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Eagles of Death Metal in Hannover: Let’s do the time-warp again

20:00 Uhr. Musikzentrum Hannover. Auftritt The Standstills: Standstills, Standstills, hmmm. Nie gehört. Wer soll das sein? Kanadier? Stoner-Rock? Bisschen psychedelisch. Nimmt man dann ja gern mal eben so mit, wenn sie schon mal da sind. Pustekuchen. Diesen Support nimmt man eben nicht „mal eben“ und schon gar nicht „einfach so“ mit, denn Jonny Fox und Renée Couture sind voll da und scheinen das in Sachen Begeisterungsfähigkeit und Körpereinsatz häufig etwas verstockte Hannover sofort um den Finger zu wickeln. Couture und Fox sind nicht nur musikalisch ein auffälliges Paar – sie Drummerin, er am Gesang und die Gitarre spielend – sie sind es auch im Privaten. Darauf kommt man als Besucher:in der Show nicht sofort, denn begleitet wird das Duo seit einem Jahr von Bassist Brendan McMillan.

Die Chemie scheint zwischen den Dreien auf jeden Fall zu stimmen und sie steckt das Publikum an, heizt die Lust auf Gitarren an und geht den Besucher:innen des Musikzentrums direkt in die Beine. Die Luft brennt, nicht nur, weil der Club etwa 40 Grad Raumtemperatur haben dürfte, sondern weil sich das Publikum zum Tanzen zu den krautigen Stoner-Melodien hinreißen lässt. „You are so fu**ing good. I’m so optimistic today.” Natürlich ist es der beste Abend der Tour. Gitarrenwechsel zum Abschlusssong „Orleans“. „Danke Hannover“, verabschiedet sich die Band und baut sogar selbst mit ab.

The Standstills, eine Liveband mit Potential, die mensch gut leiden mag, wenn sich Wolfmother, Rival Sons, QOTSA und natürlich EODM die Nadel auf dem Plattenteller teilen.

Lassen sich The Standstills relative fachmännisch und von einem musikjournalistischen Standpunkt aus betrachten, entzieht sich das Empfinden hinsichtlich der Eagles of Death Metal einer Linearität, einer reinen Freude oder Eindeutigkeit, die mensch sonst so hat, wenn die Musik einer Band, ein Konzert oder Event das Publikum so sehr abholt, dass dasselbe im Schweiße seines Angesichts beim Tanzen ausrutschen könnte.

Schon beim Eintreten ins Musikzentrum, dem Untersuchen meiner Ausrüstung auf gefährliche Gegenstände, dem Abtasten und Co. ist jener unverneinbare rosa Elefant im Raum, der nur dann zu verschwinden scheint, wenn du die Hände in die Hüften stemmst und die Knie zusammenpresst. Aber erst der Beckenstoß ist es, der den Wahnsinn hervortreibt. „It’s just a jump to the left. And then a step to the right“ Und da ist er, der Zeitsprung. Jesse Hughes tanzt mit seinem Publikum den Rocky Horror „Time Warp“ und er wird es bis zur letzten Minute nicht nur zum Tanzen und Kochen bringen, er kümmert sich, weist darauf hin, bei allem Spaß auf die eigene Gesundheit achtzugeben – stay hydrated – und beteuert vielfach, den besten Job zu haben, umgeben von Familie und Freunden Musik machen zu dürfen.

Dass er das ernst meint und ein absoluter Familienmensch ist, wird spätestens klar, als er seine Mama auf die Bühne holt, der er – gemeinsam mit dem hannoverschen Publikum – ein Happy Birthday-Ständchen darbietet.

Gedankensprung. Ab und zu verfängt sich ein Gedanke in den Worten jener, die an diesem Abend nicht hier sind. Freunde, die dem Konzert aufgrund gewisser Dinge, die der ultrakonservative Privatmann, Abtreibungsgegner und Waffenlobbyunterstützer Hughes verbreitet, ferngeblieben sind. Gleichzeitig scheint er durch seine beinahe geschlechterparitätisch besetzte Band eine Gleichberechtigung auf der Bühne herzustellen, von der die Musikindustrie insgesamt nur zu träumen mag.

Die Welt ist kompliziert, die Liebe zur Musik ist es nicht.

Die pure Freude, die das Publikum an diesem Abend empfindet, sie darf in diesem Moment exzessiv und im Jetzt sein, denn weil der rosarote es-könnte-jeden-Moment-vorbei-sein-Motherfucker-Elefant immer mit im Raum ist, wenn die Eagles of Deth Metal die Bühne betreten, scheint der Rausch der Musik noch extremer erfüllt werden zu wollen. Eagles-of-Death-Metal-Frontmann Hughes scheint diese Ambivalenz zu leben und herauszufordern. Gekonnt.

Vielleicht ist es der rosa Elefant, vielleicht die Corona-Flaute, die diesen Gig zu einzigen Vanitas-Wahnsinn, einem memento-mori-carpe-diem-einfach-im-jetzt-sein macht, vielleicht ist es Hughes, der sich zu Lieblingssong-Zugaben ins Getümmel wirft und sich vom Balkon aus „ein Battle“ mit seinem Gitarristen liefert, so als wolle er sagen, ich bin ihr, ich bin euch nah und niemand kann den Rock `n`Roll töten. Auch kein rosaroter Elefant.

Die Eagles of Death Metal, sie wissen um das Geschenk, von dem, was sie lieben, leben zu können.
Für Fabian Stech

Ein energiegeladener Abend mit Beartooth in Hannover

Wenn die Festivalsaison startet, beinhaltet dies auch meistens den Auftakt für kleinere, intime Clubshows von größeren Bands. So auch in diesem Fall mit Beartooth, die sich das Musikzentrum in Hannover für genau dies ausgesucht haben. Mit dabei sind Silverstein. Schnell ist das Konzert ausverkauft und noch bevor eine Band auf der Bühne steht, ist der Raum aufgeheizt. Beste Voraussetzung, damit keiner das Konzert ohne Schweiß auf dem ganzen Körper verlässt.

