht eingängigen Refrains luden zum Mitsingen ein. Relativ selten riss eine noch so unbekannte Band direkt mit und sorgte mit Songs wie “Legenden & Trompeten“ für ein recht aktives Publikum. Perfekter Startabriss der Bremer.

VERSENGOLD

Hinter einem Vorhang ertönten dann die ersten Klänge von „Hier kump de Storm“, das verstand man hier in Hamburg natürlich auch und so antwortete das Publikum sehr textsicher ab der ersten Zeile. Mit „Niemals sang- und klanglos“ und „Verliebt in eine Insel“ legte die Band dann noch zwei Deichgassenhauer hin, dies sorgte dann schnell für die nötige Stimmung vor der Bühne. Sänger Malte interagierte wie immer direkt mit den Fans, ob nun bei der Suche nach Hannas oder Trinkgrüßen („Der Tag an dem die Götter sich betranken“), aber auch neues Material sorgte ausgiebig zum Abfeiern. Die Band wagt nun den Sprung in deutlich nachdenklichere Lieder, „Windsbraut“ sorgt für leichte Gänsehautstimmung und danach wird mit einer emotionalen Ansprache von Malte zu psychologischen Erkrankungen „Augen auf und durch“ eingeleitet. Die Band beherrscht zum Glück den Stimmungsdrahtseilakt und startet nun wieder durch. Spätestens mit „Thekenmädchen“ ist die Leichtigkeit wieder auf der Bühne und vor der Bühne werden die Humpen gehoben. Ein erneutes aktuelles Statement wird von Malte dann noch gegen Nazis gesetzt, bevor die Band dann „Braune Pfeifen“ anstimmt und mächtig Applaus erntet. Mit „Eis und Asche“ folgt nun das Duett mit Annie Hurdy Gurdy, leider das letzte Mal, da Annie nun bei Eluveitie fest einsteigt, dennoch ein wunderschönes Duett der beiden Stimmgewalten. Natürlich dürfen dann auch „Haut mir kein‘ Stein“ und „Kobold im Kopp“ zum Ende nicht fehlen, besonders letzter Song sorgt noch einmal für eine mächtige Resonanz im Publikum und da begibt sich die Band nun auch hin.

Für die Zugabe erscheint die Band nun inmitten des Publikums und kredenzt dort mit allen zusammen „Die Letzte Runde“ . Aber damit nicht genug, Bassist Purple Otten lässt es sich dann auch nicht nehmen, einen eigenen Circle Pit bei „Butter bei die Fische“ in der Menge zu veranstalten und noch einmal mit dem Publikum alles zu geben, ein epischer Ottenabriss vom Feinsten der dem Konzert noch die letzte Würze gibt.

Folk-Rockband Versengold spielt Gute Laune-Autokonzert in Hannover

Ohne Livemusik ist die Welt für viele Menschen mehr als grausig, nach einigen Monaten ohne Konzerte und dem Aussetzen der kompletten Festivalsaison, poppen bereits in einigen Städten Autokino-Alternativen aus dem Boden um wenigstens noch ein Minimum an Kultur anbieten zu können. Die Bremer Folk-Band Versengold hat daraus eine kleine Tour gestrickt und besucht dabei insgesamt gerade einmal fünf Städte.

Der Auftakt startet am Freitagabend in Hannover im Autokino am Schützenplatz. Bei sommerlichen 30 Grad haben sich knapp 500 Autos versammelt um die Musik von Versengold zu genießen. Nach dem Einstellen der FM-Frequenz (es gibt hier keine PA auf der Bühne) und dem Sortieren der Kühlboxen werden noch Leuchtgirlanden zurechtgezupft, Lampen angebaut oder Sicherheitswesten ausgepackt. Überall wird an die Maskenpflicht außerhalb der Autos erinnert und es wird penibel auf die Einhaltung geachtet, Konzerte im Jahre 2020 – Juhee was für ein Spaß.

Als die Band mit „Durch den Sturm“ auf die Bühne tritt, merkt man ihnen die Lust am Spielen direkt an, zu lange lagen ihre Instrumente wahrscheinlich schon herum. Das Publikum muss seine Rolle hier noch finden, denn die neuen Animierungs-Möglichkeiten sind vielseitig und erst langsam finden sich die meisten zurecht (oder die passenden Knöpfe). Die Band nimmt die sonderbare Art des Auftrittes mit Humor und kann so manchen Lachflash nicht unterdrücken.

Passend zur aktuellen Situation folgt dann direkt „Niemals Sang und Klanglos“ und der Quarantänesong „Schöne Grüße von Zuhause“, die Autos wackeln dabei im Takt und die ersten Arme kreisen, dann folgt noch „Verliebt in eine Insel“ und die Batterien sind warm. Eine kleine Überraschung folgt nun mit dem noch komplett unveröffentlichten Song „Lichterloh“ vom kommenden Album.

Da der Kontakt zu den Fans durch die Entfernung nicht ganz so optimal ist, lässt Sänger Malte es sich nicht nehmen manchmal durch die Wagenreihen zu schlendern und sich seine Fans so einmal aus 1,5m Entfernung anzuschauen. Eine Eskalation beim „Teufelstanz“ kann aber leider nicht wie gewohnt stattfinden. Danach folgen noch die beiden Hits wie „Der Tag an den Die Götter sich betranken“ inklusive Auto-Schunkeln und „Solange jemand Geige spielt“, weiteres Highlight ist dann noch die bisher erst zweite Aufführung von „Meer Aus Tränen“.

Einige Animationen sind aber nur zum Teil Autokino-tauglich, so stößt man bei „Hoch Die Krüge“ immer automatisch gegen den Dachhimmel und verteilt den Hopfen-Smoothie im Auto, also wie in der Wall of Folk. Dennoch ist die Stimmung insbesondere bei den trinkenden Mitfahrern grandios und überall weht eine Warnweste, blinken Lichter oder kreisen Arme aus den Fenstern. Ein klares politisches Statement gegen Rechts sendet die Band dann darauf mit „Braune Pfeifen“ und sorgt für etliche Gesänge in den Autos. Nach „Thekenmädchen“ begibt sich Violinist Florian und Gitarrist Daniel auf einen Pick-Up und fahren damit für ein Solo durch die Autoreihen. Zurück an der Bühne steigt der Rest der Band dazu, um im engelsgleichen A Capella-Chor wieder singend durch die Menge zu fahren. Bei „Butter bei die Fische“ begrüßt man nun den Ausnahmemusiker PURPLE OTTEN auf der Bühne, um diesen Song auf der Bühne gemeinsam zu spielen. „Ich und ein Fass voller Wein“ per formt Malte dann wieder komplett zwischen den Autoreihen im Angesicht seiner Fans.

Als Abschluss des fast zweistündigen Konzertes spricht Malte dann noch die prekäre Situation aller Künstler, Veranstalter, Mitarbeiter an und bedankt sich beim Publikum für die Unterstützung durch den Besuch der Konzerte. Hierbei erinnert er auch an alle Songs die niemals geschrieben werden, weil der Künstler seine Musik aufgeben muss und ruft die Fans zur Unterstützung aller Künstler auf. Dies ist dann auch eine gute Überleitung für den traurig schönen „Haut mir kein‘ Stein“, bei dem alle Anwesenden noch mal ihr Fernlicht anmachen dürfen.

Ja Autokino-Konzerte sind deutlich anders und auch teurer, aber auch im Auto kann man mit Freunden scheinbar gut zur Musik feiern und Spaß haben. So sichern wir so einigen Menschen ihre Existenz und den Fortbestand einer ganzen Branche, denn darauf kommt es an, wenn wir jemals wieder die Vielfalt an Live-Konzerten genießen wollen.

