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Wacken Open Air 2023: Mittwoch – Return of the Modder

Jahrzehntelang war der Modder symbolisch für Wacken. Das Gelände heißt nicht umsonst “der heilige Acker” und überall wo über Wacken berichtet wurde, zeigte man Metal-Heads die von Kopf bis Fuß mit Dreck beschmiert waren. Man war immer dankbar für den Notfall-Poncho den ein Freund dabei hatte – und festes, idealerweise wasserdichtes Schuhwerk war Pflicht. Unvergesslich wie 2007 der Heli-Föhn in Form von Bundeswehr-Hubschraubern die Campingplätze trocken gepustet hat (da war der Regen allerdings auch mehrere Tage vor Festivalbeginn vorbeigezogen). Hier der Link zur damaligen News mit Fotos. Den Höhepunkt erreichte die Schlammschlacht in 2015, wo so viel Schuhwerk im Schlamm stecken blieb und nicht mehr rausgezogen werden konnten, dass das Infield aussah wie eine bunte Gummistiefel-Blumenwiese.

In den letzten Jahren wurde Wacken dann von der Sonne verwöhnt. Während andere Festivals 2018 wegen Unwetter vorzeitig beendet werden mussten, erschien im sonnigen Wacken ein neues Accessoire: Die Wacken-Stoffmaske, die vor dem trockenen Staub schützen sollte, der über dem ausgetrockneten Heiligen Acker lag. Besucher meckerten, dass die Veranstalter das Feld bewässerten nicht, um den Staub in den Griff zu kriegen. 2019 war es ähnlich, ebenso 2022 nach der Covid-Pause.

Als langjähriger Wacken-Gänger war ich deshalb begeistert als es hieß: In der Wacken-Woche regnet es. Endlich wieder Schlamm und Dreck, bei jedem Schritt bis zum Knöchel versinken und sich an den Schultern des Nebenmanns wieder rausziehen. Wenn man fällt, dann fällt man weich (und nass), und wenn man aufgestanden ist und sich den Schlamm aus dem Gesicht wischt, haben alle was zu lachen.

Da wusste ich aber noch nicht, wie stark der Regen kommen würde. Ich habe niemanden gewünscht, dass er oder sie nicht anreisen kann. Und möchte an dieser Stelle auch betonen, dass es sicher keine leichte Entscheidung war, einen Anreisestopp auszusprechen. Die Veranstalter sind immer bemüht, das Festival stattfinden und alle anreisen zu lassen. Und auch die lokalen Behörden unterstützen wo sie konnten. Allein die zu erstattenden Tickets kosten mehrere Millionen (300 EUR pro Ticket mal ca. 25.000 Leute die nicht kommen konnten). Dazu noch der Umsatzverlust an Bier (ein durchschnittlicher Metalhead trinkt ganz entspannt seine 5 Bier, also 2 Liter am Tag mal 5,50€), plus ne Bratwurst oder ne Pizza, summiert sich auch schnell auf über eine Million.

Unabhängig davon hat die Wacken-Crew und gefühlt die ganze Umgebung Tag und Nacht gearbeitet, um das Festival so gut wie möglich stattfinden zu lassen. Sei es mit dem “Einparkservice” von Traktoren ,die Fahrzeuge auf die Park- und Campingplätze zogen, Flugfelder und Supermarkt-/Baumarkt-Parkplätze, die mit Klos und Duschen ausgestattet wurden, Kräne die den feuchten Dreck abgetragen und zum Abtransport in Anhänger verladen haben … und und und. An dieser Stelle deshalb großen Respekt an alle Beteiligten, die in Matsch und Regen zugepackt haben, um das diesjährige Wacken Open Air zu ermöglichen. Und jetzt Musik.

Skew Siskin

Manchmal hat man Glück im Unglück und stolpert unverhofft über eine Band, die einem gefällt. So erging es mir mit Skew Siskin. Ursprünglich wollte ich Nervosa sehen, aber aufgrund der Verzögerung am ersten Tag war ich pünktlich zu Skew Siskin an der Louder-Bühne. Wenn man eine junge (2010 gegründet, Frontfrau Jahrgang 1985) Brasilianische All-Women-Thrash-Metal-Band erwartet und plötzlich eine nicht mehr ganz so junge (1992 gegründet, Frontfrau Jahrgang 1966) Rockband aus Berlin sieht, muss sich mein Metal-Brain schon mal etwas umstellen. Eröffnet wird “Jesus of Cool” mit schrammelnden Rock-Gitarren die eine wellige Melodie mit dem typisch rockige Auf und Ab spielen, gestützt von dem leichtgängigen Schlagzeug, dem das Donnern der Double-Bass fehlt und das dieses leicht schwingende Nicken im Hals auslöst statt dem harten Headbangen. Und dann tritt Nina C. Alice auf die Bühne und ihre kratzig-rockige Stimme packt mich. Es ist die Stimme die sich anhört als hätte Nina in ihrer Kehle einen 500Watt Röhrenverstärker, der über einen Plattenspieler läuft. Auch wenn ich eigentlich Thrash wollte: So muss Rock klingen, und spätestens als sie den Refrain “I am the Messiah!” ins Mikro shoutet wippt mein Fuß mit und ich bemerke dieses leichte Schmunzeln auf meinen Lippen das ich habe wenn ich einen guten Song höre. Für das Metal-Publikum hat sie noch 3 Motörhead-Cover “Iron Fist”, “Stay Clean” und “No Class” im Gepäck, aber es hätte mich auch nicht gestört noch ein paar mehr ihrer eigenen Songs zu hören.

Deine Cousine

Nach Hard-Rock nun Punk. Ja, mich dürstet immer noch nach gutem alten Heavy Metal, aber auf Ina Bredehorn a.k.a. “Deine Cousine” war ich schon eine ganze Weile neugierig. Ich gehöre nicht zu den Leuten, die sagen, dass Punk nur Punk heißen darf wenn harter, sozialkritischer und nicht kommerzieller Punk drin ist. Oder zu der “Oi!” Bewegung die sagen dass das Genre seit den Sex Pistols und The Clash tot ist und nix vernünftiges dazukommt. Als jemand der ab und an auch mal gern hört was meine Punk-Fan-Freunde als “Weichspül-Punk” bezeichnen, denke ich dass Fun-Bands wie Blink182, die Ärzte oder The Offspring die die richtigen Attitüde und ein leichtes Augenzwinkern auf die Bühne bringen auch als “Punk” bezeichnet werden dürfen. Deine Cousine, entdeckt und gefördert von Udo Lindenberg, fällt für mich in diese Kategorie. Sie hat eine Punk-Einstellung, wird von einer schnellen, simplen Drumline und schrammelnden Gitarren begleitet und singt in ihrem Eröffnungssong über “St Pauli” und die Liebe zu ihrer Wahlheimat mit allen schönen und nicht so schönen Seiten. Es folgen Songs über Chauvinisten “Scheiß auf Ironie”, Herz-Angelegenheiten “Bang Bang (mein Herz schlägt krass für dich)”, Religion(?) “Der Himmel ist ‘ne Kneipe” und auch immer wieder Songs die einen Mut machen wie “Attacke” und “Träume findet man im Dreck”. Am Ende weiß ich nicht, ob “Deine Cousine” es auf meine Favoriten-Playlist schaffen wird. Aber sollte sie bei meinem nächsten Festivalbesuch auf der Running-Order stehen, werde ich ihrer Bühne auf jeden Fall einen Besuch abstatten.

Skindred

Ein schwarzer Waliser mit einer Nieten-besetzten Sonnenbrille schwenkt eine schwarz-Weiße Union-Jack-Flagge und singt mit einem Reggae-Akzent begleitet von Metal-Gitarren mit Dubstep-Effekten und einer Double-Bass-Drum über Fazer. Das ist die Eröffnung des Skindred-Gigs in einem Satz. Wer jetzt verwirrt ist: Ja, so ging es mir bei meiner ersten Begegnung von Skindred auch. Aber positiv verwirrt, und mittlerweile bin ich ein sehr großer Fan von Benji Webbe und seiner Truppe. IN einem Genre wo es lange nicht mehr große Entwicklungen gab und (seinen wir mal ehrlich) die Festival-Headlines von den alteingesessenen Bands dominiert werden und die Genres wie Power, Thrash, Melodic, Metal Core, Black und Death alle ihre Nischen gefunden haben aber sich nicht wirklich stark weiterentwickeln, wo die Pionierarbeit von Bands wie Linkin Park schon wieder 20 Jahre her sind, bringt Skindred mal wieder einen erfrischend neuen Anstrich an das Metal-Genre und kann hoffentlich auch wieder neue Bands dazu inspirieren, außerhalb von Konzeptalben neues auszuprobieren.

Plus: Skindred macht Live unheimlich viel Spaß. Ich kann jedem der Skindred nicht kennt nur wärmstens empfehlen, Skindred NICHT im Livestream zu hören, sondern sich das nächste Konzert zu suchen und ganz unvoreingenommen Skindred Live zu erleben.

Ziemlich sicher, dass viele Metal-Heads heute Skindred heute zum ersten mal erlebt haben. Eine leichte Irritation bei “Set Fazers” war in einigen Gesichtern gerade im Mittleren und hinteren Publikum zu sehen, aber schon während des ersten Songs wird man von der guten Laune um einen herum mitgerissen. Der funkige Beat von Songs wie (Woop woop) “That’s My Jam” lässt niemanden ruhig stehen, “Kill the Power” hat genug Power um es mit Thrash.Songs aufnehmen zu können, und spätestens bei “Nobody” sind die meisten zum Fan geworden.

Broilers

Mein Durst nach klassischen, harten Metal muss warten, denn jetzt gibt es es erstmal die Broilers. Da ich mehrere Jahre in Düsseldorf gelebt habe, sind mir die Broilers selbstverständlich ein Begriff, und Songs wie “Zurück zum Beton” und “Schwer verliebter Hooligan” lösen bei mir eine gewisse Nostalgie aus. “Petrus ist ein Broilers Fan!” ruft Frontmann Sammy Amara nach einigen Songs begeistert und die Menge jubelt mit, denn die tiefen Wolken haben sich verzogen und die Sonne scheint – zumindest für eine Weile – auf den heiligen Acker. Dies will Sammy nutzen um zwischen zwei Songs sein Bier auszutrinken und mit ein paar Worten über “Gruppenzwang auf Festivals” die Menge zu einem Circlepit aufzurufen.

Stattdessen lernt er eine andere Metal-Tradition kennen. “NOCH EIN BIER!! NOCH EIN BIER!!” brüllen die Metalheads in alter Sabaton-Manier und schließlich fügt sich Sammy dem Gruppenzwang und trinkt ein zweites Bier auf Ex. Joakim Broden (Frontmann Sabaton, der sonst immer unter den “Noch ein Bier!”-Rufen “leidet”) wäre stolz. Mit einem “Breaking the Law” Cover bleibt es noch etwas Metal-ig, aber dann gibt es wieder das volle Broilers-Repertoire mit Songs wie “Wie weit wir gehen”, “Ihr da oben”, ein “Walking on Sunshine”-Cover und “Meine Sache” als letzten Song bevor die Party mit dem eingespielten Song “Don’t Stop believing” von Journey aufgelöst wird.

