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Trivium in Hamburg – Triple-Core mit Thrash zum Nachtisch

Vier Bands in der ausverkauften Markthalle bei 28 Grad Tageshöchsttemperatur. Diese Eckdaten trübten ein wenig meine Freude über ein Wiedersehen mit Trivium. Und ja, ich habe schön öfters erwähnt, wie warm es in der Markthalle wird. Aber diesmal war ich nicht allein. Elija Witt (Frontman Cane Hill, erste Band) hielt es nicht mehr aus und zog sich beim vorletzten Song sein Beanie und sein T-Shirt aus, Riley Gale (Frontman Power Trip, zweite Band) goss sich vor den letzten Beiden Songs seinen Wasserbecher über den Kopf, und Loz Taylor (Frontman While She Sleeps, dritte Band) sprach in einer seiner Ansagen sogar darüber, die unfassbar “hot” es war.

Aber wenn 1.000 Leute in einem geschlossenen Raum dreimal nacheinander zu Metal-Core abgehen, denn wird es heiß. Und diese sprichwörtlich “heiß gemachte” Crowd hieß dann zum Abschluss Trivium willkommen, die trotz des growlenden Gesangs vom Bassist und Backgroundsänger Paolo Gergoletto nicht Hardcore sind. Die mit Shouts versetzten Klargesänge von Frontmann Matt Heafy, die im Uptempo auf die Drums dreschenden Sticks und die Gewitteratigen Riffs sind Thrash vom Feinsten mit einer leichten Prise Core wo es ins Konzept passt.

Hardcore als Vorspeise und Thrash zum Nachtisch ist ein Konzept, dass in dieser heißen Sommernacht super aufging. Vor allem da das Konzert gerade rechtzeitig fertig war, um sich hinterher am Hauptbahnhof noch ein Eis zu kaufen.

cane hill

Die Halle war nur halb voll als Cane Hill auf die Bühne kommt. Die relativ junge Band hat 2016 ihr erstes und 2018 bereits ihr zweites Album veröffentlicht. Die Truppe um Frontmann Elija gehört zu den Musterschülern des Metalcore: Drums und Bass klopfen harte Beats, über die die Gitarre jault als ob man eine LP von Meteora auf einem Turntable scratchen würde. Dazu rockt, rappt und growlt Elija seine gesellschaftskritischen Texte in ein leider etwas zu leise eingestelltes Mikrofon. Schade, denn genug Energie hat er auf jeden fall. Und mit Songs wie “Fountain of Youth” und “Too far gone” werden erfolgreich die ersten Mosh-Pits eröffnet.

Leider fehlt ihm das Charisma eines Jasper (Hatebreed) oder das Quäntchen mehr Energie eines Riley (Power Trip) oder die Verbindung zum Publikum eines Loz (While She Sleeps). Aber die Band ist noch Jung, und Elija hat das Glück, mit Bands auf Tour zu sein von denen er sich noch einiges Abgucken kann.

power trip

Im Vergleich zu Cane Hill bietet Power Trip einfach rundherum ein bisschen mehr. Einen Gitarristen mehr auf der Bühne und dadurch mehr messerscharfe Riffs, ein bisschen mehr Bumms in den Drums und den Bass-Lines, und ein Frontmann mit mehr Energie, mehr Jumps und sogar ein paar Jump-Kicks.
Power Trip merkt man an, dass sie schon mehr Erfahrung auf Tour haben, mit Größen wie Lamb of God und Anthrax auf der Bühne standen und mit Hardcore-Größen wie Integrity für eine Split-EP im Studio waren.

Songs wie “Hornet’s Nest”, “Manifest Decimation” oder “Cross Braker” machen Spaß, reißen mit, und aus zwei kleinen Mosh-Pits wird auf den Kreisenden arm von Gitarrist Nick Stewart hin auch ganz schnell ein Circle-Pit, und die ersten Crowdsurfer machen sich auch auf den Weg. Wer sich zu Hause oder im Auto ein bisschen Metal Core reinziehen will mag die mangelnde Abwechslung von Power Trip Songs beklagen, Live in der Markthalle interessiert das niemanden. Zumindest nicht in den 30 Minuten, die Powertrip als Special Guest hatten.

while she sleeps

Unter dem doch eher auf simplen Mechaniken basierenden Genre des Metal Core gehört While She Sleeps tatsächlich zu den Progressiveren Bands. Natürlich kann man sie nicht mit Progressive-Metal-Größen wie Dream Theater vergleichen, aber While She Sleeps ist die erste band die ich live erlebt habe, auf die die Bezeichnung “Melodic Hardcore” gut zutrifft.

Songs wie “Four Walls” beginnen langsam, nachdenklich und mit einem gemeinsamen Klargesang von Frontmann und Back-Vocals, um dann erst nach einer Minute voll aufzudrehen und dem Zuhörer um die Ohren zu fliegen. “Silence Speaks” bindet wiederum erfolgreich melodische Elemente ein, und verbindet sie geschickt mit harten Beats und lauten Growls um die Identität als Hardcore-Song nicht zu verlieren.

Live kommt zu dem Musikalischen Erlebnis noch das geschickten Händchen, dass Frontmann Loz beim Interagieren mit der Crowd hat. Sei es wenn er bei “Haunt me” in die Menge springt, zwischen den Songs rumscherzt oder bei “Hurricane” zu einem Crowdsurfing-Wettbewerb aufruft.

Trivium

Die Umbaupause ist doppelt so lang wie bei den vorherigen Bands, aber schließlich wird erst wird das Trivium-Banner hinter der Bühne hochgezogen, dann das Drumset vom Cover befreit, und schließlich geht das Licht aus und “Run to the Hills” von Iron Maiden ertönt als Intro während der Raum sich mit Nebel füllt.

Und dann BOOM, “The Sin and the Sentence”, Titelsong vom neusten Trivium-Album. Das Album, mit dem die Band wieder zurück zu ihrer alten Größe, zu der Qualität des bis dato besten Trivium-Album “Shogun” zurückgekehrt sind. “Silence in the snow”, das Album davor, wurde von Kritikern als “zu kommerziell” und “zu lieb” niedergemacht. Manch einer stellte sogar Triviums Status als neuer Stern am Thrash-Himmel in Frage. Mit “The Sin and the Sentence” sind all diese Kritiker verstummt, dafür singen nun die Fans in der Markthalle laut mit, während Trivium-Gründungsmitglied und Frontmann Matt Heafy ihnen immer wieder zwischen den Songstrophen in seinem Signature-Move die Zunge weit rausstreckt.

Seit dem Stimmband-Problemen in 2014 growlt Matt nicht mehr, sondern fokussiert sich auf melodische Gesänge und starke Shouts, die bei “The Sin and the Sentence” noch mal mehr Power bekommen haben. Das tiefe Growling überlässt der dem zweiten Gitarristen und Background-Sänger Paolo, der auch problemlos mit nem Bandana um den Kopf und nem Mic in der Hand Suicidal Tendencies covern könnte. Gott sei dank spielt er lieber mit einer Gitarre um den Hals Trivium-Songs und ergänzt Somit Matts schlanke, präzise und klare Präsenz mit roher, tiefer Masse.

“The Sin and the Sentence” dominierte auch die Setlist des Abends, aufgelockert von einigen Highlights wie “Down from the Sky” aus “Shogun” oder “Strife” aus “Vengance Falls”. Zum krönenden Abschluss gab es noch mal den Klassiker “In Waves” vom gleichnamigen Album. Und danach ein Eis am Hauptbahnhof.

Rock am Ring 2019 am Samstag – Unsere Highlights

Der Freitag am Nürburgring hat schonmal ordentlich gesessen und jede Menge Highlights präsentiert. Die Auftritte von Headliner TOOL, The Smashing Pumpkins, Slash (feat. Myles Kennedy and the Conspirators) sowie SDP und Bonez MC & RAF Camora haben die Festivalbesucher nachhaltig beeindruckt. Bis nachts um 3:00 Uhr haben sich viele der Besucher zur nächtlichen Feierei vor den Bühnen getummelt.

So herrscht am frühen Samstagmittag noch eine idyllische Ruhe auf den Campingplätzen (wenn da da nicht die Ghettoblaster hier und da wären, aus denen blechernd Musik dröhnt). Die Wellenbrecher füllen sich gemächlich. Zu sehen gibt es am Abend jedenfalls zwei große Headliner – Die Ärzte und Slayer. Natürlich stehen auch heute beeindruckende Acts auf dem Programm bei Rock am Ring 2019 Samstag, darunter Sabaton, Bring me The Horizon, Dropkick Murphys, Die Antwoord, Architects, Trivium und viele viele weitere. Als besonderes Schmankerl gibt es für die Nachteulen bis in die frühen Morgenstunden noch Programm u.a. von Erfolgs-DJ Alle Farben.

