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Moonspell in Berlin: Rotting Christ und Silver Dust verstärken das Line-up

Sieben Wochen ist das griechisch-portugiesische Kraftpaket bereits auf Tour als einen Tag nach Nikolaus die Pforten von Huxley’s Neuer Welt öffnen. Dem Publikum merkt man an, dass sich hier nicht irgendwer die Ehre gibt. Von jung bis alt ist alles vertreten. Fans der ersten Stunde und solche die noch nicht mal geboren waren als Rotting Christ und Moonspell vor mehr als 25 Jahren ihre ersten Konzerte gaben. Von Müdigkeit jedoch weit und breit keine Spur, auch wenn den Bands fast 40 Shows in den Knochen stecken.

Silver Dust

Den Anfang machen Silver Dust mit einer opulenten Inszenierung und fettem Sound. Musikalisch eine wüste Mischung aus Gothic Metal, Dark Rock und Metal Core sprühen die Schweizer vor Spielfreude. Eine Prise Johann Sebastian Bach darf natürlich auch nicht fehlen, passt doch die Toccata perfekt in das Konzept der Düstermetaller. Was sich musikalisch genauso wild darstellt, wie es klingt, ist jedoch optisch herausragend. Gewandet in Steampunk angehauchte Outfits spielt das Quartett die Seele aus dem Leib. Videoleinwände und visuelle Effekte unterstreichen das Geschehen.

rotting christ

Puristisch, aber nicht weniger mitreißend wird es im Anschluss mit Rotting Christ. Mit dem neuen Album „The Heretic“ im Gepäck verzichten die Griechen komplett auf irgendwelchen optischen Firlefanz und dominieren das inzwischen randvolle Huxleys allein durch ihre Bühnenpräsenz. Geboten wird Material aus allen Schaffensphasen der nunmehr 30 -jährigen Bandgeschichte. Im Jahre 2019 bieten die Gebrüder Sakis und Themis Tolis melodischen Black-Metal feil, der sich gewaschen hat. Fett und druckvoll überrollen sie an diesem Abend das Publikum wie eine Lawine. Nackenbrecher um Nackenbrecher brandet auf das Publikum ein und schließlich fordert Fronter Sakis noch den obligatorisch Circle of Death vom Berliner Publikum ein. Viel zu schnell neigt sich der Auftritt des Quartetts dem Ende zu und nach einer guten Stunde erschallt ein letztes „Non Serviam“. Rotting Christ sind vielleicht alt, aber kein bisschen leise.

Moonspell

Die Portugiesen Moonspell sind ebenfalls schon seit drei Jahrzehnten auf den Bühnen dieser Welt unterwegs, wenn auch nicht von Anfang an unter diesem Namen. Während die Tour noch immer unter dem Banner des 2017er Albums „1755“ läuft werkeln Fernando und seine Mannen bereits am Nachfolger. Das genannte Album befasst sich dabei mit einer düsteren Episode Portugals: dem schweren Erdbeben, das Lissabon fast vollständig zerstörte. Doch zurück in die Gegenwart: Mit Hut und Laterne bewaffnet entert Frontmann Fernando Ribeiro die Bühne und mit ‚Em Nome Do Medo‘ wird direkt ein starker Einstieg geboten. Mit dem Titeltrack vom letzten Album legt der Fünfer dann gleich nach, optisch untermalt von Fernandos Präsenz und seiner Pestmaske. Wie allen Bands an diesem Abend haben auch Moonspell einen perfekten Sound. Aber nicht nur klanglich wird die Zeitreise durch das Schaffen der Portugiesen unterstrichen. Wie auch die Schweizer Silver Dust vor ein paar Stunden ziehen auch Fernando und seine Mannen optisch alle Register: Überdimensionale Kreuze, ein Umhang in Fledermausoptik (natürlich zu Vampiria), Keyboards im Orgeldesign und Kreuze mit Laservisier. Die besonderen Highlights sind und bleiben aber die Hymnen der frühen Alben „Irreligious“ und „Wolfheart“ wie Opium, Mephisto und last aber ganz sicher nicht least Alma mater. Mit Fullmoon Madness endet dann leider auch schon der umwerfende Auftritt der Portugiesen und das Publikum wird in winterliche Nacht und den zweiten Advent entlassen.

