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Inhalt

Picknick-Konzerte 2020 in Berlin, Dresden, Leipzig, Köln und Münster

In Zeiten der Coronakrise sind Liveshows, Festivals und Konzerte aus dem Alltag aller Musikliebhaber nahezu verschwunden. Außer den derzeit beliebten Live-Streams in den sozialen Medien gibt es auf absehbare Zeit keine Live-Veranstaltungen, denn die Bundesregierung hat zur weiteren Eindämmung des Virus ein Verbot von Großveranstaltungen durchgesetzt. Zum Glück arbeiten aber viele Veranstalter, Spielstätten, Musiker und sonstige der Branche Angehörige aber unermüdlich, um den Menschen in dieser schweren Zeit einen Lichtblick und vor allem kulturellen Austausch zu ermöglichen. Aus diesem Grund können sich Konzertfans vom 30. Juli bis zum 2. August 2020 endlich wieder auf Live-Konzerte freuen – und zwar gleich an fünf verschiedenen Locations – im Ostragehege bei Dresden, dem Marien Park in Berlin, der Galopprennbahn Köln, der Parkwiese am Allwetterzoo sowie dem Agra Messepark in Leipzig. Dort wird es parallel jeweils verschiedene Picknick-Konzerte geben. Hier findet ihr einen Überblick über Anfahrt, Einlass, Ablauf und weitere hilfreiche Informationen.

Tickets

Wenn ihr bereits Tickets für die Shows der Picknick-Konzerte 2020 gekauft habt, könnt ihr jetzt die Planung für das bevorstehende Konzert starten. Nachfolgend findet ihr übersichtlich und auf einen Blick alle wichtigen Infos, damit ihr euch voll und ganz auf das große Konzerterlebnis konzentrieren könnt.

Wer noch auf der Suche nach Tickets für die Picknick-Konzerte 2020 ist, der findet diese ausschließlich online auf der Seite des Veranstalters.
Die Preise der verschiedenen Konzertabende liegen zwischen 44,40 und 49,35 Euro.

Nach dem Bezahl-Vorgang erhaltet ihr euer Ticket als PDF-Dokument/ Print@Home-Ticket. Bitte beachtet, dass euer Ticket in ausgedruckter oder digitaler Form (Smartphone) am Check-in bereitgehalten werden muss. Das Ticket wird von außen durch das Personal gescannt und auf seine Gültigkeit geprüft.

termine

Berlin:
Freitag, 14. August 2020 = Provinz = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:00 Uhr
Samstag, 14. August 2020 = Faber = Einlass 13:30 Uhr / Beginn 15:00 Uhr
Samstag, 14. August 2020 = Faber = Einlass 18:00 Uhr / Beginn 19:30 Uhr
Sonntag, 16. August 2020 = LEA = Einlass 13:30 Uhr / Beginn 15:00 Uhr
Sonntag, 16. August 2020 = LEA = Einlass 18:00 Uhr / Beginn 20:00 Uhr
Sonntag, 23. August 2020 = Milky Chance = Einlass 18:00 Uhr / Beginn 19:30 Uhr

Dresden:
Donnerstag, 30. Juli 2020 = Thees Uhlmann = Einlass 18:00 Uhr / Beginn 19:30 Uhr
Freitag, 31. Juli 2020 = Faber = Einlass 13:30 Uhr / Beginn 15:00 Uhr
Freitag, 31. Juli 2020 = Faber = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:00 Uhr
Samstag, 1. August 2020 = Giant Rooks = Einlass 13:30 Uhr / Beginn 15:00 Uhr
Samstag, 1. August 2020 = Giant Rooks = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:30 Uhr
Sonntag, 2. August 2020 = LEA = Einlass 13:30 Uhr / Beginn 15:00 Uhr
Sonntag, 2. August 2020 = LEA = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:30 Uhr
Freitag, 7. August 2020 = Dota = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:00 Uhr
Samstag, 8. August 2020 = Mine = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:00 Uhr
Sonntag, 9. August 2020 = Provinz = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:00 Uhr

