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Eine bunte Tüte, bitte! Samstag auf dem MS Dockville 2018

Das wohl bunteste Musikfestival des Nordens findet vom 17. bis zum 19. August 2018 zum 12. Mal statt: das MS Dockville in Hamburg. Heute berichten vom zweiten Tag: Samstag.

Der zweite Tag vom MS Dockville 2018 ist wahrscheinlich der inoffizielle Haupttag. Alle haben frei und können feiern! Keiner muss Sonntag arbeiten! Fuck you, Montag! Dementsprechend voll war es auf dem Gelände. Am Freitag konnten Fotograf Axel und ich vor der Hauptbühne noch entspannt die Arme ausstrecken, am Samstag fühlten wir uns oft wie die berühmten Sardinen in der Büchse. Und wenn viele Menschen zwischen vielen Bühnen hin- und herlaufen, wird viel Staub aufgewirbelt. Kennt ihr den Sandsturm aus dem 90er Blockbuster „Die Mumie“? So staubig war’s manchmal auf dem Dockville. Wer mir nicht glaubt, sollte nach einem Festivaltag mal einen Blick ins Taschentuch werfen. Egal, Hauptsache kein Regen. Am Samstag war es leicht bewölkt, aber trocken. Nicht zu warm, nicht zu kalt, eigentlich perfektes Festivalwetter.

Das ungewollte Mashup

Nicht nur das Publikum war eng gedrängt. Auch die vielen großen und kleinen Bühnen standen teilweise nah beieinander. Wenn wir mit einem Bier in der Hand von Bühne zu Bühne geschlendert sind, konnten wir zwei, drei Songs gleichzeitig hören. Zusammen verwandelten sie sich in ein ungewolltes (und ungewöhnliches) Mashup. Am Samstagabend gab’s zum Beispiel First Aid Erobique und Princess Nick Nokia Murphy. Doch vorher ging’s zur Maschinenraum-Bühne. Hier spielten:

Waving the Guns

Eine Hip-Hop-Gruppe aus Rostock. Die beiden Rapper Milli Dance und Admiral Adonis treten üblicherweise maskiert auf. Auch auf der Maschinenraum-Bühne sah es aus, als hätten sich zwei Bankräuber verirrt. Mit Masken und Sturmhauben sahen sie furchteinflößend aus, waren aber überraschend sympathisch: „Wir haben seit 2017 nix raus gebracht, aber unsere alten Track sind auch okay!“ Waving the Guns spielten typischen 90s Hip-Hop mit weichen, dicken Boom-Bap-Beats, dazu hat ihr DJ live gescratcht. Heutzutage leider eine Seltenheit. Dazu gab’s politische Raps und Ansagen, die sich klar gegen Faschismus richten: „Exkludierende Tendenzen machen sich breit. Wir stellen uns dagegen!“ So was kann ich nur gut finden.

Mhmmm, lecker. Nicht

Kurzer Zwischenstopp am Foodcourt neben der Hauptbühne. Leider waren wir nicht die einzigen mit knurrendem Magen: an jedem Stand waren lange Schlangen mit zehn, zwanzig, dreißig Leuten. Außer beim Asia Food – schnell hin! Großer Fehler. Das war das schlimmste Asia Food seit langem. Kein Wunder, dass die Schlange so kurz war. Aber ein Sprichwort aus dem 19. Jahrhundert sagt ja: In der Not frisst der Festivalgänger Fliegen.

Nick Murphy

Kennt ihr nicht? Kennt ihr doch: Nick war früher bekannt als Chat Faker. Das Musikvideo für seinen Hit „Gold“ wurde auf YouTube fast 144 Millionen mal gesehen – bestimmt auch von euch. Er hat zu einem kitschigen, rosafarbenen Sonnenuntergang auf der Hauptbühne gespielt. „Watch this beautiful sunset behind you!“ Es ging los mit einem epischen Intro, gefolgt von komplexen Songs, die Indie und Electro verbinden. Sein Chat-Faker-Hit „Gold“ war natürlich auch dabei. Live hat sich das alles sehr groß und episch angehört.

