Fallback

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Hard Rock Ladies Night – Thundermother in Hamburg

Freitagabend auf der Reeperbahn. Eine lange Schlange steht vor der Großen Freiheit 36 und wartet darauf, dass der Einlass um 17 Uhr beginnt. 17 Uhr? Ja, da die Freiheit nicht nur eine Konzert-Location sondern auch ein Party-Club ist, finden hier am Wochenende Konzerte im “Schichtdienst” statt. Und so tummeln sich ungewohnt früh (es ist Februar und es ist noch hell!) die Hard Rocker auf dem Kiez und freuen sich darüber, dass der Türsteher endlich das Band öffnet, so dass man aus der Kälte und in den Club kommt.

Die Hälfte der Besucher ist vermutlich in den 70er Jahren zur Welt gekommen, aber das Publikumsalter variiert von “Na Kleiner, hat der Papi dir gerade dein erstes Bier spendiert?” zu “Großmutter, warum hast du so große Ohren?” “Weil ich schon Rock n Roll gehört hab, da haste noch in die Windeln geschissen.” Knapp 2.000 Leute verteilen sich auf dem Floor vor der Bühne oder oben auf dem “Balkon”. Auf der Bühne wird aufgebaut, die Saal-Leuchten sind noch an, und es herrscht eine Entspannte After-Work-Atmosphäre zwischen den Band-Shirt-Tragenden, Bier-Trinkenden Besuchern die sicher alle nicht traurig waren einen Anlass zu haben heute mal n bisschen Früher Feierabend zu machen. Aber dann wird das Licht gedimmt, die Hintergrundmusik geht aus, und aus dem netten “Get-Together” wird ein Hard Rock Konzert.

Vulvarine

Vulvarine erinnern mich an meine (meine Freunde sagen immer “krankhafte”) Obsession Getränke, die ich nicht kenne, einmal auszuprobieren. Gerade bei modernen “Fusion Cocktails with a hidden message”, die nach Filmstars oder Städten benannt sind, führt das in den meisten Fällen zu verzogenen Gesichtern, rausgeschmissenem Geld und einem “nie wieder” Schwur. Aber manchmal wird mit einem “Wow, ich hätte nie gedacht, dass das zusammen so gut funktioniert” überrascht. Vulvarine zum ersten mal live zu sehen erinnert mich an damals, als eine Kombination aus Whiskey, Passion Fruit Liquor, Super Lemon Juice und Tropical Pineapple Juice als Top-Up für eine Blue Curacao und Club Soda Basis (ja ja, ich war auch sehr skeptisch) als “ja, ich nehm noch einen” Drink entpuppte: “The Wolverine”. “The Drugs, The Love and the Pain” ist ein guter Opener. Sowohl als Intro der im März 2025 erscheinenden Platte “Fast Lane”, sondern auch auch um das Publikum mitzunehmen auf die Schnellstraße von der Arbeitswoche ins Wochenende. Gefolgt von “Good Time” reißt die Power von Frontsängerin “Suzie Q” das Publikum mit, ohne dass man eine Wahl hat. Vulvarine verbindet die feministische Punk-Attitüde der Riot-Grrrl Bewegung der 90er mit dem Glam Style der 70er in ihren Songs, die allesamt auf einem soliden Metal-Fundament gebaut. Sie sind nicht lieb genug für Glam Metal, zu Glam für den harten Riot Grrrl Punk, und leichtfüßig, um so richtig Heavy zu sein.

Live merkt man, dass die Ladies seit 2019 zusammen spielen und dabei viel Spaß haben. Selten ist Feminismus so sexy, so glam, und gleichzeitig so “loud and hard”.
Besonders beeindruckt bin ich von Drummerin “Bea Heartbeat”. Drums sind fast hinten aufgebaut, und gerade kleinere Schlagzeuger und Schlagzeugerinnen sind dann schwer zu sehen. Sie bekommen als Headliner ihre 5 Minutes of Fame mit einem Drum-Solo, aber den Vorbands ist dies aus Zeitgründen nicht vergönnt. Bea hingehen spielt nicht nur super-tight, sondern hat auch eine Bühnenpräsenz aus guter Laune, Dirigentin der Rhythmus-Fraktion und “leg dich nicht mit uns an” Attitüde, die man auch noch aus dem Publikum deutlich erkennt. Nach 30 Minuten und dem passenden Titel “Rock Bottom” ist der Rausch vorbei, die die Lichter gehen an, die Wiener Damen verabschieden sind, und die Menge kann einmal durchatmen und was trinken bevor es weiter geht.

Cobraspell

Cobra Spell – meine Entdeckung des Abends. Die von Gitarristin Sonia Anubis gegründete Band besteht erst seit 2019 und hat dennoch schon einige Mitgliederwechsel hinter sich. Heute Abend stehen neben ihr die regulären Bandmitglieder Kristina Vega (Vocals) und Hale Naphtha (Drums) auf der Bühne – unterstützt werden sie an diesem Abend von Mena Bel am Bass und Adri Funerailles als zweitem Gitarristen. Letzterer ist heute Abend übrigens auch der einzige Mann auf der Bühne. Von der ersten Sekunde von „The Devil Inside Of Me“ an haut einen diese Band mit ihrer unglaublichen Power von den Socken. Ich habe praktisch das Gefühl, an die Rückwand des Saales geworfen zu werden – und dabei stehe ich eigentlich ziemlich weit vorne. Möglich ist das nicht nur durch fette Gitarrenriffs und Hale’s Power-Workout an den Drums, sondern vor allem auch durch die Stimme von Sängerin Kris Vega. Die Spanierin bringt ein so umfassendes Stimmvolumen mit, dass sie selbst als die Technik beim zweiten Lied plötzlich teilweise streikt und ihr Mikro ausfällt, noch ohne Probleme über die Drums hinweg zu hören ist. Das muss man erstmal schaffen.

Bemerkenswert ist auch wie deutlich man dieser doch noch verhältnismäßig jungen Band ihre Bewunderung für den Rock der 80er Jahre anhört, was finde ich besonders bei “Warrior From Hell” deutlich wird. Das liegt vor allem an der Gründerin Sonia Anubis, die gleichzeitig auch Hauptkomponistin der Band ist. Ihrer kreativen Führung hat die Band auch zu verdanken, dass sie trotz aller Mitgliederwechsel bereits einen recht klar definierten, eigenen Stil entwickelt hat. So ist der Band 2023 mit Veröffentlichung ihres Albums „666“ ein großartiges Debüt gelungen, dass den Sound der 80er mit teilweise aktuelleren Themen verbindet. Da gibt es z.B. „The Devil Inside Of Me“, in dem die Band mit dem Vorurteil aufräumt, dass Metal nur etwas für Männer sei. Oder „S.E.X.“ das sich explizit mit weiblicher Lust und Fantasien beschäftigt. Das Publikum und ich finden es super – vor allem als Vorband für Thundermother. Wir haben Spaß und feiern diese herausragende Band in ihren Leder, Lack und Nieten Outfits bis zum letzten Ton.

