Rockharz Open Air 2024 – Freitag


Rockharz Open Air 2024 – Freitag
Unsere Highlights vom Rockharz Open Air 2024 am Freitag. (Bild: Birger Treimer)

Gemütliche Morgenstimmung kann jeder und Mittagsruhe fehlt im Vokabular eines jeden Metalfestival. So auch auf dem RHZ. Heute wurde das Wetter, kalt, windig..also wie immer ein normaler RHZ Tag. Da die Modern Metal Band Defects leider absagen musste, übernahmen kurzer Hand die Thrasher von Surgical Strike die Rolle des Openers. Tempogeladener Zerstörungsmetall aus dem schönen Hannover, dazu Sonnenschein – verdammt! Da schmeckte das Bier doch gleich wieder viel zu gut und das noch vor 12 Uhr Mittag.

The Night Eternal präsentierten Heavy Metal Made In Ruhrpott. Die Recken aus Essen punkteten vor allem mit ihrer klassischen Attitüde, die einen sehr feinen Beigeschmack a la Merciful Fate mit sich führte. Das Quintett hat sich auf alle Fälle so einige neue Fans erspielt.

Mit Metal der modernen Schule stimmten League Of Distortion bewegungsfreudige Klänge an. Vor allem Sängerin Anna „Ace“ Brunner schien vor Energie nur so überzulaufen. Ihr musikalisches Talent hatte sie schon bei einigen Gastauftritten (Kissin Dynamite, Beyond The Black) auf Platte pressen lassen – auch Live überzeugte sie in allen Bereichen. Entsprechend gut kam auch die Präsentation ihrer neuen Single „My Hate Will Go On“ beim Publikum an.

Heiter weiter spielten Vogelfrey mittelalterliche Klänge mit einer großen Portion Folk und einer Prise Goth-Rock an. Die Musiker*innen aus der schönsten Stadt der Welt (gemeint ist natürlich Hamburg) ließen das gut gefüllte Infield tanzen. Vor allem ihr Cover „Was wollen wir trinken“ oder von AC/DC „Thunderstruck“ mit deutschem Text konnten punkten. Entsprechend wuchs auch die Stimmung und Trinklaune der Zuschauer*innen.

Aus Norwegen stammend, mit einer starken Mischung aus Hard Rock und Heavy Metal im Gepäck, jagten die Musiker*innen von Spidergawd das Stimmungsbarometer weiter aufwärts. Obwohl das Saxophone nicht zwingend das Instrument der Wahl im Heavy Metal ist, setzte Rolf Martin Snustad es wirklich klangvoll ein. Gerade die Mischung aus traditionellen Elementen des Hard Rock mit klassischen Heavy Metal konnte viele Zuschauer*innen überzeugen.

Unearth hingegen, fegten wie ein Orkan über die Mengen hinweg. Die US-Amerikaner aus Massachusetts verstehen schlichtweg ihr Handwerk. Die Mischung aus Metalcore und Melodic Death Metal löste auch den ersten amtlichen Moshpit des Tages aus. Technisch einwandfrei und kompromisslos donnerten die Musiker*innen ihre Klangkunst den Zuschauer*innen zwischen die Augen.

Und nun wurde Strom gespart, nicht aber an Stimmung und Qualität der Musik. Die A Capella Metal Formation Van Canto gaben sich erneut die Ehre auf dem RHZ zu performen. Es mag zwar für Neulinge etwas befremdlich klingen, wenn Gitarre und Bass mit bloßer Gesangstechnik kopiert werden, aber das macht das Ganze noch um einiges eindrucksvoller. Vor allem ihre Coverversionen „Rebellion“ vom Grave Digger oder „Run To The Hills“ von Iron Maiden wurden textsicher vom Publikum mitgesungen und bejubelt.

Strom an, Volume auf Anschlag und rein in die Saiten der Stromgitarren. Wer Death Metal kennt, kennt auch Benediction. Seit über 30 Jahren treiben die Briten mittlerweile ihr Unwesen in der Szene. Seit dem bleiben sie auch (regelrecht) stur ihrer Linie treu, was sie aber mitnichten langweilig oder monoton klingen lässt. Ein wirklich gut gefülltes Infield hatte große Lust den Old School Death Metal abzufeiern, obwohl die Engländer auf einen ihrer absoluten Klassiker „Transcend The Rubicon“ in ihrem Set verzichteten.

Tödlich und nicht mindestens genau so gnadenlos polterten Dying Fetus aus den USA los. Müsste der Begriff „Perfektion“ im technisch-musikalischen Sinne definiert werden, müsste lediglich der Name der Band auftauchen. Das Trio, seit nun mehr als 30 Jahren im Geschäft, lässt komplexe Klangläufe so einfach aussehen, dass es schon fast unverschämt ist. Vor allem eben Jene, die das Abrisskommando das erste Mal live erleben durften, staunten nicht schlecht. Moshpit folgte auf Moshpit – die Stimmung war am eskalieren.

