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Das Open Flair 2026 am Samstag und Sonntag

Das Wochenende startete für mich an der Freibühne mit Valy And The Vodkas: dreckiger Garage-Rock aus Sachsen. Die Show war energiegeladen und hat überzeugt. Eine Band, die man sich definitiv wieder ansehen kann. Alles andere als dreckig ging es dann auf der Hauptbühne weiter, wo Bibiza aus Wien mit einer gewissen Leichtigkeit und dem Wiener Schmäh lockere Hip Hop-Beats gepaart mit Indie-Pop über das Gelände erklingen und die Fans tanzen ließ. Mitsing-Charakter hatte auf jeden Fall dann auch die Coverversion von “Narcotic” (Liquido). 

Ein anschließender kurzer Sprint zur Seebühne hat sich dann definitiv gelohnt. Dort spielten Bad Cop/Bad Cop aus dem Süden Kaliforniens. Auch hier zeigte sich wieder geballte Frauenpower auf der Bühne. Eine tolle Tendenz, die allgemein dieses Jahr stark auf dem Open Flair zu verzeichnen war. Die Band gibt es seit über 15 Jahren, hat in dieser Zeit vier Alben veröffentlicht und klingt eigentlich genau so, wie man es bei einer Band aus Kalifornien erwartet: nach gutem, handgemachtem Punkrock. Die Show hat sehr überzeugt und sorgte für gute Stimmung im Publikum.

Zurück am Werdchen spielte als nächstes Frank Turner & The Sleeping Souls, der König des Folk-Punk. Mit seinem zehnten Studioalbum “Undefeated” beweist der Brite einmal mehr seine Ausnahmestellung als Songwriter. Frank Turner zählt zu den treuesten Weggefährten des Open Flair. Und so überraschte es wenig, dass sich unzählige Fans vor der Bühne einfanden und ein gutes Konzert genossen. Und wer einen Blick aufs LineUp hatte, wusste, dass die Donots etwas später auch auf der Radio BOB-Bühne spielen sollten. Und so konnte man 1 und 1 zusammenrechnen, dass sich Ingo Donot zum Lied “Do One” zum Duett mit Frank Turner auf der Bühne einfand. 

Kurz zur Freibühne gedreht, ging es dort weiter mit Karen Dió aus Brasilien. Die Sängerin sorgte für gute Stimmung mit ihrem Skate-Punk. 

Tja, und dann gibt es Bands, die spielen auf dem Open Flair – und es gibt die Donots, die beim Flair schlichtweg zu Hause sind. Die Ibbenbürener Punkrock-Legenden haben in den letzten zwei Jahrzehnten während ihrer insgesamt 10 Auftritte wohl jeden Grashalm am Werdchen persönlich begrüßt und legendäre Shows abgeliefert. Die Donots starteten direkt mit voller Energie, darunter mit ihren Hits “Calling” und “Whatever Happened To The 80s”. Im Laufe der Show spielte Ingo dann mit einem Fan im Publikum Tischtennis auf einer winzigen Platte: erst im Moshpit und als ob das noch nicht genug wäre, ließen sich beide hochheben von den Fans herum inklusive der Tischtennisplatte und so lieferten sie sich ein kurzes und nicht ganz ernst gemeintes Match über den Köpfen des Publikums. Und dass ihre Konzerte als Pflichttermin für Herz, Seele und Moshpit angesehen werden können, bewiesen sie auch dieses Jahr: 2018 machten sie – auf Wunsch eines Fans – einen Aufruf, sich bei der DKMS registrieren zu lassen. Und genau dieser Fan (Sören) war am vergangenen Wochenende auch beim Open Flair, schrieb das den Donots und sie holten ihn – mittlerweile geheilt dank einer Knochenmarkspende – prompt auf die Bühne. Unfassbar menschlich und nahbar. Ein emotionaler Moment auf beiden Seiten.

Zweiter Headliner – neben den Donots – waren an diesem Abend Feine Sahne Fischfilet, Mecklenburgs lauteste Stimme gegen Rechts. Auch sie haben schon ein paar Mal auf dem Open Flair gespielt. Sänger Monchi, der am Nachmittag noch aus seinem Buch “Jenseits der Brandmauer” gelesen hat im Rahmen des Festivals, sorgte mit seiner Band für viele Bierduschen, Moshpits und Crowdsurfer – eine riesige, tobende Masse. Und da es nicht reicht, die Leute vor der Bühne tanzen zu sehen, forderte Monchi die Security im Graben auf, beim letzten Lied alle Fans auf die Bühne zu lassen. Was für ein Abend. 

Was folgte, war eine Neuheit beim Open Flair: der erste Headliner für nächstes Jahr wurde verkündet, noch während das aktuelle Festival läuft. Und wer in den letzten Tagen aufmerksam Plakate und Zäune am Gelände begutachtet hat, wusste es schon längst. Niemand geringeres als die Ärzte (aus Berlin!) werden nächstes Jahr hier in Eschwege das Publikum begeistern.

Etwas überraschend kam für mich vor ein paar Monaten die Ankündigung des letzten Acts des Samstag: die Babyshambles. Indie-Pop trifft bei diesem Stück Rockgeschichte auf Garage-Rock. Das Gefühl, dass die Band nicht ganz so gut aufeinander eingespielt ist, ließ mich irgendwie während der Show nicht wirklich los, auch wenn es dennoch ein solider Auftritt war. Direkt zweites Lied war dann auch ihr großer Erfolgshit “The Delivery”.

SONNTAG

Nicht nur die Sonne sorgte am Sonntag für ausreichend Sommer-Vibes mit sehr sehr hohen Temperaturen, nein, auch der Ska-Punk von Less Than Jake sorgte für gute sommerliche Stimmung. Die Band aus Florida ist seit über 30 Jahren unterwegs und verwandelte, mit der aktuellen EP “Uncharted” im Gepäck, das Festivalgelände in eine Tanzfläche. Still Talk, die nächste Band des Tages, stehen für Pop-Punk & Emo-Revival aus Köln: Mit ihrem Debütalbum “St. Kilda” hat sich die Band um Sängerin Tanja Prill blitzartig an die Spitze der heimischen Alternative-Szene katapultiert. Und so brachten sie mit ihrer Musik frischen Wind aufs Open Flair.

Mit Hot Water Music spielte eine Institution des Punkrock auf der Hauptbühne. Vor gut 30 Jahren gegründet, konnten sie mit ihrem Jubiläumsalbum “VOWS” erneut unter Beweis stellen, dass ihre Musik unvergänglich ist. Und den Beweis erbrachten sie nun auch wieder einmal beim Open Flair. Eine starke Show, energiegeladen, mit harten Riffs und einer Reibeisenstimme von Sänger Chuck Ragan. Das ging unter die Haut.

Im Anschluss spielten Buster Shuffle aus London auf der Freibühne. Jet Baker und seine Jungs verbinden schwungvollen Ska mit Piano-Pop und britischem Humor. Wer in den vergangenen Jahren bei Buster Shuffle vor der Bühne stand, weiß: Tanzen ist Pflicht! Und diesem Aufruf folgten die Fans. Gut eine Stunde begeisterten sie das Publikum. 

Vom Geheimtipp auf den kleinen Bühnen des Open Flair direkt auf die großen internationalen Festivals: Die Giant Rooks haben in den letzten Jahren eine steile Karriere hingelegt. Mit ihrem mitreißenden Indie-Pop und internationalen Welthits kehren sie als gestandener Top-Act zurück nach Eschwege. Und sie überzeugten auch dieses Jahr wieder und zogen sehr viele Fans vor die Radio BOB-Bühne. Bei “White Stairs” kommt Frontmann Frederik Rabe ins Publikum. Zum Abschluss der Show gab’s dann noch Konfettiregen. 

Weiter auf der Hauptbühne ging es dann mit dem großartigen Aki Bosse. Für das erste Lied war die Bühne noch durch einen Banner verdeckt und er stimmte gemeinsam mit einem Chor aus 30 Fans seinen aktuellen Hit “Lass dich nicht f*cken” an, kinderfreundlich umgetextet in “Lass dich nicht zwicken”. Danach fiel der Vorhang und Aki sprang und tanzte als personifizierte Lebensfreude über die Bühne und brachte einen Hit nach dem anderen. Er ist mittlerweile Dauergast auf dem Open Flair. Und das ist gut so. Bei “Ein Traum” tauchte er auf einmal mitten im Publikum auf einer Leiter auf und sang gemeinsam mit seinen Fans. Letzter Song war passenderweise “der letzte Tanz”. 

Der letzte Headliner des diesjährigen Open Flair waren Biffy Clyro aus Schottland. Die Band ist bekannt für ihre extrem starken Live-Performances. Und ja, das ist wohl auch Grund, warum sie nicht zum ersten Mal so einen präsenten Timeslot in Eschwege haben, denn auch dieses Jahr machten sie ihrem Ruf alle Ehre. Gänsehaut traf auf Gitarrenriffs, gekonnt eingesetzte Lichteffekte unterstützten die Show.

Es war wieder ein wundervolles Open Flair bei traumhaftem Wetter, mit großartigen Bands und einem feierfreudigen Publikum. Nicht zu vergessen meine Open Flair-Familie: ohne die richtigen Leute drumherum wäre es sicher nur halb so schön. Danke!

Nächstes Jahr wird spannend. Aktuell sind bereits 70% (!) der Tickets verkauft. 

Gott erschuf Himmel, Erde und das Open Flair 2026

Das Open Flair-Festival lockt seit mittlerweile über 40 Jahren Freunde der guten Musik aus allen Ecken Deutschlands nach Eschwege. Auch in diesem Jahr konnten die Veranstalter im Vorfeld “ausverkauft” melden, was in heutigen Zeiten nicht mehr selbstverständlich ist, da eine gute Balance aus zumutbaren Ticketpreisen und den immer weiter steigenden Kosten gefunden werden muss. Viele Besucher hört man sagen, dass es hier, mitten in dieser beschaulichen Stadt, einfach immer wieder eine besondere Atmosphäre sei und man immer wieder komme, auch wenn das Line-Up vielleicht einmal nicht ganz so sehr überzeugt. Neben den drei Hauptbühnen (zwei am Werdchen, eine am See) bietet das Open Flair einfach so viel mehr mit Kleinkunst, Elektrogarten, Oase der Ruhe, und und und. Es ist wirklich jeder willkommen, ob groß oder klein, Technofan oder Punkrocker oder Indie-Pop-Liebhaber. Und ja, vermutlich sind das auch all die Gründe, warum ich jedes Jahr wiederkomme und mich besonders auf meine lieben Fotokollegen und die großartige Security freue. Das ist immer wieder wie ein Familientreffen, kennt man doch den Kern teilweise schon über 10 Jahre.

