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Der halbnackte Wahnsinn: Sziget Festival 2018 – Teil 1

Vom 08. bis 15. August wurde eine kleine Insel im Herzen Budapests zu einem der größten Musikfestivals Europas: Sziget 2018.

„Das können wir laufen!“ Ich bin einer dieser nervigen Typen, der das zu jeder Strecke sagt. Ganz ehrlich, auf der Karte sah die Strecke vom Hotel zum Festivalgelände gar nicht weit aus. Doch als Fotograf Axel und ich am Mittwoch Richtung Sziget gelaufen sind, lief uns schon nach wenigen Minuten der Schweiß in dicken Tropfen von der Nase. War vielleicht doch keine so schlaue Idee, zur Mittagszeit bei 34°C und erbarmungslosem Sonnenschein zu Fuß zu gehen. Egal, da schwitzen wir uns jetzt durch. Nach 20 Minuten (gefühlt 20 Stunden) hatten wir endlich das Sziget-Gelände erreicht.

„Sziget“ bedeutet übrigens „Insel“. Denn das Festival findet seit 1993 auf einer großen Donauinsel mitten in Budapest statt. Für eine Woche im Jahr wird die Óbuda-Insel, auf der normalerweise nur ein paar Clubs und ein Golfplatz sind, zu einer gigantischen Festivalinsel umfunktioniert. Und jeder Quadratmeter zählt: die Besucherzahlen für dieses Jahr sind noch nicht raus, aber letztes Jahr waren es über 450.000 Fans. In Worten: Vierhundertfünfzigfuckingtausend.

Heavy-Folk-Electro-Metal-Hip-Pop

Welche Musikrichtung auf dem Sziget gespielt wird? Die Frage sollte eher lauten: Welche nicht? Indie, Folk, Metal, Electro, Hip-Hop, Reggae, Pop und alle Schattierungen dazwischen – hier gibt’s einmal alles auf die Ohren. Die Headliner dieses Jahr: Kendrick Lamar, Gorillaz, Lana Del Rey, Mumford & Sons, Liam Gallagher, Shawn Mendes und die Arctic Monkeys. Dazu kommen unzählige weitere Musiker, die hier um 16 Uhr im Zelt nebenan spielen, aber auf vielen anderen Festivals die Headliner wären.

Als wir über eine rostige Brücke auf die Insel gelaufen sind, die uns in meterhohen Buchstaben „No walking!“ entgegenschrie, waren wir fast da. Wir mussten noch ein paar Minuten eine staubige Straße entlanglaufen ohne von Tourbussen, Taxis oder Motorrollern überfahren zu werden, durch die Sicherheitskontrolle gehen – und schon standen wir mittendrin.

Let’s get lost

Die Eindrücke, die in den ersten Sekunden ungebremst auf mich eingeprasselt sind: bunt. Staubig. Voll. Euphorisch. Heiß. Laut. Durcheinander. Unordentlich. Lustig. Dreckig. Wahnsinnig. Weltoffen. Und wir sind erst wenige Meter übers Gelände gelaufen. Wenn man solche Riesenfestivals nicht gewohnt ist, kann einen das ziemlich überfordern. Einzige Lösung: Ich musste den ordnungsliebenden Spießer in mir abschalten und mich dem liebenswürdigen Sziget-Chaos hingeben. Nicht dagegen ankämpfen, einfach treiben lassen.

Nach einem ersten, ziellosen Rundgang über das verwinkelte Gelände, wurde uns bewusst, dass das Sziget Festival eigentlich ein Musik-Kunst-Funsport-Fitness-Spaß-Zirkus-Food-Kino-Theater-Spaß-Camping-Festival ist. Insgesamt finden hier 1.000 Veranstaltungen auf über 60 Bühnen statt. Das Angebot ist so dermaßen breit, dass wir 7 Tage Spaß haben könnten, ohne eine einzige Band zu sehen. Wir könnten Bungeespringen oder ins Open-Air-Fitness-Studio gehen. Wir könnten Fußball-Tischtennis spielen. Fußball-Billard. Oder Fußball-Fußball! Wir könnten uns Kunst anschauen, uns tätowieren und piercen lassen – oder den ganzen Tag futtern, futtern, futtern. Denn hier steht in der hintersten Ecken noch ein Essensstand. Vom veganen Burger bis zum Stand für traditionelles Essen aus Transsilvanien (wahrscheinlich nix mit Knoblauch) ist für jeden Geschmack was dabei.

