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Tourauftakt in der Swiss Life Hall in Hannover: Architects entfesseln ein Metalcore-Inferno

Am 13. Januar 2026 machte die aktuelle Europa-Tour von Architects ihren Auftakt in der Swiss Life Hall Hannover. Unterstützt wurden die Briten von President als Opener, sowie Landmvrks als direktem Support. Schon knapp einen Monat vorher vermeldete der Veranstalter: ausverkauft! Die Halle war prall gefüllt, die Erwartungen entsprechend hoch.

President – Mysteriöse Energie zu Beginn

Den Auftakt übernahmen President, die als erste Vorband “die Halle voll” spielten. Ein lautes Dröhnen kündigte die maskierten Musiker an – ohne großen Schnickschnack, sondern nur mit einem kleinen LED Logo auf der Bühne ging es ohne Ansagen direkt mit “Fearless” in die Vollen. Musikalisch bewegte sich das Set im modernen Metalcore-Bereich mit elektronischen Elementen und klar strukturierten Breakdowns. Die Band agierte – untypisch für eine Truppe, die es noch nicht mal ein Jahr in der Form gibt – konzentriert und routiniert, auch wenn das Publikum zu diesem frühen Zeitpunkt noch eher zurückhaltend reagierte. Dennoch gelang es President, die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen und einen soliden Einstieg in den Abend zu liefern.

Landmvrks – Französischer Metalcore mit Vollgas

Mit Landmvrks kam nach kurzer Umbaupause spürbar mehr Dynamik in die Halle. Die Franzosen präsentierten ein druckvolles Set, das Härte und eingängige Passagen gut miteinander verband. Frontmann Florent Salfati suchte regelmäßig den Kontakt zum Publikum und sorgte dafür, dass sich die Stimmung weiter aufgelockerte. Erste Moshpits entstanden und wie auf Kommando prallte nach einem an die Menge gerichteten “Are you ready guys?” die erste Wall of Death aufeinander. Auch die ersten Crowdsurfer fanden ihren Weg nach vorn. Immer wieder betonte Sänger Florent, wie froh er doch sei, hier zu sein und forderte die Menge immer stärker auf. Landmvrks bestätigten ihren Ruf als zuverlässiger Live-Act und erwiesen sich als passendes Warm-Up für den Headliner.

Architects – Zerreißende Wucht & Emotion

Architects betraten die Bühne ohne großen Knall und starteten ihr Set fokussiert und präzise. Die Band wirkte eingespielt und präsentierte eine ausgewogene Mischung aus neueren Songs und älterem Material. Sound und Licht waren gut abgestimmt, sodass die einzelnen Songs klar zur Geltung kamen.

Sam Carter zeigte sich stimmlich konstant auf hohem Niveau und suchte immer wieder den Austausch mit dem Publikum, ohne dabei aufgesetzt zu wirken. Direkt zum zweiten Song forderte er das Publikum auf, in die Knie zu gehen – und es funktionierte auf Anhieb. Jeder Song wurde lautstark und textsicher mitgesungen und dabei konnte man fast keinen Unterschied zwischen älteren oder neueren Stücken spüren. Auch hier war die Energie in der Menge direkt greifbar – ein Pit nach dem anderen öffnete sich, und nach Sams Aufforderung gab es direkt eine Crowdsurfer Welle, die nicht mehr so wirklich enden wollte.“It’s leg day today” witzelte Sam, als er das Publikum aufforderte, jemanden auf die Schultern zu nehmen. Nach dem Fast schon Höhepunkt – “Doomsday” gab es eine Erklärung, wie man sich denn bei einer Wall of Death zu verhalten hat – natürlich inklusive Haftungsausschluss mit einem Augenzwinkern, bevor zur “Blackhole” fast der vollständige Innenraum sich in der Mitte teilte und aufeinander zu stürmte. Als Zugabe gab es nach diesem wilden Ritt noch “Seeing Red” und “Animals” auf die Ohren. Letzteres widmete Sam seinem im letzten Jahr verstorbenen Opa, der heute Geburtstag gehabt hätte und ein “cooler Motherfucker“ war. Technisch bewegte sich der Auftritt auf dem Niveau, das man von Architects erwartet: sauber, druckvoll und ohne größere Überraschungen. Dennoch – die Show spielt sich auf einem sehr hohen Niveau ab und das Publikum feierte von der ersten bis zur letzten Note ordentlich mit – wie Sam selbst feststellte – es ist ein Verbrechen, dass diese Band in fast 20 Bandjahren erst das zweite Mal überhaupt in Hannover war – und beide Konzerte innerhalb eines halben Jahres stattfanden.

Der Tourstopp in Hannover erwies sich als runder Konzertabend, bei dem alle drei Bands ihren Platz fanden. President boten einen ordentlichen Einstieg, Landmvrks steigerten die Intensität, und Architects überzeugten mit einer professionellen, gut durchdachten Show. Kein spektakulärer Ausreißer nach oben, aber ein solider und gelungener Auftritt, der alle zufrieden nach Hause schickte.

Volle Kraft voraus: Eisbrecher liefern in Hannover eine brachiale Sound-Offensive

Es gibt Bands, die laut sind. Und es gibt Bands, die laut und stilvoll sind – mit einer Prise Ironie, einem dicken Schuss Pathos und der Fähigkeit, Stahlträger mit ihrem Sound in Schwingung zu versetzen. Genau dieser seltenen Kategorie gehört Eisbrecher an. Am Samstag, den 17. Mai 2025, legten Alexx Wesselsky und seine Männer in der restlos ausverkauften Swiss Life Hall in Hannover an – im Gepäck: die aktuelle „Eiszeit X“-Tour und das brandneue Studioalbum „Polarlicht“, das seit März die Charts zum Glühen bringt.

