Fallback

Stagr Theme Skeleton

Diese Standardansicht dient als Fallback, bis fuer jeden Seitentyp eine spezifische Vorlage greift.

Inhalt

So war das Reload Festival 2019 am Freitag

Die Festivalsaison 2019 ist fast schon fast wieder vorüber. Aber auch nur fast. Am 23. und 24. August ist es endlich wieder einmal soweit: das Reload Festival 2019 öffnet seine Tore. Es ist bereits das 13. Mal und auch dieses Jahr wird mit dem Line-up wieder Gas gegeben. Es stehen Sabaton, Bullet For My Valentine, Airbourne, Hatebreed und jede Menge weitere Hochkaräter auf dem Plan. Auch wenn die Namen ein großes Festival vermuten lassen, ist das Reload mit rund 15.000 Besuchern immer noch familiär. Außerdem spielen alle Bands auf der gleichen Bühne, das bedeutet keine Überschneidungen und damit auch keine Angst, auf eine seiner Lieblingsband verzichten zu müssen. Abgerundet wird das alles aber durch das sommerliche Wetter. Auf dem Reload regnet es eigentlich eh nur selten und wenn, dann nur kurz. So bleibt es auch in diesem Jahr bei besten Temperaturen, was im Gegenzug viel Staub bedeutet. Inzwischen ist der viele Staub aber auch mehr oder weniger ein Markenzeichen des Festivals.

Pressure Recall

Die erste Band des diesjährigen Festivals hat direkt mit Verspätungen zu kämpfen. Sollte diese ursprünglich um 11:20 Uhr starten, wird zu dieser Zeit erst das Infield geöffnet. Damit verschiebt sich das Programm um 20 Minuten nach hinten. Als die Band dann anfängt, ist einiges los vor der Bühne. Sehr zur Freude der Band, die ihren ersten Auftritt nach über 4 Jahren spielt und ihren Auftritt auf Facebook streamed. Der Nu-Metal der Band ist der perfekte Opener für das Festival und den Tag. Pressure Recall rüttelt einen nach dem ersten Song wach und setzt damit schonmal die passende Stimmung für das, was noch kommen sollte.

Evergreen Terrace

Langsam wird es voller in den hinteren Reihen. Evergreen Terrace hätte die Leute aber lieber vorne. So sagt uns Sänger Andrew „Drew“ Carey “we brushed our teeth, we have good breathe, so come closer” was dann auch passiert. Allgemein ist dieser erst wieder seit zwei Jahren Teil der Band, nachdem dieser zwei weitere Jahre zuvor austrat. Neues Material der Band gibt es seither nicht. Das letzte Album ist von 2013. Dies braucht es aber auch nicht. Zu altem kann genauso gut gefeiert werden wie zu neuen. So sehen wir auch beim zweiten Song schon den ersten Circle Pit des Tages. Staub inklusive.

Thundermother

“Alright Reload, are you ready for some Rock ‘n’ Roll?” – mit diesen Worten begrüßt uns Sängerin Guernica Mancini und bekommt dafür viel Applaus. Zwar wurde 2017 fast die ganze Band ausgetauscht, merken tut man davon aber nicht viel. Die Stimmung könnte nicht besser sein. Schuld daran ist auch das einzige verbliebene Gründungsmitglied und Gitarristin Filippa Nässil, die neben dem spielen auch einfach mal ein Bier leert und im Anschluss mit der leeren Flasche in der Hand weiter spielt. Erst zum Gitarrensolo danach stellt sie die Flasche wieder ab. Das einzige Manko an der Show is etwas, wofür die Band nichts kann. Die Sonne knallt auf die Köpfe der Fans und versucht diese vergeblich in den Schatten zu schicken. Abhilfe wird hier jedoch durch die Security mit einem Wasserschlauch geschaffen, der zugleich auch den Staub in Maßen hält.

Dog Eat Dog

“We are Dog Eat Dog and you are in the dog house” sagt uns Sänger John Connor als die Band die Bühne betritt. Einem Ort in dem wir gerne erstmal bleiben. “I think it time to go back to the 90s” führt er fort. Zurück in die Zeit, in der die Band den Grundstein für eine ganze Musikrichtung legte. Mit ihrer Mischung aus Punk, Metal, Hip-Hop und einem Saxophon gelten sie als die Pioniere des Crossovers, was sich deutlich bemerkbar macht. Man könnte meinen die Bühne ist eine Hüpfburg, so wie die Musiker konstant auf und ab springen. Vor der Bühne ist dies nicht anders. Und wird mal nicht gehüpft wird der Staub im Circle Pit aufgewirbelt. Zu “No Fronts” kommt dann noch Evil Jared auf die Bühne und springt mit umher bzw. mit Sänger John Conner ins Publikum. Hat zwar keinen tieferen Sinn, aber macht ordentlich was her.

Nasty

Wo Nasty drauf steht, ist auch Nasty drin. Wie auch die Woche zuvor beim Summer Breeze, werden hier keine Gefangenen genommen. Der Pit stellt einen neuen Größenrekord auf dem Festival auf. Der komplette Bereich vor der Bühne wirbelt so durchgehend staub auf. Schuld daran ist nicht nur die Musik, sonder auch Sänger Matthias Tarnath, der das Publikum immer wieder zum bewegen auffordert. “Four dudes doing fucked up music for a fucked up world” – so beschreibt sich die Band selbst, was auch zutrifft. Nicht nur in den Songs wird es sozialkritisch, sondern auch in den Ansprachen dazwischen.

Backyard Babies

Entspannter wird es im Anschluss bei Backyard Babies. Die Security sorgt dabei weiterhin für Abkühlung, sonst wäre es vor der Bühne auch nicht auszuhalten. 30 Jahre steht die Band inzwischen auf der Bühne. Die Erfahrung sieht man ihnen an. Routiniert spielt diese ihr Set runter, ohne dabei viele Worte zu verlieren. Darunter leidet leider auch etwas die Show. Auf der Bühne passiert nicht wirklich viel. Ein paar Schritte vor und zurück sind hier das Maß aller Dinge. Im Publikum ist das fast genauso. Ein Pit ist eher selten zu sehen. Hier wird eher im Rhythmus sein Kopf geschwungen. Vollgas muss ja auch nich immer sein, dafür ebnet Backyard Babies den Weg für die folgenden Bands.

Sondaschule

Diesen Weg nehmen Sondaschule direkt für sich ein. Voller kann es vor der Bühne wohl kaum noch werden. Ebenso so die Party. Vom ersten Song an “Sondaschule” ist das Publikum voll dabei unter eröffnet sofort den Pit. Spätestens bei “Amsterdam” ist es dann auch lautstark zu hören. Der ständige Wechsel zwischen Pit und Mitsingen zieht sich über den ganzen Auftritt und lässt damit wenig Zeit zum durchatmen. Lediglich die Ansprachen von Sänger Costa Cannabis Sorgen für ein wenig Pause. Den Abschluss macht der Song “Bist du glücklich?” was wir uns natürlich auch fragen. Die Lösung der Frage gibt uns die Security, die mit am feiern ist. Nach diesem Auftritt ist wohl wirklich jeder glücklich.

Soilwork

Soilwork haben an diesem Tag etwas Pech. Ihr Sound ist an diesem Tag etwas matschig und der dröhnende Bass aus den Boxen fehlt fast komplett. Dies ist besonders beim zweiten Song “Like the Average Stalker” auffällig. Der Party nimmt es dennoch nicht den Wind aus den Segeln. Auf der Bühne wird sein Bestes gegeben, dem Publikum immer wieder eingeheizt und gepost, als hätte man sein Leben lang noch nichts anderes getan. Das Set besteht dabei zum Großteil aus dem neuesten Werk der Band “Verkligheten”, was zusätzlich gut ankommt. Im Publikum gibt es daher ein Pit nach dem anderen und ab und an lässt sich auch ein Crowdsurfer blicken.

