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Highfield Festival 2019: Drei Tage vollgepackt mit Electro-Pop-Rap-Rock-Sounds

Am mittleren Augustwochenende fand die 22. Ausgabe vom Highfield Festival statt und dazu pilgerten 30.000 Festivalfans an den idyllischen Störmthaler See bei Größpösna nahe Leipzig. Bei dem bisherigen Sommerverlauf lag es nahe, dass sich die Temperaturen bei angenehmen 25° C einpendelten und somit für makelloses Festivalwetter sorgten. Darüber war die Freude bei den angereisten Besuchern natürlich groß. Wie in den Jahren zuvor hatte Veranstalter FKP Scorpio sich jede Menge nationale und internationale Künstler auf das diesjährige Line-up geschrieben, an dessen Spitze neben Thirty Seconds to Mars, Steve Aoki, Cro, SDP und Annenmaykantereit noch viele weitere Top-Acts standen.

FREITAG BEIM HIGHFIELD FESTIVAL 2019

Bereits der Freitag beim Highfield Festival 2019 lockte mit einem fantastischen, musikalischen Programm. Jan Delay & Disco No. 1 , Cro, Feine Sahne Fischfilet und Von wegen Lisbeth bespielten Freitagabend die zwei Bühnen, die Green und Blue Stage. Das perfekte Festivalwetter spiegelte sich vor allem in der Laune der Festivalbesucher wieder, die Menge feierte und freute sich auf die Headliner des ersten Abends. Da sich die zwei Bühnen beim Highfield Festival immer ganz gut abstimmten, was den zeitlichen Ablauf anging, war es jedem Zuschauer möglich, alle Künstler des Tages auch zu sehen – vielleicht nicht immer komplett, aber man musste eigentlich auf keine Show verzichten.

Nachdem die Festivalbesucher zu allererst bei Pennywise gefeiert hatten, ging es mit der schwedischen Band Royal Republic nicht weniger feierwütig weiter. Die Band um Adam Grahn heizte das Publikum noch mal so richtig an, mittlerweile stand hier niemand mehr still. In der wunderschönen Abenddämmerung machte die Show gleich noch mehr Spass. Danach war es knapp 21:00 Uhr, die Sonne war untergegangen und es wurde Zeit für Von wegen Lisbeth. Der Bereich vor der Blue Stage war gut gefüllt und das Publikum gespannt, welche Überraschungen die fünf Jungs dieses Mal dabei haben würden. Mit ihrem Indie Rock und den vielen Ohrwurm-Melodien, sowie den vielen unterschiedlichen Instrumenten, tanzten die Musiker auf der Bühne genau wie auch die Menge, ausgelassen zu den Songs der Berliner.

Wer beim dritten Song schon das Bananaboot ins Publikum schmeißt, konnte nur Feine Sahne Fischfilet heißen und richtig gute Laune versprühen. Jan “Monchi” Grokow und die Band zeigten sich als eingespieltes Team, wie es eine Band in ihrem Kaliber braucht. Ihre punkige Rock-Mischung , sowie die Vorträge von ehrlichen und klugen Geschichten, kamen bei dem Publikum ziemlich gut an. Cro durfte danach an einem so perfekten, lauen Sommerabend natürlich nicht fehlen. Der Musiker, der seit 2012 mit seiner Pandamaske den Deutschrap maßgeblich veränderte, sorgte auch dieses Mal dafür, dass die Besucher ab Sekunde eins des erstens Songs laut mitsangen und tanzten. Die Mischung aus alten und neuen Songs, vor allem aber seinem wohl persönlichsten Album „Tru“, nahmen die Zuschauer begeistert auf.

Highlight des ersten Festivalabends waren Jan Delay & seine Disco No. 1. Der Hamburger und seine Band, sowie der begleitende Chor, wussten ganz genau, wie sie das Publikum innerhalb von Sekunden zum Feiern bringen konnten. Da brauchte es auch gar nicht viel Mühe, die ausgesprochen gute Laune und dazu einzigartige Stimme von Jan Delay reichten vollkommen. Die gewohnt glamouröse Abriss-Manier des Hamburgers gepaart mit rockigen Elementen und dem Herz am richtigen Fleck, ließen nun wirklich niemanden mehr stillstehen. Der Freitagabend beim Highfield Festival 2019 war ein mehr als gelungener Start in das gesamte Festivalwochenende. Einzig die wirklich großen Steine, die auf dem gesamten Festivalgelände verteilt waren, sorgten hier und da für eine leichte Stolperfalle – aber das hat am End niemanden vom Feiern abgehalten.

Highfield Festival 2020: Ticket + Infos

Highfield Festival 2020

Danke für den Text: Lara Schwenzer

MS Dockville 2019 am Samstag: Rock im Regen

Vom 16. bis zum 18. August fand zum 13. Mal das wohl bunteste Musikfestival des Nordens statt: das MS Dockville 2019 in Hamburg. Heute berichten wir vom zweiten Tag: Samstag.

Gestern war Billie Eilish hier! Ja ja, war toll. Aber wir sind auch froh, dass sie wieder weg ist. Als Überheadliner hat sie dafür gesorgt, dass das Dockville aus allen Nähten platzte. Zeitweise war kein Durchkommen mehr und der Platz vor der Hauptbühne wurde offiziell abgeriegelt, weil es zu voll war. Es hat sich angefühlt, als würden Reeperbahn Festival, CSD und Monki-Supersale gleichzeitig stattfinden. Für das eigentlich sehr entspannte Dockville war das alles etwas unentspannt.

Deshalb freuten wir uns am Samstag auf einen Tag ohne gehypte Weltstars, sondern einfach nur mit guten, angesagten Musikern wie Nura, Giant Rooks und Von Wegen Lisbeth. Bei letzterem wurden die Fans von einem kleinen Monsunregen erwischt, aber dazu später mehr.

Nura

Kann sich noch jemand an gestern erinnern? Dann wisst ihr noch, dass Juju auf der Hauptbühne stand, eine Hälfte der Band SXTN. Die andere Hälfte durften wir am Samstag auf dem Vorschot erleben: Nura.

Auf der Bühne stand ein gigantischer Deutscher Reisepass neben dem DJ-Pult, von dem aus der DJ fragte: „Habt ihr Bock auf Nura?“ Haben wir! Als der Fan-Jubel vom DJ als angemessen euphorisch bewertet wurde, kam sie endlich auf die Bühne: Nura.

Es ging los mit dem Song „Ich bin schwarz“, der natürlich auch von Fans mitgesungen wurde, die weiß sind. Und braun, gelb, rot, bunt! Hautfarben interessieren auf dem weltoffenen Dockville eh niemanden – hier ist jeder willkommen. Schon in der ersten Strophe hat Nura auch erklärt, was der Deutsche Pass auf der Bühne zu suchen hatte: „Ich fick‘ deine Bitch, hab‘ ‘nen Heidenspaß, und jetzt hab‘ ich einen deutschen Pass!“

Mit der Frage „Wo sind meine Moshpit-Minister?“ wurde der nächste Song eröffnet: „Auf der Kippe“. Zum Song „Radio“ kam tatsächlich nochmal die Sonne raus. Und das zum letzten Mal für heute, wie wir später am eigenen, klitschnassen Leib erfahren sollten.

