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Inhalt

Mittelalterlich Phantasie Spectaculum 2017 in Berlin

Zum zweiten Mal in seiner zwei Dekaden umspannenden Historie öffnet das Mittelalterlich Phantasie Spectaculum 2017 in Berlin seine Pforten. Ob es das größte Mittelalterfest Deutschlands ist, darüber kann man streiten. Das entspannteste ist es sicherlich. Und so mischen sich bei bester Wetterlage Mittelalter-Fans, Cosplayer und Normalsterbliche munter bei Gaukelei, Musik und Unterhaltung vor den Toren Berlins. Wie auch schon im letzten Jahr ist die Rennbahn Hoppegarten der Markt- und Camping-Platz zugleich. Eine fast dreistellige Anzahl an Marktständen versorgt die Freunde des gepflegten Mittelalters mit Flüssigem, Essbarem und einer Vielfalt an Handelsgut. Shopping-Queens (und Kings) kommen dabei genauso auf ihre Kosten wie Whisky- und Rumenthusiasten.

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Cultus Ferox & Weltenrkieger

Wie immer lassen die gute, unauffällige Organisation und Security, den Gästen und Schaustellen maximalen Raum zur Entfaltung. Man vermag nicht zu unterscheiden, wer Gast und wer Schausteller ist. So spielen Cultus Ferox, Weltenkrieger und andere Bands akustische Sets einfach an einem freien Platz auf dem Gelände zwischen Ständen und Tavernen. Die Piratenrocker von Stormfrun spielen gegen Naturalien vom nahegelegenen Rumstand weiter Lied um Lied. Neben zig Kleinstbühnen werden die Besucher von zwei großen Bühnen beschallt – wiederum im Parallelbetrieb. Anders als letztes Jahr überschreien sich die Bühnen dieses Jahr nicht mehr. Entscheiden muss man sich dennoch, wen man sehen will. Die Qual der Wahl wird jedoch abgemildert, da fast alle Bands mehrere Sets zu unterschiedlichen Zeiten an beiden Tagen spielen.

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Obwohl die Preise für Eintritt und an so manchem Stand im Vergleich zu anderen Mittelalter-Festen happig sind, gibt es nichts zu meckern. Ein namhaftes Line-up bei erstklassigem Sound auf den Konzertbühnen, die beide mit nur minimalen Pausen bespielt werden. Ritterturniere und der Bärlin Pedal Bättleglänzen mit schöner Choreographie und hohen Unterhaltungswert für Groß und Klein. Die Stimmung ist ausgelassen und die Atmosphäre spätestens mit Einbrechen der Dunkelheit ungeheuer stimmungsvoll – dank einer Vielzahl von Fackeln und Feuern.

Stormfrun

Die Ausgabe des Mittelalterlich Phantasie Spectaculum 2017 fährt unter der Jolly Roger: Neben den üblichen Verdächtigen hissen die Schweden Stormfrun den Totenkopf. Dass man Skandinavien eher Met trinkende Wikinger verbindet, stört hier niemanden. Mit teils englischen teils schwedischen Texten wird dem Publikum mächtig eingeheizt. Statt kaltem Fjordwasser versprüht die vielköpfige Piraten-Crew karibischen Esprit. Natürlich darf auch Werbung für den bestens ausgestatteten Rum-Stand nicht fehlen – mit Live-Verkostung der Cocktails versteht sich.

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Mr. Hurley und die Pulveraffen

Ohne Mr. Hurley und die Pulveraffen ist ein MPS zwar möglich aber sinnlos, sagt man. Auch hier weist das Liedgut hohe Anteile von Freibeutern und Alkohol auf. „Blau wie das Meer“ steht sinnbildlich für die Gute-Laune-Musik der Barden aus Osnabrück. Heute nur als Trio schunkelt man sich mit Gitarre, Akkordeon und Perkussion durch den Abend.

