Fallback

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Ein energiegeladener Abend mit Beartooth in Hannover

Wenn die Festivalsaison startet, beinhaltet dies auch meistens den Auftakt für kleinere, intime Clubshows von größeren Bands. So auch in diesem Fall mit Beartooth, die sich das Musikzentrum in Hannover für genau dies ausgesucht haben. Mit dabei sind Silverstein. Schnell ist das Konzert ausverkauft und noch bevor eine Band auf der Bühne steht, ist der Raum aufgeheizt. Beste Voraussetzung, damit keiner das Konzert ohne Schweiß auf dem ganzen Körper verlässt.

Silverstein

Pünktlich stehen Silverstein auf der Bühne und wissen sofort zu begeistern. Der Pit öffnet sich bereits beim ersten Song und wer nicht dort ist, singt laut mit. „Thank you for having us in this cool ass venue with our best Friends in the world Beartooth“, sagt uns Sänger Shane Told. Das Set beschränkt sich dabei nicht auf das erst letzten Monat erschienene Album “Misery Made Me”, sondern hat auch viel Altes dabei, wie den Song “My Heroine”, der bereits zu Beginn gespielt wird. „Let us see the biggest circle pit of the night“, spornt uns Shane an und sollte diesen auch vorerst bekommen. Aber auch ohne großes antreiben ist das Musikzentrum in ständiger Bewegung. Immer wieder rufen die Fans den Bandnamen im Chor, „I love that, it gives me time to drink beer“, lacht Shane, nachdem er einen großen Schluck genommen hat. „This is the last one, you better sing it“, sagt er schließlich, während die ersten Töne von „Smile in your sleep“ erklingen und das Publikum nochmal lautstark mitsingt. Wer noch nicht genug bekommen hat, darf sich im Dezember auf eine Headline Tour freuen, bei dem Shane verspricht noch mehr Songs als heute zu spielen.

Beartooth

Während der Umbaupause wird die Stimme warm gehalten, während verschiedene Metalcore Klassiker aus den Boxen hallen. Als dann Beartooth auf die Bühne kommen, ändert sich das nicht. Schon beim ersten Song “Below” wird lauthals mitgesungen, während Mastermind Caleb Shomo wie wild über die Bühne springt, bzw. auch von der Bühne und direkt ans Publikum. Man könnte diesen Moment als Verschiebung der Energie betrachten, denn ab nun scheint auch das Publikum nicht mehr still stehen zu können. Der Pit ist groß und erbarmungslos. “Hannover, it’s been too fucking long”, sagt er uns mit einem Grinsen im Gesicht und startet direkt in den nächsten Song. Vor knapp einem Jahr erschien das letzte Album der Band, “Below”, entsprechend ist das Set von diesem sehr geprägt.

“Open it up, this is the fastest song we got, this is ‘Dominate’”, sagt uns Caleb und leitet damit den größten Circle Pit des Abends ein. Mehr als die Hälfte der Halle läuft sichtbar freudig im Kreis und bricht damit den vorherigen Rekord von Silverstein an diesem Abend. “I need your help with this one, it’s a sing along”, sagt er später, um den Song “Afterall” einzuleiten. Caleb bleibt aber heute nicht nur am Mikro. Zu den Songs “Hell of it” und “Fed up” greift er selbst zur Gitarre, was ihn aber nicht davon abhält weiter über die Bühne zu springen. Immer wieder spornt er uns weiter an. “When I count to 4 I want to see one fucking mosh pit, fuck this place up”, befiehlt er, worauf das Musikzentrum zu einem großen Pit wird, noch größer als zuvor. Dennoch zeigt er sich zugleich sehr dankbar. “I know I say this a lot but thank you for coming to this Show tonight from the bottom of our heart”, sagt er. “Germany is hands down our favorite place to play and Hannover you are the reason why. Every show is fucking amazing, so thank you, thank you, thank you for supporting us”, erzählt er grinsend weiter, bevor er weiter über die Bühne hüpft.

Langsam finden nach vereinzelt Crowdsurfer ihren Weg nach vorne, welche sanft von er Security wieder abgesetzt werden. Zum letzten Song, “In Between” wird es nochmal laut. Das Publikum stimmt lautstark mit ein und singt noch nach dem Song mit Caleb zusammen weiter. Dieser am Ende auch ohne Mikro. Natürlich gibt es noch eine Zugabe. Caleb entledigt sich hierzu zunächst seiner Jacke und gibt nochmal alles zu “The Past is Dead” und passenderweise “The Last Riff”. Zu letzterem packt Caleb auch nochmal die Gitarre aus, bevor die Musiker schließlich wortlos die Bühne verlassen und uns so in die kühle Nacht verabschieden. Die Abkühlung war zu diesem Zeitpunkt auch bitter nötig.

Beartooth in Stuttgart – Gingen im LKA Longhorn durch die Decke

Ausverkauftes Haus meldete das LKA in Stuttgart vor knapp zwei Monaten für die erste Show der „The Disease Tour“ von Beartooth in Deutschland. Mit an Bord waren The Amity Affliction und der Opener Higher Power gemeldet. Entsprechend voll war es am Sonntag, den 16. Februar 2020, als die Tour in Stuttgart ihren Auftakt hatte.

Der Opener Higher Power hatte es nicht gerade leicht. Mit Ihrer Mischung aus Hardcore Punk, Crossover Thrash und Melodic Hardcore wollte der Funke im schon gut gefüllten LKA irgendwie nicht zwischen den Engländern und dem Publikum überspringen.

the amity affliction

Die Australier The Amity Affliction hatten damit weniger Probleme. Es waren genug Fans der Band am Start und so wurde fleißig mitgesungen, gesprungen und fröhlich Circle Pits gestartet. Die neuen, erst veröffentlichten Songs kamen genau so gut an, wie die altbekannten. Einige der Songs waren: „Coffin“, „All My Friends Are Dead“, „Open Letter“, „Soak Me in Bleach oder Ivy (Doomsday)“. Etwas abrupt endete allerdings das Set von The Amity Affliction nach 40 Minuten. Die Musiker verließen fast schon fluchtartig die Bühne.

