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LAUV in Berlin: So war der Tourauftakt im Tempodorm

Mit seinem Debüt „I Met You When I Was 18“ und der Single „I Like Me Better” feierte LAUV nicht nur seinen großen Durchbruch, sondern sackte auch direkt mehrfach Platin ein. Seither konnte der Shootingstar mit lettischer Abstammung nahtlos an die ersten Erfolge anschließen, jede seiner Komposition fand den Weg in die Radiostationen und von dort in die Ohren der begeisterten Hörer. Seine Songs und Videos wurden millionenfach gestreamt. Bereits im Juni 2019 gab der smarte Sänger (er hört eigentlich auf den Namen Ari Staprans Leff) den deutschen Fans einen ersten Vorgeschmack, wie mitreißend seine Liveauftritte sein würden. Beim Hurricane Festival im Norden Deutschlands und beim Schwesternfestival Southside im Süden begeisterte zwar auf der kleineren Zeltbühne, dort war es aber so gerappelt voll, dass wahrlich auch niemand mehr ins Zelt hineinpasste. Bis zum Herbst mussten sich die LAUV-Fans nun aber gedulden, um bei insgesamt drei Deutschlandterminen in den Live-Genuss des Popsängers mit der Falsetto-Stimme zu kommen. Als Auftaktveranstaltung startete seine aktuelle „How I’m feeling“-Tour am Freitag, den 25. Oktober im Berliner Tempodrom.

Chelsea Cutler

Bevor die Mädchenherzen im Saal schneller schlugen und der Kreischfaktor in die hohen Dezibelbereiche kletterte, wurde zu erst einmal die 21-jährige Sängerin, Songwriterin und Produzentin Chelsea Cutler herzlich empfangen. Die charismatische Musiker in der bezaubernden Aura und einfühlsamen Stimme lieferte Schmuse- und Popsongs am Stück, die allesamt gute Laune versprühten. Mit 10 Jahren lernte das Talent Klavier, Gitarre, Cello und Schlagzeug. In der Highschool fand sie dann ihren eigenen Style als Künstlerin und begann, einzigartige Akustik-Cover auf Soundcloud hochzuladen. Anfang 2017 veröffentlichte Chelsea ihre bahnbrechende Single „Your Shirt“ und der selbstgeschriebene und produzierte Track sammelte über 50 Millionen Streams auf Spotify. Der Song wurde die Hauptsingle ihrer Debüt-EP „Snow In October“ aus Ende 2017. Kurze Zeit später folgte ihre erste Headlinetour, ein 18-Städte-Lauf quer durch die USA, der in weniger als einer Woche ausverkauft war. Mit „Sleeping With Roses“ und „Sleeping With Roses II“ und Kollaborationen mit Künstlern wie Kygo ging sie ihren Weg weiter nach oben und in die internationalen Charts.

LAUV

Nach kurzem Umbau ging es dann auch direkt los. Die Smartphones schnellten in die Höhe, als der quirlige LAUV auf die Bühne sprintete. Die ersten Klänge seiner lässigen Indie-Pop-Beats drangen sofort in jede Muskelfaser der tanzwilligen Körper. Das Tempodrom war mittlerweile gut gefüllt und die bunt beleuchtete Bühne strahlte abwechselnd in allen Farben. Und schon sprang der flippige Musiker im für ihn typischen Look auf die Bühne – mit raspelkurzen blauen Haaren und blauem Nagellack, neongelbem Shirt, weißer Jeans und glitzernden Chucks. Mit kurzen, witzigen Anekdoten zwischendurch unterhielt er die Fans ebenso gut, wie mit seinen 20 perfekt gewählten Songs der Setlist. Und als LAUV sein großartiges Gitarrensolo bei „Superhero“ anstimmte, die Handytaschenlampen den Saal schimmernd erleuchteten, hätte da auch glatt John Mayer vorne stehen können. Beeindruckend.