Als Unleash The Archers aus Kanada die Bühne betraten und mit ihrem Set starteten, wurde das Todesmetallmassaker erst mal pausiert. Allerdings nicht die Qualität der Musik. Feinster Power Metal mit klangvollen Melodien und einer Stimme, die ihres gleichen sucht. Vor kurzem erst veröffentlichten die Nord-Amerikaner ihr jüngstes Werk „Phantoma“. Die Abwechslung schien dem Publikum irgendwie gut zu tun und dafür steht das RHZ: Es ist einfach für jeden was dabei.

Stimmungstechnisch wurde der Regler bei Kissin Dynamite abermals hochgejagt. Enthusiastischer Hard Rock, mit einem feinen Glam-Einschlag, neuer Platte am Start, viel Haarspray bei Sänger Hannes Braun und mit der Energieleistung eines eignen Kraftwerks, trieb die Formation das Publikum zum Mitklatschen und kollektiven Haareschütteln an. Auch wurde zu den treibenden Midtempo vereinzelt das Tanzbein geschwungen. Leider überwiegte aber bei vielen das Interesse am Länderspiel der DFB-Auswahl.

Deutlich aggressivere Töne schlugen Sucidal Tendencies an. Die US-Boys aus dem Sonnenstaat Kalifornien können zu Recht als Institution klassifiziert werden. Die Stilikonen des Hardcore Punks und Thrash Metals toben sich seit über 30 Jahren auf den Bühnen dieser Welt aus. Und obwohl Frontsänger Mike Muir, der mittlerweile über 60 Lenzen zählt, das letzte aktive Gründungsmitglied der Band ist, hat die Formation nichts in Sachen Authentizität eingebüßt. So ist es weniger verwunderlich, dass Circle Pits das Infieldbild prägten, insbesondere bei einem ihrer ältesten Werke „Send Me Your Money“. Was ein Abriss.

Deutlich ruhiger, aber nicht weniger stimmungsvoll ließen es die Musiker*innen von Amaranthe angehen. Mit Blick auf die Uhr fiel auf, dass Suicidal Tendencies überzogen hatten und die Show der schwedischen Formation mit etwa 10 Minuten Verspätung startete. Das führte aber nicht zum Abbruch der guten Stimmung. Gleich 3 Sänger*innen boten dem randvollen Infield Symphonic Power Metal der Extraklasse. Das Gesangstrio, Elize Ryd, Nils Molin und Mikael Sehlin harmonierten eindrucksvoll und konnte ihre Energie ungebremst auf das Publikum übertragen. Mit einem Set bestehend aus Klassikern, wurde Ohrwurm auf Ohrwurm auf die begeisterte Menge losgelassen.

Verkorkt den Rum, sperrt die Gläser mit Dreck weg und gebt acht vor dem Klabautermann. Oder so. Die Spaß-Piraten Metal Band Alestorm enterten mit gewaltigen gelben Bade Enten die Bühne, die auch zeitgleich das Bühnenbild waren. Die Band muss man einfach mal live erlebt haben um zu verstehen, was Spaß in Metal bedeutet. Neben einer (wahrscheinlich) enormen Steigerung des Bierkonsums, sorgten die Schotten auch für eine Woge an Crowdsurfern. Bei Klassikern wie „F*ck You With An Ancheor“ bebte der Boden auf Grund des hüpfenden Publikums. In Sachen Gute-Laune konnte nichts mehr gesteigert werden – das fast völlig ausgefüllte Infield war eine einzige Partyzone.

Deutlich spaßbefreiter wurde es mit dem Headliner des Abends. Keine geringere Band als Dimmu Borgir aus Norwegen huldigte mit ihrem (Symphonic) Black Metal dem Höllenfürsten. Es war das zweite Mal, dass die Band rund um Shagrath und Erkekjetter Silenoz das RHZ beehrten. Entsprechend düster und doch eindrucksvoll von der Lichttechnik in Szenegesetzt, boten die Skandinavier ihre schwarze Kunst dar. Sehr zur Begeisterung der Fans gab es gleich mal das Intro der „For All Tid“ Scheibe und den Song „Raabjørn Speiler Draugheimens Skodde“ aus dem Jahr 1994. Als dann auch noch nahtlos „Spellbound“ angestimmt wurde, flippten nicht wenige Fans regelrecht aus. Generell war das Set von hochkarätigen Songs aus knapp 3 Dekaden an Bandgeschichte zusammen gesetzt. Selbstverständlich durften da auch nicht „Progenise Of The Great Apocalypse“ und „Mourning Palace“ fehlen, die den krönenden Abschluss des Sets machten. Atemberaubend und meisterlich – was will man mehr?

Nach so einer Darbietung ist schwer einen vernünftigen Tagesabschluss hinzulegen. Unbeirrt stellte sich Nanowar Of Steel dieser Aufgabe. Wer sich selber schon als Disco Metal betitelt, der hält nicht viel von Seriosität. In bunten Kostümen und jeder Menge Blödsinn im Kopf, eröffneten die Italiener das Nachtleben und die Party. Ein letztes Mal, an diesem Festival Tag, wurde das Bierbarometer nochmal aufgefüllt und das Tanzbein geschwungen.