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saor Patrol

Die Schotten von Saor Patrol zitieren eher Braveheart als Fluch der Karibik. Das Quintett bietet Drum & Pipes mit rockiger Prägung. Neben Dudelsack und Les Paul bearbeiten gleich drei stämmige Kilt-Träger die Rhythmusfraktion. Wem die schottischen Hünen bekannt vorkommen, der irrt nicht. Neben der Musik widmet sich der stämmige Bartträger Charlie Allen auch dem Dasein als Stuntman: nicht zuletzt in den Hollywood-Epen „Gladiator“, „Robin Hood“ und „Thor – the Dark Kingdom“. Musikalisch gibt es ein buntes Potpourri ihres Schaffens: von „Outlander“ über „The Gael“ bis zu ganz alten Stücken wie „Weramur“ kommt keine Epoche zu kurz.

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Versengold

Versengold eröffnen ihren Auftritt am Nachmittag mit „Sang und Klanglos“ vom im August erscheinenden Album „Funkenflug“. Danach geht es klassisch weiter: Auf „Versengold“ folgen „Verliebt in eine Insel, „Hoch die Krüge“ und „kein Trinklied“. Danach folgen weitere Songs vom neuen Alben und von vergangenen Werken. Energie geladen und routiniert zelebriert das Septett ein gelungenes Set und wird vom Publikum dafür abgefeiert. Dass die Folk-Rocker dabei direkt in die untergehende Sonne blicken müssen, irritiert sie kaum. Sänger Malte borgt sich aus dem Publikum fix eine John-Lennon-Gedächtnisbrille. Ein gelungener Auftritt wird beschlossen mit „In Namen des Folkes“ und „Ihr seid Musik“.

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Faun

Mit neuer Sängerin an Bord Faun sind die Mittelalter-Dauerbrenner bereits ein Stammgast auf dem MPS. Die blonde Laura, die auch bei den Schweizer Celtic-Metallern Eluveitie zum erweiterten Line-up gehört, ersetzt seit März ihre Vorgängerin Katja. Auch wenn das Bild nun ein leicht anderes ist, verschmelzen Faun wie eh und je elektronische und mittelalterliche Klänge auf unnachahmliche Weise. Mit dem 2003er „Andro“ eröffnet das Sextett einen vielseitigen Abend und schon beim zweiten Song „Wind und Geige“ frisst ihnen das Publikum aus der Hand. Das ist umso wichtiger, da vor dem Song „Walpurgisnacht“ die Stimmgewalt der Zuschauer geprüft wird. Ein wahrer Wettstreit entbrennt zwischen Sängerin Fiona und Drehleiher-Spieler Stephan, die abwechselnd die weiblichen und männlichen Fans zu einem „Hey-yo“ auffordern. So gesellig und spielwütig geht es weiter. Auf dem Programm stehen von alten Stücke wie „Rhiannon“ bis zu ganz neuen wie „Odin“ von der letztjährigen Scheibe „Midgard“. Auch ohne Einar Selvik von Wadruna, mit dem das Stück aufgenommen wurde, entfaltet der Song seinen vollen Zauber. Viel zu schnell endet der Abend, auch wenn Faun später am Merchandise-Stand noch lange für ihre Fans da sind.

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Saltatio Mortis & Knasterbart

Für Saltatio Mortis wird weiträumig abgesperrt. Wo die Mittelalter-Rocker schon am Nachmittag ordentlich abgesahnt haben, legen die Jungs nachts noch eine Schippe darauf. So wird den dankbaren Fans zu Songs „Spiel mit dem Feuer“ mit ebensolchem kräftig eingeheizt. Gigantische Feuersäulen untermalen eine spektakuläre Show. Zeitgleich geben sich noch die Gossenpoeten von Knasterbart die Ehre. Das MPS bietet genug Fans für beide Auftritte. Die Gossenpoeten nehmen dabei das Thema vom Nachmittag wieder: Schmutzige Freibeuter-Lieder und Gassenhauer für ein schunkelndes Publikum.
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Leider kündigt sich in diesem Zeitraum die letzte Bahn ins heimische Berlin an. Mit guter Laune und einer leichten Schlagseite segelt die Piraten-Fregatte somit wieder gen heimische Gewässer. So denn, das MPS macht auch in 2018 wieder halt in Hoppegarten, wir freuen uns auf ein Wiedersehen.

Danke an:
Hannes Fuchs (Dvergir Photography) für Bilder und Text.

