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Summer Breeze 2019: So war der Freitag

Für viele ist die Nacht kurz, was besonders daran liegt, dass man von der Sonne geweckt wird. Im Gegensatz zu den Vortagen ist es schon ab 10 Uhr im Zelt nicht mehr auszuhalten, ganz im Gegenteil zu den Vortagen. Dafür kann man sich aber auf einen regenfreien Tag voller Sonne und guter Laune freuen. Auch am Freitag beim Summer Breeze gibt es das volle, musikalische Programm, bei dem jeder auf seine Kosten kommt. Also schnell frühstücken, ein Bier für den Weg schnappen und ab vor eine der drei Bühnen auf dem Infield. Wach wird man spätestens dort.

MAIN STAGE

12:00 – 12:45 Uhr
AFTER THE BURIAL
After the Burial ist wohl eine der Bands, die sich perfekt zum wach werden eignen. Bei bestem Wetter kommt die Band auf die Bühne und sorgt direkt für den ersten Circle Pit. Die Vorliebe für achtsaitige Gitarren ist deutlich zu sehen und zu hören, so herrscht durchgehend ein tieferer Ton, ähnlich wie am Vortag bei Meshuggah. Vielleicht ist auch dies der Grund, dass es vor der Bühne schon recht voll für diese Uhrzeit ist. Bei ihrem Auftritt setzt After The Burial jedoch nicht, wie erwartet, auf ihr vor kurzem erschienenes Album “Evergreen”, sondern treibt uns wild durch ihre gesamte Künstler-Diskographie.

12:55 – 13:40 Uhr
BEAST IN BLACK
Anschließend leiten Beast in Black den Power-Metal-Tag auf der Main Stage ein. Die Band kann bereits jetzt ein immer größer werdendes Publikum betrachten, was richtig Bock hat zu feiern. Während die ersten Reihen primär ihren Kopf im Rhythmus kreisen lassen, wird dahinter lautstark mitgesungen. Auch als Sänger Yannis Papadopoulos zum Klatschen auffordert, klappt dies besser als er selbst erwartet hatte, wenn man nach seinem Gesichtsausdruck geht. Auch auf der Bühne gibt es einiges zu sehen. Alle Musiker sind durchweg in Bewegung und posieren gekonnt, keiner bleibt hier auf der Stelle stehen.

13:50 – 14:35 Uhr
KISSIN‘ DYNAMITE
Etwas „glamiger“ wird es danach bei Kissin’ Dynamite. Die Truppe fährt mit der ersten Pyro des Tages, passend zu dem Song “I’ve Got the Fire” auf. Dies spornt die Party im Infield ordentlich an, sodass man bereits jetzt die ersten müden Gesichter im Publikum sieht. Heute steht der Fokus klar auf ihrem letzten Album “Ecstasy”, das vor fast einem Jahr auf den Markt kam. Highlight des Auftritts ist aber der Song “I Will Be King”, bei dem Sänger Johannes Braun mitsamt roter Schleppe auf der Bühne auf einem Thron Platz nimmt.

14:45 – 15:45 Uhr
QUEENSRŸCHE
Inzwischen wünscht man sich doch einen kleinen Regenschauer oder zumindest eine kleine Wolke am Himmel, um der Sonne einen Moment entkommen zu können. Die wenigen Schattenplätze auf dem Gelände sind inzwischen so gefüllt, als würde gerade der Headliner auf der Bühne stehen. Für manche ist dies auch der Fall, denn dort sind Queensrÿche gerade eingelaufen. Die Progressive-Metaller werden euphorisch empfangen und gefeiert. Der Sound ist glasklar, die Menge schaukelt im Takt und singt lautstark mit. Zwischen den Liedern bleibt es höchstens bei kurzen, zurückgehaltenen Ansprachen, man möchte den Fluss des Auftritts ja nicht stören.