Da ich es dieses Jahr leider nicht am Mittwoch zum Open Flair geschafft habe, begann das Festival offiziell erst am Donnerstag an der Seebühne für mich. Den Auftakt machte die Indie-Pop-Band Kapa Tult aus Leipzig, die bereits vor drei Jahren schon einmal hier gespielt hat. Ihre Texte drehen sich um Liebe, Alltagskrisen und gesellschaftliche Erwartungen. Das Publikum an der Seebühne zeigte sich zum Auftritt noch etwas müde, dennoch haben sich einige Fans vor der Bühne eingefunden. In der Zwischenzeit starteten die ersten Walking Acts über das Gelände. Es ist echt wahnsinnig spannend, auf welche Ideen die Leute kommen und wie gut die Kostüme etc. umgesetzt sind.

Als Bluthund als nächster Act auf die Bühne kamen, herrschte direkt eine andere Stimmung. Mit einem Weihrauch-Pendel kam Sänger Abraxas auf die Bühne und direkt dann auch ins Publikum. Die Band, welche stets maskiert auftritt, lässt sich vielleicht irgendwo zwischen Elektro, Punk und Hip Hop einordnen. Falls das überhaupt möglich ist. Sie sprengen Grenzen und begeisterten damit von der ersten Minute an ihre Fans. Erster Song war Scheißwut. Mit Ansagen wie “Gott erschuf Himmel, Erde und das Open Flair” katapultierte sie sich sicher auch direkt in viele Herzen. Bei “Büro until Rente” holten sie ihren Special Guest auf die Bühne: einen Bürostuhl, liebevoll verpackt in silberfarbene Folie. Es war eine ausgelassene Stimmung, energiegeladen, mit vielen Moshpits. Stillstehen schien keine Option gewesen zu sein. Am Ende ließ es sich Sänger Abraxas nicht nehmen, noch auf die Leinwand neben der Bühne zu klettern. Kann man machen.

South Arcade aus den UK bildeten dann, insbesondere auch durch das Outfit von Sängerin Harmony Cavelle, einen großen stilistischen Gegensatz. Ihre Musik wird als modern Alternative Pop Punk beschrieben und man bekam das Gefühl, irgendwo in die 2000er zurückversetzt worden zu sein. Vielleicht etwas zu poppig, aber dennoch eine gelungene Show.

Poppige Elemente hatten auch From Fall To Spring im Gepäck, allerdings dann doch verpackt in wesentlich härtere Klänge. Die Band um die beiden Brüder Philip und Lukas Wilhelm war bereits schon zweimal auf dem Open Flair. Auch sie brachten etwas Nostalgie auf die Bühne mit ihrem Sound zwischen Nu-Metal und Post Hardcore, angelehnt an die Klänge der 2000er. Mit den beiden Coversongs “Incomplete” von den Backstreet Boys und “Last Resort” von Papa Roach hatten sie dann auch ein sehr textsicheres Publikum vor sich. Man konnte viele glückliche Crowdsurfer in der untergehenden Sonne beobachten. Was will man mehr für die perfekte Festivalstimmung?

Headliner des Tages waren wohl unangefochten die Könige des Folk-Punk, die Dropkick Murphys aus Boston. Vom ersten Ton an war es einfach großartig: Sänger Ken Casey kam sehr oft vor zum Publikum in den Graben, es gab Moshpits, viele tanzende Menschen. Man merkte sofort: hier stehen wirklich Vollprofis auf der Bühne, die nicht zu unrecht schon über 30 Jahre ihr Publikum begeistern und ihre Fanbase wachsen lassen. Nicht nur das Open Flair liebt diese explosive Mischung aus Irish Folk und Punkrock. Wunderbar.

FREITAG

Der Freitag startete mit ordentlich Frauenpower auf dem Hauptgelände, welches an diesem Tag seine Tore öffnete. Auf der Freibühne gaben sich Frau Paul die Ehre. Das Hamburger/Berliner Trio ist seit fünf Jahren zusammen unterwegs und verpackt ihre feministischen und gesellschaftskritischen Texte in eine ordentliche Portion Post Punk und Indie. Das Werdchen schwang sich ein, auch wenn sicher auch wegen der hohen Temperaturen noch nicht so der Funke überspringen wollte.

Besser klappte es dann mit Deiner Cousine auf der Radio Bob Bühne. Hier herrschte von Anfang an Stimmung im Publikum, als sie mit “St. Pauli” das Konzert eröffnete. Kein Wunder, steht Powerfrau Ina Bredehorn gefühlt unter Dauerstrom und das übertrug sich natürlich auch von der Bühne auf ihre Fans. So voll habe ich das Werdchen an einem Freitagnachmittag bisher selten erlebt. Ein Bad in der Menge rundete die Show ab.

Musikalisch etwas andere Töne wurden direkt im Anschluss auf der Freibühne angespielt: Shoreline aus Münster gaben sich die Ehre. Die Band, deren Musik man als Emo-Punk mit Herz und Haltung beschreiben kann, hat sich durch viele Konzerte und Tourneen europaweit eine solide Fanbase aufgebaut. Und so war es an der Freibühne vom ersten Ton an ein großes Fest mit fantastischer Stimmung.

Schneller Wechsel zur Seebühne: hier traf Hardcore auf Funk bei Slope aus Duisburg. Nach ihren bisherigen, absolut chaotisch-wilden Auftritten auf dem Open Flair war klar, dass es dieses Jahr nicht weniger energiegeladen von Statten gehen würde. Von Anfang an bildeten sich Moshpits im Publikum, musikalisch fühlte man sich irgendwo zwischen Beasty Boys und modernen Elementen.

Mit Moshpits ging es dann fast übergangslos weiter bei Our Mirage. Seit fast 10 Jahren sind die Musiker aus Nordrhein-Westfalen gemeinsam unterwegs. Ihre Musik, im Post-Hardcore angesiedelt, ist ein gelungenes Wechselbad der Gefühle: melodiöse Refrains durchbrechen brachiale Screams. Bei der Show erlebte man auch wieder einen Moment, der eigentlich nur so beim Open Flair passiert: ein Papa im Einhornkostüm mit Tochter auf den Schultern mischte sich in den Moshpit. Herrlich.

Weiter ging es an der Seebühne dann mit April Art. Modern Metal mit brachialer Energie: Mit ihrer roten Mähne und einer Stimmgewalt wirbelte Frontfrau Lisa-Marie Wärner über die Bühne. Die Band begeisterte das Publikum. Vor 10 Jahren hatten sie wohl schon einmal beim Open Flair angefragt und wurden abgelehnt, aber nun hatte es ja geklappt und sie spielten direkt zu bester Zeit am Werratalsee.

Für den Auftritt des Freitag-Headliners SDP führte mich mein Weg noch einmal kurz zum Hauptgelände zur Radio BOB-Bühne.Hier wurde alles rausgehauen, was geht: Konfetti, Feuer, aufblasbare Riesenfiguren. Das Werdchen war sehr gut gefüllt und es herrschte eine gute Stimmung.

Mein persönlicher Headliner waren allerdings definitiv die Emil Bulls. Zu fast unchristlicher Zeit spielten sie von 00:30 bis 2:00 auf der Seebühne. Aber das hinderte weder mich noch unzählige andere Festivalbesucher daran, gut anderthalb Stunden mit den fünf Münchnern zu feiern. Schon mehrfach waren sie beim Open Flair und lieferten auch in diesem Jahr eine starke Show, die es musikalisch in sich hatte. Direkt mit den beiden Brettern “Most Evil Spell” und “Battle Royal” legten sie zu Beginn des Konzertes den Grundstein. Moshpits, Headbanger, alles vom Feinsten. Bevor dann mit einer Wall Of Death und dem klassischen letzten Emil Bulls-Song “Worlds Apart” der Abend zu Ende ging, gab es noch den A-Ha-Klassiker “Take On Me” auf die Ohren. Ein grandioser Abschluss.

Zwei Tage Ausnahmezustand: Open Flair 2025 schließt mit Power, Party und Gänsehaut

Am Samstag, den 8. August 2025, zeigte das Open Flair Festival in Eschwege einmal mehr, warum es zu den charmantesten Open-Airs Deutschlands gehört: Musik, Menschen und der Blick auf Werra und Werratalsee verschmolzen zu einer einzigartigen Kulisse. Die Mischung aus großen Headlinern und spannenden Newcomern sorgte dafür, dass die Stimmung von nachmittäglichem Tanzfieber bis hin zu abendlicher Gänsehaut perfekt austariert war. Am Sonntag legte das Festival dann einen emotionalen Schlusspunkt, bei dem Fans noch einmal alles gaben – von ausgelassenem Feiern bis zu diesem stillen Moment, wenn man weiß, dass es gleich vorbei ist. Besonders war die Nähe zwischen Künstlern und Publikum, die in Eschwege fast familiär wirkte und jeden Auftritt intensiver machte. An beiden Tagen bewies das Open Flair, dass es nicht nur um Musik geht, sondern um das Gefühl, Teil einer großen, bunten Gemeinschaft zu sein.

So war der Samstag

Danko Jones wissen, was sie auf der Bühne tun. Und das seit über 20 Jahren. Auch wenn ihr letzter Auftritt beim Open Flair schon eine ganze Weile zurückliegt (um genau zu sein: 8 Jahre) und ich mir im Vorfeld nicht so sicher war, ob sich die drei Musiker auf der großen Hauptbühne nicht doch verlieren, so muss man sagen: das funktioniert wirklich gut. Das Werdchen ist gut gefüllt zu dieser frühen Zeit und so schmettern die Kanadier feinste Rockmusik über den Platz. Auch die Antilopen Gang war viele Jahre nicht beim Open Flair. Seit ihrem letzten Auftritt sind ein paar Alben dazugekommen (zuletzt “Alles muss repariert werden” 2024) und die Fangemeinde wächst stetig. Der Auftritt ist energiegeladen, es gibt eine Wall of Death im Publikum und auch hier reiten Fans wieder auf aufblasbaren Flamingos übers Publikum.