Doro

40 Jahre Doro Pesch! Eine Leistung, die unglaublich viel Respekt verdient. Es gibt wenige Künstlerinnen die schon so früh und über so lange Zeit das Genre des Heavy Metal geprägt haben. Als Role-Model war sie sicher unzähligen Metallerinnen ein Vorbild als lebender Beweis, dass auch Frauen so richtig “Metal” sein können. Der 1987 “All we are” ist bis heute eine Hymne aller Metal-Fans, “All for Metal” aus 2018 ein würdiger Nachfolger den wirklich jeder mitsingen kann. Dazwischen sind über 500 Songs produziert und 13 Alben unter “Doro” zusätzlich zu den 4 vorherigen Alben ihrer Band “Warlock” released worden. Unvergessen für mich das akustische “Breaking the Law” Cover mit Orchester auf der 2004er Scheibe “Classic Diamonds”. Oder die “All we are” Version auf ihrem 30 Jährigen Bühnenjubiläums, das sie ebenfalls auf Wacken gefeiert hat, zusammen mit Sabaton, Uli Roth, Eric Fish (Subway to Sally), Phil Campbell (Mötörhead), Chris Boltendahl (Gravedigger) und den Dudelsack-Spielern von Corvus Corax.

Doro ist mit all den Größen der Metal-Branche auf Tour geworden, und so gab es am Anfang zahlreiche Gratulationen via Videobotschaft von den ganz großen wie Gene Simmons (Kiss) und Rob Halford (Judas Priest). Auch Live gaben sich die Gratulanten und Gastmusiker die Klinke in die Hand: Hansi Klütsch (Blind Guardian) begleitet sie bei “Rock till Death”, Bei Eats Meets West ist Sammy Amara (Broilers) neben ihr auf der Bühne. Antisocial (Trust Cover) singt sie mit Joey Belladonna, Legendärer Frontmann von Anthrax. Beim Motörhead-Cover von “Love me Forever” sind Mikkey Dee und Phil Campbell (beide Motörhead) dabei um den verstorbenen Motörhead-Frontmann zu gedenken. Selbstverständlich darf das “Breaking the Law” Cover nicht fehlen, ebensowenig wie “All we are” als “Letztes Lied” mit allen Special Guests auf der Bühne. Natürlich gibt es dann als erste Zugabe “All for Metal” bevor das Set mit “Mikkey und Phil zusammen abgeschlossen wird: Zum letzten Song “Ace of Spades” gibt es eine Drohnen-Show über der großen Bühne von Wacken.

Und hier liegt meine einzig laute Kritik an den Veranstalter. Die Show soll richtig schön gewesen sein, aber sie war über/hinter der riesigen Bühne, so dass alle die weiter vorne standen, sie nicht sehen konnten. Schade, ich persönlich hätte es besser gefunden, die Show horizontal über dem Infield in den Himmel hinein zu gestalten, so dass alle nur in den Himmel hätten schauen müssen, um sie sehen zu können. Eine willkommene Dehnung zum vom Head-Bangen versteiften Nacken.

Zum Abschluss noch eine kleine, persönliche Laudatio auf Doro. Als Doro 1983 ihre Band “Warlocks” gründete: Wurde das weltweit allererste Handy in den USA zugelassen. Wurde Windows 1.0 im November in las Vegas angekündigt. Fand der Jungfernflug des Spaceshuttles “Challenger” statt. Wurde im Arpanet (der Vorgänger vom Internet) das heute noch verwendete TCP/IP Protokoll eingeführt. Trat Udo Lindenberg zum ersten und einzigen mal in der DDR im “Palast der Republik” in Berlin auf.

Doro’s Musik hat uns also über 11 Windows-Versionen, die gesamte Geschichte des Internets, und vom ersten Tasten-Handy (keine SMS, 800 Gramm schwer) begleitet. Sie hat alle Generationen der Spaceshuttles überlebt und begleitet uns noch länger als es das Internet gibt. Ich danke Doro auf diesem Weg für wundervolle Songs und wünsche ihr alles Gute für die nächsten 40 Jahre – und mehr.

Wacken Open Air 2022 Samstag – Ein schöner Abschluss und die Lust auf mehr

Der dritte Tag vom Wacken Open Air ist zumindest bei mir etwas ruhiger. Zwei Tage Festival stecken einem in den Knochen, der Fitness-Tracker gratuliert einem dass man das Wochenziel an Schritten in den letzten Zwei Tagen übertroffen hat, die Stimme ist kratzig und bleibt auch kratzig wenn man sie mit Bier spült (was an den Tagen davor gut funktioniert hat). Irgendwo im Hinterkopf wachen so langsam Themen wie die Rückreise und die Arbeit am Montag auf und wollen sich nicht so recht wieder schlafen legen.

Dazu kommt das die großen Headliner Judas Priest und Slipknot bereits gespielt haben, und Limp Bizkit, ursprünglich als dritter Headliner geplant, musste absagen weil Frontmann Fred Durst krank geworden war. Natürlich spielen am 3. Tag auch noch sehr gute Bands wie Arch Enemy, Powerwolf und Tarja, aber man kann Powerwolf einfach nicht mit Judas Priest und Slipknot vergleichen.

Andererseits ist der Erwartungsdruck auch weg. Man hat coole bands gesehen, alte Bekannte getroffen und neue Freunde gefunden, Merch gekauft, die Fressbuden besucht die man unbedingt ausprobieren wollte und hat Wacken schon jetzt als erfolgreiches Event abgespeichert. Man weiß jetzt schon wovon man den Kollegen am Montag erzählen wird und beschließt Zelt und Schlafsack zu an die Wacken-Foundation zu spenden, die es dann an Bedürftige weitergeben. Man atmet den Duft des Ackers tief ein, holt sich ein Bier ung zieht los, um noch einmal coole Bands zu sehen. Und dann ist auch gut, bis morgen, wenn der Vorverkauf der Tickets für 2023 startet.

vended

“Vandal?”, “Bended?”, “Mit V oder B?” waren die Reaktionen als ich vorschlage zur WET-Stage zu gehen und Vended anzusehen. Samstag Morgen, nach 2 Tagen Festival, um 11 Uhr morgens. Aber Allein die Besetzung macht mich neugierig, und ich bin offenbar nicht er einzige. Denn in Vended spielen Griffin Taylor und Simon Crahan mit, Söhne von Slipknot-Gitarrist Corey Taylor und Slipknot-Percussionist Shawn Crahan (der mit der Clowns-Maske). “Ein Song, und dann aber zu den Hööhnern” willigt der Kollege als Köln schließlich ein. Am Ende bleiben wir für 2 Songs. “Ded to Me” und “Burn my Misery” sind kraftvolle Songs, die weniger an das Nu Metal der Väter erinnern sondern in Richtung Deathmetal gehen, mit schnellen, harten Hardcore-Elementen. Der Nachwuchs springt über die Bühne und growlt ie ein großer ins ein Mikrofon. “Aber jetzt die Höhner” besteht mein Kollege als Köln, sonst wäre ich gern noch ein wenig geblieben und hätte mir den die allererste Single “Asylum” noch gerne live angesehen. Die Jungs sind bereits gut, und mit der richtigen Guidance (die sie bestimmt bekommen werden) können sie richtig gut werden.

hööhner

Samstag Morgen, dritter Festival Tag, 11 Uhr 11. Was aus einer Schnaps-Idee zwischen Thomas Jensen (Mitgründer Wacken) und Henning Krautmacher (Frontmann “Die Höhner”) entstand wird nun wahr. Ich bin mir sicher dass der Satz “Wär doch lustig wenn die Höhner mal auf Wacken spielen” in irgendeiner Form nach 3 – 12 Bier gefallen ist und alle herzlich über die Idee gelacht haben. Nun, einige Zeit später, wird der 10-Sekunden Countdown bis 11 Uhr 11 runtergezählt. Die Höhner spielen auf der kleinen “Wackinger” Bühne vor dem Wacken-Mittelaltermarkt. Und der Mittelaltermarkt ist voll. Alle Zugänge zum Mittelaltermarkt sind von neugierigen Metal-Heads verstopft, während die richtigen Karnevalisten (Wacken-Konform mit schwarzen Karnevals-Nasen) das Feld vor der Bühne füllen, riesige Köln-Fahnen schwenken und den eindruck erwecken dass sie nur für die Höhner nach Wacken gekommen sind. Pünktlich um 11 Uhr 11 kommen die Höhner dann auf die Bühne und starten passend mit “Jetzt geht’s los” ihr Set. Und der ganze Mittelaltermarkt singt mit. Es ist eine andere Atmosphäre als wenn man “Turbo Lover” oder “Breaking the Law” mitsingt. Es ist vergleichbar mit dem Torfrock-Auftritt vom Donnerstag, nur weniger Platt und mehr Kölsch, weniger Rock und mehr “Schlager” wie wir im Norden sagen. “Nisch Schlager, Kaarnevals-Musik.” belehrt mich der Kölner Kollege. So oder so ist es eine angenehme leichte Kost zum morgendlichen Kater oder ersten Bier. Alle sind gut gelaunt, alle singen mit. Mittendrin wird Metallica gecovered, es wird zur Melodie von “Nothing Else Matters” Köllsche Texte gesungen. Eine Hommage an Metallica, die in Köln 2019 “Viva Colonia” gecovered haben. Das Set geht weiter mit Gute- Laune Songs, und endet mit “Viva Colonia”. Ein super warm-up für die Stimme für die folgenden Bands.

ann wilson

Ich vermute dass der Name “Ann Wilson” bei vielen nur ein Schulterzucken auslöst. Für mich als Kind der 80er ist mir die Stimme von Ann Wilson dank den Soundtracks von “Footloose”, “Auf der Suche nach dem goldenen Kind” und “Tequila Sunrise” in Erinnerung. Gleichzeitig war sie auch Frontfrau der band “Heart”. In 2018 hat Ann Wilson nach langer Zeit ein Album rausgebracht wo sie Songs von Bands Covert, die sie beeindruckt haben, so wie Amy Winehouse, Tom Petty und David Bowie. Auf der Louder-Stage in Wacken präsentiert Ann Wilson ein gemischtes Set aus eigenen Songs, “Heat” Songs und Convern von Rock-Legenden wie Led Zepplin und The Who. Auch wenn sie nicht mehr die Jüngste ist hat Ann Wilson immer noch eine Beeindruckende Stimme mit dem Typischen 80er Jahre Rock-Röhren-Klang und hat bestimmt auch ein paar neue Fans gewonnen die aus neugier oder zufällig in der Nähe der Louder-Stage waren.