Silverstein

Pünktlich stehen Silverstein auf der Bühne und wissen sofort zu begeistern. Der Pit öffnet sich bereits beim ersten Song und wer nicht dort ist, singt laut mit. „Thank you for having us in this cool ass venue with our best Friends in the world Beartooth“, sagt uns Sänger Shane Told. Das Set beschränkt sich dabei nicht auf das erst letzten Monat erschienene Album “Misery Made Me”, sondern hat auch viel Altes dabei, wie den Song “My Heroine”, der bereits zu Beginn gespielt wird. „Let us see the biggest circle pit of the night“, spornt uns Shane an und sollte diesen auch vorerst bekommen. Aber auch ohne großes antreiben ist das Musikzentrum in ständiger Bewegung. Immer wieder rufen die Fans den Bandnamen im Chor, „I love that, it gives me time to drink beer“, lacht Shane, nachdem er einen großen Schluck genommen hat. „This is the last one, you better sing it“, sagt er schließlich, während die ersten Töne von „Smile in your sleep“ erklingen und das Publikum nochmal lautstark mitsingt. Wer noch nicht genug bekommen hat, darf sich im Dezember auf eine Headline Tour freuen, bei dem Shane verspricht noch mehr Songs als heute zu spielen.

Beartooth

Während der Umbaupause wird die Stimme warm gehalten, während verschiedene Metalcore Klassiker aus den Boxen hallen. Als dann Beartooth auf die Bühne kommen, ändert sich das nicht. Schon beim ersten Song “Below” wird lauthals mitgesungen, während Mastermind Caleb Shomo wie wild über die Bühne springt, bzw. auch von der Bühne und direkt ans Publikum. Man könnte diesen Moment als Verschiebung der Energie betrachten, denn ab nun scheint auch das Publikum nicht mehr still stehen zu können. Der Pit ist groß und erbarmungslos. “Hannover, it’s been too fucking long”, sagt er uns mit einem Grinsen im Gesicht und startet direkt in den nächsten Song. Vor knapp einem Jahr erschien das letzte Album der Band, “Below”, entsprechend ist das Set von diesem sehr geprägt.

“Open it up, this is the fastest song we got, this is ‘Dominate’”, sagt uns Caleb und leitet damit den größten Circle Pit des Abends ein. Mehr als die Hälfte der Halle läuft sichtbar freudig im Kreis und bricht damit den vorherigen Rekord von Silverstein an diesem Abend. “I need your help with this one, it’s a sing along”, sagt er später, um den Song “Afterall” einzuleiten. Caleb bleibt aber heute nicht nur am Mikro. Zu den Songs “Hell of it” und “Fed up” greift er selbst zur Gitarre, was ihn aber nicht davon abhält weiter über die Bühne zu springen. Immer wieder spornt er uns weiter an. “When I count to 4 I want to see one fucking mosh pit, fuck this place up”, befiehlt er, worauf das Musikzentrum zu einem großen Pit wird, noch größer als zuvor. Dennoch zeigt er sich zugleich sehr dankbar. “I know I say this a lot but thank you for coming to this Show tonight from the bottom of our heart”, sagt er. “Germany is hands down our favorite place to play and Hannover you are the reason why. Every show is fucking amazing, so thank you, thank you, thank you for supporting us”, erzählt er grinsend weiter, bevor er weiter über die Bühne hüpft.

Langsam finden nach vereinzelt Crowdsurfer ihren Weg nach vorne, welche sanft von er Security wieder abgesetzt werden. Zum letzten Song, “In Between” wird es nochmal laut. Das Publikum stimmt lautstark mit ein und singt noch nach dem Song mit Caleb zusammen weiter. Dieser am Ende auch ohne Mikro. Natürlich gibt es noch eine Zugabe. Caleb entledigt sich hierzu zunächst seiner Jacke und gibt nochmal alles zu “The Past is Dead” und passenderweise “The Last Riff”. Zu letzterem packt Caleb auch nochmal die Gitarre aus, bevor die Musiker schließlich wortlos die Bühne verlassen und uns so in die kühle Nacht verabschieden. Die Abkühlung war zu diesem Zeitpunkt auch bitter nötig.

Tanz in den Mai: Frozen Plasma in Hannover

Für viele heißt der Abend des 30. April raus aus den heimischen vier Wänden und ab zur nächsten Tanz in den Mai-Party. Unsere Wahl fällt dabei auf das Musikzentrum in Hannover. Dort erwarten uns Felix Marc und Vasi Vallis von Frozen Plasma, unterstützt von Seelennacht. Dass die Party danach noch lange nicht vorbei ist, zeigt uns im Anschluss DJ Lo-Renz.

Seelennacht

Seelennacht eröffnet den Konzertabend. Das Musikzentrum ist trotz der späteren Stunde noch verhältnismäßig leer, was aber aufgrund der vielen alternativen „Tanz in den Mai“-Veranstaltungen wenig verwunderlich ist. Dafür ist auch wirklich Platz zum Tanzen. Nach „Vorwärts“ erwärmt sich auch die Stimmung langsam und spätestens zu „Schall und Rauch“ bewegt sich der Großteil des Saals zum Beat. Marc Ziegler’s Ein-Mann-Projekt Seelennacht wird live von René Wedekind unterstützt. Die Musik vereint Synthpop mit Inhalten aus dem Steampunk-Bereich. Auch vom aktuellen Album „Gedankenrelikt“ darf natürlich kein Song fehlen und so präsentieren uns Seelennacht u. a. „Mann im Mond“. Zum Abschluss wird unter großem Jubel „Keeping Hope“ herausgepowert. Das Publikum ist aber noch nicht zufrieden und deswegen hören wir als Zugabe noch „Dankbarkeit“.