M’era Luna Festival 2016 –Tag 2: Das ging ab am Sonntag

25.000 Fans der schwarzen Szene aus ganz Europa haben am Wochenende des 13. und 14. August 2016 auf dem Flugplatz Drispenstedt, Hildesheim gefeiert. Im Vordergrund stehen dabei, wie jedes Jahr, die extravaganten Outfits und aufwändigen Kostüme der Festivalbesucher. Das musikalische Live-Programm bestehet aus Gothic Rock, Industrial, EBM, Mittelalter-Rock und Synthie-Pop von über 40 nationalen und internationalen Bands. Am zweiten Festivaltag trete die sieben Mittelalter-Rocker In Extremo auf, Alexander Wesselsky mit Eisbrecher, die brachialen Düster-Gestalten Combichrist, Headliner Within Temptation mit der begnadeten Sängern Sharon Den Adel und viele weitere. Und das Wetter? Der Sonntag ist ebenfalls mit sommerlichen Temperaturen und viel Sonne gesegnet. 

Mera Luna 2016 / M'era Luna 2016 / Mera 2016

Beim M’era Luna gibt es an beiden Festivaltagen eine heiße „Gothic Fashion Show“. Mode-Liebhaber kommen also auch auf ihre Kosten. Vier verschiedene Labels zeigen dort ihre (Fetisch-)Mode aus Lack, Leder und Latex, sowie Mieder oder mittelalterliche Kleider an wunderschönen Körpern. Wen das Klamotten-Fieber gepackt hat, der kann sich im „Gothic Fashion Town“ mit verschiedenen genretypischen Teilen eindecken.

Hier geht’s zum Bericht: M’era Luna 2016 – Gothic Fashion Show

Hier geht’s zum Bericht: M’era Luna 2016 –Tag 1: Das ging ab am Samstag

LETZTE INSTANZ

Die Folkrocker von Letzte Instanz sind bereits seit 1996 unterwegs und spielen sich seither unermüdlich in die Herzen ihrer Fans. Vor 15 Jahren war der Beginn mit „Brachial-Romantik“ und Mittelalter-Rock geebnet, aber seither haben sie sich zu einem der vielfältigsten Musik-Projekte Deutschlands entwickelt. Kaum ein Musikstil, den die Dresdener Rock-Band nicht schon ausprobiert hat, kaum ein Instrument, das sie nicht benutzt hat. Zwischen harten  Sounds, finden sich Streicher und mittelalterliche Instrumente, daneben dann Elektronik und Gitarrenwände. Frontmann Holly Loose und seine fünf Bandkollegen sorgen bei den Zuschauern am frühen Nachmittag jedenfalls für gute Laune.

Bildergalerie: So war LETZTE INSTANZ live

COMBICHRIST

Sänger Andy LaPlegua feuert mit Combichrist seit mehr als zehn Jahren aus allen Rohren, die man von den Genres Aggrotech, Rhythm’n‘Noise und Industrial erwarten kann. Das Schaffen des Quintetts hat auf kreativer Ebene noch längst kein  Ende erreicht: Zwischen den harten, brachialen Sounds, wird mit Meoldien experimentiert und der Dubstep-Beat zischt nur so an einem vorbei. Keine Wiederholungen, keine eindimensionalen Songstrukturen oder Preset-Sounds aus der Dose. Man nimmt Combichrist die Wut, die Verzweiflung und Morbidität, die sie darstellen, auch wirklich ab. Die beiden Drummer, einer links einer rechts, trommeln sich in völlige Ekstase, dreschen auf ihre Sets, dass die Drumsticks nur so fliegen und ihre Tom-Toms alle paar Songs ausgewechselt werden müssen. Während Frontmann LaPlegua in wildes Springen und Wirbeln mit dem Mikrofon einstimmt – dann fühlt es sich als Zuschauer an, als wäre die Apokalypse gerade im Anmarsch.