Ein kurzer Wechsel zur Freibühne lässt dort Fans der härteren Töne versammeln, als Drei Meter Feldweg spielen. Sie überzeugten bereits bei ihrem letzten Auftritt beim Open Flair vor gerade einmal zwei Jahren, damals noch auf der Seebühne (wir berichteten). Auch 2025 ist das Publikum tanzwillig, es gibt Crowdsurfer, die, wie immer in Eschwege, von der großartigen Security der Stageline Crew sicher in den Graben geholt werden. Zurück an der Radio BOB!-Bühne hat sich das Publikum in den vorderen Reihen sichtbar verjüngt und auch der weibliche Anteil ist höher als noch bei der Antilopen Gang zuvor. Der Grund: Ennio. Der junge Münchner hatte seinen Durchbruch 2021 mit seiner Single “Blaulicht” und er ist seitdem nicht zu bremsen. Im Gepäck hat er beim Open Flair neben einigen älteren Songs natürlich auch Sachen vom aktuellen Album “Schlaraffenland”.

Auf der Freibühne ist im Anschluss Frauenpower angesagt: Paula Carolina ist da und macht gute Stimmung. Sie kommt ehrlich und sympathisch rüber. Die 26-jährige Sängerin, die mittlerweile in Hannover wohnt, strotzt nur so vor Energie. 2023 überzeugte sie bereits auf der Hofbühne beim Open Flair. Im letzten Jahr erschien ihr erstes Album “Extra”. Nothing But Thieves aus England haben im Laufe ihres 13-jährigen Bestehens 4 durchaus erfolgreiche Alben veröffentlicht, welche besonders in ihrer Heimat einstellige Chartplatzierungen erzielt haben. Auch beim Open Flair waren sie schon – zuletzt 2019 – zu Gast. Dieses Jahr will der Funke aber nicht so ganz überspringen.

Ganz im Gegensatz dazu die nächste Band: Itchy sind Garant für gute Laune und ordentlich Stimmung. Das weiß jeder, der die Band schon einmal auf einem Festival gesehen hat. Bei ihrem über 20-jährigen Bestehen ist die Chance auch gar nicht so gering, sie schon mindestens einmal live erlebt zu haben. Der letzte Auftritt auf dem Open Flair ist wirklich sehr lange her, aber das Publikum hat nichts vergessen. Crowdsurfer dürfen genauso wenig fehlen wie der von Sibbi fast schon obligatorische Ritt auf dem Guitarcase. Später kommen Sibbi und Panzer ins Publikum und singen im Lichtermeer, umringt von den sitzenden Fans.

Finaler Headliner sind an diesem Samstagabend I Prevail. Ein recht harter Headliner für das Open Flair, wie ich finde. Das Werdchen ist gut gefüllt, aber wirklich voll ist leider anders. Das wird besonders auch beim Blick von oben auf das Festivalgelände deutlich. Aber die Fans, die dort auf dem Werdchen sind, feiern die Band aus Michigan. Hier schallt feinster Metalcore über das Gelände, Hände zu Pommesgabeln geformt werden in die Luft gestreckt. Großartig und für mich ist es ein guter Abschluss des vorletzten Tages.

So war der Sonntag

Etwas ungewöhnlich für das Open Flair erscheinen im ersten Moment Kitty, Daisy & Lewis. Die Band, die da auf der Hauptbühne steht, überzeugt nicht durch eine wilde Liveshow. Das müssen sie auch nicht, denn sie verstehen ihr Handwerk. Es ist eine entspannte Musik, die die drei Geschwister da über das Werdchen ziehen lassen und somit einen guter Start in den fünften und letzten Tag beim Open Flair bieten. Die vergangenen Tage sind den meisten Leuten vor Ort schon anzusehen. Man braucht hier wirklich gute Ausdauer.

An der Freibühne ist es im Anschluss dann etwas punkiger mit Butterwegge. Seit 10 Jahren ist die Band rund um Sänger Carsten Butterwegge unterwegs. Dass die Texte nicht unpolitisch sind, lässt sich vor dem Hintergrund des Politikwissenschaftsstudiums des Frontmanns wohl kaum vermeiden. Dennoch bedeutet ein Butterwegge-Konzert viel Spaß, wie sich auch an diesem Sonntag zeigt.

Etwas kantig, rotzig und laut. Aber was würde man anderes bei einer Band namens Team Scheisse erwarten? Genau. Und so wird es beim diesjährigen Open Flair auch ein gelungenes Konzert, das die Bremer Punkrocker dort aufs Parkett legen. Die aktuelle Single “Mittelfinger” wird lauthals vom Publikum mitgesungen.

Wenn man die Blackout Problems schon lange kennt und sie bereits zu ihren Anfängen auf der Bühne gesehen hat, muss man wirklich feststellen, dass da eine große Entwicklung passiert ist. Eine sehr große. Musikalisch ist es erwachsen und lauter geworden. Gereift. Ihr letztes Album “Riot” ist 2024 erschienen und hat zumindest kurz in die Top 5 der deutschen Albumcharts geschnuppert. Mario Radetzky hat über die Jahre starke Frontmann-Qualitäten entwickelt und die zeigt er auch beim mittlerweile schon fünften Auftritt der Band beim Open Flair. Da ist Energie in der Luft, die Leute tanzen und singen und Mario gönnt sich einen Stagedive.

Enter Shikari geben sich zum dritten Mal, nach ihren Auftritten 2014 und 2019, die Ehre beim Open Flair. Die Show lebt besonders von dem niemals still stehenden Sänger Rou Reynolds. Er wirbelt über die Bühne, reißt den Mikrofonständer in die Luft oder nimmt ein Bad in der Menge der Fans. Und wenn Enter Shikari spielen, dann weiß man bereits im Vorfeld: irgendwo hinauf wird Rou klettern. Bei ihrem letzten Auftritt in Eschwege war es der FOH-Turm und das sorgte damals für viele erstaunte Blicke und offene Münder. Dieses Jahr klettert er auf die meterhohen Boxen am Bühnenrand. Unberechenbar, wild und dadurch immer wieder sehenswert.

Auch am fünften Tag kommt das jüngere Festivalpublikum auf seine Kosten, als 01099 aus Dresden mit ihrem Hip Hop die Fans vor die Radio BOB!-Bühne locken. Was man auf den ersten Blick gar nicht vermutet: die mittlerweile nur noch 3 festen Mitglieder der Kombo haben alle einen musikalischen Background, lernten sie sich doch in sehr jungen Jahren im Orchester kennen. Ihre Musik veröffentlichen sie großteils im Selbstverlag und dank Streamingplattformen wie Spotify setzt sich ihr Erfolg in rasendem Tempo durch. Die Show auf dem Open Flair lässt dann auch nicht viel zu wünschen übrig, sowohl ihre ersten Hits als auch Songs vom aktuellen Album “Kinder der Nacht” erklingen an diesem Sonntagabend.

Die Band Juli rund um Sängerin Eva Briegel allein auf ihren Hit “Perfekte Welle”, mit dem ihnen vor gut 20 Jahren der Durchbruch gelang, zu reduzieren, wird den Musikern nicht gerecht. Insgesamt 5 Alben haben sie veröffentlicht, das letzte Album “Der Sommer ist vorbei” konnte sich sogar für einige Wochen in den deutschen Top 10 behaupten. Das Konzert, eines der letzten des diesjährigen Open Flair, ist sehr gut besucht, es herrscht eine schöne Stimmung und die Security haut alles an Konfetti raus, was noch übrig ist.

Den Auftritt von Papa Roach dürfen wir leider fotografisch nicht begleiten, aber, was soll ich sagen: ich hatte wieder einmal ein wunderbares Open Flair, liebevoll an so vielen Ecken organisiert und umringt von tollen Menschen vor der Bühne, hinter den Kulissen. Es war mir wieder ein Fest und schon jetzt freue ich mich wahnsinnig auf das nächste Jahr, wenn dann unter anderem Bosse und die Emil Bulls das Werdchen zum Tanzen bringen werden.

Open Flair 2025 – Drei erste Tage Vollgas zwischen Rock, Rap und Festivalglück

Ach, liebes Open Flair. Was bist du doch so wunderbar und kein bisschen leiser geworden mit den Jahren. Die Sonne scheint und das ganze schlechte Wetter der vergangenen Wochen ist vergessen. Wie jedes Jahr wird Eschwege am zweiten Augustwochenende von tausenden Musikfans besiedelt.

So war der Mittwoch

Opener dieses Jahr sind Focus. aus Riesa (Sachsen). In der Hinterhand haben sie zwei EPs und ein Album. Jetzt ist das neue Album “Nie nur ne Phase” da und die Band heiß darauf, ihre ehrlichen Texte hinaus in die Welt zu tragen. Und da ist das Open Flair ja schon ein ganz guter Anfang. Tatsächlich sind bei ihrem Auftritt auch schon vereinzelt erste Crowdsurfer zu beobachten. Die erste Single “Alkohol” vom aktuellen Album wird direkt vom Publikum mitgesungen.

Hi!Spencer waren bereits vor drei Jahren in Eschwege. Sie wussten damals schon zu überzeugen mit ihrer Musik, die sich irgendwo zwischen Pop, Rock, Punk und Indie einordnen lässt, aber eben doch in keine Schublade so richtig passen will. Ihr neues Album “Oben” mit der Single “Lösen” haben sie mit auf die Seebühne gebracht. Das Publikum in den vorderen Reihen erweist sich als sehr textsicher, auch direkt schon beim ersten Song “Fotopapier” oder auch beispielsweise bei “Träumer”.

Etwas länger im Geschäft ist die nächste Band. Seit die Rogers 2012 ihren Plattenvertrag unterschrieben haben, sind fünf Alben entstanden. 2023 erschien “Rambazamba & Randale”. Die Düsseldorfer Band spielte zuletzt vor drei Jahren auf dem Open Flair. Bei ihrem Auftritt dieses Jahr bilden sich die ersten Moshpits des Tages und Songs wie “geh mir nicht mehr auf die Eier” werden lautstark mitgesungen. Schlagzeuger Dominic Sbarcea feiert heute sein 11-jähriges Bühnenjubiläum mit den Rogers und damals war sein erster Auftritt mit der Band tatsächlich auch auf dem Open Flair. Der Auftritt dieses Jahr bietet viel Potential zum Singen und Tanzen, so ertönt der Refrain von “für immer” aus vielen Kehlen und bei “Kreuzberger Nächte” zieht sich eine Polonaise durch das Publikum.

