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Inhalt

Summer Breeze 2019: So war der Freitag

Für viele ist die Nacht kurz, was besonders daran liegt, dass man von der Sonne geweckt wird. Im Gegensatz zu den Vortagen ist es schon ab 10 Uhr im Zelt nicht mehr auszuhalten, ganz im Gegenteil zu den Vortagen. Dafür kann man sich aber auf einen regenfreien Tag voller Sonne und guter Laune freuen. Auch am Freitag beim Summer Breeze gibt es das volle, musikalische Programm, bei dem jeder auf seine Kosten kommt. Also schnell frühstücken, ein Bier für den Weg schnappen und ab vor eine der drei Bühnen auf dem Infield. Wach wird man spätestens dort.

MAIN STAGE

12:00 – 12:45 Uhr
AFTER THE BURIAL
After the Burial ist wohl eine der Bands, die sich perfekt zum wach werden eignen. Bei bestem Wetter kommt die Band auf die Bühne und sorgt direkt für den ersten Circle Pit. Die Vorliebe für achtsaitige Gitarren ist deutlich zu sehen und zu hören, so herrscht durchgehend ein tieferer Ton, ähnlich wie am Vortag bei Meshuggah. Vielleicht ist auch dies der Grund, dass es vor der Bühne schon recht voll für diese Uhrzeit ist. Bei ihrem Auftritt setzt After The Burial jedoch nicht, wie erwartet, auf ihr vor kurzem erschienenes Album “Evergreen”, sondern treibt uns wild durch ihre gesamte Künstler-Diskographie.

12:55 – 13:40 Uhr
BEAST IN BLACK
Anschließend leiten Beast in Black den Power-Metal-Tag auf der Main Stage ein. Die Band kann bereits jetzt ein immer größer werdendes Publikum betrachten, was richtig Bock hat zu feiern. Während die ersten Reihen primär ihren Kopf im Rhythmus kreisen lassen, wird dahinter lautstark mitgesungen. Auch als Sänger Yannis Papadopoulos zum Klatschen auffordert, klappt dies besser als er selbst erwartet hatte, wenn man nach seinem Gesichtsausdruck geht. Auch auf der Bühne gibt es einiges zu sehen. Alle Musiker sind durchweg in Bewegung und posieren gekonnt, keiner bleibt hier auf der Stelle stehen.

13:50 – 14:35 Uhr
KISSIN‘ DYNAMITE
Etwas „glamiger“ wird es danach bei Kissin’ Dynamite. Die Truppe fährt mit der ersten Pyro des Tages, passend zu dem Song “I’ve Got the Fire” auf. Dies spornt die Party im Infield ordentlich an, sodass man bereits jetzt die ersten müden Gesichter im Publikum sieht. Heute steht der Fokus klar auf ihrem letzten Album “Ecstasy”, das vor fast einem Jahr auf den Markt kam. Highlight des Auftritts ist aber der Song “I Will Be King”, bei dem Sänger Johannes Braun mitsamt roter Schleppe auf der Bühne auf einem Thron Platz nimmt.

14:45 – 15:45 Uhr
QUEENSRŸCHE
Inzwischen wünscht man sich doch einen kleinen Regenschauer oder zumindest eine kleine Wolke am Himmel, um der Sonne einen Moment entkommen zu können. Die wenigen Schattenplätze auf dem Gelände sind inzwischen so gefüllt, als würde gerade der Headliner auf der Bühne stehen. Für manche ist dies auch der Fall, denn dort sind Queensrÿche gerade eingelaufen. Die Progressive-Metaller werden euphorisch empfangen und gefeiert. Der Sound ist glasklar, die Menge schaukelt im Takt und singt lautstark mit. Zwischen den Liedern bleibt es höchstens bei kurzen, zurückgehaltenen Ansprachen, man möchte den Fluss des Auftritts ja nicht stören.

15:55 – 16:55 Uhr
DRAGONFORCE
“Extreme Power Metal” heißt das neue Album von Dragonforce, was in wenigen Wochen erscheint. Mit dem Titel lässt sich aber auch die Band am besten beschreiben. Es wirkt fast schon unmenschlich, was Sam Totman und Herman Li mit ihren Gitarren veranstalten. Trotz all dem Guten hat der Auftritt auch etwas Negatives. Es ist eins der letzten Konzerte mit Bassist Frédéric Leclercq, der die Band nach dem Wochenende verlassen wird. Schade! Aber auch gerade deswegen wird nochmal eine Schippe draufgelegt und spätestens beim letzten Song „Through The Fire And Flames” wird kein Stein mehr auf dem anderen gelassen.

17:05 – 18:20 Uhr
SKINDRED
Vor 14 Jahren sind Skindred das letzte Mal zu Gast auf dem Summer Breeze gewesen. Gegenüber damals hat die Band nun 7 Alben mehr dabei, ihren Humor aber nicht auf der Strecke verloren. “You want a T-Shirt? Or you want a T-Shirt?” fragt uns Sänger Benji Webbe und wirft es anschließend nach hinten, “25 fucking euro, fuck you”. Aber auch sonst dürfen wir uns immer wieder als “Wankers” bezeichnen lassen, als wir für Webbe zu leise sind. Alles in allem wird die Rückkehr der Band ohne Einschränkungen gefeiert, als wären sie nie weg gewesen.

18:35 – 19:50 Uhr
AIRBOURNE
Die meisten Bands haben ja mittlerweile Pyro dabei, wenn sie auf der Bühne stehen – bei Airbourne ist das anders. Vier Feuersäulen schießen im Dauertakt in die Luft und läuten damit das Liveset der Band ein. Direkt springt der Funke im Publikum über. Zwar geht es heute für Sänger und Gitarrist Joel O’Keefe nicht hoch hinaus, auf seinem Platz bleibt er dennoch nicht. Entweder springt er auf der Bühne hin und her oder lässt sich auf dem Rücken eines Securitys durch den Graben tragen. Diese haben eigentlich schon genug zu tun, immerhin kommt ein Crowdsurfer nach dem anderen an. Der Auftritt ist genau das, was man von Airbourne erwartet. Nicht darüber aber auch ganz besonders nicht darunter. Rund in seiner Gesamtheit und dadurch schon fast perfekt.

20:10 – 21:25 Uhr
KING DIAMOND
Bei King Diamond steht einws klar im Vordergrund: Die Show. Auf dem ganzen Festival fährt keine andere Band solche Geschütze auf. Egal, ob der King mit einer Liege auf die Bühne geschoben wird oder eine Puppe opfert, woraufhin ein Sarg mit der Aufschrift “Abigail” von Kuttenträgern herumgetragen wird. Es gibt also nicht nur was fürs Ohr, sondern auch mehr als genug fürs Auge. Dennoch muss man leider sagen, dass die Show bei Tageslicht nur so halb wirkt. King Diamond lassen sich davon aber nicht beirren und ziehen eine geniale Show durch. Und das Publikum? Das ist ab dem ersten Moment völlig in den Bann gezogen und kann gar nicht mehr von der Bühne weggucken.

21:45 – 23:15 Uhr
PARKWAY DRIVE
Mit Fackeln bewaffnet schreiten Parkway Drive durch das Publikum in Richtung Bühne – nur ohne Bassist Jia O’Connor. Dieser hatte sich bei den Proben verletzt und wartet daher schon auf der Bühne im Rollstuhl auf seine Kollegen. Sind diese angekommen, wird mit “Wishing Wells” langsam Fahrt aufgenommen. Normalerweise stehen Parkway Drive für viel Feuer. Dies bleibt anfangs jedoch aus. Dafür wird die Band bei “Writings on the Wall” und “Shadow Boxing” durch ein Streicher-Quartett unterstützt. Die geballte Ladung Pyro gibt es dann erst in der Zugabe zu “Crushed” und “Bottom Feeder”. Feuerschalen überdecken die ganze Bühne, eine Feuersäule jagt die nächste und selbst über der Bühne gibt es weitere 20 Meter hohe Säulen zu bestaunen. Das Publikum ist völlig Feuer und Flamme und das nicht erst jetzt, sondern schon den ganzen Auftritt über. Der Staub des Circle Pits hat keine Chance sich wieder zu legen und die Securitys finden auch keine Ruhe. Letzteres wird zwischendurch von Sänger Winston McCall selbst mit den Worten “Is this like the crowdsurfing festival of the summer or something” kommentiert.