The fever 333

Erst in 2017 hat sich die Rock-Supergroup aus Los Angeles gegründet. Das Dreier-Gespann um Frontmann Jason Butler (besser bekannt durch sein Mitwirken in der Post-Hardcore Band Letlive) strotzt nur so vor Energie. Das Trio knallt dem willigen Publikum gleich in den frühen Stunden auf dem Nürburgring knirschende Gitarren, gutturale Beats und unverfroren mutige Texte entgegen. Harte Riffs treffen hier auf massive Texte und eine unverkennbare Stimme! Direkt zum Kultstatus hat es die Band binnen kurzer Zeit geschafft – nur mit ihrer in 2018 veröffentlichten EP („Made An America“) und einigen durchgeknallten Liveshows. Ideologisch besetzt die Band eine Lücke, die seit Rage Against The Machine niemand wirklich schließen konnte – zumindest nicht auf einem Level, das Aggressivität dermaßen gekonnt mit Mainstream-Appeal vereint. Und so verwandelt sich das Infield sich binnen kurzer Zeit in ein tosendes Tollhaus, immer angestachelt von Jason Butler. Dieser mit Wut geladenen, politisch aufrührenden Rockband kann man sich nicht entziehen. Ihre revolutionäre Mischung aus Hip-Hop, Punk und Aktivismus ist absolut ansteckend.

i prevail

Das Quartett I Prevail bietet auf der Crater Stage volle Ladung Pop, Post-Hardcore, Modern Metal und Hip-Hop in perfekter Mischung. Die Band hat in den letzten Jahren einen kometenhaften Aufstieg hingelegt. Vor allem auf ihren sozialen Medien zeigen sie deutlich, dass sie sich nicht vor etablierteren Bands verstecken müssen – im Gegenteil. Ihr wilder Sound besteht aus ebenso brettharten Momenten mit Screams und Growls, wie auch aus Pop-beeinflussten Mitsing-Refrains.

Seiler und Speer

Mit ihrem Debütalbum „ham kummst“ und der dazugehörigen Tournee haben Seiler und Speer einen fantastischen Start hingelegt. Auf der Volcano Stage heißt das gut Laune und handgemachte Musik. Diese Band ist ehrlich – vor allem live. Kein Playback, keine Zeltfest-Hüttengaudi-V.I.P.-Opening-Kasperln und mit zwei grandiosen Künstlern an der Front: Hinter Seiler und Speer stehen Komiker und Schauspieler Christopher Seiler sowie Filmemacher und Musiker Bernhard Speer.

starset

Starset sind ein komplexes Musik-Konzept, an der Front steht Dustin Bates, der dafür gesorgt hat, dass die Gruppe sich innerhalb von wenigen Jahren ihre eigene dystopische Welt geschaffen hat. Mit über 300 Shows haben Bates und seine mit Helmen und Druckanzügen ausgestattete Crew (Bassist Ron DeChant, Gitarrist Brock Richards und Schlagzeuger Adam Gilbert) auf Touren mit Bands wie Breaking Benjamin und In This Moment einen Namen gemacht. Auf der Crater Stage am Nachmittag erfreut sich das Publikum an der gekonnt gemischten Rock- und Elektronicmusic-Mischung

Trivium

Die US-Metalcore-Legenden-Anwärter Trivium haben sich auf dem Weg nach Europa gemacht, um bei Rock am Ring 2019 am Samstag (bei RIP sind sie schon am Freitag aufgetreten) ein paar Riffs auszuteilen. Ab dem Moment, als Frontmann Matthew Heafy und seine drei Bandkollegen die Bühne vereinnahmen, sind die Metal-Fäuste und Gabeln bei jeder Gelegenheit in der Luft – das Publikum hat Bock. Da wird gepost, mit den Fans geschäkert, fleißig die Haarpracht geschüttelt und vor allem mit schnellen Fingern das Saiteninstrument gekitzelt. Aus der gesamten Band-Diskografie präsentieren die Jungs aus Florida eine gekonnt gewählte Mischung aus allen zurückliegenden Alben. Trivium präsentieren alles, was Metal so zu bieten hat: Hohe Geschwindigkeit, Härte, Melodie, Emotionen und technisches Können. Dabei ist die Interaktion zwischen Band und Zuschauern richtig intim. Der Blickkontakt beider ist intensiv und hemmungslos. Beide Parteien schreien sich an und genießen die gemeinsamen Momente, vollgepackt mit Emotionen.

Feine Sahne Fischfilet

Aus Mecklenburg Vorpommern kommt Deutschlands Punkband Nummer 1. Unüberhörbar dröhnt ihr Punksound. Die Band engagiert sich gegen Rassismus, Homophobie und Sexismus und all das sind auch Themen ihrer Musik. Seit ihrem umstrittenen Auftritt im Münchner Z-Bau sind sie deutschlandweit bekannt geworden und wandern jetzt neben eigenen Headliner-Touren auch über den deutschen Festivaljahrmarkt. Ja, ihre Texte sind mehr als politisch angehaucht und auch in den Pausen zwischen den Songs findet Sänger Monchi direkte Worte, was er beispielsweise von Nazis hält. Beim Auftritt der Punker wird auf der Bühne und davor eine gewaltige Party gefeiert, bei der niemand trocken bleibt. Schweiß- und Biergeruch erfüllt die Luft und Bassist Kai surft im Bananaboot über die Crowd. 

THREE DAYS GRACE

Zeit für die Post-Grunge-Band Three Days Grace aus Kanada. im Jahr 2003 weltweit den Durchbruch mit ihrer Hit-Single „I hate everything about you“. Damals war Adam Gontier noch die Stimme der Band und viele Lieder wurden von ihm geschrieben. Seit seinem Ausstieg 2013 ist Matt Walst, Bruder von Bassisten Brad und Sänger der Band „My Darkest Days“, am Mikrofon. Mittlerweile hat sich die Fangemeinde daran gewöhnt und so zeigt sich auch am Nürburgring, dass eine große Traube von Anhängern vor der Crater Stage auf ihre Lieblingsband wartet. Jedes Bandmitglied wird beim Betreten der Bühne energisch begrüßt und dann gibt es kein Halten mehr. Vor der Bühne bildet sich ein großer Moshpit, den Sänger Matt Walst immer wieder weiter anstachelt. Auf der Bühne zeigt sich neben dem Frontmann vor allem Bassist Brad Walst äußerst energiegeladen. Gitarrist Barry Stock hält sich lieber etwas im Hintergrund, glänzt aber durch seine hervorragenden Gitarrenriffs. Dani Rosenoer unterstützt die Band live am Keyboard und beweist sich im Duett mit Schlagzeuger Neil Sanderson. Der legt im Anschluss ein grandioses Schlagzeug-Solo hin, das mit beachtlichem Applaus gezollt wird. Die Live-Setlist bietet eine ausgewogene Mischung aus bekannten Songs, die immer wieder für Begeisterungsstürme sorgen. Die Energie auf der Bühne ist greifbar und auch das Publikum ist ganz bei der Sache und genießt die gelungene Show.

dropkick murphys

Die irisch-amerikanische Folk-Punk-Band Dropkick Murphys lädt am Abend auf der Volcano Stage zu einer rauschenden Party ein. Das Sextett nimmt die Festivalbesucher mit auf eine Reise durch den großartigen Dropkick Murphys-Katalog. Die Band aus Boston zeigt sich von ihrer besten, musikalisch-handwerklichen Seite. Die Punkrocker schütteln unzählige Hits aus ihren Ärmeln. Dabei befinden sich auch einige Klassiker, durch die sicher einige erst zur richtigen Fangemeinde hinzukamen. Als vor Jahren ein „Dropkick Murphys-Track Pack“ für Guitar Hero 3 auf Xbox-360 und Playstation erschienen ist, haben diesen Song jede Menge Leute hoch- und runtergespielt. Auf der Bühnen präsentiert das Gespann ihren gewohnt-geliebten, irisch angehauchter Straßenpunk der alten Schule. Für die Zuschauer bedeutet das Song für Song intensive Attacken, die einem keine Verschnaufpause lassen. Frontmann Al Barr und seine Bandkollegen stehen dabei für echt rotzig-räudigen Punk, der nur eines auf Publikumsseite zulässt: pogen und mitgröhlen. Hier treffen (punk-)rockige Geschichtenerzähler und auf wilde Partylöwen. Das ruppige Organ Barrs‘ ist unverkennbar und verleiht ihren Texten eine Glaubwürdigkeit, die man bei den meisten „alternativen“ Punkbands nur noch vergeblich sucht. Diesem räudigen Charme man sich nur schwer entziehen.