Of Monster and Men in Berlin – Kostprobe einer eindrucksvollen Klanggewalt

One-Hit-Wonder? Fehlanzeige. Auch wenn viele Menschen (eventuell nur) ihren mega Ohrwurm „Little Talks“ trällern könnten. Denn seit jenem Hit ist die Folk-Band Of Monster and Men weltweit bekannt. Das isländische Sextett ist darüber hinaus sehr beliebt für ihre Auftritte mit guter Laune und sehr viel Gefühl. Kein Wunder, ihr Heimatland überrascht seit Jahrzehnten mit spannender, eigenwilliger Musik. Und wer schon Indie/Folk-Bands wie „Mumford and Sons“ oder „Noah and the Whale“ mag, wird sicher – sollte er es nicht schon sein, ein „Of Monsters and Men“ Fan werden. Auf aktueller „Fever Dream Tour 2019“ sind Of Monster and Men derzeit für insgesamt vier Konzerte in Deutschland unterwegs. Die Berliner Huxley’s Neue Welt ist am Mittwochabend die zweite Station für die Isländer.

VÖK

Den Abend eröffnet aber erst einmal eine ebenfalls isländische Band, die sich Vök nennt. Die junge, dreiköpfige Band mit Sängerin  und Gitarristin Margrét Rán gibt es seit dem Jahr 2013. Mit ihrem Dream-Pop und dem aktuellem Album „In The Dark“ im Gepäck sind sie ein guter Start in einen wunderbaren Konzertabend. Ihr elektronischer Sound klingt verträumt aber auch verletzlich melancholisch, im Wechsel auch fordernd energiegeladen. Genau wie ihre Landsmänner ist alles aber mit viel Gefühl versehen. Die beiden Bandkollegen Andri Már (Saxophon) und Einar Stef (Bass) unterstützen ihre Frontfrau leidenschaftlich an an den Instrumenten. Vök hypnotisieren die Zuschauer knapp eine halbe Stunde lang mit ihren Songs und entführen sie in eine eigene Welt.

Of Monster and Men

Seit ihrem letzten Auftritt in Berlin sind vier Jahre vergangen. Da wundert es wenig, dass das Konzert mit Spannung erwartet wurde und schon lange ausverkauft war. Nach vierjähriger Pause haben Of Monsters And Men in der Mitte des Jahres 2019 ihr von den Fans lang ersehntes drittes Studioalbum „Fever Tree“ veröffentlicht und mit diesem neuem Sound ist die Band seither konstant auf Tour quer durch Europa.

Der Ursprung der Band liegt in Songwriterin, Gitarristin und Sängerin Nanna Bryndís Hilmarsdóttir, der es vom ersten Moment an gelingt, die Zuschauer in ihren Bnn zu ziehen. Mit sanften Bewegungen schlängelt sich die Musikerin mit der himmlischen Stimme um ihre Gitarre und singt dabei gefühlvoll ins Mikrofon. Ihre fünf Bandkollegen sind wie Nanna vom ersten Moment an in bester Laune, man merkt eindeutig, dass Of Monsters And Men gerne wieder auf Tournee sind und den deutschen Fans viele neue Songs präsentieren wollen.

So startet der Auftritt mit dem Song „Alligator“, dem Liedtrack vom neuen Werk „Fever Dream“. Weitere neue Songs wie „Wild Roses“ und „Ahay“ folgen, aber immer gut im Wechsel mit älteren Liedern der Vorgänger-Alben. Die Band ist sich und ihrem ursprünglichen Stil ganz klar treu geblieben. OMAM haben sich für ihre Konzertreihe eine wunderbar funktionierende Setlist zurecht gelegt. Jedes einzelne Lied ist persönlich und einzigartig. Man merkt im Publikum, dass jeder hervorragend in die heimelige Atmosphäre eintauchen und die Musik genießen kann. Während des gesamten Abends changieren Of Monsters And Men changieren gekonnt zwischen alternativen Indie-Rock und poppigem Indie Folk. Über allem schwebt die glockenhelle aber gleichzeitig unaufdringlich klingende Stimme von Nanna Bryndís Hilmarsdóttir. Ein stimmungsvolles Konzert, bei dem sich Gänsehaut-Momente mit guter Laune und romantischer Stimmung abwechseln.