15:55 – 16:55 Uhr
DRAGONFORCE
“Extreme Power Metal” heißt das neue Album von Dragonforce, was in wenigen Wochen erscheint. Mit dem Titel lässt sich aber auch die Band am besten beschreiben. Es wirkt fast schon unmenschlich, was Sam Totman und Herman Li mit ihren Gitarren veranstalten. Trotz all dem Guten hat der Auftritt auch etwas Negatives. Es ist eins der letzten Konzerte mit Bassist Frédéric Leclercq, der die Band nach dem Wochenende verlassen wird. Schade! Aber auch gerade deswegen wird nochmal eine Schippe draufgelegt und spätestens beim letzten Song „Through The Fire And Flames” wird kein Stein mehr auf dem anderen gelassen.

17:05 – 18:20 Uhr
SKINDRED
Vor 14 Jahren sind Skindred das letzte Mal zu Gast auf dem Summer Breeze gewesen. Gegenüber damals hat die Band nun 7 Alben mehr dabei, ihren Humor aber nicht auf der Strecke verloren. “You want a T-Shirt? Or you want a T-Shirt?” fragt uns Sänger Benji Webbe und wirft es anschließend nach hinten, “25 fucking euro, fuck you”. Aber auch sonst dürfen wir uns immer wieder als “Wankers” bezeichnen lassen, als wir für Webbe zu leise sind. Alles in allem wird die Rückkehr der Band ohne Einschränkungen gefeiert, als wären sie nie weg gewesen.

18:35 – 19:50 Uhr
AIRBOURNE
Die meisten Bands haben ja mittlerweile Pyro dabei, wenn sie auf der Bühne stehen – bei Airbourne ist das anders. Vier Feuersäulen schießen im Dauertakt in die Luft und läuten damit das Liveset der Band ein. Direkt springt der Funke im Publikum über. Zwar geht es heute für Sänger und Gitarrist Joel O’Keefe nicht hoch hinaus, auf seinem Platz bleibt er dennoch nicht. Entweder springt er auf der Bühne hin und her oder lässt sich auf dem Rücken eines Securitys durch den Graben tragen. Diese haben eigentlich schon genug zu tun, immerhin kommt ein Crowdsurfer nach dem anderen an. Der Auftritt ist genau das, was man von Airbourne erwartet. Nicht darüber aber auch ganz besonders nicht darunter. Rund in seiner Gesamtheit und dadurch schon fast perfekt.

20:10 – 21:25 Uhr
KING DIAMOND
Bei King Diamond steht einws klar im Vordergrund: Die Show. Auf dem ganzen Festival fährt keine andere Band solche Geschütze auf. Egal, ob der King mit einer Liege auf die Bühne geschoben wird oder eine Puppe opfert, woraufhin ein Sarg mit der Aufschrift “Abigail” von Kuttenträgern herumgetragen wird. Es gibt also nicht nur was fürs Ohr, sondern auch mehr als genug fürs Auge. Dennoch muss man leider sagen, dass die Show bei Tageslicht nur so halb wirkt. King Diamond lassen sich davon aber nicht beirren und ziehen eine geniale Show durch. Und das Publikum? Das ist ab dem ersten Moment völlig in den Bann gezogen und kann gar nicht mehr von der Bühne weggucken.

21:45 – 23:15 Uhr
PARKWAY DRIVE
Mit Fackeln bewaffnet schreiten Parkway Drive durch das Publikum in Richtung Bühne – nur ohne Bassist Jia O’Connor. Dieser hatte sich bei den Proben verletzt und wartet daher schon auf der Bühne im Rollstuhl auf seine Kollegen. Sind diese angekommen, wird mit “Wishing Wells” langsam Fahrt aufgenommen. Normalerweise stehen Parkway Drive für viel Feuer. Dies bleibt anfangs jedoch aus. Dafür wird die Band bei “Writings on the Wall” und “Shadow Boxing” durch ein Streicher-Quartett unterstützt. Die geballte Ladung Pyro gibt es dann erst in der Zugabe zu “Crushed” und “Bottom Feeder”. Feuerschalen überdecken die ganze Bühne, eine Feuersäule jagt die nächste und selbst über der Bühne gibt es weitere 20 Meter hohe Säulen zu bestaunen. Das Publikum ist völlig Feuer und Flamme und das nicht erst jetzt, sondern schon den ganzen Auftritt über. Der Staub des Circle Pits hat keine Chance sich wieder zu legen und die Securitys finden auch keine Ruhe. Letzteres wird zwischendurch von Sänger Winston McCall selbst mit den Worten “Is this like the crowdsurfing festival of the summer or something” kommentiert.

