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Inhalt

Plage Noire 2025: Düsterer Glanz und schwarze Magie am Meer

Der erste Tag des Plague Noire 2025 begann unter schweren Wolken und Regen an der Ostsee. Die kühle, regnerische Luft mischte sich mit den tiefen Bässen der Soundchecks und dem geschäftigen Treiben der Besucher. Bereits im Foyer setzten kleine Modeshows am Freitag, den 14. November dezente Akzente, während draußen das Festivalgelände langsam erwachte und der Duft von Räucherwerk über den Gothic-Markt hinwegzog.

Letzte Instanz

Viele Gäste waren bei dem Wetter noch mit der Anreise beschäftigt oder vergnügten sich noch auf den Rutschen des Schwimmbades und so begann auch unser Tag erstmal mit der Letzte Instanz. Aufgrund der bevorstehenden Auflösung der Band ist dies auch eine der letzten Gelegenheiten die Band zu geniessen. Die Letzte Instanz eröffneten den Abend mit einer warmen Mischung aus Rock und Folk Elementen. Besonders stimmungsvoll wirkten „Von Mensch zu Mensch“ und das kraftvolle „Wir sind allein“, die sofort Resonanz im Publikum fanden. Die klaren Arrangements bereiteten einen ruhigen, aber eindrucksvollen Einstieg, der den Abend sanft in Gang setzte.

Das Ich

Mit Das Ich erhielt die Dramaturgie eine scharfkantige Wendung. Die Band präsentierte ihre charakteristische Mischung aus Avantgarde und Industrial, begleitet von expressiver Gestik und intensiven Visuals. Stücke wie „Gottes Tod“ und „Destillat“ sorgten für markante Höhepunkte und setzten starke Akzente im Set. Die Atmosphäre wurde dichter, dunkler und bewusst herausfordernd.

Deine Lakaien

Bei Deine Lakaien kehrte im Zelt Ruhe ein, jedoch ohne an Intensität zu verlieren. Ernst Horns elektronische Texturen und die charakteristische Stimme von Alexander Veljanov entfalteten eine fast schwebende Atmosphäre. Besonders emotional wirkten „Dark Star“ und „Where You Are“, zwei Stücke, die seit Jahren zu den stillen Favoriten der Fanbasis gehören. Der Auftritt bot einen klaren Ruhepol im Festivalverlauf.

[:SITD:]

[:SITD:] steigerten die Energie wieder spürbar. Mit druckvollen Beats und klarer EBM-Struktur brachte die Band das Gelände in Bewegung. Besonders „Snuff Machinery“ und „Laughingstock“ heizten der Menge ein und ließen den Platz vor der Bühne innerhalb kürzester Zeit zur vibrierenden Tanzfläche werden. Klare elektronische Präzision prägte diesen Abschnitt des Abends.

VNV Nation

Als VNV Nation am Freitagabend die Bühne betraten, entstand sofort jene besondere Mischung aus Erwartungsspannung und Verbundenheit, die ihre Shows seit vielen Jahren prägt. Die ersten pulsierenden Synthflächen eröffneten das Set mit einer ruhigen, aber klaren Spannungslinie, die sich Stück für Stück steigerte. Das Publikum reagierte aufmerksam, beinahe fokussiert, als würde es gemeinsam in diesen Abend hineinatmen. Mit der fortschreitenden Setlist nahm die Energie spürbar zu, und „Nova“ wurde zu einem der ersten großen gemeinsamen Momente des Abends. Die hymnischen Melodien und die aufwärtsstrebende Dynamik entfalteten ihre volle Wirkung und erzeugten ein Gefühl von Aufbruch, das sich über das gesamte Feld legte. Ein emotionaler Ruhepol entstand wenig später mit „Illusion“. Der Song wirkte wie ein stiller Kern des Konzerts – getragen von der klaren Stimme Ronan Harris’ und der fein abgestimmten Elektronik. Viele Besucher lauschten regungslos, andere schlossen die Augen, als wollten sie jeden Ton festhalten.

Erst im späteren Verlauf des Abends folgte „Control“, und hier entfaltete sich die volle Wucht der VNV-Nation-Energie. Der druckvolle Beat, die markanten Shouts und die direkte Interaktion mit dem Publikum sorgten für einen spürbaren Ruck durch die Menge. Es war jener Moment, in dem die Show endgültig vom emotionalen Erlebnis in ein kraftvolles Finale überging. Zwischen den Songs richtete Harris immer wieder persönliche Worte an das Publikum – über Gemeinschaft, Durchhaltewillen und die Bedeutung solcher Abende für die Szene. Diese kurzen Botschaften wirkten authentisch und gaben dem Set zusätzliche Wärme.

Nach dem Konzert drängten sich die Besucher in die Indoor-Location, wo die After-Show-Party begann. Zu EBM, Darkwave und Szene-Klassikern blieb die Tanzfläche durchgehend belebt. Die Kombination aus Wärme, Musik und ausgelassener Stimmung löste die Kälte des Abends schnell ab und trug die Energie des Tages bis spät in die Nacht hinein, auch wenn das spontane “Licht An –> rauskärchern” am Ende für die Nachtschatttengewächse recht überraschend kam.

Samstag

Der Samstag des Plague Noire 2025 begann trocken, aber mit einer schneidenden Kälte, die die Ostseeküste fest im Griff hatte. Viele Besucher suchten daher zunächst Wärme – sei es im benachbarten Schwimmbad, dessen Dampf aus der Ferne fast surreal wirkte, oder bei einem Spaziergang am Strand, wo sich ein unerwartet friedliches Bild bot: schwarz gekleidete Festivalgäste neben Familien, die gemeinsam die graue See betrachteten. Trotz dieses ruhigen Morgens blieb das Festivalzelt über den Tag hinweg auffällig locker gefüllt, was den Konzerten eine besondere, fast intime Note verlieh.

Eden Weint im Grab

Eden Weint im Grab eröffneten den Samstag mit dunkelromantischer Dramatik. Songs wie „Geysterstunde II“ und „Die Jenseitsflugmaschine“ wirkten im halbleeren Zelt fast wie Theaterszenen in einer verlorenen Kathedrale. Die Band spielte konzentriert und detailreich, was die wenigen Anwesenden mit spürbarem Respekt honorierten. Gerade die erzählerischen Passagen gewannen durch die ruhige Umgebung an Kraft und Intensität.

Lacrimas Profundere

Mit Lacrimas Profundere wurde der Klang voller und rockiger. Stücke wie „Ave End“ und „My Release in Pain“ erzeugten eine dichte, melancholische Stimmung, die sich schnell im Zelt ausbreitete. Die Band zeigte sich in starker Form, nutzte die größere Bühne souverän und brachte mit jeder Zeile mehr Dynamik ins Publikum. Auch wenn die Zuschauermenge überschaubar blieb, wirkte der Auftritt professionell, warm und getragen von echter Bühnenpräsenz.

BeAsto Blanco

Beasto Blanco brachten mit ihrem theatralischen Hardrock frische Bewegung ins Programm. Mit „Feed My Frankenstein“ und „Devil’s Child“ sorgten sie für sichtbare Reaktionen, begleitet von intensiver Bühnenaction und kraftvollem Sound. Die Band wirkte, als würde sie vor einer zehnfach größeren Crowd spielen, was dem Set eine beeindruckende Energie verlieh. Der Saal war gut gefüllt und die Band konnte mit einer wahnsinnigen Energie überzeugen.

Veljanov

Der Soloauftritt von Veljanov setzte einen eleganten Gegenpol. Mit „The Prayer“ und „His Vita“ entfalteten sich fein strukturierte Klanglandschaften, die besonders im kühlen, ruhigen Ambiente des Nachmittags Wirkung zeigten. Seine Stimme füllte den Raum ohne Kraftaufwand, und die Zuhörer verharrten auffallend konzentriert. Es entstand ein Moment, in dem Musik und Atmosphäre sich mühelos ergänzten.

Neuroticfish

Mit Neuroticfish begann der elektronische Teil des Abends. Songs wie „WakeMeUp!“ und „M.F.A.P.L.“ sorgten für klare, pulsierende Bewegungsimpulse und weckten das Publikum sichtbar auf. Die Kombination aus präzisem Synthsound und intensiver Lichtstimmung verlieh dem Auftritt eine nüchtern-energiegeladene Note. Trotz der Kälte draußen entwickelte sich im Saal spürbare Temperaturschwankungen.

Oomph!

Oomph! präsentierten sich mit einem Set, das deutlich machte, wie wandlungsfähig und gleichzeitig stabil die Band auch nach den personellen Veränderungen geblieben ist. Von Beginn an dominierten kraftvolle Industrial-Rock-Elemente, die das Publikum schnell mitrissen. Besonders „Labyrinth“ und „Gott ist ein Popstar“ setzten starke Akzente und sorgten für jene Mischung aus Härte, Energie und Wiedererkennungswert, die den Sound der Band seit Jahren prägt. Die neue Stimmführung fügte sich überraschend selbstverständlich in das Gesamtbild ein, während die Band ihre bekannten Stärken – klare Rhythmik, markante Riffs und eingängige Refrains – souverän ausspielte. Auch neuere Stücke kamen gut an und zeigten, dass Oomph! weiterhin den Spagat zwischen Tradition und Weiterentwicklung meistern. Besonders auffällig war die starke Interaktion mit dem Publikum: Die Band nutzte jeden Zwischenraum, um Nähe herzustellen, und reagierte spürbar auf die Energie im Zelt. Der Auftritt hinterließ den Eindruck einer Gruppe, die sich neu sortiert hat, aber mit frischer Kraft und klarem Konzept zurück auf der Bühne steht.