23:30 – 00:45 Uhr
HAMMERFALL
Zwar wechselt nach Parkway Drive das halbe Publikum die Position, die Pyro jedoch nicht. Diese gibt es hier zwar nicht auf einem Haufen, aber immer wieder über den gesamten Auftritt verteilt. Schon beim ersten Song “Legion” zeigt das Publikum, dass es richtig Lust auf eine Show von Hammerfall hat und singt lautstark mit. Es gibt heute auch etwas zu feiern: Genau jetzt erscheint das 11. Studioalbum der Band: “Dominion”. Darauf fokussiert wird sich heute jedoch nicht. Es gibt Songs von fast allen Alben, davon primär die Klassiker. Immer wieder bedankt sich Sänger Joacim Cans bei seinen Fans und macht jede Menge lustige Witze zwischendurch. Nach vielem Gepose gibt es mit “Hearts On Fire” das große Finale. Hier wird nochmal groß aufgefahren. Da stehen nicht nur die Herzen, sondern auch die Bühne in Flammen.

01:00 – 02:00 Uhr
EMPEROR
Auch am Freitagnacht haben wir wieder eine Special Show. Emperor präsentieren uns ihr Album „Anthems To The Welkin At Dusk“ in voller Länge. Durch den Slot und die Verspätungen von Parkway Drive und Hammerfall ist es zwar schon 1:30 Uhr als die Band die Bühne betritt, müde ist im Publikum jedoch niemand. Die ändert sich auch nicht, als die Schweden zum ersten Takt ansetzen. Es wird getanzt und feiert, dass das Gelände nochmal wackelt. Dass dieser Auftritt der einzige der Deutschland in diesem Jahr ist, gerät hierbei etwas in den Hintergrund.

T-STAGE

17:10 – 17:55 Uhr
LEGION OF THE DAMNED
„I wanna see some serious headbanging from you guys!“ sagt uns Sänger Maurice Swinkels. Genau das ist es, was er heute auch viel im Publikum findet. Ab und an wird dies noch durch einen Mosh Pit abgerundet, aber das Headbangen überwiegt. Legion of The Damned haben vor allem Songs vom neusten Album “Slaves Of The Shadows Realm” im Gepäck, trotz aber auch nicht vor anderen Songs zurück. Zum Abschluss gibt es natürlich den Song “Legion Of the Damned” und die Begeisterung geht nochmal nach oben.

18:35 – 19:35 Uhr
ROTTING CHRIST
Rotting Christ sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Entsprechend ist es vor der Bühne voll, als die Band mit dem Song “Hallowed Be Thy Name” in ihr Set startet. Zwischen den Songs macht Sänger Sakis Tolis immer wieder Ansprachen, die durch den griechischem Akzent etwas niedlich klingen. Ganz im Gegenteil zu der Musik die sie spielen. Düsterer Black Metal der besonders aus ihrem letzten Album “The Heretics” besteht. Gehuldigt wird dies mit vielen Circle Pits und noch mehr Feuer von der Bühne.

20:30 – 21:30 Uhr
NAPALM DEATH
Wie viele Songs kann man in einer Stunde spielen? Das fragten sich Napalm Death und gaben uns mit ihrem Auftritt die Antwort. Ganze 22 Songs spielte die Band an diesem Abend. Dennoch war dazwischen noch reichlich Zeit um politische und sozialkritische Ansagen zu machen. Sonst gibt es nur eine einzige Verschnaufpause in der Mitte des Sets: der Song “Self Betrayal”. Die restliche Zeit gibt es noch mehr Circle Pits als Songs. Alles in allem ein Auftritt, wie man ihn von Napalm Death kennt und liebt.

22:25 – 23:25 Uhr
ZEAL & ARDOR
Zeal & Ardor sind ein einmaliges Musikprojekt von Manuel Gagneux, was Gospel und Black Metal miteinander verbindet. Bereits am Anfang verkündet er “Wir reden nicht viel, ich hoffe, das ist OK” und meldet sich das ganze Konzert über nicht wieder. Worte wären aber auch unnütze Zeitverschwendung. Das Klangbild der drei Sänger ist etwas, das wir so auf dieser Bühne noch nicht gehört haben und zieht alle in einen Bann. Soulig und melancholisch, bis die Black Metal-Wurzeln für einen kurzen Moment durchsickern und das Publikum zum Headbangen zwingt. Ein Auftritt der durch seine Einzigartigkeit besticht und leider viel zu schnell vorbei geht.

00:20 – 01:20 Uhr
THY ART IS MURDER
Für das passende Kontrastprogramm zur Main Stage sorgen Thy Art Is Murder. Wer sich nochmal richtig verausgaben will, war hier im Pit an der richtigen Stelle. Wer sein Set mit “Death Squad Anthem” beginnt, weiß was er von seinem Publikum erwartet. Der Pit öffnet sich sofort und wird noch größer, also Frontmann Chris „CJ“ McMahon bei “Slaves Beyond Death” zum größten Circle Pit des Festivals aufruft und ihn auch geliefert bekommt. Dieser geht um den gesamten ersten Wellenbrecher und übertrifft das, was die Band noch vor 4 Jahren veranstaltete. Abgerundet wird der Auftritt durch Klassiker wie “Holy War” und “Human Target”.

02:15 – 03:00 Uhr
CYPECORE
Den Abschluss machen heute Cypecore. Sie haben wohl den perfekten Slot für ihre Show ergattern können. In der kompletten Dunkelheit kommt ihre Show einfach doppelt so gut. Das Wissen auch die Fans, die trotz der Uhrzeit zahlreich erschienen sind. Mit viel Pyro und einer großartigen Lichtshow kann die Band diese direkt auf ihre Seite ziehen und sich ab und an ein Lächeln nicht verkneifen. Sonst halten sie sich eher zurück. Ansprachen sucht man vergebens, nur ab und zu ein paar Floskeln, die selbst schon ungewöhnlich für die Band sind. Das Postapokalyptische Design und Konzept der Band geht an diesem Abend wieder perfekt auf und sorgt für den perfekten Tagesabschluss.

So endet der zweite Tag vom Summer Breeze 2019 und damit ist auch schon wieder mehr als die Hälfte vorbei. Es geht mal wieder viel zu schnell, aber dies sollten jetzt noch nicht unsere Gedanken sein. Genießen wir lieber noch ein paar Bierchen, bevor wir ins Bett fallen, um uns auf den letzten Tag auszukosten.

Summer Breeze 2020: Tickets + Infos

Summer Breeze 2020

Elbriot Festival 2019 – Ein letztes Mal am Mehr! Theater

Vor 7 Jahren fand zum ersten mal das Elbriot in Hamburg auf dem Großneumarkt statt. Ein “kleines” Metal-Festival mit “nur” 14.000 verkauften Tickets, die damals schon die Logistik überforderte. Unvergessen die ewig langen Schlangen an den unterbesetzten Bierständen. Unvergessbar auch, wie die Band As I Lay Dying kurzfristig absagen musste, weil der Frontmann verhaftet wurde.

Dieses Jahr findet das letzte Elbriot auf dem Großneumarkt statt. Das Festival, das von den Ticket-Zahlen nicht größer geworden ist, muss sich eine neue Location suchen. Ein letztes mal können Metalheads aus der Umgebung auf asphaltiertem Grund mit guter Kanalisation, erreichbar problemlos mit der U Bahn (eine Station vom Hauptbahnhof und dann 10 Minuten Fußweg) oder auch mit dem Auto (kostenfreie Parkplätze in zahlreichen Anfahrtsstraßen). Der Komfort ist unvergleichlich. Aber auch das Line-up kann sich sehen lassen.

Wobei dieses Jahr auch wieder ein Band kurzfristig absagen muss: Der Van mit dem Equipment von Avatar hatte einen Unfall, entsprechend können die Jungs nicht auftreten. Anders als damals, als Caliban noch für As I Lay Dying einspringen konnte, kam die absage so kurzfristig dass man nur noch die Running-Order anpassen kann um die Lücke zu kaschieren.

Aber auch ohne Avatar ist das Elbriot ein Fest mit vielen Metalheads, die sich vor allem auf Dragonforce und In Flames freuen, Hardcore-Fans mit Bandana, die zu Hatebreed und Of Mice And Men abgehen, und Altrockern mit AC/DC-Kluft, die sich vor allem auf Airbourne freuen.