Princess Nokia

Die Rapperin aus NY ist eigentlich interessant: sie engagiert sich aktiv für Feminismus und die LGBT-Bewegung. Doch auf dem Dockville war sie eine Enttäuschung. Sie hat eigentlich nur ihr Playback gedoppelt und nur jede zweite, dritte Zeile beigesteuert. Zeitweise hat sie am DJ-Pult gestanden und Wasser getrunken, während ihr Playback für sie weiter rappt. Fand ich unprofessionell und respektlos den Fans gegenüber. Aber denen war das nach drei Bier wahrscheinlich egal.

Faber

Der Singer-Songwriter Faber war der heutige Headliner auf dem Vorschot. Auch, wenn er das nicht wahr haben wollte: Er hat zur Hauptbühne gedeutet und die Fans gefragt, ob es nicht ein bisschen dumm ist, dass „ihr hier seid und nicht da drüben!“ Denn dort hat parallel alt-J gespielt. Doch die Fans haben sich für Faber entschieden – und wurden nicht enttäuscht. Er hat mit breiter, rauer Stimme gesungen und in jede Zeile tonnenweise Emotionen gepackt. Und das mit seinem unverwechselbaren Dialekt. Faber singt zwar Hochdeutsch, ist aber Schweizer – und das hört man. Faber war natürlich nicht alleine auf der Bühne: seine Band hat genauso viel Energie in jeden Takt gesteckt wie er jedes Wort. Dabei haben die Musiker teilweise mehrere Instrumente gleichzeitig gespielt. Ein wunderbarer Anblick war der Drummer, der einhändig gespielt hat, weil er in der linken Hand noch die Posaune hatte – und nebenbei noch entspannt seine Kippe geraucht hat. Musikalisches Multitasking.

Wer war sonst noch da?

Lion Sphere: Die vierköpfige Band aus Berlin ist dafür bekannt, die Grenzen der Musikgenres nach Belieben zu verschieben und hat auf der Vorschot-Bühne gespielt. Yellow Days: Der junge Singer-Songwriter mit einer wunderbar kratzigen Stimme gesungen und mit seiner eiförmigen E-Gitarre eine Mischung aus Indie, RnB und Blues gespielt. Fink: Der Englische Singer-Songwriter hat auf der Hauptbühne melodischen und melancholischen Indie-Rock gespielt – kein Wunder, dass er immer etwas traurig aussah.

Erobique: Den müsste eigentlich jeder Hamburger kennen: Erobique heißt eigentlich Carsten Meyer und war früher Keyboarder der Band „International Pony“. Habt ihr bestimmt mal gehört, als ihr um 3 Uhr nachts im Golden Pudel Club auf den (bröckeligen) Putz gehauen habt. Doch zurück zum Dockville. Hier hat Erobique auf gefühlt 20 Keyboards gleichzeitig Electro-Beats gespielt, die an den funky Disco-Sound der 70s erinnern. Dazu hat er übrigens live gesungen – und das hat sich nicht unbedingt gut angehört, war aber sehr, sehr lustig. „Ich hol mit jetzt ein Bier. Ich hol mit jetzt ’nen Sekt, korrekt.“ Und das alles im ollen Schlabber-Shirt und mit dickem Schnubbi. Legendär.

Das Paradies: hat auf dem Großschot poppigen Mitsing-Indie gespielt.

BHZ: Von der 6-köpfigen Rap-Crew aus Berlin gab’s Cloud-Rap auf der Maschinenraum-Bühne.

Fil Bo Riva: Der Musiker aus Rom lebt mittlerweile in Berlin. In Hamburg hat er Folk und Indie-Rock gespielt, mal verträumt, mal tanzbar. Leider hab ich nicht viel von ihm gesehen, weil mir eine aufblasbare, goldene Riesen-Ananas die Sicht versperrt hat. Hat ihr jemand einen Dartpfeil?

First Aid Kit: Zwei Mädels aus Schweden, die folkigen Indie-Pop gespielt haben. Mittlerweile war der Platz vor der Hauptbühne proppenvoll, aber bewegt hat sich niemand. Aber darum ging’s bei First Aid Kid auch gar nicht. Einfach zuhören und genießen.