23:30 – 00:45 Uhr
HAMMERFALL
Zwar wechselt nach Parkway Drive das halbe Publikum die Position, die Pyro jedoch nicht. Diese gibt es hier zwar nicht auf einem Haufen, aber immer wieder über den gesamten Auftritt verteilt. Schon beim ersten Song “Legion” zeigt das Publikum, dass es richtig Lust auf eine Show von Hammerfall hat und singt lautstark mit. Es gibt heute auch etwas zu feiern: Genau jetzt erscheint das 11. Studioalbum der Band: “Dominion”. Darauf fokussiert wird sich heute jedoch nicht. Es gibt Songs von fast allen Alben, davon primär die Klassiker. Immer wieder bedankt sich Sänger Joacim Cans bei seinen Fans und macht jede Menge lustige Witze zwischendurch. Nach vielem Gepose gibt es mit “Hearts On Fire” das große Finale. Hier wird nochmal groß aufgefahren. Da stehen nicht nur die Herzen, sondern auch die Bühne in Flammen.

01:00 – 02:00 Uhr
EMPEROR
Auch am Freitagnacht haben wir wieder eine Special Show. Emperor präsentieren uns ihr Album „Anthems To The Welkin At Dusk“ in voller Länge. Durch den Slot und die Verspätungen von Parkway Drive und Hammerfall ist es zwar schon 1:30 Uhr als die Band die Bühne betritt, müde ist im Publikum jedoch niemand. Die ändert sich auch nicht, als die Schweden zum ersten Takt ansetzen. Es wird getanzt und feiert, dass das Gelände nochmal wackelt. Dass dieser Auftritt der einzige der Deutschland in diesem Jahr ist, gerät hierbei etwas in den Hintergrund.

T-STAGE

17:10 – 17:55 Uhr
LEGION OF THE DAMNED
„I wanna see some serious headbanging from you guys!“ sagt uns Sänger Maurice Swinkels. Genau das ist es, was er heute auch viel im Publikum findet. Ab und an wird dies noch durch einen Mosh Pit abgerundet, aber das Headbangen überwiegt. Legion of The Damned haben vor allem Songs vom neusten Album “Slaves Of The Shadows Realm” im Gepäck, trotz aber auch nicht vor anderen Songs zurück. Zum Abschluss gibt es natürlich den Song “Legion Of the Damned” und die Begeisterung geht nochmal nach oben.

18:35 – 19:35 Uhr
ROTTING CHRIST
Rotting Christ sind schon lange kein Geheimtipp mehr. Entsprechend ist es vor der Bühne voll, als die Band mit dem Song “Hallowed Be Thy Name” in ihr Set startet. Zwischen den Songs macht Sänger Sakis Tolis immer wieder Ansprachen, die durch den griechischem Akzent etwas niedlich klingen. Ganz im Gegenteil zu der Musik die sie spielen. Düsterer Black Metal der besonders aus ihrem letzten Album “The Heretics” besteht. Gehuldigt wird dies mit vielen Circle Pits und noch mehr Feuer von der Bühne.

20:30 – 21:30 Uhr
NAPALM DEATH
Wie viele Songs kann man in einer Stunde spielen? Das fragten sich Napalm Death und gaben uns mit ihrem Auftritt die Antwort. Ganze 22 Songs spielte die Band an diesem Abend. Dennoch war dazwischen noch reichlich Zeit um politische und sozialkritische Ansagen zu machen. Sonst gibt es nur eine einzige Verschnaufpause in der Mitte des Sets: der Song “Self Betrayal”. Die restliche Zeit gibt es noch mehr Circle Pits als Songs. Alles in allem ein Auftritt, wie man ihn von Napalm Death kennt und liebt.