Thundermother

Es war einmal ein richtig hungriger Fotograf auf der Jagd nach der nächsten Fressbude im Out-Field desWacken Open Air. Ja, ich meine mich selbst. Wer mich kennt weiß, dass ich mich auf dem Jagd nach was Essbaren immer richtig schlechte Laune habe – ich bin nicht “Hangry”, sondern eher in einem “HangRAGE”, habe einen blutrot eingefärbten Tunnelblick, blende alle Geräusche aus und schärfe dafür meinen Geruchssinn. Ich entdecke den Fleischspiel-Laden auf dem Mittelaltermarkt, stampfe wie ein Nashorn auf den laden zu und komme an der Mittelalter-Bühen vorbei … und höre zum ersten mal Thundermother.

Die harten Gitarren, die leicht gestimmte Drums die schwer verprügelt werden, der rhythmisch blubbernde Basslauf, und die röhrige Stimme der Sängerin lassen mich innehalten und retten das leben der armen Menschen die noch in der Schlange der Fressbude anstanden. Seit dem ist Thundermother eine fester Bestandteil meiner Playlist, die ich auf längeren Fahrten im Auto höre. Am heutigen Abend gibt es für mich allerdings zwei Gründe, die mich skeptisch machen. Zum einen gab es einen Personalwechsel bei Thundermother. Sängerin, Drummerin und Bassistin haben vor zwei Jahren Thundermother verlassen und ihre eigene Band “Gems” gegründet. Parallel hat Bandgründerin und Gitarristin Fillipa Jassil Bassistin Majsan Lindberg zurückgeholt, die von 2019 – 2021 schon mal kurz Bassistin der Band war, und eine neue Sängerin und Drummerin reingeholt. Entsprechend frage ich mich, ob die neue Besetzung mit der damaligen Wacken-Besetzung mithalten kann.

Grund Nummer 2 ist tatsächlich Cobraspell. Es kommt immer mal wieder vor, dass eine vorband so gut ist, dass sie dem Headliner die Show stiehlt. Und Cobraspell ist so gut, dass ich mich frage ob das Highlight vielleicht doch die zweite Vorband war, und nicht der Headliner in neuer Besetzung. Thundermother eröffnet direkt mit “Can you feel it”, einem neuen Song des neuen Albums, das am heutigen Freitag released wurde. Schlau. Statt n Klassiker zu nehmen wo man sofort mit der vorherigen besetzung verglichen wird, zeigt man einfach selbstbewusst was man kann. Und ich muss “Can you feel it” mit einem lauten “Yeah!” beantworten.

Ich fand es damals schon schade, dass Majsan ausgetauscht wurde, da die Chemie zwischen ihr und Filippa einfach stimmte. Drummerin Joan Massing versteht es genau so gut wie ihre Vorgängerin, dem Schlagzeug zu zeigen der der boss ist. Aber vor allem die neue Sängerin Linnea Vikström (ich hab irgendwo bestimmt noch n Akzent auf nem Vokal vergessen) ist ein absoluter Glücksgriff. Der Hüftschwung von Tina Turner in “simply the best” trifft auf Bonnie Tylers “I need a hero” und klaut ein wenig von der rauchigen Stimme der original Suzie Quatro. Es folgen mit “So Close” und “Speaking of the Devil” weitere neue Songs vom neuen Album. Nachdem dann geklärt ist, dass das neue Album von Thundermother coole Songs hat, geht die Reise in der Vergangenheit los. Von “Dog from Hell” bis “Shoot to Kill” wird die gesamte Vergangenheit ausgegraben und von Linnéa (ah, da war der Akzent) umgefärbt. Dabei holt sie bei “Dog from hell” auch mal eine Gitarre raus und zeigt, dass sie nicht nur singen, sondern auch spielen kann. Und geht auch mal während eines Gitarrensolos von Filippa von der Bühne, holt sich an der Bar ein Bier und macht mit den Fans Selfies.

Die beiden Vorbands zeigen deutlich, wo die Stärke von Thundermother liegt. Während Vuvlarine einen interessanten Cocktail aus Grrrl Punk und Glam Metal geschaffen hat und Cobraspell die kräftige Stimme von Kristina Vega mit einer Prise Latex und 666 würzen, ist Thundermother einfach purer 80er Jahre Hardrock. In einer Zeit voll Turbolader, Direkteinspritzung, Chiptuning und Hybride ist Thundermother der bollernde unverbastelte V8 Motor mit dem unerreichten Sound, mit dem man nicht auf der Autobahn, sondern gemütlich die Landstraßen an der Küste entlang cruisen will. Weil es nicht darum geht, das Ziel zu erreichen, sondern um die Fahrt an sich. Thundermother zu hören ist wie der Titel eines ihrer erfolgreichsten Singles: “Driving in Style”. Und mit diesem Song schließen die Schwedinnen ihr Set ab und entlassen das Publikum ins Wochenende.

Text: Mark Carstens uns Alexa Weber

Bruce Dickinson in Hamburg: The Mandrake Project

Sommer 2024. Ganz Deutschland ist im EM Fieber und träumt von einem Sommermärchen. Nur ich bin auf dem Weg an allen Public Viewings vorbei um meinen Lieblings-Geschichtenerzähler live zu sehen. Als ich freudig verkünde, dass ich Bruce Dickinson live sehe, grinst mein Hip-Hop-hörender Kollege nur und fragt “Fliegt der mit seiner Boeing ein?”. Sonst guckt er mich immer nur fragend an wenn ich von meinen Konzerten erzähle und fragt: “Wer? Ach irgend so n Metal-Ding.”

Aber Bruce Dickinson ist halt nicht nur “irgend so n Metal-Ding”. Seit 1981 ist er der Frontmann von Iron Maiden, Pilot der Boeing 757 “Ed Force One”, Drehbuchautor, Autor der bei den Lesungen seiner Autobiographie auch zum anerkannten Stand-Up-Comedian mutierte, leidenschaftlicher Fechter, und seit diesem Jahr auch Namensvetter für den Stachelschwanzleguan Enyalioides dickinsoni.