Köln:
Freitag, 21. August 2020 = LEA = Einlass 13:30 Uhr / Beginn 15:00 Uhr
Freitag, 21. August 2020 = LEA = Einlass 18:00 Uhr / Beginn 19:30 Uhr
Samstag, 22. August 2020 = Faber = Einlass 12:30 Uhr / Beginn 14:00 Uhr
Samstag, 22. August 2020 = Faber = Einlass 17:30 Uhr / Beginn 19:00 Uhr
Sonntag, 30. August 2020 = Joris = Einlass 17:00 Uhr / Beginn 18:30 Uhr

Leipzig:
Donnerstag, 30. Juli 2020 = Faber = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:00 Uhr
Freitag, 31. Juli 2020 = Giant Rooks = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:30 Uhr
Samstag, 1. August 2020 = LEA = Einlass 13:30 Uhr / Beginn 15:00 Uhr
Samstag, 1. August 2020 = LEA = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:30 Uhr
Sonntag, 2. August 2020 = Thees Uhlmann = Einlass 18:00 Uhr / Beginn 19:30 Uhr
Freitag, 7. August 2020 = Provinz = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:00 Uhr
Samstag, 8. August 2020 = Dota = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:00 Uhr
Sonntag, 9. August 2020 = Die Höchste Eisenbahn = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:00 Uhr

Münster:
Samstag, 15. August 2020 = LEA = Einlass 13:30 Uhr / Beginn 15:00 Uhr
Samstag, 15. August 2020 = LEA = Einlass 18:00 Uhr / Beginn 20:00 Uhr
Sonntag, 16. August 2020 = Provinz = Einlass 13:30 Uhr / Beginn 15:00 Uhr
Sonntag, 16. August 2020 = Faber = Einlass 18:30 Uhr / Beginn 20:00 Uhr

Mehr Infos unter: www.picknick-konzerte.de

FAKTEN

Erlebt wunderbare Konzerte ohne jegliche Infektionsgefahr! Unter Einhaltung der Hygienevorschriften finden pro Vorstellung 950 Besucher*innen auf dem großen Gelände Platz. Man darf seine eigene Picknickdecke, Essen und Getränke mitbringen und dann die Konzerte live erleben. Markierungen auf der Wiese sorgen für den nötigen Abstand zwischen den Gästen, denn nur dort dürfen die Picknickdecken ausgelegt werden. Eine Mundschutz-Pflicht besteht während des Konzerts nicht. Natürlich aber beim Betreten der Fläche und dem Gang zur Toilette.

Mit der Flutrinne in Dresden, dem Marien Park in Berlin, der Galopprennbahn Köln, der Parkwiese am Allwetterzoo und dem agra Messepark Leipzig stehen mittlerweile fünf geeignete Areale für die Konzertreihe fest. Aber auch in einigen weiteren Städten dürften bald die Picknick-Körbe gepackt werden.

Wie ist das mit den Picknickdecken?

Ihr könnt eure eigenen Decken mitbringen, falls ihr keine passende habt könnt ihr aber natürlich auch vor Ort eine Decke erwerben. Die mitgebrachten Decken dürfen an der schmalen Seite maximal 2 Meter Länge betragen. Pro Gast sind max. 1,5 qm Decke zulässig, das bedeutet 4 Personen = Deckenmaß: 2 m x 3m, bei 2 Personen 2 m x 1,50m. Die Bereiche für die Picknickdecken auf dem Gelände sind markiert, bitte haltet den Sicherheitsabstand zu anderen Besuchern ein.

Pro Bereich dürfen sich, je nach gekauften Ticket, 2 oder 4 Personen aus einem Haushalt aufhalten. Eure Decken könnt ihr mit dem vorgeschriebenen Mindestabstand von 1,50m nebeneinander legen, unser Personal und Markierungen auf der Wiese helfen euch dabei. Falls ihr das Konzert mit Personen besuchen möchtet die nicht aus eurem Haushalt stammen, müsst ihr euch auf nebeneinanderliegende Bereiche aufteilen und damit einen Mindestabstand von 1,5m zueinander einhalten (mit Ausnahme von Lebenspartnern mit unterschiedlichem Wohnsitz).

Sicherheitshinweise

Die Grundvoraussetzung für die Durchführung der Veranstaltungen als Picknick-Konzerte ist die strenge Einhaltung der geltenden Sicherheitsvorgaben und die Berücksichtigung der momentan besonderen Verhaltensregeln im öffentlichen Raum.