Es bleibt das Problem, dass die Bässe ein wenig schwach sind, und das ganze Programm pünktlich um 23 Uhr enden muss. Vermutlich weil sich ein paar anliegende Einwohner über den Lärm beschwert haben. Bleibt zu wünschen, dass das Riot nächstes Jahr einen neuen Platz findet, der ähnlich gut zu erreichen ist, und wo man vielleicht die Bässe wieder voll aufdrehen kann.

Dragonforce

Zwei überdimensionierte Videospiel-Automaten, auf denen die beiden Gitarristen stehen und ihre Finger mit unglaublicher Geschwindigkeit über die Gitarrensaiten fliegen lassen. Dragonforce war schon immer eng mit der Videospielkultur verbunden – fast jeder kennt “Through the Fires and Flames” als “den Guitar Hero Song”, den man auf dem Gitarren-förmigen Controller spielen musste um den Endgegner zu Besiegen. Aber auch das Musikvideo von der neuen Single “Highway to Oblivion” hat eine sehr schöne Tron-Optik und soll auch in einem Videospiel verwendet werden.

“Highway to Oblivion” und andere Tracks des im September erscheinenden neuen Albums “Extreme Power Metal” werden leider nicht gespielt, aber dafür Klassiker wie “Season”, “Cry Thunder” und natürlich “Through the Fires and Flame”. Wie immer dreht vor allem Gitarrist Herman Li durch, hebt die Gitarre an den Saiten hoch um sie dann fallen zu lassen, mit einem gekonnten Kick wieder “hochzuheben” und sie aufzufangen, pustet in den Tonabnehmer der Gitarre, spiel sprichwörtliche “Licks” mit seiner Zunge … wenige Leute sind so kreativ im Umgang mit diesem Instrument, und haben dabei auch noch ganz offenkundig so viel Spaß dabei. Und wer künftig mehr Lust auf den verrückten langhaarigen Asiaten von Dragonforce hat, kann ihn auch auf Twitch in Livestreams sehen unter twitch.tv/hermanli. Hier wurde auch der Elbriot-Gig live übertragen.

Übrigens der letzte Gig in der aktuelle Band-Zusammenstellung, denn für Bassisten Frédéric Leclercq der sich von der Band trennen wird, war das der allerletzte Live-Gig mit Dragonforce. Oder wie Frontmann Marc Hudson nach dem “Guitar Hero Song” sagte: “Congrats. You never have to play this song again.” Einen Song, den Frederic geschrieben hat.

Of Mice And Men

Of Mice and Men (auf Deutsch: Von Mäusen und Menschen) ist ein traurig-schöner, Gesellschaftskritischer Roman der in den 30er Jahren erschien. Die nach dem Roman benannte Band präsentiert Hardcore-typisch gesellschaftskritische Texte mit stampfenden Drum-Beats, Rap-ähnlichen Sprechgesängen und lauten Screams. Was “Of Mice and Men” aber von den meisten Core-Bands wie “While she sleeps”, “Power Trip” und natürlich Hatebreed unterscheidet sind die melodischen Parts (instrumental und gesungen) die eher aus dem Nu Metal stammen.

Dass die Mischung aus beidem gut funktioniert beweisen Of Mice and Men bereits mit ihren beiden Openern “Warzone” und “Deffy” von ihrem neusten Album, das ebenfalls “Deffy” heißt. Andere Songs wie “Instincts” sind eher Core-lasting, fast schon Old-School, aber mit nicht weniger Energie. Und es ist eine andere, härtere Energie als die Gute-Laune-Powermetal-Songs der lächelnden und scherzenden Jungs von Dragonforce. Musikalisch müssen sich gerade die melodischen Parts nicht vor Dragonforce verstecken, und mit ihren Donnernden Core-Elementen schlagen sie eine saubere Brücke zu Hatebreed, die als nächstes spielen.

Hatebreed

Seit 25 Jahren ist Jamey Jasta mit Bandana und Mikro bewaffnet und begleitet von Bassist Chris Beattie als “Hatebreed” unterwegs. Zum 25. Jubiläum tourt Hatebreed nun wieder um die Welt. Dabei waren Hatebreed vor 2 jahren bereits auf dem Riot, letztes Jahr in Wacken und dann mit Kreator auf der “european Apokalypse” Tour unterwegs, und Jamey Jasta stand mit seinem Nebenprojekt “Jasta” letztes Jahr auf der Elbriot-Bühne.

Allerdings gehört Hatebreed meiner Ansicht nach zu den Bands, die man ruhig mal öfter sehen kann. Es ist nicht so, dass ich mir Hatebreed zuhause anhöre, wenn ich auf der Couch sitze und den Tag ausklingen lassen will. Oder dass Hatebreed musikalisch anspruchsvoll ist – es ist ganz klarer auf die Fresse Hardcore Metal – und zwar “As die-hard as they come” (toller Song, den sie auch performt haben).

Aber ein Hatebreed-Konzert ist immer wie ein treffen mit Core-Freunden, die sich allesamt von Jameys Energie und den Riffs von Wayne und Frank mitreißen lassen. Übrigens: Wayne ist der Gitarrist der immer ein Cap trägt, und Frank der andere Gitarrist der immer n Cap trägt. Bis Hatebreed hat das Elbriot die Bands gefeiert, aber bei Hatebreed wurde die Crowd noch mal so richtig wachgerüttelt. Neben dem neuen Volkssport “Crowdsurfen” startete auch die Nebendisziplinen “Circlepit” und “Becher-Weitwurf in richtung Bühne” zu Wechsrufen wie “Destroy everything”, Looking down the Barrel of today”, “Last breath” und natürlich “I will be heard”.

Airbourne

Zwischen Hatebreed und Airbourne löste sich das Infield einmal fast komplett auf, um sich neu zu befüllen. Hatebreed war die nächste Zündungsstufe der Hardcore-Rakete nach Mice & Men, Airbourne wiederum steigerte noch mal den Gute-Laune-Rock-n-Roll von Dragonforce.

De aktuell beste Hardrock-Band Australiens (meine persönliche Überzeugung) gehört ebenfalls zu den Bands, die man ruhig mal kurz nacheinander sehen kann. Tatsächlich hatte ich die O’Keeffe Brüder (Frontmann Joel und Drummer und Luftschutzsirenen-Solist Ryan) vor 2 Wochen in Wacken schon vor der Linse und auf die Ohren bekommen.

Dennoch: Wenn Joel O’Keeffe shoutet wie Bryan Johnen (AC/DC Sänger) shoutet und wie Angus Young (AC/DC Leadgitarrist) an der Gitarre durchdreht gibt#s kaum jemanden, der stillstehen kann. Es ist immer wieder schön zu sehen wie die Metalheads und Hardcore-Bandana-Träger und -Innen zu “Bone Shaker”, “Girls in Black”, “Stand up for Rock and Roll” und “Running Wild” abgehen. Und nein, es wird nicht nur gepogt und geheadbangt, es wird tatsächlich getanzt.

Mittendrin nimmt sich Joel auch noch die Zeit, ein paar Jack Daniels Cola für die Band zu mischen um auf Lemmy (Ex-Motörhead-Frontmann, 2015 verstorben) anzustoßen. Und dem Publikum Bier in bechern zuzuwerfen. Aber nur denen, die sich auf die Schultern ihrer Freunde trauen. Bis zumindest ein Bier gefangen wird. Und singt dazu “Come on, drink your beer! Come on, drink your wine! let#s have a good time!”

In Flames

Wieder tauscht sich das Infield durch, die Rocker gehen nach hinten und lassen die Jesterheads – wie sich die In Flames Fans nennen – nach vorne damit sie ihrer Band möglich nah sein können.

In ihren Ursprüngen waren In Flames Pioniere: Sie mischten die Riffs von Power-metal-Größen wie Iron Maiden mit den Texten und Gesängen von Death Metal und garnierten das ganze mit einer Prise Melodic Metal, in dem sie unter anderem zwei melodische Leadgitarren über eine Rythmus-Gitarre legten und das ganze noch von einem Keyboard unterstützen ließen. Aber mit zunehmender Bekanntheit und wachsender Fanbase laufe solche virtuosen immer Gefahr, zu sehr im Mainstream zu versinken. In Flames hatte in den letzten Jahren hart an dieser Herausforderung zu knabbern. Mit dem neuen Album “I, the Mask” besinnen sich die Schweden wieder an ihre Urspünge.

