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Seeed in Hannover: Die Berliner Dancehall Cabaleros reiten wieder

Sie sind wieder da, die Reggae-Dancehall-Könige. In Bezug auf Liveauftritte und neue Musik ist es zwar ein paar Jahre ruhig um die Berliner gewesen, im vergangenen Jahr hat die Band dann aber eine große Tournee und die Arbeit an einem neuen Album verkündet. Nach dem schweren Schicksalsschlag, als Bandmitglied Boundzound im Mai 2018 verstarb, war zuerst unklar, wie es für Seeed weitergehen würde. Im Sinne ihres Bandkollegen und für die Fans haben Peter Fox und Frank Dellé entschieden, dass es trotzdem weitergehen soll.

„Bam Bam“ – mit neuem Material (VÖ Oktober 2019) und neunköpfiger Liveband-Unterstützung sind die beiden Musiker energiegeladen zurück. Seit Mitte Oktober touren Seeed durch Deutschland und die umliegenden Länder, am ersten Dienstagabend im November geht es für Seeed nach Niedersachsen, hier kommen nun die Hannoveraner Fans in den Hochgenuss von Seeeds grandiosen Live-Qualitäten. Vorher gibt es aber noch ein paar zackige Hooklines von Rapperin Nura auf die Ohren, die eher ungern ein Blatt vor den Mund nimmt.

NURA

Dieses Jahr ist die ehemalige Mädelsband SXTN in zwei Teile gespalten und beide Damen sind solo unterwegs. Vor einem riesigen schwarzen Vorhang steht ein DJ-Pult, von dem aus der DJ ins Publikum fragt: „Habt ihr Bock auf Nura?“ Als der Fan-Jubel vom DJ als angemessen bewertet wird, kommt Nura auf die Bühne. Eine knappe halbe Stunde lang gibt die Rapperin ihre aktuellen Solohits zum Besten, dabei kocht die Stimmung im Publikum zwar nicht hoch, aber zumindest wird hier und da mit getanzt, gewippt und teils gerappt. Nuras Rap-Style trifft einfach nicht jeden Geschmack, denn der liegt eben auf einer ähnlichen Welle, wie jener, den sie mit Ex-Bandkollegin Juju bei SXTN hingelegt hat: prollig und gröhlig. Mit knapp 1,5 Millionen Hörern bei Spotify hat Nura aber eindeutig eine große Fangemeinde.

SEEED

„Wir sind Seeed und das ist unser Gebiet“. Auf der Bühne der TUI Arena in Hannover startet jetzt der Partymodus. Hier tummeln sich ab jetzt aber nicht nur die beiden beliebten Frontmänner, sondern auch ein Horde an Bläsern, Trommlern und verschiedenen weiteren Instrumentalisten. Bei Seeed gibt es nun mal immer viel zu sehen. Und auch wenn der sonst gewohnte Anblick des langjährigen Trios nun dem eines Duo gewichen ist, so finden Peter Fox und Frank Dellé bei ihrem Konzert mit vielen warmen Worten einen tollen Weg, ihren verstorben Bandkollegen zu würdigen. Mit bewährt gutem Gespür für neue Hits und beliebte Klassiker gibt es über zwei Stunden lang eine bunte Mischung aus ihrer umfangreichen Künstler-Diskografie. Gut gelaunt und mit textsicheren Kehlen feiern die 12.000 Besucher die Dancehall-Pioniere.