Nuras Rap-Style ist nicht wirklich mein Geschmack. Alles etwas prollig und grölig. Aber ihre Viva Con Agua Aktion konnte ich nur feiern: Ein großes, aufblasbares Ruderboot ging auf große Fahrt übers Menschenmeer. Dann forderte uns Nora auf, Plastikbecher und Flaschen ins Boot zu werfen, damit das Pfandgeld an Viva Con Agua gespendet werden kann. Der Verein setzt sich dafür ein, die Trinkwasserversorgung in südlichen Ländern zu verbessern. Und wenn ich nur mein Bier leertrinken muss, um was Gutes zu tun, mache ich gerne mit. Gute Aktion, Nura!

Giant Rooks

Schon am frühen Abend war der Platz vor dem Großschot komplett mit Fans gefüllt, die schon über die Deiche links und rechts der Bühne schwappten. Sie alle waren für die Giant Rooks hier, die um 20:40 die Bühne betraten.

Die fünf Musiker kommen aus Hamm, einer kleinen, langweiligen Stadt in NRW. Das hört man ihnen gottseidank nicht an: die Giant Rooks machen runden, gut arrangierten Indie-Rock, der sich irgendwie international anhört und an alt-J erinnert. Auf dem Dockville spielten sie zuerst „100 mg“, danach folgte „Bright Lies“. Die Unmengen an Fans, die zum Refrain laut „Ophelia“ mitsangen, haben auch Sänger Frederik Rabe beeindruckt: „Ihr seid so viele!“ Yepp, das waren sie. Und es sollten noch mehr werden. Denn als nächstes stand Von Wegen Lisbeth auf der Bühne.

Von wegen Lisbeth

Die Indie-Pop-Band um Sänger und Gitarrist Matthias Rohde war der Headliner des Tages. Die fünf Berliner waren um 22:20 Uhr auf dem Großschot angekündigt und sind alte Bekannte: Sie waren schon vor zwei Jahren hier, damals noch eine Nummer kleiner: auf dem Vorschot.

Die Bühne war noch für den Soundcheck abgehängt, als es wie aus Kübeln zu regnen begann. Die harten VWL-Fans, die schon stundenlang vor der Bühne warteten, haben ihre Plätze natürlich nicht aufgegeben. Sie waren bestens vorbereitet und haben Regenjacken, Regencapes, Regenponchos, Regenschirme, Regensonstwas aus ihren Rucksäcken gekramt. Alle anderen haben sich unter Bierständen, Jever-Schirmen und Bäumen in Sicherheit und Trockenheit gebracht.

Plötzlich ging ein Raunen durch die Menge: es wurde dunkel und eine geheimnisvolle Melodie wurde gespielt. Gitarre und Keyboard setzen ein – dann fiel endlich der Vorhang und Von Wegen Lisbeth legten los! Zum lauten Jubel der durchnässten Fans spielten sie zur Begrüßung „Freigetränke“. Danach folgte „Meine Kneipe“, der Song mit dem saulustigen Text, der von der Crowd begeistert mitgegrölt wurde: „Schlaf‘ auf jedem Klo, mit jedem Typen, den du willst (…) Mach‘ was du willst, aber bring nie wieder deine neuen Freunde …. in meine Kneipe.“

Mittlerweile war auch der letzte Fan vom Regen durchnässt. Auch die beste High-Tech-Jacke bringt nicht mehr viel, wenn das Wasser in die Schuhe, in die Ärmel und in den Kragen kriecht. Feuchtigkeit findet immer einen Weg. Aber das juckte die Fans nicht, wie auch Sänger Matthias Rohde wusste: „Regen macht euch nichts aus. Ihr seid doch Hamburger!“ Wo er Recht hat, hat er Recht. Wer sich in Hamburg wegen Regen beschwert soll, nach München ziehen.

Wer war sonst noch da?

Drunken Masters. Das DJ-Team aus war als Ersatz für den kranken Karate Andi da. Die beiden DJs haben brettharte Beats, Songs und Samples aus alle Musikgenres ineinander geprügelt. Electro-Bass, E-Gitarre, Whoop there it is? Hauptsache es ballert. Den Fans hat’s gefallen: Schon um 18:30 sind sie vor der Bühne ausgerastet wie sonst um 3:00 nachts im Club. Alle haben ausgelassen getanzt, sind auf Kommando in die Knie gegangen und wieder hochgesprungen, als der Bass droppte. Uns war das alles etwas zu stressig, aber es gibt Bonuspunkte für den 1UP-Aufkleber auf dem Notebook.

Mine. Die deutsche Sängerin stand am frühen Abend auf dem Großschot. Und darüber hat sie sich genauso gefreut wie die Fans: „Es ist 19:20 und wir dürfen auf der Hauptbühne spielen! Ich scheiß mich ein!“ Im goldenen Outfit, mit einem riesigen Umhängekeyboard (auch Keytar genannt – schon wieder was gelernt) hat sie Pop mit Electro- und Hip-Hop-Elementen gespielt.

Yves Tumor. Der amerikanische Musiker hat auf der Maschinenraum-Bühne experimentelle Electro-Musik gemacht. Naja, er hat es zumindest versucht: Schon nach wenigen Beats gab’s Sound Probleme. Nicht schlimm, Yves hat die Pause genutzt, um mit den Fans zu quatschen und den American-Spirit-Promoter um Kippen und Werbeschnickschnack anzuschnorren: „Can I get a free ashtray?“ Na klar! Als es dann endlich weiter ging, konnten wir Yves auf der dunklen Bühne kaum erkennen, aber dafür umso besser hören: Zu lauten Beats, beunruhigenden Sounds und Störgeräuschen hat er Worte und kurze Sätze ins Mikro geschrien. Sehr experimentell.

Loyle Carner. Der Londoner Rapper stand als vorletzter Musiker auf dem Vorschot, das er sich gemütlich eingerichtet hatte: mit Ohrensessel und Fußballtrikots an den Wänden. Mit einem sensationellen Cockney-Slang rappte er Songs wie „Ice Water“ oder „You Don’t Know“. Die Boom Bap Beats fand ich sehr smooth und lässig, was aber auch an der Graswolke gelegen haben kann, die ständig zu mir rüber wehte. Kleiner Tipp: Wer Rap aus London gut findet, sollte sich mal Ocean Wisdom anhören, der mit seinem Debüt „Walkin“ Eminems Rap-Geschwindigkeits-Rekord übertroffen hat.