Was man aber nicht vergessen darf ist, dass Bruce Dickinson schon vor Iron Maiden und auch während bzw. “zwischen” seiner Zeit bei Iron Maiden (also in der Pause von 1993 bis 1999) ein erfolgreicher Solo-Künstler war und ist. 19 Jahre mussten die “Bruce Bruce” Fans auf den Nachfolger von “Tyranny of Souls” warten. Aber Fans und Kritiker sind sich einig, dass sich das Warten gelohnt hat. Ich für meinen Teil habe bis zum Konzert gewartet und wollte Bruce die Gelegenheit geben, mir sein Wert “ungespoilert” live zu präsentieren. Und – Achtung Spoiler – es hat sich gelohnt.

Dominum

Aber bevor Bruce der Bändiger vom Iron-Maiden-Zombie Eddy auf die Bühne kommt, stehen auf einmal drei Metal-Zombies an Gitarre, Bass und Schlagzeug auf der Bühne. “Erschaffen” hat sie Sänger und Songwriter Felix Heldt, der als Modern-Day Dr. Frankenstein im Anzug mit Spazierstock auftritt und die Menge begrüßt. Dominum ist ein Power-Metal-Projekt aus Nürnberg, das mit einer leichten Prise von Epic Metal gewürzt ist. Dies liegt vor allem an der Stimme von Felix, die perfekt für langgezogene Screams geeignet ist. Dies beweist er unter anderem beim Scorpions-Cover, bei dem er “Here I aaaaaaam” (Rock you like a Hurricane) so schrill ins Mic screamt dass man Angst um die Sound-Anlage hat. 

Abgesehen von dem Cover handeln Dominums Songs von Vergänglichkeit und Untoten. Songs wie “Immortalis Dominum” und “Half Alive” klingen ein wenig nach Feuerschwanz und Saltatio Mortis, nur ohne Mittelalter und mit mehr Zombies. Im Gegensatz zu den eher finsteren Song-Texten und den enthaltenen Growl-Passagen schwingt bei den Songs immer eine Portion gute Laune mit, was an der eher hellen Stimme von Felix liegt, und den Power-Metal-typischen Chorus mit den langgezogenen Vokalen. Und daran, dass die Zombies sich nicht allzu ernst nehmen. Sie springen rum, headbangen bis man Angst hat der Kopf könnte abfallen und ins Publikum fliegen, und hauen hochmotiviert in die Saiten und auf die Drums. Auch Felix ist gut drauf. Er ist sich bewusst, dass er “die doofe Band vor der Hauptband” ist, bei der “alle nur darauf warten, dass es vorbei ist”. Trotzdem, oder gerade deshalb, gibt er alles um die Menge anzuheizen. Und die Menge macht mit. Mit dem letzten Song des Sets gibt es noch mal eine politische Botschaft. Egal wo man herkommt und wie man aussieht: “We all taste the same”. Ich bin mir ziemlich sicher, dass Dominum am Ende ihres Sets einige neue Fans gewonnen hat. 

Bruce Dickinson

Nun steht er also auf der Bühne. Der große Geschichtenerzähler, der seit 1981 bei Iron Maiden die Abenteuer vom Zombie Eddy durch Raum und Zeit besingt. Der Pilot “Ed Force One” und Autor mehrere Bücher. Der Sänger, der einen Krebstumor an der Zunge hatte und den Krebs erfolgreich besiegt hat. Der darüber in seiner Biographie schrieb. Und der auf der Buchtour für seine Autobiographie als Standup-Comedian gefeiert wurde. Andere Sänger wie Rob Howard (Judas Priest) mögen eine weitere Stimm-Bandbreite haben, andere Songwriter können anspruchsvollere Melodien oder schnellere Songs schreiben. Aber für mich ist die Art, mit der Bruce in seinen Songs Geschichten erzählen kann, ungeschlagen. Und so ist auch das neue Album “The Mandrake Projekt” eine Sammlung von Geschichten. Allein dass bei der LP ein 7-Seitiges Comic über die Hintergrundgeschichte beiliegt, zeigt mir, dass Burce es vermutlich ähnlich sieht.

Mit dem Eröffnungssong “Accident of Birth” stürmt der Brite auf die Bühne. Die Große Freiheit 36 fasst 1650 Menschen und ist komplett ausverkauft. Aber die Halle wirkt zu klein für die Stimme, die Bühne zu klein für den energiegeladenen Sänger, der sie voll einnimmt und hin und her flitzt. Man glaubt nicht, dass Bruce schon 65 ist. “Accident of Birth” ist nicht aus “The Mandrake Project” sondern vom gleichnamigen Album ”Accident of Birth” aus 1997. Das Publikum stört es nicht, der Altersdurchschnitt ist etwas höher, hier sind nicht Maiden Fans, die auch mal Bruce alleine sehen wollen, sondern Fans von Bruce Dickinson, die auch seine früheren Alben kennen. Es folgt “Abduction” von “Tyranny of Death”, das vorletzte Album aus 2005. 

Alles Kraftvolle, schnelle Songs, die die Menge zum Tanzen und Headbangen auffordern während Bruce von links nach rechts und zurück über die Bühne hin und her flitzt, mit den Musikern rumflaxt, die Menge anheizt und seine Stimme zum besten gibt. Der Sound ist gut abgemischt, die Drums haben so richtig schön viel Druck ohne alles andere zu übertönen, und Gitarre und Bass können Gas geben ohne dass Burces Stimme untergeht. Die Backing-Voices treffen genau den Sweetspot wo man sie gut hört kann, ohne dass sie Bruces Stimme überdecken oder ihr “die Show stehlen”. Drei Songs powern Bruce und seine Band am Stück durch, erst dann macht er eine kurze Pause und kündigt nun den Eröffnungssong vom Mandrake Project an, der auch die erste Single ist: Afterglow of Ragnarok. Harte Riffs werden von einer Melodie getrieben, die finster und zugleich kraftvoll ist, und Bruce singt dazu heroisch von einer Bedrohung, die das Ende der Welt bedeuten könnte. Wer mehr wissen will, sollte sich das Musikvideo ansehen, ein Kurzfilm, der da ansetzt, wo der Comic aufhört. 