Lordi

Wer nicht nur was fürs Ohr sondern auch fürs Auge möchte, ist bei Lordi genau richtig aufgehoben. Im letzen Jahr erschien ihr aktuelles Album “Sexorcism”, wessen Titeltrack auch der erste des frühen Abends ist. Die ganze Show ist eine Augenweide. Immer wieder wechselt Mr. Lordi das Kostüm und seine die Accessoires und heizt dem Publikum weiter ein. Der letzte Song ist, natürlich, “Hard Rock Hallelujah”, bei dem das Publikum nochmal alles gibt. Dennoch kann der Auftritt mit einem weinenden Auge betrachtet werden. Es ist das letzte Konzert mit dem langjährigen Bassisten Samer „Ox“ el Nahhal, welcher die Band verlassen wird. Bei einem langen Bass solo wird er nochmal ordentlich gefeiert. Plötzlich steht auch das Outro der Band mit dem Titel “The Night the Monsters Died” unter einem anderen Stern, denn dieses Monster werden wir so schnell nicht wieder sehen.

Of Mice And Men

Wie man ein Show auf einen Schlag sehr viel interessanter machen kann, zeigen uns Of Mice And Men. Bei der aktuellen Tour hat Neu-Frontmann Aaron Pauley seien Doppelbelastung mit Singen und Bass spielen abgegeben und ist nur noch mit Mikrofon bewaffnet zu finden. Den Bass spielt aktuell Raad Soudani aus der befreundeten Band Volumes. Diese “kleine” Änderung sorgt für erheblich mehr Bühnendynamik. Pauly springt durchgehend über die Bühne und auch seine Stimme wirkt viel präziser und allgemein besser. Das ist genau das, was die Band gebraucht hat um ihre Show wieder auf das Level von vor wenigen Jahren zu heben, als der ehemalige Sänger Austin Carlile aufgrund Herzproblemen die Band verlassen musste. All dies merkt man auch im Publikum sofort. Es ist viel aktiver als man es von den letzten Auftritten der band gewohnt ist, sodass auch hier der Staub nicht mehr auf dem Boden landet. Und er in der Luft wird verbrannt. Die Pyro Show lässt sich am besten mit den Worten eines Fans beschreiben: “Mega geil”.

Airbourne

Wer vor dem Headliner nochmal entspannen wollte, hat die Rechnung ohne Airbourne gemacht. Es ist unglaublich was für eine Energie von den Australiern ausgeht. Und mitten drin ist Gitarrist und Sänger Joel ‚Keeffe, die wohl größte Rampensau des Festival. Eine Pose jagt die nächste und zwischen de ganzen schafft er es auch noch zu singen. Dazu gibt es immer wieder ein Gitarren Solo und Feuer wo man hinschaut. Die Show is damit genau das, was man von der Band erwartet. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Der Höhepunkt mit einer Klettereinlage auf die Bühne von O`Keeffe fällt jedoch aus. Man wird ja eben auch nicht jünger, auch wenn das neuste Album der Band “Breakin’ Outta Hell” dies nicht vermuten lässt.

Sabaton

Den ganzen Tag war die Bühne nur halb benutzbar, weil Sabaton ihre Bühnenshow schon aufgebaut hatten. “We are Sabaton and this is Ghost Division” – diese Worte von Joakim Brodén sind wohl jedem Fan der Band geläufig. Auch heute sind es wieder diese Worte, mit denen Sabaton mit einem Knall auf die Bühne stürmt und den Song anstimmt. Die Bühne ist übersät mit Sandsäcken, Stacheldraht und einem Panzer, auf dem das Schlagzeug steht. Aber dies ist nur Nebensache. Sabaton wäre nicht Sabaton wenn sie nicht Unmengen an Pyro dabei hätte. So auch heute, wo diese im Sekundentakt zündet. Zünden tut auch das Publikum. Von Beginn an wird laut mitgesungen und immer wieder ein “noch ein Bier”-Chor angestimmt. Das Set ist nicht auf das kürzlich erschienene Album “The Great War” beschränkt, sondern ist ein bunter Mix der letzten 15 Jahre. Eine grandiose Show, die den Abend passend beendet.

Das war der Reload Festival 2019 Freitag und damit ist die Hälfte dieses genialen Festivals auch schon wieder rum. Die Nacht treibt einen anschließend auf den staubigen Acker zu einem letzten Bier mit den neuen Zeltnachbarn, bevor es am nächsten Morgen dann fast schon wieder heißt „Zelt abbauen“. Aber dies ist ein Gedanke für einen anderen Moment, nun freuen wir uns erstmal auf den letzten, mit Programmpunkten vollgepackten Tag.

Reload Festival 2020: Tickets + InfosReload Festival 2020

Open Flair 2019 – Samstag und Sonntag: Noch einmal volles Tempo

Nur wenige Bands schaffen es, an Tag 4 eines Festivals schon am frühen Nachmittag so viel Publikum vor die Bühne zu ziehen. Eine dieser Bands ist Sondaschule. Sie haben schon oft auf dem Open Flair gespielt und die Macher wissen, dass gute Stimmung immer direkt im Handgepäck dabei ist. Auf der Freibühne spielten im Anschluss Dave Hause & the Mermaid. Mir war der Singer-Songwriter bis zu diesem Wochenende kein Begriff. Wenn mich nun jemand fragen würde, ob man sich Dave Hause mal anhören sollte, wäre mein Antwort ein ganz klares: JA! Unbedingt. Seit 2010 ist der Künstler auf Solopfaden unterwegs, seit 2 Jahren allerdings wieder in fester Begleitung einer Band. Seine Show war musikalisch ausgereift. Auf der Bühne stand ein Mann, der wusste, wie man ein großes Publikum in seine Bann zieht.

Wer schon einmal auf dem Open Flair war, weiß, dass die Securities Spass haben und sich auch immer wieder was neues einfallen lassen. Da wären beispielsweise die Neon-Sportanzüge im 80er Jahre Stil mit blonden Perücken im letzten Jahr bei Milliarden. Dieses Jahr gab es dann vor dem Auftritt von Eskimo Callboy den Einmarsch der „Flairwatch“. Ja, die Secus kamen in an die Kultserie „Baywatch“ angelehnten Rettungsschwimmer-Outfits in den Graben. Eskimo Callboy selbst spielten zum zweiten Mal auf dem Open Flair. Die Band, die mittlerweile auch international große Erfolge verzeichnet, zeigte dem Publikum am Nachmittag, wo der Hammer hängt.

Mit den härteren Tönen ging es dann auch auf der Seebühne mit Annisokay weiter. Bei Enter Shikari wurde es danach richtig wild. Sänger Rou Reynolds bewegte sich exzentrisch über die Bühne, sang inmitten seiner Fans, es flog Farbpulver durch die Gegend und es bildete sich ein riesiger Circlepit. Hier wurden keine kleinen Brötchen gebacken. Rou setzte dem Ganzen noch die Krone auf, als er auf den FOH-Turm ging, sich dort auf die Brüstung stellte und von dort aus weitersang. Selbstinszenierung: große klasse.

Es folgte mein persönliches Highlight des Samstags: Bosse. Der 39-jährige spielte zum mittlerweile vierten Mal auf dem Open Flair und von Jahr zu Jahr wächst die Fangemeinde. Zu recht! Bosse und seine Band begeisterten, rissen alle mit, animierten zum Tanzen und Mitsingen. Der Sänger musste nur kurz zu klatschen anfangen, schon taten es ihm tausende Hände gleich. Der Auftritt war fantastisch und richtig viel und gut für’s Herz.

Immer wieder sprachen die verschiedensten Künstler, so auch Bosse Die Organisation Viva Con Aqua an. Ein Thema, welches auch mir persönlich am Herzen liegt. Am Ende des Festivals stand fest: Rekord! Mehr als 10.000 Becher wurden während des gesamten Open Flair Festivals 2019 gesammelt. Eigentlich immer noch zu wenig, wenn man die Anzahl der Besucher und die Dauer der Veranstaltung betrachtet, aber jeder Cent, der Viva Con Aqua zugute kommt, bedeutet: irgendwo in Afrika kann wieder ein Brunnen gebaut werden!