22:25 – 23:25 Uhr
ZEAL & ARDOR
Zeal & Ardor sind ein einmaliges Musikprojekt von Manuel Gagneux, was Gospel und Black Metal miteinander verbindet. Bereits am Anfang verkündet er “Wir reden nicht viel, ich hoffe, das ist OK” und meldet sich das ganze Konzert über nicht wieder. Worte wären aber auch unnütze Zeitverschwendung. Das Klangbild der drei Sänger ist etwas, das wir so auf dieser Bühne noch nicht gehört haben und zieht alle in einen Bann. Soulig und melancholisch, bis die Black Metal-Wurzeln für einen kurzen Moment durchsickern und das Publikum zum Headbangen zwingt. Ein Auftritt der durch seine Einzigartigkeit besticht und leider viel zu schnell vorbei geht.

00:20 – 01:20 Uhr
THY ART IS MURDER
Für das passende Kontrastprogramm zur Main Stage sorgen Thy Art Is Murder. Wer sich nochmal richtig verausgaben will, war hier im Pit an der richtigen Stelle. Wer sein Set mit “Death Squad Anthem” beginnt, weiß was er von seinem Publikum erwartet. Der Pit öffnet sich sofort und wird noch größer, also Frontmann Chris „CJ“ McMahon bei “Slaves Beyond Death” zum größten Circle Pit des Festivals aufruft und ihn auch geliefert bekommt. Dieser geht um den gesamten ersten Wellenbrecher und übertrifft das, was die Band noch vor 4 Jahren veranstaltete. Abgerundet wird der Auftritt durch Klassiker wie “Holy War” und “Human Target”.

02:15 – 03:00 Uhr
CYPECORE
Den Abschluss machen heute Cypecore. Sie haben wohl den perfekten Slot für ihre Show ergattern können. In der kompletten Dunkelheit kommt ihre Show einfach doppelt so gut. Das Wissen auch die Fans, die trotz der Uhrzeit zahlreich erschienen sind. Mit viel Pyro und einer großartigen Lichtshow kann die Band diese direkt auf ihre Seite ziehen und sich ab und an ein Lächeln nicht verkneifen. Sonst halten sie sich eher zurück. Ansprachen sucht man vergebens, nur ab und zu ein paar Floskeln, die selbst schon ungewöhnlich für die Band sind. Das Postapokalyptische Design und Konzept der Band geht an diesem Abend wieder perfekt auf und sorgt für den perfekten Tagesabschluss.

So endet der zweite Tag vom Summer Breeze 2019 und damit ist auch schon wieder mehr als die Hälfte vorbei. Es geht mal wieder viel zu schnell, aber dies sollten jetzt noch nicht unsere Gedanken sein. Genießen wir lieber noch ein paar Bierchen, bevor wir ins Bett fallen, um uns auf den letzten Tag auszukosten.

Summer Breeze 2020: Tickets + Infos

Summer Breeze 2020

Rockharz Open Air 2019: Freitag und Samstag

Bereits zwei Tage mit bester Laune, allerbesten Metalklängen und -Bands aber vor allem guten Freunden waren am Festivalfreitag vom Rockharz 2019 nun vorüber. Aber das hieß, es lagen auch noch zwei weitere, hervorragende in Aussicht.

Rockharz Open Air 2019: Freitag

Zum Auftakt des Tages gaben sich Elvellon die Ehre. Stimmgewaltig brachte Frontfrau Nele Messerschmidt die müden Geister wieder zum Kochen und von null auf hundert. Vor der Bühne sammelte sich nach und nach das Feiervolk um wieder Gas zu geben. Es dauerte nicht lange und schon hörte man einen Chor aus Stimmen. Die Symphonic Metaller aus Deutschland sorgten für einen gelungenen Start in den Tag. Ziegenmasken und ein druckvolles Grölen weckte noch die restlichen Schlafmützen. Mit vollem Sound voraus fingen Milking The Goatmachine mit einer Überdosis aus Grindcore gemischt mit Death-Metal los. Besonders die Zwischenspiele sorgten für ausgelassene Heiterkeit! Nailed To Obscurity waren in den letzten Jahren in Sachen Bekanntheit mächtig gewachsen. Die Truppe aus dem Friesland sorgte mit ihrem Doom Detah Metal zwar für eine kurzweilige Beruhigung, zumindest in Sachen Tempo, gefeiert wurde die Kapelle trotzdem. Auch ohne Blödeleien kann eine Band überzeugen.