Es folgen weitere Songs vom aktuellen und vorherigen Alben. Alle kraftvoll, manche bedrohlicher, manche etwas fröhlicher. Alle perfekt gespielt und vorgetragen mit einer Energie, die man nur selten in so einer kleinen Location erreicht. Die Musiker verstehen sich ohne Worte, bewegen sich wie eins, und Bruce ist der Taktgeber, der Dirigent, nicht nur auf der Bühne, sondern auch für die Menge.  Mittendrin spielt er auch mal die Bongos bei “Chemical Wedding” und holt zu “Rain on the Graves” auch mal ein Theremin raus. Das ist dieses seltsame Instrument das so aussieht als hätte man eine Antenne senkrecht an die Kante eines Holzbriketts geschraubt, und dann bewegt man die Hände über dem Brett hin und her und man hört dazu passende Geräusche die einen an die Star Trek-Melodie erinnern. Die meiste Zeit treibt Bruce jedoch die Band, die Menge und sich selbst mit seiner Stimme an. Zu spät fällt ihm auf, dass es einen Fehler auf der Setlist gibt. So hat er bereits “Dark Side of Aquarius” gesungen, bevor es in die Zugabe geht. In den vorherigen Stationen der Tour war “Dark Side of Aquarius” immer das letzte Lied der Zugabe. Aber Bruce wäre nicht Bruce, wenn er es nicht sofort zugeben und selber darüber lachen würde. Nach dem obligatorischen “Von der Bühne gehen und dann zur Zugabe zurück auf die Bühne” wird es endlich etwas ruhiger. Der Gitarrist wechselt zur Western-Gitarre, und mit “Navigate the Seas of the Sun” singt Bruce von einer “kosmischen Liebesgeschichte, quasi Romeo und Julia, nur in Space”. Auch der nächsteSong “Tears of the Dragon” ist eher epischer Drachentöter Metal mit Gefühl. Am Ende allerdings wird noch mal mit kraftvollem Power-Metal Vollgas gegeben. Zwar nicht mit “Dark Side of Aquarius”, dafür aber “Road to Hell”. Was aber keinen der Fans auch nur ansatzweise stört. 

Erst nach dem Konzert im Gespräch mit anderen Besuchern fällt mir auf, dass Bruce keinen einzigen Song von Iron Maiden gespielt hat. Aber warum sollte er auch, er ist ja nicht nur der Sänger von Iron Maiden. Er ist so viel mehr.

Idol-Band goes Metal – Babymetal in Hamburg

Als Sohn eines Deutschen und einer Japanerin bin ich, obwohl ich in Deutschland groß geworden bin, auch mit der japanischen Pop-Kultur aufgewachsen. Das bedeutet, ich war Fan von X-Japan und musste mir von anderen Metalfans dumme Sprüche über die Outfits anhören. Ich ließ mir Mangas, von denen man hier im Westen noch nie was gehört hatte, von Verwandten aus Japan schicken und handelte mir damit den Ruf als „Sailer Moon-Fan“ ein. Und ich aß Sushi als es noch nicht cool war und meine Mitschüler noch der Ansicht waren, dass man niemals von einem Mädchen geküsst wird, wenn man rohen Fisch isst.

Aber meine Liebe zu Japan kannte Grenzen. Mit japanischen Idol-Bands konnte ich ebensowenig anfangen, wie mit Take That oder den Backstreet Boys. Entsprechend war ich skeptisch, als ich das erste Mal von Babymetal hörte. Idol-Band und Metal passten für mich zusammen wie Ananas und Pizza – und nein, ich bin kein Fan von Pizza Hawaii. Auch wenn ich durchaus Metal-Bands mit Frontfrauen mag, erschienen mir ein paar niedlich-gutgelaunte Japanerinnen nicht das gleiche zu bieten wie eine opernreife Tarja, eine Metal-Rock-Röhre wie Noora (Battle Beast) oder eine höllisch gut growlende Alissa White-Gluz (Arch Enemy). Ich verlor Babymetal jedenfalls nicht aus den Augen. Nachdem weitere Bands wie Lovebytes und Bandmaids im selben Genre Erfolge feierten, Gegenbewegungen wie Necronmidol einen nicht so gut-gelaunt-süßen Japan-Metal produzierten und Gastsänger wie Joakim Brodén (Sabaton) und die bereits oben genannte Alissa White-Gluz am neuen Album mitschraubten, war schließlich meine Neugier geweckt.

Und so kommt es dass, ich am Samstagabend in der lange im Voraus ausverkauften Großen Freiheit 36 stehe, bewusst darauf verzichtet habe, im Vorfeld noch mal in das neue Album von Babymetal reinzuhören und darauf warte, zum ersten Mal Japanese Idol Metal live zu erleben.

(Foto: stagr / Mark Carstens)

Das Intro läuft auf der großen Leinwand und auf der Bühne erscheint das Babymetal-Logo. Dann geht das Licht aus und als es wieder angeht, stehen die drei Mädels von Babymetal vor uns. Genau genommen sind es die beiden Frontfrauen Suzuka Nakamoto (Su-Metal) und Moa Kikuchi (Moametal) sowie eine Tänzerin, die für die Tour ausgewählt wurde, um das Trio zu vervollständigen.

In einem Wort zusammengefasst war der ganze Auftritt sehr unerwartet. Während bei anderen Metal-Konzerten die Bühne vom Zusammenspiel von Sängern und Gitarristen lebt und gerade in Gesangspausen die Gitarristen mit wilden Posen ihre Soli raushauen, stehen die Musiker bei Babymetal hinten an der Bühne und bewegen sich kaum. Selbst das Drumset, sonst immer ein Fels der Energie hinten mittig auf der Bühne, steht weit an der Seite, so dass die drei Tänzerinnen direkt vor der Leinwand stehen und nichts von ihnen ablenkt. “Tänzerinnen” – da ja nur Su-Metal singt. Die anderen beiden flankieren sie dabei, während das Trio schnelle Tanzschritte auf der Bühne abspult. Ihre Bühnenoutfits sind exakt den tanzanforderungen angepasst, farblich in schwarz gehalten, aber gleichzeitig glitzernd wie eine Disco-Kugel. Die Outfits in Kombination mit der Tanzshow und dem Eröffnungs-Song “Da-Da-Dance”, der eher wie ein mit Metal-Gitarren unterlegter Pop-Song klingt, scheinen meine Vorurteile gegenüber Babymetal anfangs zu bestätigen.

(Foto: stagr / Mark Carstens)

Meine Meinung änderte sich aber dann im Laufe des Gigs. Beim Song “Distortion” klingt die Tom-Drum wie ein Maschingewehrfeuer, der Song ist mit growlenden Gesangseinlagen unterlegt und ist von dem poppigen “Da Da Dance” weit weg in Richtung Melodic Death Metal abgewandert. Einzig die hell-fröhliche Gesangsstimme von Su-Metal ist geblieben, von der ich nicht gedacht hätte, dass sie in so ein Arrangement passt. Bei “PA YA YA” wird F.Hero, ein bekannter Rapper aus Thailand, auf der Leinwand eingeblendet während er seinen Part zum Gesang und Tanz von Babymetal rappt. “Oh! MAJINAI” wiederum hat Seemanns-Rhythmen, wie man sie von den Metal-Piraten Alestorm kennt. Durch die ganzen unterschiedlichen Metal-Richtungen, Arrangements und Rhythmen führt als roter Faden der Gesang von Su-Metal, mit mitreißender Energie und ohne einen einzigen Ton zu verfehlen. Dabei tanzt sie im Takt mit den anderen beiden komplizierte Choreographien, sowohl was die eigene Körperbewegung als auch den Positionswechsel in Abstimmung mit den anderen beiden Tänzerinnen angeht.