Frozen Plasma

Frozen Plasma bauten diese Stimmung weiter aus und brachten mit „Tanz die Revolution“ und „Earthling“ eine Mischung aus tanzbarer Energie und atmosphärischer Emotionalität. Die harmonischen Melodien wirkten im Zusammenspiel mit den futuristischen Projektionen besonders eindrucksvoll. Für viele Besucher war dieser Auftritt eines der Highlights des Tages, da er sowohl mitreißend als auch berührend war.

Schandmaul

Mit Schandmaul hielt ein völlig anderer Klang Einzug. Songs wie „Traumtänzer“ und „Der Teufel“ brachten folkiges Leben, das sofort spürbare Wärme ins Zelt trug. Die Band spielte gewohnt publikumsnah und schaffte es, selbst diejenigen mitzuziehen, die eigentlich wegen der elektronischen Acts vor Ort waren. Besonders die melodischen Instrumentalpassagen lockerten die Atmosphäre auf und sorgten für eine fast familiäre Stimmung. Für viele war dieser Auftritt ein emotionaler Drehpunkt im Programm.

Suicide Commando

Mit Suicide Commando wurde der Klang wieder konsequent düster und aggressiv. „Hellraiser“ und „Bind, Torture, Kill“ ließen keinen Zweifel daran, dass hier einer der härtesten Acts des Festivals auf der Bühne stand. Die drastischen Beats und das kompromisslose Auftreten zogen das Publikum merklich dichter zusammen. Trotz der Kälte stieg die Temperatur spürbar, und die Intensität des Sets machte deutlich, warum die Band einen festen Platz in der Szene hat. Die Energie war roh, direkt und vollkommen unverfälscht.

Nitzer Ebb

Der Auftritt von Nitzer Ebb wurde von vielen erwartet, begann jedoch unter ungewöhnlichen Vorzeichen: Zu „ Hearts and Minds “ und „Control I’m Here“ war das Zelt überraschend leer den ein Großteil verweilte noch bei Suicide Commando. Die Band spielte präzise und kraftvoll, doch der Funke sprang nur zögerlich über. Als das Tempo sichtlich zunahm und auch noch einige Gestalten aus dem Saal rüberschwappten wurde das Set 24 Minuten früher als angekündigt beendet, was das Publikum sichtbar irritiert zurückließ. Ein Auftritt, der musikalisch solide war, aber atmosphärisch ungewöhnlich offen und unfertig wirkte.

Abseits der Bühnen blieben die leisen, warmen Bilder im Gedächtnis: das morgendliche Treiben im Schwimmbad, die Strandspaziergänge, das Familienbild vor der grauen Ostsee. Diese Momente gaben dem Festival eine fast intime, menschliche Note.

Insgesamt war das Plague Noire 2025 ein Wochenende voller Kontraste – musikalisch stark, atmosphärisch unterschiedlich, aber in seiner Gesamtheit absolut erinnerungswürdig.

Plage Noire 2024 – So war das Festival-Wochenende

Am Wochenende des 29. und 30. November 2024 verwandelte sich das Ferienresort Weißenhäuser Strand wieder in das Epizentrum der d+steren Klänge: Das Plage Noire 2024 feierte seine diesjährige Ausgabe und lockte wieder Tausende von Gothik- und Darkrock-Fans an die Ostseeküste. Die einzigartige Mischung aus Festivalfeeling und Indoor-Komfort bot eine perfekte Kulisse für ein Line-up, das keine Wünsche offenließ.

Freitag

Die kalte Jahreszeit ist angebrochen – und das bedeutet für uns eines: Zeit für das Plage Noire Festival am Weißenhäuser Strand in Ostholstein!

Die Anreise verlief problemlos, doch im Vergleich zu früheren Jahren schienen die Parkplätze dieses Mal etwas knapp zu sein. Trotzdem war während der Konzerte nicht unbedingt das Gefühl von „ausverkauft“ zu spüren.

Ein Besuch auf dem Mittelaltermarkt stand natürlich ganz oben auf der To-do-Liste, genauso wie ein genussvoller Trunk am Whisky-Stand, ein leckeres Fischbrötchen im WHS-Bistro (immer mit Blick auf die Möwen!) oder ein „Fußpils“ vom Edeka. Überall sah man Gleichgesinnte in typischer Gruftie-Manier die lange Galerie entlangschlendern – und ja, dieses Gefühl stimmte einfach: Ich war wieder in meinem zweiten Wohnzimmer.

Da Beasto Blanco in diesem Jahr leider nicht auftreten konnten, war Chrom ein großartiger Ersatz. Für uns eröffneten sie das Festival – eine perfekte Wahl für Fans von Synth-Pop und elektronischen Beats.

Die unsterbliche Seele von L’Âme Immortelle aus Österreich trat im beheizten Zelt auf – ein besonderer Moment, als Sängerin Sonja Kraushofer die Show überraschend mitten im Publikum begann und dort den ersten Song performte. Ein Highlight, das die Fans sichtlich begeisterte, mit „Bitterkeit“ , „Life Will Never Be the Same  Again“ oder  „5 Jahre“ überzeugte die Band sichtlich.

Im kleinen Saal brachte die deutsche Band Agonoize das Publikum mit ihren Industrial-Beats in Stimmung. Zu Beginn mit Kettensäge und ein ganz wenig Kunstblut war die Darbietung doch sehr unterhaltsam. Die Energie war spürbar, und bis zur letzten Minute wurde ausgelassen getanzt – hier war keine Zeit für Langeweile, einzige die Dekodrummerin wirkte mit dem Playback etwas überfordert.

Lord of the Lost boten, wie gewohnt, eine mitreißende Show, bevor sie nächstes Jahr ihre Welttournee antreten, leider ohne Pyros. Trotz ihrer unzähligen Konzerte in diesem Jahr ließen sie keinen Zweifel daran, wie viel Spaß sie auf der Bühne haben, interessant war auch die Auswahl von „Full Metal Whore“ und „Loreley“ zu Beginn, danach folgte eine Abfolge der diversen LotL Hits und Hymnen wie „Die Tomorrow“, „Six Feet Underground“ und natürlich „Blood & Glitter“. Immerhin sorgte die Band so für die erste Bewegung am heutigen Abend.

Zurück im kleinen, mittlerweile gut aufgewärmten Saal warteten wir auf die Mexikaner von Hocico. Die elektrisierende Atmosphäre verwandelte den Raum in eine einzige, unaufhörliche Party – das Publikum feierte jeden Beat und die Motivation von Sänger Erk Aicrag war schon deutlich erkennbar. Er suchte ständig die Nähe zum Publikum, was in dem Saal auch wenig herausfordernd war. Alles in allem überzeugte die Performance komplett.

Auch die Latex-Modenschau in der Galerie ließen wir uns nicht entgehen. Die Models, in bunten Latex-Outfits, präsentierten ihre extravaganten Looks auf Podesten, die perfekt in Szene gesetzt waren.

Das Konzert von Eisbrecher war ein weiteres Highlight: tanzbar, rockig, unterhaltsam und einfach rundum zufriedenstellend. Die Setlist bewegte sich aus einer Sammlung an Best Of Songs der letzten Jahre, das kommende Album Kaltfront wurde heute Abend aber noch nicht angeteasert. Zwischen „Volle Kraft Voraus“, „Eiszeit“ oder „Schwarze Witwe“ führte Sänger Alexx unterhaltsam durch den Abend und machte wieder gekonnt Druck. Interessant Gesangssicher waren alle Anwesenden dann bei dem Schlagercover „Tränen Lügen Nicht“, aber es hat hoffentlich niemand aufgenommen. Der Abschluss war dann „Miststück“ und „Out of the Dark“ wahrlich grandios.

Für die Nachtschwärmer gab es noch die Aftershow-Party. Wir allerdings entschieden uns für ein warmes Bett und einen erholsamen Schlaf – schließlich wartete am Samstag ein vollgepackter Tag auf uns.

SAMSTAG

Der Samstag begann entspannt und gemütlich: Ein Spaziergang am gefrorenen Strand, die Ochsen beim Futtern beobachten und dabei die klare Wintersonne tanken – so konnte der Tag wunderbar starten. Heute waren die Programmüberschneidungen aber deutlich massiver als am Freitag und so zerstreute sich das Publikum auf dem gesamten Gelände. Die Tagesagenda enthielt unter anderem Modeshows, Bands und Lesungen, was stressiger wurde als gedacht.

Ein besonderes Highlight am Vormittag war das Bodypainting in der Galerie mit der Künstlerin Iron Faces. Hier wurde der Körper einer Frau komplett mit Farben und Glitzer bedeckt – ein faszinierendes Schauspiel, das kunstvolle Ästhetik und Performance vereinte.

Musikalisch ging es im kleinen Saal mit Girls Under Glass los. Ihr sanfter, atmosphärischer Sound war der perfekte Einstieg in den Konzerttag und das Publikum trudelte auch so langsam ein.

Melotron, die Götter des Old-School-Dark-Wave, folgten – und wie so oft begeisterten sie mit ihrem unverwechselbaren Sound. Voller Energie und doch melodisch lieferten sie eine Performance, die uns erneut ins Schwärmen brachte. Mit „Maschinen aus Stahl“, „Null“ oder „Sleep Well“ überzeugten sie sehr gut, auch wenn der Saal nur mittelmäßig gefüllt war.