Nach dem Auftritt von Bosse wurde es dann tatsächlich noch voller auf dem Werdchen. Die nächste ganze große Band: Die Toten Hosen. Da passte keine Maus mehr mit auf den Platz. Währenddessen neigte sich das diesjährige Programm auf der Seebühne dem Ende entgegen. Mit Frittenbude und Beyond The Black gelang den Machern des Festivals zweifelsohne ein großartiges Finale des vorletzten Abends.

Sonntag

Der Sonntag wurde von The toten Crackhuren im Kofferraum eröffnet. Das Leben hat es vielleicht mit der Band nicht immer gut gemeint, aber sie sind noch da, hatten ihr drittes Album “bitchlifecrisis” veröffentlicht und sangen mit klaren Worten über das, was sie bewegte. Mit einem Augenzwinkern, verpackt in Glitzerjacken und Dancemoves. Auf der Freibühne schlossen sich danach Django S an und versorgten das Eschweger Publikum mit einer gehörigen Prise Ska-Punk.

Was waren die Fans von ZSK im Jahre 2011 erleichtert und begeistert, als die Band vier Jahre nach Auflösung ihre Re-Union bekannt gab. Das Konzert der Berliner Polit-Skate-Punk-Band zeigte, dass sie Bock hatten – und das Publikum erst. Mit ihrem aktuellen Album „Hallo Hoffnung“ konnten sie sogar in die deutschen Top 20 Album-Charts ziehen.

Yungblud – was kann man über den jungen Briten erzählen? „Völlig durchgeknallt“ ist vermutlich eine ganz passende Beschreibung seiner Bühnenshow und das war auch gar nicht negativ gemeint. Wie ein Energiebündel sprang der junge Musiker über die Bühne, der sich ein paar Tage zuvor den rechten Arm gebrochen hatte. Mit Gips stand er nun da und erzählte mit breitem Grinsen, dass die Ärzte ihm natürlich von den Konzerten abgeraten hätten. Aber Yungblud pfiff drauf und lieferte eine erstklassige Show.

Etwas ruhiger wurde es dann mit Von Wegen Lisbeth auf der Hauptbühne, die 2016 mit ihrem Debüt-Album den Durchbruch feierten. Die Indie-Pop-Band begeisterte mit ihrer ganz eigenen Instrumentalisierung, den ausgefeilten Texten und den Details dazwischen. Mit geballter Frauenpower von Chefboss ging es dann auf der Freibühne weiter. Sängerin Alice Martin und Tänzerin/Choreografin Maike Mohr hatten viel Spass auf der Bühne. Begleitet von einem DJ und zwei weiteren Tänzerinnen war da viel Energie. Tanz und Gesang standen im Einklang, beides auf gleicher Ebene, keines von beiden war wichtiger als das andere. Hier wurde wahrlich der „Freak aus jedem herausgeholt“.

„Punk trifft Rap, Eskalation und Pogo treffen ein brandaktuelles politisches Anliegen”, so ein Auszug aus dem aktuellen Pressetext von Swiss & die Andern. Diese Band war schon seit einiger Zeit extrem angesagt, Konzerte ihrer vergangenen Tour wurden teilweise in größere Locations verlegt oder es gab Zusatzshows. Und auch auf dem Open Flair stellten sie ihre guten Live-Qualitäten unter Beweis.

Im Folgenden machte sich B-Tight bereit, der seit mehreren Jahren jährlich ein neues Album auf den Markt brachte. Dass das qualitative Einschränkungen mit sich bringen könnte, ließ sich hier klar von der Hand weisen. Der Rapper, der gern provoziert, hatte sich vor ein paar Jahren mit seinen B-Tight-Playaz musikalisch auch in rockigere Gefilde vorgetastet. Bei seinem Auftritt auf dem Open Flair 2019 wurde er am Mikrofon von Monzy-De unterstützt, der seit ein paar Jahren Bestandteil der Live-Crew ist. Hier ging ordentlich die Post ab.

Mit ihrem aktuellen Album “Gravity” konnten Bullet For My Valentine nicht alle Kritiker überzeugen, auch nicht alle Fans. Live konnten sie aber auf dem Open Flair zeigen, dass sie zurecht einen Headliner-Spot ergattert hatten und entsprechend gewohnt rockig und energiegeladen legten Matt Tuck und Co sich auch ins Zeug. Das Werdchen war proppenvoll gefüllt, die Stimmung super und es gab jede menge Hits aus der umfangreichen BFMV-Schaffensgeschichte auf die Ohren der Eschweger.

Vor vier Jahren erschien das Debütalbum von Adam Angst. Seitdem waren sie viel live unterwegs und so führte sie ihr Weg nun auch zum Open Flair. Ihre Musik war ohne Schnörkel, die Texte gerade heraus und wunderbar ehrlich. Über ihr letztes Album “Neintology” schrieb das Magazin prettyinnoise.de: “Ein Album, das sich in gewohnter Weise in keine Schublade stecken lässt.”

Allerletzter Headliner des diesjährigen Open Flair waren The Offspring. Ja genau – die Band, die in den 90ern mit „Self Esteem” einen Mega-Hit (und noch vielen weiteren) erzielte, ist immer noch unterwegs. Die Kalifornier um Sänger Dexter Holland feierten mit neuem Album ihr 25-jähriges Bestehen. Im Gepäck hatten sie natürlich dennoch auch ein paar der älteren und beliebten Hits.

Nach The Offspring führte mich mein Weg dann wieder in die heimatlichen Gefilde. Es regnete. Im Autoradio lief eine „Best Of R.E.M.-CD“. Mein Kopf war voller Gedanken an all die wunderbaren Momente, die ich wieder in Eschwege erlebt hatte und an all die großartigen Künstler, die ich fotografieren konnte. Zum Open Flair Festival zu fahren bedeutet Jahr für Jahr fantastische Bands, tolles Ambiente und ein Treffen mit vielen, guten Freunden. Ich freue mich jetzt schon extrem auf nächstes Jahr!

Open Flair 2020: Tickets + Infos

So war das Highfield Festival 2018

Am mittleren Augustwochenende haben 35.000 Festivalfans beim der 21. Ausgabe vom ausverkauften Highfield Festival 2018 gefiert. Wie immer lud dabei der angrenzende, idyllische Störmthaler See bei Größpösna nahe Leipzig als perfekte Festival-Location ein. Beim bisherigen Super-Sommer-Verlauf lag es nahe, hat sich dann aber auch für die Highfield-Besucher bewahrheitet: makelloses Festivalwetter mit sommerlichen Temperaturen zwischen 25 und 30 Grad. Darüber war die Freude natürlich groß, vor allem da im vergangenen Jahr einige Shows dem schlechten Wetter zum Opfer fielen. Zum Glück hat Veranstalter FKP Scorpio die Idee umgesetzt, drei spezielle Gäste aus dem letzten Jahr einfach wiederzuholen. Die Auftritte von Billy Talent, Bosse und Clueso konnten allesamt endlich unter klarem Himmel nachgeholt werden. Auch sonst tummelten sich jede Menge nationale und internationale Künstler auf dem diesjährigen Line-up, an dessen Spitze (neben Billy Talent) Broilers, Marteria und Die Fantastischen Vier standen.