Mit imposanten Kostümen betraten Warkings die Bühnen. Ein Spartiat, ein Templer und zwei Ringgeister – nicht nur optisch war es mal was Neues. Die Show überzeugte die Partygäste und machte Lust auf mehr. Der True Power Heavy Metal wurde aufs Feinste dargeboten und sorgte für beste Stimmung.

Elvenking. Was erwartete man? Herr der Ringe auf Testosteron? Welches Produkt würde präsentiert werden? Energiegeladener Hard Rock mit diversen Einschlägen aus True und Heavy Metal. Die Italiener aus Sacile, die es bereits seit 1997 gibt, spielten sauber und ohne Fehl ihr Set durch.

Und es folgte Whiskey. Viel davon. Aber bei dem Namen konnte man auch nichts anderes erwarten. Mr. Irish Bastard, mit acht Musikern auf der Bühne vertreten, stimmte mit Folk und klassisch-irischen Tonfolgen ein gewaltiges Trinkgelage an. Mit Tanz und guter Laune wurde das Publikum angeheizt und zum Crowdsurfen animiert. Kein Fuß blieb hier auf dem Boden. Flexibilität ist alles. Egal, in welchen Lebensbereichen. Und so kam es, dass Omnium Gatherum etwas früher spielen mussten. Auf Grund von logistischen Problemen mussten die Finnen mit The Night Flight Orchester ihren Slot tauschen. Zum Glücke sorgte Mutz, der Stage Manager vom Rockharz, mit seiner Ansage für Entwirrung.

Und was nun? The Night Flight Orchester. In Rosa gekleidete Background-Sängerinnen und ein Aufgebot an Musikern, die tatsächlich in ähnlicher Besetzung (mehr oder weniger) später nochmal spielen werden. Aber tatsächlich war der Schwank der 70er Jahre, also das was musikalisch produziert wurde, eine geniale Abwechslung und eine Hommage an die Gründerväter der gestählten Musik.

Publikums-Animation auf dem Höhepunkt erlebte man bei Kissin‘ Dynamite. Mit klaren und stimmigen Riffs kreierten die Hard Rocker einen energetischen Sound. 2018 wurde die Truppe als „Beste Deutsche Band“ ausgezeichnet und erfuhr auch einen gewaltigen Hype von etablierten Kräften. Ihr Gassenhauer „You’re Not Alone“ wurde neben anderen Songs textsicher von tausenden Fans rezitiert – also im Suffkopp mit gedonnert.

Einen gewaltigen Einschlag in Sachen Hardcore tätigten Caliban, weg vom klassischen Rock’n’Roll wurde nun der Fokus auf reine Aggression gelegt. Hasserfüllte Beatdowns wechselten sich mit ohrgängigen Gitarrenparts ab. Die Essener ließen die Bühne beben und überrollten regelrechtes das Infield mit ihrer Brutalität.

Soilwork zählten zu den Mitbegründern einer ganz eigenen Sparte. Und jetzt legten die Süd-Schweden richtig los. Obwohl ein Teil der Band bei The Night Flight Orchester auf der Bühne stand, war es musikalisch eine vollkommen andere Richtung. Wenn es Bands gibt die Melodic Death Metal als Gütesigel tragen dürfen, zählten die partygeilen Schweden dazu. Diesmal komplett ohne Rückenprobleme sorgte Sänger Björn Strid für eine mehr als nur gelungene Animation des Publikums.