Und überall dazwischen wird gecampt. Wie auf anderen Festivals gibt’s natürlich auch auf dem Sziget ausgewiesene Campingplätze. Aber auch überall sonst wird gecampt. Ein Zelt 20 Meter hinter der Bühne? Direkt am Wegesrand? Hinterm Bierstand? Direkt unterm Camping-verboten-Schild? Egal, bau das Zelt auf!

Der halbnackte Wahnsinn

Ein so vielfältiges Programm zieht natürlich auch ein bunt gemischtes Publikum an. Hier ist jede Altersklasse, jedes Geschlecht und jede Nationalität vertreten. Was alle gemeinsam haben: sie sind spärlich bekleidet. Wer bei der Hitze vor der Bühne durchdrehen will, zieht alles aus, was nicht unbedingt nötig ist. Hier liefen zeitweise mehr Männer ohne Shirt rum als mit Shirt.

Warum waren wir eigentlich hier? Ach ja, für die Musik. Los ging’s für uns mit Stormzy auf der Hauptbühne.

Stormzy

Der Grime Rapper aus London (UK) kam schon am frühen Nachmittag auf der Bühne. Doch vorher hat sein DJ Tiiny (ja, mit zwei „i“) die Fans schon mal in Stimmung gebracht. Der Bass-Regler war anscheinend auf 11 gedreht: Als Fotograf Axel im Fotograben direkt vor den Boxen war, wurde er so durchgewummert, dass er nach eigenen Angaben kurz vor einer Herzrhythmusstörung stand. Nach 10-15 Minuten stürmte dann Stormzy auf die Bühne und hat düsteren, energiegeladenen Grime Hip-Hop gespielt. Knallharte Beats und Raps im typischen Cockney-Slang, den Rap-Fans entweder lieben oder hassen. Egal – spätestens als er „Are you ready for fuckin’ bizzness?!?“ gebrüllt hat, sind dann alle durchgedreht. Trotz der harten Beats und Raps war Stormzy ein sympathischer Typ, der sich überschwänglich bei den Fans dafür bedankt hat, dass sie soviel Gas gegeben haben.

Lykke Li

Als nächstes auf der Hauptbühne: die schwedische Sängerin Lykke Li. Der Unterschied zu ihrem Vorgänger Stormzy könnte nicht größer sein: statt hartem Straßenrap gab’s verträumten, melancholische Elektro-Pop. Als Lykke Li die Fans mit einem „I am so happy to be here!“ begrüßt hat, hat sie zwar eher traurig geguckt, aber das heißt nichts. Wer Pressebilder von ihr kennt, weiß, dass Lachen einfach nicht ihr Ding ist. Da verwundert es gar nicht, dass ihr aktuelles Album „So Sad So Sexy“ heißt. Ach ja, sie hat natürlich auch ihren Sommerhit „I Follow Rivers“ gespielt.

Kendrick Lamar

Hype hin oder her, Kendrick einer der einflussreichsten Rapper der letzten Jahre. Bei den ganzen Bling-Bling-Rappern heutzutage ist es wichtig, dass es noch politischen Rap gibt. Message statt Gucci-Gucci. Besonders in der Ära Trump. Ihr merkt, ich bin ein Fan. Umso enttäuschter war ich, als Kendrick seine Fans 45 Minuten warten lassen hat. Als es dann die ersten Buhrufe aus dem Publikum gab, ging’s dann plötzlich ganz schnell: Kendrick springt auf die Bühne und spielt „DNA“. Blöd nur, dass der Sound an unserem Standort ziemlich mies war. Bei uns kam nur ein wummernder Bass und Kendricks Stimme an. Wenn ich die Lyrics nicht kennen würde, wäre es schwer gewesen, die Songs auseinander zu halten. Bringt doch nix – wir sind nach der Hälfte des Konzerts nach Hause gegangen. Uns wurde aber versichert, dass der Sound weiter vorne gut war und Kendrick ordentlich abgeliefert hat.