Die Sicherheit und Gesundheit der Besucher*innen, Mitarbeiter*innen und Künstler*innen besitzt für die Veranstalter oberste Priorität. Bitte beachtet, dass sich die Bestimmungen aufgrund der dynamischen Lage bis zum jeweiligen Event u.U. jedoch noch ändern können und angepasst werden müssen.

Eine Bitte Vorab: Wenn ihr euch krank fühlt oder sogar Symptome habt die auf eine COVID-19 Erkrankung hindeuten, bleibt bitte Zuhause! Im Interesse aller anderen Besucher*Innen solltet ihr das Gelände nicht mit einem Krankheitsgefühl betreten. Das Personal am Einlass misst kine die Temperatur und wird auch nicht fragen wie es euch geht. Jedoch behält es sich der Veranstalter vor, zum Schutz aller Besucher*Innen, Gäste von der Veranstaltung auszuschließen die stark sichtbare Symptome zeigen, wie z. B. starke Schweißbildung oder starker Schnupfen und Husten.

Derzeit gilt ein Mindestabstand von 1,5 m zwischen zwei Haushalten. Innerhalb von Gruppen aus einem Haushalt kann auf die Abstandsregelung verzichtet werden. Wir möchten euch bitten diesen Abstand wo immer es geht einzuhalten! Dort wo kein Abstand eingehalten werden kann (Einlass, Laufwege, Sanitäranlagen) ist ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen.

  • Generell Erfüllung sämtlicher behördlicher Hygieneauflagen für alle Besucher*Innen, Mitarbeiter*innen und Künstler*Innen
  • Weiträumige und geregelte Einlasssituation zur Vermeidung von Schlangenbildung, kontaktloses Scannen der Tickets beim Einlass
  • Bei der Ankunft und am Einlass sowie beim Verlassen der Decke (z.B. auf dem Weg zur Toilette) ist immer ein Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Kein Einlass ohne Mundschutz.
  • Intensivierte Reinigungsintervalle und geregelter Zugang zu sanitären Anlagen, Bereitstellung von Desinfektionsmitteln und ausreichend geeigneten Möglichkeiten zum Händewaschen. Die Sanitärräume werden regelmäßig gelüftet.

MS Dockville 2019 am Samstag: Rock im Regen

Vom 16. bis zum 18. August fand zum 13. Mal das wohl bunteste Musikfestival des Nordens statt: das MS Dockville 2019 in Hamburg. Heute berichten wir vom zweiten Tag: Samstag.

Gestern war Billie Eilish hier! Ja ja, war toll. Aber wir sind auch froh, dass sie wieder weg ist. Als Überheadliner hat sie dafür gesorgt, dass das Dockville aus allen Nähten platzte. Zeitweise war kein Durchkommen mehr und der Platz vor der Hauptbühne wurde offiziell abgeriegelt, weil es zu voll war. Es hat sich angefühlt, als würden Reeperbahn Festival, CSD und Monki-Supersale gleichzeitig stattfinden. Für das eigentlich sehr entspannte Dockville war das alles etwas unentspannt.

Deshalb freuten wir uns am Samstag auf einen Tag ohne gehypte Weltstars, sondern einfach nur mit guten, angesagten Musikern wie Nura, Giant Rooks und Von Wegen Lisbeth. Bei letzterem wurden die Fans von einem kleinen Monsunregen erwischt, aber dazu später mehr.

Nura

Kann sich noch jemand an gestern erinnern? Dann wisst ihr noch, dass Juju auf der Hauptbühne stand, eine Hälfte der Band SXTN. Die andere Hälfte durften wir am Samstag auf dem Vorschot erleben: Nura.

Auf der Bühne stand ein gigantischer Deutscher Reisepass neben dem DJ-Pult, von dem aus der DJ fragte: „Habt ihr Bock auf Nura?“ Haben wir! Als der Fan-Jubel vom DJ als angemessen euphorisch bewertet wurde, kam sie endlich auf die Bühne: Nura.