ARCHITECTS

Im Februar sind die Architects zuletzt konzertseitig in Deutschland gewesen, um mit dem neusten Album „Holy Hell“ die größte Tour seit Bandbestehen zu feiern. Spätestens mit dem neuesten Album sollte das jedem klar sein, auch wenn es nicht immer einfach für die Band war. Entsprechend werden sie vom Publikum ab der ersten Sekunde gefeiert. Ist es auch nur wenige Sekunden zwischen den Songs ruhig, werden diese durch laute „Architects“-Rufe gefüllt. Das Publikum ist mit Leib und Seele bei der Band. Das Lie-Set ist gleichmäßig geprägt von allen Architects-Alben. Überschattet vom Tod von Gründungsmitglied Tom Searle, thematisieren ihre neueren Werke Systemkritik an Umwelt und Politik und verkörpern dabei eine unglaubliche Wut, die selbst Hardcore- und Metalcore-Alben nur selten erreichen. Sänger Samuel David Carter formt diese Wut wortwörtlich in seiner unglaublichen Stimme. Mit harten Growls, die zwischen seinen melodischen Gesängen im Kontrast noch härter und aggressiver wirken, wirft er der Welt und den Besuchern seine ganze Energie entgegen.

bring me the horizon

Endlich ist wieder ein Tonträger der Band aus Sheffield auf dem Markt. Mit „Amo“ (VÖ 1-2019) haben Bring Me The Horizon (BMTH) ein Werk abgeliefert, dass kreativ, verrückt, energievoll und vor allem ungezwungen ist. Erfrischend ist vor allem ihre musikalische Entwicklung mit gewohnt gutem Songwriting. Auch wenn die Fans geteilter Meinung sind. BMTM  fügen sich nicht in ein Schicksal, bei dem sie immer wieder nur die gleichen abgedroschenen Riffs abliefern würden. Beim Auftritt am Samstagabend auf der Hauptbühne zeigt sicher keinerlei Zwiespalt in der Fangemeinde. Vor der Bühne ist es rappelvoll. Auch wenn das wohl kontroverseste Album der Band musikalisch die Setlist dominiert. Alle warten auf Oli Sykes und seine Mannen. Begeisterte Mädels stacheln sich gegenseitig zu neuen Kreisch-Höhen an, während sich die Mitte des Infields direkt in einen großen Moshpit verwandelt, der sich während der gesamten Show fast durchgehend hält. Band und Publikum gehen in der Musik völlig auf, die in perfekter Mischung die gesamte Diskografie von Bring Me the Horizon umfasst. Im Großen und Ganzen gibt es von der Band natürlich den allseits geliebten Metalcore, bei den neueren Songs ist es eben einfach mehr Experimentierfreudigkeit. Live funktionieren BTMH mit all ihren Songs sehr gut und stacheln die Festivalbesucher zu ausgelassener Stimmung an. Für das Rock am Ring-Publikum und uns bleiben BMTH die Kings der aktuellen, alternativen Musiklandschaft.

die ärzte

Sie sind wieder da, Bela, Farin und Rod! Und nicht nur wir haben die drei Herren aus Berlin schmerzlich vermisst. Dass das Punkrock-Trio es noch drauf hat, ist eigentlich keine Frage – dennoch zeigen sie bei ihrem ersten Deutschlandauftritt nach sechs Jahren, sie haben es noch immer drauf! Die zwei neuen Songs „Abschied“ und „Rückkehr“ haben es in sich und versprechen große Vorfreude auf ein baldiges, neues Album. Hoffentlich! Neben den zwei exquisiten Deutschland-Auftritten Rock am Ring und Rock im Park, gibt es lediglich noch je eine Liveshow beim Nova Rock in Österreich und eine beim Open Air St. Gallen in der Schweiz. Ansonsten sind Bela-Farin-Rod gerade erst auf Tour durchs Umland gereist, mit insgesamt 10 Shows.

Die (selbsternannte) beste Band der Welt wird vor der Hauptbühne vom proppenvollen Field empfangen. Die Massen sind hysterisch und sowas von bereit für die meist erwartete Bühnen-Rückkehr der letzten Jahre. Und dann endlich die Erlösung, gealtert aber in Topform präsentieren sie sich. Fast zwei Stunden lang liefern Die Ärzte ihren gewohnt-geliebten Humor, kritisch bis überspitzt und dazu die allseits bekannten, eingängigen Melodien, die sofort bis tief in den willigen Gehörgang kriechen. Das hier IST ein Bäst of der Ärzte! Gespielt werden die fabelhaftesten der bekannten Ärzte-Hymnen (z.B. „1/2 Lovesong“, „Westerland“, „Schunder-Song“, „Deine Schuld“, „Zu spät, „Unrockbar“,) und noch jede Menge feines Beiwerk. Das ist die Medizin, nach denen all die Ärzte-Fan-Herzen verlangen.

Das Konzert wird dank Ton-, Licht- und Gesamterlebnis zum Wunderwerk von guter Laune. Die nie enden wollende Experimentierfreudigkeit der Ärzte während 37 Jahren Bandgeschichte wird mehr als deutlich. Auf die Frage, die sich viele Fans heute vielleicht gestellt haben „Ist das noch Punkrock?“ antworten wir ganz eindeutig mit JA.

slayer

Heute gibt es einen ungewollten Abschied. Nicht vom Festival natürlich, sondern von einer Band, die sich nach 37 Jahren von der Bühne zurückzieht. Damit meinen wir die kalifornischen Urgesteine Slayer! Mit den vier anderen Wegbereitern des Genres, gehören sie zu den „Big Four“ – das sind Metallica, Megadeth und Anthrax. Und nun wollen Tom Araya (Gesang/Bass), Kerry King (Gitarre), Paul Bostaph (Drums) und Gary Holt (Gitarre) verdient mit einem ordentlichen Wumms abtreten. Dafür tun die Metal-Giganten am Samstagabend das, was Sie am Besten können: Sie knallen den nur allzu willigen Besuchern noch ein letztes Mal ihren Todes-Thrash um die Ohren.

Hier gibt es die wohl beste Dröhnung des ganzen Rock am Ring 2019 Samstags. Die Base erschüttert sofort jeden Brustkorb. Gänsehaut vom ersten Ton an. Die Drums sind schnell, die Gitarren-Soli noch schneller, Tom Arraya schreit die „kontroversen“ Slayer-Texte nur so über das Infield und Kerry King bangt so hart, dass man sich wundert, dass sein Glatzkopf nicht abfliegt. Da holt die Vergangenheit viele Besucher ein und sie fühlen sich 25 Jahre in die Vergangenheit versetzt. Liegt natürlich vor allem daran, dass sich Slayer bei ihrem gut gewählten Live-Set auf ihre allseits bekannten Klassiker stützen, die in absoluter Reinkultur gespielt werden.

So war das Summer Breeze 2018: Freitag

Wer sich nach der Nacht von dem Staub befreien wollte, welcher sich im Laufe des Vortages angesammelt hat, wurde an den Duschen positiv überrascht. Auch diese wurde verbessert, standen auf festen Platten auf dem Boden und wurde in ihrer Anzahl verbessert. Das bedeutet weniger Schlange stehen und nach dem Duschen nicht wieder direkt im Schlamm stehen. Cool, oder? Danach hält einen aber nichts mehr ab sich ein Bier zu schnappen und sich auf den Weg zur Bühne zu machen, wo sich bereits die erste Band bereit macht.

annisokay

11 Uhr am morgen und der Bereich vor der Hauptbühne ist schon gepackt voll. Grade erste sind Annisokay aus den USA zurückgekehrt und feiern nun auf dem Summerbreeeze den Release ihrer neuen und vierten Platte „Arms“. Leider spielt die Band nur die bisher veröffentlichten Singles und geben keinen weiteren Einblick auf den Rest des Albums. Das Publikum ist dennoch begeistert und so schwebt eine konstante Staubwolke über dem Publikum, von welcher auch Sänger Dave beim Crowdsurfen eine tiefe Nase nimmt.

Megaherz

Plötzlich wird es wieder leerer vor der Bühne, was aber bestimmt nur an der knallenden Mittagssonne liegt. Auch der Band, welche Kostümiert ist, geht es nicht besser, welche alles mit „Warum hat keiner unserem Designer gesagt, dass es hier so warm wird“ kommentiert. Entsprechend schweißtreibend ist die Feier vor der Bühne, welche dennoch gut in fahrt kommt, auch wenn die Stimmung erst zu „Miststück“ und „Himmelstürmer“ aufkommen will.

Northlane

Northlane fackeln nicht lange Rum. Ohne Intro und mit der neuen Single „Vultures“ startet die Band in ihr Set und lässt dabei kein Staubkorn an seinem Platz. Die Menge feiert zu alten und neuen Songs gleichermaßen und Sänger Marcus beweist erneut, dass er mehr als nur ein guter Ersatz für den 2014 ausgeschiedenen Adrian ist, obwohl die Band seither sehr kontrovers in der Metalcore-Szene angesehen wird. Die Band überzeugt generell mehr durch Spielfreud als durch Ansagen, denn diese fallen fast komplett aus. Aus dem ganzen Staub, der bei der Band aufgewirbelt wird, bildet sich am Ende sogar noch ein kleiner Tornado, das muss man erstmal nachmachen.

Amaranthe

Es wird Zeit für ein Summerbreeze debut. 2011 erblickte ihr erstes Album das Licht der Welt und noch dieses Jahr steht das fünfte in den Startlöchern. Vor kurzem erschien zu diesem die erste Single, doch leider hat diese seinen Platz nicht in die Setlist geschafft. Die anwesende Menge feiert dennoch, auch wenn diese keine Zeit zum Verschnaufen zwischen den Liedern hat. Drei Sänger bedeutet eben viel gesangliche Vielfalt und minimale Pausen. Generell halten sich die Schweden jedoch bedeckt auf der Bühne und ziehen ihr Set ohne große Besonderheiten durch.