Rave-Band Little Big bringt Berlin in Ekstase

Samstagabend, den 11. Mai 2019, Huxley’s Neue Welt in Berlin, ausverkauft, 45 Minuten Verspätung, Little Big. Die russische Rave-Band Little Big, die häufig mit Die Antwoord verglichen wird, hatte die Berliner Fans zu einem spektakulären Konzertabend eingeladen. Gleichzeitig war das Konzert in Berlin das einzige auf deutschem Boden im Rahmen dieser Tournee. Die Vorfreude war groß und die Neue Welt bis auf den letzten Platz gefüllt. 

Little Big gründeten sich erst 2013, haben seitdem aber bereits vier Studioalben veröffentlicht und sich weltweit einen Namen gemacht. Gleich die erste Show der Band fand im Vorprogramm von Die Antwoord statt. Seitdem werden die Bands gerne verglichen. Um 19:00 Uhr startet der Einlass, 20:00 Uhr soll die Show beginnen. So zumindest der Plan. Little Big betraten allerdings erst um 20:45 Uhr die Bühne. Von außen betrachtet unverständlich, da es keinen Support und somit auch keine Umbaumaßnahmen auf der Bühne gab. Egal, das Publikum war heiß auf die Truppe aus St. Petersburg. Entsprechend positiv fielen die Reaktionen bereits beim Opener “Punk’s Not Dead” aus. Das Berliner Publikum war sofort auf 100 % hochgefahren und der Boden fing an zu beben. Nicht nur sprichwörtlich, sondern tatsächlich. Das sollte sich in den kommenden knapp eineinhalb Stunden nicht ändern. Verschnaufpausen gab es keine, denn alle (gespielten) Songs von Little Big setzen die Berliner in Bewegung. Befeuert wurde die Tanz- und Springwut durch das Trio auf der Bühne, das immer wieder dazu aufforderte, zu schreien, zu springen und zu tanzen. DJ Anton Lissov hielt sich nur selten hinter seinem DJ-Pult auf. Immer wieder stand und sprang er auf selbigem herum oder kam nach vorne gesprintet um Ilya Prusikin und Sonya Tayurskaya gesanglich zu unterstützen.

Little Big feuerten neben jeder Menge CO2 auch eine gewaltige Lichtshow in die Menge, an der man sich kaum satt sehen konnte. Die Wirkung der wilden, ungehemmten Songs verstärkte sich dadurch nochmal. Zudem zeigte sich, dass die Rave-Band inzwischen ein ganzes Sammelsurium an Hits zu bieten hat. “Fucking Asshole”, “Skibidi”, “Big Dick” und “Faradenza” sind davon nur einige. Bei “Skibidi” durfte der typische Tanz aus dem Musikvideo natürlich nicht fehlen. Mit “Faradenza” und “Polyushko Pole” ging der Konzertabend in Huxley’s Neuer Welt dann auch schon wieder zu Ende. Die drei MusikerInnen verabschiedeten sich von den Fans, indem sie den Graben vor der Bühne entlang liefen und High Fives sowieso Umarmungen an die erste Reihe verteilten. Sympathisch!

Chartqueen Jess Glynne betört Berlin

Die Hit-Singles „Rather Be“ und „Real Love“ in Kombination mit der Elektropop-Band Clean Bandit haben den Grundstein für die Erfolgsgeschichte von Jess Glynne gelegt. Die beiden Hits sorgten binnen kurzer Zeit für einen kometenhaften Aufstieg der britischen Pop-Sängerin. Mit ihrem eigenen Song „Hold My Hand“ hat sie sich auf eigene Füße gestellt und ihr neu gewonnenes Millionenpublikum nicht enttäuscht. Mit „I Cry When I Love“ ist in 2015 ihr Debütalbum auf dem Markt erschienen, drei Jahre später der Nachfolger „Always in Between“ (2018). Mehr als 17 Millionen monatliche Hörer folgen ihr mittlerweile auf Spotify, die sozialen Medien rund um Instagram, YouTube und Co. noch nicht einmal mitgerechnet. Da wundert es nicht, dass das Stimmwunder am Freitagabend in einer restlos ausverkauften Konzertlocation in Berlin auftritt. Vor allem, da die talentierte Musikerin in Deutschland auch nicht oft live zu sehen ist. 