Seit Jahresanfang nutzte LAUV jede freie Minute und arbeitete mit Hochdruck an Album Nummer Zwei. Schließlich soll das neue Material unter dem zur Tour passenden Namen „How I’m feeling“ am 6. März 2020 erscheinen. Zwischendurch hat der Musiker nebenher auch gleich noch sieben Hitsingles rausgebracht, die allesamt das Talent des jungen Künstlers untermauerten. Seine Songs zwischen Electric R’n’B und coolem Indie-Pop funktioniertet allesamt zündend und als Piano-Version genauso wie im Remix – davon gab es nicht wenige: Von Robin Schulz über Cheat Codes und Matisse & Sadko bis hin zu Milk N Cooks bearbeiten schon Dutzende von Produzenten seine coolen Tracks. In Verbindung mit Gesangs-Talent Anne-Marie entstand beispielsweise der aktuelle Megahit „“Fuck, I’m Lonely“, der sich überall in den aktuellen Charts platzierte. Auch mit Troye Sivan („I’m so tired …“) und Julia Michaels („There’s Now Way“) gelangen LAUV zwei ziemliche Kracher. Noch frisch auf dem Mark war der Remix „Make It Right“, den die koreanische Boyband BTS halb in englisch und halb in ihrer Muttersprache eingesungen hatten. 30 Millionen Mal wurde das Video auf YouTube geklickt.

Bei der Schlagzahl, mit der LAUV bislang seine musikalischen Ideen in Hits verwandelte, werden wir künftig ohne Frage noch viel von dem 26-Jährigen sehen und hören. Wir sind schon darauf gespannt und seine 29 Millionen Hörer auf Spotify sicherlich auch.

LAUV auf Tour 2019 im Herbst

Im Januar ist Lauvs jüngste Single „I’m So Tired“ erschienen, eine Zusammenarbeit mit Sänger Troye Sivan, und vor allem ein großartiger Vorgeschmack auf das, was auf uns zukommt. Denn im Moment schließt der Shootingstar der Generation Z die Arbeit an seinem zweiten Album ab, dem Nachfolger des gefeierten Debüts „I Met You When I Was 18“. Darauf war auch der Track der ihm den Durchbruch brachte: „I Like Me Better“ brachte Lauv in Deutschland Platin und in den USA gleich Doppelplatin. Mit diesem Stück und dem Zweiten, „The Other“, von seiner Debüt-EP „Lost In The Light“ knackte er die 100-Millionen-Streams-Marke auf Spotify innerhalb kürzester Zeit und ganz locker. Seither ging es mit der Karriere stetig bergauf, mit dem Höhepunkt als Support-Act von Ed Sheeran auf dessen „Divide“-World Tour.

Dass Lauv lettisch ist und Löwe bedeutet, passt sehr gut zum Wahl-New Yorker Ari Staprans. Er ist wie ein Kämpfer dessen Songs mal an die geschmeidig-lässigen Bewegungen und mal an die entspannte Schläfrigkeit des Raubtiers erinnern, bis zu dem Punkt, wo ein Impuls reicht um die Instinkte wach zu kitzeln und auf einen Schlag ist das Raubtier hellwach. Lauvs reduzierte Songs zwischen Electric R’n’B und coolem Indie-Pop sind zündend und funktionieren als Piano-Version genauso wie im Remix – und davon gibt es nicht wenige: Von Robin Schulz über Cheat Codes und Matisse & Sadko bis hin zu Milk N Cooks haben schon Dutzende von Produzenten die coolen Tracks bearbeitet. Die Falsetto-Stimme über den geschickt arrangierten Instrumenten und Sounds sowie die zurückgelehnten Harmonien machen sofort gute Laune. Das liegt nicht zuletzt daran, dass er nicht vom elektronischen Gerüst eines Tracks ausgeht, sondern für ihn klassisches Songwriting am Beginn eines Stücks stehen. Jetzt hat Lauv angekündigt, dass er im Oktober mit dem neuen Material auf Tour kommt.

Hurricane Festival 2019 am Sonntag – Unsere Highlights

Am letzten Festivaltag beim Hurricane Festival 2019 schenkt der Wettergott zum Abschied nochmal sonnig-heißes Wetter an die Besucher. Bevor es also aufs Gelände geht, werden in Ruhe noch die letzten Würste vergrillt, geduscht und relaxt. Die 68.000 Zuschauer haben schließlich noch einmal einen musikalisch vollgepackten Tag vor sich. Mit Bands der Extraklasse geht es auch am dritten Festivaltag weiter. An den Start gehen u. a. Bausa, Christine and the Queens, Lauv, Interpol, Wolfmother, Faber, Royal Republic, Bear’s Den, Yung Hurn und die beiden wohl am meisten erwarteten Auftritte von The Cure und den Foo Fighters. Letztere besetzen die Position des letzten Headliners bei der diesjährigen Ausgabe des Hurricane. Ihr Auftritt ist das Finale des Festivals am Eichenring und soll gegen 00:00 Uhr das Ende einläuten.

