Diese Standardansicht dient als Fallback, bis fuer jeden Seitentyp eine spezifische Vorlage greift.
Inhalt
The Offspring mit Simple Plan in Hamburg: Punkrock trifft Pop-Power im Ausnahmezustand
Der Einlass war bereits von gespannter Vorfreude erfüllt: Luftballons schwebten durch die Halle, und man spürte den Mix aus Menschen, die ihre Jugendjahre mit Simple Plan und The Offspring verbracht hatten – und denen, die diese Klassiker gerade neu für sich entdecken.
Die Stimmung war von Anfang an euphorisch, als Simple Plan die Bühne betraten und mit Vollgas loslegten. Während ihres Auftritts spürte man das gemeinsame Pulsieren der Menge – jeder Refrain wurde lautstark mitgesungen. Besonders bei „I’m Just a Kid“ fühlte ich mich zurückversetzt in die eigene Jugend: Schulbus, erste Konzerte, diese unbändige Energie. Als kurz darauf der Konfettiregen über die Köpfe hinwegflog, entstand dieser magische Moment elektrischer Verbindung zwischen Bühne und Publikum.
1 / 16
Dann wurde es ernst – The Offspring betraten die Bühne, und von der ersten Sekunde an lag pure Energie in der Luft. Mit dem kraftvollen Auftakt „Come Out and Play“ begann ein akustisches Donnern, das sich durch die gesamte Arena zog. Jeder, ob langjähriger Fan oder Neuling, war sofort mittendrin.
Besonders eindrucksvoll war der Abschnitt ab „Want You Bad“: Die Halle verschmolz zu einem einzigen Chor, hunderte Stimmen sangen im Einklang, und ich konnte spüren, wie sich mein Herzschlag dem Takt anpasste. Bei „Hit That“ bebte der Boden – die Gitarrenriffs schnitten sich messerscharf durch die Luft. Zwischendurch zollte die Band Legenden wie Ozzy Osbourne ihren Respekt und stimmte kurze Ausschnitte von „War Pigs“ und „Crazy Train“ an – ein überraschendes, aber umjubeltes Highlight. Als beim Übergang zu „Make It All Right“ der Konfettiregen einsetzte und Luftballons durch die Lichtstrahlen tanzten, fühlte ich mich für einen Moment wieder wie bei meinem allerersten Konzert – unbeschwert, losgelöst, Teil von etwas Größerem. Der Mittelteil mit „In the Hall of the Mountain King“ und „I Wanna Be Sedated“ brachte musikalische Abwechslung, bevor die Band wieder voll aufdrehte. Man merkte: The Offspring spielen nicht einfach Songs – sie feiern gemeinsam mit ihrem Publikum.
1 / 10
Dann das große Finale – ein Feuerwerk der Nostalgie und Energie zugleich. Mit „Why Don’t You Get a Job?“ startete die Zugabe in bester Singalong-Manier, bevor die Menge bei „Pretty Fly (for a White Guy)“ endgültig explodierte. Jeder sang, tanzte, lachte – pure Euphorie. Als „The Kids Aren’t Alright“ und „You’re Gonna Go Far, Kid“ erklangen, kochte die Halle, und mit „Self Esteem“ endete der Abend in einem letzten, lauten, unvergesslichen Chor.
Am Ende verließ ich die Arena mit heiserer Stimme und einem breiten Grinsen. Dieses Konzert war nicht einfach nur eine Abfolge von Songs – es war eine Reise durch Erinnerungen, Emotionen und Energie. The Offspring zeigten, dass sie auch nach all den Jahren nichts von ihrer Kraft verloren haben.
Raw and Rowdy: Kraftvolle Performance von Limp Bizkit in Hamburg
Die Wiederauferstehung von Limp Bizkit needs to be studied. Es ist 2025, wir sind in der größten Konzertlocation (indoor) in Hamburg. Die Barclays Arena ist nahezu ausverkauft. Und das obwohl Limp Bizkit in den letzten 22 Jahren nur drei Studioalben veröffentlicht haben. An diesem Abend schafft es ein (!) Song dieser Alben auf die Setlist. Der Rest sind Klassiker der beiden Alben „Significant Other“ (1999) und „Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water“ (2000) sowie Cover von diversen Musikern. Um die Band ist in den letzten Jahren ein neuer Hype entstanden. Generell ist Nu Metal wieder angesagt.
Es ist 21:30 Uhr in Hamburg und ein roter Vorhang verhüllt die Bühne, auf die Limp Bizkit gleich treten werden. Der Host der Tour, Joe Carnage, kommt auf die Bühne und versucht eine gute Stimmung zu verbreiten, wird letzten Endes aber mit Buh-Rufen und Becherwürfen von den Fans von der Bühne getrieben. Das sollte ein komödiantischer Einstieg für den Auftritt der Band sein, der – zumindest bei mir – eher für Verwirrung als Belustigung sorgte. Aber letzten Endes auch egal.
Wenig später standen Limp Bizkit auf der Bühne und starteten mit „9 Teen 90 Nine“ und dem Brecher „Break Stuff“ ins Set. Die Hamburger:innen waren angezündet, der Moshpit-Spaß eröffnet und die Band? Verbreitete eine gute Stimmung. Die „Looserville“-Tour war in Hamburg angekommen. Es folgte eine knapp 80 Minuten lange Reise in die Vergangenheit. Starker Fokus lag dabei auf dem 2000er Album „Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water“. Fred Durst klingt auch mit Mitte 50 noch wie früher, Wes Borland ist immer noch ein Gitarrenvirtuose und Drummer John Otto hält den Laden mit seinen energetischen und präzisen Drum Parts zusammen.
1 / 11
Und die (alten) Songs? Funktionieren noch wie damals. Vielleicht sogar besser. Mitte der 2000 Jahre war der Hype um die Band verflogen. Wes Borland war zwischenzeitlich aus- und wieder eingestiegen, 2004 wurde „The Unquestionable Truth (Part 1)“ veröffentlicht und es folgte eine Auszeit zwischen 2004 bis 2008. „Gold Cobra“ wurde 2011 veröffentlicht und danach gab es jahrelang Gerüchte um das Album, das niemals erschien: „Stampede of the Disco Elephants“. 2018 stieg auch DJ Lethal (der jahrelang nicht mehr Bestandteil der Band war) wieder ein und 2021 erschien statt „Stampede of the Disco Elephants“ das bisher letzte Studioalbum „Still Sucks“.