Fredenbaumpark erstrahlt beim Phantastischen Lichter Weihnachtsmarkt in Dortmund

Wer am zweiten Adventswochenende in die Bahn nach Dortmund steigt, hat meist eins von zwei Zielen: Das Heimspiel des BVB oder den Phantastischen Lichter Weihnachtsmarkt in Dortmund, der dieses Jahr zum fünften Mal an diesem Standort stattfindet. Vorher noch in Telgte, hat er mit dem neuen Standort nur gewinnen können. Größer, aber genauso detailverliebt wie vorher. Das Wetter ist dazu an diesem Tag perfekt, kein Regen und angenehme Temperaturen.

Schon beim Betreten des Geländes fällt einem auf, dass es keine Ecke gibt, die nicht dekoriert ist. Der den Piraten gewidmete Eingangsbereich trotzt nur von Schiffen, Laternen und Skeletten, die einen direkt in eine andere Welt entführen. Folgt man vor dort aus dem ausgeschilderten Rundgang, so wird man zu den Dinosauriern geführt. Mehr als zehn Dinosaurier stehen in Lebensgröße mit kurzen Infotexten für Jung und Alt aus. Dazu immer wieder die Bitte, die Dinos nicht mit Schwertern oder anderen Gegenständen zu schlagen. Man kennt sein Publikum, und so darf die Prinzessin heute nicht mit einem heldenhaften Schwertkampf gerettet werden. Weiter Richtung Infield, auf dem die Hauptbands des Marktes spielen, befindet sich der eigentliche Weihnachtsmarkt mit vielen Ständen und Buden, die alles anbieten, was das Herz begehrt. Hier sieht man auch viele Gesichter von den im Sommer stattfindenden MPS Veranstaltungen wieder.

Bei Tageslicht macht der Markt schon viel her, entfaltet bei Nacht aber erst sein ganzes Potenzial. Es ist ja schließlich der Phantastische Lichter Weihnachtsmarkt. Sobald es dunkel wird, erhellen tausende Kerzen, Fackeln und Feuerstellen den Platz um den See des Fredenbaumparks. Auf dem See selbst sind hunderte schwimmende Feuerstellen aufgebaut, die diesen beleuchten. Plötzlich wirkt der zuvor schon sehr schöne Markt noch atemberaubender. Alle Stände des Marktes wirken in einem ganz anderen Licht und die Detailverliebtheit ist noch deutlicher zu sehen. Egal wo man hinblickt, es leuchtet etwas. So wirkt auch der Dinopfad nochmal ganz anders. Das größte Highlight bleibt dabei jedoch der See, bei dem wohl die meisten Erinnerungsfotos geschossen werden.

Falls einem bei den winterlichen Temperaturen kalt wird, hat man auch mehrer Möglichkeiten, sich wieder aufzuwärmen. Entweder mit einem Heißgetränk der zahlreichen Stände von klassischen Glühwein über warmen Met bis zu Kakao, oder einem einem der zahlreichen beheizten Zelte, die liebevoll mit geschmückten Weihnachtsbäumen und vielen Polstermöbeln ausgestattet sind. Natürlich hat man auch die Möglichkeit sich in der Menge der Gäste aufzuwärmen. Am besten in der Menge vor der Hauptbühne. Alternativ kann man sich dort natürlich auch warm tanzen.

Ye Banished Privateers

Den Anfang auf der Hauptbühne machen Ye Banished Privateers, die noch im Hellen auftreten. Bereits jetzt finden sich einige vor Bühne wieder und beginnen schnell zu tanzen. Alternativ wird mit einem ersten Heißgetränk geschunkelt. Dies besonders zu dem Song “Elephants Dance”, welches am heutigen Tag seine Live-Premiere feiert, nachdem es nur wenige Tage vorher veröffentlicht wurde.

Heiter bis Folkig

Viel Humor gibt es bei Heiter bis Folkig im Spielleute Zelt. Fast alle Sofas sind besetzt, was die Band sehr freut. So kommt bei dem alten Volkslied “Männer mit Bärten” bei der Band die Frage auf, was denn mit Frauen sei. So wird der Text schnell auf “Alle die kein Epiliergerät haben, müssen Frauen mit Beinhaar sein” geändert, was zu viel Gelächter führt. Mit ähnlich viel Witz führt die Band so durch ihren Auftritt.

d’Artagnan

Vor der Hauptbühne ist es nochmal deutlich voller, als D’Artagnan zum Tanze bittet. Dieser Bitte kommt dem das Publikum auch schnell nach und beginnt zu tanzen und klatschen. Zeitgleich singen diese auch eifrig mit. Sänger Ben Metzner nimmt von Beginn an die Bühne für sich ein und findet zwischen dem springen mit dem Publikum auf der Bühne einen Glühwein. Diesen hatte Malte von Versengold bei ihrem vorherigen dort stehen lassen. Ben nimmt einen großen Schluck und merkt an, dass “er nicht mehr ganz so glüht”. Später bekommt er noch seinen eigenen von der benachbarten Drachenschenke.

Im Spielleute Zelt sind derweil die Kinder die Stars. Dort befindet sich der Weihnachtsmann und verteilt Geschenke in Form von Süßigkeiten an die Kinder, während die Väter auf der Bühne “Bestrafungen” für schlechtes Verhalten Zuhause bekommen. Neben dem Weihnachtsmann gibt es aber noch vieles weitere für die Kinder zu entdecken. Die bereits erwähnten Dinos, ein großes Bällebad und ein Klein Kunst Zelt, in dem immer wieder verschiedene Schausteller auftreten. Alternativ bekommen die kleinen aber auch bei all den Ständen schnell große Augen.

Rapalje

Im Weihnachtszelt spielt derweil Rapalje. Hier wird getanzt bis sich die Balken biegen. Zwischendurch gibt es jedoch noch ein kurzes Geburtstagsständchen für jemanden, der gar nicht da war. Im Publikum hat jemand per Facetime das Konzert für jemanden übertragen, der Geburtstag hatte. Dafür gab es auch noch ein paar persönliche Worte von Dudelsackspieler David – natürlich auf niederländisch.

Versengold

Der Hauptact des Tages ist Versengold. Diese stehen nun zum zweiten mal auf der Bühne und können sich über noch mehr Andrang als schon am frühen Abend freuen. Ab dem ersten Moment fängt das Publikum das Tanzen und Schaukeln an. Zeitgleich zeigt es sich aber auch textsicher, als es die lautstark mitsingt. Es gibt Songs von alt bis neu, wobei neben Klassikern auch Songs gespielt werden, die die Band nur auf dem MPS zum Besten gibt. All dies sorgt für eine Stimmung, die an diesem Abend nicht klein zu bekommen ist. Es ist aber auch schwer, sich nicht von der Energie anstecken zu lassen, die von der Band ausgeht. Besonders von Geiger Florian Janoske, der wie gewohnt wild über die Bühne hüpft. Immerhin es auch das letzte Konzert für die Band für die nächsten Monate, also warum nicht mit einem Knall verabschieden?

Zwei Tage Abenteuer beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum Luhmühlen 2019

Im Frühjahr 2018 kam der plötzliche Schock für die Fans des Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Hamburg. Das “Fette Ö”, die Veranstaltung in Hamburg sollte ab 2019 nicht mehr stattfinden, obwohl sie zu einer der größten zählte. Dafür mutiert das nahegelegene MPS Luhmühlen zur “Fetten Heide” und fährt einiges mehr als in den Vorjahren auf. Ganze sechs Musikbühnen, ein Kampfplatz und ein Turnierplatz sorgen auf dem riesigen Gelände für ordentlich Programm, auch wenn dies schnell in den Hintergrund gerät, bei der Vielzahl an Dingen, die man nebenbei noch auf dem spektakulären Mittelaltermarkt entdecken kann.

Auf dem Gelände befinden sich eine Vielzahl von Händlern und insgesamt 91 Heerlager, die für die richtige Atmosphäre sorgen. Aber nicht nur die werfen sich in Schale, auch eine Vielzahl der “normalen” Besucher sind in Gewandung anzutreffen. Egal ob ob Groß oder Klein. Wer aufgrund des Anreisestaus schon Schlimmstes befürchtete was das Vorankommen auf dem Gelände betraf, hatte sich getäuscht. Obwohl eine Vielzahl an Besuchern gekommen waren, hatte man zu keinem Zeitpunkt größere Probleme sich zu bewegen. Das Gelände war dafür zu sehr durchdacht und sorgte durch die teilweise Unterteilung in Themen für gezielte Anlaufpunkte oder mit einem Rundweg für die optimale Option für die, die alles einmal sehen wollten.