Frozen Plasma

In der kurzen Umbaupause hat sich der Saal dann doch sichtlich gefüllt. Unter großem Jubel und zum Intro von „Age After Age“ Frozen Plasma die Bühne betreten. Die Menge steigt schon lange vor den ersten Zeilen in die Musik ein. Mit seiner ungezwungenen und lockeren Art reißt Sänger Felix Marc direkt das komplette Publikum mit. Der nächste Song wird speziell performt für Geburtstagskind Inga im Publikum – „Stare At The Moon“, aber vorher lässt es sich der Saal nicht nehmen noch „Happy Birthday“ zu singen. Danach ist es zu „Foolish Dreams“ Zeit zum Kuscheln. Nicht nur vor der Bühne liegen die Leute sich einander in den Armen, auch auf der Bühne greift sich Felix seinen Bandkollegen Vasi und drückt ihn kräftig an sich. Als freudige Überraschung haben Frozen Plasma die Ehre, ihre neue Single „Gefühlsmaschine“ vorzustellen, die schon jetzt draußen am Merchandise erhältlich und ab Freitag, 3. Mai 2019 auch überall erhältlich ist. Den folgenden Song „Give Back The Moment“ hat das Duo sie seit 8 Jahren nicht mehr live gespielt, aber als Special für die anschließende Depeche Mode-Party von DJ Lo-Renz, holen Frozen Plasma auch mal etwas so besonderes heraus. Danach wird es wieder Zeit sich richtig zu bewegen. Bei „Irony“ hat der komplette Saal hat die Hände oben, es wird getanzt und mitgesungen. So geht es danach auch weiter mit „Maniac“. Zum Trans-X Cover „Living On Video“ brennt die Luft schon förmlich und so schaukeln sich einige der Gäste und auch Felix Marc zu immer ausgefalleneren Tanzmoves in Ekstase. Der Countdown bis zum Ende des Abends läuft. Aber die tickende Uhr im Hintergrund markiert nicht das Ende der Show, sondern den richtigen Zeitpunkt um noch ein letztes Mal richtig aufzudrehen. Das Publikum singt von Anfang bis Ende jedes Wort mit. Mit „Murderous Trap“ erreicht uns dann aber leider doch schon der Ende der Show.

Die Menge hat aber noch nicht genug. Frozen Plasma gehen daher noch einmal in die Verlängerung mit „Warmongers“. Nach dem folgenden Song „Crazy“ gibt das Duo aber schließlich die Bühne frei, bedankt sich herzlich und verabschiedet sich. Übergangslos übernimmt ab da DJ Lo-Renz und greift die Stimmung, mit vielen weiteren musikalischen Größen der schwarzen Szene, auf. Rein nach dem Prinzip: „Was der Grufti nicht kennt, dazu tanzt er nicht.“

Danke an: Lars Tobias Lorbeer (Text)

Mono Inc. in Hannover

Im Juli erblickte das neue Album “Welcome To Hell” von Mono Inc. das Licht der Welt. Eine entsprechende Tour ist natürlich auch fällig. Inzwischen treibt es die Band seit über einem Monat quer durch Deutschland. Kurz vor Ende steht dann auch Hannover mit auf dem Plan. Immer mit dabei: Hell Boulevard, welche dem Publikum ohne Ausnahme ordentlich einheizen und die jeweiligen Abende einleiten.

Hell Boulevard

Zum Einstieg in den heutigen Abend präsentiert uns Hell Boulevard ihren eigenen Ansatz von Goth’n’Roll. Die vierköpfige Formation aus der Schweiz, Deutschland und Italien schafft es überraschend schnell, die Hitze der Gemüter schnell an die des Musikzentrums anzupassen. Das Thermometer legt sogar recht zügig noch einige Grad nach, um nicht abgehängt zu werden. Mit Songs wie “We are all Black here”, “A Lesson in Pain” und “In Black we Trust” wird der Nerv des Publikums gut getroffen und nur wenige flüchten vor den Temperaturen in die Kälte. Weiter geht es mit „All I’ve lost“ von Ihrem ersten Album „Inferno“, nach einer kurzen Gedächtnisstütze durch einen Fan aus der ersten Reihe, der sich jetzt schon eine Setlist als Souvenir sichern konnte. Den Abschluss ihres Sets machen sie mit ihrem allerersten Song „Hangover From Hell“. Unter lauten Jubel verlässt die Band schließlich die Bühne, schade, viele hätte sich über eine Zugabe und damit mehr Songs sehr gefreut.

Mono Inc.

Unter lautstarkem Jubel erheben sich Mono Inc. aus dem Nebel und mit einem lautem knall legen die Hamburger vor dem restlos ausverkauften Haus los. Die Stimmung brennt binnen Sekunden, es riecht nach verbranntem Schwarzpulver und zwischen den Beinen strolcht ein Hobbit hindurch. Er sucht verzweifelt nach einem Ort, um einen Ring loszuwerden, sofern man den aktuellen Temperaturen in der Halle glauben kann. Das Publikum legt noch einmal richtig nach und lässt die Halle beben, als die ersten Takte von „Arabia“ durch das Musikzentrum schallen. Mit „Symphony of pain“ lüftet sich schließlich der Schleier des Nebels von der Bühne. Die Pestdoktoren legen ihre Masken und die schweren Mäntel ab und starten befreit von der Last voll durch. Nahtlos setzten sie „Gothic Queen“ an und das gut 500 Seelen starke Publikum legt sich auch weiterhin voll ins Zeug. Die Begeisterung fürs Mitsingen ist gewohnt gut, sodass bei „heile heile segen“ das Publikum auch ganz alleine klar kommen würde. Sänger Martin Engler kümmert sich mehr um die Animation und das die restlichen Sänger – ja das seid ihr da draußen – ihren Einsatz treffen.

Seit Monaten ausverkauft und die 4. Show in Folge ist voll bis unter die Decke. Warum Mono Inc. hier im verhältnismäßig kleinen Rahmen spielt, statt einer der größeren Bühnen in Hannover zu füllen? Sänger Martin Engler hatte hier im Musikzentrum seine allererste Show überhaupt. Schlagzeugerin Katha Mia ihre erste Show mit Mono Inc und der Hit “Children of the dark”, der um die Welt gegangen ist, hatte hier seine Premiere. Durch diese spezielle Bindungen können wir diese „Wohnzimmerkonzert“ heute erleben. Schlussendlich spielt auch die Nähe zum Publikum eine Rolle. So ist die erste und zweite Reihe so nah am Geschehen, dass man die Falten in den Outfits zählen kann. Weiter geht es mit „When the raven dies tonight“. Zu „Banks of Eden“ braucht es für den vollen Sound mehr Gitarren also rüstet Martin Engler auf und lässt ebenso die Saiten schwingen. Für „Revenge“ zieht es den Sound wieder mehr auf die Stimme, also weg mit dem Klimperteil. Der Fokus liegt hinterm Schlagzeug auf Schlagzeugerin Katha Mia.