In den ganzen Jahren hat die Band sich verloren und wieder gefunden. Die Live-Auftritte machen der Formation wieder Spaß und auch die Begeisterung bei den Fans ist zurück. 25 Jahre nach „Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water“ und dem Peak der Popularität in den in dieser Zeit ist die Band zurück auf den ganz großen Bühnen. In Hamburg kam das sehr gut an. Auch die Songauswahl wusste zu überzeugen. Wie immer bei Limp Bizkit Shows wurden auch eine ganze Reihe Songs gecovert. So gab es natürlich das „Behind Blue Eyes“-Cover von The Who, aber auch Ausschnitte von Metallica, Slayer und Ministry auf die Ohren. Eingebettet wurden die unterschiedlichen Cover in die gesamte Bandbreite an Hits, die die Band groß gemacht haben. „Nookie“, „My Way“, Take a Look Around“ und natürlich auch „Rollin* (Air Raid Vehicle).“
1 / 11
Kurz vor Ende der Show suchte Sänger Fred Durst nach Songvorschlägen im Publikum und fand einen Fan, der sich „Eat You Alive“ wünschte. Ein Song, den die Band nur noch selten live performt. Diese Songauswahl wurde von Fred lobend abgenickt. Ein zweiter Wunsch war „Faith“, das George Michael Cover, das quasi schon natürlich ins Repertoire gehört. Aber auch „Gold Cobra“ und „Counterfeit“ wurden sich gewünscht. Nach kurzer Abstimmung war klar: „Faint“ erhielt die lautesten Publikumsreaktionen und wurde performt, bevor die Hamburger:innen mit einem zweiten Mal „Break Stuff“ nach Hause geschickt wurden. Dafür forderte Fred die Veranstalter auf das gesamte Licht in der Arena anzuschalten, sodass die Band alle Hamurger:innen auch wirklich sehen konnten.
Es gab keine Zugabe und auch keine unnötig langen Anekdoten zwischen den Songs, sondern eine Limp Bizkit Show wie vor 25 Jahren. Damit besinnt sich die Band auf ihre Stärken und gibt den Fans was sie wollen. Denn mal ehrlich: An „Significant Other“ und „Chocolate Starfish and the Hot Dog Flavored Water“ kommen die neuen Songs ohnehin nicht ran. Limp Bizkit sind wieder wer und das kann man nur begrüßen. Die Songs machen auch nach mehr als 20 Jahren noch Spass.
Stimmgewaltig und emotional: Beth Hart rockt die Hamburger Bühne
Beth Hart ist ein Phänomen, pendelnd zwischen ihrer hinlänglich bekannten gesundheitlichen Zerbrechlichkeit und ihrer unfassbaren musikalischen Kraft, Intensität und Bühnenpräsenz.
Am Abend des 24. November 2024 nimmt Beth Hart pünktlich um 20:00 Uhr die mit ca. 4.000 Zuschauern besetzte Barclays Arena regelrecht in Besitz. Sie betritt die Halle barfuß am der Bühne entgegengesetzten Eingang und erschließt sich zu „Can`t let go“ den Raum kreuz und quer – dichter am Publikum geht es nicht. Faszinierend, wie in einer Halle dieses Ausmaßes so schnell eine Klubatmosphäre entsteht.
1 / 19
Es folgt der unvermeidliche kraftvoll selbstbewusste „Bad woman blues“, in dem zunächst die harte Karte ausgespielt wird. Anschließend wird das Programm sehr balladenlastig, emotional. Aber Beth Hart kann Ballade. Überzeugend, authentisch. Nie wirklich kitschig, sondern immer mit hohem Maß an persönlichem Bezug. Genannt sei hier besonders „War in my mind“. Gewohnt schonungslos lässt sie uns am Kampf mit ihren Dämonen teilhaben und versäumt keine Chance, die Bedeutung ihres Ehemanns bei deren Bekämpfung zu erwähnen.
In ihrer Band (Jon Nichols-git, Bill Ransom-dr, Tom Lilly- bg) hat Beth Hart seit vielen Jahren eine kongeniale Riege aus Musikern an der Seite, die ihre charismatische Stimme und ihre Performance zugleich einbetten und strahlen lassen.
Zur Hommage an Johnny Cash (Wanna be big bad Johnny Cash) tanzt sie wieder durch den gesamten Saal, berührt das Publikum nun nicht nur musikalisch sondern zum Teil auch physisch.
Nach guten 2 Stunden liefern Beth Hart und Band mit der Zugabe noch einen weiteren Höhepunkt, wenn man nicht ohnehin eigentlich sagen möchte: Ein Beth Hart Konzert IST ein Höhepunkt. „No quarter“ von der Led Zeppelin Cover LP leitet die Zugaben ein und vermutlich würde bei Robert Plant während dieser Interpretation kein Auge trocken bleiben!
Mut machen das „Wonderful world“ und last but not least „Thankful“ mit der Kernaussage „It`s a beautiful life in the little things“.
Dieses Konzert war so ein „little thing“, obwohl… Nein, das war groß! Ein großes Vergnügen.
Metal-Giganten erobern Hamburg: Powerwolf, Hammerfall + Wind Rose vereinen Kräfte
Am Freitagabend, den 4. Oktober 2024, verwandelte sich die Barclays Arena in Hamburg in ein Mekka für Heavy-Metal-Fans. Drei gigantische Bands der Szene, Powerwolf, Hammerfall und Wind Rose, hatten sich die Ehre gegeben, die Bühne zu teilen. Es war ein Abend voller Power, epischer Hymnen, betrunkener Zwerge, brennender Priester und eindrucksvoller Bühnenshows. Der Grundstein mit einer fast ausverkauften Halle war hier schon gelegt und so strömten Heerscharen an Fans in die Halle um die Wolfsnächte zu feiern.