Bei Funker Vogt war es auch gut gefüllt und es wurde getanzt. Weiter wird an dieser Stelle aus guten Gründen nicht berichtet.

Im Zelt rockte Heldmaschine mit ihrer gewohnt unterhaltsamen Show, mit „Flächenbrand“ geht die Sause los und die Band sorgt für ein gutes Warm-Up-Programm bei den kalten Temperaturen. Mit „Sucht“ und „Bestie“ wird noch nachgelegt. Die Band konnte mit den Effekten und Spielfreude das Publikum bestens unterhalten.

Mit Diary of Dreams wurde es dunkel, mystisch und beinahe doomig. Ihre klangliche Tiefe und die intensiven Texte sorgten für eine magische Stimmung, die den Saal in ihren Bann zog. Mit einer Menge Nebel und der authentischen düsteren Show kamen musikalische Perlen wie „Epicon“, „Amok“ oder „Endless Night“ perfekt zur Geltung.

Um 20 Uhr stand das Finale der Mode-Show auf dem Programm. Hier wurde eine beeindruckende Mischung aus allen präsentierten Outfits während des zweitätigen Festivals gezeigt: Kettentextilien, Federn, Latex, viktorianischen Designs und Baumwollstoffen – für jeden Geschmack gab es etwas zu sehen. Die extravagante High-Couture war ein wahres Fest für die Sinne und eine Augenweide für alle Modebegeisterten.

Mit ein bisschen Eile waren wir pünktlich in der Hütte, wo Absurd Minds auftrat. Wenn man ein Konzert in der Hutte sehen möchte, musste man Zeit in Anspruch für die Warteschlange nehmen. Kurz reingegangen und die Hütte wurdeschnell sehr voll. Besonders im Gedächtnis blieb der Keyboarder Andy, der mit Krücken auf die Bühne kam. Trotz seines verletzten Beins gab er alles – bei einigen Songs stand er sogar auf, um zu tanzen und das Publikum mitzureißen. Seine Mühe wurde von den Fans mit tosendem Applaus belohnt.

Im Saal ging es nun stampfend mit Rabia Sorda weiter, die Bühnenperformance der Mexikaner ist wie auch am Vortag bei Hocico grandios und schnell. Sowohl auf der Bühne, als auch musikalisch legte die Band die Messlatte sehr hoch und konnte durch tatsächliche Livemusik überzeugen (leider war der Teilplayback bei etlichen anderen Bands doch schon sichtbar erkennbar).

Zurück im großen Zelt wartete dann ein weiteres Highlight: Project Pitchfork. Es war das erste Mal, dass wir über sie berichten konnten, und die elektrisierende Performance bei Ohrwürmern wie „Rain“ ließ uns glücklich und ausgelassen tanzen. Allgemein sorgte die Band für eine Menge Druck und hatte sichtlich Spaß auf die Performance, gleich zwei Drummer untermalten den Beat am Abend.

Als krönender Abschluss des Abends feierten Subway to Sally ihr Ü30-jähriges Jubiläum. Die unverzichtbare Show der deutschen Rockband mit mittelalterlichen Elementen war ein voller Erfolg und ein unvergesslicher Moment für alle Fans. Die Setlist bewegte sich hier wieder durch die Jahrzehnte der Band. Der Beginn wurde mit „Henkersbraut“ makellos eingeleitet und dann perfekt mit „Leinen Los“ fortgeführt. Nach etlichen bekannten Hits gab es mit „Post Mortem“ auch noch eine kleine Livepremiere vom neuen Album, die gut beim Publikum ankam. Last but not at least durften Subway To Sally nicht von der Bühne gehen ohne „Julia und die Räuber“ gespielt zu haben.

Auf dem Rückweg zu den Apartments warteten noch tierische Begegnungen: Zahlreiche Rehe huschten durch die Nähe der Wege, und man musste aufmerksam bleiben, um sicher nach Hause zu kommen. Diese Begegnungen unterstrichen die unberührte Schönheit der Umgebung – ein perfekter Abschluss für dieses besondere Festival.

Fazit: Wir kommen immer wieder gerne an den Weißenhäuser Strand, um die Musik, den Aufenthalt und vor allem die einzigartige Stimmung des Plage Noire zu genießen. Ein großes Dankeschön an alle, die dieses Erlebnis möglich gemacht haben!

Text: Helga Königshügel und Birger Treimer

Festival für die (schwarze) Seele – Plage Noire 2022 – Samstag

Die Nacht war kurz. Und um 11:00 Uhr stand bereits das große Fotoshooting mit all den aufwendig hergerichteten Festivalbesuchern auf dem Programm. Die blitzblanken, hohen Schuhe versanken in dem feinen Sand, sorgsam gestylte Frisuren wurden ein letztes Mal gerichtet und schon stellte sich die Menge in Position. Denn auch in diesem Jahr sollte ein sorgsam vorbereitetes, schwarzes Strandbild entstehen.

THE FOREIGN RESORT

Den musikalischen Anfang des Tages machten The Foreign Resort. Im Salle de Fête boten die drei Dänen eine dunkle Mischung aus Post-Punk und New Wave. Stellenweise erinnerte der Sound auch durchaus mal an The Cure. Die stimmliche Bandbreite von Mikkel B. Jakobsen war übrigens durchaus beachtlich. Der bereits recht gut gefüllte Saal wurde dann auch noch dekorativ aufgewertet, indem etliche rot-weiße Dänemark Fähnchen im Publikum verteilt wurden. Danke für den stimmungsvollen Start.

WISBORG

Nun gingen auch im Le Chapiteau die Lichter wieder an. Wisborg bekamen ihre anfänglichen Soundprobleme zum Glück schnell in den Griff. Die smarten Gothic-Rocker sorgten bei einigen Damen für Verzückung. „Perfume & Cigarettes“ war fast schon romantisch angehaucht. Sänger Konstantin Michaely verzichtete auf große Ansagen zwischen den einzelnen Songs. Die Band nahm bei dem Titel „Becoming Caligari“ nochmal so richtig Fahrt auf, bevor mit „Spirits That I Called“ das kurzweilige Set bereits endete.

lacrimas profundere

Das gleiche Genre, die nächste Band. Lacrimas Profundere trafen zunächst auf ein etwas verhaltenes Publikum. Davon ließen sie sich aber keineswegs verunsichern. Ihre langjährige Bühnenerfahrung kam Ihnen durchaus zugute und ein paar Songs später setzten sich immer mehr Zuschauer rhythmisch in Bewegung. Julian Larre war daran nicht ganz unschuldig. Der charismatische Finne schien Oberteile für überflüssigen Ballast zu halten. Er fegte über die Bühne, wirbelte seinen Schopf umher und fand sich plötzlich mitten im Publikum wieder. Dort blieb er auch erstmal, schüttelte einige Hände, sang und tanzte zwischen den überraschten Leuten. Julian genoss es sichtlich umringt zu werden. „Remember When“ wurde als letzter Song angekündigt. Schmunzelnd gab er danach zu: „Doch nicht, I just wanted to have your energy”. Sein Plan ging auf. Der Rest der Band genoss diesen Auftritt auch sichtlich. Das ein oder andere, sehr breite Grinsen nahm den Rockern jeden Moment der Härte.

Combichrist

Nachdem Combichrist in den letzten beiden Jahren pandemiebedingt europaweit nur in reduzierter Version mit Oldschool-Electro-Sets aufwarten konnten, war die Band nun endlich wieder komplett auf der großen Bühne vereint. Leider startete der Gig mit einer zehnminütigen Verspätung. Die bemalten Gesichter von Frontmann Andy la Plegua und Gitarrist Eric Michael wurden zunächst von ihren Kapuzen verdeckt. Mit der aktuellen Single „Compliance“ nahm das Electro-Gewitter seinen Lauf. Wurde das große Zirkuszelt vor dem Auftritt noch ordentlich durchgelüftet, heizte sich die Luft bei diesem Auftritt rasch wieder auf. Hier ging richtig die Post ab. Andy fragte ehrfürchtig: „Can you feel it tonight? I will never take this for granted again”. Combichrist vereinten Metal Elemente mit ihrem brachialem Electro-Sound. Die Mischung stimmte. „I`ve never seen northern people dancing that much”. Und dies sollte sich auch beim letzten Song „Maggots at the Party“ nicht mehr ändern.

aesthetic perfection

Den eigentlich müden Knochen wurde keine Pause gegönnt. Wer sich Aesthetic Perfection nicht entgehen lassten wollte, huschte geradewegs wieder zum Salle de Fête hinauf. Die Show begann mit einer skurillen Swingnummer aus der 20er Jahren. „Warte, warte nur ein Weilchen“ beschrieb die Gräueltaten des Serienmörders Fritz Haarmann. Wenige Momente später enterte Daniel Graves mit zwei mysteriösen, maskierten Musikern die Bühne. Die geheimnisvollen Jungs nahmen ihre Plätze an den Drums und an einem seitlich nach vorn geneigtem Keyboard ein. Mit dem Opener „God`s & Gold“ gelang der Band ein kraftvoller Einstig. Daniel begrüßte das Publikum: „We`re Aesthetic Perfection from -everywhere“. Seinen neuen Mitstreitern gelang ein eindrucksvoller Start. Beide glänzten mit purer Spielfreude. Der Keyboarder griff auch zwischendurch zu seiner E-Gitarre und durch seine faszinierende Art baute er schnell eine Bindung zum Publikum auf. Der Saal war rappelvoll und die Stimmung hätte nicht besser sein können. „Seid ihr schon müde? Ich rede nie deutsch auf der Bühne, weil ich so unsicher bin“. Dabei stand hier ein äußerst professioneller und selbstsicherer Daniel vor uns. Die verschwitzte Menge setzte sich bei „Antibody“ gleich wieder hüpfend in Bewegung. „All Beauty Destroyed“ bezauberte in einer extrem gefühlvollen Akustik Variante, bevor der grandiose Gig nochmal mit „Love, Like, Lies“ zum finalen Aufbäumen animierte.