Jungle. War die letzte Band auf dem Vorschot. Leider waren wir vom Regen so durchnässt wie nach einer Bierdusche auf einem Deichkind-Konzert. Deshalb sind wir nach Hause gefahren, bevor Jungle loslegen konnte – Redakteure sind auch nur Menschen. Aber weil wir Jungle schon auf dem Reeperbahn Festival live gesehen haben, können wir euch versichern: die Neo-Soul-Band aus London hat sicherlich einen sensationellen Auftritt geliefert.

Wie geht es weiter?

Mittlerweile ist es Sonntag. Am letzten Tag fährt das Dockville Festival nochmal ein starkes Line-up auf: Kat Frankie, Roosevelt, Drangsal, Aurora, Bilderbuch und viele mehr. Morgen verraten wir euch, wie es war.

MS DOckville 2020: Tickets + Infos

MS Dockville 2020

Taubertal Festival 2019 am Samstag: Zum Glück geht es weiter

Der Sturm war vorbei! Die Luft fühlte sich frischer an und bis auf ein paar Pfützen und auf den Weg gefallene Äste, war keine Spur mehr von dem Unwetter am Tag zuvor zu sehen. Die vielen Besucher auf dem Festivalgelände vermittelten den Eindruck, als wäre es nun auch deutlich voller als am Vortag – was später auch den Wechsel zwischen den zwei Bühnen etwas erschwerte. Auf dem Programm des zweiten Festivaltags beim Taubertal 2019 standen so jede Menge großartige Acts aus verschiedensten Musikrichtungen – Donots, Madsen, Barns Courtney, Von Wegen Lisbeth, Frank Carter & the Rattlesnakes und das Beste kommt natürlich zum Schluss – Die Fantastischen Vier!

Apropos Vielfalt – die Geschäfte auf der Food Meile des Festivals boten viele leckere, festivaltypische Gerichte für an, für den kleinen Hunger zwischendurch oder das ausgiebige Mittag-/Abendessen. Hier konnte jeder etwas für sich finden – vom Handbrot mit Käse und Schinken/Pilzen über selbstgemachte, vegane Flammkuchen und Kartoffelchips mit Knoblauchsoße bis zum knusprigen Spanferkel am Spieß. Und dazu konnten die Festivalbesucher auch ein ganz besonders Highlight genießen: exzellente Sanitäranlagen, wovon die meisten Festivalgäste nur träumen können – mit Waschbecken, Seife und sogar mit Fön!

barns courtney

Nun aber zum musikalischen Programm. Mit roter Lederjacke und Aufnähern, dem wilden Lockenkopf und einem einzigartigen Indiesound ging es für uns los – Barns hatte einiges anzubieten. Da er aktuell eh um die Welt tourte, machte er zum Glück auch er einen Zwischenstopp beim diesjährigen Taubertal Festival. Auf der Bühne sang er voller Inbrunst, spielte dazu die akustische Gitarre und tanzte energiegeladen im Takt seiner Musik. Im nächsten Moment sprang er unerwartet ins Publikum und ließ sich dort auf den viele, willigen Händen der Fans tragen. Dabei gab der britische Singer-Songwriter weiterhin seine Songs zu Besten und das Publikum sang lautstark mit. Leider war sein Auftritt doch sehr kurz, aber immerhin bleibt uns der Lichtblick, dass Barns Courtney im Herbst 2019 mit seiner Band noch einmal zurück nach Deutschland kommt!

Donots

Das komplette Jahr 2019 stand und steh bei der Ibbenbürener Band Donots unter dem Motto „Silberhochzeit“! Die Punkrocker waren am Samstag die ersten auf der Hauptbühne, aber das man als Festivalgänger weiß, dass hier die Post abgeht, war das Infield schon gerappelt voll zu dieser Zeit. Kurz nach den ersten Klängen eskalierte die Stimmung im Publikum euphorisch. Nur die Musikfans auf dem Hügel mussten erst noch richtig wache werden und die Donots forderten sie auf, aufzustehen und mitzutanzen. Es dauerte nicht lange, bis auch sie ins Schwingen kamen. Später machte ein Fan sogar einen Purzelbaum und rollte den Berg herunter. Natürlich durften keine der unzähligen Hits aus ihrer 25-jährigen Bandgeschichte fehlen, „Stop the Clocks“, „We’re not gonna take it“, „We got the noise“ oder „So Long“ wurden mit viel Leidenschaft von Ingo Knollmann, Bruder Guido und dem Rest der Band präsentiert. Danach durchquerte der Sänger kurzerhand das Publikum für einen wilden Ritt im größten Circlepit des Festivals. Nach diesem einstündigen Auftritt gröhlte das Publikum nach einer Zugabe, leider vergeblich. Die Bühne wurde schon für die nächste Band vorbereitet.

von wegen lisbeth

Die Berliner Band um Sänger und Gitarrist Matthias Rohde brachte mit ihren dynamischen Klängen das Publikum schnell in Bewegung. Jedes der sechs Bandmitglieder entlockte den vielen Instrumenten auf der Bühne den bandtypischen locker-rockigen Rhythmus. Dabei hüpften die Musiker zwischen Gitarre, Keyboard, Zupfbrett und Xylofon hin und her. Das Publikum tanzte und sang zu den fröhlichen Indie-Pop-Sounds der Berliner. Von Wegen Lisbeth waren zum zweiten Mal auf dem Taubertal Festival und schienen sich sehr zu freuen, wieder hier sein zu dürfen. Nach einer energiegeladenen Show mit vielen iher beliebten Hits verabschiedeten sie sich dann mit den Worten „Es war extrem nice mit euch“ und dem bekannten Lied „Bitch“. Daraufhin mobilisierte das Publikum nochmal alle Energiereserven und bewies, dass man sich im Moshpit nicht nur bei harten Rocknummern austoben kann.

madsen

Anfangs waren erst nur ein paar harmonische Klänge zu hören, als die Band auf die Bühne kam. Diese wurden aber ruckzuck von Bassschwingungen und Gitarrenriffen überlagert. Madsen startete mit ihrer Punk-Hymne aus dem letzten Album „Macht euch laut“. Von Gitarrensolos bis hartem Punkrock bedienten Madsen einen enormen Facettenreichtum. Die Band feierte inzwischen ihr 15. Jubiläum und spielte in nun schon zum zweiten Mal auf dem mittelfränkischen Festival. Das aber auch nur, weil zwei Wochen vor dem Festival die bereits gebuchte US-Kultband Good Charlotte aus familiären Gründen den Gig absagen musste. Dafür brach Schlagzeuger Sascha sogar kurzfristig seinen Urlaub ab. Frontmann Sebastian Madsen und seine Kollegen sprangen gerne ein und noch lieber spielten sie als kleinen Trost Good Charlotte’s „Anthem“. Später im ihrem Liveset tauchten auch Songs von Feine Sahne Fischfilet und The Offspring auf. Ihr wunderbarer Ohrwum „Lasst die Musik an“ dröhnte als letztes über das Festivalgelände und dann verschwanden Madsen hinter der Bühne.