Danko Jones

Weiter geht’s mit Rock‘n’Roll von Danko Jones. Der Bereich vor der Bühne hat sich leider etwas geleert, was aber bestimmt nur der Sonne zuzuschreien ist. Alle gebliebenen werden direkt von dem symphatischen Frontmann in den Bann gezogen und feiern zu jedem passenden und unpassenden Zeitpunkt, ganz so wie es Danko will. Auf der Bühne ist nicht viel Bewegung, aber muss das auch unbedingt sein? Danko Jones spielt ein knackiges Set, bei dem keine Klassiker ausgelassen werden aber auch neues Material seinen Platz findet.

Salatio Mortis

Die nächste Release-Show steht an, nur diesmal mit kühlerem Wetter und sogar einem kurzen Regenschauer. Die Fans kümmert dieser aber immer weniger. Immerhin wissen Saltatio Mortis diesem mit viel Feuer entgegenzuwirken und so sind alle schnell wieder trocken. Neben den Klassikern war vor allem das neue Album stark in der Setlist vertreten und wurde kräftig vom Publikum gefeiert. So kommt dieses auch jeder Aufforderung von Alea nach und springt mit ihm wie Wild um die Wette. Am Ende lässt er sich sogar durch die Menge tragen, während er „Rattenfänger“ performed.

Beartooth

„We are Beartooth and we are here to fuck you up“ – oh ja, das sind sie. Dabei spielen sie Songs aus ihren beiden bisherigen Alben und sogar alle 3 Singles ihrer neuen Platte „Desease“, welche nächsten Monat erscheint. Für die ersten Songs ist es auch gut gefüllt vor der Bühne, dann fangen die ersten Tropfen an, die die Fans noch bewusst ignorieren. Dann werden die Tropfen zu Eimern und es wird immer leerer vor der Bühne, wovon sich die Band aber nicht einkriegen lässt und weiter professionell ihr Set durchzieht. Diesen Regen hat die Band zwar nicht verdient, aber immerhin hat sich jetzt alles etwas abgekühlt und die Staublunge der letzten Tage kann sich zumindest für einen Moment wieder erholen.

Doro

Die Queen of Metal ist zurück auf dem Acker! Auch sie hat ein neues Album am Start und feiert zugleich ihr 35-jähriges Bühnenjubiläum. Dennoch fiel ihr Auftritt regelrecht ins Wasser, denn durch den Starkregen musste ihr Auftritt etwas verzögert starten. Auch vor der Bühne war entsprechend wenig los, was sich aber schnell änderte, also sich der Regen verzog. Belohnt wurden die Fans vor der Bühne mit einem gewohnt charismatischen Auftritt mit allen Klassiker, wie „all we are“ und „We are the Metalheads“, aber auch neuen Songs wie „All for Metal“.

At The Gates

Auch für die Melodic Death Legenden At the Gates stand der Auftritt durch das Wetter unter einem schlechten Stern. Zu Anfang war es daher sehr leer vor der Bühne, was sich erst nach ein paar Songs ändern sollte. Die Band lässt sich davon aber nicht beirren und zieht ihr Set durch, wie man es von ihnen kennt. Keine große Besonderheiten, aber genau das was man von ihnen erwartet.

Trivium

Spätestens jetzt sind auch die letzten Tropfen verschwunden, die Klamotten gewechselt und der Weg zurück zu Bühne geschafft. Trivium kommen unter viel Nebel auf die Bühne und starten mit dem Titeltrack des letzten Albums. Anfangs kommt die Stimmung leider noch nicht ganz ins Rollen, obwohl Sänger und Gitarrist Matthew alles versucht dies zu ändern, was ihm später auch gelingt. Sonst ist auf der Bühne recht wenig Bewegung, dies liegt aber daran, das alle zwischen 5 Mikros auf der Bühne rotieren müssen. Vor der Bühne sieht das anders aus: Viele Pits und noch mehr Crowdsurfer stellen die Security auf die Probe. Am Ende wird es zu „In Waves“ nochmal richtig voll und es wird klar, dass viele nur auf diesen Song gewartet haben.

Mr. Hurley & die Pulveraffen

Ein Mr. Hurley und die Pulveraffen Auftritt steht immer ganz im Fokus der Crowdsurfer. So ist es auch diesmal wieder und wir können noch vor Beginn des Auftritts die ersten Beobachten. Als die Pulveraffen dann loslegen wird es dann richtig voll über den Köpfen der Anwesenden. Normale Crowdsurfer, Crowdsurfer auf Crowdsurfern und Crowdsurfer in Schlauchbooten. Alles war vorhanden zu den zum Schunkeln einladenden Klängen der Piratenband aus dem karibischen Osnabrück. Auf der Bühne gibt es allerdings ein relativ neues Gesicht zu sehen, denn seit kurzen steht Pegleg Peggy am Bass und unterstützt die Band nicht mehr nur mit Animationen.

Arch Enemy

Arch Enemy lassen schon beim ersten Song erahnen, was kommen soll. Pyro wohin das Auge auch blickt. Dazu eine energetische Alissa, welche, wie gewohnt, wie wild über die Bühne hüpft. Genau dafür sind die Fans gekommen und natürlich für die Musik. Gespielt wird ein buntes Set durch die Jahre, mit einem Fokus auf das letzte Album „Will to Power“. Dazu im Verlauf des Abends immer mehr Pyro. Angefangen von Feuersäulen und -bällen, über Funkenfontainen und Feuerschalen. Ganz am Ende will es die Band zu „Nemesis“ nochmal richtig Wissen und zündet alles, was noch zur Verfügung steht. Schließlich beenden die Band ihr Set unter einem Funkenregen von der Decke, bevor sie sich in einem recht langen Outro von der Bühne verabschieden.

Sick of it All

Was Bewegung auf der Bühne angeht können sich einige Bands etwas von Sick of it All abschneiden. Die NYC-Hardcore Band spring wie wild über die Bühne als gäbe es kein morgen. Vor der Bühne sieht es anfangs etwas anders aus, was sich nach einer Bemerkung von Sänger Lou und dem ersten Klassiker aber schnell ändert. Danach springen Band und Publikum nur so um die Wette und machten den Abend nochmal zu einer schweißtreibenden Angelegenheit.

Satyricon

Zur späten Stunde gibt es Black-Metal von Satyricon zu lauschen. Die Band, welche eigentlich nur aus 2 festen Mitglieder besteht, kann sich dabei über recht viel Andrang vor der Bühne freuen, welches ganz im Sinne des Black-Metals vorsichtig hin und her wackeln. Die Bühnenshow dazu ist dabei auch stilecht gehalten. Zurückhaltende Lichtshow und keine übertriebene Elemente ziehen sich durch die Show. Zu dem Song „Mother North“ zeigt sich das Publikum jedoch nochmal von seiner anderen Seite und singt lauthals im Chor

Turisas

Ist Viking-Metal etwas aus der Mode gekommen? Turisas haben seit 2013 keine neue Musik mehr veröffentlicht und auch sonst ist es still um die Band. Entsprechend leer ist es auch vor der Bühne, obwohl die Band mit ihrer Musik an diesem Tag einzigartig ist. Es kann aber wieder am Slot liegen, denn irgendwann ist die Luft einfach raus. Turisas spielt ein Set mit ihren größten und bekanntesten Hits, welche für den ein oder anderen inzwischen jedoch etwas ausgelutscht sind. Stimmung können diese daher nur mäßig aufbauen. Es wird einfach Zeit für etwas Neues. Aber ob Fan oder nicht, es eignet sich auf jeden Fall, um nach einem langen Tag noch einmal abzuschalten, um am nächsten Tag wieder voll Fit zu sein.

Info + Tickets Summer Breeze 2019

Summer Breeze 2019 / Summer Breeze Open Air 2019

Trivium in Berlin – Konzerte mit dem Smartphone erleben

Es ist Ende März und die US-amerikanischen Metalcore-Legenden-Anwärter Trivium haben sich auf dem Weg nach Europa gemacht, um auch am Freitagabend in Berlin ein paar Riffs auszuteilen. Im Konzertsaal selber ist es warm und windstill, währenddessen sich draußen im Dunklen die vierte Eiszeit ankündigt.

Sobald man den Konzertsaal betritt, wird man förmlich von dem gigantischen Bühnenbild und der Publikumsmasse erschlagen – der Laden ist ausverkauft. Während die Crew die Bühne herrichtet, haben die Besucher eine halbe Stunde Zeit, um ihre volltrunkenen Kräfte wieder voll aufzuladen, denn die Vorbands „Power Trip“ und „Venom Power“ haben bereits gespielt. Die Uhr schlägt 21:30 und es geht pünktlich los.