mavi phoenix

Die 24 Jahre junge Mavi Phoenix ist eine österreichische Popmusikerin und Rapperin. Sie liefert hochmoderne Popmusik auf Englisch mit smoothem Hip-Hop- und RnB-Einschlag, die locker auch aus Los Angeles kommen könnte. Sie ist gleichzeitig Produzentin, Songwriterin und Performerin und hat schon auf jeder Menge großen Festivals der Welt mit ihren Liveauftritten überzeugt. Mavi Phoenix (eigentlicher Name: Marlene Nader) schreibt Songs, die wie Soundtracks zur introvertierten Selbstfindung sind – ihre Songs laufen im Radio hoch und runter, im Web ist sie der neue Star. Die junge Linzerin ist auf dem besten Wege, sich nach ganz oben zu katapultieren und umso schöner ist es, dass sie beim Hurricane zeigt, was sie drauf hat. Das Infield vor der River Stage füllt sich trotz der frühen Zeit, die Neugierde auf den Sound der Österreicherin ist groß.

skinny lister

Wenn Lona Thomas Frontfrau und Sängerin von Skinny Lister, mit ihrem „Listermania“ Schnapskrug auf die Bühne kommt, wird aus der sonnenbeschienenen Fläche vor der Forest Stage ein gemütlicher aber richtig dreckiger Pub. So wie jede Location, wo das Sextett bisher aufgetreten ist – sei es auf eigener Tour oder als Vorband der Dropkick Murphys. Akkordeon, Gitarre und Kontrabass begleiten die gut gelaunte Sängerin, die in ihrem Hosenanzug und roten Schuhen an Dorothy aus dem berühmten Musical „The Wizard of Oz“ erinnert. Die anderen Bandmitglieder stehen natürlich auch nicht einfach nur herum. Im Gegenteil, die Spiellaune der Band ist ansteckend, allen voran Akkordeonspieler Max Thomas (Bruder der Sängerin), er ist auch ein Wirbelwind auf der Bühne. Kaum jemand vor der Bühne kann sich dieser ansteckend-positiven Stimmung entziehen.

sookee

Politik und Party? Queerfeminismus durch Hip-Hop? Subkultur im Mainstream? Rapperin Sookee ist seit 15 Jahren in der Rap-Szene aktiv und schafft durch mehrere veröffentlichte Alben, unzählige Kollabos, Auftritte bei öffentlichen Podien, an Universitäten und in Workshops Räume, die aktiv Antworten auf die Frage suchen, wie gesellschaftliche Veränderung geht. Ihren Bekanntheitsgrad und ihre große Außenwirkung nutzt sie, um Dialoge zu begünstigen. Als Musikerin und Aktivistin ist sie u. a. die aktuelle Trägerin des Louise-Otto-Preises und engagiert sich politisch als bekennende Antifaschistin für weitere zahlreiche Initiativen. Ihre gesellschaftskritische Musik wird einerseits mit hohen Klickzahlen im Netz belohnt, aber auch vor der Bühne scharrt Sookee eine breite Masse um sich. Vor allem junge Mädels kennen ihre Texte in und auswendig und für alle, die die Rapperin noch gar nicht auf dem Schirm hatten, die erwartet hier guter Sound, guter Beat und extrem clevere Texte.

grossstadtgeflüster

Grossstadtgeflüster sind elektronisch, wüst und auch nach 16 Jahren im Musikbusiness immer noch ein Garant für eine gute Liveshow – schweißgeladenen und durchgeknallt! Sängerin Jen Bender und ihre zwei Bandkollegen Raphael Schalz und Chriz Falk bezeichnen sich selbst gern als leidenschaftliche Verweigerer – getreu dem Motto „Ich muss gar nichts“, einer der ersten Hits des Elektropunk-Pop-Trios aus Berlin. Nichts ist ihnen zu derb, um nicht ausgesprochen und vertextet zu werden und dem Drang nach Freiheit ohne Rücksicht auf gesellschaftliche Normen Ausdruck zu verleihen. Ohrwürmer fühlen sich bei dieser Band eher an wie Orhfeigen, zumindest flasht es jeden Zuschauer/Zuhörer genauso. Scharf, lustig, ehrlich, authentisch – Grossstadtgeflüster sorgen mit ihrem Auftritt auf der River Stage für schrägen Kurzweil und zaubern jedem Besucher ein Schmunzeln auf die Lippen.