Je länger der Gig, desto größer wird mein Respekt vor der musikalischen und tänzerischen Leistung von Babymetal. Beeindruckend auch das Publikum, dass vom ersten bis zum letzten Song abgeht, Handtücher über den Köpfen kreisen läßt (anscheinend macht man das so bei einem Babymetal-Konzert), mitklatscht und die japanischen Songtexte mitsingt. Am Ende des Auftritts bin ich beeindruckt, wie Babymetal und vor allem Su-Metal eine perfekte Show abgeliefert hat. Wobei ich mir immernoch nicht sicher bin, ob ich solche perfekt durch choreographierte Shows mag oder nicht. Aber der eine oder andere Babymetal-Song hat es auf meine Playlists geschafft.

Freya Ridings verzaubert Hamburg mit ihrer einzigartigen Stimme

Nicht mal ein Jahr ist vergangen, seit Freya Ridings zuletzt in Hamburg zu Gast war. Im März 2019 spielte die britische Musikerin ein ausverkauftes Konzert im Mojo. Damals noch ohne ihr erstes, selbstbetiteltes Studioalbum, welche im Juli letzten Jahres via Good Soldier Records erschien. Vor der Veröffentlichung der Debütplatte machte die Britin mit ihren beiden Live-Alben „Live at St. Pancras Old Church“ und „Live at Omeara“ auf sich aufmerksam und bewies ihr besonderes Stimmtalent. Zudem spielt die 25-jährige Klavier und Gitarre, lässt sich auf Tour zusätzlich von einer Band unterstützen. 10 von 12 Songs des Debütalbums schafften es an diesem Abend auf die Setlist der Sängerin. Neben den Stücken des Albums coverte Freya Ridings in unnachahmlicher Manier den Yeah Yeah Yeahs-Song „Maps“ und spielte ihre Single „Waking Up“ aus dem Jahr 2018.

Jack Cullen, der Support-Act an diesem Abend, betrat pünktlich um 20:00 Uhr die Bühne. Die Große Freiheit 36 war bereits gut gefüllt, denn es gab zuvor keine Ankündigung, dass es an diesem Abend überhaupt einen Support-Act geben wird. Jack Cullen überraschte die Zuschauer vor der Bühne. Charismatisch, zurückhaltend und dankbar zeigte sich der junge Sänger. Seine raue Stimme setzte er gekonnt ein und untermalte sie mit sanften Gitarrenklängen. Nach ca. 30 Minuten war Schluss und das Publikum bedankte sich mit einem anerkennenden Applaus.

Eine weitere halbe Stunde verstrich bis Freya Ridings mit ihrer Band die Bühne betrat. Ein großer Flügel stand in der Bühnenmitte, die Band im Halbkreis dahinter. Die Decke war gesäumt von großen Lampenschirmen, die eine Wohnzimmeratmosphäre auf die Bühne zauberten. Ridings begann ihr Set mit „Love is Fire“. Einer von den Songs bei dem die Band voll zur Geltung kommt. Doch auch bei diesen Songs wie „Love is Fire“, „Castles“ oder „Waking Up“ steht immer die einzigartige Stimme von Freya Ridings im Vordergrund. Im Publikum hörte man Vergleiche zu Adele oder Florence & the Machine. Ridings glänzt besonders bei den Stücken, bei denen sich die Band größtenteils zurückhält. Viele dieser Songs sind, so die Aussage der Sängerin, in ihrer Wohnung entstanden. Ohne Songwriter oder eine Crew, sondern ganz für sich schrieb und schreibt Ridings ihre Songs. In den emotionalen Stücken verarbeitet die Sängerin größtenteils negative Erfahrungen. So wird auch der Song „Elephant“ angekündigt. Der Sängerin stehen dabei Tränen in den Augen. Ridings öffnet sich in ihren Songs, aber auch in ihren Ansprachen gegenüber dem Publikum. Leider ist das Hamburger Publikum an diesem Abend zumindest teilweise nicht bereit auch sich zu öffnen und der Sängerin die Anerkennung und den Respekt entgegen zu bringen, der angebracht gewesen wäre. Denn es wird zumindest am Rand des Publikums teils hemmungslos, ununterbrochen und laut gequatscht, gelacht und geredet. Das störte unheimlich, insbesondere in den ruhigen Momenten, in denen die Band die Sängerin mit ihrem Klavier und ihrer Stimme alleine ließ.

Freya Ridings ließ sich davon aber nicht verunsichern, wenn sie es überhaupt mitbekommen hat. Nach den ersten 5 Songs wechselt sie bei „Unconditional“ spielerisch vom Klavier an die Akustikgitarre und danach wieder zurück. Es folgt das Yeah Yeah Yeahs Cover „Maps“, dass der Sängerin wie auf den Leib geschneidert scheint. Das düster wirkende „Waking Up“ und das hochemotionale „Ultraviolet“ bilden den vorläufigen Abschluss des Konzerts. Doch Ridings ließ es sich natürlich nicht nehmen die Bühne in ihrem funkelnden Kleid für eine Zugabe zu betreten. Das emotionale „Lost Without You“ und die Mitmach-Nummer „Holy Water“ bildeten den Abschluss eines großartigen und kurzweiligen Konzerts, das leider durch einige „Fans“ gestört wurde. Am Ende lagen der Sängerin aber 99 % des Publikums zu Füßen und verabschiedeten sie mit einem tosenden Beifall von der Bühne des legendären Clubs in der Großen Freiheit.

Halestorm in Hamburg – Was ihr wissen solltet

Am Dienstag, den 19. November 2019 geben Halestorm in Hamburg in der Großen Freiheit 36 auf der beliebten Amüsiermeile in St. Pauli eines von insgesamt drei Konzerten in Deutschland. Neben der Hansestadt sind auch noch die Städte München und Offenbach am Main auf dem Tourplan. Hier findet ihr einen Überblick über Anfahrt, Einlass, Vorgruppe und weitere hilfreiche Informationen.

