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So war das Summer Breeze 2018: Mittwoch + Donnerstag

Im letzten Jahr, zum 20. Jubiläum, gab es einige Änderungen auf dem Summer Breeze Open Air. Dieses Jahr stand ganz im Fokus diese Änderungen zu verbessern und die allgemeine Besuchererfahrung zu verbessern, ohne dabei die besonderen Merkmale des Festivals zu verlieren. So wurde der Zugang zur sich drehenden Hauptbühne von beiden Seite ermöglicht, sodass es dort weniger zu Stau kommt und beide Seiten gleichstark befüllt werden. Zudem wurden die Umbauzeiten leicht erhöht, was zu Folge hat, dass vor jeder Band der Bereich vor dem ersten Wellenbrecher komplett getauscht werden kann. Im Vorjahr war der Zugang nur von einer Seite möglich, sodass man oft nicht aus dem vorderen Bereich heraus kam, bevor die nächste Band zu spielen begann. Außerdem erscheint die Camel-Stage im neuen Glanz. Diese hat nun ein chices Dach bekommen und bietet damit einen guten Schutz vor Wind und Wetter und vor allem Sonne. Weiterhin spielt hier primär der Szene Nachwuchs und aufsteigende Bands, abwechselnd, ohne Zeitverzögerung mit der T-Stage.

Das Zirkuszelt wurde entfernt und durch die Ficken Party Stage ersetzt, welche sich mitten auf dem Campground befindet. Hier spielen nur wenige Bands, dafür findet hier jeden Abend eine Disco statt und es gibt keine Sicherheitskontrollen vor der Bühne, man kann also sein eigenes Bier mitbringen. Auf dem Infield gibt es auch ein paar Änderungen. Die Rolli-Bühne steht an einem zentraleren Ort und es gibt einige Toiletten mehr, um dem „Wildpinkeln“ an manchen Orten entgegenzuwirken. Lediglich die Anreise hat für viele Besucher für Frust gesorgt, da die Campingflächen in diesem Jahr von Hinten nach Vorne befüllt wurden, anstatt andersherum und sich eine verfrühte Anreise mit Extragebühr, damit nicht gelohnt hat um einen besonders guten Platz zu ergattern. Sonst bleibt alles beim Alten. Ein starkes Lineup, ein super Gelände, die Nuclear Blast Label Night am Mittwoch und die netteste Security, die man auf einem Festival finden kann.

Any Given Day

Bevor es richtig los geht, steht auf der Camel-Stage Blasmusik Illenschwang auf der Bühne und läutet wie gewohnt das Festival ein. Mit klassischer Blasmusik und bekannten Songs wie „Ihr Kinderlein kommet“ sorgen diese für mächtig Stimmung und stellen die Security auf die erste Probe was Crowdsurfer angeht. Obwohl Any Given Day die erste Metal Band auf dem Festival ist, ist das Infield schon gepackt voll. Abgesehen von der Merch-Schlange, in der man mehrere Stunden verweilen muss um sich eindecken zu können, haben sich auch sehr viele vor der Bühne versammelt. Und diese haben Lust zu feiern. Kaum ertönen die ersten Klänge durch die Boxen kann man schon Crowdsurfer beobachten. Aber auch sonst gibt es Pits wo das Auge reicht, obwohl die Sonne versucht dies zu verhindern. Zu „Home Is Where The Heart Is“ wird es erneut voll im Graben vor der Bühne. Ein Crowdsurfer nach dem anderen, sodass die Security leicht aus der Puste kommt, aber dies ist erst das Aufwärmprogramm, für das was noch kommt.

Night Flight Orchestra

Auf einer Soilwork Tour gegründet und mit Arch Enemy und Mean Streak Mitgliedern komplettiert, sind Night Flight Orchestra seit 2012 bzw. 2013 unterwegs, sofern es sich zwischen allen Touren der Bands eben machen lässt. Auf dem Sumerb Breeze finden dennoch alle Musiker zusammen, auch wenn sonst nur Arch Enemy auf der Running Order seinen Platz gefunden hat. Seit der Gründung kann die Band auf vier Alben zurückblicken, das letzte, „Sometimes the World Ain’t Enough“ sogar erst dieses Jahr. Vor der Bühne ist es weiterhin gut gefüllt und die Stimmung könnte nicht besser sein. In den Reihen lassen sich auch viele junge Gesichter erblicken, auch wenn die Musik bewusst eher auf die älteren Generationen zugeschnitten ist.