Nach langen und lauten Rufen nach einer Zugabe tritt Martin Engler wieder auf die Bühne und singt a capella mit dem Publikum den Anfang von „kein Weg zu weit“ bevor dann schließlich doch der Rest von Mono Inc mit einsteigt, um das Publikum musikalisch zu untermalen. Der erste Takt vom Intro ist gerade mal durch, als das Publikum zum Tophit „Voices of Doom“ die letzten Energiereserven lostritt. Singen, Tanzen, Springen! Fleißig im Wechsel oder alles gleichzeitig, man muss sich nicht mehr zurückhalten.

2019 gehen Mono Inc auch wieder auf Tour. Die Symphonic Tour mit nur 12 Terminen verheißen sie uns ein dunkles Orchester und eine einzige Tour mit Songs die sonst zur kurz kommen und Klassikern in neuem Gewand. Zwar leider nicht in Hannover, aber den Weg nach z. B. Goslar ist nicht so weit. Ein hartnäckiges Publikum lässt auch nach dieser Zugabe nicht locker und verlangt ausdauernd nach einer weiteren und wird sogar belohnt. Mono Inc. kehren noch ein letztes Mal mit „In my heart“ zurück. Noch etwas Energie übrig? Pech gehabt! „Children of the dark“ zieht noch einmal den. Letzten Rest heraus. Wer von der Arbeit nicht geschafft genug war, ist es spätestens jetzt. Eine letzte volle Breitseite Mono Inc. fordert den letzten Rest von der Menge. Wie gefordert wird geliefert und so bedanken sich gut 500 Seelen für eine schönen Abend und verteilen sich wie leuchtende Punkte in die Nacht.

Intimer Abend mit den deutschen Metalcore Vorreitern – Caliban in Hannover

Nachdem die Releaseshows zu dem letzten Album „Elements“ (Vö: 06.04.18) von Caliban restlos ausverkauft waren, lassen sie es sich nicht nehmen zu Beginn des Festivalsommers noch zwei Konzerte hinter zu schieben. So kommt die deutsche Metalcore-Ikone auch ins Musikzentrum Hannover, um in intimer Atmosphäre ihr Album zu feiern. Mit dabei sind die Bands Die Heart und A Traitor like Judas, die dem Publikum vorab schon mal ordentlich einheizen.

Die Heart

Die noch recht junge Band aus Hamburg hat direkt mit mehreren Problemen zu kämpfen: Es ist jetzt schon verdammt warm im Musikzentrum, es sind noch nicht viele Leute gekommen und die, die da sind, werden irgendwie noch nicht ganz warm mit der Band. Die deutschen Texte, die teilweise gerappt sind, sorgen leider eher dafür, dass mancher Besucher noch einmal vor dir Tür geht und seinen Frust dabei laut kund tut. Es ist eben alles Geschmacksache. Es gibt aber auch genügend Zuschauer, die sich auf die Musik einlassen und einfach feiern. So ist der Pit zwar nicht so groß, aber immerhin ist einer da und alle Beteiligten haben ihren Spaß.

A Traitor like Judas

Nach einer Pause, die gerade mal reicht um sein Bier aufzufüllen, stürmen die Lokalmatadore A Traitor Like Judas die Bühne. Die Band aus Hannover und Umgebung holt ihr Publikum genau da ab, wo sie vorher stehen geblieben sind, bis auch der letzte zumindest mit dem Kopf nickt. Man merkt sofort, dass die Jungs den Kontakt mit ihren Fans suchen. Sie fordern quasi ihr Publikum auf, mit auf die Bühne zu kommen um von dort zu stagediven. Umso trauriger ist es, dass sie sich aktuell auf ihrer Abschiedstour befinden und Ende des Jahres ihre Gitarren an den Nagel hängen. Schade. Aber nicht nur musikalisch geben A Traitor Like Judas Vollgas: Je eine Ansprache gegen Trump und gegen Nazis steht mit auf dem Programm und wird positiv von der Menge empfangen. Entsprechende Liedwidmungen gibt es jeweils auch.

Caliban

Caliban starten ihr Set mit dem Opener von „Elements“: „This Is War“. Genau das könnte auch der Untertitel des Abends sein. Auch wenn es immer noch recht leer ist, stört das niemanden. Im Gegenteil: Weniger Leute heißt größerer Pit – und genau das ist es, was Caliban brauchen. Die Stimmung ist direkt da und sollte sich den restlichen Abend auch nicht mehr abkühlen. Auch Caliban sind sehr nah an ihrem Publikum gebaut, was durch den fehlenden Bühnengraben weiter bestärkt wird. „Wer es zu uns auf die Bühne schafft darf gerne stagediven“ – ein Angebot, das rege genutzt wird, auch wenn es ab und zu durch Salto-Einlagen fast in die Hose geht. Technische Defekte in Form eines ausfallenden Mikros sind auch nicht weiter tragisch und werden professionell überspielt und schnell behoben. Allgemein spielen Caliban zwar primär Songs vom letzten Album, aber auch Klassiker, wie „Devils Night“ und „Davy Jones“ dürfen natürlich nicht fehlen.

Die Jungs haben richtig Lust zu spielen, daher verzichten sie auch auf das ewige hin und her einer Zugabe und beschließen diese einfach direkt an ihr Set zu hängen. Hier können sich die Fans auf eine Überraschung freuen: Zu „We Are The Many“ kommt Bryan der befreundeten Band Until The Moment Comes auf die Bühne, um den Song als zweiten Sänger zu unterstützen. Abgeschlossen wird der Abend mit dem Song „Memorial“. Im Anschluss wird sich noch bei allen Anwesenden und den anderen Bands bedankt, bevor sich alle nach draußen in die angenehm kühle Hannoversche Luft begeben.