„Das Highfield 2018 war so reich an Emotionen und besonderen Momenten auf und neben den Bühnen, dass die Energie auf dem Festivalgelände förmlich greifbar wurde“, sagt Stephan Thanscheidt, CEO des Veranstalters FKP Scorpio. „Unser Dank gilt daher vor allem unseren Künstlern, die das Highfield mit ihrer Musik und zahllosen verrückten Einfällen unvergesslich gemacht haben. Unsere Gäste haben ihnen das mit einer Euphorie gedankt, die bei vielen Künstlern selbst Gänsehaut verursacht hat. Wir freuen uns jetzt schon auf das nächste Jahr!“

Freitag beim Highfield Festival 2018

Wie wird man eigentlich Headliner eines großen Festivals? Vielleicht, weil man seit über 21 Jahren – so wie Billy Talent – ein Garant für ein großartiges Punkrock-Konzert ist. Und in diesem Fall, im vergangenen Jahr leider nicht beim Highfield Festival auftreten konnte, weil das Wetter einen anderen (deutlich schlechteren Plan) verfolgte. Mit dem aktuellen Album „Afraid Of Heights“ (VÖ 7/2016) haben sie vor allem live nochmal eine Schippe drauf gelegt und das kommt bei den Fans an. Die neuen Songs, das neue Bühnenbild und eine Menge cooler Lichteffekte haben Billy Talent auch mit über den großen See geschleppt. An der Punkrock Front haben im Laufe des Tages aber auch Itchy – die dreifach besetzte Band aus dem schönen Schwabenländle mit den sympathischen Mitgliedern die allesamt gleich mehre Aufgaben übernehmen: Frontmann Sibbi und Kollege Panzer spielen beide Gitarre und Bass und geben abwechselnd den Sänger – Max ist ebenfalls für den Gesang zuständig, ist aber auch ein Ass an den Drums. Gogol Bordello haut in eine ähnliche Kerbe, aber eher wie Zigeunerpunk mit einem Mix aus Reggae und Rock’n’Roll bis hin zu spanischen Flamenco-Einflüssen und slawischen Klängen. Die New Yorker Band bestand früher nur aus Sänger Eugene Hütz und seiner Gitarre, schnell entstand daraus ein Trio und bis heute ist man auf neun Musiker angewachsen.

Wer es gern durchgeknallt mochte, der war am Nachmittag mit der Hip Hop-Crew aus dem Kohlenpott bestens bedient. 257ers spielten ein ausgelassenes Partydoppel mit Schaumkanonen und jeder Menge Unfug und Spaß. Das britische Duo The Subways begeisterte als Energiebündel mit ihrem Indie-Rock genau wie der smarte Erfurter Clueso, der mit seinem „Neuanfang“ einfach jeden inspiriert hat, es ihm nachzumachen. Und auch der nächtliche Auftritt von Herrn Gator aka Lukas Strobel begeisterte die Massen. Denn er hat es verstanden, die Menschen mit seiner Musik und seinen Texten gnadenlos zu unterhalten. Alligatoah – der junge Mann mit Schnauzer erzählte gutgelaunt seine Geschichten, er rappte, sag, blödelte und übte geschickt Kritik an der Gesellschaft.

 

Infos + Tickets Highfield Festival 2019
Highfield 2019 / Highfield Festival 2019

So war’s beim Vainstream Rockfest 2018

Zum bereits 13. Mal konnten Fans von rockigen, punkigen und metallischen Klängen am letzten Samstag  im Juni das eintägige Vainstream Rockfest am Hawerkamp in Münster besuchen. Die Stimmung war ausgelassen und obwohl wenige Tage zuvor noch die Kaltwetterfront dominierte, zeigte der Wettergott nun endlich Einsicht und spendierte sommerliche Temperaturen Sonne satt. Ein Wunder – ist man in den letzten Jahren bei Festivals doch eher Wolkenbrüche, Matsch und Gewitter gewohnt (ich zumindest). Für das Vainstream 2018 benötigten die Festivalfans jedenfalls Sonnencreme – viel Sonnencreme.

Erstmalig rockten in diesem Jahr knapp 16.000 Fans von Punk, Metal und Hardcore beim Vainstream und konnten ihren Alltag hinter sich lassen. Das beliebte Rockfestival bestach wieder mit seiner gelassenen, familiären Atmosphäre – ein großer Vorteil der „kleineren Festivals“. Neu auf der Agenda war der Coconut Beach, eine Art Chill Out-Area mit künstlichem Sandstrand und Pool, wo Dancehall und Reggae gespielt wurde. Dort gab es für die Fußballfans auch die Möglichkeit, die aktuellen WM-Spiele auf einer Leinwand zu verfolgen.

Das diesjährige Line-Up mit Musik von 29 Bands an nur einem Tag – und das auf mehreren Bühnen, konnte sich durchaus sehen lassen und war wieder sehr abwechslungsreich. Das Programm bestückten unter anderem: Beatsteaks, Bullet for my Valentine, Casper, Kadavar, Boysetsfire, Enter Shikari, Asking Alexandria, Sondaschule, Silverstein, Touché Amoré, Neck Deep und Stick to your Guns. Leider gab es dieses Jahr – obwohl angekündigt, keine Signing Sessions. Schade, war dies bislang doch immer eine tolle Möglichkeit seinen Lieblingsmusikern mal näher zu kommen, mit ihnen Fotos zu machen und ein bisschen zu plaudern. Dafür gab es von Impericon eine kleine Fotobox, die man mit zur Verfügung gestellten Schildern zum „selbst beschriften“ kostenfrei nutzen konnte und sich so bleibende Schnappschüsse für seine Pinnwand mitnehmen konnte.

Auch Kulinarisch wurde so einiges geboten, denn neben den festivaltypischen Getränken- und Pommesständen überzeugten auch jede Menge Streetfood-Angebote wie Falafel, Süßkartoffel- Pommes, besondere Fleischgerichte, vegane und Vegetarische Leckereien, köstliche Donuts und der Renner an diesem hochsommerlichen Wochenende: Eis mit frischem Obst. Ohne wenn und aber war das Vainstream Rockfest 2018 in seiner dreizehnten Edition wieder eine gelungene Veranstaltung. Möge 2019 kommen – gerne schnell, bitte! Das Datum kann man sich schonmal direkt vormerken: Am 29. Juni 2019 geht’s ein eine neue Runde am Hawerkamp!

Infos + Tickets Vainstream Rockfest 2019

Vainstream 2019 / Vainstream Rockfest 2019

Flogging Molly – Folk-Punkrock-Stars in Berlin

Am Donnerstag Abend füllte sich die Columbia Halle in Berlin, um mit Val Sinestra, Sondaschule und natürlich Flogging Molly bei ein, zwei Bier die Sau raus zu lassen. Während sich die Halle stetig füllte, eröffneten die Berliner Newcomer Val Sinestra die Show. Mit ordentlich Dampf und Aktion versuchten sie dem Publikum einzuheizen. Leider mehr schlecht als recht. Der Funke wollte trotz Show-Einlagen leider nicht so richtig überspringen und das Berliner Publikum ließ die Jungs ganz schön ackern. Ihre Mischung aus Punk, Rock und Hardcore kann sich dabei aber doch sehen lassen. Vielleicht war es auch einfach nicht die richtige Kombination zu den irischen Flogging Molly.

SONDASCHULE

Nach dem kleinen Warm-Up ging es mit Sondaschule, einer Ska-Punk Band aus Oberhausen schon deutlich mehr zur Sache. Das Publikum war direkt dabei. Es wurde geklatscht, gepogt, gejubelt und mit Sprechchören à la „Sondaschule, Sondaschule, hey! hey!“ wurden die 7 Jungs mächtig angefeuert. Nach ihrem Set überließen Sondaschule schließlich Flogging Molly das Feld.

FLOGGING MOLLY

Energiegeladen und gut gelaunt betraten Flogging Molly die Bühne. Vom ersten Gitarrenanschlag war das Publikum außer Rand und Band. Der harte Kern in der Mitte pogte ordentlich und auch der Randbereich war auffällig stark in Bewegung. Eigentlich gab es kaum jemanden, der sich nicht bewegte – auch nicht auf dem Oberrang. Selbstverständlich wurden einige Biere Richtung Bühne geworfen. Das gehört bei den Iren schließlich zum guten Ton. Auch Frontmann Dave King verteilte wie gewohnt einige Dosen Bier im Publikum. Die Stimmung war einfach unfassbar ausgelassen, die Columbia Halle brütend warm und rappel voll. Genauso, wie es auf einem guten Konzert sein sollte.