Oscar and the Wolf: Kam im XXXXXXXL-Pulli auf eine Bühne und hat Elektropop gespielt. Dabei hat er einen interessanten Tanzstil aufs Parkett gelegt, der Hip-Hop-Posen, Voguing und Sex mit dem Mikrofonständer verbunden hat.

alt-J: Die britische Alternative-Folk-Band war einer der Headliner des Tages – und wir haben sie verpasst. Warum? Weil alt-J zu spät auf die Bühne kamen und wir unbedingt zu Faber wollten. Man kann nicht alles haben.

Verkauft ihr Drogen?

Ein aufregender Dockville-Samstag ging zu Ende. Als Fotograf Axel und ich mit zwei Feierabendbier auf einer Steinmauer ein saßen, wurden wir von einem hektischen Typen gefragt, ob wir Drogen verkaufen. Nein, tun wir nicht! War das ein Zivilfahnder oder ein Zivil-Idiot? Wenn letzteres der Fall war, sollte er sich eine bessere Taktik überlegen. Übers Festivalgelände zu gehen und wahllos Leute nach Drogen zu fragen, ist nicht sehr schlau. Zwei Typen, von denen einer eine dicke Canon mit Teleobjektiv in der Hand hat, sehen nicht unbedingt aus wie Drogendealer. Oder doch?

Das war Tag 2 auf dem MS Dockville 2018. Als nächstes berichten wir von Tag 3: Sonntag. Heute spielen Acts wie Welshly Arms, Rhye, Olli Schulz und viele mehr. Stay tuned!

Infos + Tickets MS Dockville 2019MS Dockville 2019

Unsere Highlights: Rock am Ring 2018 am Freitag

Es ist schon wieder das zweite Jahr, seit Deutschlands größtes Rockfestival von seinem kurzen und ebenfalls zweijährigen Abstecher in Mendig zurück an seinen Heimatstandort, den Nürburgring gekehrt ist. Auf den Zeltplätzen und den Straßen rund um die Rennstrecke in der Eifel herrscht bereits seit Mittwoch reges Treiben. Unweit des Haupteingangs ist wieder die Lidl-Festival-Filiale in Form eines großen Zelts aufgebaut. Ist ja auch praktisch, nicht mehr jedes Grillgut oder Bierchen mitschleppen zu müssen. Lediglich das längere Anstehen muss mit eingeplant werden, aber immerhin trifft man hier Freunde und hat noch bevor irgendwo Livemusik zu hören gibt, jede Menge Spaß. Der Rock am Ring 2018-Auftakt startet planmäßig am frühen Freitagnachmittag. Nach einer heftigen Regen- und Gewitternacht kommen die ersten Festivalbesucher eher gemächlich auf die Rennstrecke. Großartige Künstler werden den Rock am Ring 2018 Freitag eröffnen, darunter Jimmy Eat World, Callejon, Milky Chance, Enter Shikari, Alt-J, Enter Shikari, Jonathan Davis, Casper, Hollywood Undead, Stone Sour, A Perfect Circle und viele viele mehr. Und am späten Abend tritt Headliner Nummer eins – Thirty Seconds to Mars – mit fulminanter Show auf der Hauptbühne auf.

greta van fleet

Der Opening Act des diesjährigen Rockfestivals am Nürburgring gebührt einer besonderen US-Classic-Rockband aus Michigan. Besonders ist nicht nur, das drei der vier Mitglieder Brüder sind – Joshua, Jacob und Samuel Kiszka (Gesang, Gitarre bzw. Bass), sondern auch, dass sich die Musik des Quartetts aus dem Dschungel des Rockeinerleis enorm abhebt. Frontmann Joshua beherrscht es perfekt, mit Leichtigkeit seine außergewöhnliche Stimme (die eindeutig der von LED Zepplin ähnelt) aus sich herauszuholen und dann wieder in den Instrumentalpassagen ganz easy in Richtung Publikum zu lächeln, und das mit gerade mal 20 Jahren, eine enorme Bühnenpräsenz.

Walking On Cars

Erstklassigen Alternative-Sound bringen Walking On Cars auf die Volcano Stage. Mit ihrem Hit „Speeding Cars“ hat die Band ihren internationalen Durchbruch gefeiert. Bereits vorher haben die fünf Musiker in ihrer Heimat Irland zu DEN Shootingstars gehört. Ihr Debüt-Album „Everything This Way“ ist bis auf Platz eins der irischen Charts gegangen. Sechs Monate lang haben sich die Bandmitglieder zurückgezogen, die sich bereits seit Schultagen kennen, in ein einsam gelegenes Cottage, um an ihren folkigen Alternative-Rock-Nummern zu arbeiten. Die Geburtsstunde ihres Debüts. Frontmann Patrick Sheehy und seine vier Kollegen zeigen ein gutes Händchen im Umgang mit den begeisterten Fans uns natürlich für die richtige Songauswahl.