Bildergalerie: So war COMBICHRIST live

FAUN

Nicht einfach Mittelalter-Rock – Pagan Folk ist der Musikstil, dem sich die sieben Bandmitglieder von Faun verschrieben haben. Es gelingt ihnen, mit unzähligen Instrumenten und mehrstimmigen Gesängen, das Publikum in eine zauberhafte Fanstasie-Welt zu entführen. Dudelsack, Harfe, Drehleier und Laute treffen auf überdimensionale Trommeln, verspielte Klanglandschaften verschmelzen mit mittelalterlich-keltischen und nordischen Klängen zu einem großen Ganzen. Und das alles bringen die Münchner mit viel Liebe zum Detail herüber, mit traumhaft schönen mittelalterliche Kostümen und Roben und selbstgebauten Instrumenten.

Bildergalerie: So war FAUN live

THE LORD OF THE DANCE ENSEMBLE

Nach der überaus erfolgreichen Tournee 2015 schenken die Dark-Rocker aus Hamburg ihren Fans nun ein ganz besonderes Schmankerl: Das „The Lord Of The Lost Ensemble“ ist beim M’era Luna 2016 mit alten und neuen Lord Of The Lost-Songs, akustisch und emotional, unterstützt von klassischen Instrumenten auf der Festivalbühne. 2013 traten sie erstmals auf dem „Gothic meets Klassik“-Festival gemeinsam mit einem ganzen Sinfonieorchester auf. Und die eigenen Songs in einem ganz neuen Gewand zu erleben, war einschneidend. Der Traum, einen ganzen Festivalauftritt in diesem Still ist nun wahr geworden. Frontmann Chris Harms und seine Lord Of The Lost-Kollegen haben Streicher und Percussionist dabei und spielen ihre Songs so emotional wie noch nie.

Bildergalerie: So war THE LORD OF THE DANCE ENSEMBLE live

EISBRECHER

Im vergangenen Jahr veröffentlichten Eisbrecher ihr aktuelles Album „Schock“. Und wie der Name des Albums es schon verspricht, steht das ebenfalls für die grandiosen Live-Auftritte, die Alexander Wesselsky, Noel Pix und ihre Mitstreiter hinlegen. Eisbrecher sind wahre Pioniere der Neuen Deutschen Härte und live halten sich Humor und Ernst halten immer genau die Waage. Frontmann Wesselsky, der dank seiner Aktivitäten abseits der Band auch dem ein oder anderen Autointeressierten bekannt sein dürfte, hat immer einen Witz auf den Lippen und scheut den Kontakt mit seinen Fans nicht. An diesem Festivalsonntag geht es für ihn an die Absperrung der ersten Reihe um mit den Fans gemeinsam zu singen – anders als 2012, denn da ließ er sich von den Zuschauern beim M’era Luna sogar auspeitschen.

Bildergalerie: So war EISBRECHER live

IN EXTREMO

Das Jahr 2015 war für die Band In Extremo ein sehr besonderes Jahr. 20 Jahre Band-Jubiläum wurde gefeiert. Und dabei durften die Fans natürlich nicht zu kurz kommen. Die sieben Spielmänner waren auf Tour und luden zum erfolgreichen „20 Wahre Jahre Jubiläums-Festival“ nach St. Goarshausen. Aber In Extremo begeistern eigentlich die ganze Welt. Europa, Mexiko, Argentinien, Chile, USA oder China, überall sind sie mit ihrer Musik schon gewesen. Mal laut, mal leise oder auch mal akkustisch: durch den Einsatz allerhand historischer Instrumente und vor Lebensfreude strotzender Texte, offenbart sich eine fast vergessene Klangwelt. In Extremo sind heute die wichtigsten Spielmänner ihres Genres und dass sie nach wie vor Spass auf der Bühne haben, zeigen Dr. Pymonte, die Lutter, Flex der Biegsame, Yellow Pfeiffer, Van Lange, Specki T. D. und das Letzte Einhorn auf der Main Stage.