Rock am Ring 2017 – So war der Freitag

Die Überraschung und Freude ist groß, dass Rock am Ring nach zwei Jahren in Mendig wieder in der Heimat am Nürburgring steigt. Deutschlands größtes Rockfestival hat sich von der 9.000-Einwohner-Gemeinde verabschiedet, denn schließlich begann die Festival-Geschichte vor mehr als 30 Jahren auch hier am Ring. Auf den Zeltplätzen und den Straßen rund um den Nürburgring herrscht bereits seit Mittwoch reges Treiben. Nahe des Haupteingangs ist wieder eine Lidl-Festival-Filiale in Form eines großen Zelts aufgebaut, in das die Menschen schubweise drängen und vollbepackt wieder herausströmen. Der Auftakt beginnt planmäßig am frühen Freitagnachmittag. Bei strahlendem Sonnenschein und fast 30 Grad können sich die ersten Festivalbesucher ab 13 Uhr auf die Rennstrecke begeben. Am späten Abend soll dann Headliner Rammstein mit fulminanter Show auf der Hauptbühne auftreten.

[slide-gallery title=“Bildergalerie: Rock am Ring 2017″ ids=“27185,27266,27265,27190,27191,27188,27263,27264,27189,27187″]
[ad adtype=“mobile_banner_2″]

SONDASCHULE

Den Ska-Punk-Helden Sondaschule aus Mülheim an der Ruhr gebührt die Ehre, am Freitagnachmittag als Opener auf der Volcano Stage aufzutreten. Ganz getreu dem Sound ihrer Vorbilder Rancid, der kalifornischen Skate-Punks NOFX oder The Mighty Mighty Bosstones geben die sieben Jungs zum Besten, was in der deutschsprachigen Ska-Punk-Szene so geliebt wird. Kumpelhaft und nahbar zeigen sich Frontmann Tim und Co. während ihrer Liveshow, da geht es auch direkt mal in s Publikum. Gute Laune ist hier ebenso garantiert wie schräger Humor. Im Gepäck haben die Ruhrpottler ihr neues Album „Schere, Stein, Papier“, das Anfang Juli erscheinen wird.

[slide-gallery title=“Bildergalerie Rock am Ring 2017: Sondaschule“ ids=“27061,27057,27058,27126,27060,27056,27055,27063,27059″]

DON BROCO

Auf der Crater Stage macht sich derweil eine vierköpfige englische Rockband bereit. Don Broco ist die Band um Frontmann und Sänger Rob Damiani. Wie man Stimmung macht, zeigen die Briten direkt beim Betren der Bühne. Ihr Musikstil ist nicht zwingend für ein klassisches Rockpublikum gedacht, wer es poppig und rockig mag bekommt ihr einen richtig guten Vibe, der nicht mit Gitarren-Riffs geizt und trotzdem verspielt und hypnotisch daher kommt. Hier zu Lande ist die Band längst nicht so bekannt, doch wer sie hier und heute live gesehen hat, bei dem werden die Ohrwürmer unaufhörlich rotieren.

[slide-gallery title=“Bildergalerie Rock am Ring 2017: Don Bronco “ ids=“27068,27070,27072,27069,27067,27066,27071,27065″]

SKINDRED

Noch eine UK-Band, die bereit ist den Ring zu rocken – allerdings auf der Hauptbühne und etwas zeitlich versetzt. Seit 1998 gibt es die Band mit dem bunt durchmischten Musikmix aus Reggae, Metal, Rapcore, Alternative. Wer ein Freund von rockmusikalischen Klängen ist, versammelt sich jetzt am besten im Infield, denn der stimmgewaltige Sänger Benji Webbe startet den Abriss. Die aus den Überresten der Formation Dub War entstandene Band ist im Laufe der letzten Jahre zu einem richtigen Festivalliebling in Deutschland geworden. Was sicherlich an erster Stelle an ihrer mitreißenden Performance liegt. Das Crossover-Quartett spielt eine Show mit stetig steigernder Energie und natürlich hinterlassen die UKler ihr Publikum nass geschwitzt und hellauf begeistert.

[slide-gallery title=“Bildergalerie Rock am Ring 2017: Skindred“ ids=“27083,27089,27079,27085,27088,27080,27078,27087,27086,27081″]

IN FLAMES

Das aktuelle Album „Battles“ aus November 2016 ist auch ein etwas über ein halbes Jahr später noch ein guter Grund für die schwedische Melodic-Death-Metal-Band auf ausgiebige Festivaltour in Deutschland zu gehen. Da ist ein Konzert bei Rock am Ring ja eigentlich fast Pflichtprogramm. Sie gelten quasi als die Erfinder ihres Musikstils und sie haben eine 27 Jahre bewegte Bandgeschichte hinter sich. Charakteristisch für den In Flames-Sound die zwei harmonierenden Lead-Gitarren, die über der Rhythmusgitarre erklingen und dazu die für den Death Metal ungewöhnlichen Keyboard-Einsätze. Frontmann Anders Fridén fordert die Zuschauer gerne heraus, prompt wabern die ersten Crowd-Surfer wie Wellen über die Köpfe im Infield, im vordersten Wellenbrecher formieren sich die metal-typsichen Moshpit-Kreise.

[slide-gallery title=“Bildergalerie: In Flames bei Rock am Ring 2017″ ids=“27101,27098,27105,27104,27103,27100,27106,27099,27102,27097,27096″]

2 CELLOS

Wer schon einmal Sir Elton John auf seiner Welttournee begleiten durfte, scheint in der Musikwelt Fuss gefasst zu haben. Das kroatische Cellisten-Duo, bestehend aus Luka Šulić und Stjepan Hauser, bietet aber auch einfach mal etwas „anderes“. Mit ihrer Interpretation vom Michael Jackson-Hit „Smooth Criminal“ erlangten sie 2011 erste internationale Aufmerksamkeit. Beide Musiker blicken auf eine hervorragende klassische Musikausbildung zurück; Šulić an der Royal Academy of Music in London, Hauser am Royal Northern College of Music in Manchester. Moderne Stücke zu interpretieren ist ihr Ding und die Streich-Adaptionen, die 2 Cellos an diesem frühen Nachmittag auf der Crater Stage zum Besten geben, finden Anklang beim Rock am Ring-Publikum. Denn Šulić und Hauser sind voller Hingabe an ihren Instrumenten.

[slide-gallery title=“Bildergalerie: 2 Cellos bei Rock am Ring 2017″ ids=“27116,27119,27113,27120,27121,27123,27115,27122,27114,27117″]

Ruhrpott Rodeo 2016 – Tag 3: Die Euphorie des Abschiedsschmerzes

Dass das Ruhrpott Rodeo ein ganz besonderes Bandpaket zu bieten hat, lässt sich schon Wochen vor Beginn in den sozialen Netzwerken verfolgen. NOFX-Frontmann Fat Mike postet auf Instagram ein Bild zur Bandauswahl des Rodeos und kündigt ein hochkarätiges Pokerspiel mit Künstlern wie Milo Aukerman, Henry Rollins, Keith Morris, Joey Cape, Jello Biafra, Charlie Harper, Lou Koller, Scott Sturgeon, Blag Dahlia, CJ Ramone, Jack Grisham und Axel Kurth an.

Die Reaktionen seiner Leser sprechen Bände: „Wow. That line up is one of the most stacked I’ve ever seen!!!”, „Punk rock heaven show.“ oder „Why da fuck doesn’t Warped Tour have bands like this anymore?”. Völlig klar, dass irgendwer immer aus dem Häuschen ist, da er gleich DIE Helden seiner Jugend sehen darf.