JONATHAN DAVIS

Geboren und aufgewachsen in Bakersfield/Kalifornien, ist Jonathan Davis als Sänger von KoRn, einer der bekanntesten und einflussreichsten Bands in der modernen Metalgeschichte. Schließlich gelten KoRn als Mitbegründer des Nu Metal. Mit mehr als 40 Millionen Albenverkäufen, zig GRAMMY-Awards und über zwei Jahrzehnten mit Welttourneen hat sich Davis als herausragende Stimme etabliert. Darüber hinaus hat der KoRn-Frontmann aber auch mit vielen Künstlern (z.B. Skrillex und Q-Tip) zusammengearbeitet. Nachdem „Black Labyrinth“ als sein Solo-Debütalbum lange Zeit einfach in der Schublade lag, ist es nun endlich seit 25. Mai 2018 auf dem Markt. Aus diesem Anlass gibt sich der Sänger bei Rock am Ring 2018 am Freitag nachmittag auf der Crater Stage die Ehre und versammelt dafür eine Menge Fans vor der Bühne. Die erhoffen sich metallische Klänge und schnelle Rhythmen, die Jon Davis nur allzu gerne zum Besten gibt.

ALT-J

Gegen 19:00 Uhr betreten Alt-J die Volcano Stage: Joe Newman (Gesang + Gitarre), Gus Unger-Hamilton (Keyboard) und Thom Sonny Green (Drums). Mit dem ersten Ton taucht die Bühne in leichten Nebel und die Lichtshow hebt die drei Musiker ganz besonders hervor. Im Takt der Musik leuchteten die Scheinwerfer auf. Alt-J spielen druckvollen und gleichzeitig experimentellen Alternative-Rock, bewegen sich dabei aber eigentlich nicht sehr viel, sondern verharren jeder an seinem Platz. Seit ihrem Debütalbum „An Awesome Wave“ 2012 mit zahlreichen britischen Auszeichnungen, hat die Band eine großartige Karriere hingelegt und in diesem Jahr mit „Ralaxer“ das neuste, mittlerweile schon dritte Werk veröffentlicht.

HOLLYWOOD UNDEAD

Musikalische Helden unserer Pubertät! Stellte sich früher die Frage nach den Stones oder Beatles, sind Hollywood Undead neben Blink 182 und Avril Lavigne die Stimmen einer heute erwachsenen Generation, die statt Long-, Speed-, Break-, oder sonstiger Boards nur eine Form von Skateboard kannte und am liebsten Tony Hawk mit dem Playstation-Controller über die Lastkräne des Stahlwerks grinden ließ. Hollywood Undead liefern nach ein audiovisuelles Spektakel – eigentlich wie erwartet. Eingängige Musik, mittelharte Riffs und perfekt abgemischtem Sound – so liefern die sechs maskierten Musiker einen Rundumschlag durch ihre gesamte Diskografie. Die Kalifornischen Nu-Metaller bringen all die Liedern zum Mitgröhlen, die es braucht, um wieder so richtig kindisch abzufeiern. Zu Beginn ist’s schon erstaunlich voll, zum Ende scheinen sich die Menschen zu stapeln!

CASPER

Deutschlands Ausnahme-Indie-Rapper Casper als abendliche Vorhut von Thirty Seconds to Mars? Und ob! Gut 2 Jahre ist es her, da spielte Casper entweder auf den kleineren Stages oder früheren Slots, der Platz für die vielen Fans hat damals kaum ausgereicht. Nun ist der Erfolg noch sehr viel größer! Zahlreiche Casper-Anhänger sind bereits zur Prime Time bei Rock am Ring 2018 am Freitag vor der Hauptbühne versammelt. Der berühmte weiße Vorhand mit Stacheldraht hängt, „Bohemien Rhapsodie“ von Queen ist zu hören und dann fällt der Vorhang und Casper springt auf die Bühne. Casper aka Benjamin Griffey legt mal wieder ordentlich Kilometer zurück auf der Bühne und nutzt den Steg von Thirty Seconds to Mars gleich ordentlich mit. Mit unbändiger Power springt der 35-jährige wie gewohnt über die Bühne, damit auch ja kein Fan an den Seiten zu kurz kommt. Später kommt auch noch Felix Brummer (Frontmann von Kraftklub) mit auf die Bühne. Der gebürtige Extertaler hat seine unwiderstehliche Songs in eine perfekte Setlist verpackt, die gemeinsam mit seiner Bühnen-Pyrotechnik wie Zunder brennt.