frank carter

Passend zum neuen Album „The End Of Suffering“ aus Mai 2019 war Frank Carter bereits im Frühjahr auf Tour in Deutschland, nun im Festivalsommer wurde es wieder Zeit für den Punkrocker, die Festivalbühnen des Landes aufzumischen. Vor der Bühne wartete schon ein feierwütiger Mob. Der Brite und seine Rattlesnakes versteckten sich zu Beginn der Show aber noch hinter dichtem Nebel und Bühnengegenlicht. Derweil sang das Publikum die Lieder „Kitty Sucker“ und „Lullaby“ schon mal energisch mit. Sie freuten sich natürlich tierisch, als Frank Carter kurzerhand mitten ins Publikum sprang um dort gemeinsam im riesigen Moshpit mitzutanzen und Selfies mit den Fans zu machen. Gitarrist Dean Richardson folgte dem Beispiel des Frontmannes und spielte ein Gitarrensolo, während er sich rücklings von der Menschenmenge auf Händen tragen ließ. Das war mal ein Auftritt mit viel Power.

die fantastischen vier

Eine Band, die auf 30 Jahre Bandgeschichte, neun Studioalben, unzählige Preise und Live-Shows zurückblick konnte, das sind Die Fantastischen Vier. Seit 1989 rappten sich Smudo, Thomas D, Michi Beck und And.Ypsilon aufstrebend durch die Musikwelt. Den vier Stuttgartern ging trotz des Älterwerdens aber zum Glück einfach nicht die Luft aus.

Durch den Nebel erschien der Headliner des Abends dann auch endlich auf der Hauptbühne fragte das Publikum sogleich „Was geht“. Zwischen bekannten Hip-Hop-Hits ließen sich die Vier Zeit, mit dem Publikum zu interagieren. Neben aktuellen Themen wie der politischen Situation in Deutschland, sprachen sie auch über die Ungleichheit in der heutigen Gesellschaft. Die Stuttgarter fegten mit ihrer sechsköpfigen Liveband nur so über die Bühne. Ohne ihre Klassiker ging es natürlich nicht: „Sie ist weg“, „Troy“, „Gebt uns ruhig die Schuld“, „MFG“, „Die Da“ oder auch der aktuelle Radio-/Chart-Ohrwurm „Zusammen“ hauten die drei Frontmänner locker heraus. Mittlerweile wurden die „Fantas“ zu richtigen Taubertal-Veteranen, sie waren nämlich zum sechsten (!) Mal dabei! Hut ab! Eine coole Überraschung kam dann noch zum Schluss – Porky von der Band Deichkind kam in Bademantel auf die Bühne und spielte Schlagzeug.

pottinger

Zu guter letzt stand Alternative Rocker Pottinger auf der Bühne. Die deutsche Rockband überzeugte mit markantem Gesang und starken Gitarrenriffs, die an Alice in Chains erinnerten. Das Publikum schien kein bisschen müde zu sein und flippte noch einmal völlig aus. Die erste Reihe tanzte im Takt der Musik, BHs wedelten in der Luft. Ab und zu wurden die Dessous sogar nach vorne geworfen, aber anstatt der Bühne wurden die Security- oder Kameramänner getroffen. Ob die sich gefreut habe? Zum Schluss wurden CDs des aktuellen Pottinger-Albums im Publikum verteilt. Das Publikum war schnell verliebt – alle verlangten nach einer Zugabe. Ein echter Knaller als Abschluss des Abends!

Taubertal Festival 2019: Tickets + Infos

Taubertal 2020

Kosmonaut Festival 2019 – Always Hardcore im 7. Festivaljahr

Mittlerweile sind es schon zwei Jahre her, dass das 5-jährige Jubiläum vom Kosmonaut Festival Stausee Rabenstein nahe Chemnitz gefeiert wurde. Die Veranstalter haben seitdem unaufhörlich an ihrem Konzept und den Line-ups gefeilt. Mit viel positiver Resonanz. Am ersten Juli-Wochenende stand nun die siebte Ausgabe mit dem Kosmonaut Festival 2019 an. Kurze Wege zwischen den Zeltplätzen hin zum Festivalgelände und auch vom Parkplatz gestalteten die Anreise unproblematisch. Um auch die Besucher vom Kosmos Chemnitz aufzunehmen, wurden die Campingflächen dieses Jahr sogar einen Tag eher geöffnet. Denn um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen, feierten dort am Donnerstag, den 4. Juli schon knapp 65.000 Zuschauer direkt in Chemnitz.

Auf insgesamt sechs verschiedenen Bühnen lief das musikalische Rundum-Sorglos-Programm. Die größeren Künstler gastierten dabei auf Hauptbühne und Atomino Bühne – der restliche Spielplan verteile die Acts auf Beim Siggi, Kosmo-Wash, Spotify Podcast Bühne und Steinbühne. K.I.Z., Bosse, Von Wegen Lisbeth, Giant Rooks, Leoniden, NURA, Fil Bo Riva und viele weitere präsentierten die besten Hits ihres Live-Repertoires unter frenetischem Jubel von 15.000 Festivalbesuchern.

Das von der Band Kraftklub und Landstreicher Booking liebevoll veranstaltete Festival zeichnete sich jedes Jahr durch ein junges, modernes Programm aus, dass immer ein besonderes Schmankerl oben drauf gesetzt hatte – und zwar in Form des traditionellen „Geheimen Headliners“, der schon seit Jahren Bestandteil vom Kosmonaut Festival ist.

Kosmonaut Festival 2019 Freitag

Auf den Campingplätzen herrschte seit Donnerstag reges Treiben und die meisten Besucher hatten sich entsprechend auch schon vollständig eingerichtet. Neben Entspannen, Grillen und festivaltypischen Gemeinschaftsspielen, konnte man sich die Zeit bis zur Eröffnung der Bühnen perfekt vertreiben. Passend outet sich der Wettergott ebenfalls als Festivalfan und bescherte hochsommerliche Temperaturen. Zur Abkühlung Abkühlung war der angrenzende Stausee Rabenstein natürlich in Dauernutzung. Wo kann man sonst mitten im See baden und von dort auf die Hauptbühne schauen?

Die Festivalorganisatoren hatten es auch dieses Jahr wieder geschafft, den Freitags-Headliner bis zur letzten Minute verborgen zu halten. Kurz bevor der Vorhang fiel, traten Kraftklub auf die Bühne und kündigten an, dass es sich dieses Mal um eine sehr spezielle Ausgabe des „Geheimen Headliners“ handeln würde. Als große Überraschung wurden die deutschen Techno-Legenden Scooter enthüllt – die Massen auf dem Festivalgelände tobten und feierten zu den ballernden Beats und tiefen Bässen.