Kometeinschlag in Hannover, Megaherz rocken die Massen

Das jüngste Album „Komet“ von Megaherz ist bereits seit wenigen Wochen auf dem  deutschen Markt und wird nun feierlich den Fans präsentiert. Die NDH-Band treibt es dabei auf gleichnamiger Tour durch Deutschland, Österreich sowie der Schweiz und stoppt dabei am Freitagabend auch im fast ausverkauften Musikzentrum in Hannover. Aber nicht nur Megaherz sind mit neuem Material am Start: Beide Vorbands, AnnA Lux und Schattenmann, haben jeweils am 02. März 2018 ihre Debütsingle bzw. ihr Debütalbum herausgebracht.

AnnA Lux

Den Anfang machen AnnA Lux. Den meisten wird der Name nichts sagen, was aber nicht verwunderlich ist, denn die Band besteht erst seit dem Jahr 2016 und hat erst vor kurzer Zeit die erste Single veröffentlicht. Die Band selber beschreibt ihre Musik als moderne neue deutsche Härte mit melodischen Synthies. Dabei kommen sie nur mit einem Schlagzeug, einer Gitarre und Gesang aus. Dem Publikum, das sich an diesem Punkt schon zahlreich im Club versammelt hat, gefällt zumindest was auf der Bühne passiert und auch die Band inklusive Frontfrau Anna haben deutlich Spaß an diesen Abend. Man darf also gespannt sein, was in den nächsten Jahren mit AnnA Lux passiert und sollte den Namen am besten einfach mal im Hinterkopf behalten.

SCHATTENMANN

Jetzt wird es düster auf der Bühne, sofern man dem Namen der Band trauen kann. Schattenmann scheinen das aber nicht ganz so ernst zu nehmen, denn eines findet man auf der Bühne reichlich: Licht. In diesem Fall aber kein normales licht, sondern UV-Licht. Das entsprechende Gegenstück, die Farbe, sieht man reichlich. Sei es auf den Saiten der Gitarren, den Drumsticks des Drummers, den Mikrofonen oder im Gesicht der Musiker. Eine sonst recht düstere Bühnenerscheinung rundet das Ganze ab und erzeugt ein sehr schönes Bühnenbild. Aber auch bei weiteren Requisiten, wie Masken oder einer Kettensäge, wird weiter mit Licht gespielt. Allgemein zieht sich das Thema Licht und Schatten durch den ganzen Auftritt. Auch in vielen ihrer Texten geht es rund ums Licht. Bei „Krieger des Lichts“ wird ein Fan auf die Bühne geholt und zum Krieger gemacht. Auch wenn die Band ebenfalls vor noch nicht langer Zeit das Licht der Welt erblickt hat, wissen die Musiker wie sie das Publikum einfangen und in ihren Bann ziehen können. Wenn die Jungs so weiter machen, können sie in der neuen deutschen Härte-Szene sicher einiges auf den Kopf stellen und sich so auch längerfristig etablieren. Auch abseits der Bühne machen die Jungs einen sehr sympathischen Eindruck, denn dann kann man sie fast direkt nach dem Ende ihres Auftrittes in der Menge wiederfinden, wo sie mit allen Fans interagieren.

megaherz

Mit einem „Mega-Herzlichen Willkommen“ begrüßen Megaherz ihre Fans und starten direkt in ihr Set. „Vorhang auf“ ist nicht nur der erste Song des neuen Albums, sondern auch dieses Abends. Es folgt eine bunte Mischung aus alten und neuen Songs, wobei das Album „Komet“ über den Abend verteilt fast komplett gespielt wird. Das Bühnenbild hat Megaherz recht simpel gehalten. Banner und 6 kleine LED-Wände, mehr braucht es nicht um eine gute Show hinzulegen. Die Show insgesamt ist spektakulär unspektakulär. Einen Song nach dem anderen, wenig Pausen und wenig Ansagen. Dafür spricht man lieber mit bildlichen Statements. Zu „Horrorclown“ wird z. B. die Flagge der USA geschwenkt. Später im Set erzählt Sänger Lex, dass sie eigentlich keinen Anti-Rechts-Song mehr schreiben wollten, es aber aktuell einfach nicht ohne geht. Dies führt zu einer kleinen Anti-Rassismus- und Anti-Trump-Ansprache, die danach mit dem Song „Nicht in meinem Namen“ unterstrichen wird. Schon ist das Set auch fast vorbei, aber es geht natürlich nicht, ohne noch einen Klassiker zu spielen. Mit „Miststück“ verabschieden sich die Musiker von der Bühne, aber nur, um nach einer wirklich sehr kurzen Pause wieder auf die Bühne zu kommen und vier weitere Songs zu spielen. Die Zugabe ist von weiteren Klassikern geprägt und so verabschieden sich Megaherz danach schließlich mit „Himmelsstürmer“ final von der Bühne. Ein sehr schöner Abend, bei dem alle Bands mit ihren neuen Werken überzeugt haben und so eventuell auch den einen oder anderen neuen Fan gewonnen haben.

Die Apokalyptischen Reiter + Motorowl in Hannover

Die Apokalyptischen Reiter sind zurück, mit einem neuen Album („Der Rote Reiter“) und einer neuen Tour. Mit im Gepäck haben sie Motorowl und der Andrang auf die Tickets ist riesig. Zumindest in Hannover. Die Location, das Musikzentrum, ist restlos ausverkauft und das ist auch gut so, denn kein Fan der Reiter sollte dieses Konzert verpassen. Fangen wir aber erstmal mit der einzigen Vorband des Abends an.

Motorowl

Pünktlich betreten Motorowl um 20:00 Uhr die Bühne. Anfangs kann die Band das Publikum noch nicht ganz abholen, was wohl aber auch ihrem Psychedelic Doom Rock zu schulden ist. Dies soll sich aber im Verlauf des weiteren Auftritts ändern. Also nicht die Musikrichtung, aber die Laune des Publikums. Später kommt dann doch Stimmung auf, die ohne Probleme die Umbaupause bis zum Hauptact übersteht, aber dazu kommen wir später. Motorowl spielen insgesamt eine gute, aber nicht wirklich besondere Show. Nichtsdestotrotz ein schöner Anfang für den weiteren Abend. Auch sehr sympathisch: Wer vor der Show deren Merch-Stand besucht hatte, musste sich von einem “Wir sind bald wieder da”-Schild vertrösten lassen. Nach dem Konzert ist dort jedoch die gesamte Band vertreten, um ihre Bandutensilien an den Mann (oder die Frau) zu bringen. Für ein Gespräch oder Selfie mit den Jungs, also die perfekte Gelegenheit.