Opener “Voices” (auch Opener von Elbriot-Set) ist fast so gut wie ihr (meiner Ansicht nach bestes Album) Clayman. Die Energie des Death Metal in Kombination mit der Eingängigkeit und Dynamik eines Power-Metal Songs sind gut ausbalanciert. Gesänge und Screams von Frontmann Andres Fridén tragen den Song genau dahin, wo die Jesterheads der ersten Jahre ihn erwarten und andere Metal-Hörer zustimmend “nicken”.

Der Auftritt beim Riot ist allerdings nicht zu sehr Neues-Album-Lastig. In Flames präsentiert eine Mischung aus ihrer langen Bandgeschichte, wie “Everything’s gone” com 2014er Album “Siren Charms” und “Pinball Map” vom 2000er Album “Clayman” – und das waren nur die ersten 3 Opener. Die Reise durch die Diskographie von In Flames umfasst zwei Jahrzehnte und zahlreiche Experimente der Band, die alle auf die eine oder andere weise erfolgreich waren, sei es um eine größere Fanbase zu erreichen, oder um mal wieder gelungen zu überraschen.

In jedem Fall dankt es das Publikum, und als schließlich der letzte Song “The End” ausklingt haben viele noch nicht genug. Aber dafür gibt es ja jedes Jahr die Aftershow-Party im “Headcrash”. Die nächstes Jahr wahrscheinlich nicht umziehen muss.

Rockharz Open Air 2019: Freitag und Samstag

Bereits zwei Tage mit bester Laune, allerbesten Metalklängen und -Bands aber vor allem guten Freunden waren am Festivalfreitag vom Rockharz 2019 nun vorüber. Aber das hieß, es lagen auch noch zwei weitere, hervorragende in Aussicht.

Rockharz Open Air 2019: Freitag

Zum Auftakt des Tages gaben sich Elvellon die Ehre. Stimmgewaltig brachte Frontfrau Nele Messerschmidt die müden Geister wieder zum Kochen und von null auf hundert. Vor der Bühne sammelte sich nach und nach das Feiervolk um wieder Gas zu geben. Es dauerte nicht lange und schon hörte man einen Chor aus Stimmen. Die Symphonic Metaller aus Deutschland sorgten für einen gelungenen Start in den Tag. Ziegenmasken und ein druckvolles Grölen weckte noch die restlichen Schlafmützen. Mit vollem Sound voraus fingen Milking The Goatmachine mit einer Überdosis aus Grindcore gemischt mit Death-Metal los. Besonders die Zwischenspiele sorgten für ausgelassene Heiterkeit! Nailed To Obscurity waren in den letzten Jahren in Sachen Bekanntheit mächtig gewachsen. Die Truppe aus dem Friesland sorgte mit ihrem Doom Detah Metal zwar für eine kurzweilige Beruhigung, zumindest in Sachen Tempo, gefeiert wurde die Kapelle trotzdem. Auch ohne Blödeleien kann eine Band überzeugen.

Mit imposanten Kostümen betraten Warkings die Bühnen. Ein Spartiat, ein Templer und zwei Ringgeister – nicht nur optisch war es mal was Neues. Die Show überzeugte die Partygäste und machte Lust auf mehr. Der True Power Heavy Metal wurde aufs Feinste dargeboten und sorgte für beste Stimmung.

Elvenking. Was erwartete man? Herr der Ringe auf Testosteron? Welches Produkt würde präsentiert werden? Energiegeladener Hard Rock mit diversen Einschlägen aus True und Heavy Metal. Die Italiener aus Sacile, die es bereits seit 1997 gibt, spielten sauber und ohne Fehl ihr Set durch.

Und es folgte Whiskey. Viel davon. Aber bei dem Namen konnte man auch nichts anderes erwarten. Mr. Irish Bastard, mit acht Musikern auf der Bühne vertreten, stimmte mit Folk und klassisch-irischen Tonfolgen ein gewaltiges Trinkgelage an. Mit Tanz und guter Laune wurde das Publikum angeheizt und zum Crowdsurfen animiert. Kein Fuß blieb hier auf dem Boden. Flexibilität ist alles. Egal, in welchen Lebensbereichen. Und so kam es, dass Omnium Gatherum etwas früher spielen mussten. Auf Grund von logistischen Problemen mussten die Finnen mit The Night Flight Orchester ihren Slot tauschen. Zum Glücke sorgte Mutz, der Stage Manager vom Rockharz, mit seiner Ansage für Entwirrung.

Und was nun? The Night Flight Orchester. In Rosa gekleidete Background-Sängerinnen und ein Aufgebot an Musikern, die tatsächlich in ähnlicher Besetzung (mehr oder weniger) später nochmal spielen werden. Aber tatsächlich war der Schwank der 70er Jahre, also das was musikalisch produziert wurde, eine geniale Abwechslung und eine Hommage an die Gründerväter der gestählten Musik.

Publikums-Animation auf dem Höhepunkt erlebte man bei Kissin‘ Dynamite. Mit klaren und stimmigen Riffs kreierten die Hard Rocker einen energetischen Sound. 2018 wurde die Truppe als „Beste Deutsche Band“ ausgezeichnet und erfuhr auch einen gewaltigen Hype von etablierten Kräften. Ihr Gassenhauer „You’re Not Alone“ wurde neben anderen Songs textsicher von tausenden Fans rezitiert – also im Suffkopp mit gedonnert.

Einen gewaltigen Einschlag in Sachen Hardcore tätigten Caliban, weg vom klassischen Rock’n’Roll wurde nun der Fokus auf reine Aggression gelegt. Hasserfüllte Beatdowns wechselten sich mit ohrgängigen Gitarrenparts ab. Die Essener ließen die Bühne beben und überrollten regelrechtes das Infield mit ihrer Brutalität.

Soilwork zählten zu den Mitbegründern einer ganz eigenen Sparte. Und jetzt legten die Süd-Schweden richtig los. Obwohl ein Teil der Band bei The Night Flight Orchester auf der Bühne stand, war es musikalisch eine vollkommen andere Richtung. Wenn es Bands gibt die Melodic Death Metal als Gütesigel tragen dürfen, zählten die partygeilen Schweden dazu. Diesmal komplett ohne Rückenprobleme sorgte Sänger Björn Strid für eine mehr als nur gelungene Animation des Publikums.

Aus Großbritannien kam nicht nur die Eiserne Jungfrau und klassischer Heavy Metal. Die Londoner von Dragonforce könnte man für musikalische Perfektion nennen. Riffs, die selbst etablierte Musiker als schwer bezeichnen, wurden von Hermann Li und Co. vollkommen mühelos abgespielt. Spaß in der Band und Harmonie waren deutlich zu erkennen und sorgten für noch größere Begeisterung im Publikum. Eben alles, was man von Power und Heavy Metal erwartet, wurde hier kanalisiert wieder gegeben.

Peter Tägtgren ist nicht nur einer der besten Metal-Produzenten in Europa, er ist begnadeter Sänger und Gitarrist. Selbstverständlich musste man Hypocrisy nicht groß vorstellen – die schwedische Formation erlangte weltweit Bekanntheit und ihre Auftritte waren legendär. Tatsächlich war es mittlerweile ein regelrechtes Privileg die Truppe live zu erleben, da ihre Konzerte von einer gewissen Seltenheit zeugten. Nicht nur deswegen waren die Massen mehr als begeistert an diesem Abend.

Saltatio Mortis. Was soll man zu dieser Ausnahme Band groß sagen? Das Publikum wurde wie immer mitgerissen und feierte die deutsche Mittelalter Rockband ohne Wenn und Aber. Tatsächlich waren die sympathischen Musiker der heimliche Headliner. Bis weit hinter dem FOH standen die Menschen und gingen auf die Animationen des quirligen Zerberus am Mikrophon ein. Und so flogen nicht nur Haare, sondern auch T-Shirts. Egal ob Männlein oder Weiblein – es wurde blank gezogen und nur noch gefeiert. Alea ritt sogar auf den Schultern eines Fans durch die Menge! Sie brachten uns Feuer und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein ganz besonderes Erlebnis war der folgende Auftritt. Die Schwarzmetall-Fürsten von Dimmu Borgir spielten und lieferten ab! Aber tatsächlich nichts anderes hat man von einer solchen Legende zu erwarten. Seit den 90er Jahren sind die Mannen um Shargat einer der angesagtesten Acts der Black Metal-Kultur. Das Set war gespickt mit Klassikern wie „Kings Of The Cornwall Creation“ oder auch „Puritanier“ wurde den tausenden Zuschauern präsentiert, aber auch einer ihrer Kulthits „Mourning Palace“ durfte nicht fehlen. Alles in Allem hat hier nichts gefehlt. Einen würdigeren Headliner konnte es nicht geben.