Nura

Die ehemalige Hälfte des Rap-Duos SXTN aus Berlin, kündigte sich für die diesjährige Ausgabe vom Kosmonaut alleine an. Gespalten war die Fangemeinde nach der Trennung und auch, was die Zukunft für die beiden Solo-Projekte anging. Die 29-jährige Sängerin hat seit April ihr erstes Solo-Album auf dem Mark („Habibi“) und dies galt es hier natürlich zu promoten. Vor der Mainstage tobte bereits das willige Publikum, schließlich kannte man die rotzfreche Rapperin. Die Fans waren gespannt, wie sich das Solo-Debüt von Nura live auf der Bühne wohl macht. Weniger aggressiv und provokanter kamen die Songs und auch der Auftritt von Nura daher. Dies tat der Stimmung aber keinen Abbruch, gefeiert wurde trotzdem. Nura überzeugte auch ohne Kollegin Juju.

Leoniden

Die Leoniden sind benannt nach einem Meteorstrom und diese Meteore schlagen am frühen Abend auf der Mountain Stage ein. Während die Abendsonne das goldene Leoniden-Logo auf der Bühne erstrahlen lässt, spielen die Leoniden ihren Indie-Rock mit viel Synthie, noch mehr Energie und einer unglaublichen Begeisterung. Sänger Jakob Amr springt dabei wie ein Flummi über die Bühne und Gitarrist Lennart dreht völlig durch. Er schmeißt sich die Gitarre auf den Rücken, beißt ins Mikrofon, verknotet sich fast in den Bühnenkabeln und befreit sich gerade rechtzeitig, um seinen Part weiter zu spielen.

Bosse

Mit „Engtanz“ hat Axel Bosse im Jahr 2016 sein erstes Nummer-Eins-Album gefeiert. Auch der Vorgänger „Kraniche“ mit Hits wie „Schönste Zeit“ und „So oder so“ hat eine Gold-Auszeichnung erhalten und ist 38 Wochen in den Charts gewesen. Der charismatische Braunschweiger Axel Bosse ist aber vor allem für aber seine Live-Shows bekannt und beliebt, in denen er sich völlig verausgabt. Die Besucher vom Kosmonaut 2019 sind ganz aus dem Häuschen, als Bosse gut gelaunt die Bühne in Beschlag nimmt. Mit seiner sympathischen Art und seiner genialen Band begeistert „Aki“ Bosse die Fans von der ersten bis zur letzten Reihe und mischt sich wie immer bei seinen Konzerten für einen gemeinsamen Song auch nochmal unter die Leute.

Scooter

Seit über 25 Jahren stehen Scooter für das Motto „Always Hardcore“ und unter diesem wurden H.P. Baxxter und Co. auch am Freitagnacht von Kraftklub auf der Mainstage angekündigt. Mutig oder berechnend, eine Technoband der 90er Jahre auf die Bühne zu holen? Auf jeden Fall eine gute Idee, schließlich haben Scooter in ihrer langjährigen Bandgeschichte 30 Millionen Alben verkauft. Jubel im Publikum, denn mit Scooter konnte man sich einer ausgelassen Stimmung sicher sein. Ihre Tournee „100 % Scooter – 25 Years Wild & Wicked“ im vergangenen Jahr zeigte erneut, dass Scooter nicht nur alte Fans halten können, sie begeistern auch heute noch viele jüngere Fans.

Zu „One (Always Hardcore)“ brannte gefühlt die halbe Bühne, H.P. sprang in bester Laune quer über die Bühne, während ein Pyroeffekt nach dem nächsten abgefeuert wurde. Etwas im Hintergrund befanden sich die beiden Bandkollegen (Etnik Zarari und Michael Simon), die wie in Trance auf Synthesizer und Keyboards einhämmerten. Was dazu bei keiner Scooter-Show fehlen durfte, sind die Tänzer. Vier Mädels und zwei Jungs begleiteten fast jeden Song mit stets wechselnden, heißen Bühnenoutfits. H.P. Baxxter mit seinen 50 Jahren nutzte die volle Bühne aus und hatte sogar jede Menge Moves einstudiert, die er synchron mit seinen Tänzer ausführte. Hut ab! Neben allen Künstlern auf der Bühne war ganz klar die Licht- und Pyroshow ein großes Highlight. Was hier an CO2, Feuereffekten und Bühnenblitzen abgefackelt wurde, konnte sich wirklich sehen lassen und durchaus mit einem Auftritt wie bei einem der großen EDM-Festivals mithalten. Jeder einzelne Scooter-Song wurde neu inszeniert und auch das Publikum wird stets mit eingebunden.

Kosmonaut Festival 2020: Tickets + Infos

So war das Deichbrand Festival 2018 am Samstag

Der zweite Festivaltag beim Deichbrand Festival 2018 hält wie am Tag zuvor bestes Sommer-Wetter bereit. Mit Öffnung der Pforten begibt sich eine noch überschaubare Menge auf das Festivalgelände. Noch eine ganze Weile bleibt es auf dem Platz etwas leerer, bis die Musikfans langsam vom Campingplatz herüber schlendern. Am Abend steht Headliner Nummer zwei – The Killers – auf dem Tagesprogramm. Eine ganze Reihe Spitzen-Acts gibt es darüber hinaus beim Deichbrand 2018 Samstag zu erleben, darunter Le Fly, Editors, Kontra K., Mando Diao, Freundeskreis, Bilderbuch, Milliarden, Kettcar, Yung Hurn und viele viele weitere. Das verspricht viel Bewegung für die Tanzbeine und fordert die Stimmbänder. Für alle Nachteulen gibt es bis in die frühen Morgenstunden noch Programm u.a. von Oliver Huntemann und Magit Cacoon.

AnNett Gapstream

Die DJane aus Berlin ist mit elektronischer Musik aufgewachsen und hegt eine große Leidenschaft für Musik. Grund genug für Annett, von den bescheidenen Wohnzimmerboxen auf lautstarke Club- und Festivalanlagen umzusteigen. In den letzten vier Jahren hat die ehemalige Leistungssportlerin mit ihren Beats und Sounds viel umhergewirbelt. Am frühen Samstag Nachmittag sind die Regler der Turntables auf der Electronic Island-Bühne 1,5 Stunden lang in den Händen der jungen Künstlerin. Von Tech House bis Techno, die treibenden, melodischen Tracks bereiten den Besuchern sichtlich genauso viel Spaß wie Annett selbst. Hier kannst du mal reinhören: Annett Gapstream bei Soundcloud

skinny lister

Als Frontfrau Lona Thomas mit ihrem „Listermania“ Schnapskrug auf die Bühne kommt, wird aus der sonnenbeschienenen Fläche vor der Water Stage ein gemütlicher aber etwas dreckiger Pub. So wie jede Location, wo das Sextett bisher aufgetreten ist – sei es auf eigener Tour oder als Vorband der Dropkick Murphys. Akkordeon, Gitarren und Kontrabass begleiten die fröhliche Sängerin, die in ihrem Blümchenkleid und roten Schuhen an Dorothy aus „The Wizard of Oz“ erinnert. Alle anderen Bandmitglieder stehen natürlich auch nicht einfach nur herum, allen voran Akkordeonspieler Max Thomas (Bruder der Sängerin), er ist genauso ein Wirbelwind auf der Bühne. Es ist kaum jemand auf dem Gelände, der sich von der Stimmung nicht mitreißen lässt, fast jeder kann sich zumindest ein leichtes mitwippen der Füße nicht verkneifen.