Es ging los mit dem Song „Ich bin schwarz“, der natürlich auch von Fans mitgesungen wurde, die weiß sind. Und braun, gelb, rot, bunt! Hautfarben interessieren auf dem weltoffenen Dockville eh niemanden – hier ist jeder willkommen. Schon in der ersten Strophe hat Nura auch erklärt, was der Deutsche Pass auf der Bühne zu suchen hatte: „Ich fick‘ deine Bitch, hab‘ ‘nen Heidenspaß, und jetzt hab‘ ich einen deutschen Pass!“

Mit der Frage „Wo sind meine Moshpit-Minister?“ wurde der nächste Song eröffnet: „Auf der Kippe“. Zum Song „Radio“ kam tatsächlich nochmal die Sonne raus. Und das zum letzten Mal für heute, wie wir später am eigenen, klitschnassen Leib erfahren sollten.

Nuras Rap-Style ist nicht wirklich mein Geschmack. Alles etwas prollig und grölig. Aber ihre Viva Con Agua Aktion konnte ich nur feiern: Ein großes, aufblasbares Ruderboot ging auf große Fahrt übers Menschenmeer. Dann forderte uns Nora auf, Plastikbecher und Flaschen ins Boot zu werfen, damit das Pfandgeld an Viva Con Agua gespendet werden kann. Der Verein setzt sich dafür ein, die Trinkwasserversorgung in südlichen Ländern zu verbessern. Und wenn ich nur mein Bier leertrinken muss, um was Gutes zu tun, mache ich gerne mit. Gute Aktion, Nura!

Giant Rooks

Schon am frühen Abend war der Platz vor dem Großschot komplett mit Fans gefüllt, die schon über die Deiche links und rechts der Bühne schwappten. Sie alle waren für die Giant Rooks hier, die um 20:40 die Bühne betraten.

Die fünf Musiker kommen aus Hamm, einer kleinen, langweiligen Stadt in NRW. Das hört man ihnen gottseidank nicht an: die Giant Rooks machen runden, gut arrangierten Indie-Rock, der sich irgendwie international anhört und an alt-J erinnert. Auf dem Dockville spielten sie zuerst „100 mg“, danach folgte „Bright Lies“. Die Unmengen an Fans, die zum Refrain laut „Ophelia“ mitsangen, haben auch Sänger Frederik Rabe beeindruckt: „Ihr seid so viele!“ Yepp, das waren sie. Und es sollten noch mehr werden. Denn als nächstes stand Von Wegen Lisbeth auf der Bühne.

Von wegen Lisbeth

Die Indie-Pop-Band um Sänger und Gitarrist Matthias Rohde war der Headliner des Tages. Die fünf Berliner waren um 22:20 Uhr auf dem Großschot angekündigt und sind alte Bekannte: Sie waren schon vor zwei Jahren hier, damals noch eine Nummer kleiner: auf dem Vorschot.

Die Bühne war noch für den Soundcheck abgehängt, als es wie aus Kübeln zu regnen begann. Die harten VWL-Fans, die schon stundenlang vor der Bühne warteten, haben ihre Plätze natürlich nicht aufgegeben. Sie waren bestens vorbereitet und haben Regenjacken, Regencapes, Regenponchos, Regenschirme, Regensonstwas aus ihren Rucksäcken gekramt. Alle anderen haben sich unter Bierständen, Jever-Schirmen und Bäumen in Sicherheit und Trockenheit gebracht.

Plötzlich ging ein Raunen durch die Menge: es wurde dunkel und eine geheimnisvolle Melodie wurde gespielt. Gitarre und Keyboard setzen ein – dann fiel endlich der Vorhang und Von Wegen Lisbeth legten los! Zum lauten Jubel der durchnässten Fans spielten sie zur Begrüßung „Freigetränke“. Danach folgte „Meine Kneipe“, der Song mit dem saulustigen Text, der von der Crowd begeistert mitgegrölt wurde: „Schlaf‘ auf jedem Klo, mit jedem Typen, den du willst (…) Mach‘ was du willst, aber bring nie wieder deine neuen Freunde …. in meine Kneipe.“

Mittlerweile war auch der letzte Fan vom Regen durchnässt. Auch die beste High-Tech-Jacke bringt nicht mehr viel, wenn das Wasser in die Schuhe, in die Ärmel und in den Kragen kriecht. Feuchtigkeit findet immer einen Weg. Aber das juckte die Fans nicht, wie auch Sänger Matthias Rohde wusste: „Regen macht euch nichts aus. Ihr seid doch Hamburger!“ Wo er Recht hat, hat er Recht. Wer sich in Hamburg wegen Regen beschwert soll, nach München ziehen.