Aus Großbritannien kam nicht nur die Eiserne Jungfrau und klassischer Heavy Metal. Die Londoner von Dragonforce könnte man für musikalische Perfektion nennen. Riffs, die selbst etablierte Musiker als schwer bezeichnen, wurden von Hermann Li und Co. vollkommen mühelos abgespielt. Spaß in der Band und Harmonie waren deutlich zu erkennen und sorgten für noch größere Begeisterung im Publikum. Eben alles, was man von Power und Heavy Metal erwartet, wurde hier kanalisiert wieder gegeben.

Peter Tägtgren ist nicht nur einer der besten Metal-Produzenten in Europa, er ist begnadeter Sänger und Gitarrist. Selbstverständlich musste man Hypocrisy nicht groß vorstellen – die schwedische Formation erlangte weltweit Bekanntheit und ihre Auftritte waren legendär. Tatsächlich war es mittlerweile ein regelrechtes Privileg die Truppe live zu erleben, da ihre Konzerte von einer gewissen Seltenheit zeugten. Nicht nur deswegen waren die Massen mehr als begeistert an diesem Abend.

Saltatio Mortis. Was soll man zu dieser Ausnahme Band groß sagen? Das Publikum wurde wie immer mitgerissen und feierte die deutsche Mittelalter Rockband ohne Wenn und Aber. Tatsächlich waren die sympathischen Musiker der heimliche Headliner. Bis weit hinter dem FOH standen die Menschen und gingen auf die Animationen des quirligen Zerberus am Mikrophon ein. Und so flogen nicht nur Haare, sondern auch T-Shirts. Egal ob Männlein oder Weiblein – es wurde blank gezogen und nur noch gefeiert. Alea ritt sogar auf den Schultern eines Fans durch die Menge! Sie brachten uns Feuer und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Ein ganz besonderes Erlebnis war der folgende Auftritt. Die Schwarzmetall-Fürsten von Dimmu Borgir spielten und lieferten ab! Aber tatsächlich nichts anderes hat man von einer solchen Legende zu erwarten. Seit den 90er Jahren sind die Mannen um Shargat einer der angesagtesten Acts der Black Metal-Kultur. Das Set war gespickt mit Klassikern wie „Kings Of The Cornwall Creation“ oder auch „Puritanier“ wurde den tausenden Zuschauern präsentiert, aber auch einer ihrer Kulthits „Mourning Palace“ durfte nicht fehlen. Alles in Allem hat hier nichts gefehlt. Einen würdigeren Headliner konnte es nicht geben.

Man erlebte eine völlig positive Eskalation bei Russkaja. Das Publikum blieb nicht still bei bekannten Liedern wie „Terror-Traktor“ – trotz der späten Stunde tanzten unzählige Menschen und man lag sich in den Armen. Die Stimmung war ab der ersten Sekunde am kochen. Auch die Animationen der Bigband wurde eins zu eins umgesetzt. Von Umarmung bis hinsetzen war alles dabei. Es war wirklich ein schönes Erlebnis, dass eine Ska Band so dermaßen auf einem Metal Festival abgefeiert wurde. Heidevolk übernahm die Aufgabe des Rauswerfers. Obwohl doch die Müdigkeit bei den meisten Besuchern  langsam aber sicher die Überhand gewann, fanden sich doch diverse Fans vor der Bühne ein. Die hartgesottenen Fans des Pagan Metals ließen es sich nicht nehmen die Niederländer anzufeuern.