A PERFECT CIRCLE

Die Veröffentlichung des neuen Albums („Eat the Elephant“ VÖ/20.04.2018) dürfte zweifellos zu den größten Sensationen im Rockjahr 2018 gehören. Nach 14-jähriger Schaffenspause gibt es nicht nur das gewohnte Gitarren-Donnerwetter, sondern auch hier und da ruhigere Töne. Entsprechend neugierig haben sich viele Zuschauer für den heutigen Auftritt der US-Progressive-Rock-Band angesammelt. Schließlich ist dies lediglich einer von nur drei Deutschlandauftritten der vierköpfigen Truppe. Die Band rund um die beiden einzigen konstanten Mitglieder, Tool-Frontmann Maynard James Keenan und Ashes Divide-Kopf Billy Howerdel, gilt nämlich als eine der Aufsehen erregendsten Supergroups in der US-Rockgeschichte.

THIRTY SECONDS TO MARS

Das noch frische Album „America“ hat bereits die deutschen Charts gestürmt und ist direkt auf Platz 1 geschossen, jetzt soll es auch live für die und vor allem mit den Fans krachen. Nach dem der erste Teil ihrer Deutschlandtour bereits im April und Mai gelaufen ist, sind jetzt erstmal die Sommerfestivals dran, bevor es ab Ende August mit auf Teil 2 der Tournee geht. Thirty Seconds To Mars sind der erste Headliner von insgesamt drei Acts bei Rock am Ring 2018. Klar, dass es auf der langen Geraden der Rennstrecke gerappelt voll ist. Jared gilt nicht nur als fantastischer Sänger und Performer, sondern auch als einer der talentiertesten amerikanischen Schauspieler der letzten zwei Jahrzehnte. Bruder Shannon Leto hält ihm auf der Bühne mit stabilen Drums den Rücken frei. Die restliche Band steht und spielt weit im Hintergrund der Bühne. Musikalisch lassen Thirty Seconds to Mars nichts aus, Hits wie „Closer To The Edge“ oder „This is War“ prasseln nur so auf das Publikum ein. Für einige Besucher wird der heutige Abend aber nicht nur musikalisch unvergessen bleiben, denn sie durften gemeinsam und ganz nah mit Jared Leto auf der Bühne performen, da ist der ein oder andere große Traum in Erfüllung gegangen.

STONE SOUR

Stone Sour galt lange als lockeres Nebenprojekt des Slipknot-Frontmannes Corey Taylor. Bereits in den 90ern gegründet, ist die Band für mehrere Jahre auf Eis gewesen. 2002 dann die Wiederbelebung. Bislang sind über vier Millionen Alben weltweit verkauft wurden, Hut ab bzw. Maske ab. Denn hier steht Taylor ja nun ohne die obligatorische Gruselmaske auf der Bühne, die er sonst bei Slipknot auf dem Gesicht hat. Stone Sour liefern eingängigen Alternative-Metal, der fast schon CD-Qualität besitzt und zum Mitsingen einlädt. Neben neuen Songs, finden auch viele Klassiker ihren Platz auf der Rock am Ring 2018-Setlist. Höhepunkt des Auftritts ist aber wohl das hochmelodiöse „Through Glass“, dessen Textzeilen offenbar fast jeder Zuschauer auswendig kennt.