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Die apokalyptischen reiter

Das Intro ertönt, ist aber kurze Zeit später unter den ganzen Zurufen der Maniacs kaum zu hören. Die Band betritt die Bühne und kein Besucher ist mehr zu bremsen. “Wir sind zurück”, mit einem besseren Song hätte man eine fast 2-jährige Spielpause wohl nicht beenden können. Die Menge feiert und auch die Band hat sichtlich Spaß wieder auf der Bühne zu stehen. Aber “Es wird noch schlimmer”, zumindest laut dem zweiten Song des Abends. Dies soll sich jedoch nur für die weniger bewegungsfreudigen Personen bestätigen, denn einfach nur rumstehen ist nicht wirklich möglich. So auch beim Song „Der kleine Wicht“ – bei dem sich die gesamte Location zu einem großen Pit zusammenfügt. Die erste Verschnaufpause gibt es erst nach dem ersten drittel des Sets bei einem Drum-Solo, wobei sich die „Pause“ wohl nur aufs Publikum bezog. Die restlichen Musiker nutzen die kurze Zeit, um sich in Mäntel zu hüllen und mit Pestmasken und/oder Pilotenbrillen erneut die Bühne zu betreten. Zunächst erstmal nichts besonderes.

Im allgemeinen ist die ganze Show bislang visuell nichts besonderes. Das ändert sich sich jedoch beim nächsten Song „Der Rote Reiter“ von der nagelneuen Scheibe, denn nun kommt Schwarzlicht zum Einsatz. Besagte Mäntel, das Banner und sämtliche Bühnendekoration sind mit fluoreszierender Farbe bemalt und strahlt unter besagtem Licht in allen Farben empor. Ein echt schöner Effekt, der uns den ganzen Abend weiter begleiten wird. Nur nicht bis zum Schluss mit den Mänteln, das will man auch niemanden zumuten, denn inzwischen sind Temperatur und Luftfeuchtigkeit im Musikzentrum bereits ins unermessliche gewachsen. Die Reiter verlassen insgesamt recht früh die Bühne, was aber in Ordnung ist, denn als Zugabe werden nochmal sieben Songs gespielt! Unter tosendem Applaus verlassen die Apokalyptischen Reiter danach die Bühne. 24 Songs der Reiter haben sich durch den Konzertabend gezogen, von denen neun aus dem neuen Album “Der Rote Reiter” stammen, bei dem wohl kaum ein Wunsch offen geblieben ist. Am Ende kann man nur sagen: Willkommen zurück, liebe Reiter und danke für den grandiosen Tourauftakt!

Das aktuelle Die Apokalyptischen Reiter-Album gibt es z. B. bei Amazon:
Audio-CD „Der Rote Reiter“Vinyl-LP „Der Rote Reiter“ oder MP3-Download „Der Rote Reiter“

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Kataklysm + Graveworm im Musikzentrum Hannover

Ursprünglich sollte dieser Kataklysm-Konzertabend ja im altehrwürdigen Capitol stattfinden. Sollte. Nachdem aber im Vorverkauf lediglich ca. 300 Tickets abgesetzt werden konnten, entschied sich der Veranstalter, kurzfristig ins Musikzentrum umzuziehen. Grundsätzlich eine sinnvolle Entscheidung, denn hier passt Zuschauerzuspruch und Kapazität deutlich besser zusammen. Einem angenehmen Abend steht grundsätzlich also nichts mehr im Wege. Lediglich das Wetter stellt sich quer und sorgt dafür, dass die Verkehrsbetriebe Hannover ihren Betrieb einstellen. Wer mit dem Auto anreist, darf sich erstmal durch den berühmten Feierabendverkehr quälen. Und dieser wird durch einige gesperrte Straßen auch nicht angenehmer.

Wer das Musikzentrum allerdings pünktlich erreicht, der bekommt hier einiges geboten: Die kanadischen Hyperblaster Kataklysm haben sich angekündigt, um ihre beiden Alben „Shadows & Dust“ sowie „Serenity In Fire“ in kompletter Länge aufzuführen.

Graveworm

Bevor es soweit ist, marschiert vor einem sich immer mehr füllenden Saal die Südtiroler Dark-Metal-Band Graveworm auf die etwas beengte Bühne (dort befinden sich zwei komplette Backlines). Hatte ich die Band von lange zurückliegenden Festival-Shows noch als eher laues Gothic-Black-Metal Lüftchen in Erinnerung, hält sich mein Interesse anfangs in überschaubaren Grenzen. Ein Fehler, denn hier wurde in den letzten Jahren zumindest live offenbar an der Stellschraube für gesunde Härte gedreht. Die Show nimmt ordentlich an Fahrt auf, das Stage-Acting passt und die Temperaturen steigen. Spätestens nach dem Rausschmeisser „To The Kingdom Of Madness“ lösen sich meine Befürchtungen, dass Graveworm auf dieser Tour als Support abstinken könnten, in Luft auf. Respekt!

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kataklysm

Nun aber bitte Hyperblast. Und zwar reichlich. Den bekommt Hannover dann auch prompt serviert. Vor einem stilvollen „Shadows & Dust“ Backdrop starten die Kanadier ohne viel Firlefanz in genau jenes Album. Die Gitarre sägt und brennt genauso heftig, wie die am Merchstand offerierte Kataklysm Barbecue-Sauce. (nein, ich habe sie nicht probiert, aber sie wurde als „Butt-Burner“ angepriesen. Wenigstens verkaufen die nicht auch diese bekloppten Meet & Greet Tickets) Und auch die Drums hauen ordentlich in die Magengrube. Maurizio Iacono flitzt motiviert über die Bühne und röhrt wie ein Elch nach einem Tritt in die Familienplanung, allerdings ohne dabei die Kommunikation mit dem Publikum zu vergessen. Laut ist es, aber so geht Hyperblast nunmal. Höhepunkt vorerst: Das fiese „Face The Face Of War“. Und schon ist die erste Hälfte des Abends in Form von „Shadows & Dust“ vorbei. Und wer so stramm hyperblastet hat sich dann freilich auch eine Pause verdient. Folgerichtig geht auch plötzlich die Saalbeleuchtung an und Kataklysm verabschieden sich zum Pausentee. Urplötzlich fühlt man sich ins Kino versetzt. Halbzeit sozusagen.