Insgesamt fünf Liveshows stehen in Deutschland während der aktuellen Frühjahrstournee zum gleichnamigen Album auf dem Plan. Das zweite Konzert findet in Huxley’s Neuer Welt statt, dem geschichtsträchtigen Gelände im Berliner Bezirk Neukölln, dessen Historie bis ins 18. Jahrhundert führt und schon damals für musikalische Vorführungen genutzt wurde. Zuerst sorgt Sängerin MIN t für eine knappe halbe Stunde im Vorprogramm für Kurzweil. Langsam füllt sich dabei der Saal und nach einer kurzer Umbauphase ist es dann endlich soweit.

Mit einem imposanten Intro startet die Backing Band das Bühnenprogramm. Nur kurz lässt Jess Glynne auf sich warten und zieht mit ihrem tollen Look und der unvergleichlichen Stimme sofort die Blicke jedes Besuchers auf sich. Sieben Mal hat es die in London aufgewachsene Musikern an die Spitze der UK-Single-Charts geschafft. Ein beachtlicher Rekord, denn damit verfügt sie über mehr Nummer-1-Singles in ihrer Heimat als jede andere britische Sängerin. Ihr Debütalbum hat sich sogar 148 Wochen lang in den Top 100 gehalten.

Etwa zwei Stunden lang taucht das Huxley’s in eine gemütliche Atmosphäre ein – zu den poppigen House-Beats und soften Balladen wird getanzt, geschmust und textsicher mitgesungen. Ihre Songs handeln von Freundschaft und Liebe, sie teilt darin ihre eigenen Gefühle und Ängste mit und setzt sich mit dem neugewonnen Ruhm auseinander. Mit der ausgewählten Setlist führt Jess Glynne bunt gemixt durch die beiden bisher veröffentlichen Werke, wobei einige Songs auch akustisch umgesetzt und stimmlich umso beeindruckender wirken. Zu der akustischen Version von „Take Me Home“ berichtet die Britin von einer sehr emotionalen Fanbegegnung zuletzt in Berlin, nach der dieser schwerkranke Fan kurz darauf verstarb. Dieser Moment bewegt sie noch heute so, dass sie die Performance dieser Hitsingle dem Fan widmet. Dafür stimmt der ganze Saal gemeinsam mit Jess die Songzeilen an, wunderschön untermalt von Akustikgitarre und Klavier.

Der abgemischte Sound und allen voran die Leistung von Band und Sängerin sind im Huxley’s heute so gut, das man keinerlei Unterschied zu den aufgenommen Songs erkennen kann. Beeindruckend! Auf der Bühne gibt sich die Sängerin dabei gut gelaunt und erstrahlt im Licht der Scheinwerfer auf eine so bezaubernde und charismatische Weise, dass man Jess Glynne gern zur guten Freundin hätte.

Feral Roots Tour 2019 – Rival Sons in Berlin

Für Bernd. Lang ist es her, aber das Huxley’s steht noch da, wo ich es das letzte Mal vorgefunden habe. Der Laden ist gerammelt voll mit einem Publikumsgemisch aus frisch bekleideten Rival Sons-Merchträgern der Mittvierziger und jungen Leute, die froh sind, heute nicht mehr für die nächste Prüfung pauken zu müssen. Ende letzten Monats hat das kalifornische Blues-Rock-Quartett Rival Sons ihre neue Platte „Feral Roots“ auf den Markt geschmissen, um direkt im Anschluss den Menschen auf ihrer Tour mit ihrer unbändigen Energie ein ohrenbetörendes Fest zu bereiten. Die Tour ist nahezu ausverkauft.

An den Bars und Toiletten herrscht Hochbetrieb, bevor es in die Vollen gehen kann. Die Blinder an der Bühnendecke lassen das Licht im Saal erlöschen und das jubelnde Publikum ist bereit. Es wird das Skelett des Hundes der aktuellen Platte „Feral Roots“ mit einem pulsierenden Herzschlag auf den Bühnenhintergrund projiziert. Die Evolution kann also beginnen. Oder ist es vielleicht doch besser, wieder zum Ursprung zurückzukehren?