MARILYN MANSON

Der Düster-Rocker ist ein ein gern und häufig gesehener Gast bei Rock am Ring. Zuletzt ließ er 2015 die Fetzen in Mendig fliegen, wo er ebenfalls einen nächtlichen Slot besetzt hatte. Gerade erst ist er jedoch im Rahmen seiner „The Heaven Upside Down“-Tour 2017 in Deutschland unterwegs gewesen – im Rollstuhl, denn kurz davor hatte sich Manson bei einem Auftritt durch eine herunterfallende Requisite schwer am Bein verletzt. Eine große Fanbase empfängt der Herren der Dunkelheit bei dem späten Slot auf der Crater Stage und bejublt eine handvoll Songs des neuen Albums („The Heaven Upside Down“ – VÖ 10/2017) genauso wohlwollend, wie die Hits aus der frühen Phase seiner Karriere. Natürlich sorgen „Disposable Teens“, „The Beautiful People“ und „Sweet Dreams“ aber für die ungleich höchste Handykamera-Dichte im Publikum.

Rock am Ring 2019 Infos + Tickets

Positivus 2017: Das beste unbekannteste Musikfestival der Welt

Jedem, dem ich letzte Woche gesagt habe, dass ich nach Lettland zum Positivus 2017 fahre, hat mich fragend angeschaut. Kenn‘ ich nicht. Noch nie gehört. Dabei ist das Positivus eines der größten Musikfestivals in Osteuropa. Es fand dieses Jahr vom 7. bis 9. Juli in Lettland an der Ostsee statt.

Das Line-up war abwechslungsreich, aber durchweg auf hohem Niveau. Weltbekannte Popstars wie Ellie Goulding teilten sich die Bühne mit Legenden wie den Pixies, super hippen Bands wie Alt-J und lettischen Musikern. Außerdem dabei: Maxïmo Park, Kamasi Washington, The Lumineers, Grandmaster Flash – und natürlich wir!

Als das Gelände am Freitag geöffnet wurde, trudelten die Fans erst nach und nach ein. Vielleicht weil viele noch bei der Arbeit oder in der Uni waren. Das Publikum ist jung und bunt gemischt: vom Hardcore-Techno-Fan mit Eishockey-Maske über den Teenie-Typ im Pikachu-Onepiece bis zum Hippiemädel in Hotpants ist alles dabei.

Generell fiel mir auf, dass Jungs und Mädels etwas andere Vorstellungen haben, wenn’s um das perfekte Festival-Outfit geht. Während die Mädels größtenteils sehr stilsicher waren, haben viele Jungs anscheinend das angezogen, was im Kleiderschrank oben lag. Ausgelatschte Crocs, Nylon-Jogginghose und Strickpulli – ist das ironisch gemeint oder sieht das einfach nur bekloppt aus?

Egal, Hauptsache alle waren gut drauf. Die Stimmung auf dem Positivus war – passend zum Festivalnamen – durchweg positiv und freundlich. Keine Krawallmacher, keine Pöbler, keine Leute, die Stress suchen. Selbst Kerle, die komplett besoffen waren, waren friedlich und gut gelaunt. Alle feierten und hatten Spaß. Selbst die Polizeistaffel: Während der Drogen-Spürhund ein paar Rucksäcke checkte, quatschen die Polizisten lachend mit den Besitzern. In Hamburg würden die längst im Polizeigriff auf dem Boden liegen.

Dass die Stimmung so entspannt war, lag auch an der Location: das Positivus findet mitten in einem malerischen Kiefernwald direkt an der Ostsee statt. Es gab zwei große Hauptbühnen, ein paar kleine Bühnen, tausend Bierstände und die obligatorische Fressmeile mit Pizza, Pommes, Döner, Asia Food, Burger. Das alles war bunt, kreativ und künstlerisch dekoriert. Überall hingen Lichterketten und Hängematten zwischen den Bäumen. Hier war alles ein bisschen bunter und entspannter. Weniger Schlamm, mehr Sonne. Weniger Randale, mehr Prost. Überall relaxten die Menschen in Hängematten unter Lichterketten. Sogar die Schlange, die sich zwischen den Leuten durchschlängelte, schockte hier niemanden. Und ich rede nicht von einer kleinen Blindschleiche, sondern von einer richtigen, verdammten Schlange. Hier in Lettland ist die Natur noch etwas wilder. Gut so.