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Während das Publikum die Popcorn-Eimer wieder auffüllt, wechseln die dienstbaren Geister flugs das „Shadows & Dust“ gegen ein „Serenity In Fire“ Backdrop und der Song „Ambassador Of Pain“ läutet die zweite Runde ein. Eine weise Entscheidung, sich selbst und dem Publikum eine kurze Verschnaufpause zu gönnen: So machen sich keine Ermüdungserscheinungen breit und es kann sofort wieder in die Vollen gegangen werden. Tatsächlich – und das ist wirklich beeindruckend – steigt das Stimmungslevel auf und vor der Bühne nochmal an. Bei „As I Slither“ werden die ersten Stagediver gesichtet, „Serenity In Fire“ haut dann alles kaputt. Viel zu schnell ist nach „Under The Bleeding Sun“  endgültig Feierabend – auf Zugaben wird verzichtet. Das ist vollkommen in Ordnung, denn Kataklysm haben hier „Value For Money“ geboten. Wo andere Bands als Headliner mit viel TamTam und Lückenfüllern auf gerade mal 70 Minuten Show kommen, sind heute Abend mal so gar keine Wünsche offen geblieben. So muss das sein.

Danke an: Eiko Truckenbrodt (Text)

Wintersun im MusikZentrum Hannover 2017

Man stelle ich sich einen typischen Sonntagabend vor – mit irgendeiner Serie auf dem Sofa, Essen vom Lieferdienst und das Wochenende ist halt rum. Denn man muss ja Montags wieder arbeiten. Ich war kurz am überlegen abzusagen – schließlich hatte ich Wintersun schon auf dem Summer Breeze 2017 gesehen und da hatten sie mich nicht wirklich umgehauen. Aber wer die Band kennt, weiß – ihre wirkliche Magie entfalten die Finnen eigentlich nur in kleinen Clubs. Also hilft alles nichts – Kamerakram zusammenräumen und los. Nun, was ist denn hier los, wundert sich vielleicht gleich der aufmerksame Leser. Die Fotografin schreibt den Bericht? Ja – ich kann es mir nach diesem Konzert einfach nicht nehmen lassen, zumindest meinen Senf dazuzugeben. Denn als Wintersun ihre Show beginnen, läuft mir trotz Bullenhitze im MusikZentrum ein eisiger Schauer über den Rücken. Jari und seine Jungs können es immernoch. Ich habe diese Band 2006 auf dem „Up from the Ground Festival“ kennen und lieben gelernt – damals noch als Fotografie-Anfängerin. Diese absolut epische, alles einnehmende Musik frisst sich einfach dermaßen in den Kopf, das man gar nicht richtig weiß, wie einem geschieht. Es reißt einen mit und entführt einen in eine völlig andere Welt. Jari ist zurecht absoluter Perfektionist und auch wenn er sich mit der ewigen Warterei auf ein zweites und mittlerweile auch dritten Album und einer Crowdfunding Kampagne nicht unbedingt nur Freunde gemacht hat – wer die Jungs live in einem kleinen Club hört und sich auf die Musik einlassen kann, der weiß das nur perfekt gut genug ist.

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2006 war ich mit den Jungs quer durch Europa unterwegs und heute – 11 Jahre später – ging es mir kein bisschen anders als damals als Teemu das Intro zu „Death and the healing“ anstimmte. Warum ich das in meinen Bericht schreibe? Ich denke „normale“ Berichte kann jeder schreiben – wer des lesen will, kann auch ein wenig weiter unten weiterlesen – denn natürlich hat mein Redakteur auch seinen Senf verfasst. Nun, weiter im Text. Sei es drum, dass ich das neue Wintersun Album nur am Rande mitbekommen habe (da bin ich mal ganz ehrlich), die beiden anderen Alben kenne ich dafür umso besser und stelle verwundert fest das ich auch wenn ich mittlerweile hauptsächlich andere Musik höre immer noch sehr textsicher bin. Vom erste Akkord an bin ich eingewickelt in diesen Klangteppich – versuche mich auf’s Fotos machen zu konzentrieren bin aber mit den Gedanken wieder Anfang 20 und völlig verrückt nach finnischem Metal. Seit dem Jari die Gitarre abgegeben hat und nur noch singt kann er noch mehr Ausdruck in seine Stimme legen – sei es die giftige bei „Winter Madness“ oder die gefühlvolle bei „Time and the healing“. Kann man sich vorher noch über den miesen Sound Beschwerden ist dieser jetzt episch und absolut glasklar prasselt diese Menge Eindrücke auf einen ein… Wie war das? „Ach – nach „Starchild“ können wir dann gehen“ (man linst ja vorher schon mal auf die Setlist) – ähm ne. Is nicht. Widerwillig lasse ich mich dazu überreden wenigstens „Time“ sausen zu lassen um noch irgendwie sinnvoll ins Bett zu kommen, aber irgendwie hätten die Jungs auch einfach ewig so weiter machen können. Ich meine – welche Band kann schon von sich behaupten 15 Minuten Songs spielen zu können ohne dass dem Publikum irgendwann im Song langweilig wird? Eben – so viele gibt es da nicht. Die Jungs und vor allem Jari haben es auch einfach raus solche Songs richtig rüber zu bringen. So, soviel zu meinem Senf. Ich lass euch dann mal das lesen, was Lars so verbrochen hat: Als Vorband treten Black Therapy mit Melodic Death Metal aus Italien und Whispered mit ihrem Samurai Metal aus Finnland auf. Was Samurai Metal ist fragt ihr euch? Man werfe klassischen Power Metal in den Mixxer zusammen mit Instrumenten und Klängen aus fern Ost und einer Priese Textlicher Thematisch und voilá. Fertig! Leider ließ bei beiden Vorbands der Klang ein bisschen zu wünschen übrig. Aber das ist nun mal immer das Problem bei den Gästen.