In den letzten 21 Jahren haben Seeed mit insgesamt fünf Alben, ihrem ganz eigenen Sound und den unglaublichen Liveshows erst ihre Heimatstadt Berlin und dann den Rest von Deutschland, Europa und weitere Teile rund um den Globus erobert. Und natürlich ist ein Alleinstellungsmerkmal der Band, die abwechslungsreiche Mischung der verschiedenen Musikstile wie Dub, Hip-Hop, Dancehall, Afro-Trap und Reggae gepaart mit eingängigen Beats und verspielten Melodien. Hinzu kommen jede Menge Wortwitz und Einfallsreichtum in den Lyrics und die einwandfrei erkennbaren Stimmen der drei Frontmänner. Ihr neustes Werk knüpft bereits an die früheren Erfolge an, es ist direkt auf Platz #2 der deutschen Charts geklettert. Musikalische Verstärkung haben sich Seeed übrigens auch für ihr Album geholt, darunter Trettmann bei „Immer bei dir“, Deichkind bei „Lass das Licht an“, Nura bei „Sie ist geladen“ und Salsa 359 bei „Love Courvoisier“.

Emotional wird es noch einmal in der Mitte des Sets, als der Song „You & I“ ertönt und ein Scheinwerfer zwischen Fox und Dellé auf die leere Stelle auf der Bühne leuchtet. Dorthin, wo eigentlich Demba Nabé aka Boundzound hätte stehen sollen. Vom Band erklingt dabei seine Stimme – für Fans und Band ein herzerwärmender Moment.

Wer Seeed bislang noch nicht gesehen hat oder sowieso darüber nachdenkt, eine Karte zu kaufen: Neben unzähligen Konzertterminen noch für dieses Jahr und 2020, darunter beispielsweise im Sommer in Berlin, spielen Seeed alleine fünf Konzerte in der Wuhlheide und drei Konzerte in der Waldbühne. Zusätzlich führen die Music Monks auch einige Plätze als Festival-Headliner für den Sommer 2020 an, u. a. das Hurricane und Southside Festival 2020 sowie das Sputnik Spring Break 2020. Man sieht also, auch nach 21 Jahren im Musikgeschäft sind Seeed immernoch ein großer Publikumsmagnet!

MS Dockville 2019 am Samstag: Rock im Regen

Vom 16. bis zum 18. August fand zum 13. Mal das wohl bunteste Musikfestival des Nordens statt: das MS Dockville 2019 in Hamburg. Heute berichten wir vom zweiten Tag: Samstag.

Gestern war Billie Eilish hier! Ja ja, war toll. Aber wir sind auch froh, dass sie wieder weg ist. Als Überheadliner hat sie dafür gesorgt, dass das Dockville aus allen Nähten platzte. Zeitweise war kein Durchkommen mehr und der Platz vor der Hauptbühne wurde offiziell abgeriegelt, weil es zu voll war. Es hat sich angefühlt, als würden Reeperbahn Festival, CSD und Monki-Supersale gleichzeitig stattfinden. Für das eigentlich sehr entspannte Dockville war das alles etwas unentspannt.

Deshalb freuten wir uns am Samstag auf einen Tag ohne gehypte Weltstars, sondern einfach nur mit guten, angesagten Musikern wie Nura, Giant Rooks und Von Wegen Lisbeth. Bei letzterem wurden die Fans von einem kleinen Monsunregen erwischt, aber dazu später mehr.

Nura

Kann sich noch jemand an gestern erinnern? Dann wisst ihr noch, dass Juju auf der Hauptbühne stand, eine Hälfte der Band SXTN. Die andere Hälfte durften wir am Samstag auf dem Vorschot erleben: Nura.

Auf der Bühne stand ein gigantischer Deutscher Reisepass neben dem DJ-Pult, von dem aus der DJ fragte: „Habt ihr Bock auf Nura?“ Haben wir! Als der Fan-Jubel vom DJ als angemessen euphorisch bewertet wurde, kam sie endlich auf die Bühne: Nura.

Es ging los mit dem Song „Ich bin schwarz“, der natürlich auch von Fans mitgesungen wurde, die weiß sind. Und braun, gelb, rot, bunt! Hautfarben interessieren auf dem weltoffenen Dockville eh niemanden – hier ist jeder willkommen. Schon in der ersten Strophe hat Nura auch erklärt, was der Deutsche Pass auf der Bühne zu suchen hatte: „Ich fick‘ deine Bitch, hab‘ ‘nen Heidenspaß, und jetzt hab‘ ich einen deutschen Pass!“

Mit der Frage „Wo sind meine Moshpit-Minister?“ wurde der nächste Song eröffnet: „Auf der Kippe“. Zum Song „Radio“ kam tatsächlich nochmal die Sonne raus. Und das zum letzten Mal für heute, wie wir später am eigenen, klitschnassen Leib erfahren sollten.