Heldmaschine

Doch bevor es losgeht, donnert zu allererst die Heldmaschine durch die Swiss Life Hall. Damit steht Neue Deutsche Härte der Koblenzer Band auf dem ganz Programm. Musik der Sorte „Rammstein“, aber mit vielen innovativen Elementen, bringt die fünfköpfige Truppe um Frontmann René Anlauff an den Mann (und die Frau). Die Band geht dabei aber einen eigenen Weg und grenzt sich musikalisch vom (mittlerweile ehemaligen) Branchenführer Rammstein ab. Vor der Bühne entwickelt sich binnen kurzer Zeit ein ausgelassenes Tanzgelage, dass zeitweise in einem Mosh- und Head-Bangbattle gipfelt. Völlige Eskalation, im positiven Sinne. Da auch eine gute Prise elektronischer Beats die Songs begleitet, kommen Fans härter Rockklänge genauso auf ihre Kosten, wie Fans von Joachim Witt- oder Kraftwerk-ähnlichen Sounds.

Eisbrecher

Wer Eisbrecher sagt, muss auch Neue Deutsche Härte sagen – allerdings mit einem Augenzwinkern und ohne die düstere Schwere, die andere Genre-Vertreter manchmal wie Betonplatten durch den Konzertsaal schleifen. Stattdessen servieren Frontmann Alexx Wesselsky (ehemals Megaherz) und seine Crew eine Mischung aus druckvollen Industrial-Riffs, tanzbaren Beats und hymnischen Refrains, die das Publikum spätestens beim dritten Song in einen kollektiven Bewegungsdrang versetzen.

Gitarrist Noel Pix, gleichzeitig das musikalische Mastermind der Band, zimmerte an diesem Abend ein Riff-Feuerwerk sondergleichen, unterstützt von Rupert Keplinger am Bass, Achim Färber an den Drums und Christian „Licky“ Schmitz an der zweiten Gitarre. Zusammen erschufen sie eine Soundwand, die so kalt und präzise wirkte wie ein frisch geschmiedetes Katana – nur eben elektrisch verstärkt und gnadenlos auf den Punkt.

Die Setlist ließ keine Wünsche offen. Mit Krachern wie „Verrückt“, „Prototyp“ und dem Überhit „Miststück“ (eine Reminiszenz an Wesselskys Megaherz-Vergangenheit) heizte die Band die Halle schnell auf Saunatemperatur – ganz im Kontrast zum frostigen Bühnenbild, das mit Eisformationen und LED-Wänden eine arktische Kulisse heraufbeschwor. Natürlich durfte auch das neue Material aus „Polarlicht“ nicht fehlen. Songs wie „Herz aus Eis“ und „Kältezone“ überzeugten mit einem frischen, modern produzierten Sound, der die Härte der NDH-Tradition mit überraschend melodiösen Momenten verband. Besonders „FAKK“ (eine Abkürzung, die sich die Fans sicher nach kurzer Bedenkzeit selbst erschließen konnten…) sorgte für kollektives Grölen und schweißtreibende Moshpits.

Was ein Eisbrecher-Konzert so besonders macht, ist nicht nur die musikalische Wucht, sondern vor allem Alexx Wesselskys unnachahmliche Bühnenpräsenz. Der Mann beherrscht die Kunst, mit erhobenem Zeigefinger und einem schelmischen Grinsen gleichzeitig zu dozieren und zu unterhalten. Seine Ansagen pendelten mühelos zwischen charmanter Provokation und humorvollen Seitenhieben – mal gegen die Musikindustrie, mal gegen den eigenen Hang zum Pathos. Und genau hier liegt das Geheimnis des Abends: Während andere Bands in der NDH-Szene Gefahr laufen, sich in bierernster Symbolik zu verlieren, spielt Eisbrecher mit den Klischees – und das mit einer Leichtigkeit, die selten geworden ist.

Nach über zwei Stunden brach die Kältewelle endgültig, das Publikum war durchgeschwitzt, aber selig. Eisbrecher lieferten in Hannover nicht nur eine technisch brillante und musikalisch abwechslungsreiche Show ab – sie bewiesen erneut, dass Härte und Humor, Schwere und Leichtigkeit kein Widerspruch sein müssen. Wer die „Eiszeit X“-Tour verpasst, verpasst mehr als ein simples Konzert. Er verpasst ein Stück moderner Rockkultur, das mit beiden Beinen im Hier und Jetzt steht – frostig, kompromisslos und doch mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Kraftvolle Klänge und nostalgische Hits: Mike + The Mechanics rocken Hannover

Am Donnerstag, den 24. April 2025, erlebte die Swiss Life Hall in Hannover einen musikalischen Hochgenuss voller Nostalgie, Emotionen und handwerklicher Perfektion, als Mike + The Mechanics im Rahmen ihrer „Living the Years“-Tour die Bühne betraten. Die Band, die seit den 80er Jahren mit ihrem einzigartigen Sound aus Rock, Pop und souligen Melodien begeistert, sollte beweisen, wie eindrucksvoll und zeitlos gute Musik ist.

Nach ein paar Worten von Michael Rutherford, dass sie sowohl neue als auch alte Songs spielen werden, startete die Band mit dem Klassiker „A Beggar on a Beach of Gold“, der die Fans sofort abholte. Die beiden Leadsinger Tim Howar wie auch Andrew Roachford, dessen kraftvolle Stimme die Songs teilweise zu neuem Leben erweckte, führten das Publikum durch den Abend.

Mike + The Mechanics, ursprünglich als Nebenprojekt von Genesis-Gitarrist und Bassist Mike Rutherford ins Leben gerufen, haben sich mit Hits wie „The Living Years“, „All I Need Is a Miracle“ und „Over My Shoulder“ einen festen Platz in der Musikgeschichte gesichert. Ihre Alben, insbesondere „The Living Years“ und „Beggar on a Beach of Gold“, sind Meilensteine, die den unverwechselbaren Mix aus eingängigen Melodien und tiefgründigen Texten perfekt verkörpern.

