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Volle Kraft voraus: Eisbrecher liefern in Hannover eine brachiale Sound-Offensive

Es gibt Bands, die laut sind. Und es gibt Bands, die laut und stilvoll sind – mit einer Prise Ironie, einem dicken Schuss Pathos und der Fähigkeit, Stahlträger mit ihrem Sound in Schwingung zu versetzen. Genau dieser seltenen Kategorie gehört Eisbrecher an. Am Samstag, den 17. Mai 2025, legten Alexx Wesselsky und seine Männer in der restlos ausverkauften Swiss Life Hall in Hannover an – im Gepäck: die aktuelle „Eiszeit X“-Tour und das brandneue Studioalbum „Polarlicht“, das seit März die Charts zum Glühen bringt.

Heldmaschine

Doch bevor es losgeht, donnert zu allererst die Heldmaschine durch die Swiss Life Hall. Damit steht Neue Deutsche Härte der Koblenzer Band auf dem ganz Programm. Musik der Sorte „Rammstein“, aber mit vielen innovativen Elementen, bringt die fünfköpfige Truppe um Frontmann René Anlauff an den Mann (und die Frau). Die Band geht dabei aber einen eigenen Weg und grenzt sich musikalisch vom (mittlerweile ehemaligen) Branchenführer Rammstein ab. Vor der Bühne entwickelt sich binnen kurzer Zeit ein ausgelassenes Tanzgelage, dass zeitweise in einem Mosh- und Head-Bangbattle gipfelt. Völlige Eskalation, im positiven Sinne. Da auch eine gute Prise elektronischer Beats die Songs begleitet, kommen Fans härter Rockklänge genauso auf ihre Kosten, wie Fans von Joachim Witt- oder Kraftwerk-ähnlichen Sounds.

Eisbrecher

Wer Eisbrecher sagt, muss auch Neue Deutsche Härte sagen – allerdings mit einem Augenzwinkern und ohne die düstere Schwere, die andere Genre-Vertreter manchmal wie Betonplatten durch den Konzertsaal schleifen. Stattdessen servieren Frontmann Alexx Wesselsky (ehemals Megaherz) und seine Crew eine Mischung aus druckvollen Industrial-Riffs, tanzbaren Beats und hymnischen Refrains, die das Publikum spätestens beim dritten Song in einen kollektiven Bewegungsdrang versetzen.

Gitarrist Noel Pix, gleichzeitig das musikalische Mastermind der Band, zimmerte an diesem Abend ein Riff-Feuerwerk sondergleichen, unterstützt von Rupert Keplinger am Bass, Achim Färber an den Drums und Christian „Licky“ Schmitz an der zweiten Gitarre. Zusammen erschufen sie eine Soundwand, die so kalt und präzise wirkte wie ein frisch geschmiedetes Katana – nur eben elektrisch verstärkt und gnadenlos auf den Punkt.

Die Setlist ließ keine Wünsche offen. Mit Krachern wie „Verrückt“, „Prototyp“ und dem Überhit „Miststück“ (eine Reminiszenz an Wesselskys Megaherz-Vergangenheit) heizte die Band die Halle schnell auf Saunatemperatur – ganz im Kontrast zum frostigen Bühnenbild, das mit Eisformationen und LED-Wänden eine arktische Kulisse heraufbeschwor. Natürlich durfte auch das neue Material aus „Polarlicht“ nicht fehlen. Songs wie „Herz aus Eis“ und „Kältezone“ überzeugten mit einem frischen, modern produzierten Sound, der die Härte der NDH-Tradition mit überraschend melodiösen Momenten verband. Besonders „FAKK“ (eine Abkürzung, die sich die Fans sicher nach kurzer Bedenkzeit selbst erschließen konnten…) sorgte für kollektives Grölen und schweißtreibende Moshpits.