Manchmal ist es so einfach, einen Bandnamen zu finden: man nehme einfach die ersten beiden Stellen der Postleitzahl und schon heißt man Raum27, wenn man von der Nordsee kommt. Die Erfolgsgeschichte der beiden Musiker ist noch nicht lang, klingt aber nach einer guten Zukunft: das aktuelle Album “Keine Tränen” erschien dieses Jahr und konnte bis auf Platz 10 der deutschen Charts klettern. Sie können bereits auf eine treue Fangemeinschaft bauen. Und sie geben ihren treuesten Seelen auch etwas zurück: nämlich die Chance für einen Heiratsantrag. So ergibt es sich, dass Jonas und Nele in der Mitte des Publikums stehen, alle Augen auf sie gerichtet. Sie sagt ja. Als kleines Vorab-Geschenk der Band gibt es dann “Vermiss dich” zu hören, einen älteren Song, den sie sonst eigentlich nicht mehr spielen. Die Stimmung ist gut, Sänger Tristan gibt alles auf der Bühne und springt umher wie ein Flummi.

Weiter geht es mit Maxïmo Park, welche tatsächlich ganze 16 Jahren nicht auf dem Open Flair waren. Auch wenn ich damals schon Jahr für Jahr nach Eschwege gekommen bin, so ist dieses – man hörte davon – großartige Liveerlebnis an mir vorbei gegangen. Das sollte sich nun 2025 ändern. Ihr aktuelles Album “Stream of Life”, welches letztes Jahr erschienen ist, wurde hoch gelobt von der Kritik. Leider hat man das Gefühl, dass Maximo Park nicht den Puls des jüngeren Publikums treffen. Die Show ist sehr solide und gut, aber leider fehlt dieses Kribbeln, das man hat, wenn das Publikum einfach ausrastet und Spaß hat.

So war der Donnerstag

Vor gerade einmal zwei Jahren ist der Biberacher Musikproduzent Jonas Hipper als eigenständiger Künstler Fryzt in Erscheinung getreten. Es ist eine One-Man-Show mit viel Gefühl, aber auch guter Laune und durchaus sehr tanzbaren Nummern. Auf dem Open Flair ist er recht spontan als Ersatz eingesprungen. Neben eigenen Nummern gibt es u.a. auch eine Coverversion von Juli “Regen und Meer”.

In der ersten Umbaupause kommen die ersten Walkacts auf das Gelände. Es ist jedes Jahr wieder erstaunlich, was sich manche einfallen lassen und wie kreativ die Ideen und Kostüme sind.

Bei TRiPKiD weht dann ein anderer Wind über das Gelände der Seebühne. Nach einer kleinen Clubtour im Frühling sind sie nun beim Open Flair zu Gast. Mit ihrer brachialen Musik und den direkten Texten animieren die Stuttgarter Musiker das Publikum zu ordentlich Bewegung. Es gibt wieder Moshpits. Beim ersten Song tragen die Drei noch Masken, welche dann aber abgelegt werden. Mit ihrer ehrlichen Musik und den guten Sounds bekommen sie das Publikum sehr gut in den Griff. Letzter Song ist “unsere Schwester”.

Bei Reis against the Spülmachine trifft Musik auf Comedy. Nicht zum ersten Mal beehren die beiden das Open Flair und auch dieser Auftritt versprach schon im Vorfeld, für ordentlich gute Abstimmung zu sorgen. Direkt mit dem ersten Lied des Tages “Zweikomponentenkleber” ist das Eis gebrochen und das Publikum hat extrem viel Spaß, tanzt und singt. Das Gelände ist für den Donnerstagnachmittag bereits sehr voll.

Auch bei Future Palace versprach es schon im Vorfeld, laut zu werden. Die Berliner Band, die unter anderem schon mit Electric Callboy und Annisokay getourt ist, hat bisher drei Alben veröffentlicht, zuletzt “Distortion”. Es war längst an der Zeit für einen Auftritt beim Open Flair, bevor es dann im Herbst auf Nordamerika-Tour geht. Future Palace sind zum ersten Mal beim schönsten Festival und stellen musikalisch ein ziemliches Kontrastprogramm zur vorherigen Band dar. Da fliegen Haare und es gibt wieder Moshpits.

Eigentlich haben sich Irie Révoltés, die sich vor 25 Jahren gegründet haben, 2017 von den Bühnen verabschiedet, auch mit einem großartigen Auftritt beim Open Flair damals. Eigentlich. Denn 2025 kehren sie nun, für dieses eine Jahr, zurück und spielen auf einigen Festivals und eine letzte Tour mit großem (bereits ausverkauften) Finale in Mannheim im Dezember. Dieser Auftritt ist wirklich der Auftritt des Tages. Man könnte es schon fast als einen totalen Abriss bezeichnen, der direkt mit dem ersten Song “Allez!” startet. Das Gelände ist eine große Partyzone mit Moshpits, Crowdsurfern, fliegenden Aufblas-Flamingos und Konfetti. Es wird noch einmal wirklich alles rausgeholt. Großartig.

Auch wenn ich persönlich die “Friesenjung”-Version von Otto Waalkes bevorzuge (vielleicht auch meinem Alter geschuldet), so kommt man an diesem Donnerstag auf dem Open Flair nicht an Ski Aggu vorbei. Vor zwei Jahren veröffentlichte er seine eigene Version des Hits und stand damit auch auf Platz 1 der deutschen Charts. Doch der Berliner Rapper hat noch viel mehr zu bieten. Das Publikum in den vorderen Reihen hat sich in der Umbaupause stark verjüngt. Direkt zu Beginn gibt es Feuer und Konfetti.

So war der Freitag

Auch in diesem Jahr eröffnet das Hauptgelände am Werdchen mit Freibühne und Radio BOB!-Bühne am Freitag und somit stehen den Fans, neben zahlreichen weiteren Veranstaltungsorten in der Stadt, nun auch die zwei größten Bühnen offen.

Chaosbay waren vor 3 Jahren noch der Donnerstags-Opener auf der Seebühne beim Open Flair. Dieses Jahr sind sie auf der Freibühne auf dem Hauptgelände zu Gast. Zwar ebenfalls zu recht früher Stunde, aber mit ihrer Musik rütteln sie wohl jeden sofort wach, der sich in die Nähe des Geländes begibt. Im letzten Jahr erschien ihr Album “Are you afraid” mit dem gleichnamigen Titelsong. Von der ersten Minute an geben die Musiker aus Berlin wirklich alles und das Publikum dankt es ihnen. Besonders Fans der härteren Töne lassen sich hier vor der Bühne finden. Das macht Spaß, was die vier dort abliefern. Neben “Maniac in the mirror” gibt es unter anderem auch die brandneue Single “Enemy” zu hören.

Ein Blick zurück auf die frühen 90er Jahre in einer niederrheinischen Kleinstadt: ein paar Jugendliche gründen eine Punkrockband, inspiriert von Größen wie Metallica,Slayer oder Slime. Wir spulen vor auf das Heute und Hier, wo Betontod zum mittlerweile vierten Mal beim Open Flair spielen. Im Dezember findet ihre große Jubiläumsshow “35 Jahre Betontod” in Hamburg statt. Mit über 1000 gespielten Konzerten müssen sie niemandem etwas beweisen und doch zeigen sie zu recht früher Stunde auf der Radio BOB!-Bühne, dass es sie zurecht schon so viele Jahre gibt. Das ist guter, handgemachter Punkrock, der sofort zum mitmachen animiert.Das Werdchen ist gut gefüllt, als Mitsingnummern wie “keine Popsongs” über das Gelände tönen.

Serpentin, welche erst im letzten Jahr zu Gast in Eschwege war, überzeugte so sehr, dass sie auch 2025 wieder da ist. Die junge Sängerin ist auch Songwriterin und Produzentin und hat sich sicher für ihren Auftritt nicht weniger vorgenommen als das ganze Publikum wieder in Bewegung zu bringen mit ihrer Mischung aus Indie, Elektro und Pop. Gefühlt will an diesem doch recht frühen Freitagnachmittag der Funke nicht so ganz an der Freibühne überspringen.

Beim nächsten Act wird es voll auf der Bühne. Wenn sich 13 Mann zusammentun, um gemeinsam etwas Großes zu schaffen, dann könnte das heißen: Querbeat sind da und heizen dem Open Flair mächtig ein. Es herrscht eine ausgelassene Partystimmung, es fliegen Aufblas-Flamingos übers Publikum. Anschließend mischen sich einige Bandmitglieder unter das Volk und spielen umringt von Fans ein paar Nummern.

Auch Rantanplan aus Hamburg gehören zu den “alten Hasen” im Musikgeschäft. Doch wer denkt, dass die Musiker mit den Jahren leiser werden, hat sich getäuscht. In ihrer 10-jährigen Open Flair-Abstinenz ist einiges passiert, z. B. erklomm ihr 2023 erschienenes Album “Ahoi” Platz 11 der deutschen Albumcharts. Sie locken an diesem wunderbar sonnigen Freitag besonders Fans des guten Punkrock vor die Freibühne.

Die nächste Band bringt mich an die Seebühne. Selten sieht man Künstler auf dem Open Flair, die von so weit herkommen wie Coldrain aus Japan. im Jahr 2007 in Nagoya gegründet, konnten sie besonders durch ihre Tourneen gemeinsam mit beispielsweise Bullet For My Valentine oder Electric Callboy auch in Europa Fuss fassen und eine Fanbasis aufbauen. Im Frühjahr 2024 gingen sie auf eigene Clubtour in Deutschland und nun ist es Zeit, dass sie das Open Flair erobern. Und was sie da abliefern an der Seebühne ist mehr als nur gelungene Überzeugungsarbeit. Brachiale Beats treffen auf Growls und dann wieder melodischen Gesang. In meinen Ohren klingt das ganz wunderbar und auch das Publikum scheint sehr begeistert. Ich kann mir vorstellen, dass sie mit diesem gelungenen Auftritt den ein oder anderen neuen Fan für sich gewinnen konnten und ich denke, man wird in nächster Zeit noch etwas mehr von Coldrain hören.

Auch Royal Republic gehören zu den Wiederholungstätern beim Open Flair. Zwar liegt ihr letzter Auftritt auf dem Werdchen schon etliche Jahre zurück, aber umso schöner ist es, dass sie nun dieses Jahr wieder das Eschweger Publikum begeistern wollen. Und dass sie nichts verlernt haben, beweisen sie bei ihrer gut 70-minütigen Show. Mit zwei neuen Alben im Gepäck (seit ihrem Auftritt 2016) und jeder Menge Spielfreude überzeugen die Schweden von der ersten Minute an. Besonders natürlich Sänger Adam Grahn hat das Publikum sofort im Griff. Die Musik macht gute Laune, die Menschen tanzen.