Die aktuelle „Living the Years“-Tour ist eine Hommage an ihre größten Erfolge und zugleich ein Beweis für die ständige Weiterentwicklung der Band. Die Setlist bot eine perfekte Mischung aus unvergesslichen Klassikern und neuen Stücken, die die Band mit frischer Energie und Spielfreude präsentierte. Besonders beeindruckend war der mehrstimmige Gesang, der bei Songs wie „Word of Mouth“ für Gänsehautmomente sorgte. Für die sorgte auch eine Überraschung im Lineup! Kein geringerer als Phil Collins’ Sohn Nic an den Drums und natürlich gab es am Ende auch das erhoffte Schlagzeug-Solo.

Mike + The Mechanics, das ist mehr als nur ein normales Konzert – es ist schon mehr eine emotionale Reise, die Fans aller Generationen verbindet. Die Band versteht es, durch ihre authentische Performance eine intime Atmosphäre zu schaffen, die das Publikum in ihren Bann zieht. Der Abend in Hannover war ein perfektes Beispiel dafür, dass es sich lohnt, ein Konzert dieser großartigen Band zu besuchen: Man wird mit einem Gefühl von Freude, Melancholie und purer musikalischer Leidenschaft belohnt. Und als Genesis Fan ist es sowieso ein Muss!

Als die letzten Töne verklangen und die Band die Bühne verließ, war klar: Mike + The Mechanics haben es erneut geschafft, ihre Zuhörer zu begeistern und einen unvergesslichen Abend zu bescheren. Wer die Möglichkeit hat, sie auf dieser Tour zu erleben, sollte sich diese Gelegenheit nicht entgehen lassen. Es sind nicht nur die Erinnerungen, die zählen, sondern die lebendige Musik, die diese Band so besonders macht.

Bill Kaulitz und Co. in Bestform: Tokio Hotel rockt die Swiss Life Hall

Am Samstagabend verwandelte sich die Swiss Life Hall in Hannover in ein schillerndes Spektakel der besonderen Art: Tokio Hotel, die Band, die einst als Teenager-Sensation die Charts stürmte, bewies eindrucksvoll, dass sie weit mehr als ein musikalisches One-Hit-Wonder sind. Die ausverkaufte Halle pulsierte vor Energie, während die Band auf der Bühne eine Show lieferte, die sowohl nostalgische Gefühle weckte als auch mit frischen Klängen überraschte.

Seit ihrem Durchbruch mit dem Debütalbum Schrei im Jahr 2005 hat Tokio Hotel eine bemerkenswerte musikalische Evolution durchlebt. Mit Alben wie Zimmer 483 und dem international gefeierten Humanoid haben sie bewiesen, dass sie in der Lage sind, über den Tellerrand hinaus zu blicken und ihren Sound stetig weiterzuentwickeln. Der jüngste Longplayer Dream Machine zeigt eine Band, die sich nicht scheut, Synth-Pop-Elemente zu integrieren und mit neuen Klanglandschaften zu experimentieren.

Der Abend begann mit einem stimmungsvollen Intro, das die Menge sofort in seinen Bann zog. Frontmann Bill Kaulitz, der mit seinem ikonischen Look und seiner charismatischen Bühnenpräsenz die Fans in seinen Bann zog, führte die Band in einen kraftvollen Auftakt mit dem Song „Something New“. Die Setlist war eine gelungene Mischung aus alten Klassikern wie „Durch den Monsun“ und „Übers Ende der Welt“ sowie neueren Tracks, die die musikalische Reife der Band unterstrichen.

Ein Tokio Hotel Konzert ist mehr als nur Musik – es ist ein Erlebnis. Die visuelle Inszenierung mit beeindruckenden Lichteffekten und aufwändigen Videoeinspielungen ergänzt die emotional aufgeladene Performance der Band perfekt. Die Interaktion mit dem Publikum ist herzlich und authentisch, was jeden Auftritt zu einem einzigartigen Erlebnis macht. Besonders hervorzuheben ist die emotionale Tiefe, die Bill Kaulitz in seine Performances einbringt, unterstützt von den kraftvollen Gitarrenriffs seines Bruders Tom, den treibenden Basslinien von Georg Listing und dem präzisen Drumming von Gustav Schäfer.

Die Fähigkeit von Tokio Hotel, ihre Fans über die Jahre hinweg zu begeistern, liegt in ihrer Bereitschaft, sich stetig zu erneuern, ohne ihre Wurzeln zu vergessen. Die Show in Hannover zeigte eine Band, die sich selbst treu geblieben ist, während sie sich weiterentwickelt hat. Die Mischung aus Nostalgie und Innovation war der Schlüssel zu einem unvergesslichen Abend, der sowohl langjährige Fans als auch neue Zuhörer begeisterte.

Wer die Chance hat, Tokio Hotel live zu erleben, sollte sie unbedingt nutzen. Die Band hat bewiesen, dass sie noch immer ein kraftvoller und relevanter Akteur in der Musikszene ist – und das Konzert in Hannover war der beste Beweis dafür. Tokio Hotel hat die Swiss Life Hall in einen Ort voller Magie und Musik verwandelt, und es bleibt zu hoffen, dass sie noch viele weitere Jahre auf der Bühne stehen werden.

Corey Taylor in Hannover: So „ruhig“ erlebt man ihn sonst nur selten

Viele Festivalbesucher Europas kamen schon in den Genuss, nun war auch Hannover dran. Am Dienstagabend, den 18. Juni 2024 kam Corey Taylor mit seinem Soloprojekt für ein Konzert in der Swiss Life Hall vorbei und brachte dazu die aktuellen Metalcore-Aufsteiger Siamese mit. Da machte auch der kleine, kurze, aber intensive Schauer kurz vor dem Konzert nichts, der einige Fans klitschnass zurückließ. Da lohnt sich der Gang zum Merch gleich doppelt.