Wind rose
Den Anfang machte die italienische Band Win Rose, die mit ihrem einzigartigen „Dwarven Metal“-Stil das Publikum sehr schnell auf Betriebstemperatur brachte. Mit ihren von Tolkien inspirierten Texten und einem stimmungsvollen Auftreten, das an tapfere Zwerge erinnert, erzeugten sie eine beeindruckende Atmosphäre. Songs wie „Drunken Dwarves“ und „Diggy Diggy Hole“ wurden lautstark mitgesungen, während die Fans zu den harten Gitarrenriffs und epischen Melodien abgingen. Die Band verstand es, die Menge sofort mitzureißen und bereitete sie perfekt auf den weiteren Verlauf des Abends vor. Wind Rose bewies, dass sie nicht nur eine Vorband, sondern ein ernstzunehmender Teil der Metal-Szene sind.
1 / 13
Hammerfall
Nach Windrose betraten die schwedischen Metal-Helden von Hammerfall die Bühne und legten direkt mit einem donnernden „Avenge the Fallen“ &“Brotherhood“ los. Die Band, die seit über zwei Jahrzehnten zur Speerspitze des Power Metal zählt, zeigte sich in Höchstform. Der charismatische Frontmann Joacim Cans heizte dem Publikum mit seiner markanten Stimme ein, während Gitarrist Oscar Dronjak und Bassist Fredrik Larsson mit ihren energiegeladenen Performances glänzten. Klassiker wie „Hearts on Fire“ und „Renegade“ verwandelten die Arena in einen gigantischen Chor, als die Fans begeistert mitsangen, aber auch “Last Man Standing“ und “Hail to King“ überzeugten auf ganzer Linie. Die Mischung aus schnellen Riffs, epischen Melodien und hymnischen Refrains machte Hammerfall zu einem absoluten Highlight des Abends.
1 / 14
Powerwolf: Die Wölfe auf Beutezug
Doch der wahre Höhepunkt kam, als Powerwolf die Bühne übernahm, die Band entführte das Publikum in eine Welt voller dunkler Mystik und unaufhaltsamer Energie. Bereits der Opener “ Bless ’em With the Blade“ ließ keinen Zweifel daran, dass Powerwolf gekommen waren, um das Haus zu rocken. Die Band setzte auf eine imposante Lichtshow und einer Menge Pyros, während Sänger Attila Dorn mit seiner kraftvollen Stimme und theatralischen Präsenz die Bühne beherrschte.
1 / 13
Es folgten Hits wie „Army of the Night“, „Incense & Iron“ und natürlich “ Dancing With the Dead“, bei denen das Publikum jeden Text aus vollem Herzen mitsang. Die perfekte Inszenierung mit sakralen Elementen, Feuerfontänen und Chorgesängen machte die Show zu einem audiovisuellen Erlebnis. Nebenbei wurde die Show noch mit allerlei Späßen und Sondereffekten gewürzt, so landet Falk Maria bei “1589“ schon mal auf dem Scheiterhaufen oder kann auf seiner Feuerorgel glänzen. Die Setlist lässt im Ganzen auch wenig offene Wünsche, “Demons Are a Girl’s Best Friend“, “Blood for Blood“ oder “Stossgebet“ sorgen für ein ausgelassenes Publikum in der ganzen Halle. Zur späten Stunde ging es dann in das feurige Finale mit “We Drink Your Blood“ und “Werewolves of Armenia“ und die Fans wurden mehr als zufrieden in die Nacht entlassen.
Powerwolf zeigten einmal mehr, warum sie zu den größten Namen des Genres gehören. Attila Dorn nutzte zudem die Gelegenheit, sich für die treue Unterstützung der Hamburger Fans zu bedanken und versprach, bald wiederzukommen. Die Metal-Community kann sich glücklich schätzen, solche Shows erleben zu dürfen und gestern in Hamburg war definitiv einer dieser Abende, der in die Geschichte eingehen wird.
1 / 13
Heimspiel mit ordentlich Feuer – Scooter im Hamburg
Zwei Wochen ist es her, dass H.P. Baxxter 60 Jahre alt wurde. Eine Woche ist es her, dass das neuste Scooter Album “Open Your Mind and Your Trousers” erschien. Zeit, gleich doppelt zu feiern, mit einer großen Tour, die auch in der Barclays Arena in Hamburg Halt macht.
Den Anfang des Abends macht Neptunica, ein DJ und Produzent aus Hamburg. Mit seinen Remixen bekannter Songs, primär aus den 80ern und 90er, heizt er der Menge ordentlich ein, die währenddessen laut Mitsingen oder die Schlangen an den Bierständen verlängert. Oder auch beides.
Pünktlich um 21 Uhr ist es dann so weit. Wer nun einen Blick in die Menge um sich wirft, findet keinen freien Platz mehr. Als die Lichter dunkel werden, wird es laut im Publikum und jeder erhebt sich von seinem Platz. Alle gucken gespannt Richtung Bühne, die aus vier großen Leinwänden besteht und einem großen Podest in der Mitte. Daneben befinden sich zwei weitere kleinere Podeste, auf denen Jay Frog und Marc Blou kurz danach Platz finden. Mit den ersten Tönen von “Rave & Shout“ kommt H.P. Und eine Hand voll Tänzerinnen dazu und die Party kommt ins Rollen. Letztere sollten uns auch den ganzen Abend begleiten. Kein Song vergeht, bei dem nicht zumindest zwei in stetig wechselnden Outfits unterstützen und Dynamik auf die Bühne bringen.
1 / 13
Aber auch sonst gibt es viel zu sehen. Sei es auf den Leinwänden, Pyro oder die gewaltige Lichtshow, die aus unzähligen Scheinwerfern und LED-Leisten besteht und einen einen zeitweise fast erblinden lässt. Schon beim zweiten Song wird es schlagartig heiß in der Halle. Danach lassen uns immer wieder Feuersäulen, Feuerwerk, CO2 Kanonen oder kleine und große Explosionen hochschrecken. Dazu gibt es auch ab und an weitere Special Effekte wie Flammenwerfer, eine funken speiende Gitarre, Feuerschwerter oder Laser Masken. Schwitzen steht heute definitiv an der Tagesordnung und dabei ist die durchgehend tanzende und ausrastende Menge noch nicht berücksichtigt.