Rockharz Open Air 2020: Tickets + Infos

Ruhrpott Metal Meeting 2016 – Tag 2: So war der Samstag

Größer als erwartet erstreckte sich der Metalmarkt in einer weiteren Halle der Turbinenhalle. Neben den üblichen Verdächtigen in Sachen Merchandise wurde auch für den guten Zweck geflippert. Der Erlös ging an die Kinder-, Jugend- und Familienhilfe in Mülheim und Oberhausen. Für den kulinarischen Genuss gab es, wie sollte es im Pott auch anders sein, Currywurst-Pommes-Mayo. Lecker! Da Merch und Essen sich die Halle geteilt haben, gab’s zum neuen Shirt den Pommesgeruch für zuhause direkt gratis dazu. Eine große Garderobe sucht man in der Turbinenhalle vergebens. Dafür gibt es ausreichend schuhkarton-große Schließfächer und damit keine langen Warteschlangen beim Abholen seiner Jacke oder Wertsachen, die mit etwas quetschen auch noch Platz im Schließfach finden. Bezahlt wird mit Wertbons. Also zweimal anstehen für’s Bier und die Currywurst. In der Vorhalle war es, nicht zuletzt der Jahreszeit geschuldet, etwas kalt. Dafür in beiden Hallen und dem Metalmarkt kuschelig warm.

So war das RUHRPOTT METAL MEETING 2016

Düster ging es am zweiten Tag des Ruhrpott Metal Meetings mit den vier Schweden Metallern um Sänger Jamie Anderson von Sister auf der Mainstage los. Der Gig war Bestandteil der „Destination Dust“-Tour zum im November erschienenen neuen Studioalbum „Stand Up, Forward, March“. Mit ordentlich Druck und einem um Welten besseren Sound als am ersten Tag, ließen Sister die Turbohalle beben.

BLIKSEM

Das Belgien nicht nur gutes Bier kann, bewiesen die Thrash-Metaller mit ihrer barfüßigen Frontfrau Peggy Meeussen von Bliksem. Mit einem kompakten aber heftigen Gig übernahmen Sie den zweiten Slot auf der Ruhrpottstage (Mainstage).

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Schon ab kurz vor Drei ging es auf der kleinen Bühne, der Flöz Stage, für die Newcomer los. Qualifiziert hatten sie Hopelezz, Delirious, Teutonic Slaughter und Words of Farewell. Um kurz vor Sieben war es dann so weit und der von vielen Fans erwartete Auftritt von Darkness begann. The Death Squad ist back! Die 1984 in Essen gegründete, 1991 aufgelöste und 2004 wiedervereinigte Thrash-Band aus Essen hatte während ihres fast einstündigen Gigs die Flöz fest im Griff und bewies einmal mehr, dass es für Dirk, Arnd, Lee, Lacky und Meik noch lange nicht Zeit fürs Altenheim ist.

Bildergalerie: So war DARKNESS live

DESASTER

Zustimmendes Mitwippen in den ersten 10 Reihen erspielten sich ab 19:00 Uhr die Black/Thrash – Metaller von Desaster um Sänger Guido „Sataniac“ Wissmann auf der Ruhrpottstage. Nette Sache: Auf der Bandhomepage gab die Band vor dem Auftritt auf dem Ruhrpott Metal Meeting noch Tipps zu Hotels rund um die Turbinenhalle. Alles in allem ein Runder Gig, der mit Sicherheit den ein oder anderen Black Metaller innerlich zur Eskalation gebracht haben wird.

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RAGE MEETS REFUGE

Von diesem Zeitpunkt an starteten die Bands auf beiden Bühnen aufgrund kleinerer Verschiebungen Zeitgleich. Das machte es nicht nur der Presse, sondern auch dem Publikum nicht leicht, die sich nun entscheiden mussten.

20:00 Uhr, Flöz: Als Headliner standen am Samstag Rage Meets Refuge auf der „Flöz-Stage“ in der kleinen Halle in der Turbinenhalle, die fast wegen Überfüllung geschlossen werden musste. Zu Beginn lieferten die Herner Power Metaller um Peavy Wagner eine Mischung aus alten Schätzen und Tracks vom neuen Album „The Devil Strikes Again“. Im späteren Verlauf standen dann neben Peavy die Refuge Musiker Manni Schmidt und Christos Efthimiadis auf der Bühne und bildeten die Bandformation, mit der Rage Ende der 80er auf der Bühne stand und auch 1993 das Album „The Missing Link“ veröffentlichte. Während des einstündigen Gigs nutzen Rage souverän ihren „Heimvorteil“ im Pott und teilte ordentlich aus.