joachim witt

Nun wurde es Zeit für eine Legende. Joachim Witt ist mittlerweile 73 Jahre alt. Sein Coolness-Faktor ist jedoch ungebrochen. Die Neue Deutsche Welle Party konnte beginnen. „Der Goldene Reiter“ wurde von seinen Fans lautstark untermalt. Mittlerweile hat sich Witt ja eher wieder der Rockmusik zugewendet. Highlights seiner „Rübezahl“-Triolgie durften keinesfalls fehlen. Bedächtig ging es bei „Herr der Berge zu“. Generell erlebte man einen herrlich agilen Joachim Witt, der wie eh und je den ein oder anderen frechen Spruch auf Lager hatte.

In Strict Confidence

Auf der zweiten Bühne ging es derweil mit In Strict Confidence weiter. Visueller Genuss wurde hier mal wieder großgeschrieben. So ist man (wen wundert es) kreativ geworden und baute die Videoleinwand einfach in den großen Tisch ein. Die hübsche Gitarristin Haydee Sparks stand dekorativ davor. Aufwendige Video-Animationen wechselten sich mit Musikvideos von In Strict Confidence ab, die bekanntermaßen wahren Kunstwerken gleichen. Dennis Ostermann betörte seine Zuschauer zudem mit seiner einzigartigen, tiefen Stimme. So entstanden unweigerliche Gänsehaut-Momente bei Songs wie „Mercy“ oder „Seven Lives“

deine lakeien

Contenance! Schließlich gaben sich nun Deine Lakaien die Ehre. Ihr Album „Dark Star“ feierte kürzlich sein 30jähriges Jubiläum. Für das Plage Noire haben sich Deine Lakaien daher eine exklusive Überraschung ausgedacht. Sie präsentierten diesen Klassiker am Stück. Thematisch widmete man sich damals gänzlich der Liebe. „Weil die Liebe immer unser Thema ist, war und bleiben wird – Love me to the End“. Alexander Veljanov und Ernst Horn verzückten das Publikum mit dieser wunderbaren Zeitreise. Man vernahm zwischendurch leise Wortfetzen einiger Besucher. Die alten Stücke weckten schließlich Erinnerungen. Deine Lakaien berührten an diesem Abend auf eine sehr besondere Art und Weise.

leichtmatrose

In der dritten Area, dem La Rotonde wurde es nun nochmal eng – auch auf der kleinen Bühne. Denn Leichtmatrose teilten sich das bisschen Platz zu fünft. Somit musste sogar ein Teil des Equipments weichen und neben der Bühne platziert werden. Bevor die Matrosen ablegen konnten, streikte jedoch die Technik. Nach 15 Minuten hieß es dann: Leinen los. Sänger Andreas Stitz trug zu Beginn eine warme Felljacke – Musiker sind manchmal verdammt hart im Nehmen. Das Rotonde war prall gefüllt und die Luft dementsprechend hitzig. Hier ging es nun heiß her. Die Laune war auf allen Seiten phänomenal und somit war eine Menge Spaß garantiert. Die Indie-Rocker begeisterten mit Stücken wie „Karma Polizei“ oder „Johnny fand bei den Sternen sein Glück“. Andreas lief immer wieder ins Publikum und lud seine Anhänger ein, mit einzustimmen. Die Ferienanlage hat den dazugehörigen Wellnessbereich jedenfalls nicht umsonst beworben. Ein gewisses Sauna-Feeling gab es bei diesem Konzert inklusive.

And One

Wenige Wochen vor dem Festivalstart wurde noch eine Line-Up Änderung kundgetan, die für Diskussionen sorgte. Fields Of The Nephilim konnten leider erneut nicht dabei sein. Stattdessen verkündete man And One als neuen Headliner für den Samstagabend. Die beiden Bands liegen musikalisch gesehen weit auseinander. Zudem hat sich Steve Naghavi zu Pandemiebeginn mit verschwörungstheoretischen Ansätzen nicht nur Freunde gemacht. Niemand wusste genau, was einen an diesem Abend erwartete. Um 23:30 Uhr fiel dann der schwarze Vorhang und And One standen tatsächlich auf der Hauptbühne. Im Publikum waren vereinzelt gebastelte Aluhüte zu sehen. Aber ansonsten war das Le Chapiteau gut besucht und die Band wurde freundlich empfangen. Los ging es mit „Shouts of Joy“. Zu Beginn sah man eine gewohnte And One Show. Steve lief sogar zum Publikum an die Bande. „Keine Angst, ich bin nicht ansteckend.“ Es folgte „Timekiller“ und die Menge tanzte. Während des Songs „Unter meiner Uniform“ änderte sich plötzlich etwas. Steve wirkte angespannt und nachdenklich. Sprang und tanze er vorher noch selbstbewusst umher, wurde seine Körpersprache nun deutlich ruhiger. Diese Stimmung hielt auch tatsächlich ein Weilchen an. Die Bühne wirkte jetzt fast zu groß für den sonst so einnehmenden Sänger. Doch er kämpfte sich zurück. Das Publikum stimmte beim Song „Deutschmaschine“ kräftig mit ein. Steve stellte sich sogar auf die Absperrung direkt an der Menge. Die Securities wirkten sichtlich nervös. Alles ging gut. Mit „Bodynerv“ kehrte dann auch der Spaß zurück. Joke gab noch „So High“ zum Besten und dann gelang es den beiden Sängern für mächtig Stimmung zu sorgen. Joke riss sich irgendwann euphorisch die Krawatte vom Hals, zog sein Sakko aus und warf es übermütig ins Publikum. Niemand hat verlernt, bei „Technoman“ mit einzustimmen. Auf einmal verkündete Steve: „Joachim…? Hier ist unser 4., 5., 6. heimliches Bandmitglied, unser Herbergsvater: Joachim Witt.“ Genau dieser betrat nun für einen kurzen Moment die Bühne. Steve bedankte sich mit einem Kniefall. Nach dem letzten Song verabschiedeten sich And One mit den Worten: „Dankeschön Freunde, es war uns eine Ehre.“

Somit endete auch der zweite Festivaltag. Das Plage Noire 2022 wird uns noch lange in Erinnerung bleiben. An dieser Stelle sollte auch mal die großartige Organisation erwähnt werden. Uns begegneten ausnahmslos freundliche und engagierte Mitarbeiter. Alle Bereiche des Festivals waren sehr sauber. Längere Wartezeiten blieben komplett aus. Man fühlte sich überall willkommen und verbrachte gerne Zeit auf dem Gelände oder an dem wunderbaren Strand. Dieser besondere Ort mit dem einzigartigen Flair ließ uns für ein Wochenende abtauchen. Der Festivalblues wird uns vermutlich hart treffen. Aber zeitgleich erwacht auch bereits die Vorfreude auf das Plage Noire im nächsten Jahr. Der Termin steht bereits fest: am 28. Und 29. April 2023 kehren wir zurück. Der Vorverkauf ist bereits gestartet. Doch nun geben wir Schwarzlinge den Weissenhäuser Strand erstmal wieder frei. Das bunte Treiben wird hier wieder Einzug halten und nur die Bilder und Erzählungen über uns bleiben.

Plage Noire 2022 – Tickets + Infos

Abwechslungsreicher Festivalstart beim Plage Noire 2022 – Freitag

Am 6. und 7. Mai stand das erste düstere Festivalhighlight des Jahres an. Das Plage Noire 2022 lockte ein paar tausend Besucher an den Weissenhäuser Strand. Die dazugehörige Ferienanlage wurde hierzu von einer Welle herausgeputzter Schwarzlinge geflutet. Dem Konzertveranstalter FKP Scorpio ist es gelungen, dieses Festival mit dem besonderen Flair fest zu etablieren. Der angenehme Indoor-Bereich schützte einen auch bei sonnigem Frühlingswetter vor der frischen Meeresbrise.

Die Konzerte verteilten sich auf drei verschiedenen Bühnen. Zahlreiche Restaurants ließen keine kulinarischen Wünsche unerfüllt. Der Festival-Bereich verwandelte sich mit roten Teppichen, riesigen Bildergalerien, schauriger Deko, aufwendig hergerichteten Models und gruseligen Kreaturen der Nacht gar in ein optisches Kunstwerk. Zudem boten zahlreiche Händler ihre schmucken Waren an. Familienfreundlichkeit wurde hier ebenso großgeschrieben. Kurze Wege zu den Unterkünften, kreative Kinderbetreuung, sowie ein subtropisches Badeparadies sorgten für Zufriedenheit unter den großen und kleinen Besuchern.