Musik, wie sie von der Punk Rock Factory kommt, würde man vermutlich geografisch eher im sonnigen Kalifornien verorten. Aber nein, die drei Musiker kommen aus Süd-Wales und haben sich auf die Fahne geschrieben, sämtliche Hits der 90er und 2000er mit einer gehören Prise Punkrock zu versehen, sei es beispielsweise “Back for Good” von Take That oder “Gangsta’s Paradise” von Coolio. Keine Nummer ist vor ihnen sicher. Und so ist das Gelände an der Seebühne auch ganz gut gefüllt, als die Band einen Coversong nach dem anderen spielt. Die Stimmung ist großartig.

Wenn ich an den (ersten und bisher) einzigen Auftritt von Yungblud beim Open Flair 2019 zurückdenke, dann kommt mir sofort wieder in den Sinn, wie wild und verrückt die Show damals war. Und wer nicht ganz blind und taub war, wusste: er kommt wieder. und dann als einer der Mainacts auf der Radio BOB!-Bühne. Dieses Jahr sollte es nun so weit sein und der junge Brite, der erst vor drei Tagen seinen 28. Geburtstag feierte, liefert eine fantastische, energiegeladene Show ab. Wahnsinn, wie er da über die Bühne springt, gewohnt exzentrisch und mit starker Mimik und Gestik. Er sucht die Nähe des Publikums, um dann im nächsten Moment wieder komplett alles loszulassen auf der Bühne. Ein wahrer Performancekünstler und wohlverdient einer der Headliner des diesjährigen Open Flair.

Open Flair 2024: Rockige Nächte und bunte Tage

Das Open Flair Festival 2024 in Eschwege ist in jedem Jahr ein Feuerwerk aus Musik, Kunst und purer Lebensfreude. Mit einem Line-up, das von Indie-Helden bis zu Punk-Ikonen reicht, bietet das Festival für jeden Musikgeschmack etwas Besonderes. Höhepunkte sind energiegeladene Shows und mitreißende Performances, die bei den Besuchern für Gänsehaut und ausgelassene Stimmung zugleich sorgen. Besonders beeindruckend ist aber die einzigartige Mischung aus Livemusik, Street-Art und Kabarett, die das Flair jedes Jahr aufs Neue so besonders macht. Ein Festival, das nicht nur musikalisch, sondern auch kulturell eine wahre Perle ist und die Fans in Scharen anzieht.

So war Der Samstag

Am Samstag führt mich mein Weg zuerst zur Seebühne, wo Heisskalt einen ihrer ersten Auftritte seit sage und schreibe 6 Jahren haben. Völlig überraschend und fast wie aus dem Nichts wurde die Band aus Baden-Württemberg noch recht spontan für dieses Jahr ins Programm genommen und wenn ich mir den Platz so ansehe, bin ich nicht die einzige, die sich über die Rückkehr von Heisskalt so freut. Der leider nur 40 Minuten dauernde Auftritt wird von dem Lied “Bürgerliche Herkunft” eröffnet. Die Stimmung während der gesamten Show ist wahnsinnig gut. Die brandneue Single “Wasser, Luft und Licht” darf natürlich ebenso wenig fehlen, wie das textlich großartige “Gipfelkreuz”. Letzter Song des Sets ist “Hallo”, die wohl bisher erfolgreichste Nummer von Heisskalt. Im Anschluss spielen HotWax nach kurzer Umbaupause auf der Seebühne. Leider will der Funke von den drei noch sehr jungen Engländern nicht so richtig überspringen. Apropos Funke: zurück am Hauptgelände funkt es nur so zwischen Roy Bianco & den Abbrunziati Boys und ihren Fans. Die sechsköpfige Band aus Bayern versprüht mit einer ganzen Schippe Selbstironie nur so italienischen Charme mit ihrer Musik irgendwo zwischen Italo-Pop und Italo-Schlager.

Musikalisch gibt es anschließend mein persönliches zweites Highlight des Tages (nach Heisskalt) mit den Beatsteaks. Wenn man diese Band im Sommer bei bestem Wetter Open Air spielen sieht, so gibt es eigentlich nichts passenderes, als das Set mit “Summer” zu beginnen. Und so ist es dann auch beim diesjährigen Auftritt der fünf Berliner. Es folgen dann direkt weitere Hits am Stück mit “Jane became insane”, “Let me in”, später dann auch u. a. “Boombox” und “Hey du”. Zur Zugabe gibt es dann “French Disko” und den Klassiker “Hand in Hand”. Kurzer Wechsel zur Freibühne: dort spielen mit Dritte Wahl ein paar alte Hasen des Showgeschäfts. Die Rostocker Band hätte bereits auf dem fünften Open Flair vor 35 Jahren spielen können, denn so lange gibt es die Punkrock-Urgesteine bereits. Dementsprechend ziehen sie nicht nur alte, sondern auch neue und junge Fans vor die Bühne. Neben vielen Songs aus der langen Bandgeschichte gab es auch das ein oder andere Stück vom brandaktuellen Album “Urlaub in der Bredouille” zu hören.

Der nächste Künstler hatte sich eigentlich letztes Jahr von der Bühne verabschiedet. Ende November wurden alle Social-Media-Kanäle geleert, um dann nur wenige Tage später die Single “So raus” mit Fred Durst zu veröffentlichen. Zum Open Flair ist er nun auch zurück: lauter, provokanter, Alligatoah. Die Bühne wie ein Büro eingerichtet, wirft er mit Ordnern um sich, zertrümmert ein Notebook mit einem Baseballschläger und auch musikalisch überrascht der 34-jährige. Neben aktuellen Hits vom Anfang des Jahres erschienenen Albums “Off” gibt es natürlich auch frühere Nummern zu hören. Die Fans auf dem Werdchen freut’s.

Kurzer Schwenk zurück zur Seebühne: dort spielen Panteón Rococó. Musikalisch stechen die Mexikaner komplett heraus mit ihrem Latin-Ska. Hier bewegt sich das ganze Publikum, es wird getanzt und gefeiert in dieser wunderbaren lauen Sommernacht.

So war Der Sonntag

Am Sonntag eröffnen Contour auf Kassel die Freibühne. Sie selbst waren schon oft als Besucher auf dem Open Flair und natürlich ist es dann ein besonderer Moment, dann auch selbst einmal auf der Bühne hier zu stehen. Es gibt bereits kleine Moshpits und auch eine Wall of Death. Millencolin starten im Anschluss direkt mit einem ihrer erfolgreichen Hits “Penguins & Polarbears” auf der Radio BOB!-Bühne. Im Vorfeld war ich mir unsicher, ob so eine Klassiker-Band des Skatepunk wirklich am frühen Nachmittag des letzten Tages auf der Hauptbühne spielen sollte. Aber es funktioniert. Und das sogar wunderbar! Es haben sich viele Fans eingefunden und die Stimmung ist jetzt bereits ausgelassen. Die ersten Crowdsurfer des Tages sind auch schon unterwegs.

Lonely Spring hatten im Rahmen des Insel Flair 2021 schon in Eschwege gespielt. Drei Jahre später nun sind sie zurück und haben unter anderem ihren Hit “Misfit” dabei, mit dem sie 2023 im deutschen Vorentscheid des Eurovision Song Contest den fünften Platz erzielen konnten. Das Bühnenbild bei Swiss & die Andern ist an den Titel des aktuellen Albums “Erstmal zu Penny” angelehnt, denn es zeigt eine fast identische Nachbildung des Eingangs vom berühmt-berüchtigten Penny-Markt auf der Reeperbahn in Hamburg. Neben dem Ärzte-Klassiker “Schrei nach Liebe” dürfen natürlich auch eigene Songs wie “So bereuen” oder “Nicht für ein Land” nicht fehlen. Die Fans sind am Moshen und Crowdsurfen.

Setyoursails habe ich als Vorband der Emil Bulls schon einige Male gesehen und auch für gut empfunden, allerdings ist ihr Auftritt auf der Freibühne an diesem Sonntagnachmittag wirklich großes Kino. Energiegeladen und hier und da mit etwas Feuerelementen gespickt, bringt die Band aus Köln mit Frontfrau Jules gut eine Stunde lang die Freibühne zum Beben. Bei „Why“, einem älteren Song, kommt Bassist Nicolai ins Publikum und lässt einen CirclePit fast so groß wie das Gelände der Freibühne um sich kreisen, während er spielt.

Sondaschule sind auf dem Open Flair immer eine sichere Bank und Garant für Partystimmung und gute Laune. Natürlich werden sie dieser Erwartung auch in diesem Jahr wieder gerecht und sorgen für ausgelassene Stimmung auf dem Werdchen. Als Nina Chuba dann als nächste Künstlerin die Radio BOB!-Hauptbühne übernimmt, hat sich der Altersdurchschnitt in den vorderen Reihen fast schon halbiert. Viele der jungen Fans haben Plakate für ihr Idol gebastelt, auf denen sie beispielsweise um ein gemeinsames Foto bitten. Die junge Sängerin, die vor zwei Jahren ihren großen Durchbruch mit dem Megahit “Wildberry Lillet” hatte, begeistert gute 75 Minuten das Publikum.

Den Abschluss auf der Radio BOB!-Bühne bilden, wie auch schon bei ihren letzten Konzerten beim Open Flair, Rise Against. Souverän rocken die vier US-Amerikaner und bringen das ganze Gelände zum Beben. Großartige Hits, Feuer, Energie und auch ruhige Momente: all das sorgt für einen mehr als gelungenen Auftritt.

Danke, liebes Open Flair und danke an all die wunderbaren Menschen, die diese 5 Tage Jahr für Jahr zu etwas ganz besonderem werden lassen.

Alles Liebe zum 40. Geburtstag, liebstes Open Flair 2024!

Auch in diesem Jahr verwandelt sich Eschwege am zweiten Augustwochenende in ein großes Festivalgelände und wie auch all die Jahre davor kommen die Besucher von nah und fern. Für mich ist das Open Flair mittlerweile wie ein jährliches Familientreffen: man kennt und schätzt die anderen Fotografen, man kennt die Secus, die großartige Arbeit leisten und mit denen man sich wirklich sicher fühlt und man sieht auch ein paar bekannte Gesichter im Publikum, auf die man sich immer wieder freut. Es gibt wohl kein vergleichbares, so abwechslungsreiches Festival in Deutschland. Und wieder fühle ich mich auch hin- und hergerissen zwischen all den verschiedenen Bühnen und Locations.