Bildergalerie: So war IN EXTREMO live

WITHIN TEMPTATION

Die Musik der Holländer kann man sich leicht vorstellen: entsprechend dem aktuelle Albumtitel „Hydra“ (neunköpfige Schlange aus der griechischen Mythologie) vielseitig und immer wieder anders ist der Sound. Vor anderthalb Jahrzehnten begann die Band um Sängerin Sharon den Adel und Gitarrist Robert Westerholt mit klassischem Gothic Metal. Und mehr und mehr entwickelte sich daraus bis heute DIE Symphonic-Metal-Gruppe schlechthin. Und dass, ohne je ihre Wurzeln zu verleugnen oder zu verlieren. Der wundervolle Headliner-Auftritt von Within Tempation beim diesjährigen M’era Luna ist sogar noch begeisternder als all ihre Platten. Und das liegt einerseits an dem fantasievollen Dress, den sich die gelernte Modedesignerin Adel selbst auf den Leib geschneidert hat, andererseits aber auch an der spektakulären Bühnenshow, die mit Licht und Pyrotechnik besticht. Mit ihrer kraftvollen Stimme singt sich Adel in die Herzen der Zuschauer und legt im Duett mit Tarja Turunen (ehemals Nightwish-Frontfrau und jetzt auf Solopfaden unterwegs) die Headliner-Latte fürs kommende Jahr weit nach oben.

Bildergalerie: So war WITHIN TEMPTATION live

Danke an:
Birgit Lutterberg

Gelungene Premiere: 1. Mittelalterlich Phantasie Spectaculum in Berlin

Die Marke MPS steht schon seit vielen Jahren für mittelalterliche Unterhaltung der Oberklasse. Vor über 20 Jahren etabliert tourt das Mittelalterliche Phantasie Spectaculum inzwischen durch über 20 Städte in ganz Deutschland. Von April bis Oktober unterhalten Ritter und Knappen, Heerführer und Söldner, Musikanten und Narren, Gaukler und Feuerspucker das gespannte Publikum. Nun im 23. Jahr wurde auch endlich das mit Mittelalterevents nicht gerade verwöhnte Berlin in den Tourplan aufgenommen. Und so strömen Berlins Mittelalter-Fans bei bestem Sommerwetter zahlreich zur Rennbahn Hoppegarten vor den Toren der Hauptstadt. Und nicht nur die Mittelalter-Fans sondern auch Cosplayer, LARPer und die Freunde gepflegter Fantasy füllten das historische Gelände. Man munkelt, dass die Galopprennbahn seit ihrer Blütezeit kurz vor Weltkrieg Eins nicht mehr so viele gut gelaunte Menschen gesehen hat. Zugegeben wird das MPS (noch) keine 40.000 Gäste anziehen wie der Rennbetrieb zu Hochzeiten. Aber der Gute-Laune-Pegel ist in jedem Fall am Anschlag. Das liegt mit Sicherheit daran, dass historisch authentischen Reenactment zwar gern gesehen ist, aber die Brüder und Schwestern der Fantasy-Gemeinde mindestens genauso willkommen sind.

Ein anderen wesentlicher Punkt ist die die gute, unauffällige Organisation und Security, die den Gästen und Schaustellern maximalen Raum zur Entfaltung lässt. Man vermag nicht zu unterscheiden, wer Gast und wer Schausteller ist. So spielen Cultus Ferox und andere Bands akustische Sets einfach an einem freien Platz auf dem Gelände zwischen Ständen und Tavernen. Egal wo man sich auf dem riesigen Innenraum der Rennbahn Hoppegarten wendet, es gibt immer was zu sehen.

Bildergalerie: So war CULTUS FEROX live:

Eine riesen Auswahl an Speis und Trank, Stände mit Schmuck, Waffen, Rüstungen und Gewänden und eine Unzahl an kleinen und großen Bühnen. Neben zig Kleinstbühnen werden die Besucher von drei großen Bühnen beschallt – überwiegend im Parallelbetrieb. Das ist nach all den Lobenshymen auch der erste Kritikpunkt. Nicht nur, dass man sich entscheiden muss, ob man lieber Nachtgeschrei oder doch die Öko-Paganisten Omnia hören will, die beide nur einen Auftritt haben. Schlimmer vielmehr ist, dass sich die Bühnen teilweise überschreien. Leise Parts der einen Band gehen für einige entferntere Fans im Getöse der anderen Bühne unter. Ein Fakt, den auch der Veranstalter für 2017 auf die Liste mit Verbesserungen gesetzt hat. Ihr habt richtig gelesen, das MPS Berlin in 2017 ist bereits bestätigt.