Sziget Festival 2018 – Tag 2

Apey & the Pea

Was gehört zu einem guten Start in den Tag? Ungarischer Heavy Metal natürlich. Apey & the Pea haben um 16 Uhr auf der Hauptbühne gespielt und auch den verpenntesten Festivalbesucher unsanft geweckt. Knallharter Metal! Doublebass! 666! Satan! I am Hell! Und vor der Bühne: bunte Sziget Fans und Instagram-Mädchen in Hippiekleidchen, die mit den geschmückten Haaren moschen. Erster Gedanke: irgendwie fake. Zweiter Gedanke: irgendwie cool. Denn genau das macht Festivals doch aus: du kannst neue Bands entdecken und deinen musikalischen Horizont erweitern. Du wärst vielleicht nie auf ein Metal-Konzert gegangen, schaust dir hier aber Apey & the Pea live an.

Bonobo

Als nächstes haben wir Bonobo live auf der Hauptbühne gesehen. Zu einem kitschig-traumhaften Sonnenuntergang gab’s elektronische Downtempo Songs, die er zusammen mit 6 Musikern und zahlreichen Instrumenten gespielt hat. Als dann auch noch die Sängerin Szjerdene auf die Bühne kam und ihre wunderbare Stimme auf die Songs gelegt hat, ist dann wohl der letzte Fan dahingeschmolzen.

Cigarettes After Sex

Nach Bonobo sind wir in das gigantische Zirkuszelt gegangen, das direkt hinter der Hautbühne aufgebaut war. Die Temperaturen waren zwar tropisch, aber immerhin gab’s Schatten. Schnell noch ein kühles Bier holen und die nächste Band anschauen: Cigarettes After Sex aus den USA, die ich schon auf dem Positivus Festival in Lettland gesehen habe. Die Ambient-Pop Band um Sänger Greg Gonzalez hat mal wieder sehr gefühlvoll gespielt, aber ich bleibe dabei: Irgendwie passt der ein entspannte Sound nicht auf ein Festival. Die Fans vor der Bühne waren anderer Meinung und haben jeden Song mit lautem Jubel gefeiert.

Wer war sonst noch da?

WhoMadeWho: Die drei Musiker aus Dänemark standen im Kaftan auf der Bühne. Bei den Temperaturen sicherlich die schlauste Kleiderwahl. Oscar and the Wolf: Heißt eigentlich Max, kommt aus Belgien und hat Elektro-Pop gespielt. Unknown Mortal Orchestra: Eine Indie-Rock-Band, die von mir Bonuspunkte bekommen hat: Frontman Ruban Nielson lief mitten im Gitarren-Solo durchs Publikum, kletterte den Front-of-House-Turm hoch und spielte oben sein Solo. Nebenbei hat er noch was mit dem Tontechniker besprochen und ist dann Solo-spielend zurück zur Bühne gegangen. Gorillaz: natürlich der Headliner auf der Hauptbühne. Wie schon bei Kendrick am Vortag war es vor der Hauptbühne so dermaßen voll, dass wir die Gorillaz nur aus gefühlt 2 km Entfernung sehen konnten. Zu weit weg, um was Sinnvolles über sie zu schreiben. Seasick Steve: früher umherziehender Wanderarbeiter aus den USA, jetzt gefeierter Bluesmusiker. Er hat sich gewundert, dass so viele Fans vor der Bühne stehen. „Don’t you know the Gorillaz are playing?“ Cooler Typ.

Berühmte letzte Worte

Das waren Tag 1 und Tag 2 auf dem Sziget Festival 2018 in Budapest. Heute geht’s weiter – wir halten euch auf dem Laufenden!

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Unsere Highlights: Rock am Ring 2018 am Sonntag

Nach Freitag mit heftigem Regen und Gewittern, hat sich bereits der Samstag mit mäßigen Temperaturen gezeigt, nun am letzten Festivaltag greift der Wettergott nochmal ordentlich in die Trickkiste und beschert sommerlich-sonniges Wetter. Endlich! Und auch an der Musikfront geht es mit Bands der Extraklasse am dritten Festivaltag weiter (auch wenn das bedeutet, RaR2018 ist fast vorüber, schade). An den Start gehen z.B. Bad Religion, Chase & Status, Good Charlotte, RAF Camora, Trailerpark, Alma, Seasick Steve, PVRIS  und der wohl meist mit Neugierde erwartete und seltene Auftritt der Gorillaz. Und niemand geringer als eine echte Rock-Legende besetzt die Position des dritten Headliners für den Rock am Ring 2018 Sonntag: Foo Fighters! Es ist das dritte Jahr nach ihrem letzten Auftritt zur gleichen Gelegenheit nur an anderer Stelle, denn damals war es der Standort Mendig, an dem die weltberühmte US-Rockband zuletzt aufgetreten ist. 