Siamese

Für Siamese aus Kopenhagen war es das erste Mal in Hannover und für sie ein wahrgewordener Traum. Seit 15 Jahren spielen sie schon Musik, oft nur vor wenigen Leuten, und heute stehen sie hier vor über 3.000 Fans und dürfen für Corey Taylor eröffnen. Neben den üblichen Instrumenten stand bei Siamese eine Geige im Vordergrund, die den Songs eine besondere Note verlieh. Trotz des Wochentages forderten Siamese das Publikum zu einem großen Moshpit auf. Sänger Mirza Radonjica rief: „I need this whole room from the front to the back to sing this with me ‚B.A.N.A.N.A.S.'“ und das Publikum sang lautstark mit. Die Hymne des Abends war eindeutig „This is not a song“, bei der die Fans lautstark “it’s a mother fucking moshpit” mitsangen und den Ton des Abends festlegten.

Corey Taylor

Kurz danach war es Zeit für den Mann des Abends: Corey Taylor. In alter Gewohnheit begrüßte er das Publikum mit den Worten: „Hallo meine Freunde, wie geht es euch? Wie geht es euch?“. Sein Set war eine bunte Mischung aus Solo-Songs und Stücken von Stone Sour und Slipknot, wobei die Solowerke dominierten. Die Highlights des Abends waren jedoch die Slipknot-Songs, bei denen das Publikum besonders intensiv mitging und mehr headbangte als sonst.

Für viele etwas unerwartet war der Moment, als viele Fans “Spongebob” Richtung Bühne riefen. Etwas enttäuscht guckend begann Corey damit das Spongebob Theme zu spielen, während das Publikum lautstark mitsang, um uns danach mit einem Stinkefinger zu „belohnen“. Aber nicht nur da war es laut, auch bei “Snuff” sang das Publikum so laut mit, dass es Gänsehaut verursachte.

Auch Corey nahm sich einen Moment, um sich bei seinen Fans zu bedanken und reflektierte über seine Vergangenheit: „Für lange Zeit war mein größtes Problem egoistisch zu sein und alles für selbstverständlich zu nehmen, das ist aber nicht so und jetzt sehe ich das ein.“ Zudem widmete er den Song “Home” seiner Frau, die ihm vor einem halben Jahr aus einer dunklen Phase geholfen hatte, und sagte: „She is my love, she is my home. I know she doesn’t hear this but I hope she feels this.“ Die Stimmung wurde dabei durch einige Feuerzeuge im Publikum noch emotionaler.

Der Abend verging trotz 90 Minuten Spielzeit wie im Flug und endete für viele mit einem Höhepunkt. “Duality” verlangte nochmal alles vom Publikum und entließ uns in ein weiterhin regnerisches Hannover. Insgesamt war es vermutlich einer der ruhigsten Konzertabende, die man mit Corey Taylor erleben konnte. Nachstehen tut dieser jedoch keinem.

Dave Matthews Band in Hannover: Eine unvergleichliche musikalische Reise

Wenn eine Band wie die Dave Matthews Band die Bühne betritt, ist eines gewiss: Die Luft wird elektrisch, die Musik wird lebendig und die Herzen der Zuhörer schlagen im Einklang mit dem Rhythmus der Songs. So war es auch in der Swiss Life Hall in Hannover, als die legendäre Band am vergangenen Freitagabend ihre musikalische Meisterklasse vor 3.300 Zuschauern präsentierte. Nach zehn Jahren ist die Dave Matthews Band endlich wieder in Deutschland auf Tour.

Als die Lichter erloschen und die Band die Bühne betrat, brach schon tosender Applaus aus. Dave Matthews, charismatisch wie eh und je, begrüßte das Publikum mit einem breiten Lächeln, bevor er und seine Bandkollegen in ihr erstes Stück übergingen. Von Anfang an war klar, dass dies keine gewöhnliche Show werden würde.

Die Virtuosität der Musiker war schlichtweg atemberaubend. Dave Matthews‘ unverkennbare Stimme füllte den Raum mit Emotionen, begleitet von den kraftvollen Klängen der Gitarren, und Bläsern Jeder Ton schien perfekt platziert, jeder Beat präzise ausgeführt. Es war eine Demonstration von Können und Leidenschaft, die das Publikum in ihren Bann zog.

Während des gut dreistündigen Auftritts präsentierte die Band eine vielfältige Auswahl an Songs aus ihrer langen Karriere. Spannend vor allem, dass es bei der DMB keine feste Setlist gibt, nach der man sich vorher orientieren könnte. Jedes Konzert ist somit anders.

Doch es war nicht nur die Musik, die diesen Abend unvergesslich machte. Es war die Energie, die Leidenschaft, die von der Bühne ausstrahlte und das Publikum mitriss. Zwischen den Songs nahm sich Dave Matthews immer wieder Zeit, um mit den Fans zu interagieren, ihre Geschichten zu hören und ihre Liebe zur Musik zu teilen. Es war diese persönliche Note, die die Show zu etwas Besonderem machte.

Insgesamt war das Konzert der Dave Matthews Band in der Swiss Life Hall ein triumphales Ereignis, das bewies, warum die Band auch nach all den Jahren immer noch zu den Größen der Musikwelt gehört. Ihre Fähigkeit, Emotionen durch ihre Musik zu vermitteln, ist unübertroffen, und ihr Einfluss auf die Welt der Rockmusik ist unbestritten.

30 Jahre, 30 Hits – Die Prinzen live in Hannover

30 Jahre – 30 Hits – 30 Städte. So lautet das Motto der aktuellen Tour der Prinzen, auch wenn die 30 Jahre nicht mehr ganz aktuell sind, nachdem die Tour verschoben werden musste. Dann wird eben nachgefeiert. So versammeln sich die Fans in der Swiss Life Hall in Hannover und warten gespannt, während im Hintergrund leise die Frösche quaken.