Man erlebte eine völlig positive Eskalation bei Russkaja. Das Publikum blieb nicht still bei bekannten Liedern wie „Terror-Traktor“ – trotz der späten Stunde tanzten unzählige Menschen und man lag sich in den Armen. Die Stimmung war ab der ersten Sekunde am kochen. Auch die Animationen der Bigband wurde eins zu eins umgesetzt. Von Umarmung bis hinsetzen war alles dabei. Es war wirklich ein schönes Erlebnis, dass eine Ska Band so dermaßen auf einem Metal Festival abgefeiert wurde. Heidevolk übernahm die Aufgabe des Rauswerfers. Obwohl doch die Müdigkeit bei den meisten Besuchern  langsam aber sicher die Überhand gewann, fanden sich doch diverse Fans vor der Bühne ein. Die hartgesottenen Fans des Pagan Metals ließen es sich nicht nehmen die Niederländer anzufeuern.

Rockharz Open Air 2020: Tickets + Infos

So war das Reload Festival 2018 am Samstag

Wer auch immer Mr. Hurley & die Pulveraffen morgens um zehn zum Frühstück auf die Running Order setzte, hat wohl wahrlich einen Clown gefrühstückt. Oder hat dies zumindest vor. Draußen ist es zu dieser Zeit kühl, regnet und man will eigentlich am liebsten direkt zum Flughafen fahren und gerne in die Karibik fliegen, aber halt! Günstiger kriegen wir ein karibik-ähnliches Feeling auch in der Tentstage hin. Also einen kräftigen Schluck Rum zum Aufwärmen in den Pulveraffen – äh, Pulverkaffee, und ab geht’s! Die Band hat kein Problem damit, als musikalische Untermalung des Frühschoppens zu dienen und scheinbar hat der ein oder andere dieselbe Idee mit dem Rum im Kaffee gehabt. Textsicher ist das vorhandene Publikum und schunkelt und wackelt sich zum Takt der Osnabrücker Piratenbande. So weit scheint Tortuga nun doch nicht mehr weg zu sein und der Konterkaffee zu dieser Uhrzeit vereitelt die Flucht gen Urlaubsreise erfolgreich.

Kaiser Franz Josef

Mit der Rockband Kaiser Franz Josef (KFJ) gibt es in Österreich ein klassisches Power-Trio. Gegründet von Sänger und Gitarrist Sham (bürgerlich Hesham Abd El Salam) im Jahr 2010, stellt die Dreier-Combo (alle gerade mal knapp 20 Jahren alt), zu der auch noch Tom Pfundner (Schlagzeug) und Can Aygün (Bass) gehören, mittlerweile eine der heißesten Rockformationen des Landes dar. KFJ wollen es aber auch in Deutschland wissen. Bassist Can formuliert, was die Band ausmacht: “Wir geben den Alten was sie hatten und den Jungen was sie nie kannten”. Ihr Musikmix ist guter Radio- oder Stadionrock, zwischen den Chartstürmer Nickelback, Creed oder Bon Jovi. Mit ihren Catchy Hooklines, ausladenden Soli, treibenden Bassläufen und kraftvollen Drums zeigen sie dem noch etwas verhaltenen Publikum aber eindeutig, was sie können.

the night flight orchestra

Richtig Freude kommt jedoch bei The Night Flight Orchestra auf. Classic Rock vom Feinsten, der die Vergleiche zu den Szenehelden von Journey nicht zu scheuen braucht! Quasi als Idee von Mitgliedern Soilworks auf der 2007er Tour gezeugt, erblickte die All-Star-Band dann schließlich 2012 das Licht der Welt. Auf der Bühne sind die Mannen um Björn Strid eine wahre Augenweide, präsentieren sie sich schick im Anzug, und Schuhen, in denen man ihnen auch fast jeden Versicherungsvertrag unterschreiben würde. Dazu die hübschen Background-Sängerinnen, die adrett in einer Kostüm-Melange aus Stewardess und Krankenschwester wohl den ein oder anderen männlichen Zuhörer zu Fantasien jenseits der Bühnenaktivität verleiten. Seit der Gründung hat die Band mittlerweile vier Alben am Markt, von denen jedoch das aktuellste Album ‚Sometimes The World Ain’t Enough‘ den Großteil der Setlist ausmacht. Vor allem der Song ‚Lovers In The Rain‘ findet Anklang und man entdeckt viele Zuhörer, die den Song mitsingen, schließlich rockt dieser Song live richtig ab. Auch ich summe noch die eingängige Melodie vor mich hin, als die Band nach viel zu kurzen vierzig Minuten die Bühne wieder verlassen hat.

deez nuts

Die wohl weiteste Anreise hatten die Herren von Deez Nuts zu verzeichnen. Statt den australischen „Winter“ zu frönen, spielen sie lieber in Europa eine Mischung aus Club- und Festivaltour und machen zum frühen Samstagnachmittag auch die Bühne des Reload Festivals unsicher. Und es wird laut. Und schnell! Das Quartett um JJ Peters macht keine Gefangenen und so kommt endlich mal richtig Bewegung um das sonst bisher doch eher gemütlich agierende Publikum. Metal-Rapcore eignet sich ja auch schlecht zum Disco-Fox tanzen, also starten die ersten Circle Pits und Crowdsurfer versuchen, diesen irgendwie auszuweichen. Als hätten die Australier mit Petrus eine Vereinbarung getroffen, fängt es zum letzten Song ‚Bing & Purgatory‘ wieder aus allen Eimern an zu schütten – die coregetreuen Fans stört das allerdings weniger und feiern die Jungs aus Down Under bis zum letzten Ton ab.

mantar

Während es noch regnet, entern Mantar die Bühne. Ich war sehr gespannt, da ich die Band außer ihrem Logo bisher nie musikalisch wahrgenommen hatte, da auf andern Festivals immer etwas anders dazwischen gekommen ist. Du staune ich nicht schlecht, das nur zwei Mannen auf der Bühne in der Lage sind, einen solchen Krach zu fabrizieren! Aber mal ganz ehrlich, so wie das Bremer Extrem-Metal-Duo hier ihre Musik darbietet, stellt sich mir die Frage, wozu manche Bands vier oder noch mehr Leute auf der Bühne stehen haben. Nicht nur die Musik ist knallhart, auch die Ansagen von Sänger/Gitarrist Hanno gehen grad aus, sind aber unterschwellig so lustig, dass ich mich schon auf die nächsten Ansagen freue! Definitiv eine Band, die ich beim nächsten Festival nochmal anschauen werde. Nicht unbedingt, weil sie meinen Musikgeschmack treffen, jedoch absoluten Unterhaltungswert haben!

torfrock

Unterhaltsam geht es mit Torfrock weiter. Was soll man zu dieser Kombo noch erzählen, schließlich folgt nach dem bloßen Erwähnen des Bandnamens obligatorisch ein Dängelägelängeläng. Hier im Norden ist die Band zuhause und man merkt das auch, denn das Publikum scheint die Texte in- und auswendig zu kennen. Dabei hat sie in ihrer mittlerweile 40-jährigen Bandgeschichte genug Hits geschrieben, die im norddeutschen Raum Kultstatus innehaben. Sänger Klaus Büchner, der in den 80er und 90er Jahren auch als kleiner Klaus im Blödel-Duo Klaus & Klaus mitwirkte, leitet das Publikum vergnüglich durch den Auftritt der Partyrocker. „Renate“ wird abgefeiert und bei „Beinhart“, den wirklich jeder aus den Werner-Verfilmungen kennt, gibt es kein Halten mehr und das komplette Gelände ruft nur noch bei der entsprechenden Passage das unvermeidliche  Dängelägelängeläng.