Ansonsten gibt es wenig zu meckern, die Preise für Eintritt und an den Ständen sind nicht günstig aber angemessen. Die Ritterturniere warten einer mit schöner Choreographie auf und bieten hohen Unterhaltungswert für Groß und Klein. Der Sound an den drei Konzertbühnen klingt großartig. Die Stimmung ist ausgelassen und die Atmosphäre spätestens mit Einbrechen der Dunkelheit ungeheuer stimmungsvoll. Die Nacht wird erhellt mit einer Vielzahl von Fackeln und Feuern.

So war das MITTELALTERLICH PHANTASIE SPECTACULUM:

Doch kommen wir zur Musik. Aufgrund der vielen Eindrücken und den parallel auftretenden Bands kann der Chronist nur scheitern, wenn er versucht alles vollständig zu beschreiben. Hurley und die Pulveraffen, ohne die laut Veranstalter ein MPS zwar möglich aber sinnlos ist, waren nach Meinung der Anwesenden großartig mit Piraten-Folkrock. Von Waldkauz hingegen darf der Chronist noch das Ende des Auftritts bezeugen. Das Quintett ist erst relativ frisch dabei und bietet Folk mit einer Vielzahl von Instrumenten. Die Hildesheimer vereinen Einflüsse aus ganz Europa miteinander und verzichten dabei auf elektronische Unterstützung. Tanzbar und unterhaltsam ist es allemal. Songs wie „Tanzgeist“ erfahren auch das verdiente Handgeklapper und Gejauchze des Publikums.

Bildergalerie: So war WALDKAUZ live:

Mit dem Wechsel um zwei nach rechts geht die Reise von Hildesheim weiter nach Schottland. Saor Patrol bieten für nicht eingeweihte ein erstaunliches Bild. Gleich drei stämmige Kilt-Träger stellen die Rhythmusfraktion. Dazu kommt der stämmige Bartträger Charlie Allen mit dem schottischen Nationalinstrument: dem Dudelsack. Wer jetzt an Drum & Pipes denkt, liegt gänzlich richtig und doch falsch. Anders als die Klassiker aus den Highlands, die man sich auf CD aus dem Schottlandurlaub mit nach Hause bringt, erweitern Saor Patrol das Klangbild mit Mitglied Nummer fünf. Steve Legget bearbeitet die Gitarre mit allen denkbaren Sounds. Von elektronisch mit rockig ist alles dabei. Nicht umsonst bezeichnete der leider verschiedene Lemmy die strammen Schotten als die Motörhead of Folk.

Bildergalerie: So waren SAOR PATROL live:

Mit den Niederländer Omnia zwei Bühnen weiter links wird das Klangbild wieder deutlich breiter. Der Fünfer verschmilzt eine Vielzahl von Musikstilen zu einer sehr speziellen Ausprägung des Paganfolks. Neben den klassischen altertümlichen Melodien bieten die Niederländer auch Einflüsse aus Blues, Reggae, Rock und sogar Rap mit einander. Anders als bei vielen anderen Bands auf dem MPS oder der Folk- und Mittelalterszene haben Omnia auch eine Botschaft. Anstatt Platituden, die in Sauflieder gipfeln, zelebriert der Fünfer eine schamanistische Zeremonie rund um die Themen Natur und Freiheit. Was sehr verkrampft klingt, stellt sich auf der Bühne als sehr unterhaltsame Melange heraus. Zu Songs wird wie den moderenen „Earth Warrior“, „Freedom Song“ oder „Black House“ gesellen sich das bretonischen „La Jument de Michao“ oder arabische Skalen in „Gods Love“. Didgeridoo trifft auf Drehleiher und Harfe. Keyboard auf Lagerfeuer-Gitarre und Flöte. Unterhaltsam ist die wüste Mischung dank des Energie geladenen Auftritts von Omnia allemal. So wird getrunken, gefeiert und getanzt. Viel zu schnell sind die 90 Minuten vorbei.

