Fallback

Stagr Theme Skeleton

Diese Standardansicht dient als Fallback, bis fuer jeden Seitentyp eine spezifische Vorlage greift.

Inhalt

Back to the future mit Skunk Anansie

Zugegeben – Skunk Anansie haben bei mir persönlich nach dem 2. Album aufgehört zu existieren. Live gesehen habe ich sie noch nie und von etwa 40 ihrer Songs noch nichts gehört. Die 22 Hits auf „Paranoid and Sunburnt“ und „Stoosh“ hatten eine Dauerkarte für meinen Disc-Man und jede Note wurde auswendig gelernt. Aus spätpubertären Gründen aber eben irgendwann abgelöst. Aber warum bin ich jetzt hier im Docks und sehe Skunk Anansie live? Gerade jetzt? 20 Jahre und 4 Alben später?

Schon die Vorgruppe „The Pearl Harts” knallt richtig. Zu zweit übertragen die beiden Mädels aus London ihre Punk-Blues-Energie auf das Hamburger Publikum. Kurze Pause.

[slide-gallery title=“Bildergalerie: THE PEARL HARTS live“ ids=“24180,24183,24181,24182″]

[ad adtype=“mobile_banner_2″]

„And Here I Stand”. Klare Ansage – es geht los. Fetter Bass, krachende Gitarren und diese unfassbare Energie. Skin ist links von mir, plötzlich rechts und schließlich direkt über mir. Die Bühne wird ihr schnell zu klein und schon nach dem ersten Song springt sie einfach mal in die Menge. So fängt man ein Konzert an! Skunk Anansie setzt da an, wo andere aufhören und, ich nehme es vorweg, kann sich trotzdem noch steigern.

Die Hamburger Fans sind alle keine Zwanzig mehr. In ihren Köpfen drängeln sich Gedanken um den letzten Elternabend, den Chef oder ob ihr Hund zuhause gerade die Wohnung auseinander nimmt. Doch die Zeitmaschine setzt zur Landung an. Ace startet sein verzerrtes WahWah, Cass Bass kracht, Marks Sticks prallen auf die Snare und Skins Stimme dröhnt „Ahhhhhhhhhhhhhh”. Willkommen im Jahr 1995. Das Jahr, in dem unsere größte Sorge der Tafeldienst war. Hamburg ist wach! Spätestens mit „Intellectualise My Blackness” sind aus Männern und Frauen wieder Jungs und Mädels geworden.

Ich verlasse den Fotograben und mache einen Fehler, den ich im Docks dummerweise oft mache. Ich gehe in die letzte Reihe. Leider ist die letzte Reihe eine Mischung aus Ausgang und Bar. Hier wird mehr über alte Zeiten gesprochen, als sie noch einmal zu erleben. Also ab auf die etwas besseren, oberen Ränge.

[slide-gallery title=“Bildergalerie: SKUNK ANANSIE live“ ids=“24170,24171,24175,24176,24177,24173,24172,24174,24178″]

Skunk Anansie macht keine Pausen und rast über eine ständige Spannungskurve. Die Roadies tauschen die Instrumente in Schallgeschwindigkeit und ermöglichen so übergangslose Wechsel der Songs. Zeit zum Atmen hat hier heute keiner und Skin sucht die Aufmerksamkeit der Fans immer wieder direkt im Publikum. Berührungsängste gibt es nicht.

Auf „Weak” folgt „Hedonism”. Der Gesang der 1.200 Gäste wird immer klarer. Doch plötzlich ein Bruch. „Are you the victim of your love?” Ganz im ernst – „Victim” ist für einige Leute ein Grund zu gehen. Hinter mir wird schon davon gesprochen, dass das Konzert cool WAR, weil alle geilen Lieder gespielt wurden. Ist der Abend zu Ende? Ein anscheinend nicht ganz unbekanntes Problem. Skin betont auf ihre sympathische Art, dass sie nicht Skunk Anansie wären, würden sie nicht noch immer neue Songs schreiben. Richtig so! Ein Gitter aus roten Laserstrahlen baut sich über die gesamte Breite der Bühne auf. Skin trägt einen Glitzeranzug und lässt sich von den Strahlen durchbohren. Aus dem Album „Anarchytecture“ von 2016 hören wir „Love Someone Else”.

Ganz ohne Politik geht es natürlich nicht. Zwar ist die Message von Skin nicht neu. Das macht sie aber nicht weniger wichtig. Für Frieden und Menschenrechte kann man sich einfach nicht laut genug einsetzen. Darin scheinen sich alle einig. „This is fucking political” ist mein fucking last song des Abends und ich komme zurück zu meiner Frage vom Anfang: „Warum bin ich jetzt hier im Docks und sehe Skunk Anansie live? Gerade jetzt? 20 Jahre und 4 Alben später?” Weil ich Ihnen noch ordentlich Applaus für die gute, alte Zeit schuldig war.

Das neue Album von Skunk Anansie gibt’s bei Amazon:
Audio-CD „Anarchytecture“,  Vinyl-LP „Anarchytecture“ oder MP3-Download „Anarchytectu

Kakkmaddafakka: God kveld, bitches

Kakkmaddafakka nehmen Anlauf und springen nacheinander vor das quietschende Publikum. Es ist Samstagabend und für die Norweger geht ein Traum in Erfüllung: Es sind fast nur (Zitat) „Bitches“ am Start. Ok, Frontboy Pål Vindenes korrigiert – die Hamburgerinnen seien „intelligent bitches“. Das Publikum kreischt vor Freude.