MODENSCHAU

Neben den Live-Konzerten bot ein ausgeklügeltes Rahmenprogramm beste Unterhaltung. So lasen Markus Kavka und Christian von Aster dem literarisch interessierten Publikum besondere Parts ihrer beliebten Werke vor. Bei den Autogrammstunden begegnete man seinen Idolen endlich mal wieder von Angesicht zu Angesicht. Beeindruckende Fashionwalks erregten mehrfach täglich das Aufsehen der Besucher. Die letzten Energiereserven konnte man bei den beliebten Aftershow-Parties freisetzen. Hier legten übrigens keine geringeren als Bruno Kramm (Das Ich), Daniel Graves (Aesthetic Perfection) und Ronny Mohrings (Clan Of Xymox) sorgsam ausgewählte Highlights auf.

merciful nuns

Auf der mittleren Bühne, im Salle de Fête eröffneten Merciful Nuns offiziell das Live-Spektakel. Die gestandenen Gothic-Rocker präsentierten neben Songs des aktuellen Albums „Kvltan“ eine abwechslungsreiche Mischung ihrer dunklen Stücke. Mit ihren Sonnenbrillen trotzten sie der Dunkelheit und wie es sich für eine typische Kultband gehört, verschwanden Sänger Artaud Seth und seine Kumpanen optisch auch mal kurzzeitig im Nebel. Der basslastige Sound kam beim Publikum gut an. Nach wenigen Minuten nahm man erste Hüpfer wahr. Gedankenverlorene Einzeltänzer bewegten sich selig zu Klassikern wie „Karma Inn“ oder „Allseeing Eye“. Und kontinuierlich brachten Merciful Nuns nach und nach eine Welle der Bewegung in Gang.

Heldmaschine

Le Chapiteau wurde die Hauptbühne in dem riesigen Zelt betitelt. Zahlreiche Besucher gaben sich der Neuen Deutschen Härte von Heldmaschine hin. Sänger René Anlauff versprach mit seiner Ankündigung „Wir werden jetzt eine geile Party machen“ keinen Deut zu viel. Der Song „Schwerelos“ versetzte etliche Tanzbeine in Bewegung. Die Band sprang mit ihren Fans augenscheinlich um die Wette. Als „Die Braut, das Meer“ erklang, stand im Song ein Gitarrensolo im Zentrum der Aufmerksamkeit. René nahm seinen Gitarristen kurzerhand auf seine starken Schultern und spazierte mit ihm über die Bühne. Dieser Auftritt sorgte für ausgelassene Freude. So konnte es weitergehen.

Das Ich

Das elektronisch-sinfonische Musikprojekt Das Ich betörte als nächstes die Besucher im mittleren Saal. Das morbide Trio versetzte seine Hörerschaft allerdings nicht in Angst und Schrecken, sondern entzündete ein wildes Lauffeuer, das sich auf der Tanzfläche ausbreitete. Die langjährige Bühnenerfahrung kam den Musikern durchaus zugute. Songs wie „Engel“ oder „Uterus“ wurden euphorisch gefeiert. Beim letzten Song „Gottes Tod“ inszenierte Sänger Stefan Ackermann spielerisch seine eigene Kreuzigung. Welch skurriler und faszinierender Auftritt zugleich.

Tanzwut

Auf der Main Stage waren Tanzwut mit ihrem Mittelalterrock bereit, auch Genreskeptiker von sich zu überzeugen. Dies gelang ihnen auch prächtig. Auf der Bühne war viel los. Die sieben Musiker fügten sich bewegungsfreudig in ein aufwendig gestaltetes Bühnenbild. Der bestens gelaunte Sänger Teufel unterhielt das Publikum mit der ein oder anderen Anekdote: „Wir haben Corona vergessen und die ganze Zeit durchgesoffen. Das neue Material mussten wir wegwerfen, denn wir haben beim Einsingen die Masken aufgehabt.“ Man durfte sich über Songs wie „Das Meer“ oder „Narziss“ freuen. Natürlich kamen auch immer wieder die typischen Dudelsäcke zum Einsatz. Hier wurde Unterhaltung großgeschrieben. Neben wechselnden Showeinlagen zogen die Musiker immer wieder die Blicke auf sich. So zierten zum Beispiel fantasievolle Masken die Gesichter der sympathischen Jungs. Teufel ergänzte: „Mit den Knallköppen auf der Bühne hier ist es wie auf einer Klassenfahrt. Es gibt doch nichts Besseres, als wieder den Gestank der Kollegen Einzutamen.“ Es folgte „Brüder im Geiste“. Mit ausgeklügelten Choreographien und gar einer kleinen Tangoeinlage blieben einfach keine Wünsche offen. Tanzwut rockten sich definitiv in die Herzen ihrer Zuhörer.

FROZEN PLASMA

Zurück zur Second Stage. Frozen Plasma kannten trotz der schwülen Wärme im Saal keine Gnade. Sie baten zum „Tanz der Revolution“. Die weißen Turnschuhe von Sänger Felix boten mit ihren bunten LED-Lichtern an der Sohle eine zusätzliche, kleine Lightshow auf Bodenhöhe. Felix versprach denjenigen, die in der Lage waren, die neue Single nennen zu können einen Schnaps. Selbstverständlich hielt er Wort und on top spielten die Jungs ihre aktuelle Ballade „Moths“. Nostalgische Momente wurden mit „Hypocrite“ geweckt. Die Stimmung war ausgelassen bis feucht-fröhlich. Frozen Plasma drehten kontinuierlich die Hit-Maschine auf und Felix animierte die Menge selbstsicher zu den wohlbekannten Futurepop Klängen. Das Set mündete mit „Living on Video“ in wahrer Ekstase. Überwältigt von all dem Zuspruch warfen Felix und Vasi final ein paar T-Shirts in die Menge. Das Glück aller war nicht zu übersehen.

Lord of the Lost

Im Le Chapiteau war die Spannung mittlerweile groß. Schließlich waren Lord Of The Lost in den letzten beiden Jahren gar nicht auf unseren heimischen Bühnen zu sehen. Kürzlich startete dann endlich die verschobene Ensemble Tour. Chris äußerte hierzu ein gleich passendes Resümee. „Das ist, als hättest du deine Freundin eine verdammt lange Zeit nicht gesehen und würdest dann einfach fünf Videoabende nacheinander mit ihr machen“. Heute sollte die angezogene Handbremse endlich wieder gelöst werden. Der Abriss ließ nicht lange auf sich warten. Mit „Priest“ preschten sich Lord Of The Lost gleich brachial nach vorn. Chris hat sich in Schale geschmissen und nahm die Bühne gekonnt in einem neuen, schwarzen Lackoutfit ein. Zu hören gab es eine Mischung aus neuen Songs, den Klassikern und einer Hommage an Iron Maiden. Die Spielfreude der Hamburger war ungebrochen. Und natürlich saß auch mal der Schalk im Nacken. So spielte Chris doch gleich mal eine Runde fangen mit seinem Kameramann. Es wurde sogar geflucht – über In Ears, die scheinbar nicht in gewohnter Qualität funktionierten. Chris bat das Publikum für ihn weiterzusingen. „So ist das manchmal, wenn man seinen eigenen Radiosender hört“. Der Stimmung tat dies keinen Abbruch. Lord Of The Lost lieferten ab. Chris entledigte sich irgendwann seiner Lackjacke und kokettierte mit dem übrig gebliebenen Unterhemd(chen) und den Lackparts, die seinen Oberkörper mehr verzierten als bekleideten. Die „Doomsday Disco“ durfte final natürlich nicht fehlen. Es wurde getanzt, gesprungen, gejubelt und geseufzt. Danach brauchten alle erstmal ein kühles Getränk.

FUTURE LIED TO US

In der dritten Area stand in La Rotonde das Finale an. Future Lied To Us präsentierten sich zum ersten Mal mit ihrem neuen Sänger Damasius Venys. Dieser Auftritt wurde von den Fans sehnlichst erwartet. Leider konnte Krischan Wesenberg an diesem wichtigen Abend nicht dabei sein. Vasi Vallis und Damasius stellten sich aber tapfer der gebührenvollen Aufgabe. Das Set begann mit „Blue Lights“. Und der neue Frontmann wusste ab dem ersten Moment zu überzeugen. Mit seiner markanten Stimme und dieser besonderen Aura zog er das Publikum direkt in seinen Bann. Mittlerweile kam es sogar zum Einlass-Stopp. Kein Wunder, denn hier waren einfach alle im Partymodus. Die neue Single „I, Hope“ war perfekt auf ihn zugeschnitten und kam besonders gut an. Ein sonst eher konzentriert wirkender Vasi wirkte an diesem Abend ausgelassen und glücklich.

subway to sally

Zeit für den Headliner des Tages – oder der Nacht. Subway To Sally enterten die Bühne und waren bereit, das große Zelt in eine längst vergangene Zeit zu entführen. So sorgten „Eisblumen“ für behagliche Seligkeit im Publikum. Doch es durfte auch wilder zugehen. Die „Henkersbraut“ verführte zum Tanz. Das Publikum bewies übrigens eine herausragende Textsicherheit. Zwischendurch wurde auch mal ernst. So ließ Eric Fish die erste Strophe von „Falscher Heiland“ aus. Die aktuellen Geschehnisse des Krieges ließen dies einfach nicht zu. Er gab zu, emotional abgelenkt gewesen zu sein. Eric fing sich aber wieder und klatschte später bei „Besser du rennst“ einige Fans im Publikum ab. Er sang mit seinem treuen Gefolge und alle feierten zu Hits wie „Sieben“ oder „Julia und die Räuber“.