Im Mittelpunkt des Auftritts anlässlich ihrer aktuellen Tour 2019 steht natürlich Frontfrau Lzzy Hale mit ihren drei Bandkollegen. Mit ihren rockigen Songs und jeder Menge Hits aus der langjährigen Musikgeschichte gehen Halestorm genauso an den Start, wie mit Liedern ihres aktuellen Albums „Vicious“ (VÖ 2018). Diese Liveshow wird ganz klar ein grandioses Erlebnis werden, denn diese Tour bringt drei ausschließlich weiblich angeführte Hardrock-Bands zusammen, neben Halestorm treten auch die Roadrunner/Atlantic-Kollegen In This Moment als Co-Headliner sowie als Special Guests New Year’s Day auf.

Wenn ihr bereits vorab ein Ticket für die Show von Halestorm in Hamburg ergattert habt, könnt ihr jetzt die Planung für das bevorstehende Konzert starten. Hier findet ihr übersichtlich und auf einen Blick alle wichtigen Infos, damit ihr euch voll und ganz auf das große Konzerterlebnis konzentrieren könnt. Tickets für Halestorm in Hamburg gibt es leider nicht mehr.

Foto: Rock am Ring 2019 / Julia Langmaack

Anreise

Um Wartezeiten bei der An- und Abreise zu vermeiden, plant eine frühzeitige Anreise ein sowie eine Anreise am besten mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Adresse: Große Freiheit 36, 22767 Hamburg, Telefon: 040 317778-0

Es gibt viele Wege, die nach Hamburg und zur Reeperbahn führen. Die Anfahrt mit dem Auto ist nach 20:00 Uhr aber so eine Sache. Die Theaterbesucher haben sich meist die besten Plätze gesichert. Viele Nebenstraßen sind für die Anwohner reserviert. Konzertbesucher müssen sich darauf einstellen, dass es vor allem später am Abend auch zu Staus kommt.

Am besten ist die Anfahrt mit der S-Bahn S3 oder S1 bis Reeperbahn oder die U3 bis St. Pauli. Hier geht’s zur Fahrplanauskunft.

Parken

Wer dennoch mit dem Auto anreisen muss kann sich ein Parkhaus oder eine Parkgarage suchen. Eine Parkgarage, ein ehemaliger Luftschutzbunker, befindet sich z. B. direkt vor dem Operettenhaus am Spielbudenplatz mit 200 Stellflächen.

Die Tiefgarage Tanzende Türme mit 310 Plätzen befindet sich direkt zwischen den Straßen Reeperbahn, Zirkusweg und Beim Trichter.

Eine Stellfläche für 550 Wagen gibt es im Millerntorhochhaus. Kann man nicht verfehlen. Die Einfahrt ist über die Simon von Utrecht-Str./Ecke Kleine Seilerstraße.

ProgRamm-Übersicht

Der Einlass am Dienstagabend startet etwa gegen um 19:00 Uhr. Das Programm beginnt gegen um 20:00 Uhr mit Co-Headliner In This Moment und geht im Anschluss direkt weiter mit Special Guests New Year’s Day.

Voraussichtlich ab 21:00 Uhr wird es dann endlich soweit sein: Bei ihrer Liveshow werden euch Halestorm in Hamburg zwei Stunden lang mit jeder Menge bekannter Hits aus ihrer umfangreichen Künstler-Diskografie beglücken. Die Tour wird ein ultimatives Konzerterlebnis für alle, die schon seit Jahren Fans der US-Rockband sind oder ihre Liveshows von kennen – und eine neue Chance für alle, die Lzzy Hale und Co. live bislang verpasst haben!

Foto: Rock am Ring 2019 / Julia Langmaack

Sicherheitshinweise – was darf mit

Plant ein wenig Zeit für die Sicherheitsmaßnahmen ein, es wird Taschenkontrollen und Bodycheck geben. Handtaschen, Clutches, Turnbeutel, Bauchtaschen und sonstige Taschen bis maximal DIN A4-Format (ca. 21 cm x 30 cm) sind erlaubt. Größere Taschen könnt ihr leider nicht mit in die Konzertlocation nehmen. Beschränkt euch am besten auf wesentliche Gegenstände wie Handy, Schlüssel oder Portemonnaie.

Nicht erlaubt sind:

  • Waffen aller Art
  • Bengalos/Feuerwerkskörper oder ähnliches
  • Kameras/Kamera-Equipment/Selfie-Sticks/Stative
  • Videokameras/Tonrekorder
  • Taschengrößer als A4
  • PET-Flaschen/TETRA-Packs/Glas/Dosen
  • Regenschirme (auch Knirpse)
  • Klapp- und Campingstühle, Hocker
  • Picknickkörbe/Kühlboxen
  • sonstige sperrige Gegenstände
  • Tiere
  • Megaphone/Vuvuzelas
  • Haarspray

Veranstalter: Live Nation

When Legends Rise: Godsmack endlich in Hamburg

„Alter, worauf warten die denn?“ Das wird sich vielleicht der ein oder andere Touri-Party-Kiez-Gänger am frühen Freitagabend gefragt haben, falls er am Einlass der Großen Freiheit 36 vorbeiging. Dort wartete nämlich eine echt ansehnliche Schlange aus größtenteils männlichen, bärtigen, eingefleischten Godsmack-Fans auf den langersehnten Auftritt der Bostoner. Nachdem der Gig Ende letzen Jahres aufgrund eines familiären Todesfalles verschoben wurde, war nun endlich der Abend gekommen, an dem Godsmack die Grosse Freiheit zum Beben bringen durften. Im wahrsten Sinne des Wortes!

Keine Vorband, pünktlicher Beginn: Bei Godsmack wurde nicht lange gefackelt. Nach kurzem „We will rock you“– Intro, preschten die vier Hard-Rock-Legenden auf die Bühne und legten mit „When legends rise“ einen starken Auftakt hin. Wow! War ich anfangs noch skeptisch, ob ich mich inmitten der harten Metaller wohlfühlen würde, war bereits ab Song eins klar: Der Euphorie und Feierwilligkeit um mich herum konnte ich nicht entkommen. Es wurde jeder Song absolut textsicher mitgegröhlt, der eine oder andere Besucher zückte immer wieder die Luftgitarre und eigentlich waren immer ca. 1.000 Pommesgabeln in der Luft. Verständlich, dass die Hard-Rockband aus Boston so gerne in Deutschland auf Tournee geht, so wie sie hier gefeiert werden!

„Cryin like a bitch“, „Awake“ – die Setlist ließ keine Wünsche offen. Sogar ein Beatles-Cover von „Come together“ gaben Godsmack gegen Ende ihrer knapp anderthalb stündigen Show zum Besten. Um 21:00 Uhr war dann die Luft in der Halle so voller Schweiß, Bier und Testosteron, dass der ein oder andere Metaller vielleicht sogar seine Kutte mal kurz gelüftet hat. Godsmack verabschiedeten sich von ihren Hamburger Fans und ich war zwar froh an der frischen Luft zu sein, aber sage Godsmack herzlichen Dank für einen echt beeindruckenden Konzertabend.