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Als nächstes treten unter lautstarkem Jubel Wintersun auf die Bühne. Ohne große Ankündigung geht es auch direkt los mit „Awaken from the Dark Slumber“. Ein einwandfrei vorgeheiztes Publikum geht von der ersten Minute an voll mit. Dann schallt es: „Hannover, We are Wintersun“ von der Bühne und schon klatscht einen „Winter Madness“ von der Bühne aus entgegen. Mit viel Headbangen und geht es bei heute erstklassigem Klang – auch in den hintersten Ecken – mit etwas altem weiter. Das erste Lied vom ersten Album „Beyond the Dark Sun“ wird aus der Vergangenheit gekramt und ist hier und heute geschleudert. Zum rastlosen hämmern des Schlagzeuges und den rhythmischen Rufen der Menge geht es dann weiter mit „Death and the Healing“. Danach ist es Zeit mit zu singen und so wird der Refrain von „Sons of Winter and Stars“ lautstark mitgegröhlt. Seit Anfang des Jahres ist Sänger Jari Mäenpää live nicht mehr an der Gitarre, stattdessen hat Asim Searah die Seiten übernommen. Die freien Hände heißen aber nicht, dass weniger Einsatz gezeigt wird. Seine neue Freiheit nutz Jari Mäenpää um ungehindert über die Bühne zu fegen und auch noch ordentlich was fürs Auge zu bieten. Auch am Schlagzeug ist eine personelle Veränderung zu beobachten. Da Kai Hahto für die Tour aus gesundheitlichen Gründen ausfällt, haben sie sich Unterstützung von Rolf Pilve von Stratovarius mitgenommen. Nach einer kurzen Unterbrechung geht es gemächlicher weiter mit „Loneliness“. Das Tempo zieht danach aber wieder deutlich an. Mit „Starchild“ wird nicht nur den 5 Finnen mehr Energie abverlangt, auch das Publikum leistet hier wieder mehr. Nach „Eternal Darkness“ geht die Show dann auch schon in die Verlängerung. Als Zugabe spielen Wintersun „Time“ bis auch hier die Zeit endgültig abgelaufen ist und es für ein jeden in der Spätsommernacht nach Hause geht. Für die meisten ruft die Arbeit morgen schon viel zu früh.

Covenant begeistern mit neuem Album in Hannover

Angekommen in Hannovers Musikzentrum und sind es noch einige Minuten bis zum offiziellen Start des Konzerts. Also noch genügend Zeit, um für etwas Erfrischung zu sorgen. Einmal kurz nicht hingesehen und schon hat sich Iszoloscope wortlos auf die Bühne geschlichen und ohne Umschweif wird brutal der Bass des Musikzentrums an seine Grenzen getrieben. Die Komposition erinnert eher an Techno als EBM, was aber einige der Anwesenden nicht daran hinderts sich dem Bass hinzugeben und schon mal zu tanzen. Nach kurzer Zeit ist es dann auch schon wieder vorbei. Hart, schmerzhaft und laut. So lässt sich die Musik am besten beschreiben.

 Bildergalerie: So war ISZOLOSCOPE live

Kurze Umbauphase und Faderhead schwingt sich auf die Bühne. Der neue Stil des Hamburgers – so ohne Sonnenbrille und Alkohol bis zum Anschlag – ist angenehm ruhig. Eine hervorragende Einstimmung auf den Main-Act des Abends. Es gibt einen Mix aus Tracks der letzten acht Alben auf die Ohren. Als Abschluss des Auftritts von Faderhead heißt es dann lautstark: Tanzt! Zu „TZDV“ kocht die Menge noch einmal richtig hoch, bevor es dann noch ein weiteres Mal heißt: warten auf den Umbau.

Bildergalerie: So war FADERHEAD live

Der Main-Act des Abends baut bei Mondscheinbeleuchtung und dichtem Bodennebel (Sichtweite unter zwei Meter) und mit langem Intro „Death of Identity“ eine deutliche Anspannung im Publikum auf. Bis dann Eskil Simonsson (Sänger), Daniel Jonasson (Keyboard) und Andreas Catjar (Keyboard) im Nebel auf die Bühne schleichen um mit einem jähen Übergang zu „Der Leiermann“ lauten Jubel in der Mengel aufflammen zu lassen. Nach dem die ersten Minuten dann auch noch mit „Bullet“ wie im Flug vergehen, geht es los mit den ersten Songs vom neuen Album „The Blinding Dark“. Zu hören sind „I Close my Eyes“ „Morningstar“ und „Cold Reading“. Dass das Album noch brandaktuell ist, ist im Publikum deutlich bemerkbar. Die Textsicherheit ist zwar noch nicht vorhanden aber dafür ist umso mehr Stimmung. Wieder voll dabei – auch beim Text – sind dann alle bei „Edge of Dawn“. Nicht nur vor der Bühne sondern auch auf der Bühne. So liegt es hier – wie auch bei einigen anderen Liedern – nicht  nur an Sänger Eskil Simonsson seine Stimme zum Besten zu geben. Seine Kollegen Daniel Jonasson und Andreas Catjar müssen sich nicht hinter ihren Keyboards verkriechen. Auch davor geben sie keine schlechte Figur ab.

Bildergalerie: So war COVENANT live

Der Hauptteil des Konzertes geht nach einigem hin und her mit „Stalker“, „Lightbringer“ und ein mit großem Jubel unterstützten „Ritual Noise“ zu Ende. Naja zu Ende ist relativ. Das Publikum ist noch lange nicht bedient und will noch mehr! Covenant sind auch keine Unmenschen und so geben sie auch noch mehr aus ihrem Repertoire zum Besten. Also ging es weiter mit weiteren Auszügen aus dem neuem Album. „Dies Irae“ und „Sound Mirrors“ legen den Grundstein für eine heiße Menge denen Covenant offensichtlich nicht lang genug spielen kann. Dass dann mit „Call the ships to port“, die Menge spontan überkocht, klingt nach einem schönen Abschluss für ein schönes Konzert. Ist aber nicht jedermanns Meinung… eher von der Minderheit. Die Mehrheit schreit lauthals nach noch mehr und wir belohnt! Mit „Prometheus“ kommt Covenant noch ein weiteres Mal auf die Bühne. Nur um nach einem langem Abend eines klar zu stellen. „Dead Stars“ still burn!

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