Von wegen Lisbeth

Die Berliner Band um Sänger und Gitarrist Matthias Rohde steht gegen 15:00 Uhr auf der Blue Stage. Hinter bzw. inmitten der Musiker befinden sich von Palmen und Blättern umrankte Leuchtbuchstaben: VWL. Indie-Pop, der teilweise auch mal mit ungewöhnlichen Instrumenten gespielt wird, zum Beispiel einem Kinderglockenspiel. Kuriose Ideen haben diese Jungs eigentlich immer, so kennt man zumindest auch ihre Musikvideos. Weniger kurios, aber nicht weniger speziell ist ihre Musik, aber 100 Prozent handgemacht und geht locker-rockig ins Ohr. Super gut.

Kontra K

Maximilian Diehn alias Kontra K ist derzeit in aller Munde. Vor der Bühne ist es entsprechend voll und es herrscht bereits vor Showbeginn ausgelassene Stimmung. Das Gekreische der Frauen kündigt den Rapper an und übertönt fast die Musik. Die vielen Handykameras starren gespannt auf die Bühne. Energiegeladen, gut gelaunt und natürlich gutaussehend stürmt Kontra K die Deichbrand-Bühne und liefert eine super Performance. Der Familienvater, Boxer und Coach schreibt gern über sich selbst und über sein Leben und daher findet sich seine Hörerschaft problemlos in den Texten wieder. Wo andere Rapper auf Gangster und unnahbar machen, da kommt Kontra K den Fans lieber nahe. Für die zahlreichen weiblichen Zuschauer zieht Kontra K natürlich wieder blank und rappt sich oberkörperfrei durch sein Live-Set. Um es in den Worten der Fans zusammen zu fassen: Das war Abriss pur und das schon um 15:00 Uhr!

Editors

Mit ihrer nagelneuen Scheibe „Violence“ (Vö 3-2018) im Gepäck, führen die Editors in das frühe Abendprogramm. Sänger Tom Smith füllt die große Bühne mit seiner charakteristischen Gestik und Bewegung von Beginn an aus. Diese einzigartige Performance zieht jeden in seinen Bann. Nicht zuletzt, weil seine Augen oft den direkten Kontakt zu den Fans zu suchen scheinen. Die Setlist ist ein Mix aller Alben der letzten 13 Jahre, da bleibt kein Fanwunsch offen. Immer wenn Elliott Williams seine Keys gegen die Gitarre tauscht, kommen auch die Fans der ersten Stunde mal auf ihre Kosten. Die vierköpfige Indie-Rock-Band aus England brennt leidenschaftlich für ihre Musik und weiß ganz genau, wie sie damit die Zuschauer begeistern.

yung hurn

Kaum ist Yung Hurn auf der Bühne, ist er auch schon wieder von selbiger herunter – aber nur, weil der Wiener Hip-Hopper gleich zum Beginn der Show den Kontakt zu seinen Fans sucht und die ersten Takte seines Eröffnungssongs direkt bei und mit den Zuschauern performt. Sympathisch. Besser hätte er sein Live-Set fast gar nicht starten können, so zieht man die Besucher in den Bann und sorgt für viele glückliche Gesichter. Egal ob ruhige Töne oder volle Breitseite, Yung Hurn bleibt mit seinen Beats und den teils ironischen Texten dem Mainstream fern und erfrischt damit einmal mehr das Musikbusiness.

Milliarden

Die Rockband aus Berlin besteht im Grunde aus Sänger Ben Hartmann und Kollege Johannes Aue. Das Rock-Duo genießt noch mittlerweile nicht mehr den Newcomer-Status, darüber sind sie längst hinaus – denn bisher mischen sie die deutschsprachige Musiklandschaft ganz gut auf. Mit ihrer Musik (er)schaffen sie etwas, teilen etwas, verändern etwas – so der Plan. Kantige deutsche Lyrics prallen hier auf eingängige Harmonien und einen rebellischen Punk-Spirit, bittersüß, roh, ungeschönt und leidenschaftlich, aber auch tief berührend. Das sich die beiden Jungs nicht zwischen Deutschrock, Liedermachertum und Pop entscheiden wollen, singen sie stattdessen von Freiheit, Schmerz, Liebe, Sehnsucht, Wut – einfach all den Emotionen, die wir alle auch selbser auch sehr gut kennen.

Freundeskreis

Wer Bock hat auf coolen Hip-Hop mit einem Retro-Hang dafür aber ambitionierten, fast literarischen Texten, der sollte sich den rappenden Freundeskreis (FK) keinesfalls entgehen lassen. Genau das denken sich wohl auch die meisten Zuschauer vor der Water Stage gegen 21:00 Uhr. Der dreiköpfige Freundeskreis ist für die aktuelle Hip-Hop-liebende Generation vielleicht etwas old-school, aber Max Herre, Don Philippe und DJ Friction  kommen mit taufrischem Sound daher. Da bleibt natürlich keiner ihrer Hits auf der Strecke: „A-N-N-A“, „Mit Dir“, „‘Tabula Rasa“ oder „Esperanto“ werden textsicher seitens des Publikums mitgesungen. Schließlich sind die langjährigen Musiker nicht nur erfahren was Live-Performance angeht, neben den Songs der Beginner, haben Freundeskreis immerhin mit die besten deutschen Hip-Hop-Alben rausgehauen. 90er Jahre-Deutschrap vom Feinsten, ehrlich und melodisch, das kam damals an und tut es auch heute noch. Von hinten wie von vorne: top Musiker, top Songs!

The Killers

In 2003 haben die vier junge US-Musiker aus Las Vegas/Nevada ihre Heimat verlassen um ihr allererstes Konzert überhaupt in London zu spielen, dort haben sie noch mit drei anderen Bands auf dem Werbeplakat gestanden, allerdings ganz oben. Mittlerweile sind 15 Jahre ins Land gegangen, 20 Millionen Alben hat die Band verkauft, sie sind Headliner der größten Festivals der Welt gewesen und sind u.a. im Weißen Haus aufgetreten. Wer die vierköpfige Rockband live zu sehen bekommt, was in Deutschland gar nicht so häufig der Fall ist, kann mit einem regelrechten Hit-Feuerwerk in der Setlist rechnen. Ein Großteil ihrer Musik basiert auf britischen Einflüssen und auf der Musik der 80er Jahre, insbesondere New Wave. Frontmann Brandon Flowers und seine Bandkollegen ziehen so gut wie jeden Festivalbesucher vor die Fire Stage am Samstagabend. Kein Wunder, denn The Killers bestechen mit eingängigen Klaviermelodien, funkigen Synthesizer und pumpenden Bässen – gepaart mit Killers-typischen, kräftigen Gitarren sowie Texten, die in der modernen Musiklandschaft ihres Gleichen suchen. Wer mag so etwas nicht?