Danke an: Hannah Seven (Text)

Stahlharter Sound – Dirkschneider mit U.D.O. in Hamburg

„Was für ein Brett“, so ein Konzertbesucher des am Dienstag stattfindenden U.D.O.-Konzertes im Hamburger Grünspan. Gemeint waren die australischen Rocker der Band „Dead City Rocks“ die Dirkschneider aktuell auf Ihrer Tour begleiten. Nach einer knappen halben Stunden Spielzeit, vielen feiernden Besuchern und den ersten Bieren folgte nach einer kurzen Umbaupause die Band „Reece“. Der Frontmann David Reece, bekannt aus der Bank Accept, ist mit seinem Herzstück, der eigenen Band, ebenfalls Supporter für die deutschen Metaler.

Gegen 21:15 Uhr war es dann so weit, die Bühne war bereit, die Musik der Boxen wie Metallica, Judas Prost oder gar Accept verstummte. Sven Dirkschneider, Schlagzeuger und Sohn des Frontmannes Udo Dirkschneider stand auf der Bühne, begrüßte die Hamburger Metaler und startete mit einem kleinen Solo in den Dienstagabend. Nur wenige Zeit später füllte die komplette Band die mit jeder Menge Instrumenten bestückte Bühne aus. Mit Songs wie „Tongue Reaper, „Make The Move“, „24/7“ und Mastercuter“ brachten die Musiker das Publikum auf lodernde Betriebstemperatur. Gut gelaunt – und trotz Verletzung am linken Bein auch energiegeladen, widmete sich der ehemalige „Accept“-Rocker fast zwei Stunden lang seiner über 40 Jahre währenden Obsession: dem Heavy Metal. Als Dirkschneider trieb es den 66-Jährigen in all den Jahren immer wieder auf die Bühne, um mit alten Accept-Songs und neuen eigenen Kreationen die Konzert- und Festivalbühnen zu rocken. Frontmann und Band traten in Hamburgs beliebtem Musikclub das Gaspedal ordentlich durch und lieferten eine gelungene Show.

Frauenquote? 100 Prozent – Hayley Kiyoko in Hamburg

Es war ein früher Konzertabend am Freitag in der Großen Freiheit. Konzerte beginnen an Wochenenden erfahrungsgemäß eine Stunde früher. Der einfache Grund: unmittelbar danach steigen Partys im Kaiserkeller, dem großen Saal und der Latino Galeria. Es musste also schnell gehen.

Naaz

Bevor Hayley ihr zu geschätzten 100 % weibliches Publikum in Stimmung bringen konnte, betrat Naaz die Bühne. Der Saal war zu der Zeit etwa 1/3 voll. Sollte sich mit Naaz Performance aber deutlich füllen. Wegen einer 15 Stunden langen Autofahrt fiel ein echter Soundcheck leider flach. Weil die Stimme aber sofort da war, konnte auch die Technik nichts verkacken. Gut gelaunter Indie Pop zum warm werden von Naaz. Und der Saal wurde langsam heißer. Es schien am Ende sogar, als wollten sie Naaz nie wieder von der Bühne lassen.

Hayley Kiyoko

Wie die meisten Künstler zurzeit, propagiert auch Hayley zu sein, wer man eben sein möchte. Und das ist auch gut so. Sie selbst hat mir ihrer offenen Sexualität durchaus Erfolg und hilft damit besonders der LGBTQ Szene. Die jegliche Hilfe und Unterstützung leider auch noch immer nötig hat. Trotzdem ist ihr gegebener Name „Lesbian Jesus“ wahrscheinlich ebenso hochgegriffen, wie auch unbedeutend. Je nachdem, wie man zu Jesus steht. Und endlich ging es los. Hayley, natürlich modebewusst, begrüsste selbstbewusst und von Regenbogenflaggen empfangen die Hamburgerinnen. Under The „Blue/Take Me In“ wurde direkt getoppt durch ihren Hit „What I Need“. Zumindest, wenn es nach der Lautstärke im Saal ging. Das Publikum wirkte befreit und hat in Kayley eine starke Stimme gefunden. Ein klassischer Pop-Abend mit nicht so klassischer Botschaft und begeisterten Fans.

Rudimental live in Hamburg – und ein Dienstag fühlt sich wie Wochenende an

Seit 2012 sind Rudimental mit ihrer ersten Single „Spoons“ am Start und haben seitdem die Erfolgsspur nicht verlassen. So vielseitig wie ihre Musik, die von Drum’n’Bass über Electro bis Soul, Hip-Hop und Gospel reicht, ist auch ihre Auswahl an Stars mit denen sie arbeiten. Ed Sheeran, John Newman, Alex Clare, Emeli Sandé oder Bastille haben gemeinsam mit ihnen Top-Hits produziert. Im letzten Jahr erreichten Rudimental gemeinsam mit Jess Glynne, Macklemore und Dan Caplen Doppelplatin für die Single „These Days“.

Am Dienstagabend hatten wir die Ehre, Rudimental live in der Großen Freiheit 36 zu erleben. Nach Köln, München und Berlin landeten die Briten endlich in der Hansestadt. Die große Frage die im Raum stand: welcher Star ist mit dabei? Den Anfang machte Nina Nesbitt. Studierte Musikerin, sowie hin und wieder Support von Ed Sheeran. Nina lies es ruhig angehen und blieb sogar beim Cover von Britney Spears „Toxic“ in Kuschelstimmung. Kurz vor Ende ihrer 30 Minuten überredete sie das Publikum noch zu einem gemeinsamen Foto für Instagram und beendete den Abend mit ihrem Fuckboy Anthem „Loyal To Me“.

Nach einer kurzen Pause füllte sich die Bühne. 1, 2, 4, 7, 10, 11 Musiker zählte die bereits erwartete Combo Rudimental. Und was für ein Start. Von der ersten Sekunde an wurde gesprungen, aus allen Kehlen gesungen und pure Freude in die Große Freiheit entlassen.

Wer eben noch Background-Sänger war, wurde im nächsten Song zum Frontsänger. Oder Sängerin. Aus Dubstep wurde Soul. Also Pop, Reggae. Ein ständiger Wechsel zwischen durchweg perfekt arrangierten Songs aller Genres. Kein Wunder, dass so viele Stars mit Rudimental zusammenarbeiten. Die Hamburger waren ein dankbares Publikum und haben diesen Dienstagabend zu einem Freitag und Samstag in einem gemacht.