Eine Vorband gibt es an diesem Abend nicht, die Frösche selbst kommen nach einem längeren Intro auf der Leinwand hinter der Bühne, bei dem es sich auch um Frösche dreht, auf die Bühne. Direkt geht es los mit “Krone der Schöpfung”, bevor wir mit “Mann im Mond” direkt 30 Jahre zurückreisen. “Ale, ale, ale Hannover, der Besuch aus Leipzig ist da!”, begrüßt uns Tobias Künzel. “Da seid ihr ja endlich wieder, wir haben euch vermisst Leute, so oft verschoben…”, fährt Sebastian Krumbiegel fort, lässt jedoch keinen Moment für Trauer aufkommen, denn in diesem Moment ertönen die ersten Klänge von “Millionär” und das Publikum steht schlagartig von seinen Stühlen auf um laut und schräg mitzusingen, was Sebastian natürlich erreichen wollte. “Wir wollen euch ganz laut mitsingen hören!”

Neben den 30 Songs, die uns durch alle Bandjahre und jedes Album führen, gibt es auch viel Humor. “In 30 Jahren ist viel ausgegangen, manchen die Haare, aber nie die dummen Ideen”, passend zum folgenden Song. Aber auch sonst ist immer wieder Platz für einen Gag und für Tobias seine Vorliebe für Hannover zu zeigen, denn er sagt uns häufig, wie glücklich er ist hier zu sein – “Das ist das 25. Konzert der Tour, vorher waren wir nur in unbedeutenden Städten”. Auf der Bühne passiert meist nicht viel, abseits davon, dass sich die Halle zu “Überall” in eine übergroße Discokugel verwandelt, die fast schon in den Augen weh tut. Oder den goldenen Mänteln zu “Unsicherheit macht sich breit”, bei dem sich alle in einem Dreieck angeordnet haben und man schon fast eine Verschwörungstheorie aussprechen möchte.

30 Jahre gehen aber auch an den Prinzen nicht spurlos vorbei. So erzählt uns Sebastian, dass die Band mit vier Trucks reist, davon einer für die Instrumente und die anderen drei für medizinisches Equipment – “Die sind alle nicht mehr so jung wie ich”, sagt er lachend. Aber auch sonst habe man viel erlebt. Kein Mitglied der Band ist später als 1994 dazu gestoßen. Als Sebastian und Tobias die Band vorstellen, wird dies klar, als die kleinen Anekdoten dabei ganz weit und noch weiter zurückgehen, als die Band noch keine Band war.

Es ist für viele Fans eine kleine Zeitreise in die Vergangenheit. Viele kennen die Band noch aus ihrer Jugend und sind mit ihnen aufgewachsen, was besonders bei den alten Songs auffällig ist, getreu dem Motto: je älter der Song, desto mehr stehen von ihren Plätzen auf. Eine kleine Überraschung gibt es dennoch, als Sebastian ankündigte, einen neuen Song spielen zu wollen, den die Band erst in der Nacht um 4:30 Uhr fertiggestellt hatte. Schnell wurde jedoch klar, dass es sich um “Küssen verboten” handelt, was nunmal alles andere als neu ist.

Nach “(Du musst ein) Schwein sein” wird nach fast zwei Stunden das Finale eingeläutet. “Alles nur geklaut” soll der letzte Song sein, wer jedoch aufmerksam mitgezählt hat, wusste, dass das nicht alles sein konnte. Mit “Wer ist der Typ”, “Fahrrad” und “ich schenk dir die Welt” wird nachgelegt, bei welchem sich die Band erneut ausdrücklich für all die schönen Jahre bedankt und uns in den noch jungen Abend entlässt.

Finch in Hannover: Die Dorfdisko in der großen Halle

Das letzte Konzert von FiNCH fand 2019 noch im Capitol statt, eine abgesagte Tour und vier Jahre später finden wir uns nun ein Stück weiter in der Swiss Life Hall wieder, in die das Konzert aufgrund der Nachfrage hochverlegt wurde. Ausverkauft ist das Konzert dennoch, genauso wie fast die komplette “DDR Tour”. Als Support ist bei der gesamten Tour Fritz und Monti dabei, welcher in Hannover sein Heimspiel feiern.

Die Bühne ist noch mit einem großen, weißen Banner verhüllt, was sich während des Sets von Fritz und Monti nicht ändert. Nur von hinten beleuchtet spielt das Duo seine Lieder und zeigt mit dem ersten Song “Zugekokst & Hackedicht” direkt die tiefgründigen Texte, die sich primär um Alkohol, Drogen und Frauen handeln. Dabei fliegen bereits die ersten Biere durch die Luft. “Ich war noch nie so aufgeregt vor einem Auftritt wie heute, auch nicht in Berlin, denn die Hälfte der Leute hier sind meine Freunde”, sagt uns Monti. “So viel Liebe gibt’s nur im Puff”, fährt er lachend fort. Zum letzten Song “Ficken gehen” gibt es noch eine Wall of Death, bevor Monti noch eine ungefragte A Capella Zugabe gibt.

Als die Halle wieder dunkel wird, hören wir zunächst einen Zusammenschnitt aus verschiedenen FiNCH-Songs, während nur seine Silhouette auf dem weißen Banner vor der Bühne sichtbar ist. Als das Banner schließlich fällt, ist es jedoch nicht FiNCH hinter dem Vorhang. Eine kurze Diskussion später, die die nicht Echtheit bestätigt, fährt der echte Finch auf einem erhöhten Fahrrad durch die Menge. Der Fuchsschwanz darf dabei am Fahrrad nicht fehlen, genauso wenig wie das Dosenbier in der Hand. Als FiNCH dann schließlich auf der Bühne ist, fliegt das Konfetti und es geht mit dem ersten Song “FiNCHiBOY” los. Auf der Bühne ist ein Dixi-Klo, ein Bratwurst-Pavillion, welcher als DJ-Pult benutzt wird, und der Eingang zur Dorfdisko aufgebaut, aus welchem auch der heutige Special Guest kommt. BHz kommen aus Celle und haben für den heutigen Tag nur einen kurzen Anfahrtsweg. Zusammen performen sie “Freitag Samstag”, bevor sie für den Moment über das Dixi-Klo wieder die Bühne verlassen.