Nuras Rap-Style ist nicht wirklich mein Geschmack. Alles etwas prollig und grölig. Aber ihre Viva Con Agua Aktion konnte ich nur feiern: Ein großes, aufblasbares Ruderboot ging auf große Fahrt übers Menschenmeer. Dann forderte uns Nora auf, Plastikbecher und Flaschen ins Boot zu werfen, damit das Pfandgeld an Viva Con Agua gespendet werden kann. Der Verein setzt sich dafür ein, die Trinkwasserversorgung in südlichen Ländern zu verbessern. Und wenn ich nur mein Bier leertrinken muss, um was Gutes zu tun, mache ich gerne mit. Gute Aktion, Nura!

Giant Rooks

Schon am frühen Abend war der Platz vor dem Großschot komplett mit Fans gefüllt, die schon über die Deiche links und rechts der Bühne schwappten. Sie alle waren für die Giant Rooks hier, die um 20:40 die Bühne betraten.

Die fünf Musiker kommen aus Hamm, einer kleinen, langweiligen Stadt in NRW. Das hört man ihnen gottseidank nicht an: die Giant Rooks machen runden, gut arrangierten Indie-Rock, der sich irgendwie international anhört und an alt-J erinnert. Auf dem Dockville spielten sie zuerst „100 mg“, danach folgte „Bright Lies“. Die Unmengen an Fans, die zum Refrain laut „Ophelia“ mitsangen, haben auch Sänger Frederik Rabe beeindruckt: „Ihr seid so viele!“ Yepp, das waren sie. Und es sollten noch mehr werden. Denn als nächstes stand Von Wegen Lisbeth auf der Bühne.

Von wegen Lisbeth

Die Indie-Pop-Band um Sänger und Gitarrist Matthias Rohde war der Headliner des Tages. Die fünf Berliner waren um 22:20 Uhr auf dem Großschot angekündigt und sind alte Bekannte: Sie waren schon vor zwei Jahren hier, damals noch eine Nummer kleiner: auf dem Vorschot.

Die Bühne war noch für den Soundcheck abgehängt, als es wie aus Kübeln zu regnen begann. Die harten VWL-Fans, die schon stundenlang vor der Bühne warteten, haben ihre Plätze natürlich nicht aufgegeben. Sie waren bestens vorbereitet und haben Regenjacken, Regencapes, Regenponchos, Regenschirme, Regensonstwas aus ihren Rucksäcken gekramt. Alle anderen haben sich unter Bierständen, Jever-Schirmen und Bäumen in Sicherheit und Trockenheit gebracht.

Plötzlich ging ein Raunen durch die Menge: es wurde dunkel und eine geheimnisvolle Melodie wurde gespielt. Gitarre und Keyboard setzen ein – dann fiel endlich der Vorhang und Von Wegen Lisbeth legten los! Zum lauten Jubel der durchnässten Fans spielten sie zur Begrüßung „Freigetränke“. Danach folgte „Meine Kneipe“, der Song mit dem saulustigen Text, der von der Crowd begeistert mitgegrölt wurde: „Schlaf‘ auf jedem Klo, mit jedem Typen, den du willst (…) Mach‘ was du willst, aber bring nie wieder deine neuen Freunde …. in meine Kneipe.“

Mittlerweile war auch der letzte Fan vom Regen durchnässt. Auch die beste High-Tech-Jacke bringt nicht mehr viel, wenn das Wasser in die Schuhe, in die Ärmel und in den Kragen kriecht. Feuchtigkeit findet immer einen Weg. Aber das juckte die Fans nicht, wie auch Sänger Matthias Rohde wusste: „Regen macht euch nichts aus. Ihr seid doch Hamburger!“ Wo er Recht hat, hat er Recht. Wer sich in Hamburg wegen Regen beschwert soll, nach München ziehen.