Rival Sons starten passend zu diesem Thema mit dem Song „Back In The Woods“ von ihrer neusten Platte. Neben ihren riesigen Supportgigs vor Black Sabbath, Deep Purple oder The Rolling Stones, spielen die Bluesrocker schon seit acht Jahren in Berlin und feiern heute im Huxley‘ ihren größten Auftritt in der Hauptstadt als Headliner. Die alteingesessenen Fans müssen heute nicht lange warten, denn Songs wie „Pressure and Time“ und „Electric Man“ kommen schon zu Beginn des Sets. Auch der Gitarrensound ist electric und zieht gleich mehrere Lachse vom Teller, denn was Scott Holiday mit seinem Gitarren-Setup anstellt, ist einfach nur zum Sabbern. Stilbewusst und mit seinen auffälligen TV-Jones-PickUps verstärkten Gitarren, nagelt er jeden Ton, der aus seinen Custommade-Brettern herauskommt, an die Wand. Aber auch der unruhige Drummer Mike Miley will bei jedem Bassdrum-Kick der Erste sein. Gefühlt springt er bei jedem Kick auf das Fell seiner Bassdrum von seinem Hocker. Mit seinen Fill-Ins und Hit-Hat-Spielereien treibt er nicht nur die Fans, sondern auch die Band in den Wahnsinn. Das jüngste Mitglied, Bassist Dave Beste (seit 2013) und Tourmusiker Todd E. Ögren-Brooks satteln die Pferde und geben Frontsau Jay Buchanan die perfekte Basis, um dem Zuhörer zu zeigen, dass man ihn in den Medien nicht umsonst mit Legenden der Bands wie Led Zeppelin oder The Black Crowes vergleicht.

Trotz der laufenden Hits und dem unglaublichen Soundgewitter, den die fünf US-Amerikaner in den Saal aus der Zeit zurückgeholt in die Veranstaltungshalle schmeißen, ist es zwischen den Reihen sehr unruhig. Besonders deutlich wird diese Unruhe während der leisen Songs wie „Sacred Tongue“. Es wird lautstark erzählt und gelacht. In einem Atemzug wird noch stolz darüber berichtet, wieviel Geld man gerade für diesen Abend bezahlt hat und gleichzeitig raubt man den restlichen Zuschauern das Live-Erlebnis. Viele Gäste sind genervt. Hier interessiert man sich nicht mehr für ehrliche Rockmusik und außerhalb der vier Wände des Huxley’s stellt sich eine US-amerikanische Popsängerin den Rekorden der Beatles. Vielleicht müssen wir doch ein Stück zurückgehen, um der Evolution wieder näher zu sein.

George Ezra bringt Frühlingsgefühle nach Berlin

An diesem schön-warmen, frühlingshaften April-Montag strömten zahlreiche Besucher in das ausverkaufte Huxley’s in Berlin. Für den perfekten Wocheneinstieg spielte dort der englische Singer-Songwriter George Ezra, der vor allem durch seinen Song „Budapest“ bekannt wurde. Den Auftakt machte Simon Lewis aus Österreich, ebenfalls Singer-Songwriter. Mit seiner warmen und rauchigen Stimme, bildete er einen perfekten Support für George Ezra. Musikalisch ein absolut stimmiges Package und auch das Publikum schwofte gemütlich mit und genoß die sanften Klänge von Simon Lewis.

Langsam aber stetig füllte sich der Innenraum im Huxley’s. Das Gedränge wurde immer mehr und mit zunehmendem Publikum wurde es auch immer wärmer. Aber das störte an diesem Tag niemanden. Spätestens mit dem ersten Lächeln von George Ezra schmolzen die ersten Frauen-Herzen dahin. Mit einigen witzigen Anekdoten und Entstehungsgeschichten zu manchen Songs, schaffte Ezra während des Konzerts eine intime, schon fast familiäre Stimmung. Ein mehr als gelungenes Set, dass mit unglaublich viel Lebensfreude gespielt wurde. Die erste Live-Präsentation seiner Songs vom nagelneuen Album „Staying at Tamara’s“ (VÖ März 2018) berührte die Fans. Viel besser hätte dieser Montagabend nicht laufen können. Das einzige was es besser gemacht hätte: Ein Open-Air Konzert an einem schönen See. Aber das ist Meckern auf höchstem Niveau. Und das Huxley’s ist ja schließlich auch eine sehr schöne Location.

Wer den Termin in Berlin verpasst hat oder nicht genug von George Ezra bekommen kann, der hat am Samstag, den 14. April noch einmal die Chance auf eine Show in der Live Music Hall in Köln. Ein entspannter Abend mit Freunden und guter Live-Musik mit einem charismatischen Sänger – wer kann da schon nein sagen?

