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Insane in the Sporthalle: Cypress Hill in Hamburg

Beim Cypress Hill-Konzert am 10. Dezember in München gab’s 34 Anzeigen wegen Verstößen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Wie viele es in Hamburg werden? Wir waren am Sonntagabend in der Sporthalle Hamburg, um es herauszufinden.

Wie breit kann man vom Passivrauchen werden? Werden wir mit klarem Kopf nach Hause kommen oder mit roten Augen in die nächste Tanke schlurfen, alle Schokoriegel aufkaufen und nach dem Fressflash in der U-Bahn einschlafen? Solche Fragen stellt man sich, wenn man das erste Mal auf ein Cypress Hill Konzert geht – so wie Fotograf Axel und ich.

Wer die legendäre Rap-Crew aus Los Angeles kennt, weiß, dass sich die B-Real, Sen Dog, DJ Muggs und Percussionist Eric Bobo schon immer für den Konsum und die Legalisierung von Marihuana eingesetzt haben. Und das nicht mit feinen Metaphern, die wie Rauchschwaden zwischen den Zeilen schweben, sondern ziemlich direkt. Fans erinnern sich an Songs wie „Hits from the bong“. Nicht-Fans erinnern sich immerhin an „Insane in the Brain“, dem wohl größten Hit von Cypress Hill. Zu dem Song ist wirklich jeder gehüpft, vom Hip-Hop-Head bis zum Metal-Fan.

Warum gehen die alten Herren eigentlich nochmal auf Tour? Mit über 18 Millionen verkauften Alben könnte man sich eigentlich entspannt zurücklehnen und den nächste Blunt drehen. Ganz einfach: Cypress Hill hat ein neues Album rausgebracht: „Elephants on Acid“, das auch Namensgeber der aktuellen Tour ist.

Der Duft der großen breiten Welt.

Schon auf dem Weg zur Konzerthalle zogen einige Fans ein Duft hinter sich her, den selbst Nicht-Kiffer auf 100 Meter Entfernung erkennen. Als wir gegen 19:30 die Sporthalle Hamburg betraten, war das Publikum dementsprechend tiefenentspannt. Wann legen Cypress Hill wohl los? Wenn die Sofas im Backstage-Raum zu gemütlich sind, wahrscheinlich niemals.

Becher & Blunt & Haze.

Erstmal kam Haze als Vorgruppe auf die Bühne. Der Rapper aus Karlsruhe hat in Joggingheimer und Kapuzenpulli, mit Sonnenbrille und Backup-Rapper die Fans aufgewärmt. Sein Name und Songs wie „Becher & Blunt“ passten thematisch gut zum Abend, ich fand die Performance aber etwas lustlos. Da war nicht viel Bewegung auf der Bühne. Vom Text ist hinten an der Bar auch nicht so viel angekommen – auf Kopfhörern hört sich Haze besser an.

Die Sratch-Legende lebt!

Haze geht, Cypress Hill kommt – nicht. Erstmal durfte der Anheizer-DJ ran. Als ich erkannt habe, wer da hinter den Turntables steht, ist mir kurz die Kinnlade runtergefallen: Mix Master Mike, Ex-DJ der Beasty Boys. Der Mann ist eine lebende Legende. Nach einer Siegesserie bei den DMC DJ-Weltmeisterschaften wurden er und sein Teampartner DJ QBert gebeten, nicht mehr teilzunehmen, um anderen DJs eine Chance zu geben. Mittlerweile ist er Tour-DJ von Cypress Hill und hat in Hamburg dermaßen schnelle Scratches und Beatjugglings auf das Publikum abgefeuert, dass manchen Fans die Sportzigarette aus dem Mundwinkeln gefallen ist.

Endlich: Cypress Hill live!

Mittlerweile war die Sporthalle Hamburg gut gefüllt. Ein Teil der Tribünen war zwar abgehängt, aber vorne warteten die Fans dicht gedrängt (pun intended) auf Cypress Hill. Ein Blick auf die Uhr: 21:20 Uhr. Plötzlich entrollte sich auf der Bühne ein riesiges Banner mit dem Cover von „Elephants on Acid“. Endlich war es soweit: B-Real, Sen Dog und Percussionist Eric Bobo kamen auf die Bühne!

Es ging los mit den indischen Klängen des Album-Intros „Tusko“, gefolgt vom neuen Song „Band of Gypsies“, der mit seinem treibenden Beat die Menschenmenge zum Wogen gebracht hat. Danach war kurz Zeit für ein Hallo an die Halle: Rapper B-Real begrüßte die Crowd mit einem „We got a party tonight, Hamburg!“ Recht hat er. Und das schon nach dem ersten Song!

Weiter ging’s mit dem Oldschool-Beat „Shoot Em Up“. War das der Original-Track vom Juice-Soundtrack oder ein Remix? Es folgte „Throw Your Set In The Air“ vom Album „III: Temples of Boom“. Unter uns, mir hat Temples of Boom immer am besten gefallen, weil das Album etwas düsterer war als. Hat gut in meine melancholische Wu-Tang-Phase gepasst.

Insane in the Sporthalle.

Aber zurück zu Cypress Hill. Als nächster Song stand „Boom Biddy Bye Bye“ auf der Setlist. Kennt ihr alle. Es folgte eine Zeitreise durch 30 Jahre Bandgeschichte. Natürlich durfte auch der Partykracher „Insane in the Brain“ nicht fehlen, der kurz vor der ersten Zugabe gespielt wurde, und die Fans in der Sporthalle nochmal komplett durchdrehen lies. Es folgte noch eine zweite Zugabe, dann war Schluss. Das letzte Bier wurde ausgetrunken, der letzte Blunt wurde aufgeraucht.

Und wieviele Anzeigen gab’s?