Bildergalerie: So war OMNIA live:

Eine Bühne weiter rocken sich parallel Nachtgeschrei durch ihr Set. Dröhnende Gitarren stehen bei dem Sechser definitiv im Vordergrund. Angereichet wird das ganze durch Dudelsack, Schalmei und Drehleiher, wie es sich für ein Mittelalterfest auch gehört. Fünf Studioalben hat das Septett inzwischen herausgebracht, die alle nicht zu kurz kommen. Sänger Martin LeMar heizt dem Publikum ordentlich ein und gibt sogar einen Ausblick auf das kommende neue Album. Sehr viel gradliniger als die Kollegen von Omnia, die eine Bühne weiter links spielen, werden Nachtgeschrei dennoch kein bisschen weniger abgefeiert.

Bildergalerie: So war NACHTGESCHREI live:

Wenig später erklingen die Harmonien von Faun, die schon ordentlich bejubelt werden, obwohl es sich nur den Soundcheck handelt. Die Band um Oliver „Satyr“ Pade stellt das krasse Gegenteil zu den Niederländern Omnia dar. Weniger in musikalischer Hinsicht als in kommerzieller. Wo sich die Niederländer bewusst selbstvermarkten und größtmöglichen Abstand zu Major Labels halten, kann man das von Faun nicht behaupten. Auftritte mit Santiago oder beim Vorentscheid des Grand Prix d’Eurovision werden von vielen Fans der ersten Stunde eher kritisch gesehen. Der musikalischen Qualität hingegen tut das keinen Abbruch. Auch 2016 schreiben Faun noch fesselnde Songs und solange sie „Wind und Weide“ live spielen, frisst ihnen das Publikum ohnehin aus der Hand. „Adro“ vom 2003er Album Licht macht den Anfang in einem Auftritt, der auf 60 Minuten geplant ist. Dass es am Ende 90 Minuten werden, stört keinen der vielköpfigen Meute vor der Bühne. Mit Laute und Dudelsack, Nickelharpa und Drehleiher, Flöte und Bouzouki arbeiten sich die sieben Damen und Herren starke Paganfolk-Truppe durch Lieder aller Epochen. Immer untermalt durch die Sampling-Künste des Mannes mit dem Hut: Niel Mitra. Neben den bereits genannten erklingen an diesem Abend aktuelle Stücke wie „Walpurgisnacht“ und „blaue Stunde“, aber auch Stücke aus der Zeit vor dem Major Deal wie „Rhiannon“ oder „Ne Aludj El“. Bis auf das Debutalbum Zaubersprüche und dem Buch der Balladen ist heute alles dabei.

Bildergalerie: So war FAUN live:

Natürlich wäre es nicht das MPS, wenn nicht parallel wieder etwas völlig konträres spielen würde. Mit Versengold aus Bremen wir auf der Nachbarbühne launiger Folk dargeboten. Auch hier stehen sieben Leute auf der Bühne – allerdings als reine Männerveranstaltung. Deutlich weniger mystisch angehaucht als Faun, treten die Herren mit den blütenweißen Hemden mit sehr viel Spaß an der Sache auf. Neben der klassischen Besetzung Gitarre, Bass und Schlagzeug gibt es hier die irische Handtrommel Bodhrán, die Nyckelharpa und eine irrwitzige Geige zu bestaunen. Die Jungs um Sänger Snorre dürfen ganze zwei Stunden ran und bringen dabei so manchen Gassenhauer aus über zehn Jahren Bandgeschichte und sieben Studienalben. „Immer schön nach unten treten“, „Wolken“, „Spaß bei Saite“ und „Zeitlos“ um nur ein paar zu nennen.

Bildergalerie: So war VERSENGOLD live:

In der Nachtschicht buhlen schließlich die Feuershow von Flammenrausch, die Mittelalter-Metaller Cultus Ferox, die Gossenrocker Knasterbart und die Vorzeige Folkband Cobblestone um die Aufmerksamkeit der Gäste. Und so neigt sich ein ereignisreicher Tag dem Ende entgegen. Der Chronist verbringt diesen standesgemäß bei einem Met an einem der vielen Lagerfeuer. Nächstes Jahr definitiv wieder – mit mehr Speicherkarten und bequemeren Schuhen.

Mehr Informationen unter: www.spectaculum.de oder auf Facebook

Danke an:
Hannes Fuchs (Bilder und Text)