So war Der Mittwoch

Am Mittwoch und Donnerstag hat, wie gewohnt, nur die Seebühne geöffnet. Das bedeutet: wer feiern will, kommt hierher. Erste Band am Mittwoch ist Das blühende Leben. Bereits bei Engst, der nächsten Band des Tages, ist die Stimmung schon fantastisch. Beim dritten Song mischt sich Sänger Matthias Engst unters Publikum und lässt den Circlepit um sich kreisen. Später folgt auch noch Ramin, der mit seiner Gitarre crowdsurft.

In diesem Jahr spielen die Monsters of Liedermaching gleich mehrfach auf dem Open Flair: während auf der Seebühne selbst umgebaut wird zwischen den Bands, spielen die Monsters auf dem Gelände direkt am See auf einem kleinen Truck. Das Publikum singt gewohnt lautstark jede Textzeile mit.

Kapelle Petra aus Hamm haben Anfang des Jahres ihr aktuelles Studioalbum “HAMM” veröffentlicht und reihen sich an Tag 1 ein in die Bands, die für ausgelassene Stimmung sorgen. Sie erklären dann auch noch das Open Flair zum Weltkulturerbe mit dem gleichnamigen Song (“Weltkulturerbe”). Eine Idee, die sicher ihren Reiz hat 😉 Die Single “Geht mehr auf Konzerte” darf gegen Ende der Show natürlich auch nicht fehlen. Montreal, die letztes Jahr ihr sage und schreibe 20-jähriges Bandjubiläum feiern konnten, haben im April ihr achtes Studioalbum “Am Achteck nichts Neues” veröffentlicht. Und so haben sie mittlerweile ein großes Repertoire an Liedern, auf das sie zurückgreifen können. Im Laufe der Show sorgt dann noch Sebastian Madsen für einen kurzen Gastauftritt am Schlagzeug bei “Walkman Revolution”.

Das Alkaline Trio aus Chicago ist am ersten Tag der für mich einzige internationale Act. Mit ihrem klassischen US-Punkrock sorgen sie für einen gelungenen Abschluss. Bereits 2013 haben sie beim Open Flair gespielt und wussten damals auch schon zu überzeugen.

So war Der Donnerstag

Wenn das Lumpenpack a.k.a. ein Klumpen Hack a.k.a. CKAP NADELMUPS die Bühne betritt, ist gute Laune auf und vor der Selbigen garantiert. Und so ist es auch an diesem Donnerstagnachmittag nicht verwunderlich, dass sich schon viele Fans auf dem Gelände versammeln. Bei “immer noch drauf” gibt es Kuchen für die Fans in der Wall of Death. Könnte man ruhig öfter machen. Mit der Ansage “Deine Hände gehören an keinen fremden Körper”, welche lautstark applaudierend vom Publikum aufgenommen wird, wird “Hauch mich mal an” angestimmt. Auch die neue Single “Sabine R.” darf nicht fehlen, genauso wenig wie der Kult-Hit “Ford Fiesta”, bei dem sich Sänger Jonas und Gitarrist Maximilian auf einem aufblasbaren Auto von den Fans über die Menge tragen lassen.

Bei Kmpfsprt aus Köln, der zweiten Band des Tages, ist es dann etwas ruhiger vor der Bühne. Dennoch sind hier und da vereinzelt Circlepits und Rudern zu sehen. Die Leftovers aus Wien sprechen ganz klar eher das junge Publikum an. Jung, frisch und “an die gewaltige Kraft der Stromgitarre erinnern zu wollen” (Auszug Pressetext) haben sie mit mittlerweile zwei Alben und einer Live-EP auch einiges Material geschaffen, welches gehört werden will und soll. Die Coverversion der ersten Tokio Hotel-Hitsingle “Durch den Monsun” ist da gar nicht nötig.

So sehr die Leftovers eher das junge Publikum ansprechen, so sehr sind Red Fang dann eher etwas für die „ältere“ Generation: Stonerrock-Elemente, gewaltiger Bass, Schlagzeug und Gitarrenriffs. Vermutlich sind die vier Musiker aus Oregon (USA) damit die Exoten am heutigen zweiten Tag des Open Flair. Leider gibt es gegen Ende recht starke Tonprobleme, sodass man die Musik gar nicht mehr wirklich genießen kann.

Bilderbuch feiern in ihrem 13-jährigen Bestehen 2024 Premiere auf dem Open Flair. Mich wundert es tatsächlich, dass sie vorher noch nie da waren. Mit ihren ausgefallenen Kostümen und einer ausgefallenen Lichtshow, die fast epileptische Anfälle auslösen könnte, begeistern sie tausende Fans.

So war Der Freitag

Am Freitag, dem dritten Tag des Open Flair, eröffnet Jungfrau Männlich Deluxe das Hauptgelände auf der Radio BOB!-Bühne. Auch Faultier Berti ist, wie im letzten Jahr, wieder vertreten und hat sich einen Ehrenplatz auf der Bühne beim Auftritt gesichert. Kind kaputt eröffnen dann die Freibühne. Ehrlich, geradeaus und schnörkellos ist ihre Musik, die auch keiner großen Show auf der Bühne bedarf. Talco versetzt den Platz vor der Hauptbühne in eine große Partyzone. Es herrscht ausgelassene Stimmung, als die sechs Italiener unter der strahlenden Sonne an diesem Nachmittag Hits wie “Bella Ciao” zum Besten geben. Alles tanzt. Rikas auf der Freibühne gehen dann fast etwas unter in der nachschwingenden Partystimmung der Radio BOB!-Bühne.

Für das Open Flair vielleicht etwas ungewohnte Klänge ziehen bei Bukahara über’s Werdchen. Orientalisch angehaucht, untermalt von der rauchig wohligen Stimme von Sänger Soufian. Man muss sich einfach bewegen, wenn die Kölner Band aufspielt. Es wird getanzt, ja sogar geschunkelt.

Richtig Spaß macht dann auch TYNA aus Hamburg. Von Anfang an herrscht eine großartige Stimmung. Die Band, die sich musikalisch irgendwo zwischen Punkrock und NDW bewegt, gibt alles auf der Bühne. Das Publikum nimmt dankend an. Als Fotografin lob ich mir so viel Action, da ist der Auslöser ordentlich am Arbeiten. Aber das Set ist nicht nur eine Party. Bei dem ernsten Song “Heute Euphorie” kommen Sängerin Tina und Gitarristin Mia ins Publikum und spielen eine Akustik-Version. Alle um sie herum sitzen auf dem Boden und Lauschen, bevor es dann wieder mit voller Energie weitergeht.

Ein kurzer Abstecher führt mich dann zur Seebühne, wo Janiz aus Chemnitz spielen. Leider haben sich nur wenige Fans vor der Bühne eingefunden. Gerade freitags merkt man oft, dass das Hauptgelände nun geöffnet hat. Hier und da sieht man Leute mitsingen bei dem Roxette-Cover “Sleeping in my car”. Nach einem kurzen, aber kräftigen Regenschauer betreten Annisokay als Nächstes die Seebühne. Die Show ist energiegeladen, Sänger Rudi heizt den Leuten im Publikum, wo sich wieder ein paar mehr Leute eingefunden haben, ordentlich ein. Leider kann ich mir nur die ersten paar Minuten ansehen, weil dann schon der erste Headliner des Tages auf der Hauptbühne ruft.

Feine Sahne Fischfilet haben schon einige Male beim Open Flair gespielt, aber noch nie auf der Hauptbühne. Das sollte sich an diesem Tag ändern. Das Werdchen ist voll; alle sind gekommen, um die Band aus Mecklenburg-Vorpommern zu sehen. Fast im Minutentakt schüttet Sänger Monchi Bier über die Fans in den ersten Reihen. Es gibt auch einen ganz besonderen Moment: gestern hatte ein Besucher seiner Freundin einen Heiratsantrag gemacht. Sie hat “ja” gesagt und so wird das heute gebührend mit einem Ritt über’s Publikum auf einer aufblasbaren Banane gebührend gefeiert.

Wer zu Deichkind geht, erwartet vieles. Ganz sicher aber kein normales Konzert. Und so verwundert es nicht, dass gefühlt ALLE diesem Ereignis beiwohnen möchten. Da passt keine Maus mehr auf den Platz. Vor mehr als 10 Jahren hat die Band zuletzt hier gespielt und so liefern sie über 2 Stunden lang eine Show, die es in sich hat: ob nun der Ritt auf einer überdimensional großen Handtasche zu “auch im Bentley wird geweint” oder das gigantische Fass bei “Roll das Fass rein”. Energiegeladener geht es kaum und die Hamburger beweisen, warum sie zurecht Headliner des Tages sind.

Open Flair Festival 2021 Absage – Traditions-Festival auf 2022

Vom 12. bis 15. August 2021 sollte eigentlich nahe der Eschweger Innenstadt das beliebte Open Flair Festival 2021 an den Start gehen. Dafür wollten jede Menge Musikfans in den nordhessischen Werra-Meißner-Kreis pilgern – nachdem leider bereits die Ausgabe 2020 aufgrund der Auswirkungen rund um das Coronavirus (COVID-19) abgesagt werden musste.

Nun ist es leider traurige Gewissheit – die weltweite Lage in Bezug auf das Pandemie-Geschehen hat sich noch immer nicht beruhigt, im Gegenteil. Der Festivalsommer 2021 fällt daher erneut ins Wasser … Schweren Herzens hat sich der Veranstalter aus diesem Grund mit einem Statement und der offiziellen Open Flair Festival 2021 Absage gemeldet.

Das familiäre und beliebte Open Air-Event hatte bereits Top-Künstler wie Fettes Brot, Biffy Clyro, AnnenMayKantereit, SDP. Antilopen Gang, Kontra K, Puddle Of Mudd, Rogers, LaBrassBanda, Leoniden, While She Sleeps und viele weitere gebucht. Einen Termin zum Nachholen der aktuellen Ausgabe wird es für dieses Jahr leider nicht geben, aber im kommenden Jahr 2022 kehrt das Open Flair wieder zurück nach Eschwege – der Termin für das neue OF wird dann vom 10. – 14. August 2022 sein!

Was passiert mit meinen Tickets?