Bilderbuch

Es ist gar nicht leicht jemandem zu erklären, was genau Bilderbuch eigentlich ausmacht: Prince gemischt mit Falco? Und gar einer Spur Reinhard Fendrich? Aber doch auch ganz anders. Es ist eine Melange aus Soul, Funk, Hip-Hop, Boyband und Austropop. Aus Lässigkeit, Melancholie, hintergründigem Humor und jeder Menge witzigem Schwachsinn. Die Art, wie Lead-Sänger Maurice Ernst nach Belieben die deutsche Sprache staucht, dehnt und in Scheiß-der-Hund-drauf Manier mit englischen, spanischen, wienerischen, italienischen Elementen spickt und neu erfindet. Das ist Sex pur! Und das Publikum gerät sofort in Ekstase, wenn Gitarrist Michael Klammer sich um seine Gitarre windet oder Peter Horazdovsky unaufgeregt seine Bassgitarre bearbeitet. Drummer Philipp Scheibl schleppt den Beat genau richtig durch das Liveset und Maurice schreitet gockelhaft zwischen den Gitterstäben des Bühnenbildes umher – nur um dann lasziv seinen Allerwertesten in die Menge zu recken: „Sag es laut. Jaul es raus. Gib es zu. Du bist hinter meinem Hintern her.“ – Ja, das sind wir!

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Grau vs. bunt: Das MS Dockville 2017 in Hamburg

Letztes Wochenende fand ein episches Battle statt: das graue Hamburger Wetter gegen das wohl bunteste Musikfestival des Nordens – das MS Dockville 2017, das vom 18. bis zum 20. August in Hamburg stattfand.

Das MS Dockville, wer kennt es nicht. Zumindest hier in Hamburg. Auch wenn man gar nicht hin will, kommt man ums Dockville nicht drum herum. Schon viele Wochen vorher begegnet es einem auf Facebook und Instagram, auf weit ausgeschnittenen T-Shirts und Jutebeuteln, auf Postern, Plakaten und Flyern im Schanzenviertel. Dockville hier, Dockville da. Jeder Hipster zwischen 14 und 34 redet, schreibt und postet in den sozialen Netzwerken darüber.

MS Dockville 2018 Tickets + Infos:

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Kein Wunder, das Dockville 2017 ist äußerst instagramable: es ist bunt, lebensfroh, kreativ und sehr fotogen. Nicht ohne Grund nennt es sich „Festival für Musik und Kunst“. Das Gelände in Hamburgs wildem Süden ist vollgestopft mit Kreativität und sympathischem Wahnsinn. Bei meinem Rundgang hab ich einen riesigen Mader aus Schrott entdeckt, einen regenbogenfarbenen Tunnel, einen Wal, der aus dem Boden auftaucht, ein Holzkopf, aus dem ein Baum sprießt, eine riesige, knallbunte Lokomotive, die aussieht als wäre sie direkt aus einem LSD-Rausch hier hergefahren, außerdem zahllose Kunstinstallationen aus Fäden, Spiegeln, Gittern und Containern. Hier ist wirklich nichts normal. Gut so.

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Bunt. Bunter. Dockville.

Neben den drei große Bühnen „Großschott“, „Vorschott“ und „Maschinenraum“ gibt es viele kleine Bühnen, die liebevoll dekoriert sind: im „Nest“, das sich in Bäume und Büsche eingenistet hat, legen DJs vor den Pfeifen einer Kirchenorgel auf. Zu einer anderen Bühne kommt man nur, wenn man einen verschlungenen Pfad durch die Büsche geht. Eine Cocktailbar ist in einer kleinen Burg aus Holz. Irgendwo hinterm Foodcourt legt ein DJ in Wohnwagen auf. Dazu kommen noch viele weitere Bühnen, Bars, Clubs und Shops.

Das Dockville ist eine bunte Insel, umgeben von spektakulären Industrieanlagen. Zum Beispiel das Getreide Terminal, das in seiner gigantischen Klotzigkeit abschreckend und beeindruckend zugleich ist. Außerdem bietet es die wohl größte Leinwand der Welt: Nachts strahlt ein Beamer vom Festivalgelände aus bunte Illustrationen auf die Wand des riesigen Getreidelagers.

Freitag: knietief im Matsch.

Als ich Freitagnachmittag auf dem MS Dockville Festival ankam, sah der Himmel schon bedrohlich dunkeldunkelgrau aus. Und dann öffneten sich die Schleusen: es regnete und regnete und regnete. Ich glaube, zwischen 22:34 und 22:36 Uhr war’s mal kurz trocken, ansonsten hat’s durchgeschüttet. Das hat natürlich dazu geführt, dass sich ein Großteil des Geländes in ein riesiges Schlammbad verwandelt hat. Wer jetzt romantische Woodstock-Szenen erwartet hat, in denen nackte Menschen sich die Klamotten vom Leib reißen und ausgelassen im Matsch tanzen, wurde enttäuscht. Irgendwann kroch jedem die Kälte und  Feuchtigkeit in den Nacken und man sehnte sich nach dem warmen, sonnigen Dockville 2016 zurück. Hach.

Trotzdem war die Stimmung ausgelassen. Nicht vergessen, wir sind in Hamburg. Wer sich hier wegen Regen beschwert, soll nach München ziehen. Die meisten der 20.000 Festivalbesucher haben einfach Gummistiefel angezogen und im Regen gefeiert.

SSIO

Die ersten Acts hatten schon am frühen Nachmittag ihren Auftritt. Für mich ging’s erst gegen 20:30 richtig los, als SSIO auf die Hauptbühne trat. Wer wissen will, was ich von deutschem Gangsterrap halte, soll sich meinen Stagr-Bericht vom Kollegah-Konzert durchlesen. Aber SSIO ist kein normaler deutscher Gangsterrapper. Er schafft es, gleichzeitig witzig und authentisch zu sein. Funky Straßenrap, der sich einen dicken Pelzmantel Ironie angezogen hat. Man erinnere sich an das Video von „Nullkommaneun“, in dem SSIO mit einem Schaf an der Leine posiert hat – und nicht mit einem Pitbull wie seine Kollegen. Mit „Nullkommaneun“ ging’s dann auch druckvoll los. Tausende Fans haben gegen den Dauerregen angefeiert und auf SSIOs Kommando die Arme hin und her bewegt: „Alle Arme in die Luft! Zeigt eure Achselhaare!“ Spätestens bei Zeilen wie „Halb Mensch, halb Nase, Entchen vom Dreier mit Sandalen“ musste jeder der tausenden Fans breit grinsen und mitfeiern.