Ein großer Fokuspunkt war aber der Nachwuchs. Neben einem groß angelegten Abenteuerspielplatz mit einem großen Strohhaufen, einem Bällebad, einem riesigen Sandkasten und einem kleinen Streichelzoo findet man auch zwischen den Händler immer wieder Dinge für die Kleinen zu erleben. Kerzen färben, Schminken, Bogen und Armbrustschießen und Axtwerfen sind dabei nur wenige Punkte. Bei letzteren Punkten konnten sich natürlich aber auch die Älteren beweisen.

Wem das noch nicht reichte, konnte auf die Bühnen zurückgreifen. Die meisten Bands spielen mehrfach an einem Tag, so dass es in der Regel möglich ist, die meisten Bands zu erwischen, auch wenn zeitgleich immer mindestens vier Bands spielen. Auch wenn sich alles Bands musikalisch leicht unterscheiden, haben alle eins gemeinsam: Sie passen perfekt in das Konzept des MPS.

So findet man schon früh am Tag Rapalje auf der Folk Bühne. Die einen tanzen sich schon jetzt die Hacken wund, die anderen machen es sich auf den Bänken bequem und starten etwas ruhiger in den Tag. Aber egal wohin man blickt, man sieht nur glückliche Gesichter. Bei Cobblestone ist dies nicht anders. Diese kommen zum Teil mit klassischen Songs wie “Whiskey In the Jar” daher, aber auch mit ganz anderem. So stellt “I Like To Move It” ein erstes Highlight des Tages dar. Entsprechend ist auch die Stimmung sehr gut, sodass es kaum einen auf seinem Platz hält und auch die ersten am mitsingen sind.

Mit gleich drei Schlagzeugen finden wir auch Saor Patrol auf der Folk Bühne wieder. Abgerundet mit Gitarre und Dudelsack braucht es auch keinen weiteren Text, um die Menge zu begeistern. Ein Lächeln in der Gesicht aller Anwesenden bringen aber zwei kleine Mädchen, die mit Drumsticks bewaffnet mitzumachen. Der Nachwuchs wird hier groß geschrieben. Zwar verstecken sich Maccabe & Kanaka auf der Waldbühne in der hintersten Ecke des Festivals, mit ihre Musik müssen sie das aber keineswegs. Hier gibt es vierstimmige Shantys und Folk bis zum Abwinken. Dabei immer eine Anekdote parat, sodass das Publikum im ständigen Wechsel zwischen Schaukeln, tanzen, mitgröhlen und lachen ist. Kommt man zwischendurch mal dazu die Augen zu schließen, findet man sich schnell auf einem Schiff mitten im Meer wieder, angetrieben durch die kraftvollen Stimmen der Musiker.

Ye Banished Privateers spielen, wie könnte es besser sein, auf der Piraten Bühne. Schon beim ersten Song wird einer der Bandmitglieder mit Knüppel über das “Schiff” gejagt und am Ende mit einer Rum-Flasche niedergestreckt. Rum fließt bei dem Auftritt in Strömen – wie sollte es auch anders sein? Zu den Piraten-Shantys der Band, gibt es im Publikum kein Halten, außer der Rum ist alle und muss nachgefüllt werden.

Abseits der Bühnen auf dem Turnierplatz hielt sich währenddessen EHS Team bereit, um ein großes Ritterturnier zu zeigen. Getreu dem Motto “Brot und Spiele” wurden die Leute unterhalten, also Königin Charisma und die Ritter des Lichts gegen die dunkle Fürstin Zybilla stellen.

Mr. Hurley und die Pulveraffen trifft heute das Unglückslos. Ein Gitarrenausfall beim ersten Song sorgt für viel Verzögerung. Überspielt wird dies alles durch den einäugigen Morgan, der entweder das Geschehene kommentiert oder aus dem Nähkästchen plaudert und damit alle zum Lachen bringt. Als es dann weitergeht, reißt direkt wieder eine Saite der Gitarre und der Schlamassel ist perfekt. Unterkriegen lässt sich davon aber keiner, immerhin ist es eine der ersten Shows zum neuen Album Leviathan. Die versammelte Menge feiert ausgelassen mit und so geht der Auftritt nicht in die Hose, sondern stellt durch die sympathische Art der Band für viele der Highlight dar.

Reibungslos läuft es dafür bei Letzte Instanz. Entsprechend ist es auch vor der Bühne gut gefüllt. Die versammelte Menge bekommt dafür ein Konzert, das vor Energie nur so trotzt und ohne weitere Probleme abläuft. Die Band konnte sich jedoch auch vollständig auf diesen Auftritt konzentrieren, denn im Vergleich zu vielen anderen Bands ist dies der einzige Auftritt an diesem Tag.

Versengold gehören zu den alten Hasen auf dem MPS. Schnell kommt “Butter bei die Fische” und das Publikum richtig ins Schwitzen beim Tanzen. Violinist Florian Janoske macht es einem aber auch nicht leicht, wenn er selber einem Flummi gleicht. Das Set ist sehr vom neuen Album “Nordlicht” geprägt, macht aber auch vor Klassikern nicht halt. So tanzt sich das Publikum die Hacken wund. Der Beginn von Feuerschwanz ist etwas unerwartet. Eine Tänzerin räkelt sich auf der Bühne, bis die Band schließlich dazu kommt, um dem Met zu huldigen. Egal, ob beim “Schubsetanz” oder “Krieger Des Mets”, auf seinem Platz bleibt hier niemand. Dazu gibt es immer wieder humorvolle Ansprachen der Frontmänner Hauptmann Feuerschwanz und Hodi. Auch nach dem Auftritt kann man noch lange den Refrain des letzten Songs “Das niemals endende Gelage” hören.

Am Schluss den Samstags hatte man dann die Qual der Wahl. Drei Bands, die den Tag noch nicht gespielt haben, dazu die Feuershow von Saltatio Mortis und, wenn das noch nicht genug wäre, die große Feuershow auf dem Kampfplatz. Die einer trieb es zu der Bühne der Spielleute, wo Harpyie auf einen warteten und einem mit ihrem Folk-Rock durch die Nacht tanzen ließen. Bei Fiddler’s Green sah dies nicht anders aus. Ein tanzbarer Song jagt den nächsten und auch die Wall of Folk darf nicht fehlen und findet viel andrang. Lediglich beim T-Shirt Ventilator halten sich dann doch einige zurück, immerhin ist es schon recht kalt. So wie Frontmann Albi und seine Band über die Bühne springt, wundert es keinen, dass die Stimmung von Beginn an auf ihrem Höhepunkt ist.

Bei Saltatio Mortis wird derweil etwas hoch über die Bühne getragen: Feuer. Vor der Bühne sind viele Feuerschalen aufgebaut und immer wieder schießen Feuersäulen in den Himmel, die gerade beim jüngeren Publikum auf Begeisterung stoßen. Es gibt Songs von alt bis neu, bei denen jeder bis auf das letzte Wort laut mitgesungen wird. Saltatio Mortis ist einfach DIE MPS Band schlechthin, was dieser Auftritt wieder einmal unter Beweis stellt.

Eine der letzten Optionen ist Knasterbart. Die gemischte Bandbesetzung aus Versengold und Mr. Hurley & die Pulveraffen nimmt sich dabei nicht ernst und lernt fleißig für ihr Gossenabitur. So lernen wir die Kreisberechnung des eigenen Stammbaums oder huldigen mit “Mein Körper ist ein Tempel” uns selbst. Zum Abschluss gibt es dann noch das Liebeslied an das MPS, “MPS ich liebe dich”, bevor Knasterbart die Bühne verlässt.