Für einem echten Trivium-Fan gehört es sich, in den ersten Reihen zu stehen und das gesamte Konzert mit zu filmen, um später den Auftritt vor der Glotze so richtig genießen zu können, so zumindest der Schein. Jeder hat bestimmt schon das eine oder andere Foto mit Handy auf einem Konzert geschossen und seinen Lieblingssong mitgefilmt. Gerade diese Gelegenheiten sind einzigartig und schön im Nachhinein zu betrachten. Doch wer schaut sich das komplette Material erneut an? Wer will in dieser schlechten Qualität seine Jugendhelden auf YouTube oder ähnlichen Portalen sehen? Sollte man das Konzert nicht einfach vor Ort genießen? Man geht doch auch nicht romantisch mit seiner Freundin in einem Restaurant speisen und packt das Essen in seine Tupperdose, um es am nächsten Tag in der Mittagspause in vollen Zügen zu genießen. Zurück in die Konzerthalle der Huxleys neuen Welt.

Obwohl die Bühne u.a. komplett mit Lichttechnik vollgerümpelt ist, steht dort kaum Equipment. Das Zeitalter der analogen Amps, mit einer satten Röhren-Beschaffenheit und einer guten 4 x 10er Gitarren-Box ist seit einigen Jahren nicht mehr „In“. Schließlich spart der Künstler Zeit beim Ein- und Auspacken. Zudem hört der Musiker auch alles durch ein In-Ear-System viel präziser. Durch diese Art von Kontrolle schwindet der Makel, der den Sound so lebendig gemacht hat und macht Platz für die perfekte und langweilige Studiowiedergabe – als würde man eine CD hören. Das Drumset hingegen ist noch voll da, mit allen nur vorstellbaren akustischen Resonanzkörpern und glänzenden Becken. Sobald aber die Bassdrum aussetzt, klingt der Sound etwas platt – ähnlich wie eine Flunder beim Einatmen.

Die Metal-Fäuste und Gabeln werden bei jeder Gelegenheit in die Luft geschmettert – das Publikum hat Bock. Die digitale Seifentruppe Trivium versucht bei jeder erdenklichen Gelegenheit mitzuteilen, dass vor ihnen das beste Publikum stehe, welches sie je gehabt hätten. Zu jedem Startschuss der Songs wälzt das nicht optimale Licht für die Fotografen wieder im Takt mit. Das gestreute Gegenlicht, ballert dem Publikum förmlich in die Augen. Die Interaktion zwischen Band und Zuschauern ist intim. Der Blickkontakt der beiden ist intensiv und hemmungslos. Beide Parteien schreien sich an und genießen diese gemeinsamen Momente, vollgepackt mit Emotionen. Das Konzert endet mit dem 18. Song „In Waves“.

Trivium Tour 2018 – Thrash Metal-Kings spielen 6 Deutschland-Shows

Als legendär gilt die Urgewalt der US-amerikanischen Thrash-Metal-Ikonen Trivium längst. Die ausgiebigen Konzerte zählen zu den besten des Genres und ihre kommerziellen Erfolge wachsen seit einem Jahrzehnt stetig nach oben. So sind Trivium mit ihrem 2011er-Album „In Waves“ erstmals auch in die deutschen Top 10, in den USA und England in die Top 20 eingestiegen. Das 2013 veröffentlichte Nachfolge-Werk „Vengeance Falls“ hat sich als ebenso erfolgreich erwiesen. 2014 haben Trivium dann die magische Grenze von mehr als einer Million verkauften Tonträgern erreichet.

Trivium aus Orlando/Florida gehören nicht nur zu den fleißigsten Heavy-Metal-Vertretern, sie sind auch eine der progressivsten Kräfte in der Szene. Ihre fulminante Mischung aus brachialen Arrangements, kunstvoller Instrumentierung und komplexem Songwriting hat ihnen zu großer Anerkennung dies- und jenseits des Atlantiks verholfen. Vier Alben in fünf Jahren, parallel weit über 800 Liveshows, ein enormes Arbeitspensum. Gitarrist Heafy ist das letzte verbliebene Gründungsmitglied der einstigen Schülerband Trivium, aus der innerhalb von 20 Jahren eine der versiertesten modernen Metal-Formationen gereift ist. Von großen Melodiebögen bis zu brutalen Thrash-Metal-Momenten, von kompakten Song-Peitschen bis zu ausufernden Epen bieten sie ein breites Spektrum. Ihre Qualität liegt im perfektionierten Zusammenspiel aller Elemente.

Im Oktober letzten Jahres ist mit „The Sin and the Sentence“ das bereits achte Studiowerk von Trivium erschienen, es zeigt die Band wieder härter als zuvor. Für Frühjahr 2018 ist in gleichem Zuge nun eine große Trivium Tour 2018 angekündigt wurden, in deren Rahmen die Matthew Heafy und Co. zwischen dem 11. März und dem 12. April auch sechs Shows in Deutschland geben werden. Die Stationen dabei sind Köln, Oberhausen, Berlin, Leipzig, München und Stuttgart. Als Special Guests bei allen Terminen sind die beiden Genre-Größen Power Trip und Venom Prison mit dabei

Das aktuelle Trivium Album gibt es z. B. bei Amazon:
Audio-CD „The Sin and the Sentence“, Vinyl-LP „The Sin and the Sentence
und MP3-Download „The Sin and the Sentence

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Reload Festival 2017 – So war der Samstag

Das Reload Festival 2017 ist jeden Cent der Eintrittskarte sowie die Fahrt nach Sulingen (halt irgendwo im nirgendwo von Niedersachsen) Wert gewesen. Wenn man bedenkt, dass man sich den Platz vor der Bühne mit nur wenigen Gästen teilen muss – was natürlich Fluch und Segen sein kann – darf man ruhig sagen, dass das Festival im Rahmen der Möglichkeiten am aktuellen Gelände gerne noch ein wenig wachsen könnte. Denn Bands wie Heaven Shall Burn bringen ja eigentlich erst richtig Bock, wenn der Circle-Pit nicht nur groß, sondern riesig ist. Aber auch wenn der „Bards Song“ (Blind Guardian wäre doch mal was für 2018), aus wenigen tausend Kehlen vielleicht leiser erklingen mag, so ist man doch irgendwo näher an seiner Lieblingsband und kommt gar nicht erst in die Situation das Ganze am Ende nur über Videowalls zu sehen.

Die Organisation vom Reload 2017 hat mit seinem Team aus ehrenamtlichen Helfern hervorragend geklappt, obwohl man auch etwas Verbesserungspotential herausstellen kann. An den Bierwagen am Hauptweg zwischen Bühne und Zeltplatz möge man appellieren, die musikalische Geschmacksverirrung aus Weihnachtsliedern wie „Last Christmas“ etwas herunterzufahren. Vielleicht streut man doch lieber ein wenig mehr Slayer oder Motörhead in die Playlist. Das Reload Festival ist mittlerweile über den Status „Geheimtipp“  hinaus und dennoch ist die familiäre Atmosphäre nicht verloren gegangen. Rock- und Metalfans können sich hier ordentlich die Hörner abstoßen.

reload Festival 2018 Tickets + Infos:

Reload Festival 2018 / Reload 2018

of colours

Die Gewinner des diesjährigen Bandwettbewerbs dürfen den Festival-Samstag offiziell eröffnen: Of Colours. Die Female-Fronted Metalcore-Kombination muss sich wohl recht eindeutig durchgesetzt haben, denn das Infield ist für einen Opener schon beachtlich voll. So dauert es auch nicht lange bis die ersten Circle-Pits und Walls of Death entstehen. Aber nicht nur die Besucher haben Spaß, auch der Band sieht man die Freude an dem Auftritt an. Of Colours spielen eine so großartige Show, dass sie bestimmt nich nur mich als neuen Fan begeistert haben

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the charm the fury

Da man eigentliche nie genug Metalcore Bands á la Female-Fronted haben kann, geht es direkt weiter bei The Charm The Fury mit einer Frau am Mikrofon. Die Niederländer fallen optisch sofort auf, im Hintergrund prangt ihr Banner in grellem gelb und lila und davor wirbelt die leichte bekleidete Sängerin Caroline Westendorp herum. Das ist aber leider auch alles was bei diesem Auftritt etwas hervorgestochen ist, denn Das Quintett aus Amsterdam spielt ein recht unauffälliges Set ohne größere Überraschungen. Insgesamt schön anzuhören – aber „Sex Sells“ funktioniert nunmal nicht immer.

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bury tomorrow

Inzwischen versucht die Mittagssonne wieder die Menschen aus dem Infield hin zu schattigeren Plätzchen, an denen es natürlich Bier gibt, zu verdrängen. Trotz der Hitze harren aber etliche Besucher vor der Bühne aus, um Bury Tomorrow zu genießen. Die Briten spielen ein Brett nach dem anderen – es kann also eigentlich niemand mit der Setlist unzufrieden sein. Sonst sind die Jungs aber ebenfalls eher unauffällig. Gute Show, aber einfach nichts besonderes. Das Publikum stört das weniger, denn das ist ordentlich am Abfeiern. Trotz aller Belanglosigkeit ist es schon ein bisschen schade, dass der Auftritt nach nur 40 Minuten vorbei ist.