Farmer Boys

Lange war es ruhig um die Farmer Boys. Letztes Jahr dann die plötzliche Rückkehr der Band. Noch dieses Jahr, am 2. 11., erscheint das neue Album „Born Again“ nach immerhin 14 Jahren. Danach folgte die erste große Tour, bis dahin nur vereinzelte Konzerte. Entsprechend gefeiert wird die Rückkehr zum Summerbreeze. Viel Stimmung viele Crowdsurfer und vereinzelte Kinderwünsche erreichen die Bühne, auch wenn diese aus einer Männerkehle kommen. So soll ein Comeback doch sein, oder?

Kataklysm

Kataklysm stehen für soliden und brachialen Death Metal. So ist es nicht verwunderlich, dass es beim Auftritt der Kanadier im Sänger Maurizio vor der T-Stage recht kuschelig zugeht. Das Quartett muss das Publikum nicht anheizen, denn die Fans sind schon heiß genug, um die Mannen abzufeiern, die gewohnt routiniert ihre Songs zum Besten geben. Als Maurizio das Publikum zum Stresstest für die Grabenschlampen aufruft, gibt es kein Halten und man mag glauben, dass die Hälfte der Zuhörer dem Aufruf zum Crowdsufen gefolgt sind. Die starken Männer im Bühnengraben sind mehr als gefordert, können dieser Herausforderung jedoch standhalten und pflücken jeden Crowdsurfer sicher aus den Reihen! Jedoch haben sie sich ihre Pause nach der einstündigen Spielzeit der Kanadier redlich verdient.

Sepultura

Zur später Stunde zerlegen die Brasilianer von Sepultura, mit einem fetten Sound, die T-Stage. Die Band besteht inzwischen seit 35 Jahren und kann in der Zeit auf 14 Studioalben zurückblicken. Ihr Set besteht daher aus einer bunten Mischung dieser Zeit, ohne dabei großartig an Klassikern zu sparen. Belohnt wird die Band dabei mit ordentlich Stimmung, welche bei „Roots Bloody Roots“ ihren deutlichen Höhepunkt hat.

Paradise Lost

Nach den zwei Dampfhammern Kataklysm und Sepultura geht es nun bei Paradise Lost ein wenig klassischer zu. Nein, auf der Bühne wartet kein Orchester auf, aber die Briten um Nick Holmes brauchen kein großes Tamtam, schließlich gehören sie seit über einem Vierteljahrhundert zur Speerspitze der europäischen Metal-Elite. In dieser Zeit veröffentlichte die Band viele Alben die zur Grundausstattung der Plattensammlung eines jeden Metalhead gehört, änderte des Öfteren die Ausrichtung ihrer Musik und sind trotz allem beständig durch den Wandel der Szene gekommen. So kann man den Auftritt auf dem diesjährigen Summer Breeze als Querschnitt ihrer Schaffensphase sehen.

Info + Tickets Summer Breeze 2019

Summer Breeze 2019 / Summer Breeze Open Air 2019

So war das Rockharz Open Air 2018 am Samstag

Der Tag beginnt und schon fragt man sich, wo die Zeit geblieben ist. Man selber ist noch nicht wirklich wach und die ersten Nachbarn beginnen ihr Zelt abzubauen, um heute noch das Festival zu verlassen. Gefühlt ist man doch erst seit gestern hier und hat es noch nicht geschafft alle seine alten Freunde wieder zu treffen, die sich auch hier irgendwo herum treiben. Aber warum ewig der Zeit hinterher trauern? Lieber das erste Bier in die Hand und Richtung Bühne gepilgert, denn am letzten Tag holt das Rockharz 2018 nochmal alles aus der Bandreserven-Kiste.