Bad Religion

Die Punkrock-Urväter sind nicht zum ersten Mal bei Rock am Ring. Kein Wunder gehören sie doch zur Elite der weltweiten Punkbands mit Millionenfach verkaufter Alben. Bad Religion sind nicht nur für erstklassigen Punkrock und klare politische Statements bekannt, sondern auch für ihre eher kurzen Songlängen. So hat der Sechser eine beachtliche Setlist mit dabei – da bleiben kaum Wünsche offen. Musikalisch natürlich auf höchstem Niveau. Die „alten Herren“ des Punkrock fegen routiniert über die Bühne und zeigen einmal mehr, dass sich Punkrock und Erfolg nicht beißen. Frontmann Greg Graffin würzt zwischen den Hits immer wieder mit kleinen Anekdoten, lässt aber insgesamt die Musik für sich sprechen.

The Bloody Beetroots

The Bloody Beetroots – das Projekt und gleichzeitige Pseudonym gehört dem italienischen Electro-Produzenten Sir Bob Cornelius Rifo. Gegründet wurde es im Jahr 2006 gemeinsam mit DJ Tommy Tea. Das Markenzeichen des Dubstep-/Electro-Duos sind die Venom-Masken, die man den Spider-Man-Filmen kennt. Live und für Musikaufnahmen werden die beiden aber auch noch von Edward Grinch unterstützt. Mit „The Great Electronic Swindle“ ist im vergangenen Jahr das dritte Studioalbum auf den Markt gekommen. Auf der Crater Stage springen The Bloody Beetroots im wahrsten Sinne des Wortes auf die Bühne. Frontmann Bob Rifo zeigt sich in absoluter Bestform, rennt und hüpft über die Bühne wie ein Flummi und sucht mehrfach die intensive Nähe zu Publikum und sogar den Fotografen. Neben zahlreichen Stagedives in der Menge geht Bob mit seiner Gitarre in den Bühnengraben und lässt die Fans der ersten Reihen gemeinsam mit ihm darauf spielen. Was für ein Live-Erlebnis!

Chase & Status

Chase & Status sind ein in London lebendes Electronic-Duo, das seine Musik aus den Genres Drum and Bass und Dubstep produziert. Da kann man live schon mal direkt mit einem echten Sound-Feuerwerk rechnen. Die beiden smarten Londoner Saul Milton und Will Kennard sind bekannt dafür, auf ihren Scheiben auch tolle Gäste wie Emili Sande oder Craig David zu holen. Ein kleiner Vergleich mit The Prodigy sei hier gestattet. Wobei Chase & Status sehr viel eigenständiger und abwechslungsreicher klingen. Hier harmonieren Vocals und Electroklänge einfach perfekt, langweilig wird da nix. Es ist schon kunstvoll, wie das Duo all die verschiedenen Musik-Spielarten derart geschickt mit Drum and Bass vermischt und damit auf der Rock am Ring-Bühne ein echtes Klanggewitter vom Stapel lässt. Von Anfang bis Ende mehr als nur gut hör- und tanzbar und damit einfach richtig stark.