Keine, soweit ich weiß. Ab Mitte der Halle duftete die Luft zwar ziemlich würzig, wie mir Augenzeugen berichteten. Oder sagt man in dem Fall Nasenzeugen? Egal. Weiter hinten war’s aber halb so wild. Das beweist alleine die Tatsache, dass wir diesen Bericht pünktlich abgeliefert haben.

So war das splash Festival 2018 am Samstag + Sonntag

Der zweite Tag beim Splash 21 startet schon in den frühen Mittagsstunden mit der überraschenden Nachricht, dass Marteria und Casper – passend zu ihrem nagelneuen Kollaboalbum „1982“ dass die beiden Deutschrapper derzeit überall wie anpreisen – vor dem Festivalgelände eine kleine, spontane Autogrammstunde geben. Wie schnell kann sich so eine Area füllen? Rasant! Die Hoffnung der Festivalbesucher auf einen gemeinsamen Auftritt am Abend, bei dem ja eigentlich Casper den Slot für die Bühnenshow besetzt, steigt bei den Besuchern und sie sollen am Ende auch nicht enttäuscht werden. Bei angenehmen 26 Grad füllt sich die Eisenstadt und die ersten Künstler des Tages wie Azad, Yung Hurn oder Junglepussy locken einen zu den sechs verschiedenen Bühnen, die es in diesem Jahr gibt. Die Begeisterung für junge Talente ist beim Publikum genauso groß, wie bei Künstler mit jahrelanger Bühnenerfahrung – RIN, Haze, Lil Uzi Vert, Russ und natürlich Casper sorgen für mega Stimmung.

Samstag beim splash 2018

Azad

Nachdem der Deutschrapper aus Frankfurt im letzten Jahr sein jüngstes Album „NXTLVL“ veröffentlicht hat, gehört Azad am zweiten Festivaltag der Eröffnungsslot auf der snipes MainStage. Mit seiner Erfahrung aus 25 Jahren und guter Laune macht er langjährige Azad-Fans überglücklich.

Yung Hurn

Kaum ist Yung Hurn auf der Bühne, ist er auch schon wieder runter – der Wiener Hip-Hopper sucht gleich zum Beginn der Show den Kontakt zu seinen Fans und performt die ersten Takte seines Eröffnungssongs direkt bei und mit den Zuschauern. Besser hätte er das Live-Set natürlich nicht starten können, so zieht man die Menge in den Bann und sorgt für glückliche Gesichter.

Junglepussy

Die US-Amerikanerin und Rapperin Shayna McHayle aka Junglepussy hat einiges zu erzählen und tut dies am Liebsten in musikalischer Form mit ihren Songs. Aus ihrem einzigartigen Sound hört man einige Einflüsse von Nicki Minaj und Erykah Badu, das kommt nicht nur aus dem Lautsprechern im Auto gut, sondern vor allem auch live mit viel Bass und Energie. Junglepussy bringt soliden, englischen Frauenrap auf die Bühne vom Splash 21.

RIN

Innerhalb weniger Minuten füllt sich die MainStage, denn er ist sowas wie der Headliner des Tages – RIN, einer der ganz großen Hoffnungen am Deutschen-Rap-Himmel. Ähnlich wie Kollege Trettmann am Tag zuvor. RIN performt sein Debütalbum „Eros“ und die Fans feiern zu Songs wie „Bianco“ und „One Night“. Man merkt, dass der Mann aus Bietigheim-Bissingen einen waschechten Hype kreiert hat, auf dem er durch Autotune und Synthies noch eine ganze Weile durch den Charthimmel fliegen wird.

HAZE

Nachdem Haze bereits mehrere Supportgigs für 187 Strassenbande gespielt hat, ist es nun endlich an der Zeit, dass er dieses Jahr seine eigene Show auf dem Splash Festival 2018 zum Besten geben kann. Haze performt Songs von seinem aktuellen Werk „Guten Abend, Hip Hop…“ und stößt dabei auf jede Menge Gegenliebe vor der Bühne.

RUSS

Musiker und Produzent Russ präsentiert sein 2017 veröffentlichtes Album „There’s Really a Wolf“ kommt beim Publikum des Splash 21 ziemlich gut an. Seinen Eröffnungssong „What they Want“ kann das Publikum schon mal textsicher mitsingen und auch bei Rest schafft es der feiernde Chor mitzuhalten. Russ heizt der MainStage ordentlich ein.

Lil Uzi Vert

Energiegeladen und gutgelaunt ist der Rapper, als er die splash Mag Stage für sich in Beschlag nimmt. Mit seinem Album „Luv is Rage 2“ hat Lil Uzi Vert im vergangenen Jahr definitiv seine Fans glücklich gemacht – eindeutig das er dies auch hier nun live schafft. Von seinem Part auf dem Überhit „Bad and Boujee“ ganz zu Schweigen. Der charismatische 24-jährige hat aber nicht nur Rap-Talent, er macht sich auch als Allein-Unterhalter richtig gut.

Casper

Der Headliner des Abends präsentiert auf der snipes Mainstage vom diesjährigen splash natürlich seine größten Hits. Casper und seine tiefe, raue Stimme brauchen nicht lange, um bei den Festivalbesuchern absolute Abrissstimmung abzurufen. Liegt vor allem auch daran, dass Casper ein Energiebündel sondergleichen ist. Als Highlight des Abends performt er zusammen mit Marteria einen Song des gemeinsamen Albums „1982“ – neun Jahre nach ihrem ersten gemeinsamen Song „Rock’n’Roll“ haben sich Casper und Marteria erneut zusammengefunden um das Collabo-Album zu erschaffen. Der neue Sound der Herren Griffey und Laciny macht Laune und vor allem neugierig auf mehr.