Dennoch heizt H.P. immer weiter ein. “Hallo Hamburg, wie ist die Stimmung seid ihr bereit? Are you ready to rock? Are you ready to rave? Kick some ass? The sound of scooter?”, fragt H.P. und bekommt eine laute und eindeutige Antwort. “I’ve got some good messages: techno is back!”, führt er fort. Im Verlauf des Abends dürfen wir uns immer wieder anhören, wie wahnsinnig wir sind, oder ob das nicht lauter geht. Oder auch ein „Ach übrigens frohe Ostern”.
Auch wenn viele Scooter Songs Features beinhalten, schafft es heute keiner davon live auf die Bühne. Zumindest die Parts von Finch kommen dabei nicht vom Band, sondern werden von Jay Frog live performed. Mitsingen tut aber auch das Publikum, besonders bei “How Much Is the Fish?” und “One (Always Hardcore)”.
Inklusive Zugabe spielt Scooter über 100 Minuten und lässt ein durchgeschwitztes Publikum zurück, nachdem in den letzten Minuten nochmal alles gegeben wurde. Ein Klassiker nach dem anderen und auch der Bass wurde nochmal eine Runde höher gestellt, während eine Pyro nach der anderen in die Luft flog. Bevor H.P. aber schlussendlich die Bühne verlässt stellt er uns die Tänzerinnen und bandmitglieder vor, “new guy” und “old guy”, bevor er sich bei seiner crew und natürlich uns bedankt und uns zurück in das Kühle Hamburg schickt.
1 / 12
Versengold in Hamburg: Spektakuläres 20 Jahre Jubiläumskonzert
Als das Jubiläumskonzert von 20 Jahre VERSENGOLD angekündigt wurde, hatte niemand damit gerechnet, dass es doch so durchschlägt und so meldete die Band vor wenigen Wochen „SOLD OUT“. Damit ist die Show am Sonntag, den 5. November 2023 das größte Indoorkonzert der Band aller Zeiten, was sich die Versengold sicherlich auch verdient haben.
Mac Piet
Neben der Barclays Arena spielt an diesem Wochenende noch der HSV und so war die Anreise mit jeglichem Gefährt schon eine Herausforderung, dadurch war die Halle auch noch etwas schwach gefüllt als MAC PIET als Solodarsteller auftrat. Die Stimmung war dennoch gut, als er alleine mit Gitarre ein paar bekannte Hits schmetterte.
1 / 2
Eklipse
Nun ging es recht schnell weiter mit EKLIPSE, das weibliche Streicherquartett zauberte schnell alle Anwesenden in ihren Bann. Mit der Songauswahl zwischen dem eigenen Material, oder einigen Covern aus der Popmusik kann die Band überzeugen und wo sonst hört man schon mal „Only For The Weak“ in der Streicherversion. Dem Publikum gefiel es und der Auftritt war schon fast viel zu kurz für die Band.
1 / 15
Versengold
Dann wurde aber schon umgebaut und VERSENGOLD begannen kurze Zeit später mit dem Intro von „Niemals sang- und klanglos“ und einer Videoleinwand mit Bildern aus den letzten Jahrzehnten, während das Publikum lautstark mit summte, stieg die Stimmung massiv an, der Vorhang fiel. Was folgte, war ein Folkabriss der Extraklasse, die Fans sangen jede Verse lauthals mit und ab „Verliebt in eine Insel“ und „Glimmer und Gloria“ tanzten überall Menschen im Innenraum umher. Nun ließ sich die erste Überraschung blicken, Ralf „Albi“ Albers und Tobias Heindl von FIDDLERS GREEN spielten nun zusammen „Der Tag, an dem die Götter sich betranken“.
Die Stimmung im Saal war bereits jetzt nicht mehr zu toppen und dann haut uns die Band „Lautes Gedenken“ in die Setlist. Sänger Malte spricht nun über Wegbegleiter, Freunde, Familienmitgliedern und Fans die nicht mehr hier sind und während die Bilder von verstorbenen Wegbegleitern über die Leinwände laufen, kullert überall so manche Träne über die Wange. Die Kraft von einigen VERSENGOLD Liedern ist immer wieder ungebrochen stark, so auch bei diesem Lied was nur noch Gänsehaut erzeugt. Mit „Wem? Uns!“ geht es nun weiter in die ganz alten Gefilden der Band und auch hier ist das Publikum extrem textsicher, dies wurde dann mit „Hey Hanna“ fortgesetzt und die Stimmung war wieder hochgespielt. Kurze Zeit später gesellte sich nun Hannes von KISSING DYNAMITE auf die Bühne, um den Weihnachtssong „Sally O’Brien“ vom neuen Album anzustimmen. Nun ging es aber weiter mit den Gästen, Annie Hurdy Gurdy gesellte sich mit EKLIPSE zu „Eis und Asche“ auf die Bühne und sang den Song im Duett mit Malte, Gänsehautmoment Nummer zwei.
1 / 16
Dann wurden wieder die Tanztöne angestimmt, mit „Haut mir kein Stein“, „Wenn sie tanzt“ und „Thekenmädchen“ eskalierte die Stimmung wieder total in der Arena. Ein klares Statement erfolgte nun mit einer recht langen Ansage von Malte gegen Faschismus, Rassismus und Menschlichkeit und benannte die AFD als Feindin der Demokratie, mit der Einleitung zündete „Braune Pfeifen“ noch mehr seine Wirkung. Kurz darauf tauchte Mr. Hurley bei „Ich und ein Fass voller Wein“ im Publikum auf und wurde mit einem Plastikboot zur Bühne getragen. Darauf tauchten noch weitere Teile von KNASTERBART auf der Bühne auf, worauf die Bands ein Medley aus Songs von KNASTERBART und den PULVERAFFEN kredenztet. Das Publikum war auch hier extrem Textsicher und leitete hier sehr laut mit „Kobold im Kopf“ in den letzten Teil des Abends ein, Eskalation pur.