Walking Dead On Broadway sind genau das Richtige am frühen Morgen. Death-Metal, der nicht nur gut klingt, sondern dabei auch noch richtig wach macht. Danach geht es weiter mit Erdling. 2015 von ehemaligen Stahlmann-Mitgliedern gegründet und noch jung, aber eine sehr fleißige Band. Drei Alben in 3 Jahren veröffentlicht zu haben, kann nicht jeder von sich behaupten. Auch auf der Bühne wirken die Jungs routiniert, was ihnen viel Applaus einbringt. Ahab bringen danach das Pubikum wieder etwas runter. Die Funeral Doom-Band hat ein Problem: Ihr Konzept wird von den meisten nicht verstanden, was dazu führt, dass wenige feiern und die meisten Besucher die Zeit für eine verfrühte Bierpause nutzen. Schade eigentlich. Serenity holt genau diese Leute aber wieder zurück an die Bühne. Dazu zeigt sich auch die Sonne mal wieder und wir können Symphonic-Metal bei bestem Wetter genießen.

Rockharz 2018 / Rockharz Open Air 2018

Skyclad

17 Jahre ist der letzte Rockharz-Auftritt von Skyclad schon her, da darf man zum Jubiläum schon mal wieder kommen. Die Briten spielen damit auch ihren ersten Aufritt auf dem Flughafen. Das muss doppelt gefeiert werden. Die richtige Grundlage liefert die Band mit ihrem Heavy-Metal mit starken Folk-Einflüssen auf jeden Fall. Und das Publikum? Das tut genau das, was es soll. Feiern als gäbe es kein morgen, auch wenn das, zumindest für das Festival, die bittere Wahrheit ist.

Trollfest

Luftballons? Eine Polonäse durch die Menge angeführt von einem Troll? Und noch mehr Trolle auf der Bühne? Das kann nur Trollfest sein! Die Norweger schreiben Party groß und das Publikum zieht mit. Ein schöner Anblick, egal ob von außen oder mitten im Getümmel. Mit Avatarium kommt es danach zu einer kurzen Unterbrechung im Spaß-Band-Marathon. Die schwedische Doom-Metal-Rock-Band schafft es dabei aber die Stimmung oben zu halten, bevor es weiter zu Gloryhammer geht. Gestern noch mit Alestorm auf der Bühne und heute ähnlich schräg. Christopher Bowes hat einfach einen Hang zu schrägen Bands, aber damit macht er alles genau richtig. Die Konzeptband kommt sehr gut an, sodass man sich über viele Crowdsurfer zu dem Power-Metal der Band freuen kann.

Goitzsche Front

Den wohl umstrittensten Auftritt auf dem Festival haben Goitzsche Front. Deutschrock kommt in den meisten Köpfen mit einem Unterton an, der rechts sagt. Und das auf einem Festival, das vor 25 Jahren als „Rock gegen Rechts“ gegründet wurde – es ist also fragwürdig und merkt man auch am Publikum. Es wird plötzlich leerer vor der Bühne. Auch die Stimmung will nicht ganz aufkommen.

Exodus

Ganz anders sieht das bei Exodus aus. Die Pioniere des Thrash-Metals, welche seit 1981 bestehen und seitdem einige Besetzungswechsel und zwei Auflösungen hatten, ziehen das zahlreich versammelte Publikum direkt auf ihre Seite. Harte Riffs, aggressive Vocals, die Amerikaner haben ihren Sound über die Jahre fast schon perfektioniert. Entsprechende Begeisterung zollt ihnen auch das Publikum, welches schon etwas traurig ist, als die Band die Bühne verlässt.

Cannibal Corpse

Cannibal Corpse haben das große Glück und beginnen mit ein paar Soundproblemen, welche aber nur wenige Sekunden anhalten. Auf der Bühne wirkt die Band recht monoton, mit niemandem der sich großartig bewegt. Musikalisch ist aber das Gegenteil der Fall. Sehr hochwertiger, detailreicher Death-Metal, welcher von stetigen Rhythmus und Taktwechseln geprägt ist. Dazu aggressive Texte und die Party kann beginnen. Aber auch hier liegt alles wieder im Ohr des Betrachters, denn für viele Stellt die Musik doch nur Krach dar, wovon sich die Fans und vorallem die Band nicht unterkriegen lassen.