Leider gibt es aber auch eine schlechte Nachricht: Hamburg war das letzte von vier Konzerten ihrer Deutschlandtournee. Vielleicht habt ihr im Festivalsommer 2019 ja Glück, Rudimental zu erleben. Es lohnt sich!

Mon Dieu, was für ein damn funny concerto – Reggie Watts in Hamburg

Konzert? Comedy? Soul, Rap, Electro, Metal? Englisch, französisch, italienisch? Alles! Letzten Freitag spielte Reggie Watts in der Großen Freiheit 36. Das Konzert war Teil seiner „I’m In Europe Tour“ 2018.

Reggie Who? Vielen Menschen in Deutschland dürfte Reggie Watts noch unbekannt sein. Ich habe ihn zum Glück mal auf Youtube entdeckt. Das Video zeigte seinen Auftritt bei den „TED Talks“ und hatte den vielversprechenden Titel „Reggie Watts disorients you in the most entertaining way“. Hört sich lustig an, ist allerdings supermegalustig. Der 46-jährigen Amerikaner mit dem wohl weltgrößten Afro nennt sich selbst „Musical Disinformationist“. Ziel seiner wahnsinnigen Show ist es, die Zuschauer verwirren – auf musikalische und unterhaltsame Art und Weise.

Ich hatte letzten Freitag endlich die Chance, ihn live zu sehen. Der Auftritt des Musikers, Sängers, Beatboxers und Comedians sollte im großen Saal der Großen Freiheit 36 stattfinden. Doch damit der Gig etwas kuscheliger und intimer wird, haben ihn die Veranstalter eine Etage tiefer verlegt: in den Kaiserkeller. Als ich gegen 18:30 in den Rockclub stolperte, hab ich zur Begrüßung erst mal den nächsten Barhocker umgerempelt. Sorry! War stockduster da. Als sich meine Augen an die Dunkelheit gewöhnt hatten, konnte ich mich umschauen: der Raum war nur luftig gefüllt. Schade, ich hatte Reggie ein ausverkauftes Haus gegönnt. Doch schon ein halbes Bier später war der Laden bis in die hinterste, düsterste Ecke besetzt.

Auf das erste Bier folgte schnell ein zweites, weil der Kaiserkeller in kürzester Zeit zum Saunakeller wurde. Bloß nicht dehydrieren, viel trinken! Gegen 19:30 kam dann endlich Saunameister Reggie Watts auf die Bühne. Das erste, was mir durch den Kopf ging: der Mann hat trainiert. Aus dem coolen, dicken Typ ist ein cooler, breiter Schrank geworden. Ein kurzes Hallo und schon ging die unterhaltsame Verwirrung los. Reggie erklärte den Fans, was heute Abend passieren wird: Die Show wird zu Beginn sehr, sehr lustig sein, dann folgt ein dunkles Tief, es wird richtig depressiv, dann geht’s wieder aufwärts und es wird nochmal lustig. Aber nicht so lustig wie am Anfang. Ach, und er will später unbedingt einen Hamburger in Hamburg essen. Soll er zu „Otto’s Burger“ oder „Burgerlich“? Die Crowd hat entschieden: auf jeden Fall „Otto’s Burger“!

Zurück in den Kaiserkeller. Was Reggie da auf der Bühne machte, lässt sich nur schwer beschreiben und noch schwerer in chronologischer Reihenfolge wiedergeben. Bei anderen Konzerten spielen die Musiker ihre bekannte Setlist runter. Bei Reggie ist wenig geplant, vieles geschieht aus dem Moment heraus. Er hat eine unvorhersehbare Performance geliefert, bei der er fast alle Songs spontan eingespielt und aufgebaut hat – nur mit seiner Stimme, einem Keyboard und einem mehrspurigen Looping Gerät. Der ganze Gig bestand eigentlich nur aus fünf oder sechs Songs: viel Soul, aber auch Hip Hop, Synthie Pop und Metal. Metal? Yepp! Er mag halt „lighthearted music“ wie Pantera und Marilyn Manson. Bei seinem Trip durch die Musikgenres hat mich schwer beeindruckt, was er mit seiner Stimme anstellen kann: mühelos wechselte er von einer kristallklaren Falsett-Stimme in einen tiefen, tonnenschweren Bass – und wieder zurück. Als wäre das nicht genug, springt er ohne Vorwarnung zwischen mehreren Sprachen hin und her: Englisch natürlich, dann plötzlich Italienisch, Französisch und ein paar Brocken Deutsch.

Se ha suonato solo così poche canzoni, come ha effettivamente riempito la serata del concerto? Avec des histoires drôles et spontanées, dans lesquelles il a aussi impliqué les fans. Und nicht nur die: die Security sei die fitteste Security, die er je gesehen hat. Wenn du was von der Bühne klaust, durch den Hinterausgang verschwindest, durch dunkle Gassen und Schleichwege rennst, mehrere S-Bahnen nimmst und zwischendurch auch noch Mantel und Perücke wechselst – wenn du dann nach Hause kommst, sitzt die Security schon an deinem Küchentisch und spielt Karten. Den Bürgermeister von Hamburg hat er übrigens auch schon kennengelernt. Er nennt ihn ja „Ham-burglar“, weil er gerne mal ein bisschen Geld abzweigt. So so. Auch zum totlachen war, als er über Waffen und die USA gesprochen hat. Er hat nur 19 Minuten gebraucht, um eine Knarre zu bekommen. Und nur 3 Stunden für einen F-35 Kampfjet – in Grau, inklusive Raketen! – den er dann mit seinem Auto nach Hause geschleppt hat. Als nächstes will er sich einen Abrams Panzer holen. Was er jetzt schon weiß: „My backyard looks impressive!“

Das Highlight des Abends war leider auch das Ende des Abends: Als die Fans lautstark nach einer Zugabe grölten, ist Reggie plötzlich zurück auf die Bühne gerannt. Er hat das rhythmische „Zu-ga-be! Zu-ga-be!“ spontan aufgenommen, geloopt und eine Beatbox drüber gebeatboxt. Mit dem Mic in der Hand ist er in die Menge gesprungen und hat sich einmal durch den Kaiserkeller gesungen: vorbei an der Bar, an den Sitzecken, an der Raucherlounge und wieder zurück auf die Bühne. Danach war dann leider wirklich Schluss. Länger hätte ich auch nicht durchgehalten, weil im Kaiserkeller mittlerweile gefühlte 60 °C bei 99 % Luftfeuchtigkeit herrschten. Ich bin dann im komplett durchgeschwitzten Shirt nach Hause gefahren. Und Reggie? Der war tatsächlich noch bei „Otto’s Burger“ am Grindel, wie sein Instagram-Foto beweist. Guten Appetit!