Nach dem letzten Song erloschen dann auch die Lichter im Le Chapiteau. Der erste Festivaltag war damit offiziell beendet. Wer noch immer nicht genug hatte, tanzte noch bis in die Morgenstunden den Pandemieblues hinweg. Ansonsten ließ man all die eindrucksvollen Momente allmählich bei einem letzten Absacker ausklingen. Denn der nächste Tag sollte es erneut in sich haben …

Plage Noire 2022 – Tickets + Infos

Plage Noire 2021 Samstag: Ein dunkelbunter Strauss Musik

Da macht man einmal kurz die Augen zu und schon ist der letzte Tag des Plage Noire 2021 angebrochen. Für viele war die Nacht kurz, zumindest sieht es so aus, wenn man durch die Gesichter der sich schon auf dem Gelände befindenden Gäste blickt. Der heutige Tag beginnt heute bereits gegen 14:00 Uhr der Fall. Aber auch schon vorher gibt es etwas zu sehen: Zwei Vorlesungen von Christian von Aster und Markus Heitz ergänzen heute, neben weiteren Fashion Walks, das Programm.

Vogelfrey

Die Hauptbühne eröffnen heute Vogelfrey – das perfekte Warm-up für den Tag. “Moin Moin Plage Noire, wir sind Vogelfrey, Hörner hoch!” ruft uns Jannik Schmidt zu, bevor es mit dem gleichnamigen Song losgeht. Dabei wird es im Zelt immer voller und es kehrt immer mehr Bewegung ein. “Wir freuen uns unglaublich hier zu sein. Unser erstes Mal beim Plage Noire, wie ist es so wieder Party zu machen?” fragt er uns weiter und kann sich die Frage sicher selbst beantworten. Zum Schluss gibt es noch den “Heldentod”, welcher erneut viel Applaus erntet, bevor die Künstler die Bühne schon wieder verlassen müssen.

sono

Während anschließend auf der Hauptbühne Stahlmann spielen, gibt es im Salle de Fête das komplette Gegenprogramm. Hier spielen Sono viel ruhigere, leicht altmodische, minimalistische Töne, welcher sich perfekt dafür anbietet sich weiter warm zu tanzen. Viele kommen auch genau diesem nach und werden von Sänger Lennart A. Salomon förmlich mitgerissen, der stets mit seiner Stimme punkten kann.

melotron

Anfangs ist es noch recht leer vor der Bühne, als Melotron diese betreten. Aufgrund des Fashion Walks direkt vor der Tür ist ein durchkommen schwer. Dies ändert sich jedoch innerhalb der ersten Minuten schlagartig. ”Ist es nicht schön, dass wir uns alle mal wiedersehen, wir wünschen euch allen viel Spaß! Unsere Keyboard Ständer sind eingestaubt die letzten Monate” sagt uns Sänger Andy Krüger, während er förmlich über die Bühne springt und dabei das Publikum ansteckt. “Seht ihr, 1-2 Lieder und wir sind wieder jung” sagt er weiter lachend und setzt damit den Maßstab für das ganze Konzert – man kann ihm und seinen Kollegen die Spielfreude dabei stets ansehen.

Letzte Instanz

Auch wenn es Anfang November schon recht kalt ist, heißt das nicht, dass Letzte Instanz mit Schuhen auftritt. Barfuß steht hier für die meisten an der Tagesordnung – und das soll sich auch nicht ändern. Wie auch die meisten anderen Bands waren Letzte Instanz in der konzertlosen Zeit nicht untätig und können heute eine Release-Show mit ihrem neuen Werk “Ehrenwort” präsentieren. Allgemein ist es jedoch eine Show wie man sie von der Band kennt und erwartet. Musikalisch ohne Fehler und stets einen Witz auf der Zunge, während die Fans fröhlich dahin tanzen. “Wir sind heute schon seit 5 Uhr wach. Wir kommen ja aus vielen Städten, aber die Fahrt war… okay. Aber auf dem Weg haben wir viele Leute gesehen, aber der Anblick hier ist der schönste des Tages” sagt uns Sänger Holly Loose und hat damit die Lacher auf seiner Seite.

rabia sorda

Deutlich härter geht es derweil bei Rabia Sorda zu. Die sehr kurzfristig für Rotersand eingesprungene Band kommt mit einem deutlich aggressiveren Sound als ihre Vorgänger daher und kann sofort überzeugen. Sänger Erk Aicrag springt vergleichbar mit einem Flummi über die Bühne und elektrisiert so das Publikum, welches sich selbst nicht mehr auf der Stelle halten kann. Ansagen gibt es dabei nicht viele, die Zeit wird eher genutzt, um so viele Songs wie möglich zu spielen, um ja keine Verschnaufpause aufkommen zu lassen. Einzig ein kurzes Drumsolo lässt einen kurz durchatmen, bevor es direkt wieder in die Vollen geht.

(SITD)

Da wo Rabia Sorda aufhören, machen [:SITD:] weiter. Auch hier werden Nägel mit Köpfen gemacht, sodass weiterhin keiner still steht. Sänger Carsten Jacek ist sichtlich erfreut wieder auf der Bühne zu stehen und begrüßt seine Fans per Handschlag. “Was sollen wir sagen nach einem Jahr Corona sind wir endlich wieder bei euch, ich hoffe ihr habt Bock!”. Inzwischen ist es wieder so voll, dass der Einlassstop kurz bevor steht. Das Publikum treibt die Stimmung immer weiter höher, singt immer mehr mit, bis der Worstcase eintritt. Carsten stürzt, das Konzert muss unterbrochen werden. Einige Minuten später geht es weiter, er hält sich dabei die Brust, bekommt schlecht Luft und klingt etwas gequetscht, will aber unbedingt weiter machen. Die Fans wirken etwas geschockt, rufen ihm zu lieber abzubrechen, aber er zieht weiter durch bis kurz vor dem eigentlichen Ende. Später stellt sich heraus, dass er sich eine starke Rippenprellung zugezogen hat – wir wünschen gute Besserung.

L’Ame Immortelle

Wer es dann doch ruhiger und entspannter mag, ist im Zelt gut aufgehoben. Hier stehen derweil L’Ame Immortelle auf der Bühne und sorgen für viel Abwechslung. Dafür verantwortlich ist der ständige Wechsel zwischen Thomas Rainer und Sonja Kraushofer, die die Songs entweder Solo oder als Duett performen. Die Musik dazu ist eher zum Schwanken und weniger zum Tanzen, handeln die Texte doch meist von Liebeskummer oder sind melancholisch. Zusätzlich wechselt Sonja mehrfach ihr Kleid und sorgt so auch für Abwechslung auf der Bühne. Außerdem feiert die Band mit dem neuen Song “Catch My Fall” eine Premiere, denn dieser erscheint erst auf dem kommenden Album “Im tiefen Fall”, und kann viel Applaus verbuchen.

Solar Fake

Das Festival richtet sich langsam dem Ende zu, jedoch steht für viele noch zumindest ein Highlight auf der Liste: Solar Fake. Die Band um Sänger Sven Friedrich schafft es nochmal den Salle de Fête zum Einlassstop zu bringen und die letzten Kräfte zu mobilisieren. “Vielen vielen Dank, wir freuen uns sehr, dass wir hier sein können, völlig ungeplant eigentlich” sagt uns Sven. Solar Fake sind erst vor kurzem aufgrund zahlreicher Bandausfälle bestätigt worden. “Habt ihr vermutlich schon öfter gehört aber es ist total schön wieder hier zu sein, eure Gesichter zu sehen” sagt er weiter, bevor es zurück zur Musik geht. Hier gibt es eine Setlist, die mit vielen Songs des neuen Albums “Enjoy Dystopia” punkten kann, aber auch sonst keine Wünsche offen lässt. Die Tanzfläche setzt heute keinen Staub mehr an, dafür werden die Kehlen bei “Not What I Wanted” trocken, als lauthals mitgesungen wird.

Front 242

Währenddessen steht mit Front 242 der Headliner des Festivals auf der Bühne des Zelts. Hier gibt es einen Song nach dem anderen mit anspruchsvoller Lichtshow, die teilweise aber auch anstrengend zu beobachten ist. Ist die Bühne in einem Moment nur wortwörtlich mit Taschenlampen beleuchtet, gibt es im nächsten Moment Strobo-Dauerfeuer. Viele lauschen mit geschlossenen Augen dem recht entspannenden EBM während sie hin und her wanken oder leicht tanzen. Teilweise scheint die Luft etwas raus zu sein, was man aber niemandem nach zwei Tagen Festival vorwerfen kann. Wir sind es alle nicht mehr gewohnt.

Und dann ist es schon wieder vorbei, zwei prall gefüllte Tage Festival sind vorüber und die Erschöpfung, aber auch die Freude allen Beteiligten deutlich anzusehen. In diesem Sinne hoffen wir, dass es nicht erneut zwei Jahre dauert, bis  die schwarze Gemeinde wieder den Weissenhäuser Strand schwarz färbt.