Wer war sonst noch da?

Drunken Masters. Das DJ-Team aus war als Ersatz für den kranken Karate Andi da. Die beiden DJs haben brettharte Beats, Songs und Samples aus alle Musikgenres ineinander geprügelt. Electro-Bass, E-Gitarre, Whoop there it is? Hauptsache es ballert. Den Fans hat’s gefallen: Schon um 18:30 sind sie vor der Bühne ausgerastet wie sonst um 3:00 nachts im Club. Alle haben ausgelassen getanzt, sind auf Kommando in die Knie gegangen und wieder hochgesprungen, als der Bass droppte. Uns war das alles etwas zu stressig, aber es gibt Bonuspunkte für den 1UP-Aufkleber auf dem Notebook.

Mine. Die deutsche Sängerin stand am frühen Abend auf dem Großschot. Und darüber hat sie sich genauso gefreut wie die Fans: „Es ist 19:20 und wir dürfen auf der Hauptbühne spielen! Ich scheiß mich ein!“ Im goldenen Outfit, mit einem riesigen Umhängekeyboard (auch Keytar genannt – schon wieder was gelernt) hat sie Pop mit Electro- und Hip-Hop-Elementen gespielt.

Yves Tumor. Der amerikanische Musiker hat auf der Maschinenraum-Bühne experimentelle Electro-Musik gemacht. Naja, er hat es zumindest versucht: Schon nach wenigen Beats gab’s Sound Probleme. Nicht schlimm, Yves hat die Pause genutzt, um mit den Fans zu quatschen und den American-Spirit-Promoter um Kippen und Werbeschnickschnack anzuschnorren: „Can I get a free ashtray?“ Na klar! Als es dann endlich weiter ging, konnten wir Yves auf der dunklen Bühne kaum erkennen, aber dafür umso besser hören: Zu lauten Beats, beunruhigenden Sounds und Störgeräuschen hat er Worte und kurze Sätze ins Mikro geschrien. Sehr experimentell.

Loyle Carner. Der Londoner Rapper stand als vorletzter Musiker auf dem Vorschot, das er sich gemütlich eingerichtet hatte: mit Ohrensessel und Fußballtrikots an den Wänden. Mit einem sensationellen Cockney-Slang rappte er Songs wie „Ice Water“ oder „You Don’t Know“. Die Boom Bap Beats fand ich sehr smooth und lässig, was aber auch an der Graswolke gelegen haben kann, die ständig zu mir rüber wehte. Kleiner Tipp: Wer Rap aus London gut findet, sollte sich mal Ocean Wisdom anhören, der mit seinem Debüt „Walkin“ Eminems Rap-Geschwindigkeits-Rekord übertroffen hat.

Jungle. War die letzte Band auf dem Vorschot. Leider waren wir vom Regen so durchnässt wie nach einer Bierdusche auf einem Deichkind-Konzert. Deshalb sind wir nach Hause gefahren, bevor Jungle loslegen konnte – Redakteure sind auch nur Menschen. Aber weil wir Jungle schon auf dem Reeperbahn Festival live gesehen haben, können wir euch versichern: die Neo-Soul-Band aus London hat sicherlich einen sensationellen Auftritt geliefert.

Wie geht es weiter?

Mittlerweile ist es Sonntag. Am letzten Tag fährt das Dockville Festival nochmal ein starkes Line-up auf: Kat Frankie, Roosevelt, Drangsal, Aurora, Bilderbuch und viele mehr. Morgen verraten wir euch, wie es war.