Beartooth

Um 21:15 Uhr enterten die Melodic Hardcore Punker Beartooth aus den USA die Bühne im LKA. Gleich mit einem großen Knall eröffnete der Song „The Lines“ die Show, denn es wurde direkt Konfettiregen abgeschossen. Beartooth zögerten nicht lange und gaben direkt alles. Kaum waren die Amerikaner auf der Bühne, blieb nichts mehr da, wo es vorher gewesen ist. Das Publikum war sofort laut zu hören, aber auch Crowdsurfer waren schnell auf den Köpfen der Massen. Sänger Caleb Shomo sprang von der ersten Note an kreuz und quer über die Bühne und heizt immer wieder die Zuschauer an. Songs wie „Enemy“, „Hated“ und „Aggressive“ steigerten die Hitze im LKA. Die vielen Crowdsurfer forderten den Securitys vom ersten Song Höchstleistungen ab. Den nächsten Song kündigte Caleb als einen Metal-Song für alle Metal-Fans an und startete das Intro zu „Bad Listener“. Überall in der Halle sah man Pommesgabeln und fliegende Haare. Die Stimmung war extrem gut! Die Band nutzte ihre mitgebrachte Bühne mit Treppen und Steg hinter dem Schlagzeug perfekt. Bassist Oshie bearbeitete immer wieder den Bühnenboden mit wütendem Fußstampfen, während die beiden Gitarristen eher etwas gemütlicher unterwegs waren.

Zwischen den Songs kamen immer wieder ein paar charmante Ansagen vom Sänger: Eine davon „Deutschland ist unser
liebstes Land zum Spielen“. Der Frontmann wusste jedenfalls gut, wie man die Fans bei Laune hält. „Sick of Me“, „Body Bags“ und der Titeltrack ihres aktuellen Albums „Disease beendeten“ den Hauptteil der Show. Mit „In Beetween“ kam die Band noch einmal für eine Zugabe zurück auf die Stuttgarter Bühne und damit verabschiedeten sich die Jungs aus Columbus in Ohio standesgemäß von den Fans. Ein hervorragender Tourstart mit Beartooth als absolut starken Headliner. Von dieser Band wird man mit Sicherheit noch viel mehr und viel häufiger etwas hören.

So war das Full Force 2019: Ein bunter Strauss aus Core-Sounds

Bei brütender Hitze feierten 16.000 Fans der härteren Genres Metal, Hardcore und Punk beim Full Force Festival 2019 in der Eisenstadt Ferropolis. Das Kultfestival in Sachen „Core“ ging am idyllischen Gremminer See in seine 26. Runde. Am Donnerstag konnten sich die Besucher bei der Warm-Up Party in der Open Air-Disco mit Hits aus Hardcore, Metal und NDH in Stimmung für das bevorstehende Wochenende bringen. Von Freitag bis Sonntag fanden täglich unzählige Konzerte statt, die verteilt auf drei verschiedenen Bühnen liefen (Mad Max Mainstage, die Hardbowl Tentstage sowie die Medusa Seebühne direkt am Strand). Alles harmonisch integriert in die imposante Tagebau-Kulisse und mit jeder Menge Pyrotechnik ausgestattet. Musikalisch ging es natürlich in die Vollen, verschiedene Genre-Vertreter wie Limp Bizkit, Parkway Drive, Arch Enemy, Behemoth, Flogging Molly, Knorkator, Lamb Of God, Terror, Kadavar, Zeal and Ador, Jinjer, While She Sleeps und viele mehr sorgten an allen Festivaltagen für beeindruckende Shows, außergewöhnliche Klänge und ausdauernde Bühnenperformance.

In diesem Jahr bot das das Full Force Festival auch viel Neues zu entdecken und das nicht nur in Bezug auf das musikalische Programm. Themen wie Nachhaltigkeit und respektvoller Umgang miteinander aber vor allem mit dem Veranstaltungsort selbst, wurden in den Vordergrund gerückt und durch die Festivalbesucher positiv angenommen. Mit dem neuen Projekt (FAIR)OPOLIS haben Organisationen u. a. wie dem Foodsharing und der Hardcore Help Foundation einen Ort geschaffen, wo die Festivalfans auf Sitzbänken und Hängematten entspannen und sich über interessante Themen informieren sowie an Workshops teilnehmen konnten. Vor Ort sammelten Teams während der Festivaltage Müll ein. Die große Discokugel auf dem Gelände wurde mit Wasser gefüllt und versprühte eine willkommene Abkühlung beim Tanzen.

An den ersten zwei Festivaltagen sorgten zu wenig Shuttlebusse zum und vom Gelände weg für längere Wartezeiten und bei den hochsommerlichen Temperaturen scheuten viele den Fußweg von knapp 30 Minuten bis zum Zeltplatz. Am Sonntag entspannte sich die Shuttlesituation aber deutlich, es wurden mehr Busse eingesetzt.

Der direkt ans Festivalgelände angrenzende Gremminer See wurde natürlich täglich zum Baden (und vor allem auch zum Nacktbaden) genutzt. Die Hitze ließ bei vielen Besuchern Hemmungen und Hüllen gleichermaßen fallen. So wurden im Publikum doch recht häufig Männer auch nur mit Schuhen an den Füßen gesichtet.

Bands am Full Force 2019 Freitag:

Mit der Band Bleeding Through startete das Festivalprogramm am Freitagnachmittag um 16:00 Uhr auf der Mainstage. Die US-Metalcore-Band aus Orange County/Kalifornien, die seit 1999 existiert, bot eine Dreiviertelstunde lang ein energisches Startprogramm, um in Stimmung zu kommen. Die Band hatte einige Jahre Pause und kündigte in 2018 ihre Reunion und ein neues Album an. Beim Full Force 2019 konnte das Core-Sextett um Frontmann Brandan „Sheep“ Schieppati mit ihrer genialen Mischung der beiden Metalstile Death und Black Metal punkten.

Mit Wolfheart startete auch endlich das Programm auf der Seebühne. Was hätte man sich bei den heißen Temperaturen besseres wünschen können, als direkt am Badesee mit Strand die besten Sounds des Tages zu genießen. Leider musste die Band aus Finnland mit Startschwierigkeiten beim Sound loslegen, zum Glück ging es dann aber schnell besser weiter. Tuomas Saukkonen und seine vier Mannen gaben alles an der doomlastigen Metalfront – ein atmosphärisches, emotionales und melodisches Konzerterlebnis.

Zurück auf der Hauptbühne ertönten kaum die ersten Klänge durch die Boxen, schon konnte man beim Auftritt von Any Given Day die ersten Crowdsurfer beobachten. Aber auch sonst gab es Pits wohin das Auge reichte. Die deutschen Metaller sorgten unaufhörlich, u.a. mit grandiosen Hits wie „Home Is Where The Heart Is“ dafür, dass die Securitys vor der Bühne kaum eine Atempause hatten. Fünf progressive Musiker, die vor allem an der Front mit Dennis Diehl eine starke Besetzung vorweisen konnten und durch die tief gestimmten Gitarren und schmetternden Drums die Hölle im Field losbrechen ließen.