Plage Noire 2022: Tickets + Infos

Plage Noire 2021 Freitag: Weissenhäuser Strand endlich wieder schwarz gefärbt

Vor ein paar Monaten hätten wohl nur die wenigsten damit gerechnet, dass dieses Jahr noch Festivals stattfinden. Umso schöner war es dann, als das Plage Noire 2021 verkünden konnte, dass es nicht erneut verschoben werden muss. Aber dies auch wirklich zu glauben, fiel weiterhin schwer. Zu oft hat man sich schon Hoffnung gemacht, nur um dann doch plötzlich wieder enttäuscht zu werden. Aber spätestens mit der Ankunft am Weissenhäuser Strand, nachdem man sein Bändchen abgeholt hatte, waren alle Zweifel vergessen und die Freude bei einem selbst und allen um einen herum deutlich zu spüren.

Schaut man sich auf dem Gelände einmal um, blickt man direkt in viele bekannte Gesichter, die man teilweise seit Jahren nicht mehr gesehen hat. Zugleich aber auch wie skurril das Festival eigentlich ist. Ein subtropisches Badeparadies? Ein Autoscooter? Minigolf? All dies bringt man normalerweise nicht direkt mit nur in schwarz gekleideten Fans des Goths in Verbindung und sorgt daher für den ein oder anderen Schmunzler. Aber dies ist nicht alles womit der Ferien- und Freizeitpark Weissenhäuser Strand auffahren kann. Gleich drei Bühnen, davon eine in einem großen Zelt gibt, um endlich wieder Livemusik auf die Ohren zu bekommen. Und dies ohne Abstand, Masken oder andere Regeln (außerhalb der 3G-Regel, die täglich überprüft wurde). Genau das, was viele Besucher die letzten Jahre vermisst und sich sehnlichst wieder gewünscht haben. Natürlich gibt es aber auch viele Programmpunkte außerhalb der Musik wie Lesungen, Fashion Walks und viele verschiedene Stände sorgen dafür, dass nie Langeweile aufkommen kann.

unzucht

Auf der Hauptbühne dürfen Unzucht das Festival eröffnen und starten mit dem nach ihnen selbst benannten Song in ihr Set. Von nun an ist es schwer zu beurteilen, wer sich mehr freut. Die Band auf der Bühne oder die schon zahlreichen Fans. “Es ist so geil das wiederzusehen, das wieder erleben zu dürfen. Macht mal Krach!” ruft uns Sänger Daniel Schulz zu und kann anschließend sein eigenes Wort nicht mehr verstehen. Die Stimmung könnte nicht besser sein, und das sollte ich auch nicht mehr ändern.

any second

In der kleinsten Halle, dem La Rotonde, stehen derweil Any Second in einer gemütlichen Runde auf der Bühne. Vom Sound geht es hier deutlich düsterer zu, als es der Raum zu dem Zeitpunkt hergibt. Sänger Jan Kluge posed ohne Ende und die Menge tanzt. Da fällt es einem kaum auf, dass die Band heute ohne Keyboarder Oliver auskommen muss, der den ersten Geburtstag seines Kindes feiert. “Vielen Dank für ein bisschen Normalität in dieser Zeit. Wir werden das überstehen und dann gehts weiter!” sagt uns Jan und spricht uns allen damit womöglich etwas aus dem Herzen.

diary of dreams

Zurück im Zelt haben es sich Diary Of Dreams auf der Bühne gemütlich gemacht. Hier zeigt sich jedoch ein anderes Bild als bisher: Getanzt wird er eher wenig. Dafür wird sich eher der Musik hingegeben, die Augen geschlossen und sanft hin und her geschwankt. “Einen wunderschönen guten Abend, endlich sind wir mal wieder bei euch” sagt uns Sänger Adrian Hates und lässt so langsam ein wiederkehrendes Muster bei allen Künstlern erkennen. Viel zu lange ist es her, dass diese für ihre Fans spielen konnten und nutzen diesen Moment vollkommen aus.

suicide commando

Anschließend sorgen Suicide Commando auf der mittleren Bühne, im Salle de Fête, für die ersten traurigen Gesichter. Das hat jedoch nichts mit der Band selber zu tun, sondern mit dem Einlassstop, wodurch sich vor der Tür eine lange Schlange bildet. Die Band, die kurzfristig für Assemblage23 eingesprungen ist, bringt die Halle ordentlich zum Scheppern und die Menge zum großflächigen Tanzen. Ist Sänger Johan Van Roy anfangs noch unter einer Maske und Kapuze versteckt, kann man ihn auch kurz danach über beide Ohren strahlen sehen. Die Stimmung könnte dabei nicht besser sein und so sollte sich die Einlass-Schlange auch nicht mehr auflösen.

Schandmaul

Deutlich ruhiger ist es derweil bei Schandmaul. Die wohl musikalischen Ausreißer des Tages können anfangs auf nur relativ wenige Fans blicken, was sich jedoch mit der Zeit ändert. Generell fällt dies aber nicht auf, da die Anwesenden so viel Stimmung machen und tanzen, also wären sie viel mehr. Ein Blick auf die Bühne ist aber etwas ungewohnt: Geigerin Saskia hat vor kurzem ihr Baby bekommen und ist daher nicht dabei. Sänger Thomas Lindner muss mit einem Hocker vorlieb nehmen. Ein Fahrradunfall zwingt ihn etwas ruhiger zu sein, hält ihn aber dennoch nicht davon ab immer wieder aufzustehen. So singt er “Teufelsweib” komplett im Stehen, da der Song es nach seinen Worten “verdient hat”. Der Refrain des Songs wird dabei oft von den Fans alleine gesungen und mit verschiedenen Aufgaben ausgedehnt.

she past away

Wer den Abend ruhig ausklingen lassen wollte oder nochmal etwas Erholung brauchte war bei She Past Away komplett richtig. Post Punk, der zum Mitschwingen und genießen einlädt. Ansagen gibt es dabei nur wenige. “Hello friends how are you doing tonight” fragt uns Sänger Volkan Caner mit einer ruhigen, angenehmen Stimme, bevor es weiter im Set geht. Der Fokus liegt dabei oft auf ihrem neusten Album “X”, welches letztes Jahr erschienen ist.

VNV Nation

Der Tag ist fast vorbei, kann natürlich nicht ohne den Headliner zu Ende gehen, auf den sich die meisten gefreut haben: VNV Nation. Das Zelt ist voll und die Blicke sind gespannt Richtung nach vorn gerichtet, als Ronan Harris zu den ersten Tönen von “When is the Future” auf die Bühne kommt und diese direkt für sich einnimmt. Direkt wird das Tanzbein geschwungen und die letzten Kräfte des Tages mobilisiert. Die Setlist an diesem Abend ist wie gewohnt ungewohnt. Ronan gräbt wieder Songs aus, die er sonst nie spielt und schmückt diese nur mit wenigen Klassikern aus. “Wir haben ein ganz unterschiedliches Programm für euch heute” sagt er uns und bringt dabei gemischte Gefühle beim Publikum auf. Einige freuen sich Songs zu hören, die sie sonst nie hören, aber generell ist die Stimmung viel besser bei den Klassikern. So sind die Fans bei “Illusion” deutlich zu hören und singen einen Part alleine, womit selbst Ronan nicht gerechnet hatte und etwas mitgenommen aussieht. Zwischendurch fragt Ronan die Security wie sie das Konzert finden, nur um einen Daumen hoch zurückzubekommen. Dies fasst den Auftritt gut zusammen. Bei VNV Nation weiß man was man bekommt und das ist auch diesmal nicht anders.

Und dann ist der Tag vorbei. Wer nun noch Kraft hatte, konnte diese auf der Aftershowparty aus sich heraus tanzen oder noch mit Freunden ein letztes Getränk zu sich nehmen. Die meisten bevorzugen sich jedoch auf ihr Zimmer zurückzuziehen, um für den nächsten Tag bereit zu sein, denn dieser kommt früher als gedacht und kann mit noch mehr Programm als der erste auffahren.

Plage Noire 2022: Tickets + Infos

Plage Noire 2021: Wochend- und Tagestickets verfügbar

Der Ferien- und Freizeitpark Weissenhäuser Strand wird erst im nächsten Jahr wieder Heimat für jede Menge düstere Seelen beim Plage Noire 2021 – denn aufgrund der Auswirkungen rund um das Coronavirus (COVID-19) musste die Ausgabe 2020 leider abgesagt werden! Beim dem zweitägigen Indoor-Festival wird dich nicht nur die Legende vom schwarzen Strand in seinen Bann ziehen, auch eine ganz besondere Welt mit Musik von über 25 Bands auf drei Bühnen wird sich dir öffnen. Dazu gibt es viele weitere Facetten der schwarzen Szene, wie Mode und Styling und an beiden Festivaltagen gibt es eindrucksvolle Fashion-Walks von Prêt-à-porter bis Haute-Gothic-Couture. 

Als Top-Acts für das Plage Noire 2021 Line-Up sind Assemblage 23, Fields of the Nephilim, Schandmaul, Joachim Witt, Front 242, Aesthetic Perfection, Letzte Instanz, Future Lied to Us, Massive Ego und viele mehr bekannt. Veranstalter FKP Scorpio wird aber schon bald viele noch jede Menge mehr Künstlernamen nennen.

Zwei-Tages-Tickets für das Plage Noire am 29. & 30. Oktober 2021 sind ab sofort erhältlich, zum Beispiel bei Eventim für 132,25 Euro, Tagestickets für Freitag 68,25 Euro sowie Samstag 78,25 Euro.