Die Apokalyptischen Reiter

Die Reiter sind zurück auf dem Rockharz – und das sagt auch direkt der erste Song. „Wir sind zurück“ schallt es durch das Infield und die Menge kennt kein halten. Aber auch sonst hält die Band ihr Publikum auf Trab. Große Laufballons sorgen immer für Spaß, auch wenn dieser aufgrund des starken Windes nur kurz ist. Sonst gestalten die Reiter ihre Show wie auch schon auf der letzten Tour. Weniger Spektakulär, aber das muss es auch nicht immer sein. Jeder der Anwesenden hat zumindest seinen Spaß und darauf kommt es an.

Paradise Lost

Paradise Lost hatten wohl nicht nur Einfluss auf die Entstehung von Death-Doom und Gothic-Metal, sondern auch auf die Jugend vieler Anwesenden. Zu dem ersten Auftritt der Band auf dem Festival haben sich einige Versammelt und bei der geballten Ladung an Nostalgie stören auch immer wiederkehrende Soundprobleme weniger. In ihrer Laufzeit kann die Band auf 15 Alben zurückblicken, aus welchen die Band einen bunten Mix spielt. Klassiker dürfen natürlich auch nicht Fehlen.

Knorkator

Bevor der Spaß ein Ende hat, soll er nochmal richtig hoch leben. Knorkator ist fast jedem ein Begriff und so hat es die Band auch verdient, einen Headliner Slot zu spielen. Sehr zur Freude der Fans, den diese lassen nochmal richtig die Sau raus. Sportlich wird es diesmal für die Fotografen, denn diese werden für einen Song kurzerhand auf die Bühne gebeten. Sonst spielen Knorkator eine Show, wie man sie von ihnen kennt. Stumpen wird immer nackter und die Texte immer sinnloser. Aber bei dem aktuellen Pegel im Publikum ist dies wohl genau das Richtige.

Bevor der letzte Headliner auf die Bühne kommt, spricht der Veranstalter noch ein paar Worte zum Jubiläum. Es gibt einen kurzen Rückblick der letzten 25 Jahre und anschließend wird sich kräftig bedankt. Bei allen Bands und Fans welche über die Jahre da war und besonders bei allen Arbeitern, welche Jahr für Jahr das Festival zusammenhalten. Vereinzelt werden diese auch nochmal besonders Hervorgehoben und bekommen ein kleines Andenken in Form einer Fotocollage überreicht.

In Flames

Und da sind sie nun. Viele wirken erstmal etwas geflashed als In Flames ihr Set beginnen, was aber nicht nur an der Lichtshow liegt. Viele LED-Säulen können schon einiges hermachen. Aber auch die Stimme von Sänger Anders Fridén kann einen von den Socken hauen. Clean fast unerreichbar und auch die Growls sind auch wieder das, was sie mal waren. Eine Ruhepause wird dem Publikum nur selten gegönnt, denn Ansagen sucht man fast vergeblich. Die einzigen Verschnaufpausen bekommt man bei den ruhigeren Songs, welche über das ganze Set verteilt sind. Das Publikum, welches sich fast vollständig vor der Bühne versammelt hat, gibt nochmal alles bevor einige die Heimreise antreten. Stimmungseinbrüche sucht man vergebens. Wenn es nach dem Publikum ginge, könnte die Band noch die ganze Nacht durch spielen, aber alles hat ein Ende und so beenden In Flames ihr Set passend mit dem Song „The End“.

Wer nach vier anstrengenden Tagen noch Kraft hat, kann diese noch bei den Folk-Rockern von Mantra loswerden. Die Kroaten spielen sich die Seele aus dem Leib und können das Publikum nochmal anheizen, auch wenn diese von den kroatischen Texten wahrscheinlich nichts versteht. Als Special Guest wird noch ein Song zusammen mit Michael Rhein von In Extremo zum Besten gegeben, welcher auf dem letzten Album der Band ein Feature hat.