Wer war sonst noch da?

Drunken Masters. Das DJ-Team aus war als Ersatz für den kranken Karate Andi da. Die beiden DJs haben brettharte Beats, Songs und Samples aus alle Musikgenres ineinander geprügelt. Electro-Bass, E-Gitarre, Whoop there it is? Hauptsache es ballert. Den Fans hat’s gefallen: Schon um 18:30 sind sie vor der Bühne ausgerastet wie sonst um 3:00 nachts im Club. Alle haben ausgelassen getanzt, sind auf Kommando in die Knie gegangen und wieder hochgesprungen, als der Bass droppte. Uns war das alles etwas zu stressig, aber es gibt Bonuspunkte für den 1UP-Aufkleber auf dem Notebook.

Mine. Die deutsche Sängerin stand am frühen Abend auf dem Großschot. Und darüber hat sie sich genauso gefreut wie die Fans: „Es ist 19:20 und wir dürfen auf der Hauptbühne spielen! Ich scheiß mich ein!“ Im goldenen Outfit, mit einem riesigen Umhängekeyboard (auch Keytar genannt – schon wieder was gelernt) hat sie Pop mit Electro- und Hip-Hop-Elementen gespielt.

Yves Tumor. Der amerikanische Musiker hat auf der Maschinenraum-Bühne experimentelle Electro-Musik gemacht. Naja, er hat es zumindest versucht: Schon nach wenigen Beats gab’s Sound Probleme. Nicht schlimm, Yves hat die Pause genutzt, um mit den Fans zu quatschen und den American-Spirit-Promoter um Kippen und Werbeschnickschnack anzuschnorren: „Can I get a free ashtray?“ Na klar! Als es dann endlich weiter ging, konnten wir Yves auf der dunklen Bühne kaum erkennen, aber dafür umso besser hören: Zu lauten Beats, beunruhigenden Sounds und Störgeräuschen hat er Worte und kurze Sätze ins Mikro geschrien. Sehr experimentell.

Loyle Carner. Der Londoner Rapper stand als vorletzter Musiker auf dem Vorschot, das er sich gemütlich eingerichtet hatte: mit Ohrensessel und Fußballtrikots an den Wänden. Mit einem sensationellen Cockney-Slang rappte er Songs wie „Ice Water“ oder „You Don’t Know“. Die Boom Bap Beats fand ich sehr smooth und lässig, was aber auch an der Graswolke gelegen haben kann, die ständig zu mir rüber wehte. Kleiner Tipp: Wer Rap aus London gut findet, sollte sich mal Ocean Wisdom anhören, der mit seinem Debüt „Walkin“ Eminems Rap-Geschwindigkeits-Rekord übertroffen hat.

Jungle. War die letzte Band auf dem Vorschot. Leider waren wir vom Regen so durchnässt wie nach einer Bierdusche auf einem Deichkind-Konzert. Deshalb sind wir nach Hause gefahren, bevor Jungle loslegen konnte – Redakteure sind auch nur Menschen. Aber weil wir Jungle schon auf dem Reeperbahn Festival live gesehen haben, können wir euch versichern: die Neo-Soul-Band aus London hat sicherlich einen sensationellen Auftritt geliefert.

Wie geht es weiter?

Mittlerweile ist es Sonntag. Am letzten Tag fährt das Dockville Festival nochmal ein starkes Line-up auf: Kat Frankie, Roosevelt, Drangsal, Aurora, Bilderbuch und viele mehr. Morgen verraten wir euch, wie es war.