Gluecifer

Es ist das Zeitalter der Reunion-Tours. Seit einigen Jahren (mit Covid Pause) haben sich zahlreiche Bands für eine Tour “Wiedervereinigt”. Manchmal hat man Glück, und die bands bleiben danach noch zusammen und machen weiter. So wie Gluecifer. Die Norweger, 1994 zur Band zusammengewachsen, 2005 getrennt, fanden sich 2017 zu einer Reunion-Tour zusammen und sind immer noch “auf Tour”. Musikalisch liefert Gluecifer den typischen 90er Stimmungs-Rock ab den man in Autoradios mit Kassettendeck erwartet. Gluecifer spielt guten, soliden Rock n Roll, der gute Laune verbreitet und und dazu führt dass man sich selbst beim unbewussten Mit-Wippen erwischt. Songs wie “Easy Living”, “Shaking so bad” oder (mein persönlicher Favorit) “Car Full of Stash” kann man sich immer mal wieder anhören und sollten auf keinem Roadtrip in der Playlist fehlen.

tarja

Man nehme ein “klassiches Powermet-Quartett” aus zwei E-Gitarren, einem E-Bass und einem Schlagzeug (bevorzugt mit Double-Bass-Drum), ergänze das ganze mit einem Keyboard und suche sich eine Sängerin mit klassisch anmutenden Klargesang-Stimme die man in ein schwarzes Kleid steckt und blass mit schwarz akzentuierten Augen und Mund schminkt. So oder so ähnlich lautet das Rezept für Symphonic Metal Bands, zu denen Delain, Evergray, Within Temptation und Beyond the Black gehören. Aber eine der ersten Bands die zu den größten Wegbereitern des Symphonic Metals gehörten war Nightwish, und die erste Sängerin dieser Band ist Tarja Turunen. Seit 2005 gehen Tarja und Nightwish getrennte Wege. Nightwish hat mittlerweile mit Floor Jansen ihre dritte Frontfrau, und Tarja Turunen tourt als “Tarja” durch die Welt und zeigt, dass der Erfolg von Nightwish ohne sie nicht möglich gewesen wäre. Die gebürtige Finnin mit einer klassischen Gesangsausbildung und einer unglaublichen Sopran-Stimme singt nach wie vor ihre Metal-Songs als wären es Opern-Arien, und lässt in den Gesangspausen ihre schwarze Mähne kreisen wie es sich für einen Metal-Head gehört. In ihrer Band wurde die zweite E-Gitarre durch ein E-Cello ersetzt dass einen wärmeren Sound mitbringt und den Instrumental-Parts einen zusätzlichen klassischen Anstrich gibt. Songs wie “Dead Promises” und “Falling Awake” geben ihr genug Raum um ihre Stimme vollends zu entfalten, sind aber noch schnell, kraftvoll und “langweilig” genug als dass sie nicht in Schönheit stirbt wie das 27 Minuten Gitarren-Solo eines Progressive-Metal-Songs. Und natürlich darf “Over the Hills and Far away” nicht fehlen, die erste Hit-Single von Nightwish und Tarja, damals 1998 als man ihren Stil mangels Kategorisierung noch “Opern Metal” nannte. Eine meiner ansicht nach sehr passenden Bezeichnung für eine begnadete Sängerin, und ihre Metal-Band.

danko jones

Ohne mich zu weit aus dem Fenster lehnen zu wollen behaupte ich basierend auf meiner persönlichen Erfahung, dass viele Metal-Heads auch gern Rock hören. Und offensichtlich auch Karnevals-Musik, wie ich heute morgen bei den Höhnern gelernt habe – aber das ist ein anderes Thema. Umgekehrt – wiederum basierend auf privaten Gesprächen die ich geführt habe, also die Berühmte Statistik of One – scheinen Rock-Bands wirklich gerne in Wacken aufzutreten. Eine dieser bands die gefühlter Dauergast in Wacken ist ist Danko Jones. Ich persönlich hab danko 2006, 2011 (oder war’s 2012?), 2015 und jetzt noch mal 2022 live in Wacken gesehen. D.h. ich war auch bei der Aufnahme von Danko Jones’ “Live in Wacken” Album 2015 dabei, woohoo. Auch diese Jahr kommt der immer gut gelaunte Kanadier mit einem schelmischen Lächeln auf die Bühne, macht Scherze dass all seine Songs nur darüber handeln mit einem Mädel rumzuknutschen, macht sich darüber lustig dass Metal-Heads ja lieber mit Drachen rumknutschen möchten, und liefert seinen soliden (wenn auch nicht besonders abwechlungsreichen) Garge-Blues-Rock ab. Eröffnet wird das Set mit “Sarurday” von dem neuen Album “Power Trio”, gefolgt von “I gotta Rock” vom Album “Wild Cat” (eins seiner besten, finde ich) und natürlich darf auch sein Ohrwurm-Hit “First Date” nicht fehlen. Ein Konzert von Danko Jones ist wie ein Besuch eines guten Freundes, der alle paar Jahre vorbeikommt um einen die neusten Schlüpfrigen geschichten zu erzählen die er erlebt hat. Und einen aufzieht dass man mit einem Drachen verheiratet ist. Und dafür muss man ihn einfach mögen.

arch enemy

Niemand growlt so schön wie Alissa White-Gluz (Frontfrau Arch Enemy). Ich weiß nicht wie oft ich diesen Satz schon geschrieben habe, aber er bleibt einfach wahr. Der blauhaarigen Schwedin (und mittlerweile 3. Frontfrau von Arch Enemy) haben die zwei Jahre Covid-Pause offensichtlich gut getan – vermutlich weil sie nicht growlen musste und ihre Stimme schonen konnte. Bereits beim ersten Song “The World is Yours” growlt Alissa ins Mikro wie nur sie es kann. In den Growl-pausen wirbelt sie in gewohnter manier über die Bühne, von Gitarrist zu Bassist, in die Mitte um ihre Mähne im Kreis zu wirbeln, wieder ins Mikro gegrowlt und zack am Schlagzeug, dem Schlagzeuger zugewunken und schon wieder in der Bühnenmitte am Headbangen. Die Energie die Alissa an den Tag legt lässt jedes Duracell-Maskottchen vor neid verblassen. Dabei hält sie immer lang genug inne um dem Publikum zuzuzwinkern oder streng anzugucken, so wie es der Song und die Stimmung gerade verlangt. Ihre Mimik auf der Bühne entspricht dem eines professionellen Models das auch schnell zwischen verschiedene Stimmungen und Mimiken wechseln kann damit die Bilder nicht zu einseitig werden. nur das Alissa das nicht nur mit ihrem Gesicht macht, sondern auch mit ihrer Körpersprache, dabei noch die Masse einheizt und ihre Melodic Death Metal Songs growlt. Dies ist der Grund warum es sich immer lohnt Arch Enemy live zu sehen, weil man die Bühnenperformance als Kirsche-On-Top auf die Songs wie “War Eternal” und “As the Pages Burn” bekommt. Und dazu noch zwei Live-Premieren: “In The Eyes of the Storm” und “The Watcher” sind eine Kostprobe auf das nächste Arch Enemy Album “Deceivers” das am 12. August 2022 erscheinen soll.

Wacken Open Air 2022 Freitag – Kühle Brise und Hoodie-Mangel

Das erste Wacken seit 3 Jahren, und am ersten Tag brutzelt man bei 35 Grad in der Sonne. Entsprechend viele waren am 2. tag leicht bekleidet und mit Ordentlichem Sonnenschutz auf das Festival-Gelände gekommen, nur um von einer nordisch steifen Brise überrascht zu werden, die eine relativ dichte Wolkendecke vor die Sonne schob. Der Temperatursturz auf teilweise unter 20 Grad sorgte für lange Schlangen an den Merch-Ständen die am frühen Vormittag einen Ausverkauf der meisten Hoodies verkünden mussten. Ein Schelm der behauptet Wacken-Gründer Thomas Jensen und Holger Hübner hätten in der Nacht einen Regentanz veranstaltet um das Merchgeschäft anzukurbeln. Denn wie man aus der Vergangenheit weiß – die Gute Laune und der Bier-Konsum bleiben konstant – Wacken, Rain or Shine.

Was leider nicht Konstant geblieben ist ist das Layout vom Festival Gelände. Mein Haupt-Kritikpunkt am neuen Aufbau des Wacken Open Airs ist die Positionierung des “Wasteland” Bereichs. Viele Mad-Max Enthusiasten bauen hier mit leeren Containern, zusammengeschweißten Fahrzeugen und selbstgemachten Kostümen eine wundervolle Post-Apokalypische Atmosphäre auf. Für mich immer mal wieder einen Besuch wert, auch weil es auf dem zugehörigen Wasteland-Stage immer wieder neuen Bands zu entdecken gibt die ich vorher noch nicht live gesehen habe. Dieses Jahr war das Wasteland jedoch vor dem Eingang zum Wacken-Gelände, was bedeutet, dass man nach jedem Wasteland-Besuch wieder am Eingang anstehen und durch die Einlass-Kontrolle musste. Zusätzlich zur noch weitere Entfernung von den Hauptbühnen führte die zu weniger Besuchern im Wasteland, was ich persönlich sehr schade finde.

Kissin’ Dynamite

Es gibt sie immer wieder, die Bands die sich nicht an den Dresscode von Wacken halten: Schwarz mit Schwarz und wenn es sein muss ein wenig “freundliches Schwarz” (grau) um akzente zu setzen. Denkwürdig waren die Herren von “Status Quo” die allesamt 2017 mit weißem Haar und weißen Hemden “Whatever You Want” auf der großen Bühne gespielt haben. Aber auch Kissin’ Dynamite Frontmann Hannes Braun fordert mit langer Blonder Mähne und weißem, tief geknöpftem Hemd die Kleiderordnung heraus. Meine erste Assoziation war eine gelungene Mischung aus Van Halen und A-ha-Frontmann Morten-Haket (fragt mich bitte nicht warum). Kissin’ Dynamite ist auch so eine gelungene Mischung: Hard-Rock trifft auf Glam à la Steelpanther gewürzt mit einem Soliden Metal-Ensemble aus zwei E-Gitarren, Bass und Schlagzeug (alle wie es sich gehört in schwarz). Der Bandname basiert auf dem AC/DC Song, die Gitarren schwanken zwischen jaulenden Solis und harten Metal-Riffs, Bass und Schlagzeug hauen einen tiefen, kräftigen Metal-Beat rein und getragen von alldem flitzt der Sänger mit wehender Mähne und freundlicher Miene und Könnte auch Liebesschnulzen singen, wäre der Beat nicht zu schnell, die Riffs nicht zu hart und seine Shouts nicht zu grell um romantisch zu sein. Trotzdem “I’ve got the Fire”, “Love me, Hate me” und “Sex is War” sind massen-taugliche (im besten Sinne) gute Laune Metal Songs die sicher ein breites Publikum finden und auch von den Wacken-Besuchern mit Klatschen, Singen und Crowdsurfen positiv quittiert wurden. Auch “Not the end of the Road” vom gleichnamigen Album sollte man sich mal angehört haben, und wenn es einem gefällt gleich das ganze Album mit. Es freut mich dass die Band es nach 2017 wieder nach Wacken geschafft hat, und ich hoffe sie kommen bald wieder.