Eine Alternative gibt es natürlich noch. Überall auf dem Gelände lassen sich Lagerfeuer finden, um die sich immer mehr Leute scharen. So endet für viele der Samstag, bevor es am Sonntag in die letzte Runde ging.

Der Sonntag gestalte sich ähnlich dem Vortag. Der größte Punkt war wohl das Wetter, welches immer wieder mit etwas Regen daher kommt, während am Vortag fast durchgehend die Sonne schien. Sonst kann man eine Vielzahl an Familien auf dem Gelände erblicken, es ist schließlich auch Familientag. Das Programm ist heute etwas entspannter, wodurch es auch nicht ganz so voll ist, lässt aber dennoch keine Wünsche offen. Neue Bands sucht man heut, bis auf wenige Ausnahmen, vergebens. Dafür gibt es aber eine, die es in sich hat.

Heavysaurus richtet sich an Kinder und trifft durch ihre Aufmachung voll ins Schwarze. Als Dinos verkleidet, harte, melodische Klänge und Texte, die die Kinder direkt ansprechen. Die Band bedient sich dabei oft an bekannten Songs, so gibt es auch eine eigene Version von “Drei Chinesen mit dem Kontrabass”. Zwischen den Songs hört die Party aber nicht auf. Egal ob durch lustige Ansprachen, indem Sänger Mr. Heavysaurus auf der Bühnen von seiner Mami angerufen wird, oder durch Süßigkeiten, die Kinder sind voll dabei.

Nach dem Sonntag ist es dann vorbei. Es lief nicht alles auf dem Festival perfekt, was Veranstalter Gisbert Hiller vor allem im Aufbau sieht, da vor beginn nur fünf Tage zeit waren alles fertig zu bekommen. Dies soll sich nächstes Jahr ändern und doppelt so lange aufgebaut werden. Dennoch war die erste “Fette Heide” ein voller Erfolg und ist ein würdiger Nachfolger für der “Fette Ö” der Vorjahre. Nächstes Jahr findet das MPS Luhmühlen am 5. bis 6. September 2020 statt. Folgende Bands sind bereits bestätigt: Subway To Sally, Saltatio Mortis, Versengold, Mr Hurley und die Pulveraffen, Fiddlers Green, Dartagnan, Faun, Heavysaurus, Knasterbart, Ye Banished Privateers, Saor Patrol, Rapalje, Forgotten North, Cobblestones, MacCabe und Kanaka ,Weltenkrieger, Cultus Ferox, Comes Vagantes

Mera Luna 2019 am Sonntag – Unsere Highlights

Nachdem der Mera Luna 2019 Samstag bei bestem Sommerwetter mit Within Temptation und ASP bereits zwei große Headliner als musikalisches Highlight präsentiert hat, liefert der zweite Festivaltag der 20. Jubiläumsausgabe noch jede Menge weitere Höhepunkte – und noch heißere Temperaturen und knallige Sonne. Das irisch-englische Projekt VNV Nation der alternativen Elektro- und Industrial-Szene führt mit Fields of Nephilim das Line-up als Headliner an, hinzu kommen Künstler wie Subway to Sally, Combichrist, Funker Vogt, Diary of Dreams, Scarlet Dorn, Joachim Witt und viele viele mehr.

Neben der musikalischen Seite bietet das Mera Luna 2019 am Sonntag auch wieder ein ganz besonderes Schmankerl. Es reisen schließlich jede Menge Fans der schwarzen Szene aus ganz Europa an, um sich einerseits selbst im extravaganten Outfit zu präsentieren, andererseits aber auch neue Modehighlights zu sehen und zu erwerben. Hier kommt die heiße „Gothic Fashion Show“ ins Spiel. Verschiedene Labels zeigen dabei ihre Fetisch-Mode aus den verschiedensten Materialien wie Lack, Leder und Latex, es gibt aber auch Mieder oder mittelalterliche Kleider – und das alles natürlich präsentiert an wunderschönen Körpern. Mittelalter-Fans, Fetish-Freunde, blutrünstige Vampire und Zombies und sonstige Gothic-Lifestyler kommen ganz klar auf ihre Kosten.

scarlet dorn

In der Mittagssonne präsentiert die märchenhaft anmutende Band Scarlet Dorn um die sibirische Namensgeberin, Sängerin und Komponistin vielversprechende Klänge, die unter der Regie von Lord of the Lost-Mastermind Chris Harms im letzten Jahr ihr Debütalbum herausgebracht hat. Mit einer Mischung aus atmosphärisch-düsterem Pop-Rock und ihrer warmen, klaren Stimme schafft sie es, all diejenigen zu verzaubern, die sich um diese frühe Stunde schon aufs Festivalgelände zu bewegen. Gleichzeitig versprüht die 25-jährige eine künstlerische Reife, wie man sie bei so jungen Musikerinnen nur selten findet. Die charismatische Sängerin zeigt ihre starke und eigenwillige Persönlichkeit – das kommt überall richtig gut an. Scarlet Dorn  haben den Weg geebnet für eine vielversprechenden Karriere, die hoffentlich einen steilen Weg nach oben geht.

heldmaschine

Neue Deutsche Härte der Koblenzer Band Heldmaschine kündigt sich an. Musik der Sorte „Rammstein“ aber mit vielen innovativen Elementen bringt die fünfköpfige Truppe um Frontmann René Anlauff an den Mann (und die Frau). Die Band geht dabei aber einen eigenen Weg und grenzt sich musikalisch sogar von dem Branchenführer ab. Dabei zeigen Heldmaschine ein sicheres Gespür für eingängige Melodien und mitreißende Refrains, das holt das Publikum schnell ab. Auf dem Infield entwickelt sich binnen kurzer Zeit ein ausgelassenen Tanzgelage, dass zeitweise in einem Mosh- und Head-Bangbattle gipfelt. Völlige Eskalation steht auf dem Programm. Da auch eine gute Prise elektronischer Beats die Songs begleitet, kommen hier Fans härter Rockklänge genauso auf ihre Kosten, wie Fans von Joachim Witt- oder Kraftwerk-ähnlichen Sounds.

versengold

Das musikalische Mittelalter-Genre ist nicht nur auf den typischen Mittelaltermärkten des Landes zu finden, das ist hinlänglich bekannt dank In Extremo, Subway To Sally oder Tanzwut. Aber auch Versengold reihen sich bereits seit 2003 mit in der Liste der deutschen Bands ein, die mit vielerlei Instrumenten neumodischen Sound im alten Gewand zelebrieren. Jeder der Musiker aus Bremen ist Meister an nicht nur einem Instrument, teilweise gleich an bis zu 4, 5 oder 6 Instrumenten. Die Folkrocker um Frontmann Malte Hoyer haben ihr ganz frisches Album „Nodlicht“ im Gepäck und zaubern hier und da ein paar neue Klänge auf die Ohren der Mera Luna 2019-Besucher. Energiegeladen und stimmungsreich zelebriert das Septett ein gelungenes und routiniertes Live-Set und wird vom Publikum dafür gefeiert.

diary of dreams

Wer eine gute Mischung aus Gothic und gutem alten Wave mag, der ist bei der nächsten Band eindeutig richtig. Bei Diary Of Dreams dreht sich inhaltlich alles um aktuelle Themen wie Kriege, Zerstörung, Fanatismus, Egoismus, Leid und Trauer. Es geht düster und brachial zu, dafür aber auch mitreißend und nachdenklich. Ehemals dem Dark-Wave zugeordnet, hat sich die Band mit Sänger Adrian Hates mittlerweile Richtung Future Pop entwickelt. Entsprechend mächtig stampfen düstere Rhythmus-Bollwerke gegen massive Gitarrenwände an, während elektronische Sounds den charismatischen Gesang durch die Melodien tragen. Mit dabei haben sie Songs aus dem aktuellen Album „Hell in Eden“ und auch hier sind die Aussagen explizit und politisch. Der Band geht es vor allem darum, ihre Botschaften in Töne zu verwandeln – und diese werden gerne gehört und mitgesungen!