Und dann ist es vorbei. Die 25-Jahrfeier vom Rockharz sind vorüber und man hat, wie jedes Jahr, wieder eine Lachende und eine weinende Träne im Gesicht. Einerseits ist es schade, alle seine Festival Freunde wieder verlassen zu müssen, aber andererseits freut man sich schon auf eine warme Dusche und sein eigenes Bett. Spätestens am nächsten Morgen freut man sich dann aber doch langsam wieder aufs nächste Jahr um erneut in die gleichen Gesichter, wie die Jahre zuvor, zu schauen.

Infos + Tickets Rockharz Open Air 2018

Rockharz 2019 / Rockharz Open Air 2019

Wacken Open Air 2017 – Symphony of Destruction

Dieses Jahr gab es beim Wacken Open Air 2017 drei Kategorien von Schlamm-Usern. Die Unterteilung spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder. Sie ist keinesfalls „offiziell“, wurde nicht mit den Veranstaltern von Wacken oder meiner Chefredakteurin abgesprochen und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

1. Die „All In“-User – Schlammbedeckte Körperfläche: 80 – 100 %
Der Klassiker, die eine sehr innige Beziehung zum Schlamm hatten. Umarmen, kuscheln, darin wälzen, gegenseitig reinschubsen, rausziehen und wieder reinschubsen gehörten zu den gängigen Ritualen dieser Gruppe, die erst zufrieden waren wenn sie wirklich komplett vom heiligen Acker bedeckt waren.

2. Die „Och nö … Ach Egal“ User – Schlammbedeckte Körperfläche: 40 – 60 %
Ebenfalls mit einer langen Tradition auf Wacken, kamen diese User meist unfreiwillig mit dem heiligen Acker in Kontakt. Möglichkeiten dazu gab es viele: Einfach mal ausgerutscht, beim Weitergehen den Stiefel nicht aus dem Boden gezogen bekommen und deshalb hingefallen, Kollateralschaden der Bematschungs-Rituale der All-In-User, oder (mein persönlicher Favorit) mit einem der riesen Wasserbälle die in einer Schlammpfütze rumlagen angeschossen worden. Doch auch diese User neigten dazu, ihren Schlamm mit Stolz und Freude zu tragen – zumindest bis man die Möglichkeit ergab, den Schlamm abzuwaschen. Übrigens: Ein echter „Och Nö … Ach Egal“ ist man eigentlich erst, wenn man mindestens einmal im Leben „All in“ gegangen ist.

3. Die „Schlamm-Hipster“ – Schlammbedeckte Körperfläche: 0,5 – 2,8 %
Wahrscheinlich waren Leute wie ich mit Schuld an diesem Trend. So wie man Tomatensaft im Flugzeug, Club Mate im Büro und handgecraftetes International Pale Ale nach Feierabend trinken muss (statt ganz vulgär Bier, Bier, und Bier zu trinken … ja, auch im Büro), haben die Medien auch immer wieder propagiert dass es cool ist, in Wacken-Schlamm in der Fresse zu haben. Was dazu führte, dass sich immer mehr Wacken-Besucher einfach mit den Fingern ein paar Streifen ausgewählten Matsch (bloß nicht zu viel) ins Gesicht malten. Bevorzugt einen senkrechten Streifen in die Mitte der Stirn, oder je zwei oder drei schräge Streifen auf die linke oder rechte Wange. Kaum einer traute sich einen auf American Football zu machen und sich die Streifen unter die Augen zu malen (könnte ja ins Auge gehen). Und die meisten mussten danach erst einmal Selfies machen und wahrscheinlich nach gründlicher Instagram-Filter-auswahl mit dem Hashtags #Wackenopenair2017 #Ichvollimschlammdigga posten. Liebe Schlamm-Hipster, willkommen in Wacken, ich wünsche euch vom ganzen Herzen- dass ihr euch nächstes Jahr auch mal traut, „All in“ zu gehen. Es ist toll.