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Hurricane Festival 2017 – So war der Sonntag

Seit Samstag Nacht hat es immer wieder geregnet beim Hurricane Festival 2017. Nach dem Unwetter vom Donnerstag und wiederholten Regengüssen während der letzten zwei Tage, ist der Boden nun wirklich durch. Zelt- und Parkplätze sowie das Festivalgelände gleichen einem Matschfeld. Heute braucht keiner der Besucher ohne Gummistiefel oder Regenjacke aufs Field kommen. Wetterbedingt zeigt sich aber auch bereits der erste Abreiseverkehr oder es wird zumindest gepackt. Nach Headliner Casper wird ein ganzer Track Autos von den verschlammten Plätzen gen Heimat fahren. Die gute Laune der Festivalbesucher ist aber ungebrochen.

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Hurricane Festival 2018 Tickets + Infos:

Hurricane Festival 2018 / Hurricane 2018 / Hurricane 18

Kakkmaddafakka

Was nach derbem Hip-Hop-Shit klingt, bedeutet eigentlich etwas wie Partytier oder Partylöwe. Auf der Green Stage ist am frühen Sonntagnachmittag also Wohlfühl-Indie statt krassem Diss aus den Blocks angesagt. Schnell kommt ein Gefühl von Freiheit und guter Laune auf, wenn die Musik der sechs Künstler einsetzt. Schon seit 2004 gibt es die Band: ihre Fanbase wuchs schneller und schneller, auch international begeisterten sie schnell. Witzige Sprüche gehören mit zu der gelungenen, musikalischen Performance. Sympathisch, die Jungs von Kakkmaddafakka.

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seasick steve

Handgefertigte 3-saitige E-Gitarre und eine einzigartige Klangkulisse, Seasick Steve ist bereits über 70 Jahre alt. Das hält den Blues-Musiker aber nicht davon ab, seine rhythmischen Kompositionen in Form einer Live-Show beim Hurricane 2017 zum Besten zugeben. In seinen Songs erzählt Seasick Steve alias Steve Wold seine eigene, nicht immer leichte Lebensgeschichte. Poetisch und authentisch ist seine Musik, die ihn erst spät im Leben zu der populären Figur gemacht hat, die er heute verkörpert.

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257ers

Wer es durchgeknallt mag, ist am Nachmittag mit der Hip Hop-Crew aus dem Kohlenpott bestens bedient. Das Duo liefert derben Sound und eine wilde Live-Show. Mitgröhlen kann dabei jeder, das ist ein einfaches Motto. Mit ihrer ganz eigenen Definition von deutschem Rap haben die 257ers ihr Markenzeichen geschaffen: bekloppte Texte mit Banalitäten als Ausgangspunkt für selbstironische Wortfeuerwerke. Dazu gibt es von aniel „Shneezin“ Schneider und Mike Rohleder Beats, die einem Kirmesbesuch auf LSD gleichen. Mit Wortwitz wird endlos gereimt und jedes noch so trashige Musikgenre oder deutsche Liedgut wird als liebgemeinte Hommage umgewurschtelt.

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Gogol Bordello

Die New Yorker Band bestand früher lediglich aus Sänger Eugene Hütz und seiner Gitarre, schnell entstand daraus ein Trio und bis heute ist man auf stattliche neun Musiker angewachsen. Gogol Bordello stehen für einen vollkommen neuen Sound, einige bezeichnen es als Zigeunerpunk mit einem Mix aus Reggae und Rock’n’Roll bis hin zu spanischen Flamenco-Einflüssen und slawischen Klängen. Eine wilde Mischung also und ein einzigartiger Stil, der vor allem hier beim Hurricane 2017 auf viele Fans stößt. Live ist die Band ein echtes Highlight.

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Die Kassierer

Über Die Kassierer muss man eigentlich nicht viel sagen, außer vielleicht: Wölfi for President! 1985 erblickte die Punkband in Wattenscheid das Licht des Bieres… äh … der Welt. Seither lebten die (alten) durstigen Männer für ihre Musik und tun das hoffentlich auch noch lange Zeit. Versucht man die Musik der Herren zu definieren, muss man zwangsweise das Wort Bier drin vorkommen lassen. Aber auch ihre Bühnenshow lässt sich herrlich mit dem Gerstensaft definieren. Diese Band sorgt für viel Spaß und das Infield vor der Red Stage feiert die Punklegenden, vor allem für ihre Hits „Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist“, „Besoffen sein“ und „Blumenkohl am Pillemann“.

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