Hier gehts zum Bericht: Ruhrpott Rodeo 2016 – Tag 1
Hier gehts zum Bericht: Ruhrpott Rodeo 2016 – Tag 2

Die erste Heimreisewelle hat begonnen. Pünktlich ab zwölf Uhr öffnen die Pforten für die letzte Runde Ruhrpott Rodeo 2016. Zwei Tage liegen bereits hinter uns und obwohl das Wetter am gestrigen Samstag nicht ausschließlich gut zu uns war, stehen wir pünktlich zu Christian Steiffen auf der Matte. Der Entertainer weiß, wie er das Publikum in seinen Bann zieht und bringt bereits zu dieser frühen Uhrzeit mehrere hundert Rodeisten zum Tanzen und Singen. „Wie gut, dass ich wieder hier bin!“, brüllt der Sänger der Menge entgegen und es ist fast ein bisschen erschreckend, wie fest das Punkrock-Publikum im Sattel der steiff’schen Songtexte steckt.

So war CHRISTIAN STEFFEN live

Deutlich brachialer hält es die tschechische Folk-Punk-Band Pipes and Pints. Bedingungslos öffnet sich der Pit vor der Bühne und der Prager Fünfer feuert nach. Brutal hetzt ein Titel nach dem anderen durch die Kehle des kalifornischen Frontmannes Syco Mike. Dass das Publikum schnell auf die Band anspringt, entgeht auch Mike nicht und so entschließt er den Circle Pit in der Menge der Masse zu zünden. Dazu begibt er sich gemeinsam mit dem Highland-Bagpipe-Genie Vojta Kalina in die Crowd.

So waren PIPES AND PINTS live

Da der Wind sein ganz eigenes Spiel mit dem energiegeschwängerten Sound der New Yorker treibt, kann man den Fünfer Leftöver Crack am besten aus den ersten Reihen bestaunen. Traut man dem Gehörten aus dem Publikum, scheint für viele die extrem gesellschaftskritische Band eine absolute Neuentdeckung zu sein. Zu recht, wie wir finden. Mit einem mehr als authentischen Dank verabschiedet sich die Band nach 45 Minuten von ihrer Zuhörerschaft.

So war LEFTÖVER CRACK live

Swiss und die Anderen scheinen erstmal so gar nicht in das bisherige Line Up zu passen. „Affektierter Hipster-Punk-Rap“, pöbelt ein Zuschauer und macht sich auf den Weg Richtung Food Corner. Cross Over im Genre Punk ist auch echt nicht immer die beste Idee. Als DJ Da Wizard mit dem Rage Against the Machine Cover „Killing In The Name Of“ startet, sind vermehrt kopfschüttelnde Besucher zu beobachten. Auch wenn es uns bis hier nicht wirklich packt, muss man den Hamburgern und insbesondere Sänger Swiss anerkennen, dass sie es echt Talent haben den Zuschauerraum zu motivieren.

So war SWISS & DIE ANDEREN live

Mit den UK Subs bucht Alex Schwers die nächsten Punk-Veteranen auf die Ruhrpott-Stage. Charlie Harper und seine Jungs gehören wohl nicht nur der alten Punkschule an, sondern gefühlt auch zu den Bands mit dem größten Charisma. Neu dabei haben die sympathischen Engländer den Gitarristen Stephen Straughan. Eine mehr als beeindruckende Wirkung hat die Leidenschaft von Frontmann Harper auf uns. Der 72-jährige hat deutlich Spass an der Musik, dem Publikum und offensichtlich auch am Ruhrpott Rodeo. Vielen Dank!

So war UK SUBS live

Darüber, dass Mann kackt sich in die Hose nicht einfach so auf die Rodeo Stage gebucht wurden, haben wir im Vorfeld schon berichtet. Geschadet hat es allerdings nicht. Souverän und ordentlich rotzig liefern die Dortmunder Crust-Punks ab. Ihre Ansagen werden zunehmen sinnbefreiter, aber das muss ja an einem Sonntagnachmittag nicht das schlechteste sein.

So war MANN KACKT SICH IN DIE HOSE live

Zurück auf der Ruhrpott Stage, startet schon die italienische Ska-Punk-Band Talco. Dass sich bei der clever gewählten Mischung aus Punk, Ska, Gipsy und Patchanka kein Besucher lang auf seinem Platz halten kann, beweist die aus Venedig stammende Band nicht zum ersten Mal. Talco heißt Tanzen trotz kritischer Texte, oder eben genau deswegen. Und wenn man sich dann mal überlegt, wie sich eine Revolution unter dem Soundtrack des Sextetts anfühlen würde, kann man nur die Faust in die Luft reißen, während man die Melodie zu „Bella Ciao“ summt.

So war TALCO live

Auch The Dwarves gehören zum alten Eisen. Mit Singalongs am Band lässt das Erscheinungsbild der Dwarves etwas zu wünschen übrig. Kennt man die aus Chicago stammenden Musiker eher provokant gekleidet, sind sie hier wohl ganz entspannt in Zivil unterwegs. Äußerst schade.

So waren THE DWARVES live

Auch wenn wir uns in keiner Sekunde dieses Wochenendes auf Sinkfahrt der MS Rodeo befunden haben, geht es ab jetzt nur noch steil bergauf. Flag impliziert ohne Frage Künstler, die mehr als eine Generation mit ihrer Musik prägten. Noch mehr alte Schule und uns wird schwindelig. Die am Schlagzeug prangende Setliste liest sich wie ein Lebenslauf und ein bisschen Gänsehaut zieht über den Körper. Flag haben längst Musik gemacht als – trotz des angenehmen Altersdurchschnittes – die meisten Anwesenden noch in ihren Kinderschuhen steckten: 36 Jahre Musikgeschichte gibt es zu bestaunen und auch wenn man irgendwie damit rechnet, dass Henry Rollins irgendwann die Bühne für eine glorreiche Reunion betreten wird, atmet man erleichtert auf, dass er es nicht tut. Aber vielleicht schenkt er den Erinnerung an die Vergangenheit zumindest ein Ohr.

So war FLAG live

Mit Sondaschule gibt es alte Bekannte zu sehen. Die Band aus Oberhausen ist wohl beliebter als Nutella – kann man aber auch verstehen. Immerhin beherrschen sie es wie kaum eine andere Combo, ihre Gefolgschaft bis in die kleinste Haarspitze zu motivieren. Die Security hat ordentlich zu tun, feiert das Siebenergespann aber selbst ordentlich. Im sechsten Jahr auf dem Rodeo sind die Herren mittlerweile alte Hasen am Flugplatz Schwarze Heide und es ist mehr als erstaunlich, wie offensichtlich sich die Ska-Punks von der Ruhr musikalisch – aber auch bühnenwirksam, weiterentwickelt haben. Hut ab!

So war SONDASCHULE live

TSOL – True Sounds of Liberty – gehören zu den Geheimtipps des Publikums. Eine Band aus der Zeit von Bad Religion, Circle Jerks oder The Adolescents. Das dicke Goldkettchen am Hals des Frontmannes Jack Grisham wirkt prollig, man munkelt jedoch, dass es ganz ironisch aus Plastik sei. Wer mal einen tieferen Eindruck bei TSOL bekommen möchte, sollte sich auf den Weg nach Huntington Beach machen, denn Grisham lädt mittlerweile traditionell alle Gäste zu sich nach Hause ein; gekommen sei bisher allerdings nur einer.

So war TSOL live

Was soll man zu Sick Of It All sagen? Das New Yorker Schlachtschiff erklärt sich nach 30 Jahren Bandgeschichte von selbst und fasziniert immer und immer wieder. Der Name ist Programm und so dauert es nicht lang, bis Lou Koller die politische Frustkeule schwingt und seinem Ärger über Clinton und Trump Luft macht. Untermauert wird seine Abneigung mit dem Titel „Uprising Nation“. Recht hat er! Das Publikum stimmt unter tosendem Applaus zu! Wie gewohnt rasen Pete Koller und Craig Setari über die Bühne als hätten sie Duracell-Batterien gefrühstückt. Mit peitschenden Gitarren und in Tiefrot gehüllt rechnen SOIA mit dem ganzen Scheiss dieser Welt ab.