Kadavar

Wenn ein Band namens “Kadavar” auf einem Metal-Festival auftritt, würde man wahrscheinlich Gore-Metal bzw. Grindcore à la Carcass, Rotten Sound oder Napalm Death erwarten. Stattdessen treten drei langhaarige, nett aussehende Jungs aus Berlin auf, die mit einem Purpurnem Samthemd (Sänger/Gitarrist) bzw. hellem Hemd mit Blumenmuster (Bassist) den Dresscode auch nicht wirklich ernst nehmen. Denn Kadavar ist eine ernstzunehmende Größe im Deutschen Stoner-Rock, und hat mit Grind und Gore nicht das geringste zu tun. Eine warme Gibson-Gitarre, (relativ) hohe Bass-Läufe die Metal-Bands mit einer Drop-D Stimmung auf der E-Gitarre spielen würden und ein schnelles, leichtfüßiges Schlagzeug erzeugen einen 70er-Jahre Rock-Klang auf den die band auch bei ihren Studio-Aufnahmen großen Wert legt. Und auch wenn die Titel wie “Doomsday Machine” und “Die Baby Die” etwas hört interpretiert werden, zeigt sich in Songs wie “Into the Wormhole”, “Lord of the Sky” oder “Pale Blue Eyes” die eindeutig Rockige Ausrichtung von Kadavar. Wem die Beatles zu weich und Carcass zu hart ist sollte auf jeden fall mal bei Kadavar reinhören.

At The Gates

At The Gates reiht sich in die Gruppe der erfolgreichen Death Metals Bands aus Schweden ein, auf Augenhöhe mit Größen wie In Flames und Children of Bodom. Hier gibt es keine glamourösen Gitarren-Soli-Begrüßungen wie bei Kissin’ Dynamite oder freundliches Gibson-Gezerre wie bei Kadavar. Bereits beim ersten Song “Blinded by Fear” hauen die Gitarren und Bässe brutal in die Saiten, die Drums werden getreten und geprügelt und Frontmann Tomas Lindberg brüllt seinen Growl ins Mikrofon als wolle er es töten. Vorbei mit nett und freundlich, At The Gates ist harte auf die Fresse Musik die das Infield zum Headbangen und Crowdsurfen antreibt als gäbe es kein Morgen. Mit “Slaughter of Soul” halten At The Gates das Tempo und den Energie-Pegel am Anschlag, der Dritte Song “Cold” hat ein kurzes, langsames Intro. Genau 11 Sekunden dauert die Ruhepause bevor es wieder mit voller Kraft voraus geht. Warum ich Bands wie At The Gates liebe – vor allem live: Bands wie Kissin’ Dynamite und Kadavar spielen für das Publikum (und lassen sie manchmal mitsingen oder klatschen). Bands wie At The Games oder Neaera (siehe Wacken Tag 3) spielen mit dem Publikum, in dem sie ganz viel Energie von der Bühne in die Menge Pumpen und sich vom Hype dann wieder Energie rausziehen. Gerade auf Festivals wie Wacken klappt das perfekt: Die Band dreht durch, die Menge dreht durch, und die Band legt noch einen drauf, was das Publikum dann wieder toppt … ein Teufelskreis von Metal-Power nach dem am Ende alle erschöpft aber glücklich nach Luft schnappen.

Metal Fight Club

2 Bands, 2 Tage Zeit. so beginnt der Metal-Fight-Club, in dem es darum geht, die bessere Festival-Hymne zu schreiben. Im Fight-Club sind Mittelalter-Rock-Band Saltatio Mortis (eine der Bands wo ich immer zweimal nachgucken muss ob ich sie richtig geschrieben habe) und die Deutsche Thrash-Metal band Hämatom. “Dem Sieger winken Ruhm und Ehre, der Verlierer wird monumental bestraft und muss bei der Herbsttour der Gewinner-Band für einen Tag in die Roadie-Rolle schlüpfen und ihr alle erdenklichen Wünsche erfüllen.”, so steht es auf der zugehörigen Website metalfightclub.de

Während der 48 Stunden gab es dann auch noch zahlreiche Challenges wie Tauziehen und Flachwitze hören ohne zu lachen, bei dem der Verlierer wichtige Studio-Zeit verloren hat. Nun, als Überraschung an Tag 2, dürfen nun beide Bands auf der Zwischenbühne wo am Vortag schon Amon Amarth gespielt hat ihre fertigen Lieder präsentieren. Zwischen den beiden Main-Stages, Hoch oben unter dem Wacken-Bullhead erklären also Thorsten Scharf (Frontmann Hämatom) und Jörg Roth (Frontmann Saltatio Mortis) noch mal kurz die Regeln, und dann wird gespielt. Den Anfang macht Saltatio Mortis mit “Alive now” einem für Saltatio Mortis relativ simpel gehaltenen Song mit eingängigem Refrain zum Mitsingen, wo die Mittelalter-Instrumente nicht fehlen dürfen. Gefühlt ist man von Saltatio Mortis mehr gewöhnt, allerdings ist das breite Repertoire an Instrumenten natürlich ein Nachteil wenn man nur 48 Stunden Zeit für die Produktion hat. Es folgt das neue LIed von Hämatom, und man merkt schon am Titel dass Hämatom es sich einfach gemacht hat. Wobei das unfair ist: Das Konzept von Hämatom ist so genial wie einfach. Deutsche Texte, Ein “Datt-da-da-daaah” am Anfang dass jeder mitsingen kann, und ein Titel der so eingängig wie sympathisch ist: “Es regnet Bier”. Raus kommt ein eingängiger Song der sofort im Kopf hängen bleibt, alle mitklatschen und “Es regnet, es regnet, es regnet Bier” mitgrölen lässt. Welcher Song einem nun besser gefällt muss jeder für sich entscheiden. Ich persönlich finde Hämatom hat die bessere Lösung für die gestellte Aufgabe präsentiert, während Saltatio Mortis sich mit “Alive Now” treu geblieben ist. Aktuell kann man noch unter metalfightclub.de abstimmen, der Gewinner wird am 12.08. bestimmt.

Behemoth

Corpsepaint, also weiße Gesichter mit tiefschwarzen Augenhöhlen und Lippen, schwarze Klamotten, schwarze Instrumente, Heidnische Symbole und Mikrofonständer mit zwei Schlangenköpfen – Behemoth, die sich im Laufe ihrer Auftritte immer mit Blut beschmieren und wo es geht auch Flammenzungen aufsteigen lassen, lassen keinen Zweifel aufkommen dass ihre Wurzeln im tiefsten Black Metal liegen. Kritiker von Black Metal bemängeln dass alle Songs durch die tiefen Gitarrenstimmungen und den gegrowlten Texten “die kein Mensch verstehen kann” gleich klingen. Aber das tut Bands wie Behemoth Unrecht. In ihrer 20-jährigen Band-Geschichte haben Behemoth vieles Ausprobiert, sowohl Thematisch in ihren Songs (von Nordischen Mythen über Satanismus bis hin zu Ägyptischer Mythologie) als auch musikalisch in dem sie Elemente des energischen Death-Metals und komplexen Progressive Metals mit den finsteren, rhythmischen Black Metal vermischten. Vor allem in den letzten 3 Alben “Evangelion”, “The Satanist” und “I Loved you at your Darkest” zeigen die Polen deutlich, dass man sie nicht als “noch eine Black Metal Band” abstempeln darf. Und so ist auch ihr Wacken-Set kraftvoll und bringt (“für eine Black Metal Band” würden Kritiker sagen) eine gewisse Abwechslung in ihrer Grund-Düsteren Stimmung mit. “Ora Pro Nobis Lucifer” und “Ov Fire and the Void” sind energiegeladen und peitschen die Massen an, während “Off to War!” um einiges Melodischer und ruhiger ist.

Slipknot

Es gibt wenige Bands, selbst als Headliner, die auf Wacken so viel Publikum anziehen dass das Infield gesperrt wird und ein Teil der Besucher außerhalb des Infields die Band ansehen müssen. Vor allem wenn man bedenkt, dass das Infield 2022 erweitert wurde und eine höhere Kapzität hat als die Jahre davor. Bei Slipknot war mir vorher schon klar, dass das passieren würde. Genau so wie mir klar war, dass sich der Platz vor der Bühne zu einem einzigen, großen Moshpit verwandeln würde sobald der erste Gitarren-Riff ertönt. Dennoch wurden meine Erwartungen übertroffen. Sobald Craig Jones zum ersten Song “Disasterpiece” ansetzte setzt sich die Masse in Bewegung, der Moshpit fängt weit links vor der Bühne an und setzt sich bis über den rechten Rand der Bühne fort (ich weiß es, ich hab mich von links nach rechts durchgekämpft um einen einigermaßen ruhigen Platz zum fotografieren zu finden, aber keine Chance). Gefühlt sind zig Tausend Menschen in bewegung, angetrieben von Songs wie “Wait and Bleed” (bis heute ein Meisterwerk und wahrscheinlich eins der bekanntestens Songs von Slipknot), “Sulfur”, Dead Memories”, “Psychosocial” und natürlich “People = Shit”. Wenige Bands haben gleichzeitig diese Anziehungskraft UND diese Energie. Judas Priest oder Iron Maiden füllen das Infield ebenso sehr aus wie Slipknot (vielleicht sogar etwas mehr), aber selbst bei Thrash-Größen wie Slayer auf ihrer Abschiedstournee war das Publikum nicht so wild und aufgepeitscht wie bei den Nu Metal Legenden aus Iowa.

Wacken Open Air 2022 Donnerstag – Heißer Start nach 2 Jahren Pause

Wacken Open Air 2019, kein tropfen Regen, die Hälfte der Besucher trägt Stoffmasken mit dem Wacken-Logo drauf um sich vom Staub zu schützen. Matthew Heafy, Frontmann von Trivium, spielt SA Nacht zwischen den beiden Hauptbühnen sein Gitarrensolo während die Judas Priest als Headliner für 2020 angekündigt wird. Und dann kommt alles anders. Eine Pandemie mit Lockdowns, ein digitales Wacken Open Air nur als Livestream in 2020, der Versuch mit “Bullhead Metal City” ein kleines Festival auf die Beine zu stellen das dann doch abgesagt wird im september 2021, und schließlich 2022 nach 3 Jahren Pause endlich wieder ein Wacken Open Air wie man es kennt. Obwohl, nicht ganz so wie man’s kennt. Wie in der Gastro und auf anderen Großveranstaltungen merkt man den Personalmangel und die fehlende Routine. Gerade bei der Anreise gab es viel längere Wartezeiten als sonst, und auch der Einlass am ersten Tag mit Band-Ausgabe lief nicht so reibungslos wie man es aus früheren Jahren gewohnt ist.