Zum letzten Part gesellten sich Malte und Eike direkt in das Publikum, um dort nun Die letzte Runde“ anzustimmen. Eike wurde dann zurückgelassen, um einen vernichtenden Circle Pit bei „Butter bei die Fische“ zu starten, was auch im Pyrosturm mehr als gelang. Nach fast 3 Stunden Show folgte nur noch der Abgesang der mehr als epischen Show, was sich so wohl auch keiner erträumt hatte.
1 / 16
Sabaton in Hamburg: Mega-Spektakel im 3er Pack mit Lordi und Babymetal
Mit knapp einem Jahr Verspätung erfolgte am Montagabend, den 24. April 2023 der Nachholtermin von Sabatons „THE TOUR THAT ENDS ALL TOURS“ in Hamburg, bei der die Barclays Arena sehr gut gefüllt war und es so eine richtig starke Veranstaltung wurde.
LORDI
Den Beginn machten die Finnen von Lordi, die Monster starteten vor einem doch schon recht vollen Auditorium mit Hits wie „Dead Again Jayne“ oder „Would You Love a Monsterman“ und rockten so in bester Monstermanie durch den ersten Slot. Das Publikum war hier recht schnell überzeugt und so konnte die Band nachfolgend mit „Blood Red Sandman“ oder „Lucyfer Prime Evil“ weiter die Halle anheizen. Ihre schrägen Ansprachen sorgten dazu noch etwas für Erheiterung am Abend. Zum Finale legten Lordi mit „Devil Is a Loser“ und „Hard Rock Hallelujah“ noch einen drauf und die Band verließ danach die Bühne unter großem Jubel.
1 / 13
Babymetal
Irgendwie waren mir als Redakteur Babymetal noch nie über den Weg gelaufen, daher ging ich einmal ganz unvoreingenommen an den J-Pop/Metal-Mix heran. Auch war interessant wie die Band Death Metal, Thrash, Metalcore, Nu Metal oder Symphonic mixt und dabei noch drei hektisch tanzende Sängerinnen über die Bühne jagte. Das Publikum feierte die Band und die etwas schräge Performance relativ schnell ab und so konnten die Songs wie „PA PA YA!!“, „Mirror Mirror“ oder „Gimme Chocolate!!“ schon musikalisch überzeugen. Dennoch war der doch recht spezielle J-Pop Gesang der Band für so einige Gäste an diesem Abend doch etwas zu „exotisch“, was mit der Leistung selbst aber nichts zu tun hatte.
1 / 7
Sabaton
Nun ging es weiter mit Sabaton und in der Halle stieg bereits der Stimmungspegel, als das Intro von „Sarajevo“ einsetzte und obwohl das Band kurz hängen blieb, startete die Band danach gekonnt mit „Ghost Division“. Hamburg war schnell Feuer und Flamme, dies lag auch nicht nur an den zahlreichen Pyros, die Sabaton in den ersten Songs abfeuerte. Bei „Bismarck“, „The Last Stand“ und „Into The Fire“ wurden die ersten Reihen regelrecht gegrillt. Die Band witzelte dann noch zwischen den Song herum und interagierte ständig mit dem Publikum (wenn nicht gerade irgendetwas explodierte), auch das erste „NochEin“ Bier musste sich Joakim Brodén auf die Bühne bringen lassen.
1 / 14
Nun ging es Schlag auf Schlag weiter, bei „Winged Hussar“ und „Sarjevo“ wurde weiter rumgefackelt. Dabei passierte immer irgendwas Neues auf der Bühne, ob nun eine Bazooka, Flammenwerfer oder Pyros. Gänsehautmomente gab es dann aber auch mit „1916“, danach ging es aber auch gleich weiter im Programm durch die gesamte Historie der Band. Hier machte die Band auch einen Schlenker auf ihre ersten Konzerte in Hamburg. Der letzte Part wurde nun mit dem tiefgehenden „Christmas Truce“ eingeleitet. Dem Moment der Ruhe startete die letzte Schlacht. Hier grub die Band noch einmal „Primo Victoria“ aus und sorgte mit „Swedish Pagans“ für weitere Highlights, bevor noch „To Hell And Back“ nachgesetzt wurde und Hamburg glücklich, durchgeschwitzt und restlos abgefackelt war.
1 / 14
Rise Against mit energetischer Unterstützung in Hamburg
Es ist noch nicht lange her, als Rise Against das letzte Mal in Europa unterwegs war. Erst im Sommer konnte die Band auf vielen Festivals gesehen werden. Dabei sollte es jedoch nicht bleiben. Nur wenige Monate später sind sie zurück und spielen in den großen Hallen in Deutschland, um ihr neuestes Album endlich live darbieten zu können. Mit dabei auf der Tour sind The Story So Far und ZSK, welche sich besonders über die Einladung freuen.
ZSK
Denn Sänger Joshi ist großer Fan der Band seitdem er 15 ist. Entsprechend hat er – und auch der Rest – regelrechte Freudensprünge gemacht, also die Bestätigung kam, die ganze Tour dabei sein zu dürfen. Dies sieht man ihnen auch an. Nimmt man es ganz genau, liegt die Sprungdichte bei Joshi bei drei Sprüngen pro Song und ist somit weit über dem Durchschnitt. Zudem ist heute sein Geburtstag, was ihm zusätzlich ein kleines Ständchen beschert. Man könnte sagen, dass Joshi am heutigen Tag gerne mit Dingen wirft. Entweder sich selbst in die Luft, seine Gitarre einige Meter weit weg zum Techniker, wenn diese nicht mehr benötigt wird, oder sich selbst ins Publikum. Mehrere Male geht er so Crowdsurfen in gefühlten Sekunden, anschließend wieder über die Bühne und Boxen zu springen. Unpolitisch geht es aber auch nicht. So stehen Ansprachen gegen die AFD und Nazis an der Tagesordnung. So ist es auch nicht verwunderlich, dass der letzte Song der Band “Antifascista” ist.
