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H-Blockx rocken Rostock – voller Adrenalinkick im Zeichen der 90er

Am Mittwoch, 5. November 2025 machte die Münsteraner H-Blockx im Rahmen ihrer “Fillin The Blank” Tour 2025. Station im M.A.U. Club in Rostock.

Die Fangemeinde im M.A.U. Club war trotz des Termins in der Woche bestens bereit für eine handfeste Crossover-Show. Schon um 19:30 war der Club gut gefüllt als die Rostocker local heros „Les Bumms Boys“ mit ihrer bekannten Mischung aus Indie, Pop, Ska, Brass mit rockigen Anleihen den Abend als support eröffnen. Geplant war das nicht. Die Rostocker Jungs waren für den eigentlichen Support eingesprungen und brachten deutlich zum Ausdruck, dass ihnen das eine große Ehre ist. Kurzweilig und mit viel Energie, trotz fehlenden Drummers, heizten sie ordentlich ein und setzten den passenden Rahmen für die H-Blockx.

So What`cha Want“ von den Beastie Boys knallt nach einer minimalen Umbaupause gnadenlos aus den Boxen während die Band backstage ihr pre-concert Ritual zelebriert. H-Blockx eröffnet mit einem frischen, energiegeladenen „Straight outta nowhere“ von der am 6.3.26 erscheinenden neuen Platte. Das soll an diesem Abend nicht der Einzige bleiben. Im Verlauf werden dann selbstverständlich altbekannte Tracks ausgepackt: Hits, die seit Jahren zur Live-Identität der Band gehören, kombiniert mit neuem Groove und modernem Sound. Zwischen den Songs nimmt Sänger Henning Wehland das Publikum mit: kleine Rückblicke auf die Debüt-Zeit der Band, den Soundtrack von „Bang Boom Bang“ und dann wieder mit Vollgas in den nächsten Song.

Gerade mit den neuen Songs wie „Bully“ und „Lights out“ wird klar, wo die Reise nach 12 Jahren ohne Veröffentlichung hingeht. Henning Wehland sagt es selbst, aber eigentlich haben es auch so schon alle bemerkt: „Ich fühle mich, als wenn ich mit einer nagelneuen Band am Start bin!“ Ja, H-Blockx haben sich auf solidem Fundament neu erfunden. Besonders am Herzen liegt ihm, das fällt im Mau natürlich auf fruchtbaren Boden, die momentan krisenhafte Situation kleiner und mittlerer Klubs. So also der Aufruf, diese Kultur zu pflegen.

Dieser Abend wird noch eine Weile nachklingen. Auf dem Heimweg blickt man jedenfalls in seelige Gesichter.

Combichrist im M.A.U. Club Rostock – Industrial-Inferno mit Herz, Härte und Hall

Dienstagabend, der 4. Juni 2025 in Rostock, grauer Himmel, aber Frühlingswetter. Die perfekte Kulisse für einen Industrial-Metal-Abend der Extraklasse. Und tatsächlich: Der M.A.U. Club verwandelte sich für ein paar Stunden in eine brodelnde Kathedrale der Härte, als COMBICHRIST im Rahmen ihrer „Still Making Monsters“-Tour Halt in der Hansestadt machten. Mit im Gepäck: Zwei spannende Support-Acts, die dem Publikum schon früh den Puls nach oben trieben.

Düstere Eleganz mit Biss – CRIMSON VEIL eröffnen den Abend

Pünktlich zum Einlass füllte sich der traditionsreiche Club am Stadthafen langsam mit schwarzgewandeten Gestalten, Boots, Leder, Nieten – das Industrial-Volk war versammelt. CRIMSON VEIL machten um kurz nach acht den Auftakt und setzten gleich ein düster-schillerndes Ausrufezeichen. Die Mischung aus Dark Rock, Industrial und einer Prise Gothic wirkte wie der Soundtrack zu einem postapokalyptischen Roadmovie – düster, emotional, aber mit Punch. Sängerin und Band zeigten eine eindrucksvolle Bühnenpräsenz, durchdrungen von Energie und Theatralik, ohne jemals ins Kitschige abzudriften. Besonders hervorzuheben: die gelungene Balance zwischen Atmosphäre und Härte – ein Auftakt, der Lust auf mehr machte und das Publikum bereits erstaunlich früh aus der norddeutschen Zurückhaltung lockte.