Dazu kommt dass dieses Jahr “cashless Payment” auf dem Gelände herrscht, jeder Besucher hat einen NFC-Chip an seinem Eintritts-Band und muss diesen Chip mit Geld aufladen um auf dem gelände Bier, Essen und Merch zu bezahlen. Ganz praktisch wenn man sich erstmal mit den Cash-Aufladestationen zurechtgefunden hat oder trotz schlechtem Empfang den Chip online aufladen konnte, aber bis dahin birgt das System doch ein wenig Frust-Potential. Ist man erstmal drin, ist der erste Festival-Tag vor allem eins: HEISS! Spitzenwerte von über 35 Grad und knallende Sonne ohne Wolken ließen die Rettungskräfte immer wieder ausrücken, und auch die Polizei verbrachte viel Zeit damit Wasserflaschen an die Besucher zu verteilen. Aber Wacken wäre nicht Wacken wenn die Metalheads sich von solchen Lappalien unterkriegen lassen würden. Sobald man auf dem Festival-Gelände ist und das erste Bier in der Hand hat wird gefeiert, getanzt und gemoscht wie jedes mal wenn der heilige Acker auf macht und es heißt: Faster, Harder, Louder!

Torfrock

Es gibt wenige Bands, die morgens um 11 schon ein großes Publikum vor ihrer Bühne versammeln können. Vor allem am ersten Festival-Tag, wo das Infield mit den beiden Hauptbühnen erst um 15 Uhr eröffnet wird. Aber für Torfrock ist Wacken ein Heimspiel, immerhin ist die Band vor 45 Jahren im Norddeutschen Schleswig gegründet worden und hat vor allem durch den Plattdeutschen Schnack eine sehr große Verbundenheit mit der Küste und die Friesland. Und so tummelten sich “früh Morgens” um 11 schon ein großer Haufen Metalheads und Rocker vor der Louder-Stage und lauschten den Gründungsmitgliedern Klaus und Raymond wie sie Klassiker wie “Volle Granate, Renate”, “Presslufthammer B-B-Bernhard”, “Der Boxer (Hau mir doch bitte nicht mehr auf die Lippe)” und natürlich den aus den Werner-Filmen bekannten Film “Beinhart” zum besten gaben. Mit 70 und 74 kann man von Klaus und Raymond keine wilde Bühnen-Performance wie z.B. von Arch Enemy oder At the Gates erwarten, aber morgens um 11 ist es ja auch mal ganz schön einfach nur mit dem 1. Bier in der Hand zu den Plattdeutschen Songs mitzugrölen.

Corvus Corax

“Wenn die Wikinger E-Gitarren hätten …” So beschreibt Covus Corax die Musika auf ihrem neuen Album “Era Metallum”. Bekannt von zahlreichen “Mittelalter Phantasie Spectaculum”, Mittelalter-Märkten und Festivals, sind die 7 Musiker auch immer wieder gern gesehen Gäste in Wacken, zuletzt 2017 und nun dieses Jahr wieder. “Era metallum” reiht sich in die Erfolgreichen alben von Corvus Corax ein, vor allem live macht der Wechsel aus langsamen Songs mit stampfenden Rythmen und grollendem Gesang und schnelleren Tanzliedern mit leichtfüßigen Rythmen und schnellen Gitarren sehr viel Spass. Prägend für den Klang von Covus Corax sind jedoch die beiden Martpfeilen (und wehe dem, man nennt sie vor einem Corvus Corax Fan “Dudelsack”, dann wird man schnell belehrt wo die ganzen unterschiede zwischen der Germanischen Marktpfeife und dem Keltischen Dudelsack sind). Die beiden Marktpfeifen (von denen eine selten auch mal durch eine drehleier ersetzt wird) legen mit ihrem breiten, durchgehenden Grundtönen und der eher beständigen Obermelodie eine sehr flächiges Klang-Fundament, dass die beiden E-Gitarren und den Gesang von Frontmann Castus Rabensang optimal stützt und der Musik das Mitteralterlich-Mystische gibt. Wer Mittelalter-Musik mag, aber Saltiato-Mortis und In Extremo als zu leichte Kost empfindet, wird bei Corvus Corax sicher fündig. Eben so, wie Wikinger Heavy Metal spielen würden.

Skyline

Jedes mal wenn ich das Wacken Open Air besuche ist es mir wichtig, dass ich Skyline nicht verpasse. Es ist einfach eine schöne tradition, dass die Band die von den Wacken-Foundern mitgeggründet wurde und der allererste headliner vom allerersten Wacken Open Air war nach über 30 Jahren immer noch auf dem heiligen Acker spielt. Natürlich nicht mehr als Headliner, dafür hat man Bands wie Judas Priest und Slipknot, aber Skyline ist immer die erste Band die auf der großen Bühne im Infield spielt und somit das Infield offiziell eröffnet. Natürlich ist Thomas Jensen schon seit Jahren von Andreas Laude-Schwedewsky am Bass abgelöst wurden, aber Drummer Andreas “Gösy” Schlüter ist immer noch am Schlagzeug und gibt den Takt bzw. den Herzschlag der Band vor, die wie jedes Jahr kraftvolle Cover wie “You shook me all night long” (AC/DC), “Hat I’ve done” (Linkin Park) und “Detroit Rock City” (Kiss) präsentiert. Und natürlich “30 Years Ago”, die Hymne für das 30Jährige Jubiläum von Wacken Open Air, die sie 2019 auf dem Infield spielten. Der Sound bleibt gleich, die Setlist verändert sich nur minimal, und doch freue ich mich jetzt schon wieder drauf, Skyline nächstes Jahr wieder in Wacken zu sehen – pünktlich zur Eröffnung des Infields.

Gravedigger

Bei Grave Digger erwartet man eigentlich ein “klassisches Metal-Quartett” aus Sänger, Gitarrist, Bassist und Schlagzeuger auf der Bühne. Stattdessen fällt der Vorhang, und ein Orchester aus zahlreichen Dudelsäcken (ja, diesmal Dudelsack, nicht Marktpfeife) und vier Trommeln steht auf der Bühne. Wie schon 2010 in Wacken wird der Grave Digger Gig mit “The Brave” eröffnet, nur dass diesmal ein paar mehr Dudelsack-Spieler und 4 große Trommeln statt den Marching-Snares spielen (in diesem Fall das Baul Muluy Pipes & Drums Ensemble). Aber dann kommen sie: 4 Langhaarige Metalheads, die sofort in die Saiten hauen, auf die Drums eindreschen und “The Dark of the Sun” spielen, eine der erfolgreichsten Grave Digger Singles. Aber mit dem Pipes & Drums im Gepäck dürfen natürlich auch Songs wie “The Clan’s Will Rise Again” und “Highlands Farewell” nicht fehlen, und alle 3 – 4 Songs springen auch die Pipes & Drums wieder ein und spielen Klassiker wie “The Clansman’s Journey” und “Heart of Scotland”. Insgesamt bekommt Grave Digger es gut hin, das Repartoir aus schnellen Power Metal Songs wie “Heavy Metal Breakdown” und den etwas schwereren Songs wie “Rebellion (The Clans Are Marching)”. Auch wenn in letzter zeit nicht viel neues von Grave Digger herausgebracht wurde erinnert das Konzert heute daran, dass es sich auf jeden Fall lohnt, mal wieder in die Grave Digger Playlist in Spotify reinzuhören.

Amon Amarth

Ein Überraschungsgast, der auf keinem der Wacken 2022 Plakate oder T-Shirts steht, sondern nur kurz vor dem auftritt auf Instagram angekündigt wurde: Die Schwedische Metal Band wurde von einem Aufmarsch zahlreicher Statisten in Wikinger Helmen, -Schildern und – Speeren angekündigt. Zum ersten mal spielt eine Band nicht auf einer der beiden Hauptbühnen, sondern von der kleinen Bühne dazwischen, direkt unter dem Wacken-Bullhead. Auch eine Neuheit in 2022, die ich persönlich sehr gelungen finde. Von da oben schmetterten die Überraschungsgäste in einem kurzen Gigs ihre größten Hits wie “Guardians of Asgard” und “Shield wall” bevor sie zwei Songs von dem neuen Album “The Great Heathen Army” zum ersten mal Live spielten, ein tag vor dem Album-Release am 05.08. “The Great Heathen Army” und “Get in the Ring” sind gewohnt kraftvoll mit melodischen Gesängen von Frontmann Johan Hegg’s grollend tiefer Stimme und werden nicht nur Amon Amarth Fans viel Freude bereiten. Und das kleine Intermezzo in Wacken überbrückte perfekt die Wartezeit zu Mercyful Fate.

Mercyful Fate

Auf den ersten Blick wirken Mercyful Fate wie eine Nordische Black Metal Band wie Behomoth oder Extreme Metal Band wie Cradle of Filth. Der Eindruck entsteht durch Dinge wie das Kopfstehende kreuz als Bühnendekoration und die weiße Gesichtsbemalung mit schwarz umrandeten Augen und Lippen von Frontmann “Kind Diamond”. tatsächlich war King Diamond der erste, der mit dem sogenannten “Corpsepaint” aufgetreten ist die Bands wie Behemoth und Cradle of Filth, aber auch Powerwolf tragen (ja ja, bei Powerwolf ist es Werewolf-Paint). Aber Mercyful Fate in die Schablone von Black Metal zu pressen ist zu einfach. Auch wenn die Songtitel wie “The Oath”, “Doomed by the Living Dead”, “Black Funeral” und “Come to the Sabbath” thematisch sehr finster sind, hat Mercyful Fate nicht die dumpfen Rhythmen und finsteren Bass-Linien die im Back Metal üblich sind. In den schnellen Gitarrenläufen und teilweise sogar leicht funkigen Bass-Lines verstecken sich die Ursprünge der Band, die als Punk anfing und sich dann zum Metal weiterentwickelt hat. bands wie Mercyful Fate haben die Grenzen des Heavy Metal immer wieder herausgefordert und erweitert, mit ihrer Bühnenshow die Geburt von Death- und Black-Metal vorangetrieben aber durch die Integration von Shouts und Riffs aus dem Hardrock-Bereich auch den Weg zum Powermetal mit ausgebaut. Gerade live erlebt man die musikalische Vielseitigkeit der Band die zu den Wegbereitern des Heavy Metal gehört und immer noch wissen, wie man 80.000 Wacken-Besucher einheizt.