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massendefekt

Defekt sind hier die Massen. Beziehungsweise die nicht vorhandenen Massen. Ja, Massendefekt gehen direkt in die vollen und reißen auch alle anwesenden Fans mit, aber wie schon bei Bury Tomorrow, fehlt das gewisse Etwas. Wobei es vielleicht ja auch gar nicht am Auftritt liegt, sondern einfach an der allgemeinen Müdigkeit, die die Hitze einfach mit sich bringt. Massendefekt machen in unseren Augen also nichts falsch, müssen aber leider einsehen, dass schweißtreibende Bewegungen gerade nicht von allen Besuchern als erstrebenswert angesehen wird.
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knorkator

Wenn es eine Band gibt die sich selbst ankündigt, bevor sie die Bühne betritt, ist es Knorkator. Wenn der Sänger, Stumpen, dann auch noch in einem Ghillie-Suit auf die Bühne kommt um sich innerhalb der ersten Lieder bis auf ein Minimum auszuziehen, weiß man: Bei dieser Band ist gar nichts normal. Da wundert es auch keinen, wenn kurzerhand alle Fotografen für einen Song auf die Bühne geholt werden, um diese dann mit den Worten “verpisst euch, haut ab!” kurz darauf wieder zu verscheuchen. Natürlich darf auch Tim Tom bei dem Auftritt nicht fehlen, der den Song “Böse” performt. Unterm Strich wieder ein sehr guter Auftritt von Knorkator, den man lieben oder hassen kann. Für Knorkator gibt es eben kein Mittelmaß.

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Elbriot 2017 – Core-Sandwich mit ein bisschen wenig Bass

Im 3. Jahr in Folge besuchte ich erst das Wacken Open Air und dann 2 Wochen später das Elbriot 2017. Im dritten Jahr in Folge könnte ich darüber schreiben, wie sehr ich mich nach Wacken über das Riot freue: Eine einfache Anreise zu Fuß vom Hamburger Hauptbahnhof, ein asphaltierter Boden in dem man nicht versinkt, ein übersichtliches Gelände … Aber dieses Jahr wurden mir – bei aller Liebe – auch die Nachteile des Elbriot bewusst. Wie mein Kollege Ty es ausdrückte: Das Elbriot hat für ein Open-Air-Event etwas „wenig Eier“. Zum ersten Mal erlebte ich, wie der gleiche Headliner auf Wacken und dem Elbriot spielte: Megadeth. Und nachdem ich mit zwei Wochen Abstand dieselbe Band mit einem nahezu identischen Set in zwei Locations hörte, wurde mir ziemlich deutlich, um wie viel besser die Anlage auf dem Wacken Open Air war. Ja, der heilige Acker war größer und die Mainstages brauchten daher mehr Druck, damit man auch am Ende vom Infield hörte, wer der kleine Punkt war der gerade auf der Bühne auf und ab sprang.

Aber es war nicht das Volumen was mich störte, es war der fehlende Bass und vor allem die Tatsache, dass die Anlage mit den tiefen Gitarren-Riffs nicht klar kam. Während die normalen Gitarrensoli und auch das Growling von Architects und der Gesang von Children of Bodom sauber ausgespielt wurden, merkte man bei Hatebreed sofort wie die tiefen, dröhnenden Hardcore-Riffs, die die Anlage überforderten. Schuld daran waren bestimmt irgendwelche Dezibel-Regularien für innerstädtische Veranstaltungen die dafür sorgen, dass man auch auf der Freilichtbühne im Stadtpark wegen Bass-Mangel keine Hip-Hop-Acts mehr genießen konnte. Und bestimmt haben diese Regularien auch Daseinsberechtigungen, weil die zu starken Bässe sonst irgendwelche Schäden an der Kanalisation unter der Eventfläche oder psychischen Stress bei den Ratten in den Kanälen auslösen würden. Aber es war trotzdem schade, denn dadurch blieb ein kleiner Wermutstropfen bei dem sonst so großartig durchorganisierten Festival. Mit trockenen Füßen und einer einfachen Anreise. Und natürlich tollen Acts.

Elbriot 2018 Tickets + Infos:
Elbriot 2018 / Elb-riot 2018

Architects

“All our gods have abandoned us” heist das aktuelle Album der Architects. Überschattet vom Tod von Gründungsmitglied Tom Searle, thematisiert das Album Systemkritik an Umwelt und Politik und verkörpert dabei eine unglaubliche Wut, die selbst Hardcore- und Metalcore-Alben nur selten erreichen. Sänger Samuel David Carter gab auf dem Elbriot 2017 dieser Wut wortwörtlich eine unglaubliche Stimme. Mit harten Growls, die zwischen seinen melodischen Gesängen im Kontrast noch härter und aggressiver wirkten, warf er der Welt und den Besuchern seine ganze Energie entgegen als er mit „Nihilist“ und „Deathwish“ sein Set eröffnete. Dieses Level hielt er durchgehend über sein 45-minütiges Set bis „A match made in heaven“ und „Gone with the wind“, zwei Songs die bei weitem nicht so ruhig und romantisch waren wie der Titel vielleicht vermuten ließ.

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children of bodom

Schweden habe ich in der Vergangenheit immer wieder erwähnt. Schweden bringt gute Metalbands hervor. Und Hardrock, wie ich dieses Jahr in Wacken feststellen durfte. Children of Bodom ist eine finnische Band, die mich meine Theorie überdenken ließ, denn vielleicht war es nicht Schweden an sich, sondern grundsätzlich die kalten nordischen Gefilde mit den langen Sommertagen und den nicht enden wollenden Winternächten, die die Menschen da oben jedes Jahr auf‘s Neue heimsuchen und in ihnen Lieder und Geschichten weckt – die mit einer lauten, verzerrten Gitarre zusammen gesungen werden sollten.

Mit großen Sensenmann als Hintergrundbanner und ihrem jüngsten Album „I worship Chaos“ im Gepäck präsentierten die Finnen eine Mischung aus kurzen melodischen Parts zwischen Sequenzen, die sich keiner Tonleiter zu unterwerfen scheinen. Dabei jaulte zwischen den Gitarren auch das Keyboard von „Warman“ Janne Wirman auf, als wäre es eine weitere Lead-Gitarre und duellierte sich sogar kurz mit Gitarrist Daniel Freyborg. Dazu sang Frontmann Alexi „Wildchild“ Laiho Texte über Tod und Leid und einzig Bassist Henkka „T. Blacksmith“ Seppälä stand wie ein Fels in der Brandung auf der Bühne und gab zusammen mit der Doublebass-Drum den Takt vor, der die Besucher mitriss zum Crowdsurfen, Moshen und Headbangen.

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hatebreed

Hatebreed ist die eine Hardcore-Band, die ich auf der EMP Persistance-Tour im Januar vermisst habe. Neben Suicidal Tendencies und Agnostic Front sind Hatebreed einer der großen Wegbereiter für Hardcore und Metal Core. Umso mehr freue ich mich, als Frontmann Jamy Jasta mit seinem neuen Album „The Concrete Confessional“ im Gepäck, das Mikro in der rechten Hand und seine linke Hand zur Pistole geformt auf die Bühne stürmt und mit „A.D.“ und „Looking down the barrel today“ sein Set eröffnet.

Jamy und Hatebreed haben vielleicht nicht so viel Wut im Bauch wie die Architects, aber man merkt ihnen an, dass sie 10 Jahre mehr Bühnenerfahrung auf noch viel größeren Bühnen als dem Riot haben. Während die Architects ihre Wut geradeheraus rausschrien und dafür vom Publikum mit Anerkennung und Empathie belohnt wurden, fraß die Menge Hatebreed vom ersten knallenden Gitarrenriff bis zum letzten „Thank you so much“ aus der Hand. Heavy Metal, Hardcore, Metal-Core – alles ist „Heavy Music“ fasste Jamy treffend die Stimmung auf dem diesjährigen Elbriot zusammen. Und ließ seine Band kurz „Raining Blood“ von Slayer anspielen als sich ein kurzer Regenschauer auf das Riot ergoss.

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Trivium

“Verrücktester Asiate des Heavy Metal?” Bis vor kurzem hätte ich sofort „Herman Li von Dragonforce“ geantwortet. Und auch nach dem Riot würde ich wahrscheinlich immer noch „Herman Li“ sagen wenn man mir die Frage stellen würde, aber Mathew Heafy, Lead-Gitarrist und Sänger von Trivium, wäre eindeutig mit im Rennen. Der durchtrainierte Asiate mit den tätowierten Armen und dem Kurzhaarschnitt  war im zarten Alter von 14 Jahren bereits Gründungsmitglied von Trivium, wurde mit 15 zum Sänger ernannt und gewann mit 20 den Golden God Award von Metalhammer. Mit 2011 durfte Trivium als Vorband von Iron Maiden auftreten, 2013 produzierte Disturbed-Sänger David Draiman ihr Album „Vengance Fall“ und zeigte der Band – die damals schon auf eine mehr hohen Niveau spielte – wie sie ihren Stil noch ein bisschen besser an ihre Fähigkeiten anpassen konnten.