GURR

Doch bevor die sechs Nordlichter zu brennen begannen, hatte die Berliner Support-Band Gurr einen wichtigen Beauty-Tipp für die Hamburger Deerns: Handwaschseife macht dünnes Haar voller. Und ihr trashiger 60’s Garage-Pop lockerte Beine und Mundwinkel gleichermaßen. Ein sehr guter Opener für einen lustigen Abend.

[ad adtype=“mobile_banner_2″]

[slide-gallery title=“Bildergalerie: Kakkmaddafakka live“ ids=“23647,23660,23648,23649,23646,23650,23645,23652,23653,23654,23655,23656,23657″]

KAKKMADDAFAKKA

Das Hamburger Docks war sofort auf der Seite der sechs-köpfigen Band. Sie machten nichts, was sie sonst nicht auch machen. Aber genau das macht ja auch so viel Spaß. Gitarren werden durch die Luft gewirbelt, Grimassen geschnitten, es wird gesprungen, gelaufen und natürlich die obligatorische Kakkmaddafakka Flagge gehisst. Ihre Setlist ist ein Mix aus ihren letzten vier Alben und egal ob „Your Girl“, „Is She“, „Restless“ oder „Forever Alone“ – sie konnten sich auf ein textsicheres und dankbares Publikum verlassen. Sogar in der letzten Reihe wurde gepogt. 

Nach dem Konzert war der Spaß längst nicht vorbei. Zumindest Pål verschlug es laut Instagram noch ins Molotow am Ende der Reeperbahn. Was auch immer da passierte, er hatte bestimmt den gleichen Ohrwurm wie ich gerade: „Is she, is she old, is she old enough for me?“

Wer die aktuelle Tour verpasst hat, sollte Augen und Ohren für die Festival Line-Ups 2017 offen halten. Denn Kakkmaddafakka wünschen sich nur eines: mit euch intelligent bitches in den Sonnenuntergang zu feiern.

Patrice bringt die MS DOCKS Hamburg zum Kentern

„There’s a soooul, soooul, a soooul-soulstorm everywhere. Say everywhere, everywhere a soooul-soulstorm everywhere…“ und nochmal „… there’s a soooul, …“

Patrice schleudert seinen Off-Beat-Kracher „Soulstorm“ durch das Hamburger Docks. Die Fans wippen sich in Trance und es fühlt sich an, als könnte man diesen Song ab jetzt die ganze Nacht hören. Und tatsächlich: Endlich haben auch die Fans in der letzten Reihe kapiert, dass sie für die Musik hier sind – und nicht um zu quatschen. Was war da denn los? Einige Leute zahlen wohl gerne 34,- Euro, um sich an einer Bar lauthals – man muss ja gegen die Musik ankommen – über den Alltag zu unterhalten. Dabei sollte man genau diesen bei einem Patrice Bart-Williams-Konzert doch kurz vergessen.

Bildergalerie: So war PATRICE live

Ehrlich gesagt war auch ich skeptisch, ob das Hamburger Publikum an diesem Abend leicht abzuholen sein würde. Denn die ersten Songs mühten sich nur sehr schwerfällig in die Herzen und Tanzbeine. Ein Blick in die Menge ließ zumindest vermuten, dass die meisten sich zurück in ihre Jugend träumen wollten. Neue, super Songs wie „Burning Bridges“ hatten es da schwer. Sogar der Sound war zeitweise echt flach und ich habe erste Gäste in Richtung Ausgang verschwinden sehen. Schade und auch zu voreilig.

Es folgten zwei lang ersehnte Klassiker: „Every Day Good“ und „Up In My Room“ weckten endlich die gewünschten Erinnerungen. „Are you in Love Hamburg?“ schallte es durch die Boxen und die Antwort war ein klares „Yeah!“. Zumindest fängt es langsam wieder an zu kribbeln.  

Und wie es kribbelte. Es ging los, die Tickets haben sich doch gelohnt und der Laden brummte nach jedem Song wie eine Hummel im Stimmbruch. Ein Hit folgte dem anderen und man kam sich vor wie in einem nie endenden Best-Of-Medley. 

Habe ich eigentlich schon Jake Isaac erwähnt? Für alle, die ihn verpasst haben war er eine gelungene Überraschung. Der Support-Act des heutigen Abends enterte mit einem über sich rotierenden Handtuch die Bühne. Gemeinsam mit Patrice, der ebenfalls ein Handtuch über sich schwang, hüpfte er von links nach rechts und brachte schließlich gemeinsam mit dem Publikum die MS Docks Hamburg zum kentern. 

Jake hatte das Publikum schon zu Beginn schnell auf seiner Seite. Der Londoner Sänger mit roter Jacques-Cousteau-Mütze entschuldigte sich für den Brexit, spielte einen „very intense song“ direkt im Publikum und verschenkte an die schnellsten zehn Gäste eine signierte Vinyl-Edition seines Albums „Where We Belong“. Gut drauf, sympathisch, top Sound und im Mai live im Hamburger Knust zu erleben.

Bildergalerie: So war JAKE ISAAC live

Zurück zum Hauptakteur. Patrice nahm spätestens mit den Handtüchern richtig Fahrt auf und feierte gemeinsam mit den Hamburgern sein letztes Konzert der „Life Is Blood“-Tour in Deutschland. Man könnte jetzt alle üblichen Metaphern für einen gelungenen Abend abfeuern. Doch lassen wir Patrice zu Wort kommen: „Today is a special day. We are alive and that is our privilege. We are here to celebrate live and forget everything else!“ 

So sieht es aus! Und wer wissen will, wie der Abend für mich endete, fängt einfach noch mal von vorne an zu lesen.

Das neue Album Patrice gibt es bei Amazon:
Audio-CD „Life’s Blood oder MP3-Download „Life’s Blood