1 / 11
The Story So Far
Deutlich ruhiger wird es anschließend bei The Story So Far, jedoch wäre das bei jeder Band der Fall, die nach ZSK die Bühne betritt. Der Pop-Punk der Band geht gut ins Ohr, die Show ist jedoch viel statischer, sodass der Abend etwas an Fahrt verliert. “It’s incredible to play for this many people, so thank you very much”, sagt uns Sänger Parker Cannon mit einem Lächeln auf den Lippen. Das Set treibt uns durch die gesamte Schaffensgeschichte der Band. Keines der bisherigen vier Alben wird ausgelassen, es gibt jedoch auch eine Überraschung: Ein Cover von “No Cigar” der Band Millencolin. Gegen Ende des Sets gibt es noch ein Highlight – zumindest für die vorderen Reihen – als alle Handylichter Richtung Bühne gehalten werden. Nach einem 45-minütigen Set verabschieden sich The Story So Far jedoch und übergeben an den Headliner des Abends.
1 / 11
Rise Against
Als die Arena dunkel wird, werden die Schreie laut. Das langsame Intro zum ersten Song “Re-Education (Through Labor)” wird perfekt genutzt, um sich einen Moment auf der Bühne zu akklimatisieren, bevor es richtig losgeht. “We came a long long way here, so let’s have some fun”, sagt uns Sänger und Gitarrist Tim McIlrath. Das lässt sich das Publikum nicht zweimal sagen. Der Pit hat wieder eine stattliche Größe erreicht, die er nicht mehr verlieren sollte. Tim erzählt weiter, dass die Band erst im Sommer hier war, dort jedoch nicht die Zeit hatte, alle Songs zu spielen, die sie wollten. Das will man nun ändern und beginnt dies direkt mit “Disparity by Design”.
Auf der Bühne passiert aber auch hier nicht viel. Die Show ist maximal minimalistisch. Es gibt keine Pyro oder ähnliches und auch nicht viel Bewegung. Alle Musiker sind den Großteil der Zeit an ihre Mikrofonständer gebunden, was den Fokus des Auftritts klar auf die Musik lenkt. Diese kann jedoch in vollen Zügen überzeugen. Die Bewegung verlagert sich daher kurzerhand in das Publikum. “We played a lot of shows already, but you guys might be raising the bar tonight”, sagt uns Tim später sichtlich freudig. Unpolitisch bleibt es aber auch hier natürlich nicht. Musik hat die unglaubliche Macht, uns alle zusammenzubringen, erzählt er uns. Macht uns alle zu einer Gemeinschaft. Aber auch mehr. Dennoch ist es auf der Welt nicht so leicht und so wäre er sehr dankbar, wenn wir nach der Show im Vorraum bei Kein Bock auf Nazis, Peta oder Sea Shepherd vorbeigehen würden, welche Großartiges auf der Welt leisten.
1 / 10
Es gibt jedoch auch einen ruhigen Part beim Konzert. “I’m gonna play a quiet song now, is that okay with you?”, fragt uns Tim, bevor er “People Live Here” und “Hero Of War” alleine mit seiner Akustikgitarre spielt. “We waited so long to play this show, play these songs, because in the meantime the world turned upside down”, sagt uns Tim am Ende der Show. Rise Against haben im letzten Jahr das letzte Album “Nowhere Generation” veröffentlicht, für die Band galt dies bisher jedoch nicht als fertig. Erst wenn die Songs live gespielt werden können, sind diese auch vollendet. Es war “unfinished business“, sagt er weiter.
Anschließend verließ die Band die Bühne. Eine Zugabe lässt aber nicht lange auf sich warten. Mit “Make It Stop (September’s Children)”, gefolgt von “Audience of One” wird das Finale eingeleitet, was mit “Savior” vollendet wird. Die Fans geben nochmal alles, bevor sie von der Band dankend in den Abend entlassen werden.
Placebo in Hamburg – Jugenderinnerungen stilecht ohne Handy
In einer Zeit, in der einem die Kollegen als Antwort auf die Wochenendplanung noch immer sagen, dass man aufpassen soll, ob man sich nicht „das große C“ zuzieht, suche ich mir meine Konzerte in den letzten paar Jahren mittlerweile sehr gut aus. Doch eine Band wie Placebo, die mir seit Teenager-Tagen so viel gibt, zum ersten Mal live und dann auch noch in einer so tollen Halle wie der Barclays Arena in Hamburg spielen zu sehen, hat dann sogar mich mal wieder vom Sofa geholt und mich trotz der Tatsache, dass ich schon im Vorfeld Kritik hörte, zurecht von den Socken gehauen.
Deadletter
Doch bevor ich hier alles vorweg nehme, möchte ich noch ein paar lobende und kritische Worte über die britische Vorband Deadletter verlieren, die mit einer New-Wav-e und Punk-Mischung mit gefühlt recht viel Sprechgesang die Einleitung des Konzertes gegeben hat und ihr Bestes, um das Publikum in Stimmung zu bringen. Zu gefallen schien es dem Publikum zumindest in den vorderen Reihen sehr und ein paar Leute vor der Bühne ließen sich zu erstem Klatschen und tanzen animieren, was sicherlich auch der guten Arbeit von Fronter Zac Lawrence geschuldet war, der anfänglich recht statisch auf der Bühne stand, aber später dann doch agil wurde.
Ein kleiner Wermutstropfen waren die Percussions und das Saxophon, die zuweilen so laut eingestellt waren, dass die Bandkollegen schnell übertönt wurden, was schade war, da die langgezogenen Einzeltöne definitiv eher zur bedrohlichen Untermalung einiger Songparts gedacht waren. Sobald Poppy allerdings einen Schritt vom Mikrofon zurück machte, fügte sich der Sound dann später doch noch recht gut in das Set ein.
1 / 11
placebo
Danach wurde es erstmal wieder eine Weile hell und bevor Placebo auf die Bühne trat, wurde auf dem Bildschirm eine weiße Schrift sichtbar, die das Publikum daran erinnerte, keine Filme mit dem Handy zu drehen. Ähnliches hatte es wohl schon bei vorherigen Auftritten gegeben und ich hatte mir etwas von Securities vor gruseln lassen, die für ein kleines Erinnerungsfoto direkt einen Saalverweis erteilen, aber nichts dergleichen geschah. Die Aufforderung galt offenbar dem Filmen ganzer Songs, denn der nette Mann von der Security, der zwei Meter hinter mir Posten bezogen hat, hat mir mein Handy nicht abgenommen, wenn ich mal schnell ein Foto geschossen habe, eine Dame vor mir allerdings, die ein Videomitschnitt wurde nett darauf hingewiesen das Handy wieder runter zu nehmen. Das finde ich ehrlicherweise völlig in Ordnung und eine Menschenmenge ohne die ständig sichtbaren weißen Bildschirme war zumindest für mich eine wirklich schöne Abwechslung und ließ die Lichtshow auch endlich mal über dem Publikum wirken.