Trivium in Berlin – Konzerte mit dem Smartphone erleben

Es ist Ende März und die US-amerikanischen Metalcore-Legenden-Anwärter Trivium haben sich auf dem Weg nach Europa gemacht, um auch am Freitagabend in Berlin ein paar Riffs auszuteilen. Im Konzertsaal selber ist es warm und windstill, währenddessen sich draußen im Dunklen die vierte Eiszeit ankündigt.

Sobald man den Konzertsaal betritt, wird man förmlich von dem gigantischen Bühnenbild und der Publikumsmasse erschlagen – der Laden ist ausverkauft. Während die Crew die Bühne herrichtet, haben die Besucher eine halbe Stunde Zeit, um ihre volltrunkenen Kräfte wieder voll aufzuladen, denn die Vorbands „Power Trip“ und „Venom Power“ haben bereits gespielt. Die Uhr schlägt 21:30 und es geht pünktlich los.

Für einem echten Trivium-Fan gehört es sich, in den ersten Reihen zu stehen und das gesamte Konzert mit zu filmen, um später den Auftritt vor der Glotze so richtig genießen zu können, so zumindest der Schein. Jeder hat bestimmt schon das eine oder andere Foto mit Handy auf einem Konzert geschossen und seinen Lieblingssong mitgefilmt. Gerade diese Gelegenheiten sind einzigartig und schön im Nachhinein zu betrachten. Doch wer schaut sich das komplette Material erneut an? Wer will in dieser schlechten Qualität seine Jugendhelden auf YouTube oder ähnlichen Portalen sehen? Sollte man das Konzert nicht einfach vor Ort genießen? Man geht doch auch nicht romantisch mit seiner Freundin in einem Restaurant speisen und packt das Essen in seine Tupperdose, um es am nächsten Tag in der Mittagspause in vollen Zügen zu genießen. Zurück in die Konzerthalle der Huxleys neuen Welt.

Obwohl die Bühne u.a. komplett mit Lichttechnik vollgerümpelt ist, steht dort kaum Equipment. Das Zeitalter der analogen Amps, mit einer satten Röhren-Beschaffenheit und einer guten 4 x 10er Gitarren-Box ist seit einigen Jahren nicht mehr „In“. Schließlich spart der Künstler Zeit beim Ein- und Auspacken. Zudem hört der Musiker auch alles durch ein In-Ear-System viel präziser. Durch diese Art von Kontrolle schwindet der Makel, der den Sound so lebendig gemacht hat und macht Platz für die perfekte und langweilige Studiowiedergabe – als würde man eine CD hören. Das Drumset hingegen ist noch voll da, mit allen nur vorstellbaren akustischen Resonanzkörpern und glänzenden Becken. Sobald aber die Bassdrum aussetzt, klingt der Sound etwas platt – ähnlich wie eine Flunder beim Einatmen.

Die Metal-Fäuste und Gabeln werden bei jeder Gelegenheit in die Luft geschmettert – das Publikum hat Bock. Die digitale Seifentruppe Trivium versucht bei jeder erdenklichen Gelegenheit mitzuteilen, dass vor ihnen das beste Publikum stehe, welches sie je gehabt hätten. Zu jedem Startschuss der Songs wälzt das nicht optimale Licht für die Fotografen wieder im Takt mit. Das gestreute Gegenlicht, ballert dem Publikum förmlich in die Augen. Die Interaktion zwischen Band und Zuschauern ist intim. Der Blickkontakt der beiden ist intensiv und hemmungslos. Beide Parteien schreien sich an und genießen diese gemeinsamen Momente, vollgepackt mit Emotionen. Das Konzert endet mit dem 18. Song „In Waves“.

Enter Shikari in Berlin – Langweilig war gestern

Erst letzte Woche waren Enter Shikari in Berlin und haben für ARTE CONCERT aufgezeichnet. Eine Woche später geht es jetzt im Huxleys noch ein Mal heiß her. Mit dabei haben sie Lower Than Atlantis und Asteroid Boys.