judas priest

2019 wurde angekündigt, dass Judas priest ihr 50 Jähriges Bestehen auf dem Wacken Open Air 2020 feiern wollen. Daraus wurde nichts. 2 Jahre später ist die zahl des band-bestehens leider nicht mehr so rund, aber das lässt sich einfach fixen. Statt “50 Years Judas Priest” wird einfach “50 Metal-Years of Judas Priest” gefeiert, Also 50 Jahre in denen Judas Priest auftreten und Heavy Metal spielen konnte. Wobei das auch nicht ganz korrekt, ist, denn ursprünglich war Judas Priest eher eine Blues-Rock Band, die erst Mitte den Schwenk in Richtung Heavy Metal machte und 1980 mit dem Album “British Steel” und der Kult-Single “Breaking the Law” zu einem Star und dann zur Legende des Heavy Metals wurde. Aber Geschichte und Titel sind egal wen Rob Halford auf die Bühne kommt und sein beeindruckendes Stimm-Repertoire auspackt. Nicht umsonst nennt man ihn den “Metal God”, berühmt für die unglaublich hohen “Rob Halford Screams” und deiner Stimm-Bandbreite von über 4 Oktaven. Aber ich schweife schon wieder in technische Details ab. 50 Metal Years bedeutet Songs aus den vergangenen 50 Jahren die Rob Halford und seine Band vor über 80.000 Metal-Fans spielen, die sich allesamt ins Infield drängen um den Metal God singen zu hören. Leider hat er nur 1,5 Stunden zeit, was bedeutet dass nicht jeder all seine Lieblingssongs hören kann. Aber die Setlist ist eine Mischung aus Klassikern wie “Turbo Lover”, “Painkiller” und natürlich “Breaking the Law”, und Songs wie “Lightning Strike” vom neusten Album “Firepower”. Am Ende dominieren Songs von “British Steel” und “Painkiller” ein wenig, aber wenn man auf 50 Jahre zurückblickt darf man auch seinen Fokus auf die größten Erfolge legen.

Wacken Open Air 2022: Judas Priest, Limp Bizkit und viele weitere bekannt

Das Dörfchen Wacken im Bundesland Schleswig-Holstein wird im kommenden Jahr endlich wieder Heimat für Deutschlands größtes und beliebtestes Metal- und Hardrock-Festival – das Wacken Open Air 2022. Dabei werden wieder 85.000 Fans der härteren Musik-Spielarten vom 4 bis 8. August 2022 feiern!

Das mehrtägige Festival besticht mit jeder Menge nationaler und internationaler Bands der Szene – knapp 150 Bands werden dabei, darunter sind für das Wacken Open Air 2022 Line-Up bereits Judas Priest, Limp Bizkit, In Extremo, Gloryhammer, Lacuna Coil, Avantasia, Phil Campbell and The Bastard Sons, Rose Tattoo und viele weitere bestätigt. Der Veranstalter wird aber schon in Kürze mehr Künstlernamen bekanntgegeben und wir werden euch natürlich darüber informieren.

Weitere Informationen, auch zu verschiedensten anderen Festivals in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt, findet ihr natürlich auch in unserer Festival-Datenbank.

Wacken Open Air 2022 Tickets + Infos

 

Enttäuschung für Metalheads – Wacken Open Air 2021 Absage

Vom 29. bis 31. Juli 2021 sollte wie in jedem Jahr das größte Metalfestival der ganzen Welt – das Wacken Open Air 2021 – an den Start gehen. Dafür wollten knapp 85.000 Bescucher*innen aus der ganzen Welt in das beschauliche Dörfchen Wacken in Schleswig-Holstein pilgern – nachdem leider bereits die Ausgabe 2020 aufgrund der Auswirkungen rund um das Coronavirus (COVID-19) abgesagt werden musste.

Nun ist es leider traurige Gewissheit – die weltweite Lage in Bezug auf das Pandemie-Geschehen hat sich noch immer nicht beruhigt. Der Festivalsommer 2021 fällt daher erneut ins Wasser … Schweren Herzens haben sich daher nun die Veranstalter des beliebten Open-Air Event mit einem Statement und der offiziellen Absage vom Wacken Open Air 2021 gemeldet.

Für die aktuelle Ausgabe waren bereits Künstler wie Slipknot, In Extremo, Judas Priest, U.D.O., New Model Army, Fever 333, Limp Bizkit und viele weitere gebucht. Einen Termin zum Nachholen der aktuellen, 31. Festivalausgabe wird es leider nicht geben, erst im kommenden Jahr geht das Wacken Open Air wieder an den Start und zwar vom 4. bis 6. August 2022!

Was passiert mit meinen Tickets?

Alle, die für das Wacken Open Air 2021 schon ein Ticket vorab gekauft hatten, es gibt gute News: Eure Tickets für die nächste Ausgabe behalten ihre Gültigkeit! Wie das genau von statten geht und auch wie man an neue Tickets kommt, erklären euch die Veranstalter ausführlich auf: www.wacken.com

Wir hoffen mit euch allen, dass sich die Lage weltweit bald wieder etwas entspannt und wir alle wieder der Leidenschaft für Livemusik, Konzerte und Festivals nachgehen können. Bleibt gesund und gebt auf euch acht!

Enttäuschung für Metalheads – Wacken Open Air 2020 Absage

Vom 30. Juli bis 1. August 2020 sollte wie in jedem Jahr das größte Metalfestival der ganzen Welt – das Wacken Open Air 2020 – an den Start gehen. Dafür wollten knapp 85.000 Metelfans aus der ganzen Welt in das beschauliche Dörfchen Wacken in Schleswig-Holstein pilgern. Doch die aktuell unsichere Lage rund um alle Auswirkungen des Coronavirus (COVID-19) sorgen dafür, dass alle kleinen und großen Veranstaltungen längerfristig nicht planmäßig stattfinden können. Das Land Belgien hat nun über die weiteren Maßnahmen zur Pandemie-Eindämmung entschieden, das Großveranstaltungen bis 31. August 2020 nicht zugelassen werden können, da diese noch ein zu großes Verbreitungsrisiko beinhalten.

Schweren Herzens haben sich daher nun die Veranstalter des beliebten Open-Air Event mit einem Statement und der offiziellen Absage vom Wacken Open Air 2020 gemeldet. Für die aktuelle Ausgabe waren bereits Künstler wie Slipknot, Amon Amarth, Judas Priest, Venom, While She Sleeps, Mercyful Fate, Beast in Black, Sodom, Sick of it All, Overkill, DIRKSCHNEIDER, Fields Of The Nephilim und viele weitere gebucht. Einen Termin zum Nachholen der aktuellen, 31. Festivalausgabe wird es leider nicht geben, erst im kommenden Jahr geht das Wacken Open Air wieder an den Start und zwar vom 29. bis 31. Juli 2021!

Was passiert mit meinen Tickets?

Alle, die für das Wacken Open Air 2020 ein Ticket vorab gekauft haben, werden in Kürze vom Veranstalter per benachrichtigt! Genauere Informationen zur Rückabwicklung der Tickets und eurem bereits bezahlten Geld bekommt ihr dann natürlich auch. Habt etwas Geduld.

Wir hoffen mit euch allen, dass sich die Lage weltweit bald wieder etwas entspannt und wir alle wieder der Leidenschaft für Livemusik, Konzerte und Festivals nachgehen können. Bleibt gesund und gebt auf euch acht!

Wacken Open Air 2020: Slipknot, Judas Priest und viele weitere bekannt

Das Dörfchen Wacken im Bundesland Schleswig-Holstein wird im kommenden Jahr wieder Heimat für Deutschlands größtes und beliebtestes Metal- und Hardrock-Festival – das Wacken Open Air 2020. Dabei werden wieder 85.000 Fans der härteren Spielarten vom 30. Juli bis 1. August 2020 feiern!

Das mehrtägige Festival besticht mit jeder Menge nationaler und internationaler Bands der Szene – knapp 150 Bands werden dabei, darunter sind für das Wacken Open Air 2020 Line-Up bereits Slipknot, Amon Amarth, Judas Priest, Venom, While She Sleeps, Mercyful Fate, Beast in Black, Sodom, Sick of it All, Overkill, DIRKSCHNEIDER und viele weitere bestätigt. Der Veranstalter wird aber schon in Kürze mehr Künstlernamen bekanntgegeben und wir werden euch natürlich darüber informieren.

Weitere Informationen, auch zu verschiedensten anderen Festivals in Deutschland, Europa und dem Rest der Welt, findet ihr natürlich auch in unserer Festival-Datenbank. Auch auf der Website des Veranstalters findet ihr allerhand Informationen zum Ablauf des Tinderbox Festivals.

Wacken Open Air 2020: Tickets + Infos

Wacken 2020 Tickets

Wacken Open Air 2020

Wacken 2019 Samstag: Crowdsurfen als Breitensport

Eine Sache die mir über die Jahre aufgefallen ist: Crowsdsurfen wird mehr und mehr zur Breitensportart. Das mache ich vor allem an der zahl der Surfer fest, die ich fotografiert habe, aber auch an der Zahl der Surfer, die ich selber nach vorne weitergeschoben habe. Tatsächlich hat sich die Zahl der Crowdsurfer in Wacken so weit erhöht, dass die vorderen Reihen teilweise “Zuuuu-Rück!! Zuuu-Rück!!” rufen und die Surfer wieder nach hinten schicken (und das sogar meist erfolgreich) weil sie keine Lust mehr haben, andauernd andere Leute über ihren Kopf zu heben statt das Konzert zu genießen.

Aus dem Grund ein paar Grundregeln für’s Crowdsurfen basierend auf jahrelanger Erfahrung sowohl beim Surfern als auch beim Surfen lassen.

Für den Surfer:
Arsch hoch! Wenn andere euch tragen, streckt den Körper durch, und lasst nicht das “Körperzentrum” hängen. Das macht es unnötig schwierig für die Leute unter euch. Keiner hat was dagegen wenn ihr euch dabei filmt oder eine Flagge schwenkt, solange Rücken und Beine eine möglichst gerade Linie bilden.

Abstand halten. Ich versteh, das ihr mit eurem besten freund oder euren besten Freundin zusammen surfen wollt, am besten Kopf an Kopf und euch dabei unterhält. Oder dass ihr gerade los wolltet, als der Kerl vor euch hochgehoben wurde. Aber: Haltet Abstand, es braucht einige Leute um einen Surfer zu tragen, und die sollten eine Verschnaufpause zwischen zwei Surfern haben. Taschen zuknöpfen. Reisverschluss hochziehen. Die Bauchtasche enger ziehen. Schnürsenkel nach schnüren. Wenn ihr surft, und irgendwas runterfällt, ist es weg. Wahrscheinlich für immer. Also überlegt euch vorher, wie ihr Handy, Portemonnaie, Cap, Hoodie, Schuhe(!!) und andere Besitztümer sichert.