So war SICK OF IT ALL live

Wenn sich eine Generation eingestehen muss, dass sie wohl keine Chance mehr haben wird die Ramones zu sehen, dann zeigt sie sich überschwänglich erfreut CJ Ramone in Hünxe begrüßen zu dürfen. Christopher Joseph Ward war von 1989 – 1996 Bassist bei der legendären Band „Ramones“ und beweist auch heute, dass er sein Geschäft versteht. Mit funkelnden Augen folgen die Zuschauer dem Punkurgestein und zeigen sich erstaunlich textsicher. Ob die Rodeo Stage ein anderes Mal so gut gefüllt war, können wir nicht sicher beweisen. Und bei CJs Geschichten um die Ramones sowie den Klassikern „California Sun“, „I Wanna Be Your Boyfriend“, „Judy Is A Punk“ und „Do You Wanna Dance“ träumt man sich schnell in die Zeit der Anfänge der Ramones oder einen Abend im legendären CBGB. Am Ende gibt’s Unterstützung vom The Dwarves Bassisten Nick Oliveri.

So war CJ RAMONE live

Als das kleine gelbe Banner mit den vier Buchstaben auf der Ruhrpott Stage gehisst wird, wissen wir, dass das Ende naht. NOFX beenden für uns das Ruhrpott Rodeo 2016 und überzeugen mit einer gewaltig lustigen Show. Fat Mike steht der Entzug echt gut und es ist fraglich, wann man ihn in letzter Zeit so unfassbar witzig erleben konnte. Im Duell mit Eric Melvin und El Hefe stellt der Kalifornier einige Komiker in den Schatten. Auch das Publikum bekommt immer mal wieder eine auf den Deckel, erfreut sich jedoch die anderen Gäste und Bandmitglieder erheitern zu können. Fat Mike hat ein – nennen wir es mal – sommerliches Kleid an und während des Blickes durch die Kamera fällt es schwer, sein rosa Höschen zu missachten. Ach, was soll’s, man sieht’s ja nicht ohne Grund. Dann macht er uns vor wie sich der Unterschied des Sick OF It All-Bassspiels und seines eigenen anhört. Kurz darauf erklärt er stolz, er habe jetzt auch einen Song im SOIA-Stil. Brachial geht also auch. Nach einer Show mit klaren Hits wie „Linoleum“, „Idiots Are Taking Over“, „Six Years On Dope“, „Bottles To The Ground“ oder „The Separation Of Church And Skate“ und selbstironischen Scherzen, begeben wir uns auf den Weg zum Caravan Camp. Unser Auto ist bereits gepackt und während Henry Rollins das Festival final beendet, geht unsere Reise Richtung Autobahn. Euphorisiert und gleichzeitig tief betrübt sagen wir Tschüss und uns wird bewusst, was wir dreißig Minuten nach Ankunft schon wussten: Der Abschied wird schmerzhaft, aber nicht für immer sein.

So waren NOFX live

Danke an:
Maria Graul für Bilder und Text.

Rock am Ring 2015 – Tag 2: Das ging ab am Samstag

Am Freitag abend setze bereits während der Show vom blassbleichen Marilyn Manson der Regen ein. In der Ferne entstanden erste Blitze, der Wind wurde stärker und riss an der Bühne seitlich das große Rock am Ring-Banner herunter. Alles in allem erschien das aber „passend“ zur Show eher effektvoll und harmlos. Dass es dabei nicht bleiben sollte, zeigte sich kurze Zeit darauf, als Musiker Fritz Kalkbrenner mit seinem DJ-Pult die Bühne für sich einnahm. Regen, Sturm, Gewitter – alles sammelte sich über dem Festival-Gelände, so dass der Veranstalter die Show letztendlich abbrechen musste. Mark Lieberberg betrat in der Nacht noch die Bühne und bat alle Besucher, sich nun lieber Schutz in ihren Behausungen zu suchen.

Erst am Samstag früh sollte das tatsächliche Ausmaß des nächtlichen Unwetters durch eine kurzfristig anberaumte Pressekonferenz des Veranstalters deutlich werden. Fazit: Es gab viele Wasser- und Sturmschäden auf dem Festivalgelände und den Campingplätzen und im Backstage-Bereich ist ein Blitz eingeschlagen, so dass ingesamt 33 Personen mit Verletzungen ins Krankenhaus mussten.

Die Stimmung der Festival-Besucher auf den Campingplätzen oder später auf dem Gelände war davon aber ungetrübt. Das ein oder andere abgesoffene Zelt gab es natürlich, aber Rock am Ring ist eine große Familie und so half jeder jedem und gewährte den Durchnässten Unterschlupf. Der Anblick ist jedenfalls der gleiche, wie bei jedem Festival-Morgen danach: sonnenverbrannte Gesichter und Körper, „Schnapsleichen“ und überall Sonnenbrillen die die Schmach der vergangenen Nacht verdecken sollen. Die ersten Wolken des Tages wichen auch schon bald wieder dem Sonnenschein und Deutschlands größtes Festival konnte in den 2 Tag starten.

Hier geht’s zum Bericht „Rock am Ring 2015 – Tag 1: Das ging ab am Freitag
Hier geht’s zum Bericht „Rock am Ring 2015 – Tag 3: Das ging ab am Sonntag

Bildergalerie: Da kommt CAMPING-FEELING auf

ROYAL REPUBLIC

Wer sich eine typische Rock’n’Roll-Band vorstellt, denkt sicher gleich an Dinge wie gegelte Haarlocken und Lederjacken. Einfach den coolen Look eben. Und genau dieses Klischees verkörpern die vier Jungs aus Malmö in Schweden. Sympathisch ist vor allem die gekonnte musikalisch Rock-Mischung – die ein wenig an die Hives erinnert – sogar mit noch mehr Power. Sänger Adam Grahn weiß, dass er aus seiner Gitarre alles rausholen kann und versprüht dabei auch noch unheimlich viel Charme. Die Damen in Publikum sind jedenfalls begeistert. Mit ihrer Musik wollen Royal Republic in erster Linie gute Stimmung verbreiten und auch dieses Ziel ist eindeutig erfüllt, blickt man auf die 90.000 feiernden Menschen vor der Bühne.

Bildergalerie: So war ROYAL REPUBLIC live

ANTIOPLEN GANG

Als absolut heiße Neuware werden die drei deutsch-Hip Hopper gehandelt. Natürlich erfüllen sie dabei auch gern die üblichen Klischees: Tattoos, Caps und ihren eigenen witzigen Sprach-Codex. Sie sind eine typische Gang, wobei Panik Panzer und Danger Dan sogar leibliche Brüder sind. Fragt man Fans nach ihrem bekanntesten Song, so wird sicherlich „Fick die Uni“ genannt. Aber natürlich steckt in ihnen noch viel mehr. Und das ist eindeutig die verrückte aber vor allem ironische Musik mit viel Wumms.

Bildergalerie: So war die ANTILOPEN GANG live

INTERPOL

Die New Yorker Indie-Rock-Band Interpol sind eigentlich absolute Perfektionisten. Mit ihren fünf Studioalben und bisherigen großen Tourneen sind sie im Musikbusiness kein unbeschriebenes Blatt. Musikalisch, stimmlich, hier passt einfach alles bei Sänger Paul Banks und seinem Team. Leider sind die Drei ansonsten schwer zurückhaltend mit ihrer Bühnenperformance und schaffen es nicht, das Publikum richtig mitzureißen. Schade.

Bildergalerie: So war INTERPOL live

SONDASCHULE

Sprichwörtlich mit Pauken und Trompeten gehen diese sieben Ska-Punk-Jungs aus Mühlheim an der Ruhr auf die Bühne. Ihr Stil: aussagekräftige Texte mit einer geballten Ladung an Rock. Seit 1998 gibt es die Truppe bereits und sie sind heimatverbunden, deshalb spielen sie dann auch ihren Song „Mühlheim Ruhr“ – als musikalische Liebeserklärung. Für gute Stimmung ist auch gesorgt, denn alle Sieben legen sich auf der Bühne mächtig ins Zeug um die Zuschauer anzuheizen.

