Sweety Glitter & The Sweethearts in Braunschweig: Glamrock zieht um – und glitzert trotzdem
Wenn Sweety Glitter & The Sweethearts rufen, kommt Braunschweig auch 2026 wieder in bester Feierlaune. Am Freitag, den 7. August, steht die Kultband im Rahmen der Applaus-Konzerte auf der Bühne – diesmal allerdings unter besonderen Vorzeichen. Die gewohnte Grünfläche der Wolters Brauerei steht wegen der Insolvenz von Wolters nicht wie geplant zur Verfügung, weshalb die Konzertreihe in diesem Sommer ins Schön & Frölich verlegt wurde. Für die Fans heißt das: anderer Ort, gleiche Mission – Glitzer an, Alltag aus.
Dass diese Verlegung den Abend nicht kleiner macht, merkt man schon vor dem ersten Akkord. Wo sonst der Wolters Applaus Garten mit Brauerei-Flair lockt, entsteht nun rund um das Schön & Frölich ein neuer Treffpunkt für alle, die Rockmusik am liebsten mit Plateauschuh, Federboa und einem Grinsen im Gesicht erleben. Die Umstände sind ungewöhnlich, aber sie passen fast schon zur Geschichte dieser Band: Sweety Glitter & The Sweethearts haben in fast vier Jahrzehnten schließlich oft genug bewiesen, dass Glamrock nicht vom perfekten Rahmen lebt, sondern von Haltung, Spielfreude und einer gewissen Bereitschaft, auch im größten Durcheinander noch spektakulär auszusehen.
Musikalisch bleibt das Quintett seiner Linie treu. Seit 1987 touren Sweety Glitter & The Sweethearts quer durch Europa und haben sich längst den Ruf erspielt, nicht einfach Coverband, sondern liebevoll überdrehte Zeitmaschine zu sein. Ihre Shows feiern die goldene Epoche von Love, Peace and Rock’n’Roll – mit Rockklassikern, 70er-Jahre-Flair, schillernder Selbstironie und jeder Menge handgemachter Energie. Das Schön & Frölich bekommt damit keine nostalgische Motto-Party, sondern eine Band, die diesen Sound seit Jahrzehnten mit erstaunlicher Kondition und sichtbar viel Spaß am Leben hält.
Zum Markenzeichen gehören Songs und Referenzen aus jener Zeit, in der Rock noch glitzerte, Gitarren röhrten und Bühnenoutfits ganz selbstverständlich gegen Brandschutzbestimmungen verstoßen hätten können. ELO, Black Sabbath, Sailor, Suzi Quatro, Slade, Sweet, Uriah Heep und viele andere Größen dieser Ära bilden den Kosmos, aus dem Sweety Glitter & The Sweethearts ihre Setlists speisen. Das funktioniert, weil die Band diese Klassiker nicht steril nachspielt, sondern mit Liebe zum Detail, Humor und einem sehr sicheren Gespür für Dramaturgie auf die Bühne bringt. Hier wird nicht einfach gecovert – hier wird eine Ära mit Perücke, Riff und Augenzwinkern wiederbelebt.
Auch optisch bleibt die Band ein Ereignis. Hautenge Schlaghosen, Plateauschuhe, bunte Perücken, Pailletten und Glamrock-Gesten gehören bei Sweety Glitter & The Sweethearts nicht zur Verkleidungskiste, sondern zur Grundausstattung. Das wirkt nie wie Karneval mit Gitarren, weil darunter echte musikalische Routine steckt. Die Musiker wissen, wie man ein Publikum mitnimmt, wann ein Refrain groß werden muss und wann ein Gitarrenmoment genau die richtige Menge Drama verträgt. Gerade diese Mischung aus Können und kalkulierter Übertreibung macht den Reiz aus.
Besonders sehenswert ist der Abend auch deshalb, weil Sweety Glitter & The Sweethearts in Braunschweig längst mehr sind als ein beliebter Liveact. Darüber hinaus haben sie vor eben fast 40 Jahren genau in dieser Location, damals dem Jolly Joker, ihr Debütkonzert gespielt. Sie sind ein Stück lokaler Popkultur, eine Band, die ganze Generationen durch Stadtfeste, Clubabende, Open-Air-Sommer und Applaus-Konzerte begleitet hat. Wenn sie auftreten, geht es nicht nur um Songs, sondern um ein gemeinsames Ritual: Man kommt für die Klassiker, bleibt wegen der Spielfreude und geht am Ende mit dem Gefühl nach Hause, dass Glitzer manchmal tatsächlich eine Haltung sein kann.
Setlist – Sweety Glitter & The Sweethearts in Braunschweig
1. Imagine — John Lennon
2. Join Together — The Who
3. I Want You to Want Me — Cheap Trick
4. 2-4-6-8 Motorway — Tom Robinson Band
5. Fox on the Run — Sweet
6. My Coo Ca Choo — Alvin Stardust
7. Don’t Bring Me Down — Electric Light Orchestra (ELO)
8. Get It On — T. Rex
9. Sugar, Sugar — The Archies
10. Girls, Girls, Girls — Sailor
11. Jenny, Jenny — Little Richard
12. Far Far Away — Slade
13. Cum On Feel the Noize — Slade
14. Ça plane pour moi — Plastic Bertrand
15. My Summerlady — Tony Christie
16. In the Summertime— Mungo Jerry
17. Lady Rose — Mungo Jerry
18. Emma — Hot Chocolate
19. Down Down — Status Quo
20. Black Betty — Ram Jam
21. Can the Can — Suzi Quatro
22. Paranoid — Black Sabbath
23. Drumsolo — kein Coversong
24. You Sexy Thing — Hot Chocolate
25. Every 1’s a Winner — Hot Chocolate
26. I Love Rock ’n’ Roll — Joan Jett & The Blackhearts *(Originalaufnahme: The Arrows)
27. I Was Made for Lovin’ You — Kiss
28. The Ballroom Blitz — Sweet
29. Rockin’ All Over the World — Status Quo *(Original: John Fogerty)
30. „Helden“ / “Heroes” — David Bowie
31. Easy Livin’* — Uriah Heep
32. Born to Be Wild — Steppenwolf
33. American Pie— Don McLean
34. Lady in Black— Uriah Heep