Good Charlotte

Sie sind wieder da! Good Charlotte, die Band mit den beiden eineiigen Zwillinge Benjamin und Joel Madden gehört bereits seit über 20 Jahren zur Speerspitze in der US-Pop-Punk-Szene. Die Gründungsmitglieder von Good Charlotte sind alle zusammen zur Schule gegangen, dann im Jahr 2000 der erste Plattenvertrag. Der internationale Durchbruch ist schließlich mit dem 2002er-Album „The Young & The Hopeless“ erfolgt, weitere vier erfolgreiche Werke plus unzählige Tourneen sind danach gekommen. Aber dann musste die Band mal Luft holen. 2010 haben Good Charlotte eine Auszeit verkündeten, die fünf Jahre andauern sollte. 2015 dann die Wiederbelebung, mit „Youth Authority“ dazu dass überzeugende Comeback-Album. Dass der Elan und die Energie der Band noch immer ungebrochen ist, beweisen Good Charlotte nun auf der Volcano Stage. Die deutschen Fans rasten förmlich aus. Volle Breitseite gibt es den Punkrock-Sound gepaart mit poppigen Melodien von der fünfköpfigen Truppe vor den Latz geknallt. Zum Glück sind weitere Konzerttermine für Deutschland geplant, zwar erst in 2019, aber dann hält der Februar immerhin fünf Shows in München, Köln, Offenbach, Berlin und Hamburg bereit.

Rise Against

Schon bevor es losgeht kocht die Stimmung im Infield. Nicht nur, weil die Sonne ungehindert herabbrennt, die Massen wollen endlich abgehen. Die Sonnenstrahlen im Gesicht und in jede Menge Bühnennebel gehüllt, geben Rise Against sofort Vollgas. Die Band springt, rennt und entertaint die Fans. Leadsänger Tim Mcllrath und seine Hardcore-Punker haben Bock und fletschen die Zähne. Dazu geht es textlich immer in die richtige Richtung: politisch korrekt nutzen sie ihre internationale Punk-Plattform, um sich für soziale Gerechtigkeit einzusetzen. Daumen hoch. Heute heißt es jedenfalls genießen, denn Rise Against spielen in diesem Jahr nur die beiden Termine Rock am Ring und Rock im Park, sowie nächste Woche beim Nova Rock in Österreich. Dass Rise Against aber auch ruhigere Töne anschlagen können (und wollen) wird in Kürze (ab 27. Juli 2018) in der folgenden Beweiskette deutlich: Es wird nämlich eine Akustik-Compilation namens „The Ghost Note Symphonies, Vol 1.“ von dem Hardcore-Quartett geben. Wir finden’s geil!

RAF Camora

RAF Camora, der Wiener-Berliner ist heute mit seinen Kumpels von der (187ner) Straße und vor allem Bonez MC in der Eifel. Eigentlich erwartet wird auf der Crater Stage an diesem Abend nur ein Gast, die Fans bekommen aber Zwei. Und warum ist das so? Wer 187 Strassenbande kennt, weiß, dass RAF Camora und Kollege Bonez MC eigentlich kaum noch alleine durch die Lande ziehen. Noch während Bonez MC mit den 187ern in einem Zug Szene und Land übernimmt und RAF Camoras „Ghøst“ durch die Top Fünf geistert, ist das Strassenbanden-Oberhaupt und der Indipendenza-Chef schon wieder ganz woanders: unter Palmen, in der Karibik, weiter „Geschichte“ schreiben. Auf YouTube sorgten die beiden mit „Palmen aus Plastik“ für einen wahren Sturm und das gemeinsame, gleichnamige Album ist ebenfalls von Erfolg gekrönt. Bonez und RAF machen Dancehall auf Deutsch endlich mal cool. Auf der Bühne ergänzt sich das Duo perfekt – RAF Camora, der Wiener-Berliner, als singender Produzent von Reggae-beeinflussten Trap-Brettern – Bonez, dessen Grime-Flows und Hooks an die chattenden Deejays der jamaikanischen Soundsystem-Kultur erinnern. Die beiden Freunde haben da ein wirklich krasses Feature geschaffen.

Foo Fighters

Ein absolut würdiges und spektakuläres Konzert für den Rock am Ring 2018 Sonntag liefern die dritten Headliner Foo Fighters auf der Volcanostage ab. Klar, es kommen auch noch die Gorillaz um 0:00 Uhr, aber die US-Rockband  jetzt hat immerhin eine 23-jährige Musikgeschichte auf dem Buckel. Frontmann Dave Grohl und seine fünf Bandkollegen sorgen für eine völlig überfüllte Fläche in den drei Wellenbrechern und musikalisch kann es natürlich nur eine Richtung geben: harte Hooklines, bratzige Gitarren und dazu die catchy Refrains des charismatischen Leadsängers. Zwanzig satte Songs (z. B. „Times like these“ oder „Learn to fly“ und Best of you“) umfasst die Setlist der US-Rocker und lässt ganze zwei Stunden lang eine geballte Stimmung aufkochen. Mit ihrem aktuell veröffentlichten Album „Concrete and Gold“ (VÖ 2017) ist ein weiterer Karriere-Meilenstein für die Foo Fighters gelegt und sicher ist, es wird nicht der Letzte gewesen sein.