MS DOckville 2020: Tickets + Infos

MS Dockville 2020

Kosmonaut Festival 2019 – Always Hardcore im 7. Festivaljahr

Mittlerweile sind es schon zwei Jahre her, dass das 5-jährige Jubiläum vom Kosmonaut Festival Stausee Rabenstein nahe Chemnitz gefeiert wurde. Die Veranstalter haben seitdem unaufhörlich an ihrem Konzept und den Line-ups gefeilt. Mit viel positiver Resonanz. Am ersten Juli-Wochenende stand nun die siebte Ausgabe mit dem Kosmonaut Festival 2019 an. Kurze Wege zwischen den Zeltplätzen hin zum Festivalgelände und auch vom Parkplatz gestalteten die Anreise unproblematisch. Um auch die Besucher vom Kosmos Chemnitz aufzunehmen, wurden die Campingflächen dieses Jahr sogar einen Tag eher geöffnet. Denn um ein Zeichen gegen Rechts zu setzen, feierten dort am Donnerstag, den 4. Juli schon knapp 65.000 Zuschauer direkt in Chemnitz.

Auf insgesamt sechs verschiedenen Bühnen lief das musikalische Rundum-Sorglos-Programm. Die größeren Künstler gastierten dabei auf Hauptbühne und Atomino Bühne – der restliche Spielplan verteile die Acts auf Beim Siggi, Kosmo-Wash, Spotify Podcast Bühne und Steinbühne. K.I.Z., Bosse, Von Wegen Lisbeth, Giant Rooks, Leoniden, NURA, Fil Bo Riva und viele weitere präsentierten die besten Hits ihres Live-Repertoires unter frenetischem Jubel von 15.000 Festivalbesuchern.

Das von der Band Kraftklub und Landstreicher Booking liebevoll veranstaltete Festival zeichnete sich jedes Jahr durch ein junges, modernes Programm aus, dass immer ein besonderes Schmankerl oben drauf gesetzt hatte – und zwar in Form des traditionellen „Geheimen Headliners“, der schon seit Jahren Bestandteil vom Kosmonaut Festival ist.

Kosmonaut Festival 2019 Freitag

Auf den Campingplätzen herrschte seit Donnerstag reges Treiben und die meisten Besucher hatten sich entsprechend auch schon vollständig eingerichtet. Neben Entspannen, Grillen und festivaltypischen Gemeinschaftsspielen, konnte man sich die Zeit bis zur Eröffnung der Bühnen perfekt vertreiben. Passend outet sich der Wettergott ebenfalls als Festivalfan und bescherte hochsommerliche Temperaturen. Zur Abkühlung Abkühlung war der angrenzende Stausee Rabenstein natürlich in Dauernutzung. Wo kann man sonst mitten im See baden und von dort auf die Hauptbühne schauen?

Die Festivalorganisatoren hatten es auch dieses Jahr wieder geschafft, den Freitags-Headliner bis zur letzten Minute verborgen zu halten. Kurz bevor der Vorhang fiel, traten Kraftklub auf die Bühne und kündigten an, dass es sich dieses Mal um eine sehr spezielle Ausgabe des „Geheimen Headliners“ handeln würde. Als große Überraschung wurden die deutschen Techno-Legenden Scooter enthüllt – die Massen auf dem Festivalgelände tobten und feierten zu den ballernden Beats und tiefen Bässen.

Nura

Die ehemalige Hälfte des Rap-Duos SXTN aus Berlin, kündigte sich für die diesjährige Ausgabe vom Kosmonaut alleine an. Gespalten war die Fangemeinde nach der Trennung und auch, was die Zukunft für die beiden Solo-Projekte anging. Die 29-jährige Sängerin hat seit April ihr erstes Solo-Album auf dem Mark („Habibi“) und dies galt es hier natürlich zu promoten. Vor der Mainstage tobte bereits das willige Publikum, schließlich kannte man die rotzfreche Rapperin. Die Fans waren gespannt, wie sich das Solo-Debüt von Nura live auf der Bühne wohl macht. Weniger aggressiv und provokanter kamen die Songs und auch der Auftritt von Nura daher. Dies tat der Stimmung aber keinen Abbruch, gefeiert wurde trotzdem. Nura überzeugte auch ohne Kollegin Juju.