Bildergalerie: So war SONDASCHULE live

SLASH FEAT. MYLES KENNEDY & THE CONSPIRATOR

Slash – war der mal nicht Lead-Gitarrist bei Guns’n’Roses? Jawohl, er ist es, der Mann mit den langen schwarzen Locken, dem großen schwarzen Zylinder und den magischen Gitarrenriffs. Saul Hudson, wie Slash mit bürgerlichem Namen heißt, ist übrigens einer der besten Gitarristen der Welt! Weltweit über 100 Millionen Alben wurden verkauft und er schrieb Geschichte mit den Guns’n’Roses. Doch auch seine Solo-Karriere kann sich sehen lassen. Bis heute bleibt er seiner Gibson Les Paul treu und auch sein Image eines Rockhelden pflegt er. Und nebenher produziert Horror-Fan Slash auch noch Filme und was läge da näher, er steuert mal den Soundtrack bei. Mit Alter Bridge-Sänger „Myles Kennedy“ und seiner Begleitband „The Conspirators“ rockt er an diesem Samstag Nachmittag mit viel Energie und wilden Posen über die Bühne.

Bildergalerie: So war SLASH live

TRAILERPARK

Trailerpark sind eine Art rappende Boygroup, die sich aus einem Labelkollektiv zusammengefunden hat. Darunter Newcomer auf der Rock am Ring Bühne 2014 „Alligatoah“ und im Gepäck hat er „Basti DNP“, „Timi Hendrix“ (Pimpulsiv) und „Sudden“. Eine explosive Mischung, wie sich in ihren Texten aber vor allem bei ihrem Live-Auftritt zeigt. Da wird dann direkt mal das Klavier vom „Bleib in der Schule-Intro“ mit Vorschlaghämmern und Äxten von den 4 Rappern zerlegt. Ansonsten sind die Vier in ihren quietschbunten Anzügen schon ein Hingucker und ganz Sprachrohr der jungen Generationen, nehmen sie doch gar kein Blatt vor den Mund. Instrumental findet sich ebenfalls eine wilde Mischung, ob Gitarrensound, Dubstep oder Punk-Rock – bei Trailerpark passt das tatsächlich zusammen.

Bildergalerie: So war TRAILERPARK live

Rock am Ring 2015 – Tag 2: Das ging ab am Samstag

KRAFTKLUB

Fünf Musiker aus Chemnitz die in den vergangenen Jahren Festivalbühnen, Konzerthallen und vor allem die Charts besetzten. Ihr Markenzeichen sind die roten Hosenträger und eine aufblasbare, überdimensionale typische Rocker-Hand („w“). Beliebt sind Kraftklub bei jung und alt, denn alle ihre Songs haben Mitsing-Charakter. Auf der Bühne gibt Sänger Felix Brummer ordentlich Gas, er springt und turnt herum und wirbelt das Mikrofon, dass er traditonell am roten Kabel hat, wellenförmig umher.

Bildergalerie: So war KRAFTKLUB live

PRINZ PI

Was hebt Rapper Prinz Pi eigentlich von seinen anderen deutschen Kollegen ab? Also erstmal hieß er früher noch etwas anders: Prinz Porno. Aber vor allem schafft er es, seine Songs mit Themen gesellschaftlicher Relevanz und emotionaler Tiefe, durch seine ehrliche sympathische Art den Zuhörern nahe zu bringen. Charterfolge und Beliebtheit bei den Frauen sind ihm bis heute aber nicht zu Kopf gestiegen. Der Berliner ist durchweg er selbst und auch auf der Bühne nimmt man ihm das ab. Auf dem diesjährigen splash! Festival in Ferropolis wird er übrigens noch einmal als Prinz Porno auftreten, wird sicher ein Kracher. Also nix wie hin!

Bildergalerie: So war PRINZ PI live

K.I.Z

Berliner Rüpel-Rapper im Anmarsch heißt es beim Auftritt von K.I.Z. Für zartbeseitete ist so ein Auftritt nichts. Vulgäre Gemeinheiten, Diskriminierung und ihr abstruser Humor hat ihnen bereits Kultstatus bei den Fans eingebracht, mag aber eben nicht jeder. Dafür haben alle Songs eingängige Melodien und viel viel Bass. Auf der Bühne sind K.I.Z zu Viert: DJ Craft und die drei MCs Tarek, Maxim und Nico. Sie verstehen es perfekt, in ihren Songs musikalische Stile wie Reggae, Rap, Punk und Elektro zu miteinander zu kombinieren. Und natürlich geht auch in Kürze ein neues Album an den Start: „Hurra die Welt geht unter“.

Bildergalerie: So war K.I.Z live

THE PRODIGY

In den 90er Jahren sorgte die englische Band The Prodigy dafür, dass der Musikstil Elektro populär wurde. 25 Jahre, 8 Studioalben und haufenweise Auszeichnungen später, stehen sie zum 6. Mal auf der Rock am Ring-Bühne. Und es hat sich nicht viel verändert. Krachende Bässe und Beats, zuckende Licht- und Lasereffekte und der flippige Frontmann Keith Flint der wie wild geworden über die Bühne fegt. Nicht weniger auffällig ist dabei Partner Keith Palmer (alias Maxim Reality), der erst im Pelzmantel verhüllt bleibt, um später aber ähnlich ausgeflippt und mit Kung Fu-Einlagen herumzuwirbeln. Für Fans ihrer Klassiker, aber auch die des neuen Albums gibt es aller Hand musikalisches Futter. The Prodigy sind einfach ein energiegeladenes Gesamtkunstwerk.

Bildergalerie: So war THE PRODIGY live

DEICHKIND

Die Hip-Hop-Formation aus Hamburg ist unter Festivalbesuchern bereits legendär. Ihre Live-Shows sind einzigartig und ungeschlagen. Was bei einem Auftritt von Deichkind alles zu sehen ist, glaubt man eigentlich nur, wenn man selbst mal Teil dieser Inszenierung wurde. Licht- und Nebeleffekte, fliegend-hüpfende Bandmitglieder, bunte bewegliche Lichtstehlen die sich als Bühnenbild immer wieder neu formieren und beleuchten lassen, unzählbare Kostüme, Gummiboot zum Crowd-Surfen, bewegliche „Fahrzeuge“ (Roller, Bürostühle, Dreiräder, uvm.) und nicht zu vergessen der große silberne „Leider Geil“-Luftballon. Und natürlich geht es zu „Roll das Fass rein“ auch in den direkten Kontakt mit der Menge. Im überdimensionalen Holzfass finden Kryptik Joe, Ferris MC und Porky Platz und lassen sich so durch die feiernden Zuschauer tragen. Alles mit einem großen Augenzwinkern, sehen sich die Sieben neben ihren Rap-Einlagen als regelrechte Entertainer. Mit ihrem neuen Album „Niveau Weshalb Warum“ im Gepäck sind sie aktuell auch auf Konzert-Tournee. Unser Tipp: Termin in eurer Nähe raussuchen und unbedingt anschauen!

Bildergalerie: So war DEICHKIND live

MARSIMOTO

Was ist grün und kifft? Marterias alter Ego Marsimoto. Endlich steht er auch auf Deutschlands Festival- und Konzertbühnen. Und passend zum Album-Release des neuen „Ring der Nebelungen“ zeigt sich der Grünling selbstbewusst. Sonst ganz im Schatten von Marterias Erfolg, schaute er lediglich mal kurz bei seinen Auftritten für 2 oder 3 Songs vorbei. Aber das schreit doch nach mehr. Ungewöhnlich ist Marsimoto alle Mal mit seiner hohen heliumähnlichen Digital-Stimme und den arg marihuana-lastigen Themen in seinen Songs. Aber gleichzeitig stecken so viel Details und Humor in alledem, dass der grünmaskierte viele Fans hat. Bei einem so späten Slot (1:35 Uhr nachts) auf der Rock am Ring-Bühne ist nicht zwingend zu erwarten, dass die „Bude rappelvoll“ ist – und doch. Neue und alte Songs und den typischen grünen Rauch gibt’s als Bonbon noch oben drauf.

Bildergalerie: So war MARSIMOTO live