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Tash Sultana

Weiter ging’s mit Tash Sultana. Von ihr hab ich leider nur ein, zwei Lieder mitbekommen. Die Auftritte beim Dockville sind sehr eng getaktet – es ist kaum möglich, alle Musiker zu sehen, die man sehen will. Man rennt von Bühne zu Bühne und verpasst trotzdem immer die Hälfte. Aber das, was ich von Tash Sultana sehen und hören durfte, war richtig gut. Die Singer-Songwriterin aus Australien spielt nach eigenen Angaben über 10 Instrumente und hat auch auf dem Dockville gezeigt, was sie an der Gitarre, am Mikro und an anderen Instrumenten drauf hat. Bei all dem hat sie gegrinst, Grimassen gezogen und ihre eigene Musik genossen wie die Fans vor der Bühne. Ein toller Auftritt, von dem ich gerne mehr mitbekommen hätte.

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Yung Hurn

Von wem ich Gottseidank auch nicht viel mitbekommen habe, ist Yung Hurn. Als jemand, der mit den Boom Bap Beats der Golden Era des Hip Hops aufgewachsen ist, kann ich mit Yung Hurn überhaupt nix anfangen. Ist jetzt ernst gemeint oder ironisch? Ist das Kunst oder kann das weg? Klar, das ist ironisch. Von mir aus kann’s trotzdem weg. Die Beats sind einschläfernd und die Raps sind keine Raps, sondern nur monotones, bekifftes Gelaber: „Pretty Baby, ich sag pretty Baby ich sag pretty pretty pretty Baby.“ Flow, Storytelling und schlaue Reime sucht man bei Yung Hurn vergebens. Schnell weiter zur nächsten Bühne.

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Flume

Um 22:15 dann der Main Act auf der Hauptbühne: Flume. Der Electro-DJ aus Australien hat mit 13 Jahren seine ersten Beats gemacht, als er ein Musikprogramm als Beilage einer Cornflakes Packung entdeckt hat. So so. Auf dem Dockville spielt er seine avantgardistischen Electro-Songs, bei denen abgehackte Samples und flächige Sounds auf tiefe Bässe treffen. Ab und zu war auch mal die Stimme einer Sängerin und eines Rappers zu hören. Aber keiner von denen war auf der Bühne. Kann aber auch sein, dass ich die wegen der imposanten Lightshow nicht gesehen habe. Bunte Lichter, Neonröhren, Rauch, Konfetti, volles Programm. Die riesige Crowd vor der Bühne hat ihn dafür abgefeiert. Ich kann mich auf Festivals eher für Bands begeistern, die mehr machen, als hinterm DJ-Pult zu stehen.

Von Wegen Lisbeth

Zu guter Letzt dann Von Wegen Lisbeth. Die Berliner Band um Sänger und Gitarrist Matthias Rohde stand um 22:40 auf der zweitgrößten Bühne, dem „Vorschott“. Hinter den Musikern war eine Schmetterlingstapete mit riesigen, von Blättern umrankten Leuchtbuchstaben: VWL. Vor der Bühne war’s brechend voll, deswegen konnte ich den Auftritt nur aus der Ferne beobachten: Indie-Pop, der teilweise auch mal mit ungewöhnliche Instrumente gespielt wurde, zum Beispiel ein Kinderglockenspiel. Nach Flume tat es ganz gut, ein paar Live-Instrumente zu hören.

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20 Jahre – runde Fete, runde Sache beim Melt Festival 2017

Gleich zwei Festivals fanden auch in diesem Jahr wieder innerhalb einer Woche in Ferropolis bei Gräfenhainichen statt. Damit hatten die Veranstalter gleich zwei runde Jubiläums-Veranstaltungen in der Stadt aus Eisen zu organisieren. 20 Jahre wurde das beliebte Hip-Hop-Open-Air splash! Festival 2017 am Wochenende des 7. – 9. Juli alt, nun folgte am Wochenende darauf vom 14. – 16. Juli das Melt Festival 2017 mit seinem 20. Geburtstag. Das Wetter war allerdings nicht durchgehend in Feierlaune. Der Sommer in diesem Jahr bescherte bisher bereits vielerorts Regen und Gewitter, einige Sommerfestivals mussten daher schon unterbrochen werden oder versanken im Matsch. Das Melt Festival 2017 hatte da mehr Glück, wobei Nieselregen gerade zu Beginn an noch etas auf die Stimmung drückte. Ausgelassen und euphorisch wurde es aber trotzdem.

Sieben Festivalbühnen hielten drei Tage lang von Freitag bis Sonntag ein buntes Programm aus nationalen, aber vor allem auch internationalen Größen bereit. Die Antwoord, M.I.A., Phoenix, The Kills, Bilderbuch, Fatboy Slim und natürlich auch noch viele aufstrebende Acts. Mit einer Warm-Up-Party am Donnerstag Abend startet die Jubiläumsfete auf dem Sleepless Floor. Der britische Musiker und DJ Norman Cook aka Fatboy Slim ließ ganze 4 Stunden lang seine fetten, tanzbaren Beats aus den Boxen erklingen.

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Melt Festival 2018 / Melt 2018

Melt Festival 2017 – Freitag

Offiziell eröffnet wurde das Festivalgelände mit der Industriekulisse gelegen am idyllischen Gremminer See am Freitag mittag. Internationalität war das Motto des ersten Festivaltages. Die Newcomer-Band Von Wegen Lisbeth hatte einen Nachmittags-Slot ergattert. Das Berliner Quintett ist derzeit aus dem Radio gar nicht mehr wegzudenken und so rockten die Indie-Popper vor einer Menge Fans.

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Rapperin M.I.A., bekannt für ihre grellen und extravaganten Looks, wurde an diesem Abend als Hauptact gehandelt. Ihr Grime-Rap gepaart mit dem Sound diverser Electro- & Dances-Mixes sorgte für beschwingte Begeisterung. Die Show hat einen aber leider auch nicht wirklich aus den Socken gehauen. Doch immerhin war es M.I.A.s einzige Liveshow in diesem Jahr in Deutschland. Als echtes Festival-Highlight entpuppte sich auch der Auftritt von Kamasi Washington, der emotionalen Jazz mit Saxophon und seiner eindringlichen Stimme spielte. Es war zeit für feuchte Augen. Britin Kate Tempest ist mehr bekannt für ihr lyrischen Ergüsse als Autorin, bewies  auf der Bühne aber ziemlich gut, was für eine Wucht gesprochene Worte unterlegt mit gutem Sound erzeugen können. Erst spät ging es für Richie Hawtin auf die Stage, schon wieder Regen und so zog es einige Besucher wohl schon ins Zelt. Wer blieb wurde belohnt, mit seiner neuen Live-Show „Close“ konnte der populäre DJ und Techno-Produzent wirklich überzeugen.

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