ESOTERIK: Elektro-Attacke trifft Metal-Maschine

Danach übernahm ESOTERIK das Ruder – und das mit Nachdruck. Der Hybrid aus elektronischen Soundwellen, hämmernden Gitarren und fast tranceartigen Synth-Parts sorgte für das erste richtige Beben im Saal. Frontmann Steven hat die Mischung aus Charisma, Wahnsinn und Entertainer-Qualitäten, die man in diesem Genre braucht, um sich von der Masse abzuheben. Mit Songs, die zwischen Tanzfläche und Abrissbirne pendelten, brachten sie die Menge endgültig zum Kochen. Manch ein Fan konnte die Füße nicht mehr stillhalten – Industrial kann eben auch clubtauglich sein.

COMBICHRIST – 15 Jahre „Making Monsters“ und kein bisschen leise

Als dann schließlich das Licht erlosch und die ersten düsteren Klänge von COMBICHRIST den Raum erfüllten, war klar: Jetzt wird’s ernst. Oder besser gesagt: Jetzt wird’s laut, wild und unvergesslich. Andy LaPlegua, charismatischer Kopf der norwegisch-amerikanischen Formation, betrat die Bühne mit der Energie eines Vulkanausbruchs. Der Anlass: 15 Jahre „Making Monsters“ – ein Album, das für viele Fans der Einstieg in die düstere Welt von COMBICHRIST war. Doch Nostalgie war nur ein Teil des Pakets: Auch neue Songs vom aktuellen Album „CMBCRST“ fanden ihren Weg in die Setlist und fügten sich nahtlos in den brachialen Soundkosmos ein.

Was folgte, war ein Industrial-Metal-Gewitter par excellence. Stampfende Beats, peitschende Gitarren und eine Lichtshow, die selbst gestandenen Festivalbühnen zur Ehre gereicht hätte. LaPlegua agierte wie ein Mann, der nicht performt, sondern lebt, was er singt – mit direktem Blickkontakt zum Publikum, viel Interaktion und einer Portion Wahnsinn, die genau richtig dosiert war. Klassiker wie „Throat Full of Glass“, „Follow the Trail of Blood“ oder „Never Surrender“ wurden frenetisch gefeiert, während neue Tracks wie „Compliance“ oder „Modern Demon“ zeigten, dass COMBICHRIST auch 2025 noch kraftvoll in die Zukunft blicken.

Als das letzte Feedback verklang, das Licht wieder anging und sich ein dampfender M.A.U. Club langsam leerte, war klar: Das war kein gewöhnlicher Dienstagabend. COMBICHRIST haben einmal mehr bewiesen, warum sie zur Speerspitze der Industrial-Metal-Szene gehören. Ihr Auftritt war laut, roh, ehrlich – und dabei überraschend emotional. Unterstützt von zwei vielversprechenden Acts, war der Abend eine Art Mini-Festival für Freunde dunkler, harter Klänge. Wer da war, wird’s nicht vergessen. Und wer’s verpasst hat – tja, der hat definitiv was verpasst.

LaBrassBanda in Rostock: Gaudi barfuss und in Lederhose

Der Rostocker M.A.U. Club ist brechend voll. Wenn das an einem Montagabend geschieht, muss schon etwas Besonders auf der Bühne des zweifellos wichtigsten Livemusik-Clubs in der norddeutschen Küstenstadt stehen. Nach dem gelungenen Support des österreichischen Trios „Folkshilfe“, begrüßt LaBrassBanda-Frontmann Stefan Dettl uns mit den Fragen: „Wer muss morgen arbeiten?“ und „Wem ist das scheißegal?“. Die Antworten des Publikums sind klar und eindeutig.

Was dann folgt, sind eher 2 Stunden ausgelassene Party als Konzert. Mit atemberaubender Rhythmik jagen uns die barfüssigen Lederhosenträger durch die staccato Synkopen. Die Dynamik in bester Techno-Manier verbunden mit den Offbeats der Balkanmusik lässt niemanden stillstehen. Das erste Mal erlebt habe ich LaBrassBanda im Jahr 2009 auf dem Roskilde Festival in Dänemark. Und genau heute erzählt Stefan Dettl die Geschichte dieses Konzerts. Sie haben damals parallel zu Oasis gespielt, zunächst in einem relativ leeren Zelt. Das Oasis-Konzert lief aber, durch die damalige Missstimmung in der Britpop-Band, nicht besonders gut und alsbald haben sich die Bayern mit ca. 6.000 feiernden Zuschauern konfrontiert gesehen. Vor 9 Jahren für die Band überwältigend neu.