Für die anderen:
Umdrehen. Wenn jemand euch von hinten auf die Schulter tippt, heißt das wahrscheinlich, dass ein Surfer unterwegs ist. Wenn vor euch jemand mit den Finger hinter euch zeigt, auch. Vor allem wenn diese Personen kleiner und schmaler sind als ihr, dreht euch um, guckt was da kommt, und packt dann mit an. Aber vorher …

Weitersagen. Wenn ihr einen Crowdsurfer seht, oder auf einen hingewiesen wurdet, oder ein Kopf oder ein paar Füße auf eurer Schulter abgeladen werden (ok, dann vielleicht nicht weil zu spät), macht andere auf den Surfer aufmerksam. Auf die Schulter tippen hilft meist und geht auch ganz schnell. Idealerweise nicht die kleinsten, sondern Leute die so groß oder größer sind als ihr. Arme nach oben. Die Idee ist, den Surfer von unten anzuheben und dann nach vorne weiterzureichen. Was überhaupt nicht hilft ist wenn man den Surfer von der Seite stützt (weil man nicht weiß, ob jemand auf der anderen Seite das auch tut) oder ihn nach vorne wirft (weil ihn dann die Leute vor einen auffangen müssen, was richtig auf die Schultern geht).

Und dann noch ein kleiner Tipp am Rande: Wenn ihr das Konzert genießen wollt, und jemand vor, neben oder direkt hinter euch einfach nur nervt, tauscht einen kurzen Blick mit dem nächst-kräftigen Kerl aus, schnappt die Nervensäge an den Beinen und hebt ihr auf die Leute vor euch, damit sie ihn wegtragen. Und schon habt ihr wieder eure Ruhe.

Alabama Black Snakes

Es sind meist die großen Acts und Headliner, die auf den Festivals die bei der Berichterstattung die meiste Aufmerksamkeit bekommen. An dieser Stelle möchte ich auch mal über eine Band berichten, die “morgens” um 12Uhr auf einer der kleinen Stages gespielt hat. Und dann noch als Rockabilly-Band auf einem Metal-Festival. Die Alabama-Black Snakes aus Dänemark sind eine muntere Rock n Roll Combo, die neben E-Gitarre und E-Bass auch den typischen Bigsbi-Sound einer Halbakustik Gitarre und eine Mundharmonika erklingen lassen, während sie über Liebe, Herzschmerz, Liebe, Herzschmerz, Liebe, Liebe und Herzschmerz singen.  Vor der Bühne schwingen zahlreiche Besucher in Metal-Kutte oder Mittelalter-Outfit in guter alter Rock n Roll Manier die Hüfte. Eine gelungene Abwechslung nach zwei tagen Headbangen um den Nacken zu entlasten und den Rücken zu lockern. und mit guter Laune in den Tag zu starten.

Subway to Sally

“Ich bin dein Messias, vielleicht sogar dein Gott …” Mit diesen Zeilen startet Subway to Sally ihr Set. Folk mit Metal-Einflüssen oder metal mit Folk-Einflüssen – irgendwo dazwischen liegt das was Subway to Sally seit fast 30 Jahren von Bühne zu Bühne trägt. Neben Gitarre, bass und Schlagzeug gibt es noch eine Drehleier, eine Violine, und je nach Song weitere exotische Instrumente wie Tin Whistle oder Bagpipes. Alle Texte, zumindest alle die heute in Wacken gesungen werden, sind auf Deutsch, viele doppeldeutig oder voller Metaphern, manche aber auch offene Kritik an der modernen Gesellschaft und seinen verwöhnten, ziellosen Bewohnern.

Wenige Bands schaffen es, um 13Uhr das Infield so voll zu kriegen wie Subway to Sally, mit einer Menge, die alle Texte kennt und mitsingt, mitklatscht, mitfeiert und am Ende des Auftritts immer noch mehr will.

Kvelertak

“Ku – wer?” höre ich öfters wenn ich über Kvelertak erzähle, der Norwegischen Band die irgendwo zwischen Heavy Metal und Punk zu verorten ist. Der ehemalige Frontmann Erlend Hjelvik neigte dazu, mit einer Eulen-Maske auf dem Gesicht oder direkt mit einer großen Eule auf dem Kopf (also einer Art Eulen-Helm) auf die Bühne zu kommen. Der neue Sänger Ivar, noch nicht mal ein Jahr im Dienst, hat nur ein Bandana um und grölt direkt den ersten Song ins Mic, dessen Namen ich weder aussprechen noch richtig schreiben kann (irgendwas mit einem kleinen Kreis an der Spitze des großen “A”.

Aber dass die Songs auf Norwegisch sind und vermutlich vom fast keinem im Publikum verstanden werden ist bei einer Band wie Kvelertak egal. Es geht um die Energie, die die Band erzeugt, die ihre Musik ausstrahlt, und die die Menge ansteckt. Zu Recht waren die Jungs Vorband von Metallica und Mastodon. Und spätestens als Ivar von der Bühne runter und in die Menge springt um sich auf Händen tragen zu lassen – mit einem verkabelten Mikrofon in der Hand in das er weiter singt, während die Ordner panisch versuchen genug Kabel nachzuschieben – ist die Menge begeistert und der Gig ein voller Erfolg.

Prophets of Rage

Es hat viele Vorteile, als Berichterstatter auf einem Festival wie Wacken zu sein. Man kommt auch ins Infield wenn es eigentlich überfüllt ist, man darf in den Graben vor die Bühne um Fotos zu machen und ist somit näher an den Künstlern als alle anderen, man darf auch mal durch Notausgänge abkürzen und im Presse-Bereich gibt es ein großes Zelt dass vor Regen schützt, Storm für das Handy und kostenloses WLAN. Und doch gibt es diesen Moment, in denen man am liebsten die (gar nicht so billige und recht schwere) DSL Kamera wegwerfen möchte, um in die Menge zu springen und teil der feiernden Masse zu werden.

Wenn Ex-Rage-Against-the-Machine-Gitarrist Tom Morello, der ehemalige Gitarrist von Rage Against the Machine, seine Finger über die Gitarrensaiten tanzen lässt, und B-Real (Cypress Hill) und Chuck-D (Public Enemy) Songs wie “Jump around”, “Fight the Power” und “Killing in the name of” performen, ist genauso ein Moment. Aber nicht nur die Cover, auch die eigenen Songs von den “Prophets of Rage” reißen einen mit. Allen voran Hits wie “Unfuck the World” oder “Made with hate”, wo in guter alter Crossover-Manier mit innovativen, aber auch sehr aggressiven Gitarren-Klängen, dumpfen Turntable-Beats und messerscharfen Vocals die Gesellschaft aufs gröbste Kritisiert wird zeigen dass Hip-Hop und Metal nach wie vor eine gute Mischung sein können, wenn die Chemie zwischen den einzelnen Band-Mitgliedern stimmt.

Avatar

Avatar gehört zu den Bands, die man nicht einem bestimmten Metal-Genre zuordnen kann. Außer vielleicht “Crazy Metal”. Immerhin ruft Avatar in ihrem letzten Album “Avatar Country” ihren eigenen Staat aus. Musikalisch bleibt es abwechslungsreich: Einige Songs sind Thrashig, andere Melodisch, wieder andere sind richtige Böser Death Metal. Und irgendwo dazwischen gibt es starken Rock n Roll Einfluss, mit einer kleinen Prise Country.

Auch der Auftritt mit den Kostümierten Bandmitgliedern und dem stark geschminkten Frontmann Johannes Eckerström der so schaurig schön Screamen kann wie Cradle of Filth und bei seinen Ansagen charismatisch daherkommt wie Heath Ledgers “Joker” aus The dark Knight” hat eine ganz eigene Verrücktheit inne, die bei stampfenden Bass-Drums und Riffs von den im Takt wirbelnden Haarprachten aller Bandmitglieder noch unterstrichen wird. Avatar ist finster, aber nicht auf die tiefschwarze Weise wie die meisten Death- oder Black-Metalbands, sondern auf seine helle bunte Weise wie es sie lange nicht mehr im Metal gab.

Parkway Drive

Direkt vor dem Auftritt von Parkway Drive gibt es eine angekündigte “Überraschung” der Wacken-Veranstalter: Trivium Frontmann Matt Heafy spielt auf einer Funken-sprühenden Gitarre ein langes Solo während die ersten bekannten Bands für das Wacken Open Air 2020 angekündigt werden, u.a. Amon Amarth und Judas Priest. Dann steigen zwischen Flammenstößen mehrere aztekisch gekleidete Männer auf die Bühne, die allesamt ein wenig an das Iron Maiden Maskottchen “Eddy” erinnern. Ein Hinweis darauf, dass es beim nächsten Wacken Open Air ein Motto geben wird: Die Kultur der Mayas und Azteken. Wie das ganze aussehen soll, bleibt der Phantasie überlassen: Lateinamerikanische Deko auf einem norddeutschen Metal-Acker, wo die Wikinger-Metal-Band Amon Amarth spielt. Man darf gespannt sein.

Dann wird es still, und dunkel. Fackeln werden entzündet, und ein Fackelzug schlängelt sich durch die Crowd, steigt über den Wellenbrecher und klettert auf die Bühne. So eröffnet Parkway Drive das Headliner-Set am dritten und letzten Wacken-Abend. Und mit Wishing Wells, den ersten Song vom neusten Album “Reverence”. Einen Wütend-Traurigem Metalcore-Lied in dem die Welt die die Götter angeklagt und bedroht werden. Ein melodisch langsam beginnenden Lied, das zum Refrain in brutale Rifft und Rhythmen beschleunigt, zu denen Frontmann Winston McCall den Text leicht growlend shoutet. Ebenso stark ist der zweite Song “Prey”, wo es ebenfalls darum geht, wie Trauer sich in hilflose Wut verwandelt.

Nach dieser Eröffnung begrüßt Winston erstmal fröhlich die Menge, holt Bassisten Jia auf die Bühne, der sich das Bein gebrochen hat und im Rollstuhl sitzt, aber trotzdem Bass spielt. Und Jias Mum wird vorgestellt, die sich während der Tour um ihren Jungen kümmert. “Sie war noch nie Crowdsurfen” erklärt Winston, und bittet die Wacken-Besucher Jias Mum nach hinten durchzulassen und sie dann sicher auf ihren Händen nach vorne zu tragen. Danach geht es mit Musik weiter. Metal-Core-Melodien mit Hardcore-Vocals, so kann man Parkway Drive am besten beschreiben. Die Songs sind schnell, kraftvoll, die Texte sprechen vielen aus dem Herzen, aus den dunklen Ecken und den schwierigen Zeiten.