Plage Noire 2021 tickets + Infos

Dunkelvolk bleibt tapfer: Plage Noire 2020 ist verschoben

Ende April, am 24. und 25.4. sollte eigentlich das beliebte Düster-Festival am Weissenhäuser Strand – das Plage Noire 2020 – an den Start gehen. Dafür wollen eigentlich jede Menge Besucher an die Ostsee pilgern. Doch die aktuell schwierige Lage rund um alle Auswirkungen des Coronavirus (COVID-19) und die behördlich verfügten Verbote von Klein- und Großveranstaltungen, machen es der Livemusikbranche schwer, konkrete Aussagen für längerfristig geplante Indoor- oder Open Air-Events zu treffen.

Nun hat sich aber Veranstalter FKP Scorpio mit einem offiziellen Statement gemeldet und erklärt, dass das Plage Noire 2020 einen Ersatztermin für den Herbst gefunden hat! Am Wochenende vom 30. bis 31. Oktober 2020 geht es daher in eine neue Runde! Das Festival hat bereits Künstler wie Assemblage 23, Das Ich, Diary Of Dreams, L’Âme Immortelle, Fields of the Nephilim, Front 242, Funker Vogt, Joachim Witt, Melotorn, Aesthetic Perfection, Schandmaul, Stahlmann und viele weitere bestätigt.

Was passiert mit meinen Tickets?

Alle, die für das Plage Noire 2020 ein Ticket vorab gekauft haben, werden in Kürze vom Veranstalter per E-Mail benachrichtigt! So wurde es in der offiziellen Pressemeldung verkündet. Genauere Informationen ggf. zur Rückabwicklung der Tickets oder der weiteren Gültigkeit für den Herbst, bekommt ihr dann natürlich auch.

Wir hoffen mit euch allen, dass sich die Lage weltweit bald wieder etwas entspannt und wir alle wieder der Leidenschaft für Livemusik, Konzerte und Festivals nachgehen können. Bleibt gesund und gebt auf euch acht!

 

Das sind die besten Festivals im Mai 2019

Bis heute und bereits seit den 1980er Jahren können Musikfans aller Genres auf der ganzen Welt ihre Freude und den Spass an Livemusik ausleben, denn durch unzählige Open-Air-Events gibt es jedes Jahr einen regelrechten Festival-Boom. Unsere Redaktion hat für euch eine Übersicht der Highlights in den Sommermonaten Mai bis September zusammengestellt und hier präsentieren wir euch die besten Festivals im Mai 2019!

Einen Gesamtüberblick aller Festivals 2019 in Deutschland, Europa und der Welt findet ihr im STAGR-Festivalplaner 2019 –  dort stehen alle wichtigen Infos zu Festival-Tickets und Line-Ups, es gibt tagesaktuelle Bandbestätigungen, Geländepläne und Running Oder zum Download sowie wissenswertes zur Anreise.

Plage Noire 2019

Plage Noire 2018 – So war der Samstag

Der Samstag beginnt bei uns mit Absurd Minds. Der Salle de Fête ist bei unserer Ankunft schon rappel voll und dann legen die Jungs auch schon los. Wer nicht schon durch die Temperaturen schwitzt, dem geben die harten Beats, die fast schon zum Tanzen zwingen, den Rest um den Schweiß auf die Stirn zu treiben. Für uns steht aber auch bald der Weg zurück zu La Chapiteau an, wo Unzucht auf uns warten. Im großen Zelt machen sich die langen, nächtlichen Stunden noch deutlich bemerkbar, sodass nur knapp über die Hälfte gefüllt ist. Auch heute zeigen die vier Dark Rocker, dass live einfach viel mehr Power dahinter steht als hinter den ihren Plattenversionen und pfeffern uns „Engel der Vernichtung“ und „Unzucht“ von ihrem ersten Album „Todsünde 8“ um die Ohren. Generell ist der Auftritt mit vielen älteren Titeln gespickt, was beim Publikum sehr gut ankommt.

Plage Noire 2019 Infos + Tickets

Drinnen machen es sich derweil Centhron im Salle de Fête gemütlich und heizen bei guter Stimmung dem Publikum ordentlich ein. Im La Chapiteau warten danach Lord of the Lost auf uns, die unter tosendem Applaus die Bühne betreten. Sichtlich ein Publikumsmagnet und unüberhörbar besonders beim weiblichem Publikum. Keyboarder Gerrit Heinemann ist aber heute nicht mit dabei. Er ist auf Abwegen mit Kult Darsteller David Hasselhoff auf der Suche nach Freiheit.

Im Salle de Fête mit einer Programmänderung. Diorama ist kurzfristig ausgefallen und so schwingt sich Sänger Felix Marc stattdessen mit dem Electro Pop Duo Frozen Plasma auf die Bühne. Wir beschweren uns nicht und tanzen die Revolution. Zu Titeln wie „Age after Age“, „Foolish Dreams“ und „Eearthling“ wird getanzt was die Füße mitmachen. Mit „Safe. Dead. Harm.“ wird auch die gestern frisch erschienen erschienene Single präsentiert. Nach „Herz“ zieht es uns zurück ins La Chapiteau, wo Blutengel mit ihrer imposanten Bühnenshow, gefüllt mit allen Klischees der Gothic-Szene, auf uns warten.

Schöne Frauen, Feuer und literweise Kunstblut … einzig auf das Feuer müssen wir heute verzichten. Die Brandschutzverordnungen des Zeltes geben das wohl nicht her. Zu den ersten Klängen zu „Gott: Glaube“ bricht das Publikum in tosenden Applaus aus. Die kleineren technischen Schwierigkeiten werden von Chris Pohl mit viel Humor aufgenommen und so geht es weiter durch das Sortiment von Blutengel, sowohl akustisch, als auch visuell, mit Titeln wie „Lucifer“, „Engelsblut“ und „Say Something“. Auch in der Vergangenheit wird ordentlich gegraben und alte Klassiker wie „Bloody Pleasures“, „Children of the Night“ und „Seelenschmerz“ präsentiert. Besondere Mühe bereit sich Chris zu „Leitbild“, wozu er versucht auf unterschiedlichste Arten das Publikum zu motivieren sich lautstark mit „Nein, Nein“ am Refrain zu beteiligen. Den Abschluss setzen sie mit dem Titelsong des Aktuellen Albums „Black“.

Drinnen im Salle de Fête geht es als nächstes weiter mit Die Krupps. Oder soll es zumindest. Mit 15 Minuten Verspätungen und grob 7 Anläufen des Intros, die dann doch immer wieder abgewürgt werden, geht es los. Technische Probleme, schade.

Dann erwartet uns aber auch schon Subway to Sally im La Chapiteau, die mit einem ausgedehnten Händemeer zu „Grausame Schwester“ begrüßt werden. Weiter geht mit „Henkersbraut“, „Kleid aus Rosen“ und „Unsterblich“. Etwas moderner wird es schließlich mit „Eisblumen“, „Falscher Heiland“ und „Tanz auf dem Vulkan“. Nach ihrer Tour durch ihre ältere und jüngere Schaffensgeschichte darf natürlich auch der Publikumsliebling „Julia und die Räuber“ nicht fehlen. Auch wenn man sich durchaus die Frage stellen kann: Singt hier die Band für die Fans oder die Fans für die Band?

Danach geht es auf Selbstmordmission im Salle de Fête, wo Suicide Commando der Luft endgültig den gar ausmachen. Unter der Gewalt ihrer Beats können nur die ganz Hartgesottenen noch tanzen. Ein Tag voller Tanzmusik haben der Luft auch den letzten Rest Sauerstoff abgerungen. Die Verschnaufpausen zwischen den Bands hatten wenige Chancen den Zustand auf ein Normales Niveau zurück anzuheben.

Fürs große Finale geht es zurück in La Chapiteau mit VNV Nation. Unter donnerndem Jubel beginnt der Anfang vom Ende. Das Zelt ist rappel voll und dabei ist Suicide Commando noch nicht einmal mit ihrem Set durch, als es auch schon mit „Joy“ los geht. Weiter geht es danach mit einem Toptitel nach dem anderen, wie „Testament“, „Nemesis“ oder „Legion“. In seiner gewohnt minimalistischen aber energiegeladenen Show entfaltet Ronan Harris sein volles Potenzial. Mit „Honour“ wird es danach auch etwas romantischer, gefolgt von „Primary“. Zu „Illusion“ singt der Großteil des Zeltes mit und erzeugt eine Gänsehautstimmung die man wirklich selten erlebt. Danach wird es wieder etwas aktiver mit „Standing“ und „Space and Time“. Zu „Control“ wurde die mitsingende Menge so gewaltig, dass Ronans Stimme untergehen zu droht. Um das Eindrucksvolle Bild der leuchtenden Lichter zu „Nova“ einzufangen macht Ronan Harris kurzerhand ein Video, dass auch auf der Facebook-Seite von VNV Nation zu bestaunen ist. Den persönlichen Fan-Hochmoment hat zu „Resolution“ dann jemand der gar nicht da ist. Ein Videoanruf aus der ersten Reihe erregt die Aufmerksamkeit von Ronan, der sich kurzerhand das Handy hochreichen lässt und den Anruf von der Bühne aus weiter führt. Mit „Perpetual“ legten VNV Nation unseren persönlichen Abschluss.

Für uns neigt sich das Plage Noire 2018 dem Ende entgegen. Schmerzende Füße und der noch anstehende Heimweg zollen ihren Tribut und wir machen uns auf den Rückweg. Damit verabschieden wir uns und freuen uns darauf, im nächsten Jahr wieder zu kommen. Zum Glück ist die Pause ja absehbar und dauert nicht noch einmal 9 Jahre an.