Was Bewegung auf der Bühne angeht konnten sich jede Menge Bands etwas von Sick of it All abschneiden. Die NYC-Hardcore Band sprang wie wild über die Mainstage als gäbe es kein morgen. Vor der Bühne war der Hitze geschuldet zuerst wenig los, was sich nach einer Bemerkung von Sänger Lou und dem ersten ihrer energiegeladenen Klassiker schnell änderte. Danach sprangen Band und Publikum nahezu um die Wette und machten die Show zu einer schweißtreibenden Angelegenheit. Kein Wunder, denn 30 Jahre lang brettern Sick of It All schon erfolgreich durch die Hardcore-Landschaft.

Mit den Black Metallern von Behemoth ging die Mainstage wortwörtlich in Flammen auf. Die polnische Band um Frontmann  Adam Darski („Nergal“) zeigte direkt im Intro mit Fackeln, in welche Richtung es gehen würde. Feuersäulen bzw. Feuerbällen, brennende Mikros und ein regelrechtes Flammenmeer gab es hier zu bestaunen. Und das bei den bereits sommerlich-hohen Temperaturen. Mit neuen wie auch altbekannten Songs ließen Behemoth und vor allem Nergal in perfekter, düsterer Inszenierung und mit Kunstblut ihre großartige Musikmischung aus epischem Black Metal, atmosphärischer Schwarzkunst und Gothic-Rock auf das Publikum einprasseln.

Was das Finale am Freitagabend auf der Mainstage anging, war das nichts für zarte Ohren. Dort gaben sich die Australier von Parkway Drive die Ehre. Ihr Sound hatte es in sich – Hardcore, Death Metal, Metalcore, im proppenvollen Infield warteten die Zuschauer willig, um sich eine Rundum-Schelle von den fünf Down Under-Dudes abzuholen. Frontmann Winston stellte wieder einmal unter Beweis, wie vielseitig er ist und das er seiner Rolle als Vokalist ernst nahm. Hinzu kam die perfekt eingewobene Instrumentalisierung, die mit voller Wucht in Ohren und Herzen der Zuschauer ballerte. Die Truppe ließ es krachen und schonte die feierwütige Meute vor der Bühne keine Sekunde.

Full Force 2020: Infos + Tickets

Abriss nach Plan – Architects in Hamburg

Fast ein ganzes Jahr ist es her, dass es Architects das letzte Mal durch Deutschland getrieben hat. Grund genug, um sich mit dem neuen Album „Holy Hell“ erneut auf die Straßen zu begeben und damit die größte Tour seit Bandbestehen zu feiern. Letzter Halt der aktuellen Tournee ist Hamburg, die nebenbei noch den Rekord für die größte Show außerhalb Londons darstellt. Begleitet werden Architects auf ihrer musikalischen Reise von der US-Hardcore-Band Beartooth und den wohl größten Aufsteigern der Szene der letzten Jahre: Polaris aus Down Under.

POLARIS

Einige Monate vorher noch vor wenigen hundert Leuten und jetzt schon auf den ganz großen Bühnen. Für die Australier geht ein Wunsch in Erfüllung. Aber nicht nur das: „massiv thanks for this. this is a fucking dream come true playing with bands we always looked up to“ kommentiert Sänger Jamie Halls seine Erfahrungen der letzten Wochen. Wie sehr die Band sich freut, kann man ihnen förmlich in den Gesichtern ablesen. Eine wahnsinnige Energie geht von der Bühne aus. Auch wenn es Vorbands oftmals schwer haben den Leuten richtig einzuheizen, hier das nicht der Fall. Mit Beginn der ersten Töne von „The Remedy“ ist die Stimmung genau da, wo sie sein soll, und nimm nicht mehr ab. Es wird geklatscht und gesprungen was das Energiereserven hergeben. Leider ist das Set mit 30 Minuten recht kurz, am Ende sind sich aber alle sicher: Diese Band sollte man nicht aus den Augen verlieren.

Beartooth

Beartooth zögern nicht lange und geben direkt alles. Kaum sind die Amerikaner auf der Bühne, bleibt nichts mehr da, wo es vorher gewesen ist. Das Publikum ist sofort laut zu hören, aber auch Crowdsurfer sind schnell auf den Köpfen der Massen. Trotzdem zeigt sich Sänger Caleb Shomo noch nicht zufrieden: „Where is my fucking moshpit?“. Wenig später ändert sich das jedoch. „Germany is Beartooths favorite fucking place to play in the world and the reason is you are the craziest motherfuckers!“. Man kann der Band ansehen, dass sie dies nicht nur zum Spaß sagen. Wie auch schon Polaris strahlen Beartooth eine Energie aus, die es unmöglich macht, sich nicht anstecken zu lassen. Dabei präsentieren sie Songs aus sämtlichen Bandjahren, wobei der Fokus mit auf dem neusten Werk „Disease“, liegt, was Ende letzten Jahres erschienen ist. Am Ende bezeichnet Sänger Caleb den Auftritt als den besten der ganzen Tour und damit als perfekten Abschluss.

Architects

Der Titel des ersten Songs des Abends fasst die letzten Jahren von Architects gut zusammen: „Death is not Defeat“. Spätestens mit dem neuesten Album „Holy Hell“ sollte das jedem klar sein, auch wenn es nicht immer einfach für die Band war. Entsprechend werden sie vom Publikum ab der ersten Sekunde gefeiert. Ist es auch nur wenige Sekunden zwischen den Songs ruhig, werden diese durch laute „Architects“-Rufe gefüllt. Das Publikum ist mit Leib und Seele bei der Band. Das passt perfekt zur folgenden Idee, denn zum Song „Holy Hell“ hat die Band den Standort Hamburg für ein Live-Video ausgesucht. So sagt Sänger Sam Carter „we want to show the rest of the world how fucking crazy Hamburg is“. Und sogleich legt das Publikum nochmal einen Zahn zu. Lautes Mitsingen, extra viele Crowdsufer und ein riesengroßer Pit. Architects zeigen sich aber auch immer wieder dankbar gegenüber den Fans. Sam dankt dafür, dass so viele Besucher hier sind und sie nun in größeren Hallen spielen, als sie es sich jemals hätten träumen lassen. Aber der Frontmann kann auch anders. So spornt er die Menge zu „These Colours Don‘t Run“ mit den Worten „we are not here to fuck around, make it bigger“ an. Gespielt wird an diesem Abend das neuste Album in fast kompletter Länge. Aber auch viele Klassiker der vorherigen Alben finden ihren Platz. Die Bühne ist schlicht gehalten. Lediglich eine große Leinwand bedeckt die hintere Bühnenseite, auf der immer wieder Videoausschnitte eingeblendet werden. Abgerundet wird die Show durch gezielt gesetzte Pyro-Effekte. Den Rest macht die Musik.