Wacken Open Air 2018 Tickets + Infos:Wacken Open Air / 2018 Wacken 2018 / WOA 2018

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Lacuna coil

“Delirum” heißt das aktuelle Album der italienischen – hm – Goth Metal Band? Alternative Metal Band? Alternative Metal Band mit tiefschwarzen Themen. So würde ich das bezeichnen was Lacuna Coil am zweiten Tag des Wacken Open Air auf einem der Main-Stages präsentierte. weiße Outfits die an Zwangsjacken und der Arbeitskleidung in geschlossene Anstalten erinnern, besudelt mit Kunstblut das auch ins Gesicht geschmiert wurde, weiße Gesichtsbemalung mit tiefschwarzen Augenhöhlen und Gesten die fauchen, kratzen, die Stimmen im Kopf zum schweigen bringen … dazu die tiefen Gesänge und Growls von Sänger Andrea Ferro und die für eine Frau auch eher tiefe Stimme von Christina Scabbia. Andere Bands setzen eher auf eine hellere, höhere weibliche Stimme in Kombination mit einem männlichen Growl, aber die Tief-Tief-Kombination von Lacuna Coil, zusammen mit den eingängigen Metal-Gitarren die teilweise melodisch gespielt werden aber niemals kreischen oder jaulen, wurde eine finstere und trotzdem energiegeladene Stimmung erzeugt. Natürlich durfte auch ”Enjoy the Silence” nicht Fehlen, das bekannte Depeche Mode-Cover, dass von den Italienern düster und noch viel agressiver performt wurde als das Original.

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SANCTUARY

7 Jahre nach der Gründung 1985 löste Sanctuary sich wieder auf. Beim diesjährigen Wacken, 7 Jahre nach der Neugründung in 2010, gab es keine Spur von Auflösungserscheinungen. Frontman Warrel Dane kam wieder mit verspiegelter Sonnenbrille und seinem abgehalfterten Cowboyhut auf die Bühne und verbreitete mit seiner tiefen Stimme und den langen, kraftvollen Lieder vom letzten Album “The Year the Sun died” Endzeit-Stimmung. Dabei schaffen Sanctuary den Spagat aus virtuosen Solos und eingängigen Riffs und Refrains die im Kopf bleiben. Und nachdem das Publikum das ganze Set von Sanctuary gefeiert hatte, erschien ein fast schon freundliches Grinsen auf Warrels Gesicht.

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saltatio mortis

E-Gitarren, E-Bass und Schlagzeug konnte man bei jeder Band auf dem Wacken Open Air 2017 erwarten. Aber Dudelsack – sorry – Marktsackpfeife, Drehleier, Mandolia … allein an der Instrumentenauswahl sah man sofort, dass Saltatio Mortis (Latein für “Totentanz”) eine Mittelalter-Band ist, die neben Wacken auch auf Festivals wie M’era Luna oder WGT auftreten. Doch die Deutsche Band hat bereits die Who is who der Festivals hinter sich: Deichbrand, Summerbreeze, Metal Hammer Paradise und das Schweizer Greenfield stehen auf der “Been there, done that” Liste von Saltatio Mortis, ebenso wie zwei Alben die #1 in den Deutschen Charts erreicht haben.

Mit guter Laune, zahlreichen Instrumenten und akrobatischen Tanzeinlagen begeisterten Saltatio Mortis die Zuschauer. Doch wer genau zuhörte erkannte hinter den mittelalterlich anmutenden Gesangstexten die Botschaften einer Punk-Rock-Band: Gesellschaftskritik an Nationalismus, Krieg, Ausbeutung und einer Weg-Guck-Kultur. Und sie wirkt, die Punk-Rock Kritik mit Mittelalterlichem Anstrich. Sie bleibt ihm Ohr, lässt die Leute Tanzen und mitsingen, und später die Melodien vor sich hin summen und im Kopf die Texte durchgehen. Und unabhängig davon ob man mit der Meinung die darin vertreten sind übereinstimmt oder nicht: Man hat zumindest für einen Moment drüber nachgedacht und nicht die Augen verschlossen.