Alle, die für das Open Flair Festival 2021 schon ein Ticket vorab gekauft hatten, es gibt gute News: Eure Tickets für die nächste Ausgabe behalten ihre Gültigkeit! Wie das genau von statten geht und auch wie man an neue Tickets kommt, erklären euch die Veranstalter ausführlich auf: www.open-flair.de

Wir hoffen mit euch allen, dass sich die Lage weltweit bald wieder etwas entspannt und wir alle wieder der Leidenschaft für Livemusik, Konzerte und Festivals nachgehen können. Bleibt gesund und gebt auf euch acht!

Open Flair Festival 2020 Absage – Traditions-Festival auf 2021 verschoben

Vom 5. bis 9. August 2020 sollte eigentlich nahe der Eschweger Innenstadt das beliebte Open Flair Festival 2020 an den Start gehen. Dafür wollten jede Menge Musikfans in den nordhessischen Werra-Meißner-Kreis pilgern. Doch die aktuell unsichere Lage rund um alle Auswirkungen des Coronavirus (COVID-19) sorgen dafür, dass alle kleinen und großen Veranstaltungen längerfristig nicht planmäßig stattfinden können. Deutschland hat nun über die weiteren Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung entschieden, das Großveranstaltungen bis 31. August 2020 auch weiterhin nicht zugelassen werden können, da diese ein zu großes Verbreitungsrisiko beinhalten.

Schweren Herzens hat sich der Veranstalter aus diesem Grund mit einem Statement und der offiziellen Absage vom Open Flair Festival 2020 gemeldet. Das Open Air-Event hatte bereits Top-Künstler wie SDP, Kontra K, While She Sleeps, Clutch, Selig, Turbostaat, Massendefekt, Fatoni, Blond, Die Orsons, Johnossi, Steve N Seagulls, Sondaschule, The Busters, Palaye Royale, Counterfeit, Milliarden, Gender Roles, Antiheld und viele weitere gebucht. Einen Termin zum Nachholen der aktuellen Ausgabe wird es leider nicht geben, aber im kommenden Jahr 2021 kehrt das Open Flair wieder zurück nach Eschwege. Der neue Termin für das OF ist vom 11. bis 15. August 2021!

Was passiert mit meinen Tickets?

Alle, die für das Open Flair Festival 2020 ein Ticket vorab gekauft haben, werden in Kürze vom Veranstalter benachrichtigt! Genauere Informationen zur Rückabwicklung der Tickets und eurem bereits bezahlten Geld bekommt ihr dann natürlich auch.

Wir hoffen mit euch allen, dass sich die Lage weltweit bald wieder etwas entspannt und wir alle wieder der Leidenschaft für Livemusik, Konzerte und Festivals nachgehen können. Bleibt gesund und gebt auf euch acht!

Open Flair 2019 – Samstag und Sonntag: Noch einmal volles Tempo

Nur wenige Bands schaffen es, an Tag 4 eines Festivals schon am frühen Nachmittag so viel Publikum vor die Bühne zu ziehen. Eine dieser Bands ist Sondaschule. Sie haben schon oft auf dem Open Flair gespielt und die Macher wissen, dass gute Stimmung immer direkt im Handgepäck dabei ist. Auf der Freibühne spielten im Anschluss Dave Hause & the Mermaid. Mir war der Singer-Songwriter bis zu diesem Wochenende kein Begriff. Wenn mich nun jemand fragen würde, ob man sich Dave Hause mal anhören sollte, wäre mein Antwort ein ganz klares: JA! Unbedingt. Seit 2010 ist der Künstler auf Solopfaden unterwegs, seit 2 Jahren allerdings wieder in fester Begleitung einer Band. Seine Show war musikalisch ausgereift. Auf der Bühne stand ein Mann, der wusste, wie man ein großes Publikum in seine Bann zieht.

Wer schon einmal auf dem Open Flair war, weiß, dass die Securities Spass haben und sich auch immer wieder was neues einfallen lassen. Da wären beispielsweise die Neon-Sportanzüge im 80er Jahre Stil mit blonden Perücken im letzten Jahr bei Milliarden. Dieses Jahr gab es dann vor dem Auftritt von Eskimo Callboy den Einmarsch der „Flairwatch“. Ja, die Secus kamen in an die Kultserie „Baywatch“ angelehnten Rettungsschwimmer-Outfits in den Graben. Eskimo Callboy selbst spielten zum zweiten Mal auf dem Open Flair. Die Band, die mittlerweile auch international große Erfolge verzeichnet, zeigte dem Publikum am Nachmittag, wo der Hammer hängt.

Mit den härteren Tönen ging es dann auch auf der Seebühne mit Annisokay weiter. Bei Enter Shikari wurde es danach richtig wild. Sänger Rou Reynolds bewegte sich exzentrisch über die Bühne, sang inmitten seiner Fans, es flog Farbpulver durch die Gegend und es bildete sich ein riesiger Circlepit. Hier wurden keine kleinen Brötchen gebacken. Rou setzte dem Ganzen noch die Krone auf, als er auf den FOH-Turm ging, sich dort auf die Brüstung stellte und von dort aus weitersang. Selbstinszenierung: große klasse.

Es folgte mein persönliches Highlight des Samstags: Bosse. Der 39-jährige spielte zum mittlerweile vierten Mal auf dem Open Flair und von Jahr zu Jahr wächst die Fangemeinde. Zu recht! Bosse und seine Band begeisterten, rissen alle mit, animierten zum Tanzen und Mitsingen. Der Sänger musste nur kurz zu klatschen anfangen, schon taten es ihm tausende Hände gleich. Der Auftritt war fantastisch und richtig viel und gut für’s Herz.

Immer wieder sprachen die verschiedensten Künstler, so auch Bosse Die Organisation Viva Con Aqua an. Ein Thema, welches auch mir persönlich am Herzen liegt. Am Ende des Festivals stand fest: Rekord! Mehr als 10.000 Becher wurden während des gesamten Open Flair Festivals 2019 gesammelt. Eigentlich immer noch zu wenig, wenn man die Anzahl der Besucher und die Dauer der Veranstaltung betrachtet, aber jeder Cent, der Viva Con Aqua zugute kommt, bedeutet: irgendwo in Afrika kann wieder ein Brunnen gebaut werden!

Nach dem Auftritt von Bosse wurde es dann tatsächlich noch voller auf dem Werdchen. Die nächste ganze große Band: Die Toten Hosen. Da passte keine Maus mehr mit auf den Platz. Währenddessen neigte sich das diesjährige Programm auf der Seebühne dem Ende entgegen. Mit Frittenbude und Beyond The Black gelang den Machern des Festivals zweifelsohne ein großartiges Finale des vorletzten Abends.

Sonntag

Der Sonntag wurde von The toten Crackhuren im Kofferraum eröffnet. Das Leben hat es vielleicht mit der Band nicht immer gut gemeint, aber sie sind noch da, hatten ihr drittes Album “bitchlifecrisis” veröffentlicht und sangen mit klaren Worten über das, was sie bewegte. Mit einem Augenzwinkern, verpackt in Glitzerjacken und Dancemoves. Auf der Freibühne schlossen sich danach Django S an und versorgten das Eschweger Publikum mit einer gehörigen Prise Ska-Punk.

Was waren die Fans von ZSK im Jahre 2011 erleichtert und begeistert, als die Band vier Jahre nach Auflösung ihre Re-Union bekannt gab. Das Konzert der Berliner Polit-Skate-Punk-Band zeigte, dass sie Bock hatten – und das Publikum erst. Mit ihrem aktuellen Album „Hallo Hoffnung“ konnten sie sogar in die deutschen Top 20 Album-Charts ziehen.

Yungblud – was kann man über den jungen Briten erzählen? „Völlig durchgeknallt“ ist vermutlich eine ganz passende Beschreibung seiner Bühnenshow und das war auch gar nicht negativ gemeint. Wie ein Energiebündel sprang der junge Musiker über die Bühne, der sich ein paar Tage zuvor den rechten Arm gebrochen hatte. Mit Gips stand er nun da und erzählte mit breitem Grinsen, dass die Ärzte ihm natürlich von den Konzerten abgeraten hätten. Aber Yungblud pfiff drauf und lieferte eine erstklassige Show.

Etwas ruhiger wurde es dann mit Von Wegen Lisbeth auf der Hauptbühne, die 2016 mit ihrem Debüt-Album den Durchbruch feierten. Die Indie-Pop-Band begeisterte mit ihrer ganz eigenen Instrumentalisierung, den ausgefeilten Texten und den Details dazwischen. Mit geballter Frauenpower von Chefboss ging es dann auf der Freibühne weiter. Sängerin Alice Martin und Tänzerin/Choreografin Maike Mohr hatten viel Spass auf der Bühne. Begleitet von einem DJ und zwei weiteren Tänzerinnen war da viel Energie. Tanz und Gesang standen im Einklang, beides auf gleicher Ebene, keines von beiden war wichtiger als das andere. Hier wurde wahrlich der „Freak aus jedem herausgeholt“.

„Punk trifft Rap, Eskalation und Pogo treffen ein brandaktuelles politisches Anliegen”, so ein Auszug aus dem aktuellen Pressetext von Swiss & die Andern. Diese Band war schon seit einiger Zeit extrem angesagt, Konzerte ihrer vergangenen Tour wurden teilweise in größere Locations verlegt oder es gab Zusatzshows. Und auch auf dem Open Flair stellten sie ihre guten Live-Qualitäten unter Beweis.

Im Folgenden machte sich B-Tight bereit, der seit mehreren Jahren jährlich ein neues Album auf den Markt brachte. Dass das qualitative Einschränkungen mit sich bringen könnte, ließ sich hier klar von der Hand weisen. Der Rapper, der gern provoziert, hatte sich vor ein paar Jahren mit seinen B-Tight-Playaz musikalisch auch in rockigere Gefilde vorgetastet. Bei seinem Auftritt auf dem Open Flair 2019 wurde er am Mikrofon von Monzy-De unterstützt, der seit ein paar Jahren Bestandteil der Live-Crew ist. Hier ging ordentlich die Post ab.

Mit ihrem aktuellen Album “Gravity” konnten Bullet For My Valentine nicht alle Kritiker überzeugen, auch nicht alle Fans. Live konnten sie aber auf dem Open Flair zeigen, dass sie zurecht einen Headliner-Spot ergattert hatten und entsprechend gewohnt rockig und energiegeladen legten Matt Tuck und Co sich auch ins Zeug. Das Werdchen war proppenvoll gefüllt, die Stimmung super und es gab jede menge Hits aus der umfangreichen BFMV-Schaffensgeschichte auf die Ohren der Eschweger.