Architects beenden schließlich ihr Set mit dem letzten Song des Album „A Wasted Hymn“, um das erste Mal die Bühne zu verlassen. Bei der Zugabe steht eine Person klar im Fokus: Tom Searle. Das verstorbene Bandmitglied ist immer noch Dreh- und Angelpunkt der Band. So wird ihm der Song „Gone With The Wind“ gewidmet, auf den das Publikum mit vielen Herzen Richtung Bühne antwortet. „I woud give everything for Tom to see this, all that he created to be played in this venues so thank you very much“, so Sam Carter. Anschließend bedankt er sich auch bei seiner Band und besonders Drummer Dan Searle, ohne den alles nicht möglich gewesen wäre und allen durch die letzten harten Jahre geholfen hat. Ohne ihn hätte es nie ein neues Album gegeben. Mit „Doomsday“ beenden Architects, unter viel Konfetti, schlussendlich ihr großartiges Set.

So war das Reload Festival 2018 am Freitag

Eher muffelig als mit Motivation schleppen wir uns um kurz nach elf am Morgen vor die Bühne. Gestern die Party war einfach krass. Anreisebedingt konnten wir erst zu ZSK vor Ort sein, haben uns aber erzählen lassen, dass vorab Counterparts und Annisokay auch schon ziemlich Party in dem kleinen Zelt veranstaltet haben. Naja, und wenn sich bei ZSK sogar ein Polizist dazu hinreißen lässt mit dem privaten Handy zu filmen und dabei sichtlich bemüht ist, nicht zu viel Euphorie zu zeigen, will das was heißen.

walking Dead on Broadway

Eigentlich ist das ungerecht. Es muss zwar jemand beginnen, aber gute Bands brauchen nun einmal Publikum. Und das muss ja irgendwann einmal aus dem Bett fallen. Wenn man also auf Duschen und Zähne putzen verzichten sowie ohne einen Check ob das T-Shirt eigentlich korrekt angezogen ist vor die Bühne sprintet konnte man es halbwegs gut schaffen. Der morgendliche Regen hat die Dusche übernommen und die Jungs aus Leipzig haben einen dann auch ordentlich belohnt. Sechs Jahre nach ihrem Debut-Album wissen die Jungs einfach, wie man morgens Stimmung macht. Jetzt müssen nur noch die Veranstalter die Jungs in spätere Slots packen. Allerdings stellt sich dann die Frage, ob die Zeit zum trinken nach der Show nicht drastisch kürzer ist.

Booze & Glory

Bisher irgendwie unter dem Radar gewesen, haben Booze&Glory in diesem Jahr das ein oder andere Festival in Deutschland besucht und dürften ordentlich Fans gesammelt haben. Klar, ein großer Pluspunkt ist Chema am Bass. Quasi im Alleingang rockt er die Bühnenshow, während sich der Rest nicht so aus sich heraus traut und eher introvertiert vor sich hin spielt. Oder wirken im Vergleich zu Chema nur einfach alle schüchtern? Darauf erst mal ein Bier!

watch out stampede

Ich würde ja gerne was positives sagen, aber den Slot mit Walking Dead On Broadway zu tauschen wäre wohl das netteste. Vielleicht war es auch einfach nur der Tontechniker, der ab jetzt den Sound versaut hat und gar nicht die Band, die nur Bass als Musik verkaufen wollte. Demnach wären WDOB auch nicht besser gewesen. Gerne würden wir etwas sagen, aber selbst das Genre ließ sich lediglich an der Aufmachung definieren. Wenn wir nur Ohren hätten, wäre es am besten als basslastiges Störgeräusch einzuordnen.

street dogs

Street Dogs? Haben hier nicht gerade noch Watch Out Stampede genau das selbe Lied gespielt? Aber schon wieder eine Band aus dem Genre „basslastiges Störgeräusch“ spielen zu lassen hätte nicht sein müssen. Zugegeben, dieses mal konnte man zwischendrin auch mal den Sänger verstehen. Wir hatten schon Sorge er würde nur die Lippen bewegen. Die Wikipedia verrät uns aber, dass dies hätte Punk sein sollen. Okay, wir glauben das jetzt einfach mal und hoffen, dass beim nächsten Auftritt ein anderer Tontechniker die Regler bedient.

pro-pain

Pain! trifft es auf den Punkt. „Pro“ ist der Schmerz eher weniger. Aber langsam ein ganz großes Contra. Ja, es wird besser und der Bass drückt einmal nur noch manchmal das Essen wieder in die Speiseröhre hoch. Schmerzen tut es auch, dass gerade rückblickend drei Bands geradezu verrissen wurden, einfach weil auf dem FOH jemand die Regler scheinbar nicht im Griff hat. Die Fans stört das übrigens teilweise recht wenig. Es gibt doch immer mehr Menschen, die vor die Bühne kommen. Auch Spaß lässt sich nicht leugnen, aber vielleicht haben wir einfach auch zu wenig Alkohol im Blut um den Sound genießen zu können.

prong

Prong lösen das Problem einfach, aber Simpel: Mindestens Alkoholisiert haben sie auf der Bühne so unfassbar viel Spaß, dass sich das auf die Menge vor der Bühne eins zu eins überträgt. Allerdings scheint auch jemand versehentlich gegen den richtigen Regler gekommen zu sein. Man mag es kaum glauben, aber es ist wieder Musik und Melodie zu erkennen. Mike Kirkland jedenfalls scheint auf einem anderen Stern zu sein, während seine Kollegen das beste daraus machen und auch immer wieder versuchen beim Sound noch nachzuregeln. Immer wieder werden Daumen hoch oder Daumen runter mit einem Fingerzeig auf ein Instrument anders verstärkt. Aber sei es drum, selbst eine verzerrte Gitarre ist besser als eine, die man gar nicht hört. Und so vermag sich auch musikalisch endlich wieder Festivalstimmung breit zu machen.

devildriver

Der Ton spielt bei Devildriver endlich nur noch eine untergeordnete Rolle. Endlich stimmt da vieles und Dez Fafara lässt es ordentlich krachen. Er selber ist als erster Sänger heute wirklich mal gut zu verstehen und auch die Gitarren erzeugen Harmonien so gut das eben zu Devildriver passt. Passend dazu ist es vor der Bühne auch erstmalig wirklich gut voll, sodass ein Wechseln der Bühnenseite nicht ohne weiteres machbar ist. Zumindest nicht im Bereich vor dem FOH.

sepultura

Jetzt haben wir uns schon den halben Tag so über den schwer im Magen liegenden Bass aufgeregt, da ist schon ein weiterer gelungener Auftritt ein großes Lob wert. Nicht nur, das Sepultura seit eh und je eine Band ist für die man gar nicht genug Lob aufbringen kann. Dem Tontechniker jedenfalls scheint das Handwerk gelegt, und dem Spaß an diesem Abend absolut nichts mehr im Wege zu stehen. Auch Crowdsurfer finden immer Häufiger den Weg über die Menge nach vorne um dann, mit Glück auch sanft, von der Menge heruntergehoben zu werden. Wenn jetzt nur der ganze Staub nicht wäre, denn der nicht Enden wollende Circle-Pit verursacht. Wohl dem, der eine Maske vor dem Mund trägt. Beim reinigen des Gehörschutzes drängte es sich geradezu auf die Reduktion der Lebensjahre aufgrund einer Staublunge auszurechnen.