Bilderbuch

Es ist gar nicht leicht jemandem zu erklären, was genau Bilderbuch eigentlich ausmacht: Prince gemischt mit Falco? Und vielleicht gar einer Spur Reinhard Fendrich? Und ob! Aber doch auch ganz anders. Eine Melange aus Soul, Funk, Hip-Hop, Boyband und Austropop. Aus Lässigkeit, Melancholie, hintergründigem Humor und jeder Menge witzigem Schwachsinn. Diese Art, wie Lead-Sänger Maurice Ernst nach Belieben die deutsche Sprache staucht, dehnt und in Scheiß-der-hund-drauf Manier mit englischen, spanischen, wienerischen, italienischen Elementen spickt und neu erfindet. Das ist Sex pur. Das Publikum gerät zuverlässig in Ekstase, wenn Gitarrist Michael Klammer sich um seine Gitarre windet oder Peter Horazdovsky unaufgeregt die Bassgitarre bearbeitet. Drummer Philipp Scheibl schleppt den Beat genau richtig durch und Maurice schreitet gockelhaft zwischen den Gitterstäben des Bühnenbildes umher um dann lasziv den Allerwertesten in die Menge zu recken: „Sag es laut. Jaul es raus. Gib es zu. Du bist hinter meinem Hintern her.“ – Ja, das sind wir!

GORILLAZ

Fast ist der Rock am Ring 2018 Sonntag auch schon wieder vorbei. Wer noch nicht nach den Foo Fighters das Gelände verlassen hat,  schaut unbedingt noch den allerletzten Act des diesjährigen Line-ups an und atmet dabei die Festival-Nürburgring-Atmosphäre noch einmal tief ein. Auf dem Programm steht jedenfalls eine eher ungewöhnliche Band, die auch nicht allzu oft live zu sehen ist – sich vor allem aber eigentlich gar nicht recht als Live-Kombo versteht, sondern aus vier Comicfiguren besteht – 2D (Leadgesang und Keyboard), Murdoc Niccals (E-Bass), Noodle (Leadgitarre und Hintergrundgesang) und Russel Hobbs (Schlagzeug und Perkussion). Ein realen Bezug zu den Musikern, die heute die Gorillaz auf der Bühne repräsentieren gibt es nur im weit gefassten Sinne. Viel mehr vereint das Crossover-Projekt eine wechselnde Gruppe von Musikern und Produzenten, die hier ihre Ideen ausleben. Das Debütalbum „Gorillaz“ hat sich in 2001 über sieben Millionen Mal verkauft, die Single „Clint Eastwood“ läuft bis heute in den Radioshows rauf und runter. Mit „Feel Good Inc“ gibt es aber noch eine zweite Single, die (vom zweiten Album „Demon Days“) den meisten Ringbesuchern bekannt sein sollte.  Was die Songs der Gorillaz ausmacht, ist die Vielseitigkeit der Stile, die sich gekonnt ineinander verschlingen. Von Rap, bis Dubstep über Poprock bis Electro-Pop und R&B kann ein findiger Musikkenner hier alles entdecken. Schwere Bässe und Hip-Hop-Beats wabern von der Crater Stage aus auf das Field, gemischt mit bunter Lightshow und dazu den typischen Comicstyle-Figuren auf der LED-Wand im Hintergrund. Mit großem Aufgebot an Musikern und Backgroundsängerinnen präsentieren die Gorillaz natürlich ihre Glanzstück-Hits, aber auch viele experimentelle Songs finden Platz auf der Setlist.