funker vogt

Diese Band hat ihr aktuelles Album „Wastelands“ im Gepäck genau wie einen „neuen“ Sänger. Chris, der auch bei der Band Agonoize mit mitwirkt, ist noch nicht lange Teil der Crew, bereichert diese aber ungemein. Jetzt liefern Funker Vogt nicht nur gute Musik, sondern auch eine gute Show. Man könnte denken, dass aus diesem Grund nur neues gespielt wird, aber das ist falsch. Chris überzeugt nicht nur bei neuen Songs, sondern auch bei dem typischen Funkersound. Der ungeahnte Facettenreichtum in Chris L’s gesanglichen Darbietungen, setzen dem breiten Klangspektrum der Band ein i-Tüpfelchen auf. Und da soll jetzt nochmal einer sagen, dass Sängerwechsel eine Band schwächen würden.

combichrist

Sänger Andy LaPlegua feuert mit Combichrist seit 2003 aus allen Rohren, die man von den Genres Aggrotech, Rhythm’n‘Noise und Industrial erwarten kann. Das Schaffen des Quintetts hat auf kreativer Ebene aber noch längst kein Ende erreicht: Zwischen den harten, brachialen Sounds, wird mit Meoldien experimentiert und der Dubstep-Beat zischt nur so an einem vorbei. Man nimmt Combichrist die Wut, Verzweiflung und Morbidität, die sie darstellen, einfach ab. Die beiden Drummer, einer links einer rechts, trommeln sich in völlige Ekstase, dreschen auf ihre Sets, dass die Drumsticks nur so fliegen und ihre Tom-Toms alle paar Songs ausgewechselt werden müssen. Während Frontmann LaPlegua in wildes Springen und Wirbeln mit dem Mikrofon einstimmt – dann fühlt es sich als Zuschauer an, als wäre die Apokalypse gerade im Anmarsch. Live knallen die Songs gleich doppelt so krass wie auf der Platte, Andy und Co. schaffen es von der ersten bis zur letzten Sekunde, voll aufs Gaspedal zu drücken und die Energiereserven des Publikums anzuzapfen.

joachim witt

Altes Eisen wäre dann auch das Stichwort für die nächste Show. Joachim Witt, der in diesem Jahr stolze 70 Jahre alt geworden ist, ist seit seinem Richtungswechsel hin zur Neuen Deutschen Härte Ende der 90er Jahre ein gern gesehener Stammgast auf dem Mera Luna Festival. Zuletzt ist er in 2015 hier gewesen. Dem inzwischen komplett ergrauten und mit langem Rauschebart ausgestatteten Witt schlägt bei Betreten der Bühne frenetischer Jubel entgegen. Dieser wird auch im Verlauf des Auftritts nicht abebben, der hauptsächlich durch die düstere Schaffensphase des ehemaligen NDW-Recken führt. Der “Goldene Reiter” darf natürlich nicht fehlen, ebenso wenig “Die Flut”, die ihm seinerzeit kommerziell einen zweiten Frühling beschert hat.

subway to sally

“Ich bin dein Messias, vielleicht sogar dein Gott …” Mit diesen Zeilen startenSubway to Sally ihre Liveshow. Folk mit Metal-Einflüssen oder Metal mit Folk-Einflüssen, irgendwo dazwischen liegt der Sound, den Subway to Sally seit knapp 30 Jahren von Bühne zu Bühne tragen. Neben Gitarre, Bass und Schlagzeug gibt es noch eine Drehleier, eine Violine und je nach Song, weitere exotische Instrumente wie Tin Whistle oder Bagpipes. Alle Texte, zumindest alle die beim Mera Luna 2019 gesungen werden, sind auf Deutsch, viele doppeldeutig oder voller Metaphern, manche aber auch offene Kritik an der modernen Gesellschaft und seinen verwöhnten, ziellosen Bewohnern. Die Band schafft es locker, das Infield voll zu kriegen mit einer Menge, die alle Texte kennt und mitsingt, mitklatscht, mitfeiert und am Ende des Auftritts immer noch mehr will.

fields of the nephilim

Mit Fields of the Nephilim kommt eine der einflussreichsten Bands des Gothic Rock auf die Bühne. Das Quintett um den charismatischen Sänger und Frontmann Carl McCoy hat sich in 1983 im britischen Stevenage, Hertfordshire gegründet und das Debütalbum „Dawnrazor“ (VÖ 1987) ist ganz klar nur ein Grund, für den fast schon entrückten Status der Band FotN. Neben riffgetriebenen, mit Strophe, Bridge und Refrain nachvollziehbar aufgebauten Gothic-Rock-Stücken steht die Band vor allem für ein exzellentes Hörerlebnis: Treibend, hypnotisch, stimmungsvoll, emotional und düster erzeugt das Quintett dabei seine Wirkung. Die Band will ihrem Publikum wirklich was bieten, daher geht es mit „Dawnrazor“ vom Erfolgs-Debüt auch direkt los. Danach führen die Gothic Rock-Heroen durch ihre lange Schaffensgeschichte, die bewusst macht, wieviele Klassiker da inzwischen aufgelaufen sind und wie sich der Nephilim-typische Sound über all die Jahre halten kann.

suicide commando

Mit einem der Urgesteine der Szene geht es auf der Mainstage weiter. Mit über 30 Jahren auf dem Buckel treten Suicide Commando auf die Bühne. Das Ergebnis sind tanzende und headbangende Menschen davor. „Hellraiser“, „Comatose Delusion“, „Bind“, „Torture“, „Cause Of Death: Suicide“ – um nur einige der Clubhits zunennen, mit denen Johan Van Roy, aka Suicide Commando, die Tanzflächen in den späten 90ern für mindestens eine Dekade erschüttert hat. Das Einmann-Projekt aus Belgien ist die Blaupause für den späteren Hellectro-Trend gewesen und hat unzählige musikalische Nachahmer inspiriert. Freunde von düsterer Atmosphäre sowie harschen, schwarzen Elektro-Beats kommen hier auf ihre Kosten. Kaum eine Band vermag es, die extremsten menschlichen Abgründe so effektiv in Club-taugliche elektronische Klangwelten umzusetzen, wie es Suicide Commando tun.

vnv nation

In der Elektro- und Industrial-Szene hat sich das irisch-englische Projekt VNV Nation – ehemals als Duo und jetzt solo unterwegs – schon lange einen Namen gemacht. Das liegt einerseits an dem außergewöhnlichen Musikmix aus modernen, elektronischen Stilen (Industrial-, Rock- und Dance), andererseits an den tiefgreifenden Texten und der gefühlvollen Stimme von Ronan Harris. Zwischen die knallharten Electro-Beats mischen sich düster-verträumte Balladen und symphonisch-orchestrale Arrangements. VNV Nation transportiert Emotionen, Pathos und etwas hymnenhaftes, die vor allem live energiegeladen daherkommen und damit eine große Fangemeinde begeistern. Eine Mischung aus „alten Zeiten“ und einem geschickt eingesetzten Funken Klassik. Und genau so ergattert man sich einen Platz als Headliner des zweiten Festivalabends.

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Mera Luna 2020

Mittelalterlich Phantasie Spectaculum 2018 in Bückeburg

Das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum geht in seine 25. Runde. Auf ihrer Jubiläumstour 2018 darf natürlich Bückeburg nicht fehlen, das nicht nur eines, sondern gleich zwei Wochenenden nacheinander für euch offen steht. So erwarten euch auch am nächsten Wochenende, 14. und 15. Juli 2018, Saltatio Mortis, Versengold und viele andere Künstler im Schlosspark Bückeburg.