Voll auf die 12 gibts im Anschluss bei den Veteranen des NY-Hardcore Madball. Auch nach dreißigjährigem Bestehen wirkt die Band kein bißchen müde, im Gegenteil. Sänger Freddy Cricien scheint die Bühne noch zu klein zu sein und nimmt diese in voller Länge ein. Er feuert das eh schon hochmotivierte Publikum an jeder Ecke an, und es wird mit Circlepits und Extrem-Moshing gedankt.

dragonforce

Bei Dragonforce kommen hingegen alle Fans klassischen Powermetal voll auf ihre Kosten. Melodie-Feuerwerke treffen auf Tempiwechsel, wie Honigkuchenpferde grinsende Musiker treffen auf ein dankbares Publikum, Kaum eine Band zelebriert das Saiten-Gefrickele so ausgiebig wie die Londoner. Technisch einwandfrei und spielerisch ausgeklügelt vermittelt die Band Lehrstücke im Songwriting. Kein Song, der nicht ohne ein Gitarrensolo der Oberklasse bietet. So ist es auch nicht weiter verwunderlich, dass viele Fans offen zeigen, was sie bei Guitar Hero gelernt haben und geben beim Kulthit „Through the Fire And Flames“ ihre Luftgitarren-Künste zum Besten. Danach muss wohl der ein oder andere Nacken erstmal eine Verschnaufpause einlegen und wieder eingerenkt werden.

Sick of it all

Da jedoch mit Madball  nicht genug NY-Hardcore auf dem Reload vertreten war, kommen nun Sick of it All zum Einsatz, und die machen keine Gefangenen. Direkt mit den Ansage von Souter Lou Koller wird klar gemacht, das es nicht leise wird. Aber das hat auch wahrlich niemand erwartet. In bester Old School-Manier zeigen die Herren, dass sie, obwohl sie zum alten Eisen gehören, mächtig Dampf ablassen können und Szene-Youngsters zeigen, wer im Hardcore-Bereich das Maß aller Dinge ist. Der Kreislauf der Fans ist auf 180 und zeigt sich entsprechend in einem gewaltigen Circle Pit, der von den geballten Beats des Drummers Armand Majidi immer weiter und weiter entfacht wird. Bei der im Anschluss  aufgebauten Wall of death wollte ich gar nicht hinsehen, so energiegeladen sind die beiden Wände aufeinander eingefallen. Aber laut Medienberichten gab es keine größeren Verluste zu beklagen.

In der Pause nutzt der ein oder andere die Zeit, seine Knochen wieder zu richten, während Veranstalter Andre Jürgens die Bühne betritt um sich beim Publikum für das zahlreiche Erscheinen zu bedanken, das dazu geführt hat, dass das Reload Festival im Vorfeld zum ersten Mal in seiner Geschichte ein Sold Out melden konnte.

kreator

Die Bühne verdunkelt sich, denn nun gibt sich der Ruhrpott die Ehre! Die Großmeister des Teutonen-Thrashmetals Kreator bitten nicht zum Tanze, sondern fordern totale Zerstörung. Sollen sie haben! Denn schon beim Opener „Phantom Antichrist“ ist die Masse nicht mehr zu halten. Ein kleiner Wermutstropfen ist aus dem Fotografenlager zu beklagen. Statt der üblichen drei Songs wurden aufgrund Pyro-Einsatzes nur zwei Songs genehmigt, aber der Verantwortliche im Graben konnte nicht richtig zählen, und hat die fleißigen Scharfschützen schon nach einem Song aus dem Gefechtsgraben beordert. Das soll nicht ganz so schlimm sein, so können sie sich direkt im Anschluss mit einem frischen Bier direkt zu ‚Enemy of Gods‘ den Auftritt von Fronten Mille Petrozza und seinen Mannen anschauen. Mille scheint gut drauf zu sein, auch seine grauen Zellen liefern ihm Erinnerungen des letzten Auftritts auf dem Reload, und so will er ein weiteres Mal eine Wall of Death vor sich sehen, die ihm das Publikum auch nicht verwehrt. Die Essener (mit finnischem Import in Form von Gitarrist Sami Yli-Sirniö) hauen den Massen ihre Hits wie ‚Phobia‘, und ‚Satan Is Real‘ um die Ohren, und als wäre des den Zuhörern nicht eh schon warm genug, wird die ganze Stimmung noch von Pyros weiter aufgeheizt. Zu ‚Flag Of Hate‘ schwenkt Mille diese in die Luft, aber auch ‚Violent Revolution‘ und ‚Pleasure to kill‘ dürfen im Set nicht fehlen. Damit haben die Thrash-Legenden aus dem Solinger Battlefield wahrlich ein Schlachtfeld gemacht.

In flames

Mittlerweile ist es ganz schön schattig geworden in der norddeutschen Pampa und die Headline IN FLAMES lassen  auf sich warten. Als dann mit über zwanzig Minuten die Lichter angehen, wird auch verständlich, warum. Die Bühne gleicht einem riesigen Verkaufsraum für LED-Projektoren. Was die Schweden an Lichtshow aufwarten, macht optisch schon einiges her. Auch wenn sie aus nördlichen Gefilden kommen, auch Anders Frieden und seinen Mitstreitern scheint es kalt zu sein, und sie entern in Jacken die Bühne. Selbst Neuzugang Tanner Wayne an den Drums hat sich zum dritten Song einen Pullover bringen lassen. Trotz einiger Crowdsurfer scheint der Funke der Melodie Death Helden nicht wirklich aufs Publikum überspringen. Zu lange sind die Pausen zwischen den Songs, und Anders war auch noch nie wirklich der Entertainer, der mit coolen Sprüchen das Publikum zu animieren vermag. Es bedarf viel Anfeuerung seitens der Schweden, um die Fans nochmals in Wallung zu bekommen. Es ist kalt, es ist spät, die Energiereserven weitgehendste aufgebraucht, jedoch Funktionieren die Kehlen der Besucher noch gut genug, um bei den größten Hits „Only For The Weak“, „Pinball Map“, „Clouds Connected“ und „Take This Life“ lautstark mitzusingen. Zum Abschluss folgt „Dead End“ und ein letztes Mal dürfen die Schweden für diesen Festivalsommer von Applaus getragen die Bühne verlassen.

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Power Metal im 2er Pack: Dragonforce + Twilight Force in Köln

Vor zwei Jahren spielten Dragonforce bereits auf ihrer Tour in Köln in der Essigfabrik. Nun waren sie endlich wieder da – diesmal mit ihrem neuen Album “Reach to Infinity” und Twilight Force als Vorband im Gepäck. Eine angenehme Mischung, da Twilight Force und Dragonforce sich musikalisch sehr ähnlich sind. Epische Texte, kreischende Sänger, noch lauter kreischende Gitarren, schnelle Doublebass-Drum-Rhythmen und genauso schnell fliegende Finger auf den Gitarren-Saiten. Wobei Dragonforce natürlich für die schnellsten Drums und Gitarren überhaupt steht – spätestens seit ein Dragonforce-Song im letzten Level von Guitar Hero 3 war. 

Was ich an der Kombo aus Twilight Force und Dragonforce mochte? Die Bands haben zwei ganz unterschiedliche Arten, ihre Geschichten zu erzählen. Und genau darum geht es beim Metal im allgemeinen und beim Power Metal ganz besonders. Dabei gibt es unzählige Erzähl-Stile von “Es war einmal vor langer Zeit in einem weit entfernten Land” – bekannt durch Hammerfall, Blind Guardian und natürlich auch Twilight Force, über Sabaton die gefühlt eine alte Landkarte ausrollen und mit dem Finger auf einen Schauplatz zeigen und beginnen mit “Damals 1944, bei der Belagerung von Bastogne …” („Screaming Eagles von Sabaton“) – bis hin zu den Songs von Iron Maiden’s Bruce Dickinson, ganz Besonders “Empire of the Cloud”, wo man das Gefühl hat er erzählt aus seinem Leben, am Kamin, mit ’ner Pfeife in der Hand. Und ja, Iron Maiden ist nicht Power Metal, aber die erzählerischen Qualitäten von Bruce sind auf seine Weise unerreicht.

Marc Hudson und Dragonforce haben da einen ganz anderen Stil. Wenn er auf die Bühne kommt holt er nicht tief Luft, schaut einem nicht tief in die Augen und gibt einem nicht das Gefühl, dass man jetzt aufpassen muss, damit man nicht irgend ein wichtiges Detail der Geschichte verpasst. Der Frontmann gibt einem mehr das Gefühl, dass man in einer Bar sitzt und Marc läßt sich vor einem auf den Stuhl fallen, bestellt ein Bier, guckt der heißen Kellnerin kurz hinterher, beugt sich zu einem vor und sagt “Du glaubst nicht, was mir gerade passiert ist.” Diese entspannte Nähe, dieses Bewusstsein, dass man nun eine Story hört über die man lacht oder die Augen verdreht, diese Aura eines liebeswerten Spaßvogels anstelle eines Barden oder Geschichtenerzählers macht Dragonforce aus. Aber nun zum Gig.