Bildergalerie: So war RAGE MEETS REFUGE live

LEGION OF THE DAMNED

Dass das Sound-Team des Ruhrpott Metal Meeting entweder am zweiten Tag mit neuem Personal aufgeschlagen ist oder eine Menge dazugelernt hat, wurde spätestens beim Auftritt von Legion of the Damned klar. Die 12 Jahre alte Thrash-Band aus den Niederlanden um Sänger und Gründungsmitglied Maurice Swinkels hämmerte ab 20:00 Uhr mit einem irrsinnigen Druck nun auch dem letzten Besucher den Kater vom Vorabend aus der Murmel und die Crowd konnte endlich zeigen, dass das Ruhrgebiet nicht nur den Pütt (also Schacht), sondern auch den Pit kennt.

Pech leider für alle Fans von Legion of the Damned und Rage. Durch die komplette Überschneidung musste sich der Zuhörer entscheiden. Wir hätten gerne beide Bands in voller Länge gesehen. Ab jetzt ging es nur noch auf der Mainstage weiter.

Bildergalerie: So war LEGION OF THE DAMNED live

SAXON

Halle voll, Stimmung toll! Wie erwartet lieferten Saxon eine gute Show ab, zu der sie angemessen vom Oberhausener Publikum gefeiert wurde. Ein besonders bewegender Moment, im letzten Teil des Sets der britischen Schwermetaller, leitete Peter Byford ein. Eigentlich wäre dieses Jahr eine gemeinsame Tour mit Motörhead geplant gewesen. So ließen es sich die Briten zum kommenden einjährigen Todestag von Lemmy Kilmister am 28.12. nicht nehmen Ace of Spades zu performen, was die Menge mit einem gepflegten, dreiminütigen Ausrasten quittierte. Danke dafür! Auch Princess of the Night, Wheels of Steel und 20.000 Feet durften natürlich zum Abschluss des Gigs nicht fehlen.

Bildergalerie: So war SAXON live

BLIND GUARDIAN

23:00 Uhr: Blind Guardian. Mit den Worten „Im Pott ist es immer noch am schönsten!“ begrüßte Frontmann Hansi Kürsch die gut aufgeheizte Turbinenhalle. Schon vorher kündigten Veranstalter und Band an, dass der Gig der Krefelder Metal-Legenden ganz im Zeichen der 95er Platte „Imagionations from the other Side“ stehen wird. Während der ersten knapp zwei Stunden spielten und feierten sich Band und Publikum in eine handfeste Euphorie. Ende Laut Zeitplan: 0:30 Uhr. Denkste! Insbesondere der Zugabenteil ging unter die Haut. Beim Bard’s Song zeigten die Besucher beeindruckend, dass ca. 3.000 Menschen lauter sein können als die nicht gerade kleine PA beim Metal Meeting. Weltspitzenklasse sagt Hansi. Finden wir auch! Gegen kurz nach Eins gab es eine schlechte Nachricht für alle Blind Guardian Fans. Valhalla wird langsam zum Alteisen gelegt und aus dem Programm genommen. Aber, „weil ja Weihnachten ist, spielen wir ihn nochmal!“ Was folgte war eine fast 10-minütige Version des Klassikers. Zum krönenden Abschluss gab es als letzten Song Majesty auf die Ohren, um dann die nun vollends heiseren Fans und die Band in den wohlverdienten Feierabend zu entlassen. Das Fazit der meisten Besucher und auch unseres Teams: Die beste Blind Guardian Show, die wir bis jetzt gesehen haben. Ende: 1.30 Uhr.

Bildergalerie: So war BLIND GUARDIAN live

Fazit: Am zweiten Tag wurde unsere Hoffnung nach besserem Sound nicht nur erfüllt sondern übertroffen. An der Organisation könnte allerdings an der einen oder anderen Stelle wie z. B. dem Einlass und der zeitgleichen Running Order noch gefeilt werden. Dennoch ist das Ruhrpott Metal Meeting eine gute Möglichkeit, die sonst so festivalarmen Wintertage mit einer ordentlichen Schippe Schwermetall zu versüßen. Glück Auf!