Direkt zu Beginn meldet sich FiNCH mit einer Ansage. Wir sollten die Handys in der Tasche lassen und aufpassen, dass in den vorderen Reihen nicht zu viel Druck von hinten aus dem Pit entsteht. Zudem sei es für ihn okay, wenn Grabschern, unabhängig von Pegel oder Geschlecht, “auf die Fresse gehauen wird”, bitte anschließend aber wirklich darum, diese bei der Security zu melden. Anschließend geht angeblich der Strom aus und es finden sich drei Personen mit Fackeln auf der Bühne wieder, während im Hintergrund das Intro zu “Keine Regeln” ertönt.

“Damals in Hannover, das war am krassesten, da waren nackte Männer!”, sagt FiNCH lachend, während das Bild heute nicht groß anders ist – zumindest oberhalb der Gürtellinie. Das ist aber auch kein Wunder, beschwert er sich selbst auch immer wieder, wie warm es ist und er zugleich dem Publikum mit Pyro weiter einheizt. “Es ist echt warm hier drin, wollen wir alle unsere T-Shirts ausziehen? Lass es mich anders ausdrücken, alle die wollen!”. Gegen die Wärme hilft aber auch – zumindest in der Theorie – das Trichtersaufen. Dafür holt sich FiNCH drei Fans auf die Bühne – Linda, Leah und Laura. Der Gewinner ist nicht eindeutig, belohnt werden alle drei aber später am Merch. An diesem befindet sich auch FiNCH eigener Likör, der Fürstenbach, für den er später auf der Bühne etwas Werbungmacht und während sein Crewmitglied Jihan eine Flasche auf Ex trinkt. Es folgt direkt der Hinweis, dass der Eimer hinter dem DJ-Pult steht.

Zu diesem Zeitpunkt hätte man dem Publikum viel Arbeit abnehmen können, wenn man vor dem Konzert zwei Fässer Bier großzügig über dem Boden verteilt hätte, das Resultat wäre das gleiche gewesen. Dass die meisten FiNCH Songs features beinhalten ist nichts neues, jedoch keine weiteren Specials Guests dabei wie bei den anderen Shows. “Wendekind”, “Rave Witchers”, “Onkelz Poster” und viele weitere werden somit alleine performed. Ganz ohne etwas Exklusives sollen wir aber nicht nach Hause gehen. So bekommen wir nach “Pech & Schwefel“ den gleichen Song erneut in der noch nicht veröffentlichten BHz-Version mit selbigen. Schließlich steht mit “Die Einzigste” der letzte Song auf der Setlist, bevor FiNCH von der Bühne huscht.

Wenige Sekunden später, während die Zugabe-Rufe die Halle erfüllen, ruft er uns zu: „Ich will keine Zugabe, wenn Hannover wirklich Bock hat, ruft sie jetzt Fotze!” und das Publikum ändert seine Rufe sofort. Mit “Nachbarn”, “Easy Peasy” und “Fick mich FiNCH” geht es in die nächste Runde. Bei letzterem holt er sich einen rothaarigen Fan auf der Bühne, nachdem er diesem vorher im Set gesagt hat, dass er ihn den ganzen Song über von hinten nimmt. Dies macht er auch, zumindest für einen Moment, bevor der Fan mit in den Song einsteigt. Voraussetzung war, dass dieser den kompletten Song auswendig kann. ”Jetzt Mal echt Bruder, bei dem Pegel den du hast viel Respekt das Ding hier so abzuliefern”, sagt FiNCH anschließend, bevor der Fan noch seine Kollegen grüßt und wieder die Bühne verlässt.

Abschließend gibt es den Song „Abfahrt“, zu welchem nochmal eine große Wall of Death veranstaltet wird. “Wenn ihr keine Lust habt, geht zur Seite, jetzt wird es Extrem”, sagt er uns und soll damit recht behalten. So endet das Konzert nach über 130 Minuten. Zwischenzeitlich sagte uns FiNCH, dass wenn der Abend krank wird, sie nächstes Jahr wieder kommen, ob wir wollen oder nicht. Die Chancen stehen also gut.

Blendende Stimmung in der Swiss Life Hall: Electric Callboy in Hannover

Ist es Zufall, dass der diesjährige Eurovision Song Contest genau an dem Tag stattfindet, an welchem die abgelehnten Electric Callboy, die sechstplatzierten Blind Channel aus letztem Jahr und One Morning Left in Hannover auftreten? Vermutlich ja. Kein Zufall sind aber die unzähligen Vokuhila-Perücken und schrillen Trainingsanzüge, die zur Swiss Life Hall pilgern. Dort ist die Party schon voll im Gange, bevor auch nur eine Band die Bühne betreten hat.

Immer wieder wird die Halle von Jubel erfüllt, ohne dass etwas offensichtliches passiert. Erst bei genauerem Hinsehen erkennt man, dass im Pit Bereich immer wieder Männer auf die Schultern genommen werden und sich ihre T-Shirts ausziehen. Dann erklingen die ersten Töne von „She’s a Maniac“ von Flashdance. Das Publikum singt lauthals die ihnen bekannten Stellen mit. Als One Morning Left dann auf die Bühne kommt, mit einem großen aufblasbaren Wal, der kurz danach seinen Weg sein Weg in die Menge findet, gibt es kein Halten mehr. “Hello Hannover, whoa, you are a lot of people. Are you ready to shake some ass?”, werden wir von Sänger Leevi Luoto begrüßt. Das Set ist mit nur sechs Songs zwar kurz, lässt für die Fans aber nichts offen. Die ersten Crowdsurfer lassen sich blicken, es gibt eine Wall Of Death und der Pit läuft sowieso schon auf Hochtouren. Als Highlight gibt es noch ein “Beat It” Cover von Michael Jackson, bevor die Band wieder die Bühne verlässt, während im Hintergrund “24K Magic” von Bruno Mars läuft und Drummer Niko Hyttinen über die Bühne tanzt.