TWILIGHT FORCE

Die Essigfabrik, eine ehemalige Fabrikhalle die 1.200 Besucher fasst, war voll mit Metal-Fans, wobei nicht wenige auch mit Twilight Force- Merch (aufblasbare Schwerter) da waren. Der Tour vorangegangen war ein Announcement, dass die Band sich Anfang Oktober von ihrem Sänger getrennt hatte. Als Retter für die Tour eingesprungen war Sabaton-Gitarrist Tommy Johansonn. Nicht als dauerhafte Lösung, aber zumindest um die Nachfolgersuche zu überbrücken. Im Vergleich zum doch etwas kleineren und “schmaleren” Ex-Sänger “Chileron” hatte Tommy mit seiner stämmigen Statur doch eine ganz andere Bühnenpräsenz. Fast so, als hätte man Frodo durch Samweis ersetzt. Aber der treue und großherzige Sam, der den doch etwas wehleidigen Frodo quer durch Modor schleppte und dabei mit seiner Bratpfanne vor allem Übel verteidigt hatte, war zumindest in meinen Augen der eigentliche Held der “Herr der Ringe”-Saga.

Anfangs merkte man schon, dass Tommy zum ersten Mal mit dem Rest der Band zusammen auf der Bühne stand. Während der Rest der Truppe eingespielt ihre Bühnenshow abzog, wirkte Tommy anfangs etwas isoliert auf der Bühne. Doch spätestens als er sich warm gesungen hatte und die Single “Flight of the Sapphire Dragon” schmetterte, gab es keine Zweifel mehr darüber, dass Tommy ein würdiger Vertreter für Chileron war.

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Dragonforce – neue Scheibe und 5 Deutschlandkonzerte

Im Mai erschien mit „Reaching Into Infinity“ das siebte Studioalbum von Dragonforce. Drauf zu hören ist, was die Londoner band auszeichnet: Hochgeschwindigkeits-Power-Metal mit um die 200 BPM – dank Gee Anzalone, dem nicht mehr ganz neuen Drummer, der sich die Seele aus dem Leib trommelt – zusammen mit dem grundsoliden und ebenfalls flinken Bassisten Frédéric Leclercq der die Grundlage legt für das unglaubliche Doppelgitarrenspiel der Gründungsmitglieder Herman Li und Sam Totman. Deren Soli tänzeln wie immer nahe am physisch machbaren entlang. Dazu kommen der charismatische Frontmann und Shouter Mark Hudson und Vadim Pruzhanov, dessen Tastenspiel zwar gegen die Saitenvirtuosen eher unauffällig daherkommt, der aber für den komplexen Sound von Dragonforce enorm wichtig ist.

Dabei setzen sie beim neuen Album auch auf neue Klänge: Das 11 Minuten (!) lange „The Edge Of The World“, das längste Stück der Bandgeschichte, überzeugt mit atemberaubenden Tempowechseln und Growls und windet sich wie ein Drachenschwanz hin und her bis zum großen Finale. Dabei ist es Li völlig egal, wenn jemand dazu ProgRock sagen will: „Warum nicht? Wir sind große Fans von Dream Theater. Warum sollen wir unsere Einflüsse nicht offenlegen?“ Das gilt auch für das andere Extrem der Platte. „Silence“ ist eine geradezu klassische 80er-Rock-Ballade.

Der Erfolg gibt Dragonforce recht und etwaige Nörgler überholen sie mit ihrer Speedpower ohnehin problemlos. Spätestens auf der Bühne kann dann niemand mehr mithalten, denn kaum eine Metal-Band kommt so von der breiten Live-Seite und setzt so viel Wucht und Energie in die Auftritte. Da kann es nur heißen: Metalheads aufgepasst, denn Ende Oktober 2017 kommen Dragonforce mit ihrem neuen Material zu uns auf Tour.

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Das nagelneue Dragonforce-Album gibt es z. B. bei Amazon:
Audio-CD „Reaching into Infinity“Vinyl-LP „Reaching into Infinity“ oder MP3-Download „Reaching into Infinity“

Dragonforce Reaching Into Infinity

Wacken Open Air 2016 – Tag 3: Blitzschlag und Glam-Rock

Am Samstag Vormittag war es schließlich soweit: Wie alle großen Festivals in dieser Saison, wurde auch das Wacken Open Air nicht von einer Unwetterfront verschont. Diese zog dann aber Gott sei dank recht schnell weiter. Es gab sogar einen Blitzeinschlag, allerdings ohne, dass irgendwas oder irgendwer zu schaden kam. In dieser Situation bewährte sich die Wacken-App, die per Push-Nachricht alle Besucher vor dem Unwetter warnte und dazu aufforderte, in die Autos zu steigen und die Gewitterwolken abzuwarten und andere, die nicht mit dem Auto angereist waren, mit aufzunehmen. 20 Minuten später war die Unwetter-Front auf und davon. Abgesehen davon, dass das äußere Festivalgelände erst um 11 Uhr (also zeitgleich mit dem Infield) eröffnet wurde, hatte das Unwetter keinerlei Einfluss auf das diesjährige W:O:A.

Kurz danach kreisten ein paar Möwen über das Wacken-Gelände, die offenbar nicht wegen der Musik angereist waren. Noch während Dragonforce die Black Stage eröffneten, waren die Besucher von der Küste schon wieder weitergezogen. Aber vielleicht war den Vögeln auch nur der langhaarige, seine Gitarre ableckende Asiate suspekt.

Im fliegenden Wechsel mit den Möwen, tauchen am letzten Festival-Tag noch viele andere bunte Vögel auf dem Festivalgelände auf. Mit Steel Panther und Twisted Sister forderte Wacken die ganzen Glam-Rocker und Hair-Metaller heraus, sich möglichst grell in Schale zu werfen.

Für die Black-Metal Band Triptykon wurde es schwer, die die Lücke zwischen Steel Panther und Twisted Sister auf der großen Bühne zu schließen. Denn zwischen dem „Wir wollen Sex und Bier“-Songs von Steel Panther und der „We’re Not Gonna Take It“-Attitüde der Twisted Sister, wollte nicht wirklich die passende Stimmung für die kraftvoll-finsteren Lieder der Band von Thomas Fischer aufkommen.

Arch Enemy dagegen, die die Ehre hatten nach Twisted Sister aufzutreten, konnten mit ihrer grellen Lightshow, dem aufwendigen Bühnenbild und der hyperaktiven Frontfrau noch einmal die Menge in ihren Bann ziehe, bevor das Festival langsam aber sicher zu Ende ging.

Hier gehts zum Bericht: „Wacken Open Air 2016 – Tag 1
Hier gehts zum Bericht: „Wacken Open Air 2016 – Tag 2

DRAGONFORCE

Schnell, schneller, Dragonforce. Spätestens seit Guitar Hero ist nicht nur eingefleischten Fans „Extreme Power Metal“ ein Begriff (der aufgrund der extrem schnellen Gitarren-Riffs eigentlich „Extreme Speed Metal“ heißen müsste). Auch wenn einige bemängeln, dass die schnellen, technisch ausgefallenen Gitarren-Melodien nur über die simple, uninspierierte Struktur der Lieder hinwegtäuschen soll. Es immer wieder ein Erlebnis, Leadgitarrist Herman Li dabei zu zu sehen, wie er seine Gitarre ableckt, hochwirft, wieder auffängt und dabei ununterbrochen seine Finger so schnell darüber fliegen lässt. Man wundert sich, wie Rhythmus-Gitarrist Sam Totman da mithalten kann um das Solo zweistimmig zu spielen. Bei den letzten beiden Songs bekam Dragonforce noch Verstärkung vom norwegischen Sänger PelleK, mit dem sie erst den Klassiker „Ring Of Fire“ coverten, um dann mit „Through The Fire And Flames“ abzuschließen, bekannt aus Guitar Hero III.