Anschließend spielen sie den Titel „Bayerischer Techno“, der 2009 in Roskilde das Zelt zum Kochen gebracht hat. Und auch in Rostock gibt es nun kein Halten mehr. Über den Souldance (acht Schritte vor, acht Schritte zurück), wilde Soli, Yoga vor der 10-minütigen Schluss-Ekstase gefolgt von drei Zugaben, Polonaise durch das Publikum heraus aus dem Club bis an die Kaikante des Rostocker Stadthafens, liefern die sympathischen Bayern ein Live-Erlebnis der Extraklasse. Der erste Auftritt in Rostock wird nicht der Einzige bleiben. So das Versprechen von LaBrassBanda. Wir Rostocker bitten darum!

Kvelertak in Rostock: Volle Metal-Ekstase unter der Woche

Auf dem Weg zum Konzert konnte sich tatsächlich keiner von uns klar erinnern, ob Sänger Erlend Hjelvik während unseres letzten Kvelertak-Frontpit-Vollkontakt-Desasters beim Opener eine ausgestopfte Monstereule auf dem Kopf hatte oder nicht. Was soll’s, das war 2016 beim Roskilde Festival und das waren für uns ein paar Jägerbombs zu viel.

Also dann, neuer Versuch. Der M.A.U. Club in Rostock war für einen tristen Mittwochabend erstaunlich gut gefüllt. Nicht vollgepackt, aber immer ein Kuttenträger oder sonstiger Hardcore-Berserka in Schubsweite. Und erstaunlich viele Kvelertak-Bandshirts in der Crowd. Ob das Metallica-Support-Credit oder einfach nur entspanntes Verlangen nach der Abrissbirne war, konnte uns egal sein. Wir freuten uns erstmal über SIBIIR, die von Kvelertak als Support direkt aus Oslo mit eingeschifft wurden. Zu einer abgründigen Mischung aus Black Metal und Hardcore wurde schon mal munter geheadbangt. Für die sympathische und schön sinnlose Anmoderation für „Beat Them To Death“ verballerte Sänger Jimmy Nymoen seinen kompletten deutschen Wortschatz. Respekt! Versuch das mal auf Norwegisch. Im Stadthafen vor dem M.A.U. fing der Schneesturm an und uns wurde drinnen langsam warm.

Mittlerweile wurde das Publikum noch durch einen Schub metäugiger Skandinavier von der Abendfähre verstärkt, die ihre Keulen und Äxte netterweise vorher an der Garderobe abgeben hatten. 21:00 Uhr. Begrüßung? Nix – Nada – Njet. Gitarrist Vidar Land startete direkt mit dem Psychoriff von „Åpenbaring“ des gefeierten Albums „Meir“. Es stiegen die beiden nächsten Gitarren ein und dann Bass und Drums. Und dann war ja schon klar was passiert. Erlend erschien auf der Bühne, mit der Monstereule auf dem Kopf. Die Crowd drehte komplett frei.

Für sechs hyperagile Bühnenpunks war die Stage eigentlich eine Nummer zu klein. Aber die Jungs nutzten einfach jeden Zentimeter und wenn es dann doch mal auf der Bühne zu eng war, wurde direkt der Zaun der Front Pit übersprungen. Kompliment übrigens an den Mixermann – das 3er Gitarrenset war sauber abgemischt und entwickelte ohne Ende Schub. Erlend erkundigte sich oft nach dem Befinden des Publikums, offensichtlich nur um zu versuchen mit dem nächsten Titel den ganzen Laden komplett aufzumischen. Der tobende Mob bekam dann auch prompt ein Kompliment vom Gitarristen und Sänger Maciek Ofstad: „Leute, es ist doch nur Mittwoch. Was treibt ihr eigentlich am Wochenende?“

Es gab natürlich auch einen Versuch für eine Wall of Death. Allerdings standen sich die beiden getrennten Crowds nur Sekunden gegenüber. Bevor der Run Riff kam, moshte der ganze Laden schon wieder herum. So muss das. Und allen war klar, das Finale kommt erst noch: „Blodtørst“. Füße in der Luft, Kopf am Knie, Crowdsurfer fangen sich halbvolle Flugbiere, die Wikinger holen sich die Äxte aus der Garderobe. Einfach nur komplette Extase. Leute liegen am Boden und bekommen sofort einen Lift aufmerksamer Nachbarn. Take care of each other!

Nach 90 Minuten sind eigentlich alle platt und keiner glaubt an eine Zugabe. Aber Kvelertak legen tatsächlich noch drei Titel oben drauf. Unglaublich. Wir fahren grinsend nach Hause und schreien die blutroten Ampeln an „Blod! Blod! Blod! Blodtørst!“. Und bei grün warten wir auf rot: „Blod! Blod! Blod! Blodtørst!“

Danke an: Frank Schneider (Text).