beartooth

Ahh, die Crew war beim Essen oder so. Unser geliebter Tontechniker ist wieder da. Kurzer Check ob alle Regler auf maximum stehen und schon kann es losgehen. Beartooth verkommen somit wieder zu einem durchstechenden BRRRRRRRRUUUUMMMMMMEEENNNNN. Ach wie haben wir es vermisst. Der Show tat das kein Abbruch, da die Menge dennoch eskaliert ist. Auch der Staubsturm setzt wieder ein, aber irgendwie war es doch schon wie heute Morgen bei Watch Out Stampede: Selbst ein Grind-Core Konzert hat mehr musikalischen Tiefgang als das, was hier zum Weglaufen einlädt. Positiv betrachtet muss man sagen: Es sind fast alle vor der Bühne geblieben.

eskimo Callboy

Ich muss ja zugeben, ich bin ja eher ein Metaller der alten Garde und stehe gehypten Jungspund-Metalbands eher kritisch gegenüber. Deshalb habe ich keine Eile den Auftritt der Callboys vom ersten Ton an mitzuverfolgen. Erstmal gemütlich den Toilettentrakt im VIP-Bereich (Hut ab – vierlagiges Klopapier!) aufgesucht und da erwischt mich der Bass des Intros heftig! Die Akustik des Klocontainers ist echt der Wahnsinn und gibt Gallensteinen keine Chance! Restentleert bemühe ich meinen noch vom Summer Breeze geschundenen Kadaver vor die Bühne um mich doch positiv überraschen zu lassen! Ich versuche zwar krampfhaft ein Mitwippen zu vermeiden, aber der Trancecore-Metal der Jungs packt mich doch – und vor allem das Publikum, das euphorisch die Band um den medial bekannten Rosenkavalier eines deutschen Privatsenders abfeiert. Treibende Beats, gepaart mit eingängigen Melodien, für die jüngere Generation der Metal-Weibchen doch wohl ansehnliche Herren auf der Bühne – das Konzept geht auf. Und ja, ich muss es zugeben, die Jungs verstehen was vom Musikmachen. Zumindest können sie sicher ihre Instrumente bedienen und können sich selbstbewusst auf der Bühne präsentieren. Dem Publikum gefällt es, und bis zum letzten Ton wird gehüpft, gemosht und gecirclepittet (man möge mich mich bitte in der korrekt konjugierten Verbform des Wortes Circlepit unterrichten).

Flogging Molly

Ob das Publikum nach diesem Act noch genug Energie hat, um die nachfolgenden Bands abzufeiern? Oh ja, genug Energie ist da! Denn beim punkigen Folkrock von Flogging Molly kann man nicht einfach nur still stehen bleiben. Ich erinnere mich an meine ersten Konzerte, unter anderen von The Pogues und man mag sich bei der Musik der Mannen gedanklich gern in eine alkoholgeschwängerte irische Kneipenszene hineinversetzen. Dabei kommen die Mannen aus der Stadt der Engel, Los Angeles, wo sie sich 1997 – wo könnte es anders sein – in einem Irish Pub gegründet haben. 21 Jahre später bringen sie nun 9000km weiter östlich in der beschaulichen niedersächsischen Kleinstadt Sulingen die Massen zum beben. Vom plötzlichen Temperatursturz der letzten Nacht ist auf dem Festivalgelände nichts zu merken, das Publikum ist heiß. Wenn Midtempo-Nummern nicht gerade zu Pogo und Circle Pit einladen, wird eben geklatscht und geschunkelt. Das Sextett um Sänger Dave King weiß jedenfalls gekonnt, die Meute vor der Bühne in Bewegung und auf Trab zu halten! Die instrumentale Vielfalt, die eine Folkband wie Flogging Molly mit zusätzlichen Thin Whistle, Akkordeon, Bodhran-Drums auf die Bühne stellt, wird wohl auf diesem Festival nicht mehr erreicht werden. Kann diese Stimmung nochmal getoppt werden?

Papa Roach

Die Headliner des Abends haben wohl vergessen, die Uhr umzustellen, sind dann aber gute 25 Minuten verspätet auf der Bühne mit so viel Energie ins Set gestartet, dass deshalb niemand böse sein kann. Denn gleich wird mit „Crooked Teeth“ ein aktueller Gassenhauer aufs Publikum losgelassen, der nicht nur die ersten Crowdsurfer zur Flugstunde animiert, sondern auch den Kreislauf der Circlepitter in die Höhe treibt. Sogleich wird mit „Getting away with murder“ einer der größten Hits der Mannen um Jacoby Shaddix auf das Publikum losgelassen, von dem scheinbar das vordere Drittel den Text sicher mitsingen kann! Die Stimmung ist ausgelassen und auch auf der Bühne scheinen die Kalifornier ihren Spaß zu haben. Nach der letztjährigen erfolgreichen Tour, die vielerorts ausverkauft war, scheinen die Fans auch richtig Lust auf die ehemaligen Pioniere des Nu Metal zu haben. Der Auftritt der Band wird jedenfalls abgefeiert und umfasst einen Querschnitt ihrer bisherigen Schaffensphase. Bei „Forever“ hat die Band in Gedenken an den verschiedenen Linkin Park-Sänger Chester Bennington eine Hommage mit Auszügen aus deren Hit „In the End“ eingearbeitet, die lautstark vom kompletten Publikum mitgesungen werden. Nach „Born for Greatness“ und „Scars“ verlassen die Mannen kurz die Bühne, um sich für den Endspurt zu sammeln, denn ihr größter Hit vom Debütalbum „Infest“ darf einfach nicht fehlen. Und so mobilisiert auch das Publikum zu später Stunde noch die letzten Energiereserven, um „Last Resort“ abzufeiern, als gäbe es kein Morgen! Mit „To Be Loved…“ verabschieden sich die Amerikaner und es herrscht kein Zweifel daran, dass sie von vielen Fans wahrlich geliebt werden und sie Deutschland im Festivalsommer 2019 hoffentlich auf der ein oder anderen Bühne auch wieder besuchen werden!