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Den 360°-Grad-Livestream von Saltatio Mortis bei Wacken 2017 siehst du hier: magenta-musik-360.de

Elbriot 2016 – Tag 2: 10 Stunden vorglühen für die Aftershow-Party

Über die Vorteile eines kleinen Festivals mitten im Stadtzentrum Hamburgs hatten wir bereits vorgestern berichtet. Am zweiten Tag des Riot kam ein kleiner Nachteil zum Vorschein, der am Vortag nicht ins Gewicht fiel: Der Wind. Hamburg ist eine Hafenstadt, das Festivalgelände auf dem Großmarkt liegt direkt am Oberhafen an der Norderelbe und dadurch ist die Stadt an sich eher windig. Während es Freitag noch nahezu windstill war, pustete am Samstag der Wind immer mal wieder den Sängern ins Mikrofon, was die Qualität des Gesangs hier und da leicht beeinflusste. 

Die Atmosphäre zwischen den Samstag-Bands blieb gemütlich entspannt, denn auf dem Riot gibt es einfach keinen Stress und nur kurze Wege. Und selbst zum Abend hin, wenn Mastodon oder Slayer auf der Bühne toben, bleibt das große Gedränge im Kampf um die Mittelplätze größtenteils aus  – die Bühne ist groß genug und das Infield bietet genügend Platz für die 12.000 Besucher. So erreicht der Sound, trotz Wind, auch die letzte Reihe in bester Qualität.

Leider musste Slayer um Punkt 23:00 Uhr die Instrumente fallen lassen und hatte somit keine Zeit mehr für Zugaben. Schade! Abgesehen davon war Tag 2 beim Riot aber wieder ein gelungener Tag für Fans von Metal jeder Art. Auf dem Rückweg koordinierten nette Polizisten den Lauf-Verkehr, damit selbst angetrunkene Festivalbesucher zum Hauptbahnhof fanden – und von da aus nach Hause oder doch vielleicht zu einer der beiden Aftershow-Partys. Denn Samstag um 23 Uhr will man eigentlich noch gar nicht nach Hause. Schon gar nicht, wenn man sich bereits 10 Stunden lang auf dem Elbriot aufgewärmt hat.

FEAR FACTORY

Die Kalifornische … ja … Band … was ist Fear Factory eigentlich? Death Metal? Industrial Metal? Trash-Metal? Neo-Trash? Pioniere des Nu-Metal? Mangel an Vielseitigkeit kann man Fear Factory jedenfalls nicht vorwerfen. Auch am zweiten Elbriot-Tag variierte Sänger Burton Bell zwischen hartem Growling und klarem, fast schon sterilem Gesang. Und das perfekt getimet auf das schnelle, präzise Double-Bass-Getrommel von Schlagzeuger Mark Heller. Zusammen mit den harten Gitarren-Riffs lieferte Fear Factory eine Show ab, die Fans und Noch-Nicht-Fans gleichermaßen überzeugte.

Bildergalerie: So war FEAR FACTORY live

AT THE GATES

Schweden ist ein gutes Land für Metal, wie gestern schon Sabaton bewiesen hatte. At The Gates sind ein erneuter Beweis dafür, dass der Norden Europas ein perfekter Nährboden für kraftvolle Gitarren-Klänge und Drumlines ist. Nach sechs Jahren Pause hatte At The Gates das Reunion-Album “At War with Reality” 2014 rausgebracht, von dem es auch am Elbriot-Samstag live einiges zu hören gab. 

Bildergalerie: So war AT THE GATES live

PARADISE LOST

Noch eine Band, bei der man das Gefühl hat, dass es sie schon ewig gibt. Während Fear Feactory damals die elektrischen Töne im Metal etablierte und den Nu-Metal maßgeblich mitprägte, zählen Paradise Lost eindeutig zu den stärksten Einflüssen, die der Gothic Metal vorzuweisen hat. Das 91er Album “Gothic” war letztendlich Namensgeber für einen ganzen Stil, der sich an den komplexen, melodischen und durch und durch finsteren Klängen der Band orientierte. Die Wurzeln von Paradise Lost liegen aber eher im Death- und Doom-Metal, der härter und kraftvoller ist. Diese Wurzeln hörte man auch auf dem Riot, wo Paradise Lost ihren Auftritt mit “No hope in sight“ aus ihrem neusten Album “The Plague Within” eröffneten und mit ihrer damaligen Hit-Single “The Last Time” beendeten.