MS DOckville 2020: Tickets + Infos

MS Dockville 2020

Deichbrand Festival 2019 am Sonntag – Unsere Highlights

Der dritte und letzte Festivaltag ist in vollem Gange und nach dem gestrigen, kurzen Unwetter hat der Wettergott sich doch als Festivalfan geoutet und dem Seeflughafen Cuxhaven noch einmal Sonne-Wolken und warme Temperaturen geschickt. Nun die 15. Ausgabe vom Deichbrand Festival neigt sich dem Ende. Schade! Das musikalische Programm beginnt auch am Sonntag wieder zur Mittagszeit, den Startschuss legen Watch Out Stampede, gefolgt on den Arkells, Swiss und die Ander, Tom Walker, Kodaline, Madsen, Fil Bo Riva, Juju und viele weitere. Zur Prime Time geht es dann ins große Finale – Cro läutet es ein, Alligatoah folgt und zu guter letzt sagt Marsimoto gut Nacht. Im kommenden Jahr steht übrigens schon der neue Termin fest, vom 16. bis 19. Juli geht das Deichbrand Festival 2020 in seine 16. Runde!

Watch Out Stampede

Gleich um 12:00 Uhr geht es mit dem Programm am letzten Festivaltag los. Und warum sollt da nicht gleich eine Band auftreten, die die Fire Stage wahrlich in Schutt und Asche legen könnte… Mit Watch Out Stampede, der 2011 gegründeten Post-Hardcore-Band aus Deutschland, gibt es eine gekonnte Mischung aus Core und melodischen Parts. Für ihre Live-Setlist können sie aus  drei erfolgreichen Album-Veröffentlichungen schöpfen und das tun sie auch. Frontmann Andreas „Ando“ Hildebrandt liefert knallende Breakdowns und wütende Shouts – der Rest der Band tobt in Ekstase über die Bühne. Ganz klar ein Auftritt, der sich zum Schubsen schwitzender Männer und Frauen bestens bewährt.

arkells

In ihrer Heimat Kanada sind die Arkells bereits als beste Rockband 2015 ausgezeichnet wurden und das da wirklich etwas dran ist, davon können sich die Deichbrandler am Sonntagnachmittag direkt überzeugen. Seit 2006 gibt es die Band schon, aber erst vor vier Jahren ist der Durchbruch mit ihrem 3. Album „High Noon“ gelungen. Poppige Rocksongs haben sie ebenso in ihrem Repertoire wie knarzige Indie- und Soul-Nummern. Sänger und Charmebolzen Max Kerman kann die erste Zurückhaltung der Zuschauer schnell brechen, denn er stürmt gleich beim dritten Song in die Menge, singt und tanzt im Field mit seinen Fans um die Wette.

swiss und die andern

Schon wieder soll sie brennen, die Fire Stage. Heute ist hier das musikalische Programm vom Fokus her eindeutig auf Aggressionsbewältigung gelegt. Dazu kommen Swiss und Die Andern als deutsche Punkrock-Band aus Hamburg gerade recht. Die Formation besteht aus dem Frontmann Swiss, sowie dem Bassisten Matze Grimm, dem Gitarristen Jakob Schulze, dem Schlagzeuger Tobias Gerth und dem DJ Da Wizard. U.a. haben sie Hits ihres aktuellen Albums „Randalieren für die Liebe“ mit am Start. Der Sound und die forschen, auch oft gesellschaftskritischen Töne werden einem hier nur so um die Ohren gedrescht. Aber klar, das will da Publikum auch so, denn dazu kann ordentlich abgefeiert werden.

tom walker

Der britischer Singer-Songwriter gelangte in 2017 mit dem Hit „Leave a Light On“ erstmal in die Ohren seiner internationale Hörerschaft. In Schottland geboren, aber in Manchester aufgewachsene, hat der Musiker mit seinem Welthit einen echten Senkrechtstart hingelegt. Millionen Views im Netz, Support-Act bei der Tour von The Script und zwischendurch lässt er es sich nicht nehmen, auch immer wieder Solo-Gigs zu spielen. Verschiedene Stimmen vergleichen Tom Walker gern mit Ed Sheeran, was laut Walker selbst bereits dem geschuldet sei, das eine Gitarre und das Schreiben von Songs genüge, um wie sein Landsmann wahrgenommen zu werden. Wobei dieser dem smarten 28-jährigen in Sachen Songwriting eindeutig als Vorbild diene. Aus Musikgrößen wie Bob Marley, Ray Charles oder The Police hat Tom Walker seinen ganz eigenen Stil mitten zwischen Soul-Stimme, Reggae-Feeling und elektronischen Beats und Hip-Hop-Sounds gefunden. Vor allem live entfalten die gefühlvollen, aber keinesfalls schnulzigen Songs, ihre ganze wunderbare Wirkung.