Infos + Tickets Reload Festival 2019Reload Festival 2019 / Reload 2019

So war das Summer Breeze 2018: Freitag

Wer sich nach der Nacht von dem Staub befreien wollte, welcher sich im Laufe des Vortages angesammelt hat, wurde an den Duschen positiv überrascht. Auch diese wurde verbessert, standen auf festen Platten auf dem Boden und wurde in ihrer Anzahl verbessert. Das bedeutet weniger Schlange stehen und nach dem Duschen nicht wieder direkt im Schlamm stehen. Cool, oder? Danach hält einen aber nichts mehr ab sich ein Bier zu schnappen und sich auf den Weg zur Bühne zu machen, wo sich bereits die erste Band bereit macht.

annisokay

11 Uhr am morgen und der Bereich vor der Hauptbühne ist schon gepackt voll. Grade erste sind Annisokay aus den USA zurückgekehrt und feiern nun auf dem Summerbreeeze den Release ihrer neuen und vierten Platte „Arms“. Leider spielt die Band nur die bisher veröffentlichten Singles und geben keinen weiteren Einblick auf den Rest des Albums. Das Publikum ist dennoch begeistert und so schwebt eine konstante Staubwolke über dem Publikum, von welcher auch Sänger Dave beim Crowdsurfen eine tiefe Nase nimmt.

Megaherz

Plötzlich wird es wieder leerer vor der Bühne, was aber bestimmt nur an der knallenden Mittagssonne liegt. Auch der Band, welche Kostümiert ist, geht es nicht besser, welche alles mit „Warum hat keiner unserem Designer gesagt, dass es hier so warm wird“ kommentiert. Entsprechend schweißtreibend ist die Feier vor der Bühne, welche dennoch gut in fahrt kommt, auch wenn die Stimmung erst zu „Miststück“ und „Himmelstürmer“ aufkommen will.

Northlane

Northlane fackeln nicht lange Rum. Ohne Intro und mit der neuen Single „Vultures“ startet die Band in ihr Set und lässt dabei kein Staubkorn an seinem Platz. Die Menge feiert zu alten und neuen Songs gleichermaßen und Sänger Marcus beweist erneut, dass er mehr als nur ein guter Ersatz für den 2014 ausgeschiedenen Adrian ist, obwohl die Band seither sehr kontrovers in der Metalcore-Szene angesehen wird. Die Band überzeugt generell mehr durch Spielfreud als durch Ansagen, denn diese fallen fast komplett aus. Aus dem ganzen Staub, der bei der Band aufgewirbelt wird, bildet sich am Ende sogar noch ein kleiner Tornado, das muss man erstmal nachmachen.

Amaranthe

Es wird Zeit für ein Summerbreeze debut. 2011 erblickte ihr erstes Album das Licht der Welt und noch dieses Jahr steht das fünfte in den Startlöchern. Vor kurzem erschien zu diesem die erste Single, doch leider hat diese seinen Platz nicht in die Setlist geschafft. Die anwesende Menge feiert dennoch, auch wenn diese keine Zeit zum Verschnaufen zwischen den Liedern hat. Drei Sänger bedeutet eben viel gesangliche Vielfalt und minimale Pausen. Generell halten sich die Schweden jedoch bedeckt auf der Bühne und ziehen ihr Set ohne große Besonderheiten durch.

Danko Jones

Weiter geht’s mit Rock‘n’Roll von Danko Jones. Der Bereich vor der Bühne hat sich leider etwas geleert, was aber bestimmt nur der Sonne zuzuschreien ist. Alle gebliebenen werden direkt von dem symphatischen Frontmann in den Bann gezogen und feiern zu jedem passenden und unpassenden Zeitpunkt, ganz so wie es Danko will. Auf der Bühne ist nicht viel Bewegung, aber muss das auch unbedingt sein? Danko Jones spielt ein knackiges Set, bei dem keine Klassiker ausgelassen werden aber auch neues Material seinen Platz findet.

Salatio Mortis

Die nächste Release-Show steht an, nur diesmal mit kühlerem Wetter und sogar einem kurzen Regenschauer. Die Fans kümmert dieser aber immer weniger. Immerhin wissen Saltatio Mortis diesem mit viel Feuer entgegenzuwirken und so sind alle schnell wieder trocken. Neben den Klassikern war vor allem das neue Album stark in der Setlist vertreten und wurde kräftig vom Publikum gefeiert. So kommt dieses auch jeder Aufforderung von Alea nach und springt mit ihm wie Wild um die Wette. Am Ende lässt er sich sogar durch die Menge tragen, während er „Rattenfänger“ performed.

Beartooth

„We are Beartooth and we are here to fuck you up“ – oh ja, das sind sie. Dabei spielen sie Songs aus ihren beiden bisherigen Alben und sogar alle 3 Singles ihrer neuen Platte „Desease“, welche nächsten Monat erscheint. Für die ersten Songs ist es auch gut gefüllt vor der Bühne, dann fangen die ersten Tropfen an, die die Fans noch bewusst ignorieren. Dann werden die Tropfen zu Eimern und es wird immer leerer vor der Bühne, wovon sich die Band aber nicht einkriegen lässt und weiter professionell ihr Set durchzieht. Diesen Regen hat die Band zwar nicht verdient, aber immerhin hat sich jetzt alles etwas abgekühlt und die Staublunge der letzten Tage kann sich zumindest für einen Moment wieder erholen.

Doro

Die Queen of Metal ist zurück auf dem Acker! Auch sie hat ein neues Album am Start und feiert zugleich ihr 35-jähriges Bühnenjubiläum. Dennoch fiel ihr Auftritt regelrecht ins Wasser, denn durch den Starkregen musste ihr Auftritt etwas verzögert starten. Auch vor der Bühne war entsprechend wenig los, was sich aber schnell änderte, also sich der Regen verzog. Belohnt wurden die Fans vor der Bühne mit einem gewohnt charismatischen Auftritt mit allen Klassiker, wie „all we are“ und „We are the Metalheads“, aber auch neuen Songs wie „All for Metal“.

At The Gates

Auch für die Melodic Death Legenden At the Gates stand der Auftritt durch das Wetter unter einem schlechten Stern. Zu Anfang war es daher sehr leer vor der Bühne, was sich erst nach ein paar Songs ändern sollte. Die Band lässt sich davon aber nicht beirren und zieht ihr Set durch, wie man es von ihnen kennt. Keine große Besonderheiten, aber genau das was man von ihnen erwartet.

Trivium

Spätestens jetzt sind auch die letzten Tropfen verschwunden, die Klamotten gewechselt und der Weg zurück zu Bühne geschafft. Trivium kommen unter viel Nebel auf die Bühne und starten mit dem Titeltrack des letzten Albums. Anfangs kommt die Stimmung leider noch nicht ganz ins Rollen, obwohl Sänger und Gitarrist Matthew alles versucht dies zu ändern, was ihm später auch gelingt. Sonst ist auf der Bühne recht wenig Bewegung, dies liegt aber daran, das alle zwischen 5 Mikros auf der Bühne rotieren müssen. Vor der Bühne sieht das anders aus: Viele Pits und noch mehr Crowdsurfer stellen die Security auf die Probe. Am Ende wird es zu „In Waves“ nochmal richtig voll und es wird klar, dass viele nur auf diesen Song gewartet haben.