Jetzt aber erstmal dazu, wie es auf dem Mittelalterlich Phantasie Spectaculum 2018 Bückeburg Nummer 1 war: An einem sonnigen Samstag Nachmittag erreichen wir das Festivalgelände in Bückeburg. Mit dem dichten Strom an Menschen an der Kasse vorbei, durch den Eingang, und wenige Meter weiter findet man sich in einer ganz anderen Welt wieder. Links und rechts ist der Weg gesäumt mit Buden, Lädchen, Wagen und Zelten. Der Boden ist staubig, am Wegesrand steht Stroh und die Bälle aus dem Bällebad rollen an einem vorbei…ähm warte. Das Motto „Nicht authentisch sonder phantastisch“ ist hier allgegenwärtig. Alles ist zwar im pseudo mittelalterlichen Stil gehalten, aber erlaubt ist alles, was Spaß macht und somit findet man zwischen phantasievoll gekleideten Schaustellern, Besuchern und tierischen Besuchern auch den Otto normal Bürger. Was für die Menschen gilt, das gilt auch für die Stände.

So gibt es viele Händler für mittelalterliche Handwerkswaren oder Fressalien, aber auch Bällebäder für Kinder bis einschließlich zwei Meter Gesamthöhe oder Odins Popel und Elfenhaar für die Süßmäuler der Moderne – Popcorn und Zuckerwatte fallen eindeutig unter die Kategorie phantastisch. Auch für Tierfreunde hat das MPS einiges zu bieten. Neben den unterschiedlichen Reitshows auf der Turnierarena und dem obligatorischen Streichelzoo mit Ziege Wilma und Selma gibt es noch den Falkner der Herzen, der mit einer liebevollen Vorstellung von Raubvögeln zum Bestaunen aus der Ferne und für die Mutigeren auch zum Anfassen und streicheln einlädt. Anmerkung für Hundebesitzer: Das Mitbringen von Hunden ist ausdrücklich erwünscht. So treiben sich neben den festivaleigenen MPS-Hunden auch dutzender anderer Hunde und ihre Herrchen rum.

Kommen wir zu den Bühnen: das MPS Bückeburg besitzt vier Musikbühnen. Die MPS-Bühne und die Festivalbühne bilden die beiden Hauptbühnen und sind umringt von Buden und Ständen. Die Folk Bühne liegt etwas abgelegen davon auf einer Lichtung im Wald und bietet eine etwas gemütlichere Atmosphäre und hautnah geht es auf der Bühne der Spielleute zu.

Bei unserem Eintreffen hören wir die letzten Klänge vom ersten Tages Konzert von Mr. Hurley und die Pulveraffen, auf das sich direkt im Anschluss Waldkauz auf der Festivalbühne bereit machen. Zu ihren mystischen Klängen setzten wir unseren Rundgang über den Markt fort. Vorbei am Mausoleum geht uns für in den Wald durch die Ausläufer des Heerlagers des MPS. Auf der Folk-Bühne wartet auf uns auch schon The Dolmen mit ihrem Celtic Rock. Danach schlendern wir in einem Bogen über die MPS-Bühne auf der Saltatio Mortis ihre Nachmittagsshow beginnen erneut zur Festivalbühne. Dieses Mal drehen wir die volle Runde mit Mr. Hurley und die Pulveraffen.

Auch wenn das Tortuga Inn mit seinen Cocktails lockt, ist es wichtig bei der Hitze viel zu trinken und so sieht man über die Theken nicht nur Met, Bier und Rum wandern, sondern auch literweise Apfelsaft während auf der Bühne „Nüchtern“ geschmettert wird. Nach einer abendlichen Essenspause, wobei man länger dafür braucht, sich zu entscheiden was man will als zum Essen selbst, geht es rüber zu Bühne der Spielleute, wo das zweiköpfige Trio von MacCabe & Kanake mit vier Mann auf den Brettern stand und mit seiner Kombination aus Seemannsliedern und Irischem Folk das Publikum auf ihren Bänken und Strohbänken zum Schunkeln bringen. Zurück geht es dann auf an die Festivalbühne, wo Fiddler’s Green die Folk-Rock-Abrissparty schon angefangen haben und man sich unbedarft auf einmal in ihrer traditionellen Wall of Folk wieder findet.

Nach dieser wilden Fahrt schlendern wir zum Tunierarena zur Nachtfeuershow der Ritter zu Pferde und lassen den Abend gemütlich ausklingen. Unser persönlicher Abschluss macht das Feuerspektakel des Bruder Rectus letzte Segnung mit Feuervogel und Danse Infernale. So beenden wir mit viel Akrobatik und Feuer unseren diesjährigen Besuch beim Mittelalterlich Phantasie Spectaculum 2018 in Bückeburg.

M’era Luna Festival 2017 – So war der Sonntag

Mittelalter-Fans, Fetish-Freunde, blutrünstige Vampire oder Zombies, Kostümierte, Gothic-Lifestyler – sie alle kommen zum M’era Luna Festival 2017 nach Hildesheim um sich selbst zu inszenieren, aber auch um den Klängen der szene-typischen Bands zu lauschen und dazu zu tanzen. Nachdem der Samstag mit Korn bereits den ganz großen Headliner als musikalisches Highlight präsentiert hat, liefert der zweite Festivaltag zwar nicht mehr die gleiche Dimension mit Blutengel (und vielen weiteren Bands) aber doch noch weitere viel erwartete Höhepunkte. Zum Glück spielt nun auch das Wetter endlich mit. Regen, Wolken und Matsch haben dem schwarzen Festivalvolk bereits Freitag (auf den Camping- und Parkflächen) und Samstag unangenehm mitgespielt, da ist die Freude über sommerliche Temperaturen und Sonne groß. Das Festivalgelände gleicht am Nachmittag aber bereits einem riesigen Schlammfeld, durch das man entweder durchtänzeln oder einfach gnadenlos durchstampfen, muss um nicht stecken zu bleiben.

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M’era Luna Festival 2018 Tickets + Infos:

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versengold

Das musikalische Mittelalter-Genre ist nicht nur auf den typischen Mittelaltermärkten des Landes zu finden, das ist hinlänglich bekannt dank In Extremo, Subway To Sally oder Tanzwut. Aber auch Versengold reihen sich schon seit 2003 mit in die Liste der deutschen Bands ein, die mit vielerlei Gerätschaften neumodischen Sound im alten Gewand zelebrieren. Jeder der Musiker aus Bremen ist Meister an nicht nur einem Instrument, teilweise gleich an bis zu 4, 5 oder 6 Instrumenten. Die Folk-Rocker rund um Sänger Malte Hoyer haben ihr ganz frisches Album „Funkenflug“ im Gepäck und zaubern hier und da ein paar neue Klänge auf die Ohren der M’era Lund 2017-Besucher. Energiegeladen und stimmungsreich zelebriert das Septett ein gelungenes, routiniertes Live-Set und wird vom Publikum dafür abgefeiert.

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megaherz

Nun finden harte Gitarrenriffs und laute Metalsounds Gehör. Die Münchener Vertreter der Neuen Deutschen Härte Megaherz drehen auf der Main Stage richtig auf und fordern den Zuschauern alles ab. Frontmann Alexander „Lex“ Wohnhaas ist energiegeladen und präsentiert mit seinen vier Bandkollegen u. a. Songs vom erfolgreichen und Ära-bereitenden Album „Zombieland“ sowie der EP „Erdwärts“. Die Bandmitglieder, Wohnaas aber allen voraus, zeigen sich nicht nur als Meister an ihren Instrumenten, sondern auch als Künstler von Mimik und Theatralik. Die harten Klänge erinnern vielerorts an Hits von Oomph! oder Rammstein, macht aber nichts. Vor der Bühne brüllt der Fanchor jede Textzeile lauthals mit.

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The Crüxshadows

Die amerikanischen Synth-Rocker gehören zu den Lieblingen der Gothic-Szene, was nicht zuletzt ihrem unverwechselbaren Sound und den fannahen Live-Auftritten zuzuschreiben ist. Die Kombination aus elektrischer Violine, E-Gitarre und Synthesizer mit Rogues charismatischem Gesang sind es, was den charakteristischen Klang der Crüxshadows ausmacht.  Auch nach über 20 Jahren Bandgeschichte geht von ihrer Faszination eigentlich nichts verloren. Ihre Texte nähren sich aus der ägyptischen und griechischen Mythologie. Auf der Main Stage liefern Rogue und seine Bandkollegen eine theatralische, aber dennoch aufrichtige, leidenschaftliche Bühnenshow ab, das ist wahre, schwarze Kunst!