our mirage

Im Palastzelt geht wieder die Post ab. Post-Hardcore um es genauer zu sagen. Die noch frische Band aus Nordrhein-Westfalen hat sich erst in 2017 gegründet. Umso großartiger, dass sie nun am Nachmittag einen Slot beim Deichbrand Festival 2019 besetzen können. Noch als Geheimtipp aber dennoch mit einer Vielzahl an Fans vor der Bühne, geht der Auftritt im Zelt los. Es gibt ehrliche und schmerzerfüllte Lyrics und dazu knallharten Sound, der die Besucher direkt abholt.

kodaline

Das irische Quartett Kodaline sieht in ihrer Musik zugleich auch eine Therapie. Zur Bandbegründung halfen sich damals Sänger Steve Garrigan und Gitarrist Mark Prendergast über die Trennung der jeweiligen Partnerinnen hinweg. Emotionen in Songs über Liebe und Verlust wurden geboren. Mit Bassist Jason Boland und Schlagzeuger Vinny May ist es nun ein herrlich vielschichtiger Sound aus breiten Gitarrensounds, aufsteigenden Refrains und der charakteristisch hohen Stimme von Frontmann Steven. Kodaline erschaffen am frühen Abend einen unwiderstehlichen Sog, der die Festivalbesucher regelrecht in ihren Bann hineinzieht.

madsen

Knapp 15 Jahre ist es her, dass das Debütalbum von Madsen auf den Markt gekommen ist. Mit ihrem aktuellen Album „Kompass“ haben sich die Jungs auf eine Zeitreise zurück in die eigene Jugend begeben und dabei bleiben Madsen dem Indie-Rock weiterhin treu, jetzt vielleicht ein wenig mehr im Stil der 80er/90er. Auf der Bühne zeigt sich Frontmann Sebastian Madsen wie immer als charmant-witziger Blickfang, daneben etwas zurückhaltender Bruder Nummer 1 Johannes an der Gitarre, dann ist da noch Bassist Nico, sowie Bruder Nummer 2 Sascha, der das Drumset prügelt. Das Quartett bekommt nur live weibliche Gesangs-Unterstützung und zwar von Lisa am Keyboard. Sympathisch, wie Madsen ihre gute Laune und Lust auf Musik an die Zuschauer weiterreichen. Echter Madsen-Sound dem nicht nur treue Fans verfallen. Tanzbares und poppiges, rockiges und gefühlvolles, das liefert Madsen auch am Deichbrand Festival 2019 ab. Zum Ende des Sets gibt es noch den Hit und Ohrwurm „Lass die Musik an“ in Dauerschleife – prima Statement!

MaRvin Game

Wer Marvin Game durch sein eigenes Interviewformat „Hotbox“ kennt, dürfte nicht nur wissen, dass er regelmäßig Szenegrößen unter den Autositz kifft, sondern auch nie darum verlegen ist, spontan einen Song zu performen. Der Chimperator-Angehörige hat sich daher zurecht einen Platz beim Deichbrand erarbeitet. Im Palastzelt bietet er all denjenigen etwas, die Deutsch-Rap ohne großes rumgeprolle mögen. Sein Sound lädt eher zum Mitwippen und Chillen ein. Was Flow und musikalisches Gespür angeht, hat Marvin einiges auf dem Kasten und kombiniert alles gekonnt mit grandiosen Beats. Hier wird nicht einfach nur sinnfrei grappt – Wortwahl und Themen seiner Songs sind intelligent gewählt.