Mr. Hurley & die Pulveraffen

Ein Mr. Hurley und die Pulveraffen Auftritt steht immer ganz im Fokus der Crowdsurfer. So ist es auch diesmal wieder und wir können noch vor Beginn des Auftritts die ersten Beobachten. Als die Pulveraffen dann loslegen wird es dann richtig voll über den Köpfen der Anwesenden. Normale Crowdsurfer, Crowdsurfer auf Crowdsurfern und Crowdsurfer in Schlauchbooten. Alles war vorhanden zu den zum Schunkeln einladenden Klängen der Piratenband aus dem karibischen Osnabrück. Auf der Bühne gibt es allerdings ein relativ neues Gesicht zu sehen, denn seit kurzen steht Pegleg Peggy am Bass und unterstützt die Band nicht mehr nur mit Animationen.

Arch Enemy

Arch Enemy lassen schon beim ersten Song erahnen, was kommen soll. Pyro wohin das Auge auch blickt. Dazu eine energetische Alissa, welche, wie gewohnt, wie wild über die Bühne hüpft. Genau dafür sind die Fans gekommen und natürlich für die Musik. Gespielt wird ein buntes Set durch die Jahre, mit einem Fokus auf das letzte Album „Will to Power“. Dazu im Verlauf des Abends immer mehr Pyro. Angefangen von Feuersäulen und -bällen, über Funkenfontainen und Feuerschalen. Ganz am Ende will es die Band zu „Nemesis“ nochmal richtig Wissen und zündet alles, was noch zur Verfügung steht. Schließlich beenden die Band ihr Set unter einem Funkenregen von der Decke, bevor sie sich in einem recht langen Outro von der Bühne verabschieden.

Sick of it All

Was Bewegung auf der Bühne angeht können sich einige Bands etwas von Sick of it All abschneiden. Die NYC-Hardcore Band spring wie wild über die Bühne als gäbe es kein morgen. Vor der Bühne sieht es anfangs etwas anders aus, was sich nach einer Bemerkung von Sänger Lou und dem ersten Klassiker aber schnell ändert. Danach springen Band und Publikum nur so um die Wette und machten den Abend nochmal zu einer schweißtreibenden Angelegenheit.

Satyricon

Zur späten Stunde gibt es Black-Metal von Satyricon zu lauschen. Die Band, welche eigentlich nur aus 2 festen Mitglieder besteht, kann sich dabei über recht viel Andrang vor der Bühne freuen, welches ganz im Sinne des Black-Metals vorsichtig hin und her wackeln. Die Bühnenshow dazu ist dabei auch stilecht gehalten. Zurückhaltende Lichtshow und keine übertriebene Elemente ziehen sich durch die Show. Zu dem Song „Mother North“ zeigt sich das Publikum jedoch nochmal von seiner anderen Seite und singt lauthals im Chor

Turisas

Ist Viking-Metal etwas aus der Mode gekommen? Turisas haben seit 2013 keine neue Musik mehr veröffentlicht und auch sonst ist es still um die Band. Entsprechend leer ist es auch vor der Bühne, obwohl die Band mit ihrer Musik an diesem Tag einzigartig ist. Es kann aber wieder am Slot liegen, denn irgendwann ist die Luft einfach raus. Turisas spielt ein Set mit ihren größten und bekanntesten Hits, welche für den ein oder anderen inzwischen jedoch etwas ausgelutscht sind. Stimmung können diese daher nur mäßig aufbauen. Es wird einfach Zeit für etwas Neues. Aber ob Fan oder nicht, es eignet sich auf jeden Fall, um nach einem langen Tag noch einmal abzuschalten, um am nächsten Tag wieder voll Fit zu sein.

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Summer Breeze 2019 / Summer Breeze Open Air 2019

Hardcore meets Growling – Elbriot 2018

Jedes Jahr beginne ich den Elbriot-Artikel mit einem Vergleich zu dem zwei Wochen vorher stattfindenden Wacken Open Air, der letztendlich auf “Juhuuu, kein Matsch” hinausläuft. Dieses Jahr gab es keinen Matsch in Wacken, was diesen Vorteil des Riots obsolet machte. Stattdessen wird der Nachteil der Nähe zu Wacken deutlich. Neben dem Headliner “Arch Enemy” war auch schon die vorvorletzte Band “Skindread” beim Wacken zu sehen und mit “Jasta” trat der Frontmann von “Hatebreed” auf, der hier sein Solo-Projekt präsentiert, aber mit seiner Band ebenfalls in Wacken live zu sehen war.

Für alle unter den 14.000 Besuchern die nicht vor zwei Wochen in Wacken waren, bedeutet das ein hochwertiges Metal-Line-Up, dass von den norwegischen Black-Metallern von “Satyricon” und den Hardcore-Legenden “Suicidal Tendencies” ergänzt wurde. Der Sound war wie immer gut, der schwache Wind sorgte dafür, dass man sich nicht um Störgeräusche an den Mikros Gedanken machen musste und die (etwas) angenehmeren Temperaturen von 26 statt 31 Grad Celsius sorgten für eine ausgelassene Feierlaune.

JASTA

Jamie Jasta, der vielbeschäftigte Mann. Als Frontmann von Hatebreed und Icepick bekannt, gründete er 2006 zudem noch das Projekt “Kingdom of Sorrow” und seither war er nebenbei noch mit Freunden auf seiner “European Vacation 2” Tour in Europa unter seinem Nachnamen “Jasta” unterwegs. Auf der Riot-Bühne bewies Jamie, dass sein “Street-Cred” in der Metal und Hardcore-Szene nicht von ungefähr kommt. Nach dem Opener “Walk the path alone” coverte er Hits von Fear Factory und Crowbar und gab nebenbei noch ein paar Hits von Kingdom of Fear zum Besten. Dabei legte er ein Tempo vor, das mich spätestens nach drei Songs ins Sauerstoffzelt gebracht hätte. Jamie hatte jedoch noch ein Lächeln und ein paar Sprüche für seine Fans übrig bevor Bass, Drums und Gitarre wieder reinhauten und er über die Bühne flitzte um seine Lyrics in Mikro zu donnern. Zum Abschluss griff er sogar selber zur Gitarre und zeigte wie gut er auch Power-Riffs beherrscht.

beartooth

Danke an Red Bull. Neben Energy-Drinks, krassen Flugshows und einen Formel 1 Team hat Red Bull Records uns auch Beartooth beschert, die 2012 beim Salzburger Energydrink-Musiklabel unter Vertrag genommen wurden. Seitdem hatten die Hardcore-Jungs aus Ohio fleißig alle zwei Jahre ein Album released und reisten mit einem vollen Repertoire im Gepäck nach Hamburg. Gekonnt wurden im Opener “Hated” fast schon poppige Punk Rock-Gesänge die man einfach mitsingen kann mit der Aggression von Hardcore-Riffs kombiniert. Andere Songs wie “Agressive” enthielten zusätzlich die schmutzigen Shouts aus dem Thrash Metal.