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Mittelalterlich Phantasie Spectaculum 2017 in Berlin

Zum zweiten Mal in seiner zwei Dekaden umspannenden Historie öffnet das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum 2017 in Berlin seine Pforten. Ob es das größte Mittelalterfest Deutschlands ist, darüber kann man streiten. Das entspannteste ist es sicherlich. Und so mischen sich bei bester Wetterlage Mittelalter-Fans, Cosplayer und Normalsterbliche munter bei Gaukelei, Musik und Unterhaltung vor den Toren Berlins. Wie auch schon im letzten Jahr ist die Rennbahn Hoppegarten der Markt- und Camping-Platz zugleich. Eine fast dreistellige Anzahl an Marktständen versorgt die Freunde des gepflegten Mittelalters mit Flüssigem, Essbarem und einer Vielfalt an Handelsgut. Shopping-Queens (und Kings) kommen dabei genauso auf ihre Kosten wie Whisky- und Rumenthusiasten.

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Cultus Ferox & Weltenrkieger

Wie immer lassen die gute, unauffällige Organisation und Security, den Gästen und Schaustellen maximalen Raum zur Entfaltung. Man vermag nicht zu unterscheiden, wer Gast und wer Schausteller ist. So spielen Cultus Ferox, Weltenkrieger und andere Bands akustische Sets einfach an einem freien Platz auf dem Gelände zwischen Ständen und Tavernen. Die Piratenrocker von Stormfrun spielen gegen Naturalien vom nahegelegenen Rumstand weiter Lied um Lied. Neben zig Kleinstbühnen werden die Besucher von zwei großen Bühnen beschallt – wiederum im Parallelbetrieb. Anders als letztes Jahr überschreien sich die Bühnen dieses Jahr nicht mehr. Entscheiden muss man sich dennoch, wen man sehen will. Die Qual der Wahl wird jedoch abgemildert, da fast alle Bands mehrere Sets zu unterschiedlichen Zeiten an beiden Tagen spielen.

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Obwohl die Preise für Eintritt und an so manchem Stand im Vergleich zu anderen Mittelalter-Festen happig sind, gibt es nichts zu meckern. Ein namhaftes Line-up bei erstklassigem Sound auf den Konzertbühnen, die beide mit nur minimalen Pausen bespielt werden. Ritterturniere und der Bärlin Pedal Bättleglänzen mit schöner Choreographie und hohen Unterhaltungswert für Groß und Klein. Die Stimmung ist ausgelassen und die Atmosphäre spätestens mit Einbrechen der Dunkelheit ungeheuer stimmungsvoll – dank einer Vielzahl von Fackeln und Feuern.

Stormfrun

Die Ausgabe des Mittelalterlich Phantasie Spectaculum 2017 fährt unter der Jolly Roger: Neben den üblichen Verdächtigen hissen die Schweden Stormfrun den Totenkopf. Dass man Skandinavien eher Met trinkende Wikinger verbindet, stört hier niemanden. Mit teils englischen teils schwedischen Texten wird dem Publikum mächtig eingeheizt. Statt kaltem Fjordwasser versprüht die vielköpfige Piraten-Crew karibischen Esprit. Natürlich darf auch Werbung für den bestens ausgestatteten Rum-Stand nicht fehlen – mit Live-Verkostung der Cocktails versteht sich.

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Mr. Hurley und die Pulveraffen

Ohne Mr. Hurley und die Pulveraffen ist ein MPS zwar möglich aber sinnlos, sagt man. Auch hier weist das Liedgut hohe Anteile von Freibeutern und Alkohol auf. „Blau wie das Meer“ steht sinnbildlich für die Gute-Laune-Musik der Barden aus Osnabrück. Heute nur als Trio schunkelt man sich mit Gitarre, Akkordeon und Perkussion durch den Abend.

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saor Patrol

Die Schotten von Saor Patrol zitieren eher Braveheart als Fluch der Karibik. Das Quintett bietet Drum & Pipes mit rockiger Prägung. Neben Dudelsack und Les Paul bearbeiten gleich drei stämmige Kilt-Träger die Rhythmusfraktion. Wem die schottischen Hünen bekannt vorkommen, der irrt nicht. Neben der Musik widmet sich der stämmige Bartträger Charlie Allen auch dem Dasein als Stuntman: nicht zuletzt in den Hollywood-Epen „Gladiator“, „Robin Hood“ und „Thor – the Dark Kingdom“. Musikalisch gibt es ein buntes Potpourri ihres Schaffens: von „Outlander“ über „The Gael“ bis zu ganz alten Stücken wie „Weramur“ kommt keine Epoche zu kurz.

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Versengold

Versengold eröffnen ihren Auftritt am Nachmittag mit „Sang und Klanglos“ vom im August erscheinenden Album „Funkenflug“. Danach geht es klassisch weiter: Auf „Versengold“ folgen „Verliebt in eine Insel, „Hoch die Krüge“ und „kein Trinklied“. Danach folgen weitere Songs vom neuen Alben und von vergangenen Werken. Energie geladen und routiniert zelebriert das Septett ein gelungenes Set und wird vom Publikum dafür abgefeiert. Dass die Folk-Rocker dabei direkt in die untergehende Sonne blicken müssen, irritiert sie kaum. Sänger Malte borgt sich aus dem Publikum fix eine John-Lennon-Gedächtnisbrille. Ein gelungener Auftritt wird beschlossen mit „In Namen des Folkes“ und „Ihr seid Musik“.

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Faun

Mit neuer Sängerin an Bord Faun sind die Mittelalter-Dauerbrenner bereits ein Stammgast auf dem MPS. Die blonde Laura, die auch bei den Schweizer Celtic-Metallern Eluveitie zum erweiterten Line-up gehört, ersetzt seit März ihre Vorgängerin Katja. Auch wenn das Bild nun ein leicht anderes ist, verschmelzen Faun wie eh und je elektronische und mittelalterliche Klänge auf unnachahmliche Weise. Mit dem 2003er „Andro“ eröffnet das Sextett einen vielseitigen Abend und schon beim zweiten Song „Wind und Geige“ frisst ihnen das Publikum aus der Hand. Das ist umso wichtiger, da vor dem Song „Walpurgisnacht“ die Stimmgewalt der Zuschauer geprüft wird. Ein wahrer Wettstreit entbrennt zwischen Sängerin Fiona und Drehleiher-Spieler Stephan, die abwechselnd die weiblichen und männlichen Fans zu einem „Hey-yo“ auffordern. So gesellig und spielwütig geht es weiter. Auf dem Programm stehen von alten Stücke wie „Rhiannon“ bis zu ganz neuen wie „Odin“ von der letztjährigen Scheibe „Midgard“. Auch ohne Einar Selvik von Wadruna, mit dem das Stück aufgenommen wurde, entfaltet der Song seinen vollen Zauber. Viel zu schnell endet der Abend, auch wenn Faun später am Merchandise-Stand noch lange für ihre Fans da sind.

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Saltatio Mortis & Knasterbart

Für Saltatio Mortis wird weiträumig abgesperrt. Wo die Mittelalter-Rocker schon am Nachmittag ordentlich abgesahnt haben, legen die Jungs nachts noch eine Schippe darauf. So wird den dankbaren Fans zu Songs „Spiel mit dem Feuer“ mit ebensolchem kräftig eingeheizt. Gigantische Feuersäulen untermalen eine spektakuläre Show. Zeitgleich geben sich noch die Gossenpoeten von Knasterbart die Ehre. Das MPS bietet genug Fans für beide Auftritte. Die Gossenpoeten nehmen dabei das Thema vom Nachmittag wieder: Schmutzige Freibeuter-Lieder und Gassenhauer für ein schunkelndes Publikum.
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Leider kündigt sich in diesem Zeitraum die letzte Bahn ins heimische Berlin an. Mit guter Laune und einer leichten Schlagseite segelt die Piraten-Fregatte somit wieder gen heimische Gewässer. So denn, das MPS macht auch in 2018 wieder halt in Hoppegarten, wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

Danke an:
Hannes Fuchs (Dvergir Photography) für Bilder und Text.