Nach einer kurzen Umbaupause stehen schon die letztjährigen ESC-Teilnehmer für Finnland auf der Bühne. “We are Blind Channel from northern Finland and it’s our fucking pleasure to bei here tonight”, ruft uns Sänger Joel Hokka auf die Schnelle zwischen den Songs entgegen. Es macht den Eindruck wenig Zeit verlieren zu wollen, was dem Publikum sehr entgegen kommt. Dort herrscht sehr viel Bewegung, was sich auch auf der Bühne widerspiegelt. Die beiden Sänger laufen durchgehend auf und ab und posen dabei, als läge es in ihrer Natur. Auch DJ Aleksi Kaunisvesi verabschiedet sich immer wieder von seinen Geräten, um selbiges zu tun. Auch hier gibt es wieder ein Highlight in Form eines Covers. Zum einem “Lose Yourself” von Eminem, zum anderen “Left Outside Alone” von Anastacia. Gekrönt wird dies noch von einem Drum-Solo, bevor uns auch Blind Channel nach nur 40 Minuten verlassen müssen.

Die Haare gerichtet, den Trainingsanzug nochmal rausgeputzt und zack, wird er auch schon gebraucht. Electric Callboy tut es ihren Fans gleich und kommen im gleichen Outfit mit Konfetti zu “Pump It” auf die Bühne. “Hallo Hannover, wir sind Electric Callboy und wir haben ein paar geile Songs für euch dabei”, sagt uns Sänger Kevin Ratajczak und übertreibt dabei nicht. Auch wenn man Electric Callboy als Phänomen der letzten Jahre, bzw. letzten Singles, beurteilen könnte, sind sie keine One Hit Wonder. Die Stimmung ist bei neuen wie alten Songs durchgehend blendend und die Setlist sehr bunt gemischt. Die Fans singen immer lauthals mit und der Pit wird immer größer.

Das erste Highlight ereilt uns schon sehr früh. Wir machen ein Foto. Nein, kein Abschlussbild, sondern ein Foto mit dem noch sehr jungen Sohn von Kevin, damit dieser den Moment nie vergessen soll. Dafür wird das vorher noch so laute Publikum plötzlich mucksmäuschenstill, nur um danach wieder in alte Lautstärke zurückzufallen. Kein Wunder, es befindet sich der nächste Special Guest auf der Bühne: Content Creator Kalle Koschinsky. Zusammen hat er mit der Band den Song “Castrop x Spandau” geschrieben, den sie nun ein letztes mal zusammen performen. Dazu soll dieser als Video aufgenommen werden. Hierzu wird zusätzlich die Pyro ausgepackt und die sowieso schon sehr warme Halle noch weiter erhitzt.

Früher waren Electric Callboy in der Swiss Life Hall Support und hatten den Traum eines Tages hier Headliner sein zu dürfen. Dieser Traum ist nun wahr geworden, wie uns Kevin fröhlich berichtet. “Jeder dieser Tage auf Tour ist Teil der besten Tage unseres Lebens” sagt er uns weiter, während langsam der Song “Best Day” angespielt wird. Das nächste Highlight folgt zugleich. Die sonst sehr aufwendig beleuchtete Bühne wird dunkler und Sänger Nico Sallach, dessen erste Tour dies mit der Band seit seinem Beitritt im Jahr 2020 ist, singt Akustik “Prism”, während aus dem Publikum ein Meer aus Lichtern wird. Anschließend springt er in den Graben, geht direkt ans Publikum und singt dort noch etwas komplett solo weiter, während die Menge lautstark mitmacht.

Mit “MC Thunder II (Dancing Like a Ninja)” wird kurz danach der letzte Song eingeleitet, hierzu kommt auch nochmal Kalle auf die Bühne und es gibt eine Wall of Death. Die folgenden Zugabe-Rufe lassen nicht lange auf sich warten und werden prompt erfüllt. “We Got The Moves” und “MC Thunder” folgen, bevor die Band nochmal von der Bühne geht. Aus der Anlage schallt dabei ein “Döp Döp Döp”, welches das Finale mit “Hypa Hypa” einleuchtet. Hier fliegen nochmal Konfetti und Luftschlangen durch die Luft, bevor sich die Band ausgiebig und lange verabschiedet und uns in die Nacht entlässt.

Papa Roach in Hannover – Große Feier mit Hollywood Undead + Ince Nine Kills

Die Präsenz des Corona-Virus ist in den letzten Wochen nicht mehr wegzudenken. Immer mehr Veranstaltungen werden abgesagt und in immer mehr Bundesländern werden Veranstaltungen über 1.000 Personen verboten. Das Land Niedersachsen hat nun auch ein solches Verbot erlassen. Am Tag, bevor dieses in Kraft tritt, gibt es jedoch noch ein letztes Konzert in Hannover, was damit die letzte Großveranstaltung in Niedersachsen oder ggf. auch eines der Letzten in Deutschland ist. Papa Roach treiben schon einige Wochen zusammen mit Hollywood Undead und Ice Nine Kills ihr Unwesen in Europa und lassen sich von dem Virus nicht abschrecken. Trotzdem müssen auch sie sich den Vorlagen beugen und die Tour nach diesem Konzert vorzeitig abbrechen. Aber warum nicht nochmal mit einem Knall enden?

