Abriss nach Plan – Architects in Hamburg


Architects Hamburg 2019 / Architects Tour 2019
(Bild: stagr / Julia Langmaack)

Fast ein ganzes Jahr ist es her, dass es Architects das letzte Mal durch Deutschland getrieben hat. Grund genug, um sich mit dem neuen Album „Holy Hell“ erneut auf die Straßen zu begeben und damit die größte Tour seit Bandbestehen zu feiern. Letzter Halt der aktuellen Tournee ist Hamburg, die nebenbei noch den Rekord für die größte Show außerhalb Londons darstellt. Begleitet werden Architects auf ihrer musikalischen Reise von der US-Hardcore-Band Beartooth und den wohl größten Aufsteigern der Szene der letzten Jahre: Polaris aus Down Under.

Beartooth

Einige Monate vorher noch vor wenigen hundert Leuten und jetzt schon auf den ganz großen Bühnen. Für die Australier geht ein Wunsch in Erfüllung. Aber nicht nur das: „massiv thanks for this. this is a fucking dream come true playing with bands we always looked up to“ kommentiert Sänger Jamie Halls seine Erfahrungen der letzten Wochen. Wie sehr die Band sich freut, kann man ihnen förmlich in den Gesichtern ablesen. Eine wahnsinnige Energie geht von der Bühne aus. Auch wenn es Vorbands oftmals schwer haben den Leuten richtig einzuheizen, hier das nicht der Fall. Mit Beginn der ersten Töne von „The Remedy“ ist die Stimmung genau da, wo sie sein soll, und nimm nicht mehr ab. Es wird geklatscht und gesprungen was das Energiereserven hergeben. Leider ist das Set mit 30 Minuten recht kurz, am Ende sind sich aber alle sicher: Diese Band sollte man nicht aus den Augen verlieren.

Polaris

Beartooth zögern nicht lange und geben direkt alles. Kaum sind die Amerikaner auf der Bühne, bleibt nichts mehr da, wo es vorher gewesen ist. Das Publikum ist sofort laut zu hören, aber auch Crowdsurfer sind schnell auf den Köpfen der Massen. Trotzdem zeigt sich Sänger Caleb Shomo noch nicht zufrieden: „Where is my fucking moshpit?“. Wenig später ändert sich das jedoch. „Germany is Beartooths favorite fucking place to play in the world and the reason is you are the craziest motherfuckers!“. Man kann der Band ansehen, dass sie dies nicht nur zum Spaß sagen. Wie auch schon Polaris strahlen Beartooth eine Energie aus, die es unmöglich macht, sich nicht anstecken zu lassen. Dabei präsentieren sie Songs aus sämtlichen Bandjahren, wobei der Fokus mit auf dem neusten Werk „Disease“, liegt, was Ende letzten Jahres erschienen ist. Am Ende bezeichnet Sänger Caleb den Auftritt als den besten der ganzen Tour und damit als perfekten Abschluss.

Architects

Der Titel des ersten Songs des Abends fasst die letzten Jahren von Architects gut zusammen: „Death is not Defeat“. Spätestens mit dem neuesten Album „Holy Hell“ sollte das jedem klar sein, auch wenn es nicht immer einfach für die Band war. Entsprechend werden sie vom Publikum ab der ersten Sekunde gefeiert. Ist es auch nur wenige Sekunden zwischen den Songs ruhig, werden diese durch laute „Architects“-Rufe gefüllt. Das Publikum ist mit Leib und Seele bei der Band. Das passt perfekt zur folgenden Idee, denn zum Song „Holy Hell“ hat die Band den Standort Hamburg für ein Live-Video ausgesucht. So sagt Sänger Sam Carter „we want to show the rest of the world how fucking crazy Hamburg is“. Und sogleich legt das Publikum nochmal einen Zahn zu. Lautes Mitsingen, extra viele Crowdsufer und ein riesengroßer Pit. Architects zeigen sich aber auch immer wieder dankbar gegenüber den Fans. Sam dankt dafür, dass so viele Besucher hier sind und sie nun in größeren Hallen spielen, als sie es sich jemals hätten träumen lassen. Aber der Frontmann kann auch anders. So spornt er die Menge zu „These Colours Don‘t Run“ mit den Worten „we are not here to fuck around, make it bigger“ an. Gespielt wird an diesem Abend das neuste Album in fast kompletter Länge. Aber auch viele Klassiker der vorherigen Alben finden ihren Platz. Die Bühne ist schlicht gehalten. Lediglich eine große Leinwand bedeckt die hintere Bühnenseite, auf der immer wieder Videoausschnitte eingeblendet werden. Abgerundet wird die Show durch gezielt gesetzte Pyro-Effekte. Den Rest macht die Musik.

Architects beenden schließlich ihr Set mit dem letzten Song des Album „A Wasted Hymn“, um das erste Mal die Bühne zu verlassen. Bei der Zugabe steht eine Person klar im Fokus: Tom Searle. Das verstorbene Bandmitglied ist immer noch Dreh- und Angelpunkt der Band. So wird ihm der Song „Gone With The Wind“ gewidmet, auf den das Publikum mit vielen Herzen Richtung Bühne antwortet. „I woud give everything for Tom to see this, all that he created to be played in this venues so thank you very much“, so Sam Carter. Anschließend bedankt er sich auch bei seiner Band und besonders Drummer Dan Searle, ohne den alles nicht möglich gewesen wäre und allen durch die letzten harten Jahre geholfen hat. Ohne ihn hätte es nie ein neues Album gegeben. Mit „Doomsday“ beenden Architects, unter viel Konfetti, schlussendlich ihr großartiges Set.