you me at six

Die fünf Briten aus Surrey stehen für eine gute Musikmischung aus Pop, Disco und Indie. Wo würde das besser hinpassen, als ins abendliche Programm beim Hurricane? Zielsicher ballern die Jungs um Frontmann Josh Franceschi mit ihren Melodien auf den Pop-Nerv im Hirn und füttern die Zuschauer mit süßesten Hymnen – so dass kaum noch jemand still stehen kann. Treibende Gitarrenmelodien treffen hier auf dynamische Drums, die sich mit eingängigem, aber nicht langweiligem Songwriting und großen Refrains ergänzen. Josh’s einzigartige Stimme gibt den Wiedererkennungswert und begeistert vor allem bei gefühlvollen Songs. Gut, dass You Me At Six ihre Emo- und Punk-Jahre hinter sich gelassen haben und sich kopfüber auf die großen Melodien gestürzt haben. Der melodische, frische Poprock steht der Band außerordentlich gut.

bear’s den

Die drei Londoner von Bear’s Den sind definitiv der Headliner der Herzen an diesem Nachmittag. Nicht nur weil sie eine fantastische musikalische Leistung liefern, ihre bekanntesten Folk-Songs zum Besten geben und natürlich den Bereich vor der Bühne ordentlich ausfüllen – nein, sie setzen immer wieder noch eins drauf und man weiß gar nicht mehr, wie es um einen steht. Andrew Davie, Kevin Jones und Joey Haynes von Bear‘s Den verfügen über die wunderbare Fähigkeit, Geschichten zu erzählen, ohne dabei laut zu werden.  Harmonie und Zurückhaltung strahlen sie aus, auch wenn sie von Trennung, Abschied und Schmerz berichten. Die Instrumentalisierung, die den rauchigen Folk-Gesang umgibt, ist reduziert, aber nicht spärlich, sodass ein Ganzes entsteht, das es bewusst zu genießen gilt. Bei diesem Auftritt wünscht man sich, gekniffen zu werden – schließlich könnte das alles nur ein wunderschöner Traum sein, den man gerade miterleben darf. 

royal republic

Royal Republic haben ihr aktuelles Werk „Club Majesty“ endlich auf dem Markt. Schon der Vorgänger „Weekend Man“ aus 2016 und die erfolgreiche, gleichnamigen Tour hat die Schweden auf dem Weg in den Musikolymp weiter nach oben gebracht. Ihr lässiger Funk mit deluxem Arschwackel-Faktor und tightem Rock’n’Roll zeigt wieder einmal mehr, dass Royal Republic geniale Musiker sind. Von der Sekunde an, in der Adam Grahn samt Kollegen einen Fuß auf die Forest Stage setzen, geht die Rock-Show direkt los.

Die Gitarrensaiten kreischen und die Bassdrum wummert, schnell entpuppt sich Grahn als regelrechte Frontsau mit markant-royaler Stimme. Er ist ein echter Charmebolzen, schwingt lasziv die Hüften, spielt gekonnt mit den (gern weiblichen) Fans. Das Publikum springt, tanzt, singt, feiert und lässt immer wieder „Royal Republic“-Chöre bis in die letzte Reihe auflodern. Auf der Bühne ist die Stimmung bei Grahn und Hannes Irengård (Gitarre), Jonas Almén (Bass) und Per Andreasson (Schlagzeug) ähnlich ausgelassen. Nicht nur das musikalische Niveau ist hoch, der Unterhaltungsfaktor tut dazu sein übriges. So schaukeln Musiker und Zuschauer gegenseitig die Stimmung von Song zu Song weiter nach oben.

the streets

Im Frühling 2002 hat ein der breiten Masse bis dato völlig unbekannter 21-jähriger Solo-Künstler aus UK die Garage-Szene völlig auf den Kopf gestellt. Mit seinen Chart-Erfolgen „Has It Come To This“, „Let’s Push Things Forward“, „Weak Become Heroes“ und „Don’t Mug Yourself“ hat er den Puls der Zeit getroffen und ist schnell zu einer der bekanntesten Sprachrohre der „Generation X“ geworden. Seither hat Mike Skinner a.k.a. „The Streets“ jede Menge Arbeit in seine Musik gesteckt und schreckt nicht zurück vor einer vollen Bandbreite an Einflüssen. Egal der Sound vom Band kommt oder wie hier und heute live dargeboten wird, The Streets ist steht für unterhaltsame und abwechslungsreiche Musik mit feinem Humor und alltäglichen Problemen, mit denen sich jeder Jugendliche und Junggebliebene identifizieren kann. Dazu gibt es hämmernde Beats, phänomenale Hooks und wahnwitzige Wortspiele.