Leoniden

Die Leoniden sind benannt nach einem Meteorstrom und diese Meteore schlagen am frühen Abend auf der Mountain Stage ein. Während die Abendsonne das goldene Leoniden-Logo auf der Bühne erstrahlen lässt, spielen die Leoniden ihren Indie-Rock mit viel Synthie, noch mehr Energie und einer unglaublichen Begeisterung. Sänger Jakob Amr springt dabei wie ein Flummi über die Bühne und Gitarrist Lennart dreht völlig durch. Er schmeißt sich die Gitarre auf den Rücken, beißt ins Mikrofon, verknotet sich fast in den Bühnenkabeln und befreit sich gerade rechtzeitig, um seinen Part weiter zu spielen.

Bosse

Mit „Engtanz“ hat Axel Bosse im Jahr 2016 sein erstes Nummer-Eins-Album gefeiert. Auch der Vorgänger „Kraniche“ mit Hits wie „Schönste Zeit“ und „So oder so“ hat eine Gold-Auszeichnung erhalten und ist 38 Wochen in den Charts gewesen. Der charismatische Braunschweiger Axel Bosse ist aber vor allem für aber seine Live-Shows bekannt und beliebt, in denen er sich völlig verausgabt. Die Besucher vom Kosmonaut 2019 sind ganz aus dem Häuschen, als Bosse gut gelaunt die Bühne in Beschlag nimmt. Mit seiner sympathischen Art und seiner genialen Band begeistert „Aki“ Bosse die Fans von der ersten bis zur letzten Reihe und mischt sich wie immer bei seinen Konzerten für einen gemeinsamen Song auch nochmal unter die Leute.

Scooter

Seit über 25 Jahren stehen Scooter für das Motto „Always Hardcore“ und unter diesem wurden H.P. Baxxter und Co. auch am Freitagnacht von Kraftklub auf der Mainstage angekündigt. Mutig oder berechnend, eine Technoband der 90er Jahre auf die Bühne zu holen? Auf jeden Fall eine gute Idee, schließlich haben Scooter in ihrer langjährigen Bandgeschichte 30 Millionen Alben verkauft. Jubel im Publikum, denn mit Scooter konnte man sich einer ausgelassen Stimmung sicher sein. Ihre Tournee „100 % Scooter – 25 Years Wild & Wicked“ im vergangenen Jahr zeigte erneut, dass Scooter nicht nur alte Fans halten können, sie begeistern auch heute noch viele jüngere Fans.

Zu „One (Always Hardcore)“ brannte gefühlt die halbe Bühne, H.P. sprang in bester Laune quer über die Bühne, während ein Pyroeffekt nach dem nächsten abgefeuert wurde. Etwas im Hintergrund befanden sich die beiden Bandkollegen (Etnik Zarari und Michael Simon), die wie in Trance auf Synthesizer und Keyboards einhämmerten. Was dazu bei keiner Scooter-Show fehlen durfte, sind die Tänzer. Vier Mädels und zwei Jungs begleiteten fast jeden Song mit stets wechselnden, heißen Bühnenoutfits. H.P. Baxxter mit seinen 50 Jahren nutzte die volle Bühne aus und hatte sogar jede Menge Moves einstudiert, die er synchron mit seinen Tänzer ausführte. Hut ab! Neben allen Künstlern auf der Bühne war ganz klar die Licht- und Pyroshow ein großes Highlight. Was hier an CO2, Feuereffekten und Bühnenblitzen abgefackelt wurde, konnte sich wirklich sehen lassen und durchaus mit einem Auftritt wie bei einem der großen EDM-Festivals mithalten. Jeder einzelne Scooter-Song wurde neu inszeniert und auch das Publikum wird stets mit eingebunden.

Kosmonaut Festival 2020: Tickets + Infos