Lower Than Atlantis

Auf der Bühne stehen riesige Boxtürme aus Gitarrenboxen, an der Decke hängen Massen an Lampen, jetzt fehlt nur noch die Band auf der Bühne. Schleppend betreten die Musiker von Lower Than Atlantis einzeln die Bühne. Eben wie bei einer echten Rockshow. Doch kaum sind auf der Bühne angekommen, wird bei dem ersten Saiten-Anschlag schnell klar, dass hier etwas nicht stimmt. Die Gitarren klingen über die Anlage komplett ohne Druck und Dynamik, der Bass ist so gut wie nicht zu hören. Sänger und Frontmann Mike Duce bekommt nur die ganz kleinen Töne heraus. Die Band versucht zwar Rockstar-Attitüden mitzubringen, aber wirken tun sie eher wie eine Rockband ohne Rock. Der Musikstil ist auch noch in der Selbsterforschung. Die Gitarrentürme sind nur Attrappen und der Lichtmann ist gerade zu Tisch, als die gesamte Energieversorgung in das Gegenlicht fließt. Als Frontmann Mike das Publikum zu einem Circle Pit auffordert, ist das Publikum etwas verwirrt und findet den Zeitpunkt dazu nicht. Wie jeder weiß, muss sich eine Band solche Aktivitäten erspielen und verdienen und nicht verlangen.

Enter Shikari

Es könnte unterschiedlicher nicht sein. Warum eigentlich Energie sparen, wenn man auch alles verbraten kann? Enter Shikari machen es vor. Die britische Chaostruppe bewegt sich irgendwo zwischen Synthie-Hardcore und Genialismus. Es ballert wie aus Eimern, wenn die durchaus tanzbare Mischung aus Elektro- und Post-Hardcore
aus der Saal-Beschallungs-Anlange wie ein Skrillex-Orgasmatron donnert. Mit dieser Band war Langweilig gestern.

Rund um den Saal haben die Jungs von Enter Shikari Lautsprecherboxen positioniert, um verschiedene Nuancen der Musik durch ein 360 Grad-Soundsystem zu akzentuieren, sodass man sich das ein oder andere Mal umschauen muss, wo das Geräusch herkommt. Die Fans sind mehr als begeistert. Das Publikum strahlt soviel Elan und Euphorie aus, dass es für Sänger Rou ein Leichtes wäre, die Zuschauer zu allem zu bewegen.

MTV’s Headbangers Ball 2017: Max & Iggor Cavalera – Back to The Roots

Metal-Konzerte sind doch immer noch die Schönsten. Im Foyer wird sich über die letzten Konzert-Kamellen der letzten 21 Jahre ausgetauscht und dabei das eine oder andere Bier getrunken. Und ob man die Story schon das 100ste Mal erzählt hat ist in diesem Moment egal, denn die Euphorie ist es, die die Geschichten zu neuem Leben erwecken lässt, so als wäre es erst gestern gewesen.

Im vergangenen Jahr feierten Max & Iggor Cavalera das 20-jährige Jubiläum vom legendären „Roots“ Album und tourten quer durch die Weltgeschichte umher. Heute sind sie im Rahmen des MTV’s Headbangers Ball 2017 zurück und haben drei satte Vorbands mitgebracht. Deserted Fear aus Thüringen, Insomnium aus Finnland und die alten Trash Metal-Mitbegründer Overkill aus New York.

Leider starten die Brüder mit einer schlechten Nachricht in den Abend. Gitarrist Marc Rizzo musste leider aus familiären Gründen die Tour verlassen, doch beenden möchten sie die Tour nicht und haben für Ersatz gesorgt. Die Bühne ist sehr schlecht ausgeleuchtet, aber erkennbar ist das Drumset von Iggor und der Mikrofonständer von Max, der mit Patronenhülsen geschmückt ist. Die Verstärker werden von Tarnnetzen verdeckt.

Der Saal ist nur sporadisch gefüllt, aber die Stimmung ist dafür um so besser. Wie könnte man das Konzert besser anfangen als mit dem Song „Roots, Bloody Roots“. Frontmann-Ikone Max Cavalera ist nicht dafür bekannt, dass er seinem Publikum Zeit gibt, um warm zu werden. Zu jeder Gelegenheit will er alle Fäuste in der Luft sehen oder die eisernen Metalgabeln.

Zurück zu den Wurzeln. Iggor Cavalera sitzt auf seinem Schlagzeug-Hocker und hat kein Interesse auf Streichel- oder Einzähl-Einheiten. Es wird geprügelt was das Zeug hält. Der Drum-Sound von Iggor ist sehr von seiner Kraft geprägt und ist dadurch unverkennbar – das Gemenge aus riesigen Hänge-Toms, hochgestimmten Bongos, einer zerfleischenden Snare-Drum, ein paar Becken und zwei massiven Bass-Drums. Das alles sorgt für den heftigen Drum-Sound, der sich wie umstürzende Urwaldbäume anhört. Jeder Schlag der auf sein Set prallt, sorgt förmlich für das Verabschieden der Schrauben an den Resonanzfellen.