Summer Breeze 2016 – Tag 2: Das ging ab am Freitag

Nach erfolgreich überstandener Nacht und viel zu wenig Schlaf machen Versengold den Auftakt des Tages auf der Main-Stage. Die gute Stimmung legt einen guten Grundstein für den Rest des Tages.

Bildergalerie: So war VERSENGOLD live

„Eine kleine Tragödie“ ereignet sich derweil auf der Pain-Stage. Der Heilige Gral wurde von Dr. Skull gestohlen! Glücklicherweise sind die Grailknights da, um ihn wieder zu erlangen. Mit heldenhaftem Auftreten und glorreichem Powermetal können sie den heiligen Gral retten. Und für die Leute, die zu dieser Zeit noch nicht ganz fit waren oder diejenigen, die auch so heldenhaft werden wollen wie die fünf Hannoveraner, gibt es eine Lehrstunde in Sachen „Heldengymnastik“.

Bildergalerie: So war GRAILKNIGHTS live

Feuerschwanz präsentieren auf der Main-Stage ihr neues Album und geben richtig Vollgas um der Vorfreude die ihnen entgegenschallt gerecht zu werden. Den Start des Tages im Pogen legen danach Deadlock auf der Pain-Stage. Auch wenn die Band bereits viele Musikerwechsel hinter sich hat, stehen sie routiniert auf der Bühne. Der letzte Wechsel der Clean-Sängerin zu Margie Gerlitz hat der Band keinesfalls geschadet. Sie ist erst seit diesem Jahr Teil der Band, aber man merkt ihr keinerlei Bühnenangst an und so wurde bei der ein oder anderen Wall Of Death oder den unzähligen Circlepits die letzte Müdigkeit vom Vortag aus den Knochen geschüttelt.

Bildergalerie: So war FEUERSCHWANZ live

Bildergalerie: So war DEADLOCK live

Danach geht’s direkt wieder rüber zur Main-Stage. Die Bengel von Kärbholz reißen einen dort mit, ansteckende Freude, knackige Beats. Authentizität bis auf die Knochen, Fokus auf die Fans. Sänger Torben Höffgen plaudert mit den zahlreich Anwesenden als wären sie alte Freunde. Er erzählt mit sichtbarem Stolz und Ergriffenheit, dass der Band als einzige Deutschsprachige die Ehre zu Teil wird, einen Song zu einem in Kürze erscheinenden Tribute-Album anlässlich Lemmy’s Tods beisteuern zu dürfen. Darauf erst mal einen Jacky! Prost!

Bildergalerie: So war KÄRBHOLZ live

Grindcore … nicht gerade Alltagsmucke, aber wenn es eine Band gibt, die einen in diesem Genre packt, sind es Dying Fetus. Das ist das volle Brett an Wut, Aggression und Intensität. Da sitzt jedes Riff, jeder Blast-Beat, einfach alles. Jeder einzelne Ton, der hier aus der PA dröhnt malträtiert das Trommelfell auf das Feinste, trommelt auf den Brustkorb. Schlicht auf den Punkt gebracht: Geil!

Bildergalerie: So war DYING FETUS live

Queensryche auf der Main-Stage, zuletzt vor zig Jahren (1990) auf dem Monsters of Rock live erlebt und entsprechend groß war die Anspannung – und leider etwas enttäuschend das Ergebnis. So rechte Freude will bei dem zwar sauber gespielten Set nicht aufkommen, die Faszination alter Tage scheint vorüber. Schade um eine Band, die seinerzeit einen überzeugend eigenständigen und innovativen Stil pflegte.

Bildergalerie: So war QUEENSRYCHE live

Auf der Pain-Stage: Soilwork erlöst prompt aus der gerade aufkommenden Lethargie und bohrt sich mit ihrem melodischen Death in den Schädel. Eine Stunde aufgefüllt mit einer gelungenen Mischung aus Melodie und Härte, dargereicht in Perfektion… mehr kann und will man dazu nicht sagen.

Bildergalerie: So war SOILWORK live

Anfänglich haben Arch Enemy offenbar etwas Mühe ihre Anhängerschaft um sich zu scharen, denn erst ab dem dritten Song füllt sich das Feld vor der Main-Stage so richtig, bis man schließlich den Eindruck hat, dass fast mehr Crowd-Surfer in der Luft sind, als Hände darunter, die den unablässigen Strom in Richtung Graben tragen… Und Frontfrau Alissa White-Gluz schafft mit ihrer blauen Mähne und ihrem exzessiven Wirbeln der Haare, heute endlich mal ein Pendant zu den ganzen Männern auf der Bühne. Na also, geht doch!

Bildergalerie: So war ARCH ENEMY live

Progressive Metal hat ja oft den Nachteil, dass die Songstrukturen erst nach mehrmaligem Hören im Kopf hängen bleiben, was live bekanntlich schwer umsetzbar ist … Denn welche Band (außer der Cantina Band natürlich) spielt schon denselben Song einen ganzes Set lang durch. Mastodon auf der Pain-Stage bilden hier eine löbliche Ausnahme. Ihr heutiges Set reißt direkt mit und spricht alle Sinne an. Die Vielseitigkeit und Emotionen überzeugen sofort.

Bildergalerie: So war MASTODON live

Carcass, endlich habe ich es geschafft die Jungs mal live zu erleben! Die ersten beiden Alben waren ja bekanntlich Meilensteine der Metal-Historie und der aktuelle Silberling steht dem in nichts nach. Live ist die Band eine Bank. Aber keine zum Ausruhen und Zeitung lesen. Vielmehr zum gepflegt abmoshen und Kopfschütteln.

Bildergalerie: So war CARCASS live

Auf der Pain-Stage erfreuen sich Eisb(r)echer ungebrochener Beliebtheit. (Die sich mir persönlich leider nicht ganz erschließt …) Liegt es an den deutschen Texten, an der zugegeben charismatischen Stimme von „Alexx“ Wesselsky – oder daran, dass die Jungs ihre Instrumente wirklich sauber beherrschen? Keine Ahnung. Mir jedenfalls wirkt das ganze etwas zu pathetisch, zu einstudiert und inszeniert. Die Masse empfindet es wohl anders, lauscht andächtig, folgt den gegebenen Anweisungen und singt brav mit. Eine Runde Sache also …

Bildergalerie: So war EISBRECHER live

Weiter geht es mit noch mehr alten Helden. Slayer machen die Main-Stage unsicher. Gänsehaut vom ersten Ton an. Die Vergangenheit holt einen direkt ein, man fühlt sich 25 Jahre in die Vergangenheit geschleudert. Liegt bestimmt daran, dass sich die Jungs bei ihrem Set meist auf ihre allseits bekannten Klassiker stützen, die in Reinkultur dargeboten werden. Voll auf den Punkt. Nach dem Prinzip „Steht Slayer drauf, ist Slayer drin“.

Bildergalerie: So war SLAYER live

Satyricon schließen auf der Pain-Stage für heute das Programm der beiden großen Bühnen ab und liefern sozusagen die Gute-Nacht Musik für den Freitag. Diese besteht aus einem bunten Stilmix, was die Sache ziemlich abwechslungsreich gestaltet und somit verschiedenste schwarzen Sehnsüchte anspricht. Satyricons bisweilen eigenwillige Bühnenpräsenz tut dazu ihr Übriges, sodass man anschließend müde und zufrieden in das Reich der düsteren Träume wechseln kann.

Bildergalerie: So war SATYRICON live

Danke an:
·  Florian Schulz, Andreas Theisinger und Cynthia Theisinger für die Fotos
· Rico, Hanah und Dominik für den Text

Übrigens: vom 16. – 19.08.2017 feiert das SUMMER BREEZE
seinen 20. Geburtstag!