Die Musik von Beartooth schien wie ein wildes Tier um sich zu schlagen und die Jungs auf der Bühne unterstützten diesen Eindruck durch kraftvolles, aggressives Auftreten und einer wilden Energie, die auf das Publikum überschlug und zu Circlepits und Crowdsurfing führte.

satyrikon

Die ersten Growler des Tages waren die Norweger von Satyricon. Und dennoch auch die “ruhigste” Band. Natürlich ballerte Drummer “Frost” mit der Double-Bass-Drum ein Maschinengewehr-Feuer aus Beat heraus, so wie es sich für guten Black-Metal gehört, die die Riffs von Satyricon marschierten dazu wie eine Armee von Untoten über das Publikum hinweg und Sänger “Satyr” mit seinem blass-geschminkten Gesicht growlte jede einzelne Lied-Zeile einzeln ins Mikro und ließ sie für sich wirken, bevor er die nächste losließ. Ab und an mischte er ein verschwörerisches Flüstern dazwischen, dass kurz aufhorchen ließ, um dann wieder finster zu growlen und Geschichten von Tod und Vernichtung zu erzählen. Eine ganz andere, diabloisch-weltvernichtende Energie im Vergleich zum aggressiv-rebellischen Hardcore, die die Menge vereinte und zu einem gemeinschaftlichen Headbangen zu einem langsameren Takt einlud, als zu wildem Moschen.

skindred

Es gibt Bands, auf die freut man sich lange. Und dann sieht man sie und zwei Wochen später sieht man sie wieder, aber die Freude ist immernoch da, nur nicht mehr ganz so groß. So ging es mir letztes Jahr mit Megadeth und dieses Jahr mit Arch Enemy. Ganz anders aber dann bei Skindred. Obwohl ich Skindred gerade erst vor 2 Wochen mit nahezu gleichem Set auf Wacken und größerer Bühne mit mehr Publikum gesehen hatte, freute ich mich enorm, als Frontmann Benji Webber mit seiner nieten-besetzten Sonnenbrille, den Dreds und seiner rot-gelb-grünen Lederjacke auf die Bühne trat.

Benji ist für mich nicht der große Musiker den man sehen will, wenn er ein neues Album rausgebracht hat und endlich wieder auf Tour geht. Er ist mehr der sympathische Buddy, der immer die gleichen die Sprüche bringt und einen immer wieder mit den gleichen Jokes zum Lachen bringt. Nicht weil die Pointen so gut sind, sondern weil seine gute Laune so ansteckend ist.

Mit einer Mischung aus Reggea-Melodien und funky Lyrics, Punk-Attitude und Hardcore-Riffs begeisterte Skindred auch auf dem Elbriot die Menge, spielte Dubstep-Samples und “Carlifornia Love”-Loops ein, brachte das Publikum zum Mitsingen, Hinsetzen, Aufspringen und letztendlich bei “Nobody” auch dazu, das Hemd auszuziehen und als “Newport Helicopter” über den Köpfen kreisen zu lassen.

Suicidal tendencies

Kaum eine Band steht so sehr für “Hardcore” wie Suicidal Tendencies. In einer WG gegründet, von einem Indie-Label gelaunched und mit jahrelangem Auftrittsverbot und sogar FBI-Überwachung “gestraft”, schufen Suicidal Tencendies nicht nur eine neue Musikrichtung, sondern auch einen neuen Lifestyle der die Stimmung der End-80er und 90er prägte. Bandanas, Basketball-Shirts, antreibende Drums und Hardcore-Riffs mit Sprachgesang der gegen das System rebelliert, aber auch innere Konflikte besiegte. Und all das wurde dem Metal-Publikum beim Elbriot 2018 von der Bühne entgegen geworfen. Das Publikum machte dem Namen des Festivals alle Ehre.

Schon immer war auf dem Hamburger Großmarkt die Stimmung gut und das Publikum gerne bereit, mit den Bands zusammen durchzudrehen, aber Suicidal Tendencies starteten einen richtigen Riot. Moshpits, Crowdsurfer, hochgereckte Fäuste und lautes Mitsingen und Shouten kannte man bereits, aber Frontmann ”Cyco Miko” trieb das Publikum solange an, bis sie zu  “Pledge your Allegiance” die Bühne des Riots über die Absperrung kletterten, sich gegenseitig hoch halfen und die Bühne des Riots stürmten um mit den Cycos den erinnerungswürdigen Auftritt bis zum Ende zu feiern.

arch enemy

An dieser Stelle ein schnelles Lob an die Bühnencrew vom Riot, die den Zeitplan fast schon wie ein Uhrwerk einhielt und dabei wenn überhaupt, nur kleine Patzer machte, die nicht wirklich auffallen. Trotzdem blieb bei einer einzelnen Bühne bei weitem nicht so viel Zeit zum Umbauen, als hätte man zwei Bühnen zur Verfügung, wo eben eine ab- und aufgebaut wird während auf der anderen noch gespielt wird.

Für Arch Enemy bedeutete es, dass die blauhaarige Frontfrau Alissa White-Gluz nicht die beeindruckende Bühneninstallation und die fetten Pyros wie bei den größeren Festivals zur Verfügung hatte, sondern „nur“ mit einem “Bühnenbild in light-Version” auskommen musste. Aber das hinderte die growlende Kanadierin nicht, ein Feuerwerk aus Melodic-Death-Metal Songs zu zünden, das völlig ohne Pyro und beweglichen Bühnenaufbau auskam. Wobei das “Melodic” bei Alissa kaum zur Geltung kommt. Die Power in ihrem Gesang und ihr Tempo auf der Bühne kann locker mit ihren Hardcore-Kollegen mithalten, die im Laufe des Tages gut vorgelegt und das Publikum aufgewärmt hatten.

Mit Hits wie “The world is yours”, “War eternal”, “As the pages burn” und “You will know my name” folgte der Endspurt ebim Elbriot 2018, ein verdientes Finale zu einem anstrengenden und ausgefüllten Tag auf dem Hamburger Grossneumarkt, der leider viel zu früh vorbei ging. Aber – und hier kommt wieder einer der Vorteile des Elbriot – von hier bis zu Hamburgs Partymeilen ist es ja nicht weit.  

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