Für “Wirtings on the Wall” und “Shadow Boxing” kommt ein Cello-Quartett dazu – wie in den Studioaufnahmen, das Tempo sinkt ein wenig, aber die Texte bleiben düster. Danach wird das Tempo wieder angehoben, und zu “Crushed” und “Bottom Feeder” können sich die Besucher noch mal so richtig austoben bevor der 30-jährige Geburtstag des Wacken open Airs zu Ende geht.

Wacken Open Air 2020: Tickets + Infos

Wacken 2020 Tickets

Wacken 2019 Freitag: Epic Magic und Bloody Thrash

Wenn man über die Entwicklung von Wacken redet, gibt es sehr viele Zahlen, die fallen:

  • 240 Hektar Fläche für ein Festival mit acht Bühnen
  • 12 Megawatt Stromversorgung (genug für ein Dorf mit 70.000 Einwohnern)
  • 75.000 Tickets die in den letzten 14 Jahre immer ausverkauft waren
  • zwei Auszeichnungen in 2018 als „Bestes Major Festival“ (European Festival Awards) und „Bestes Festival“ (Helga! Award).
  • Und natürlich die 7km lange Bier-Pipeline, die 10.000 Liter Bier pro Stunde ins Infield pumpt

Was selten erwähnt wird, ich aber erwähnenswert finde, ist wie der Acker in den letzten Jahren immer barrierefreier wurde. Wacken findet mitten auf dem Acker statt, was in den letzten Jahrzehnten immer wieder zu legendären Schlammschlachten führte. Unvergessen der „Heli-Föhn“ von 2007, wo Hubschrauber der Bundeswehr im Tiefflug über dem heiligen Acker schwebten um Infield und Campingplatz trocken zu pusten damit sie wieder begehbar wurden. Oder das Regenchaos 2015, wo der Boden so versumpft war dass Shuttlebusse nicht mehr fahren konnten und zahlreiche Stiefel im Schlamm stecken blieben.

Danach wurden zahlreiche Maßnahmen ergriffen, um den Acker trocken zu legen. Der ganze Acker wurde im Zuge der Pipeline-Bauarbeiten aufgegraben, ein Kanalsystem mit Pufferspeicher für Regenwasser angelegt, und schließlich wurde der fertige Acker wieder bepflanzt. Nicht nur mit Wiesengras, sondern auch Senfgras, dass um einiges robuster ist.

Das Ergebnis: Trotz des Unwetters am Freitag, bei dem es wie aus vollen Eimern schüttete und das Infield für eine Dreiviertelstunde gesperrt werden musste, gab es kaum „Wacken-Modder“. Das Infield war nach dem Regen direkt wieder begehbar und nach einer Stunde schon wieder trocken. Einige könnten nun sagen, dass der Schlamm zu Wacken gehört es ohne Schlamm nicht das gleiche ist. Aber wenn man die Metalheads sieht, die auf Krücken oder im Rollstuhl unterwegs sind, kann man den Organisatoren nur für den Aufwand danken, den sie auf sich genommen haben, um das Gelände trocken zu legen und barrierefreier zu gestalten.

Equilibrium

Equilibrium entstand als spontaner Zusammenschluss von Musikern, die einen Metal-Cover-Gig spielen sollten. Der Name wurde spontan gewählt, weil die Band nach dem Gig wieder aufgelöst werden solle. Zum Glück haben sich die Jungs noch mal umentschieden, sonst gäb es keine “Epic Metal” Band (Selbstbezeichnung von Equilibrium).

Stilistisch bewegt sich Equilibrium zwischen dem klassisch anmutendem Symphonic Metal und dem schnellen Rythmus des Power-Metals. Gesungen wird sowohl im Klargesang als auch im Growling, und sowohl auf Deutsch (Waldschrein, Karawane) als auch auf Englisch (Born to be Epic, Prey). Zusätzlich zu ihren bisherigen Hits präsentiert Equilibirum in wacken auch den Song “Renegades – A lost generation” vom neuen Album “Renegades”, dass am 16. August erscheinen wird.

Gloryhammer

Ich möchte die Gelegenheit nutzen, um den Unterschied zwischen Hammerfall, die gestern gespielt haben, und Gloryhammer, die heute spielen, aufzuklären.

Hammerfall ist eine “klassische” Power Metal Band: Langhaarige Schweden, die in schwarzen Klamotten mit Nieten-Gürteln und Leder-Armbändern “Auf die Fresse” Powermetal spielen und in ihren Texten von Fantasy-Themen singen. Der Gitarrist hat eine Gitarre, deren Korpus wie ein Hammer geformt ist, die er zum Song “Hammer High” rausholt und wie einen großen schweren Hammer in die Luft streckt.

Gloryhammer ist ein Nebenprojekt von Christopher Bowes, seines Zeichens Frontmann von Alestorm und nebenbei Keyboarder von Gloryhammer. So wie Alestorm das ganze Piraten-Thema nicht ganz ernst nimmt, nimmt Gloryhammer das ganze Thema Fantasy nicht ganz erst. So erzählt Gloryhammer von dem Schottischen Prinzen, der mit einem magischen Hammer auf einem goldenen Drachen reitet um seine Prinzessin zu retten, die ein böser Zauberer mit seiner Armee von Zombie-Einhörnern entführt hat.

Auf der Bühne trägt Frontmann Thomas Winkler eine grüne Mischung aus Ritterrüstung und Powerranger-Kostüm, und vertreibt einen Ork (bzw. einen Statisten mit einer grünen Ork/Kobold-Maske) mit seinem Schaumstoff-Hammer. Das ganze macht natürlich richtig Spaß, und viele im Publikum recken ihrerseits aufblasbare Hammer oder Schwerter in die Höhe und Singen Songs wie “Gloryhammer”, “Angus McFife” und “Questlords of Inverness, Ride to the Galactic Fortress!” lauthals mit.

Demons and Wizards

Power Metal kann sehr melodisch, ja fast schon episch sein wie eine große Armee die am Anfang einer Schlacht aufmarschiert, oder sehr kraftvoll und rhythmisch galoppierend daher kommen wie die donnernden Hufe einer anstürmenden Kavallerie. Ein bekannter Vertreter des episch-melodischen ist Blind Guardian mit ihren Songs, die wie ein Helden-Epos klingen. Bekannte Vertreter des kraftvoll rhythmischen sind allen voran Iron Maiden, dicht gefolgt von Iced Earth.

Demons & Wizards ist ein Nebenprojekt von Blind Guardians Front-Barden Hanis Klüsch und dem Iced Earths Gründer und Rhythmus-Gitarristen Jon Schaffer. Das Projekt brachte insgesamt zwei Alben hervor, “Demons & Wizards” (2000) und “ Touched by the Crimson King” (2005). Weitere Alben kamen aufgrund von Zeitmangel beider Beteiligten leider nicht zustande.

Weil beide Musiker mit ihren eigenen Bands voll ausgelastet sind, ist es ein sehr seltenes und umso wertvolleres Erlebnis, Demons & Wizards live zu erleben. Eröffnet wird das Set mit den ersten Song vom ersten Album: “Rites of Passage” beginnt mit einem langsamen Chor-Gesang, wechselt dann spontan zu schnellen Gitarrenrhythmen mit Thrashigen Einflüssen und demonstriert dann auf beeindruckende Weise, wie Hansi Klüschs helle, weit tragende Stimme mit den donnernden, für Blind Guarding eigentlich zu aggressiven Gitarren-Läufe von Jon Schaeffer passt. Auch die folgenden Songs “Heaven Denies”, “Poor Man’s Crusade” und “Crimson King” zeigen wie ein erfolgreiches Nebenprojekt von zwei Virtuosen aussieht: Demons & Wizards ist nicht Blind Guardian mit einer schnellen Gitarre, aber auch nicht Iced Earth mit melodischem Gesang. Beide Künstler bringen ihre Einflüsse ein, und schaffen ein neues Gesamtkunstwerk, dass den anderen beiden Bands in nichts nachsteht.

Aufgelockert wird das Set von Iced Earth Songs wie “Burning Times” und “I died for you”, und Guardian Songs wie “Welcome to Dying und natürlich “Valhalla”, wo das Publikum noch lange weiter singt nachdem die Band aufgehört hat, und Hansi eigentlich den nächsten Song ankündigen will. Akustischer Leckerbissen war auch die Akustik-Version von “Wicked Witch”, bei der Hansis Stimme und Jons Westergitarre ausreichen, um 75.000 Besucher zu verzaubern. Und am Ende bleibt die Hoffnung, dass es nicht wieder 19 Jahre dauert, bis die beiden Zeit finden um zusammen in Wacken aufzutreten. Wobei “nur” Blind Guardian oder “nur” Iced Earth auch sehr willkommen wären.

SLAYER

Es gibt immer wieder Momente, wo man denkt man hat einen tollen Plan, und dabei hat man etwas ganz wichtiges vergessen. Mein Plan war, mich vor dem Gig von Slayer in die 5. Reihe vor der Bühne zu stellen um einen guten Blick auf die Band zu haben. Was ich natürlich komplett vergessen hatte war, dass das gesamte Infield sich beim ersten Riff vom Eröffnungssong “Repentless” in einen riesigen Moshpit verwandelt, in dem keiner still steht, man von allen Richtungen in die Gegenrichtung gedrängt wird, und ein Crowdsurfer nach dem anderen über die Köpfe hinweg getragen wird.

Es ist diese ungezähmte Energie, die Slayer-Songs so besonders machen. Seit 38 Jahren Thrashen Frontmann und Bassist Tom Araya und Gitarrist Kerry King durch die Metal Geschichte, und das 1986er Album “Reign in Blood” mit der Hit-Single “Raining Blood” war damals ein neues Extrem in Blut und Gewalt, und ein Meilenstein im extremen Metal der in den nächsten Jahrzehnten zahlreiche andere bands beeinflussen sollte.

Nachdem Slayer letzte Jahr bekannt gab, dass die Band sich nach der nächsten Tour auflösen werden, ist der Stop in Wacken nun ihr allerletztes Festival Konzert ihrer beeindruckenden Karriere. Und das letzte Konzert in Europa.

Und so schredden Slayer auf der Bühne und feiern die Besucher im überfüllten Infield, als gäbe es kein Morgen. 20 Songs lang aus 35 Jahren Bandgeschichte wird gepogt, gemosht, Crowdsurfer fliegen über die Menge nach vorne und gehen zum Teil im riesigen Moshpit vor der Bühne unter weil in dem ganzen Gedränge keiner mehr in der Lage ist die Surfer über dem Kopf zu halten. Dazu ertönen Meisterwerke des extremen Thrash Metals wie “Madatory Suicide”, “Payback”, “Season of the Abyss” und natürlich “Raining Blood”.

Und als persönlicher Erfolg habe ich es am beim Crowdsurfen am Moshpit vorbei bis vor die Bühne geschafft. Ein letztes mal live zu Kerry Kings Gitarre und Tom Alayas Shouts.

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