Abgesehen von diesem Banner, das noch einmal von einer Mitarbeiterin laut vorgelesen wurde, gab es im Übrigen seitens der Band keinerlei Ansagen mehr in diese Richtung, oder anders gesagt: Es gab grundsätzlich keinerlei Ansagen. Die betraten nämlich die Bühne und spielten dann ihr sehr reichhaltig gepacktes Set mit großer Professionalität, aber ohne weitere Worte zu verlieren. Das kann man mögen oder unpersönlich finden. Ich selbst hätte mir ein paar Worte mehr gewünscht, habe allerdings auch bemerkt, dass die Gestik und Mimik von Frontmann Brian Molko durchaus ausreichend war, um die knapp 11.000 Personen starke Menge zum Mitsingen, Jubeln und Tanzen zu animieren. Bei den bekannteren Songs auch durchaus bis in die hinterletzten Reihen des Publikums.
1 / 8
Die Bühnenshow war dabei mit fünf großen, sich über der Bühne bewegenden Bildschirmen im Stil von „Bildstörung“ auf das wesentliche reduziert und verzichtete ansonsten ebenfalls auf überbordende Gimmicks, was mir dann wiederum sehr gefallen hat. Die Musik ist in meinen Augen gut genug, um ganz für sich selbst zu sprechen. Ein wenig schade war es, dass zumindest zwei der großen Bildschirme die meiste Zeit über im unteren Bereich waren und dabei den Blick auf den Rest der Band, abgesehen von den beiden Kernmitgliedern (Brian Molko und Stefan Olsdal) oftmals eher versperrt und sie in den Hintergrund gerückt hat. Ich kann diese „optische Trennung“ aufgrund der Tatsache verstehen, dass die Tour-Musiker die hier am Werk waren nicht fester Bestandteil der Band sind. Ein bisschen mehr Blick auf die Arbeit an Schlagzeug, Keyboard, Geige und Bass wäre aber in meinen Augen schön gewesen.
Die Liederauswahl beschränkte sich bis auf wenige Ausnahmen auf neuere Songs und natürlich speziell die vom im März dieses Jahres erschienenen Albums „Never let me go“. Aus den Reihen meiner Begleiter wurden da Stimmen laut, dass sie gerne ein paar mehr der alten Klassiker gehört hätten. Ich selbst habe mich ein bisschen gewundert, dass eigentlich alle älteren Dauerbrenner erst Richtung Ende des Sets gespielt wurden, denn so gut wie die neuen Songs auch sind und präsentiert wurden, so sehr wurde die Stimmung durch ältere Songs, wie „Song to say goodbye“ und „The bitter end“ noch einmal verdoppelt. Und während dieser Songs waren dann auch doch wieder einige hochgehaltene Handys im Publikum sichtbar.
Alles in Allem ein absolut geniales Konzert und ein absolutes Highlight meiner bisherigen Konzerterfahrungen, nicht nur, weil PLACEBO für mich einen großen Teil meiner schönsten Jugenderinnerungen begleitet hat, sondern auch, weil sie den hohen Erwartungen, die ich an diesem Konzert hatte mit eben diesen wenigen genannten Abstrichen mehr als gerecht geworden sind.
1 / 8
Autor: Julia Mersmann
Alanis Morissette in Hamburg: 25-Jahr-Feier von „Jagged Little Pill“
“25 Jahre… das kann nicht sein!” dachte ich 2020, als ich die erste Ankündigung für diese Tour las. Aber doch, einen Blick auf den Kalender und einen kurzen Schreck später bestätigte sich, dass es wirklich 25 Jahre her war, dass das Album „Jagged little pill“ das Licht der musikalischen Welt erblickte und die damals 21-jährige Alanis mit dem Megahit „Ironic“ die Charts der ganzen Welt stürmte. 25 Jahre, seitdem ich – damals 12 Jahre alt – zum ersten Mal „You oughta know“ hörte und mit meinem Wörterbuch (da war noch nix mit Google translator!) das Booklet übersetzte, weil ich ganz unbedingt wissen wollte, was diese wütende junge Frau mir zu sagen hatte. Seit ich akribisch meine Haare Zentimeter für Zentimeter lang züchtete und mit meinen Freundinnen zuhause die Kopfhörer unserer Discmans teilte, lauthals „It’s like raaaiiiaaaiiiin on you wedding dayyy…“ singend… unglaublich.
Die 2 Jahre Pandemie haben die Geburtstagstour im ersten Anlauf leider verhindert, doch es wurde nur aufgeschoben und nicht aufgehoben. Und nun sind es zwar schon 27 Jahre aber die Vorfreude, nun endlich gemeinsam zu feiern – live und ohne Einschränkungen – versprach fast eine noch größere Party. Barclays Arena in Hamburg bietet einen schönen Rahmen dafür und so machten wir uns am 14. Juni 2022 auf den Weg, zu einer kleinen musikalischen und emotionalen Zeitreise. Mein langes Haar hatte ich mir kurz bevor die Bestätigung kam, dass das Konzert nun wirklich stattfinden würde, leider gerade abgeschnitten. Isn’t it ironic?
Vor Ort angekommen stellten wir erstmal fest, dass Hamburg offenbar auf Stilbruch-Party steht, denn im Stadion nebenan gastierte parallel Rammstein. Spoiler: Unsere Befürchtung gleich „Thank you“ in der Neue-Deutsche-Härte-Version zu hören, wurde nicht wahr. Es gab keinerlei klangliche Beeinträchtigung. Als musikalische Unterstützung im Vorprogramm hatte man sich für die Britin Beth Orton entschieden, die pünktlich auf der Bühne stand und dem Publikum im bestuhlten Saal einen ansprechenden musikalischen Einstieg in den Abend bot. Weiterer Spoiler: Die Stühle nutzte bei Alanis keiner mehr.