Vor vier Jahren erschien das Debütalbum von Adam Angst. Seitdem waren sie viel live unterwegs und so führte sie ihr Weg nun auch zum Open Flair. Ihre Musik war ohne Schnörkel, die Texte gerade heraus und wunderbar ehrlich. Über ihr letztes Album “Neintology” schrieb das Magazin prettyinnoise.de: “Ein Album, das sich in gewohnter Weise in keine Schublade stecken lässt.”

Allerletzter Headliner des diesjährigen Open Flair waren The Offspring. Ja genau – die Band, die in den 90ern mit „Self Esteem” einen Mega-Hit (und noch vielen weiteren) erzielte, ist immer noch unterwegs. Die Kalifornier um Sänger Dexter Holland feierten mit neuem Album ihr 25-jähriges Bestehen. Im Gepäck hatten sie natürlich dennoch auch ein paar der älteren und beliebten Hits.

Nach The Offspring führte mich mein Weg dann wieder in die heimatlichen Gefilde. Es regnete. Im Autoradio lief eine „Best Of R.E.M.-CD“. Mein Kopf war voller Gedanken an all die wunderbaren Momente, die ich wieder in Eschwege erlebt hatte und an all die großartigen Künstler, die ich fotografieren konnte. Zum Open Flair Festival zu fahren bedeutet Jahr für Jahr fantastische Bands, tolles Ambiente und ein Treffen mit vielen, guten Freunden. Ich freue mich jetzt schon extrem auf nächstes Jahr!

Open Flair 2020: Tickets + Infos

Open Flair 2019 – Von Mittwoch bis Freitag

Ich könnte diesen Bericht über das Open Flair Festival 2019 ähnlich wie die letzten Berichte über das Open Air-Event beginnen: dass es in Eschwege, inmitten der hessischen Kleinstadt stattfindet und und und. Nein, dieses Jahr möchte ich direkt am Anfang einfach sagen: Happy 35th Birthday, Lieblingsfestival! Vielleicht verstehen wir uns so gut, weil wir vom Alter her nicht so weit auseinander liegen. Vielleicht bin ich aber auch einfach immer wieder gern bei dir, weil du es mir so leicht machst, dich zu mögen.

Jedes Jahr schaffen es die Macher des Open Flair, sowohl große nationale und internationale Acts zu buchen als dann auch wieder kleinen, unbekannten Bands und Künstlern eine Bühne zu geben. Überraschungen hinsichtlich Musik und Performance gibt es immer.

Mittwoch

Aber es gibt auch Bands, die scheinen fast Pflichtprogramm zu sein, wie z. B. Das Pack, die direkt als zweite Band des diesjährigen Festivals auf der Seebühne spielten. Wie bereits die letzten Jahre öffnete das Hauptgelände am Werdchen erst am Freitag seine Tore. Pensen Paletti und Flozze von Das Pack animierten das Publikum direkt zum Mitsingen und Klatschen. Da ließen sich die Fans nicht zweimal bitten. Schon jetzt herrschte gute Stimmung.

Direkt im Anschluss spielte ein erstes internationales Highlight mit The Subways. „You are the sun, you are the only one. Be mine, be mine like a Rock’n’Roll Queen“. Na, wer hat jetzt direkt einen Ohrwurm? Aber es wäre schade, die Band auf nur diesen einen Song zu reduzieren, auch wenn es ihr bisher erfolgreichster Hit ist. Die drei Briten lieferten eine richtig gute Show ab. Das war sympathisch, voller Energie und hat einfach nur Spaß gemacht.

Als die Alex Mofa Gang die Bühne betrat, konnte sie direkt das tanzende Publikum übernehmen. Sänger Sascha Hörold setzte sich mitten in den Kreis seiner Fans und surfte später auf einem Brett erst ein wenig über die Köpfe ehe er sich voll ins Geschehen stürzte zum Crowdsurfen. Neben ihm ein Rolli-Fahrer. Ja, die Band aus Berlin hatte Bock. Sascha sagte einmal in einem Interview “Die Konzerte sind das, wofür wir die Musik machen.” Da kann ich nur sagen: Jungs, macht weiter so. Das funktioniert gut!

Den persönlichen Abschluss des Tages bildeten für uns die Österreicher Russkaja. Polka-Beats gepaart mit Rock und folkloristischen Klängen begeisterten das Publikum. Ein gelungener erster Tag am Werratalsee neigte sich somit dem Ende.

Donnerstag

Und auch der Donnerstag zeigte ein extrem feierfreudiges Publikum und Bands, die sichtbar Lust darauf hatten, hier zu spielen. Da waren beispielsweise Shame aus England. Rotzig und rockig. Bei dem Bassisten Josh Finerty fragte man sich, wie er die Show überhaupt durchsteht: er flitzte permanent von links nach rechts und zurück und sprang, was das Zeug hielt. Und auch hier gönnte sich Sänger Charlie Steen ein Bad in der Menge. Ganz im Gegensatz zum agilen Shame-Bassisten passierte bei The Intersphere in dieser Hinsicht nicht so viel auf der Bühne, aber der volle, gute Sound animierte dennoch das Publikum zum Abgehen.

Das Debüt-Album „Cheeky Heart“ von City Kids Feel The Beat hat lange auf sich warten lassen. Die Platte ist erst im Oktober 2018 erschienen, aber die Ulmer Band gibt es bereits seit 2011. Sie traten bisher mit u.a. Anti Flag, Zebrahead oder auch den Deez Nuts auf. Recht erfolgreich war ihre Coverversion des Lady Gaga Hits “Applause”. Das durfte natürlich gegen Ende des Auftritts nicht fehlen. Der Berliner Rapper Megaloh stach im Anschluss musikalisch etwas hervor. Seit mehr als 20 Jahren ist er allerdings schon in der Rap-Szene aktiv und bekannt und so verwunderte es nicht, dass er auch das Eschweger Publikum im Griff hatte.

Ganz klarer Headliner des Abends waren die Donots. Und dieser Aufgabe wurden sie mehr als gerecht. Niemand hätte wohl auch etwas anderes erwartet. Die fünfköpfige Band aus Ibbenbüren feiert in diesem Jahr ihr 25-Jähriges Jubiläum. Ihre Hits, eigentlich egal, ob in Deutsch oder Englisch, kennen viele der Anwesenden und man muss nicht mal ein Album zu Hause haben, um hier und da lauthals mitsingen zu können. Die Donots überzeugen. Immer wieder. So auch an diesem Abend. Und so versammelten sich gefühlt alle Festivalbesucher des Wochenendes vor der Seebühne und feierten mit den Donots. Spätestens jetzt wurden die Tanzschuhe ausgepackt. Ingo Donot ging so weit und schuf den Begriff der „Eschweger Peitsche“: 20.000 Menschen hauen sich friedlich gegenseitig auf die Fresse gegen Nazis. Gibt es eigentlich mittlerweile einen Wikipedia-Eintrag dazu, wie ihn Ingo gefordert hat?

Freitag

Am Freitag wurde traditionell das Hauptgelände am Werdchen eröffnet. Nachdem Spit direkt die große Radio Bob-Bühne bespielten, eroberten die Franzosen von Ze Gran Zeft, deren Name zum Schmunzeln verleitet, die Freibühne. Sie zeigten sich exzentrisch und brachten mit ihrem Alternative Crunk Rock – wie sie es selbst nennen – das Publikum in Bewegung.

Nachdem im Dezember 2016 der frühere Sänger Austin Carlile von Of Mice And Men aus gesundheitlichen Gründen leider seine Karriere beenden musste, war sicher erst einmal unklar, wie es wirklich weitergeht mit der Band. Doch ein neuer Frontmann wurde mit Aaron Pauley gefunden. Harte Töne peitschten über das Werdchen, es bildeten sich Circlepits.

“Kafvka” überzeugten bereits 2016 das Publikum des Open Flair. Bereits damals konnten sie sicher neue Fans dazu gewinnen und so wunderte es nicht, dass beim diesjährigen Auftritt beste Stimmung herrschte. Makabar eröffneten währenddessen das Gelände an der Seebühne an diesem dritten Tag, gefolgt von Deaf Havana. Leider war das Areal am Werratalsee nicht so gut besucht, aber die Fans, die da waren, feierten die Band. Ein kurzer Sprint führte mich zurück zum Hauptgelände am Werdchen, um die Show von Nothing But Thieves zu sehen. Die Briten veröffentlichten 2015 ihr Debütalbum und machten durch Songs wie „Amsterdam“ Lust auf einen Live-Einblick. Das Publikum wurde nicht enttäuscht.

„Madsen“ gehören auch zu den Dauergästen auf dem Open Flair. Ursprünglich waren sie allerdings gar nicht geplant für dieses Jahr, aber als Good Charlotte aufgrund eines Todesfalls in der Familie ihre gesamten Auftritte abgesagt hatten, darunter auch den in Eschwege, war man froh, mit Madsen noch einen so guten „Ersatz“ gefunden zu haben. Und auch Madsen selbst haben sich sehr über die Einladung gefreut. Zu Ehren von Good Charlotte gab es einen Coversong und auch „Basket Case“ von Green Day wurde zum Besten gegeben.

Und dann kam einer dieser Momente, die man auf einem Festival vermeiden möchte: die Überschneidung zweier Bands, die man eigentlich beide unbedingt sehen will. So geschehen dieses Jahr mit den Stuttgarter Kult-Hip Hoppern Die Fantastischen Vier und der kalifornischen Punkrock-Band Zebrahead. Hier hat sich mein Fan-Herz zugunsten der Kalifornier entschieden. Die ersten paar Minuten der Fanta 4 konnte ich dennoch kurz genießen und ein wenig zu beispielsweise „Was Geht“ mit dem Kopf nicken. Ja, die Klassiker gehen immer.

Dann hieß es: schnell zur Seebühne, denn dort fingen gerade Zebrahead mit ihrer Show an. Die Kalifornier nehmen sich selbst überhaupt nicht ernst auf der Bühne, sie blödeln herum. Im Gegensatz zu den bisherigen Konzerten auf der Seebühne an diesem verregneten Freitag war der Platz zum ersten Mal richtig gut gefüllt. Zebrahead sind Garanten für gute Laune. Ein Konzert ohne ihre Einlage von “drink drink my germans” ist fast nicht mehr vorstellbar. Auch der obligatorische Ritt auf dem Schlauchboot über die Menge durfte nicht fehlen. Und der Regen? Der wurde einfach weggetanzt.

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