Auf dem Papier könnte man vermuten dass in Florida gerade ein würdiger Nachfolger von Metallica heranwächst. Und auf dem Riot konnte ich mich endlich davon überzeugen, dass der Hype um diese band mehr als Gerechtfertigt war. Neben Hatebreed war Trivium mein persönliches Highlight auf dem Elbriot 2017 (Megadeth hatte ich ja schon in Wacken gesehen).

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bullet for my valentine

Es gibt Bands, bei denen man denkt dass es sie in Mehrfach-Besetzung geben muss, weil sie gefühlt jedes Jahr auf‘s neue auf jedem einzelnen Festival Antrifft. Letztes Jahr Greenfield, Rock im Park und Wacken, dieses Jahr Elbriot, dazwischen unzählige Auftritte auf der ganzen Welt. Wenn man die Waliser mal live erlebt (und wie gerade erwähnt gibt es dafür mehr als genug Gelegenheiten), versteht man wie die Nachfrage entsteht, die so viele Konzerte rechtfertigt. Ja, es gibt sie, die harten, tiefen Riffs und Doublebass aus dem Metal-Core. Aber die klaren Gesänge von Matthew Tuck, die melodischen Gitarren-Rythmen die eher dem Hardrock zuzuordnen sind, und die doch recht gestylte Inszinierung von Frontmann Matthew und Bassist Jamie Mathews sind ziemlich weit weg von dem harten Metalcore eines Hatebreed oder Architects. Und ziehen ein breiteres, eher jüngeres Publikum mit einer höheren Frauenanteil an.

Dabei liefert BMFV eine tolle Show ab. Doch – ohne respektlos gegenüber der BFMV klingen zu wollen – als Warmup vor Megadeth hätte ich mir als Sub-Headliner doch eine etwas härtere Band gewünscht. Wie Hatebreed. Oder Trivium.

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Megadeth

Was soll ich hier noch über Megadeth schreiben, was ich nicht schon vor zwei Wochen in Wacken geschrieben habe? Dass Dave Mustaine es immer noch drauf hatte hatte ich bereits geschrieben, ebenso dass Megadeth sich nicht wirklich verändert hatte und immernoch eine gelungene Mischung aus Komplexen Riffs und harmonierenden Gitarren in Kombination mit den markant systemkritischen Texten. Wenn man eine Band mit zwei Wochen Abstand noch mal auf einem Festival sieht, bemerkt man die kleinen Unterschiede. Natürlich auch in der Setlist, immerhin hatte Megadeth in Wacken mehr Zeit als auf dem Riot, so dass das Intro kürzer war, und nach dem Eröffnungssong „Hangar 18“ direkt „The threat is real“ folgte. Oder dass am Ende nach „Symphony of Destricuton“ „Mechanix“ weggelassen wurde und sofort „Peace sells“ und „Holy wars“ kam – ohne dass man die Zeit hatte nach einer Zugabe zu schreien.

Die wichtigen Unterschiede merkt man jedoch während der Songs. Wo stehen die Musiker, was machen sie, wie bewegen sie sich aufeinander zu oder voneinander Weg. Und was für Ansagen kommen zwischen den Songs. Was beim ersten Mal noch natürlich wirkte, kann beim zweiten Mal doch inszeniert erscheinen, weil man da erst merkt dass sich alles genau so abspielt wie beim ersten Mal. Dies kann in der Form natürlich beabsichtigt sein, und ist bei Bühnenshows die eine Story erzählen ein muss. Bestes Beispiel dafür ist die Show eines Alice Cooper, die schon fast einer Live-Theater-Aufführung gleicht.

Bei Megadeth gab es beide Male keine großen Ansagen, dafür nahm sich Dave weder in Wacken noch auf dem Riot die Zeit. Viel lieber spielte er mit seiner Band die Songs runter die Megadeth groß gemacht hatten. Keiner von ihnen folgte dabei vorgegebenen Routen oder Griff auf einstudierte Gesten zurück. Dadurch entwickelte das (für mich) zweite Megadeth Konzert eine etwas andere Dynamik auf der Bühne, obwohl Musikalisch alles wie beim ersten Mal war. Schön zu sehen, dass der Spaß und die Energie die die Metal-Legende nach all den Jahren immer noch auf der Bühne abliefern echt ist, und nicht durchchoreografiert wie bei manch anderen.

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Wacken Open Air 2017 – Symphony of Destruction

Dieses Jahr gab es beim Wacken Open Air 2017 drei Kategorien von Schlamm-Usern. Die Unterteilung spiegelt ausschließlich meine persönliche Meinung wieder. Sie ist keinesfalls „offiziell“, wurde nicht mit den Veranstaltern von Wacken oder meiner Chefredakteurin abgesprochen und hat keinen Anspruch auf Vollständigkeit:

1. Die „All In“-User – Schlammbedeckte Körperfläche: 80 – 100 %
Der Klassiker, die eine sehr innige Beziehung zum Schlamm hatten. Umarmen, kuscheln, darin wälzen, gegenseitig reinschubsen, rausziehen und wieder reinschubsen gehörten zu den gängigen Ritualen dieser Gruppe, die erst zufrieden waren wenn sie wirklich komplett vom heiligen Acker bedeckt waren.

2. Die „Och nö … Ach Egal“ User – Schlammbedeckte Körperfläche: 40 – 60 %
Ebenfalls mit einer langen Tradition auf Wacken, kamen diese User meist unfreiwillig mit dem heiligen Acker in Kontakt. Möglichkeiten dazu gab es viele: Einfach mal ausgerutscht, beim Weitergehen den Stiefel nicht aus dem Boden gezogen bekommen und deshalb hingefallen, Kollateralschaden der Bematschungs-Rituale der All-In-User, oder (mein persönlicher Favorit) mit einem der riesen Wasserbälle die in einer Schlammpfütze rumlagen angeschossen worden. Doch auch diese User neigten dazu, ihren Schlamm mit Stolz und Freude zu tragen – zumindest bis man die Möglichkeit ergab, den Schlamm abzuwaschen. Übrigens: Ein echter „Och Nö … Ach Egal“ ist man eigentlich erst, wenn man mindestens einmal im Leben „All in“ gegangen ist.

3. Die „Schlamm-Hipster“ – Schlammbedeckte Körperfläche: 0,5 – 2,8 %
Wahrscheinlich waren Leute wie ich mit Schuld an diesem Trend. So wie man Tomatensaft im Flugzeug, Club Mate im Büro und handgecraftetes International Pale Ale nach Feierabend trinken muss (statt ganz vulgär Bier, Bier, und Bier zu trinken … ja, auch im Büro), haben die Medien auch immer wieder propagiert dass es cool ist, in Wacken-Schlamm in der Fresse zu haben. Was dazu führte, dass sich immer mehr Wacken-Besucher einfach mit den Fingern ein paar Streifen ausgewählten Matsch (bloß nicht zu viel) ins Gesicht malten. Bevorzugt einen senkrechten Streifen in die Mitte der Stirn, oder je zwei oder drei schräge Streifen auf die linke oder rechte Wange. Kaum einer traute sich einen auf American Football zu machen und sich die Streifen unter die Augen zu malen (könnte ja ins Auge gehen). Und die meisten mussten danach erst einmal Selfies machen und wahrscheinlich nach gründlicher Instagram-Filter-auswahl mit dem Hashtags #Wackenopenair2017 #Ichvollimschlammdigga posten. Liebe Schlamm-Hipster, willkommen in Wacken, ich wünsche euch vom ganzen Herzen- dass ihr euch nächstes Jahr auch mal traut, „All in“ zu gehen. Es ist toll.

Wacken Open Air 2018 Tickets + Infos:Wacken Open Air / 2018 Wacken 2018 / WOA 2018

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Lacuna coil

“Delirum” heißt das aktuelle Album der italienischen – hm – Goth Metal Band? Alternative Metal Band? Alternative Metal Band mit tiefschwarzen Themen. So würde ich das bezeichnen was Lacuna Coil am zweiten Tag des Wacken Open Air auf einem der Main-Stages präsentierte. weiße Outfits die an Zwangsjacken und der Arbeitskleidung in geschlossene Anstalten erinnern, besudelt mit Kunstblut das auch ins Gesicht geschmiert wurde, weiße Gesichtsbemalung mit tiefschwarzen Augenhöhlen und Gesten die fauchen, kratzen, die Stimmen im Kopf zum schweigen bringen … dazu die tiefen Gesänge und Growls von Sänger Andrea Ferro und die für eine Frau auch eher tiefe Stimme von Christina Scabbia. Andere Bands setzen eher auf eine hellere, höhere weibliche Stimme in Kombination mit einem männlichen Growl, aber die Tief-Tief-Kombination von Lacuna Coil, zusammen mit den eingängigen Metal-Gitarren die teilweise melodisch gespielt werden aber niemals kreischen oder jaulen, wurde eine finstere und trotzdem energiegeladene Stimmung erzeugt. Natürlich durfte auch ”Enjoy the Silence” nicht Fehlen, das bekannte Depeche Mode-Cover, dass von den Italienern düster und noch viel agressiver performt wurde als das Original.