Zusammen mit dem Gitarren-Sound seines Bruders, dem Tarnfarben-Liebhaber, denkt man automatisch, man sei wieder 14 Jahre alt. Das war der Lebensabschnitt, als der Metal in den meisten Köpfen von uns anfing zu wachsen. Die Rede ist von diesem dumpfen und verzerrten Klang seiner Gitarre, die heute noch wie früher klingt. Und alles was man dafür braucht, ist ein aktiver Humbucker und einen Potie, der für die Lautstärke sorgt. Das ist seitdem vermutlich sein Geheimrezept. Selbstverständlich ist das nicht alles, denn der Ton kommt schließlich aus den Fingern. Wird also doch schwierig, wenn man nur das Equipment nachkauft. Dieser Mann ist nicht nur eine brasilianische Musiklegende, er hat auch einen prägenden Anteil in der Metal-Szene in Europa hinterlassen.

Das Publikum ist am Genießen, Bangen und Feiern. Das legendäre „Roots“ Album ist nicht nur ein Meilenstein der Metal-Geschichte, sondern auch live ein extremer Schlag in die Fresse. Das Konzert ist nicht sonderlich lang, sodass die Cavaleras sogar Anspieler von Black Sabbath und Stücke von Cavalera Conspiracy mit ins Rennen nehmen müssen. Doch das ist letzten Endes auch egal. Die Cavalera-Brüder sind und bleiben ein heißes Eisen im Feuer und kommen niemals zum Stillstand, egal in welcher Formation sie spielen.

Pothead – eine Reise zurück in die Kneipe

Das ist keine Tournee, das ist ein Wiedersehen. Pothead spielen ohne Vorband und haben eine lange Setlist für die Fans vorbereitet. Heute, am 20. Januar 2017, starten Pothead mit zwei aufeinanderfolgenden Konzerten um das Jahr 2017 zu begrüßen. Das Spektakel wird in dem Saal der Huxleys neuen Welt in Berlin zweimal ausverkauft ausgetragen.

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Seit über 25 Jahren leben und spielen die beiden Gründungsmitglieder, Bradley Kok und Jeffery Moore in Berlin. Nachdem sie Anfang der 90er Jahre spontan auf einer Urlaubsreise entschieden haben, nicht wieder zurück nach Seattle zu fliegen, blieben sie in Berlin. Wer die Jungs kennt, oder schon ein Mal Live gesehen hat, weiß das man hier etwas für sein Geld bekommt. Du weißt nicht ob du heute Abend auf ein Konzert oder in die Kneipe gehen sollst? Dann geh zu Pothead, sie schaffen mit ihrer Musik genau die perfekte Mischung aus beidem. Die Legierung aus Rock und Stoner ist die perfekte Mischung, um dem einen oder anderen Kutten-Träger glücklich zu machen. Das Publikum ist zwar ein Älteres, aber nicht weil es Alte-Leute-Musik ist, sondern weil die Fans von früher geblieben sind.

Pothead macht süchtig. Die Philosophie von Pothead wirkt so bescheiden, dass man davon ausgehen kann, dass ein neuer Anzug pro Jahr und ein paar Biere auf der Bühne, mehr als ausreichen würden, um sie zu frieden zustellen. Sie spielen ein umfangreiches Programm aus 39 Liedern ohne große Ansprachen zu halten durch. Ein Grinsen hier, ein kleines Dankeschön da, die Fans sind rundum glücklich und zufrieden. Für musikalische Highlights wie „I’m a Sinner too“, „Indian Song“ oder “Satisfied“ ist heute Abend gesorgt. Es gibt sogar zwei Gastauftritte von Freunden.

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Obwohl die beiden Musiker Bradley und Jeffery schon über 25 Jahre in Berlin leben, kann man bei den dezenten Ansagen denken, dass sie mit ihrem beibehaltenen US-Slang heute das erste Mal in Berlin auf der Bühne stehen. Niedlich sind sie ja. Danke Pothead für diesen Abend.