1 / 9
Nicht ganz pünktlich aber sehnlichst erwartet fuhren um 21:15 Uhr die Lichter runter und auf 3 großen Leinwänden erschienen als Intro Sequenzen aus Alanis‘ Leben und Karriere, Ausschnitte aus Videos, Auditions, Castings in dem Menschen ihre Songs singen mit der Message unterlegt, wie sehr dieses Album viele Menschen beeinflusst hat, sowie Ausschnitte aus dem Musical „Jagged little Pill“. Und als dann die wohlvertrauten ersten Mundharmonikatöne von „All I really want“ ertönten, gab es kein Halten mehr. Wie abgesprochen sprang das gesamte Publikum einheitlich aus den Sitzen und frenetischer Jubel begrüßte die kleine Powerfrau, auf die wir so lange warten mussten. Mit dem Opener des Albums auch die Show zu eröffnen war definitiv ein kluger Schachzug, denn ab Song 1 hatte jeder der Anwesenden offensichtlich seine eigenen Erinnerungen an diese Zeit, dieses Album, diese Songs vor Augen. „Hand in my pocket“ und „Right through you“ ließen keine Chance, sich wieder hinzusetzen. Es wurde getanzt und mitgesungen was das Zeug hält. Nach all der Zeit hat keiner der Songs irgendetwas von seinem Zauber verloren und „You learn“ macht so viele Jahre später im Kopf noch einmal viel mehr und ganz anderen Sinn stelle ich fest. Alanis strahlt wie eh und je, das breite Lächeln ist immer noch ihr Markenzeichen. Auch wenn ihr Haar mittlerweile blond ist und das knallorange Oversize-Shirt auch im ersten Moment auch nicht das ist was man von ihr erwartet hat. Sie hält sich nicht mit langen Ansagen auf und verwendet ihre Energie lieber dafür, von einem Ende der Bühne zum anderen zu laufen, immer und immer wieder, während sie singt, lacht, die Stimme überschlagen lässt wie es keine andere kann. Als sie die ersten Worte von „Hands clean“ singt, kam der Gedanke „Oh, doch was neueres..“ gar nicht dazu, zu Ende gedacht zu werden, denn geschickt verflocht sie plötzlich die Melodie mit „Forgiven“. Ein toller musikalischer Move, den sie im Laufe des Abends noch öfter bringen würde. Expect the unexpected.
Nachdem mit „Mary Jane“ ein paar tragischere Tönchen angeschlagen wurden, kamen wir musikalisch plötzlich in der Gegenwart an. „Reasons I drink“ war die erste Single ihres letzten, 2020 erschienenen Albums „Such pretty forks in the road“. Zwischen diesem und dem ersten Album liegen 25 Jahre, 3 Kinder, diverse Studio- und live-Alben, so wie Auftritte in Film und Fernsehen – unvergessen ihre Rolle als Gott in Dogma. Und da sie noch nie ein Geheimnis aus ihrem Seelenleben gemacht hat, sondern es uns eher rockig verpackt um die Ohren haut, gibt auch dieser Song, ebenso wie das folgende „Smiling“, tiefe Einblicke in ihre Gefühlswelt, zeigt den Kampf mit inneren Dämonen, Depression, Ängsten. Unfassbar wie großartig man solch düstere Themen musikalisch so wundervoll verpacken kann. Doch eine Zeile betont sie an diesem Abend irgendwie besonders: „My mission is to keep the light in your eyes ablaze…“ Und das schafft sie! Begleitet von grandiosen Instrumentalisten und einer stimmigen Lichtshow präsentiert sie spezielle Versionen von „Perfect“, „Wake up“ und „Not the doctor“, jeweils im Mix mit anderen bekannten Songs. Als dann „You oughta know“ auf dem Plan stand, gab es Alanis in Reinform. Der wütende Gesang, das Schleudern der Haare, das auf und ab rennen auf der Bühne – als wäre seit 1995 kein einziger Tag vergangen. Es folgte das gesangliche Highlight des Abends, als alle Anwesenden gemeinsam den Refrain von „Ironic“ in Richtung der Bühne brüllten. Anders kann man es nicht sagen, denn die gesammelte Freude überschlug sich in diesen 3 Minuten fast und ließ keinen Platz für Scham oder stimmliche Korrekturen. Man kann nur hoffen, dass Alanis‘ musikalische Gehör keinen Schaden davontrug. Aber ihr strahlendes Lachen zeigte, dass die Freude auf ihrer Seite genauso groß war.
1 / 9
Unter frenetischem Jubel verließ sie mit den Musikern die Bühne, um sich natürlich noch einmal herausapplaudieren zu lassen. Der Abend durfte einfach noch nicht zu Ende sein und so gab es zum großen Amüsement aller Anwesenden eine sehr spezielle Version von „Your house“ in 5 verschiedenen Stilrichtungen, von Swing über Disco bis Jazz. Dann wurde es plötzlich dunkel und mucksmäuschenstill, als der Pianist die ersten Töne von „Uninvited“ anschlug.. wow, das geht nochmal voll an die emotionale Substanz. Singen, schreien, flüstern mit abschließendem Instrumentalpart machen noch einmal deutlich, warum Alanis eine so bedeutende Künstlerin ihrer Zeit ist – das war ganz großes Kino. Den Ausstand gibt sie passend mit „Thank you“, denn mehr gibt es eigentlich am Ende dieses Abends nicht zu sagen. DANKE Alanis, für „Jagged little pill“, für diesen Abend voller Emotion und Erinnerung, für 27 Jahre voll großartiger Musik, dafür dass du dich nie angepasst hast, sondern immer die Künstlerin geblieben bist, die wir lieben: Deutlich, wütend, melodisch, melancholisch, strahlend, eigen.
Als sie die Bühne verlässt, sieht sie aus, wie sie schon damals in Dogma beschrieben wurde: Wie eine höchst erfreute, kleine Gottheit. Und ich gehe so, wie es sich nach so einem Abend gehört: with one hand in my pocket and the other one giving a peace sign…