Bildergalerie: So war PARADISE LOST live

ASKING ALEXANDRIA

Neben Urgesteinen wie Fear Factory, Paradise Lost und Slayer wirkte Asking Alexandria wie der rebellische Jungspund der zeigen wollte, dass er auch was drauf hat. Das ständige Wechseln zwischen Growling und cleanem Gesang von Sänger Dennis Stoff musste einerseits mit dem Erbe vom früheren Asking Alexandria-Sänger und Gründungsmitglied Danny Worsnop mithalten. Andererseits wurde Dennis auch unweigerlich mit Burton Bell von Fear Factory verglichen, der schon ein paar Bands vorher gezeigt hatte, wie man es macht. Der 26 Jahre alte Brite gab alles auf der Bühne, ließ wieder und wieder den Circlepit eröffnen und erweitern und heizte der Menge mit seiner Energie und Songs wie “Run Free” und “A Prophecy” ein.

Bildergalerie: So war ASKING ALEXANDRIA live

CARCASS

Und wieder eine Band aus den 80ern, diesmal ein Urgestein des Grindcore. Mit ihrem 2012er Album “Surgical Steel” knüpfte die Band an ihre Gründungszeit an, nicht umsonst hieß das Intro “1985” und wurde angeblich schon in den 80ern geschrieben. Billy Steer (Gesang, Gitarre) und Jeff Walker (Gesang, Bass) knurrten und bellten blutige Texte von zerstückelten Innereien und chirurgischen Instrumenten. Die Stimmung ist irgendwo zwischen einem wütenden Hund der jeden Eindringling zerfleischen will und einem verrückten Arzt, der die ganzen Metallwerkzeuge (die das Cover des letzten Albums zieren) einsetzen will, um mit einem menschlichen Kadaver – Carcass – zu spielen.

Bildergalerie: So war CARCASS live

MASTODON

Drei Grammy-Nominierungen, ganz viel Lob von der Fachpresse, und laut Rolling Stone Magzin eine der besten Metal-Bands der 2000er. All das interessierte auf dem Riot niemanden. Als Sänger/Gitarrist Brent Hinds im grünen Licht auf die Bühne kam, wirkte er mit seiner wallenden Mähne und seinem Rauschebart wie ein Waldschrat, der aus seiner Höhle stieg. Der rothaarige Gitarrist Billy Kellier konnte ebenfalls einer nordischen Sage entstammen. Nicht ohne Grund spielte die Band in einer Episode von Game of Thrones als Wildlinge mit. Und weil Game of Thrones keine Märchenserie ist, hatten die langen, komplexen Instrumentalteile von Mastodon ein wenig von dem epischen Power Metal eines Blind Guardian gemein. Progressive/Sludge traf eher den Stil der Band, wobei Mastodon sich auch nie einer Stilrichtung beugte, sondern wild und frei alle möglichen Elemente des Metal kombinierte, um einfach gute Musik zu machen. Und das Publikum dankte es ihnen mit Zugabe-Rufen nach einem gefühlt viel zu kurzem Auftritt.

Bildergalerie: So war MASTODON live

SLAYER

Slayer auf einem Festivalprogramm ist ein ähnliches Gefühl, wie „Zurück in die Zukunft“ im Fernsehen: Es ist cool, man sieht/hört es sich gerne an, aber man kennt alles schon. Was gerade bei Slayer nicht wirklich etwas ausmachte. Das Schlagzeug war schnell, die Gitarren-Soli noch schneller, Tom Arraya schrie die “kontrovärsen” Slayer-Gesangstexte über das gesamte Infield und Kerry King bangte so hart, dass man sich wunderte warum sein Glatzkopf nicht schon längst abfiel und schwungvoll in die Menge flog. Es war laut, es war wild, es machte unfassbar viel Spass. Und am Ende kam wie immer „Johnny B Good“ von Marty Mc Fly … äh … „Raining Blood“, „Black Magic“ und natürlich „Angel of Death“.

Bildergalerie: So war SLAYER live

Hier geht’s zum Bericht:
Elbriot Festival 2016 – Tag 1