Rock am Ring 2019 Infos + Tickets

Hurricane Festival 2017 – So war der Sonntag

Seit Samstag Nacht hat es immer wieder geregnet beim Hurricane Festival 2017. Nach dem Unwetter vom Donnerstag und wiederholten Regengüssen während der letzten zwei Tage, ist der Boden nun wirklich durch. Zelt- und Parkplätze sowie das Festivalgelände gleichen einem Matschfeld. Heute braucht keiner der Besucher ohne Gummistiefel oder Regenjacke aufs Field kommen. Wetterbedingt zeigt sich aber auch bereits der erste Abreiseverkehr oder es wird zumindest gepackt. Nach Headliner Casper wird ein ganzer Track Autos von den verschlammten Plätzen gen Heimat fahren. Die gute Laune der Festivalbesucher ist aber ungebrochen.

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Hurricane Festival 2018 Tickets + Infos:

Hurricane Festival 2018 / Hurricane 2018 / Hurricane 18

Kakkmaddafakka

Was nach derbem Hip-Hop-Shit klingt, bedeutet eigentlich etwas wie Partytier oder Partylöwe. Auf der Green Stage ist am frühen Sonntagnachmittag also Wohlfühl-Indie statt krassem Diss aus den Blocks angesagt. Schnell kommt ein Gefühl von Freiheit und guter Laune auf, wenn die Musik der sechs Künstler einsetzt. Schon seit 2004 gibt es die Band: ihre Fanbase wuchs schneller und schneller, auch international begeisterten sie schnell. Witzige Sprüche gehören mit zu der gelungenen, musikalischen Performance. Sympathisch, die Jungs von Kakkmaddafakka.

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seasick steve

Handgefertigte 3-saitige E-Gitarre und eine einzigartige Klangkulisse, Seasick Steve ist bereits über 70 Jahre alt. Das hält den Blues-Musiker aber nicht davon ab, seine rhythmischen Kompositionen in Form einer Live-Show beim Hurricane 2017 zum Besten zugeben. In seinen Songs erzählt Seasick Steve alias Steve Wold seine eigene, nicht immer leichte Lebensgeschichte. Poetisch und authentisch ist seine Musik, die ihn erst spät im Leben zu der populären Figur gemacht hat, die er heute verkörpert.

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257ers

Wer es durchgeknallt mag, ist am Nachmittag mit der Hip Hop-Crew aus dem Kohlenpott bestens bedient. Das Duo liefert derben Sound und eine wilde Live-Show. Mitgröhlen kann dabei jeder, das ist ein einfaches Motto. Mit ihrer ganz eigenen Definition von deutschem Rap haben die 257ers ihr Markenzeichen geschaffen: bekloppte Texte mit Banalitäten als Ausgangspunkt für selbstironische Wortfeuerwerke. Dazu gibt es von aniel „Shneezin“ Schneider und Mike Rohleder Beats, die einem Kirmesbesuch auf LSD gleichen. Mit Wortwitz wird endlos gereimt und jedes noch so trashige Musikgenre oder deutsche Liedgut wird als liebgemeinte Hommage umgewurschtelt.

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Gogol Bordello

Die New Yorker Band bestand früher lediglich aus Sänger Eugene Hütz und seiner Gitarre, schnell entstand daraus ein Trio und bis heute ist man auf stattliche neun Musiker angewachsen. Gogol Bordello stehen für einen vollkommen neuen Sound, einige bezeichnen es als Zigeunerpunk mit einem Mix aus Reggae und Rock’n’Roll bis hin zu spanischen Flamenco-Einflüssen und slawischen Klängen. Eine wilde Mischung also und ein einzigartiger Stil, der vor allem hier beim Hurricane 2017 auf viele Fans stößt. Live ist die Band ein echtes Highlight.

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Die Kassierer

Über Die Kassierer muss man eigentlich nicht viel sagen, außer vielleicht: Wölfi for President! 1985 erblickte die Punkband in Wattenscheid das Licht des Bieres… äh … der Welt. Seither lebten die (alten) durstigen Männer für ihre Musik und tun das hoffentlich auch noch lange Zeit. Versucht man die Musik der Herren zu definieren, muss man zwangsweise das Wort Bier drin vorkommen lassen. Aber auch ihre Bühnenshow lässt sich herrlich mit dem Gerstensaft definieren. Diese Band sorgt für viel Spaß und das Infield vor der Red Stage feiert die Punklegenden, vor allem für ihre Hits „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“, „Besoffen sein“ und „Blumenkohl am Pillemann“.

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