Ice nine kills

Ice Nine Kills sind eine der größten Metalcore-Überraschungen der letzten Jahre. Die Band bedient nämlich nicht nur eine Nische, sondern gleich zwei. Metalcore basierend auf Horrorfilmen. Klingt sehr abenteuerlich und genau das ist es auch. Ice Nine Kills beherrschen ihr Handwerk jedoch in Perfektion. Als ersten Song gibt es „Stabbing in The Dark“, zu dem zunächst nur ein Clown mit einem Messer in der Hand auf der Bühne steht. Sänger Spencer Charnas, mit Maske auf dem Kopf, kommt hinzu, nimmt ihm das Messer ab und singt dann allein das Intro. Der Rest der Band kommt dazu und auf geht’s. Die Bühnenshow ist immer passend auf den jeweiligen Songtext angepasst, die alle von Horrorfilmen inspiriert sind. So verkleidet sich Spencer zu jedem Song neu und hat mal eine Axt, einen Dolch oder eine Kettensäge in der Hand – oder Cosplayed als Freddy Krüger. Natürlich wird sich auch auf das aktuelle Thema bezogen: “The corona virus might not kill you – but we will!”, sagt uns Spencer. Zusätzlich spornt er das Publikum immer wieder an “You have the potential to be better than Berlin, cause they fucking suck”, was jedoch nicht zwingend nötig ist, da das Publikum von Anfang an Feuer und Flamme ist. Nebenbei erwähnt, gibt es noch andere Bands, die teilweise vierstimmig Screamen? Das stellt jedenfalls ein wahres Highlight dar.

Hollywood Undead

Mehrstimmig geht es auch bei Hollywood Undead zu. Die Band besteht zugleich aus fünf Sängern, die nur ab und zu eine Gitarre in die Hand nehmen. Die einzige Konstante ist das Schlagzeug im Hintergrund. Auch konstant sind die ständigen Funken-Fontänen, die bei den ersten Songs zu jedem Refrain gezündet werden. Die Stimmung könnte von Anfang an nicht besser sein. Alle Zuschauer sind in Bewegung und singen mit, kaum einen hält es an seinem Platz. Viel Bewegung gibt es auch auf der Bühne. Jeder der fünf Sänger läuft ständig auf und ab und post für das Publikum. Richtig voll wird es dann zum vierten Song auf der Bühne “Heart of a Champion”. Nun gibt es Unterstützung von Spencer von Ice Nine Kills und auch Jacoby Shaddix von Papa Roach kommt das erste Mal auf die Bühne. Wie oft erlebt mann denn schon ein Metal-Konzert mit sieben Sängern auf einer Bühne?

“It’s good to be back in Hannover – last time we were here, we had some fans on stage to play guitar. Do we have someone here who can play?” werden wir gefragt, worauf Felix aus dem Publikum geholt wird. Dieser spielt ein kurzes Solo, was von der Band mit den Worten “I don’t think that guy is getting laid with that solo tonight”, bevor sie zusammen einen Song spielen, den Felix live auf der Bühne lernt. Mit dem Song “Day Of The Dead” beenden Hollywood Undead zunächst ihr Set, bei dem das Publikum noch einmal lauthals mitgröhlt. Die Fans verlangen eine Zugabe und bekommen diese auch mit “Everywhere I Go” und “Hear Me Now”.

Papa Roach

Vor der Bühne hängt ein großes Banner mit dem typischen Bandlogo, der Schabe. Das Banner fällt zum ersten Song “Dead Cells”, bei dem die Stimmung erst noch verhalten ist. Ganz anders wird es beim darauffolgenden Song “Blood Brothers”. Jacoby Shaddix nimmt direkt die ganze Bühne für sich ein – so wie man es von ihm gewohnt ist. “Get on your feet, this is a fucking rock show” – sagt er zu den Rängen an den Seiten der Swiss Life Hall. “What about the corona section over there, you ain’t sick!”.

Wer jedoch krank ist, das ist Gitarrist Jerry Horton. Er hat sich kurz vor der Tour die Hand gebrochen und muss entsprechend aussetzen. Sein Ersatzmann vollführt diesen Job fehlerfrei, während der Rest der Band, wie gewohnt, Stimmung macht. Dazu sucht Jacoby auch die Nähe zum Publikum. Er springt in den Graben und ploppt wie ein Maulwurf immer wieder an verschiedenen Stellen vor dem Publikum auf. Berührungsangst haben allgemein nur wenige an diesem Abend. Immer wieder gibt es auch Crowdsurfer zu sehen – Corona wird für einen Moment ausgeblendet. Vor dem Song “Broken Home” gibt Jacoby eine kurze Rap-Einlage mit den ersten Zeilen von Eminem’s Song “Lose Yourself”.

Das Bühnenbild ist sehr minimalistisch gewählt und auch sonst gibt es keine großen Effekte und nur das Schaben-Banner im Hintergrund mit einigen Lichtstrahlern. Mehr braucht es eigentlich auch nicht. “Thank you for coming out and lifting my spirits up” bedankt sich Jacoby weiter, bevor er den Song “Elevate” anstimmt.

Nur weil Gitarrist Jerry Horton nicht anwesend ist, heißt das nicht, dass man nicht zu seinem Geburtstag singen kann. Das Ganze wird per Video aufgenommen und an ihn geschickt. Jacoby sport die Hannoveraner weiter an mit den Worten “Yesterday we were in Berlin and it was OK, but this is amazing tonight. You guys are killing it right now”. Den Song “Falling Apart” gibt es in einer Akustik-Version, zu dem das Publikum von allein die Feuerzeuge rausholt und gen Saaldecke hält. Es folgt ein Drum Solo und danach der Song “Firestarter” von The Prodigy in Gedenken an den verstorben Keith Flint. Anschließend verabschieden sich Papa Roach mit dem Song “…To Be Loved” von der Bühne. Viele Zugabe-Rufe später melden sich die Rocker mit gleich drei Songs zurück. “Who Do You Trust?”, “Last Resort” und “Born For Greatness” bilden das große Finale, bei dem nochmal alles vom Publikum abverlangt wird. Hannover bedankt sich mit lautem Mitsingen und ausgiebigem Applaus.