Bildergalerie: So war DRAGONFORCE live

CALLEJON

„Sackgasse“ bedeutet der Bandname, der aus dem spanischen kommt. Er soll die Angst des Menschen vor Veränderung bzw. Weiterentwicklung widerspiegeln. Die fünf Jungs von Callejon wiederum kommen aus NRW, wo Frontmann „Basti Basti“ und Gitarrist „Bernie“ vor 14 Jahren die Band gründeten und seitdem deutschsprachigen Metalcore produzieren. Angst vor Weiterentwicklung kann man der Band nicht vorwerfen, deren Besetzung abgesehen von Basti und Bernie mehrmals ausgetauscht wurde, die vor 5 Jahren das Label wechselten. Das Ergebnis: Mit dem nächsten Album „Blitzkreuz“ landeten sie 2012 in den Top 10 der deutschen Media Charts. Und letztes Jahr brachten sie nicht nur ihr neues Album „Wir sind Angst“ raus, sondern zeichneten bei der nachfolgenden Tour auch ihr erstes Live-Album auf. In Wacken spielte Callejon neben den Hits ihres neusten Albums „Wir sind Angst“ auch verschiedene Coverversionen, u. a. „Schrei nach Liebe“ (Die Ärzte) und „Schwule Mädchen“ (Fettes Brot).

Bildergalerie: So war CALLEJON live

BLAAS OF GLORY

Wenn in Wacken aus der Ferne auf einem Glockenspiel das Gitarren-Intro von „The Final Countdown“ bimmelt, dann weiß man was einen erwartet: Blaas of Glory, die niederländische „Heavy Metal Marching Band“ kam anmarschiert. Und als sie da waren, gab es eigenwillige Dixieland-Interpretationen von Klassikern aus Rock und Metal. Angefangen bei Van Halen’s „Jump“, über Balladen wie „November Rain“ bis hin zu Motörhead’s „Ace Of Spades“ war alles mit Pauke, Tuba, Akkordeon, Gitarre und was sonst noch greifbar war reinterpretiert. Das Ganze mit Tanz- und Marsch-Einlagen garniert und um sich herum eine klatschende, johlende und vor allem verdammt gut gelaunte Masse. Bis schließlich wieder das Glockenspiel „The Final Countdown“ ertönte und die Band geordnet weiter marschierte um Frohsinn und Hardrock-Fanfaren woanders zu verbreiten.

Bildergalerie: So war BLAAS OF GLORY live

STEEL PANTHER

Glamour, Hairspray, Lipgloss, bunte Klamotten, eine freche Schnauze, eine „We Wanna Fuck“-Attitüde und bei jedem Gig mehrere Mädels aus dem Publikum, die ihre Brüste zeigen. All das verkörpern Steel Panther. Nie ist man sich sicher, ob sie sich als Parodie oder Hommage an den Glam-Rock und Hair-Metal verstehen. Aber wahrscheinlich wollen sie einfach nur Spass haben. Und so machte es unglaublich viel Freude, Frontman Micheal Sachi und Gitarrist Satchel dabei zuzusehen, wie sie sich gegenseitig dissten und erzählten wie sehr sie auf Frauen stehen. Derweil war Bassist Lexxi Foxx entweder mit seinem Spiegel beschäftigt oder warf unangebrachte Kommentare ein, worauf Michael und Satchel ihn ganz schnell zurückpfeifen musste. Es erinnerte ein wenig daran, die Stooges zu sehen, nur dass es dazu eben Glam-Rock mit schmutzigen Texten gab: Dazu irgendwann ein Mädel im Publikum das ihre Brüste offenbarte, wenig später dann ein weiteres Mädel auf der Bühne das ihre Brüste zeigte und am Ende sogar 17 Girls die zu „Party All Day (And Fuck All Night)“ tanzten. Wow!

Bildergalerie: So war STEEL PANTHER live

TRIPTYKON

Okkultismus. Fanatismus. Nihilismus. Triptykon ist Death Metal vom Feinsten, mit allem was dazu gehört: Ein Gitarrist und Sänger mit einer Stimme als wäre er besessen und dazu ein langhaariger Gitarrist dem beim Headbangen fast der Kopf wegfliegt. Noch eine scharfe Bassistin oben drauf, so blass wie der Tod und mit Haaren schwarz wie Ebenholz. Allerdings ohne die blutroten Lippen, die sie zu einer Schneewittchen-Märchenfigur gemacht hätten. Sie spielt schnelle und harte Bass-Linien, die einem unter die Haut gehen und ein dumpfes Gefühl im Magen zurücklassen. 

Drei kopfstehende Kreuze als Bühnenbild, das von Fackeln im Hintergrund ergänzt wird. Wer Black- oder Death-Metal liebt, steht auch auf Triptykon. Aber wer vorher Steel Panther gehört hatu und eigentlich nur noch auf Twisted Sister wartet, leider nicht. Und so bekam die Band um Frontmann Thomas Gabriel Fischer leider nicht das Publikum und den Applaus, das sie auf Grund ihres tollen Auftritts mehr als verdient hätten.

Bildergalerie: So war TRYPTIKON live

TWISTED SISTER

Für unsere jüngeren Leser: „We’re not gonna take it“ wurde nicht von den Donots geschrieben. Es ist ein Song von Dee Snider und seiner bunten Truppe, die in den 80ern mit ihrem Drag-Image die Eltern schockierten und von den Teens geliebt wurden. Mit „It’s A Long Way To The Top (In You Wanna Rock’n’Roll)” liefen 40 Jahre Bandgeschichte in bunten Outfits auf die Bühne, um Wacken mit gut gelauntem Glam-Rock zu unterhalten. Dee Snider wurde nicht müde zu betonen, dass die Band schon 40 Jahre im Business ist und immer neue treue Fans hat (nicht so wie die Sänger von Talentshows, die 14 Wochen lang fFns haben, so Snider).

Dass Wacken so „awesome“ ist, dass ein „Hell Yeah“ nicht reicht sondern ein „Fuck Yeah“ nötig ist (an dieser Stelle entspreche ich Dee Sniders Wunsch und setze ein #Fuckyeah in meine Berichterstattung). Und dass dies Twisted Sisters letzte Tour ist. Ja, die letzte. Wirklich die allerletzte. Nicht wie bei Ozzy/Black Sabbath. Nicht wie bei Iron Maiden. Und schon gar nicht wie bei den Skorpions. Die Twisted Sister sind ein letztes mal auf Tour. Und deshalb gab die Truppe noch mal richtig Gas, spielte alle ihre großen Hits, scherzte mit dem Publikum – bis Dee den Jägermeister-Hirsch bemerkte und sich selbst unterbrechen musste mit „Is That A Fucking Reindeer?”

In gedenken an den jüngst verstorbenen Twisted Sister Drummer A. J. Pero und die Metal-Legende Lemmy Kilmister von Motörhead, holte das ganze Publikum bei „The Price” ihre Handys, Feuerzeuge und was sonst noch so leuchtet raus und verwandelten das gesamte Infield in ein Lichtermeer. Bei „We Wanna Rock“ wurde im Rahmen einer Umfrage ausprobiert, ob „I Wanna Rock” oder „I Wanna Fuck” lauter gebrüllt wurde (offenbar war „I Wanna Fuck” der Gewinner) und als Zugabe gab es „Come Out And Play”, „Tear It Loose” und natürlich „S.M.F. (Sick Motherfucker)” was niemand der mitsang abgekürzt hattte, auch Snider nicht. 

Bildergalerie: So war TWISTED SISTER live

ARCH ENEMY

Am 17. März 2014 kündigte Arch Enemy Allisa White-Gluz als neue Sängerin an. Als Nachfolgerin der Frontfrau Angela Gossow, die growlen konnte wie sonst keine in der Szene, trat Alissa ein schweres Erbe an. Und brillierte. Die Kanadierin mit der markant blauen Mähne kann ebenfalls growlen wie ein Monster, aber auch singen wie eine Sirene (das Fabelwesen, nicht Tatü Tata). Gestützt von harten Gitarren, schnellen Basslines und hartem Schlagzeug spang und rannte sie durch die Gegend, bangte zum Beat, warf den Kopf in den Hals um den Himmel anzuschreien und brachte die Menge mühelos dazu, mit zu klatschen, mit zu bangen und mit zu growlen als wäre es eine wilde Horde und Alissa ihre Anführerin. 

Ein gelungener Abschluss für das W:O:A mit einer Band, die von der Show her mit Twisted Sister mithalten konnte und musikalisch noch mal daran erinnerte, dass das Wacken Open Air ein Metal-Festival ist.

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