Cro

Drei Jahre pausiert hatte Cro aka. Carlo Waibel zwischendurch, der Raop-Rapper und Panda-Maskenträger, bevor er sich dann endlich wieder zurückgemeldet hat. Der Stuttgarter hat dann mit seinem Album „Fake you“ sein bisher persönlichstes Album geschaffen. 2011 hat die großartige Karriere des Rappers begonnen, sein Debüt-Mixtape „Meine Musik“ ist noch im selben Jahr erschienenen und er unterschrieb beim independent Label Chimperator. Ohne es zu wollen, hat er mit seiner Musik und seinem Look eine ganze Generation geprägt. Die Panda-Maske ist seither Cro’s Markenzeichen, auch zum Schutz, um im privaten Leben unerkannt zu leben. Der Rapper ist inzwischen gereift und hat verarbeitet, was in den Jahren alles um ihn herum geschehen ist. Ein Imagewechsel der ihm gut tut und bei dem die Fans ihm Rückhalt geben. Beim Deichbrand 2019 kann der Panda-Rapper völlig überzeugen, gibt sich fannah und präsentiert einen perfekten Mix quer durch das Cro-Hit-Imperium, inklusive dem neuem Material.

Alligatoah

Fire Stage frei für den Wortkünstler mit Spaßfaktor. Zum Vorschein kommt ein Bühnenbild mit verspielten Tapeten und einem 30er Jahre Charme des Filmsets vom „Grand Budapest Hotel“ angeglichen. Während die Band verteilt auf den Balkonen des Hotels „Kalliforniah“ sitzt, nehmen Gitarrist und Klarinettist unten Platz. Alligatoah selbstverständlich in der Mitte. Lukas Strobel (so sein richtiger Name) und Fan verrückter Auftritte und Verkleidungen, trägt ein gelbes Outfit – Frack, Pluderhose und Hut. Auch seine Musikerkollegen haben sich farblich angepasst, sie tragen gelbe Bademäntel und Rapkollege BattleBoi Basti glänzt im gelben Pagenkostüm. Von der ersten Sekunde an hat der Deutschrapper, Sänger und Produzent seine Fans im Griff. Jubelschreie, Fanchöre und jede Menge glückliche Gesichter. Die meiste Zeit gleicht die Liveshow einem unterhaltsamen Theaterstück. Wer Alligatoah und seine Shows kennt, weiß natürlich, dass es nie langweilig wird. Da lässt sich der Schnautzbart-Träger mal in einer Mülltonne über die Bühne schieben, die Möbel vom „Hotel Kalliforniah“ werden kurzerhand zerschmettert und es gibt jede Menge theatralischer Moderationen zwischen den Songs. Dank der kurzweiligen Elemente und einem brillanten hin und her zwischen Alligaotah und Rapper Basti, gipfelt alles in einer witzig anzusehenden Show.

Marsimoto

Längst der Mann hinter der grünen Maske kein Unbekannter mehr im deutschen Musikbusiness. Der deutsche Rap- und Popmusiker Marten Laciny besser bekannt als Marteria, steckt hinter dem grünen Marsianer. Jede Menge Gastauftritte hat der Maskierte mit der charakteristischen Pitch-Stimme bereits während der Liveshows von Marteria gehabt und ist so einem breiten Publikum bekannt geworden. So bekannt, dass der Grünling bereits mit fünf Alben auf dem Markt steht und in diesem Jahr auch auf eigener Headliner-Tour durch Deutschland gereist ist.

Nun ist er am Sonntagabend beim Deichbrand Festival 2019 und dabei ist er nicht allein: Seine Marsi-„Fuckin“-Moto-Crew unterstützt ihn instrumental und unterlegt seine thc-lastigen Texte mit perfekten Beats und jeder Menge Bass. Die Bühne hüllt sich binnen weniger Sekunden in dichten Rauch und natürlich, in welcher Farbe auch sonst, grün angestrahlt wird. Die Instrumentalisten betreten die Bühne und aus dem Hintergrund ertönt die helium-ähnliche Digitalstimme von Marsimoto. Energiegeladen bewegt sich der Rapper von da an in seinem Wirkungsbereich, der während der gesamten Liveshow mit Licht und Laser sowie dichten Nebelschwaden eingehüllt ist. Die Setlist bietet neues Material satt, aber auch ältere Hits kommen nicht zu kurz. Für alle Marsi-Fans und die, die es heute noch werden, gibt es dabei den Sound aus dreizehn Jahren Marsimoto-Schaffensgeschichte auf die Ohren.

Deichbrand Festival 2020 tickets + Infos

Deichbrand Festival 2020

Danke: Theresa Friedenstab (redaktionelle Mitarbeit)