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SANCTUARY

7 Jahre nach der Gründung 1985 löste Sanctuary sich wieder auf. Beim diesjährigen Wacken, 7 Jahre nach der Neugründung in 2010, gab es keine Spur von Auflösungserscheinungen. Frontman Warrel Dane kam wieder mit verspiegelter Sonnenbrille und seinem abgehalfterten Cowboyhut auf die Bühne und verbreitete mit seiner tiefen Stimme und den langen, kraftvollen Lieder vom letzten Album “The Year the Sun died” Endzeit-Stimmung. Dabei schaffen Sanctuary den Spagat aus virtuosen Solos und eingängigen Riffs und Refrains die im Kopf bleiben. Und nachdem das Publikum das ganze Set von Sanctuary gefeiert hatte, erschien ein fast schon freundliches Grinsen auf Warrels Gesicht.

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saltatio mortis

E-Gitarren, E-Bass und Schlagzeug konnte man bei jeder Band auf dem Wacken Open Air 2017 erwarten. Aber Dudelsack – sorry – Marktsackpfeife, Drehleier, Mandolia … allein an der Instrumentenauswahl sah man sofort, dass Saltatio Mortis (Latein für “Totentanz”) eine Mittelalter-Band ist, die neben Wacken auch auf Festivals wie M’era Luna oder WGT auftreten. Doch die Deutsche Band hat bereits die Who is who der Festivals hinter sich: Deichbrand, Summerbreeze, Metal Hammer Paradise und das Schweizer Greenfield stehen auf der “Been there, done that” Liste von Saltatio Mortis, ebenso wie zwei Alben die #1 in den Deutschen Charts erreicht haben.

Mit guter Laune, zahlreichen Instrumenten und akrobatischen Tanzeinlagen begeisterten Saltatio Mortis die Zuschauer. Doch wer genau zuhörte erkannte hinter den mittelalterlich anmutenden Gesangstexten die Botschaften einer Punk-Rock-Band: Gesellschaftskritik an Nationalismus, Krieg, Ausbeutung und einer Weg-Guck-Kultur. Und sie wirkt, die Punk-Rock Kritik mit Mittelalterlichem Anstrich. Sie bleibt ihm Ohr, lässt die Leute Tanzen und mitsingen, und später die Melodien vor sich hin summen und im Kopf die Texte durchgehen. Und unabhängig davon ob man mit der Meinung die darin vertreten sind übereinstimmt oder nicht: Man hat zumindest für einen Moment drüber nachgedacht und nicht die Augen verschlossen.

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Den 360°-Grad-Livestream von Saltatio Mortis bei Wacken 2017 siehst du hier: magenta-musik-360.de

Trivium mit Shvpes und SikTh in Köln

Im Rahmen ihrer „Silence In The Snow“ Tournee kehren Trivium auch in Köln ein. Ihr letzter Deutschlandtermin führt die Musiker aus Orlando in die Domstadt und die Fans danken es ihnen mit einem ausverkauften Konzertabend. Die Sonne lacht in bester Frühlingslaune und doch zieht es die Zuschauer schon früh in die Halle. SHVPES und SikTh haben sich als Supports angekündigt und das soll den Abend zu einem gelungenen Gesamtpaket machen.

SHVPES

Bereits um halb sieben – in der Live Music Hall müssen die Konzerte am Wochenende wegen der Partys bereits um 22 Uhr beendet sein – entern SHVPES die gnadenlos mit Instrumenten überladene Bühne. Ohne groß zu fackeln steigen Griffin Dickinson (Gesang), Ryan Hamilton (Gitarre), Youssef Ashraf (Gitarre) und Harry Jennings (Schlagzeug) in ihr Set ein und reißen die locker gefüllte Halle mit. Die Newcomer aus Birmingham sind derzeit einer der heißgehandeltsten Acts der Szene in ihrer Heimat. Wer sie einmal live erlebt hat weiß: Zurecht! Die Energie, die Griffin und seine Kollegen da auf die Bühne werfen ist packend. Ihre Songs sind abwechslungsreich und Griffin selbst überrascht vor allem mit der Vielseitigkeit seiner Stimme. Ganz egal ob er rappt, shoutet oder klar singt – es passt einfach immer. So ist es kein Wunder, dass sich die Halle mühelos in einen großen Mosh Pit verwandeln lässt und die Zuschauer zunehmend herein strömen statt das schöne Wetter im Innenhof zu genießen. Dass Griffin kurzerhand die Technik ablegt und den letzten Song mitten im Pit fortführt, ist lediglich das i-Tüpfelchen der Spielfreude dieser Formation. Wer die Jungs noch nicht kennt, sollte das schnell ändern!

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SIKTH

Zwiegespaltener ist die Begeisterung dagegen über den Auftritt von SikTh. Die Jungs aus Watford übernehmen ein bestens gelauntes Publikum, verschwinden dann aber in einfarbig dunklem Licht und – viel schlimmer – einem undefinierbaren Soundbrei. So wird musikalisch immer wieder undefinierbares Geschrammel geboten, bei dem sich so mancher fragt, ob das so klingen soll. Schade.

[slide-gallery title=“Bildergalerie: SikTh“ ids=“24908,24909,24910,24911,24916,24912,24913,24914,24915,24917″]

TRIVIUM

Aber ist ist ja noch nicht aller Tage Abend, denn das Highlight für das die Fans so zahlreich in die Live Music Hall geströmt sind, fehlt schließlich noch. Als Trivium die Bühne entern ist die Stimmung schlagartig wieder da, wo SHVPES aufgehört haben – Tendenz nach oben steigend. Matt Heafy (Gesang, Gitarre), Corey Beaulieu (Gitarre), Paolo Gregoletto (Bass) und Alex Bent (Schlagzeug) lassen sich auch nicht lumpen und gehen von der ersten Sekunde in die Vollen. Da wird gepost, mit den Fans geschäkert, fleißig die Haarpracht geschüttelt und vor allem mit schnellen Fingern das Saiteninstrument gekitzelt. Die Fans danken es ihnen mit Mosh Pits, Crowdsurfern und vor allem jeder Menge Begeisterung. Dass sie dabei nicht an das grandiose Publikum in Paris heran kämen, lassen die Kölner selbstverständlich nicht auf sich sitzen und legen Stimmungstechnisch immer wieder einen drauf.

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So machen Trivium den Abend schlichtweg perfekt. Die Jungs auf der Bühne geben einfach alles und so spielen sich Fans und Musiker die Bälle zu. Der Sound ist nach anfänglichen Schwierigkeiten auch spätestens ab der Mitte des Sets perfekt und die Fanchöre unterstützen das Gesamtbild. Leider muss Punkt 22 Uhr auch schon alles vorbei sein, doch unglücklich verlässt hier niemand die Halle. So machen Konzerte Spaß! Jetzt fehlt dem Fan-Herz eigentlich nur noch ein neues Album. Danke Trivium!

[slide-gallery title=“Bildergalerie 2: Trivium“ ids=“24920,24919,24921,24922,24927,24923,24924,24926,24925,24928″]

Trivium + SikTh + Shvpes im Capitol Hannover

Ein verregneter Montagabend ist grundsätzlich kein wirklich guter Termin für ein Konzert. Vom Wochenende sind Kopf und Leber voll, analog dazu ist der Geldbeutel leer. Folgerichtig bleibt dann heute das „Ausverkauft“ Schild auch im Schrank. Da es für Trivium derzeit aber alles andere als schlecht läuft, ist das Capitol nicht über- aber durchaus angenehm gefüllt.

Shvpes

Erst aber die Arbeit, dann das Vergnügen. Die Arbeit besteht heute aus zwei Vorbands. Als erstes dürfen sich die Briten Shvpes ans Werk machen. Und das tun sie in der Tat ausgesprochen motiviert und engagiert. Vor einem gepflegt groovenden Drummer springen vier durchaus fähige Musiker wie Flummis durch die Gegend und verbreiten gute Laune und gefälligen NewMetalGrooveIrgendwas Core. Das steckt an und so sind vereinzelte Tanzbeine und Circle Pits im Publikum auszumachen. Schade: die vordergründig auf den Punkt gesungenen Backing Vocals kommen vom Band, bzw. aus dem Rechner. Und was Shvpes von den Millionen ähnlich klingenden Bands unterscheiden soll, werden sich auch viele zurecht gefragt haben.

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SIKTH

Musikalisch wesentlich anspruchsvolleres bieten im Anschluss SikTh – ebenfalls aus Großbritannien – mit ihrem schwer verdaulichen Progressiven Math/Djent Core. Mit zwei Sängern und ohne zweiten Gitarristen stellt der Fünfer außerordentliche, spielerische Fähigkeiten zur Schau. Nur leider ist diese Art von Musik zum einen extrem schwer verdaulich, insbesondere in einer Live-Situation, zum anderen mag diese Band an diesem Abend zu diesem Publikum nicht so richtig passen. So sieht man allerorts zwar offene Münder, ob der unbestrittenen Fingerfertigkeit der Instrumentalisten, der Funke springt allerdings nicht über. Wer immer diese Band auf diese Tour gepackt hat, wird ihr damit wohl keinen Gefallen getan haben.

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TRIVIUM

Trivium / Capitol Hannover 2017