Was ein Eisbrecher-Konzert so besonders macht, ist nicht nur die musikalische Wucht, sondern vor allem Alexx Wesselskys unnachahmliche Bühnenpräsenz. Der Mann beherrscht die Kunst, mit erhobenem Zeigefinger und einem schelmischen Grinsen gleichzeitig zu dozieren und zu unterhalten. Seine Ansagen pendelten mühelos zwischen charmanter Provokation und humorvollen Seitenhieben – mal gegen die Musikindustrie, mal gegen den eigenen Hang zum Pathos. Und genau hier liegt das Geheimnis des Abends: Während andere Bands in der NDH-Szene Gefahr laufen, sich in bierernster Symbolik zu verlieren, spielt Eisbrecher mit den Klischees – und das mit einer Leichtigkeit, die selten geworden ist.

Nach über zwei Stunden brach die Kältewelle endgültig, das Publikum war durchgeschwitzt, aber selig. Eisbrecher lieferten in Hannover nicht nur eine technisch brillante und musikalisch abwechslungsreiche Show ab – sie bewiesen erneut, dass Härte und Humor, Schwere und Leichtigkeit kein Widerspruch sein müssen. Wer die „Eiszeit X“-Tour verpasst, verpasst mehr als ein simples Konzert. Er verpasst ein Stück moderner Rockkultur, das mit beiden Beinen im Hier und Jetzt steht – frostig, kompromisslos und doch mit einem breiten Grinsen im Gesicht.

Werner Rennen 2019 am Donnerstag + Freitag

Der große Auftakt in die 2. Auflage des „Brösel“ Festivals am Flugplatz Hartenholm hat begonnen. Bässe, Schreckensnachrichten und Bier, an den ersten beiden Festivaltagen war bereits alles dabei … Wieder einmal ein grandioser Start in Europas größtes Motorsport-Festival am Flugplatz Hartenholm. Beim diesjährigen Rennen dreht sich alles um Andi Feldmann, Bruder vom „Brösel und den bekannten Auswanderer Conny Reimann – beide wollen der schnellste auf der Rennstrecke sein. Doch für Conny sieht das bisher nicht gerade gut aus.

Am Donnerstagabend ging es so richtig los – die zweite Ausgabe von Europas größtem Motorsport-Festival am Flugplatz Hartenholm startete. Diesmal ein wenig anders konzipiert was Fläche, Parkplatzsituation und Bühnenmanagement angeht. Vor 31 Jahren gab es zum ersten großen Rennen ein großes Verkehrschaos. Nach 30 Jahren, zur großen Revanche, hatte man die Bundesstraße 206 zwischen der Autobahn und Hartenholm komplett gesperrt da man auf dem Flugplatzgelände (direkt an der Bundesstraße) und den gegenüberliegenden Grünflachen gecampt hatte. In diesem Jahr hat man die Bundesstraße befahrbar gelassen, und dennoch für ein tolles Festivalgelände gesorgt.

Am Donnerstag ging es für uns zum ersten Konzert auf dem „Kesseldrom“, der großen Hauptbühne. Die rheinischen Rocker von Kärbholz sorgten für richtig Stimmung und bereiteten die Gäste auf ein gigantisches Festival vor. Kurz danach, im perfekten Abendlicht startete Alex Wesselsky mit seinen Jungs von Eisbrecher. Für mich war es das erste Mal, diese großartige Band zu sehen – ein absolutes Spektakel!

Am Freitag folgte um 14.00 Uhr die Pressekonferenz mit Conny Reimann aus Hawaii und seinem Gegner Andi Feldmann. Beide waren unglaublich gut gelaunt, hatten Spaß auf dem Gelände und waren dennoch aufgeregt vor dem großen Rennen am Samstag. Doch dann folgte ein großer Rückschlag – Conny erklärte, dass sein Fahrzeug, mit dem er gegen Andi Feldmann antreten wollte, beim Zoll in Los Angeles hängen geblieben ist. Trotz der Fertigstellung im Mai 2019 war kurz vor dem Rennen das Aus! Sein Wagen blieb in den USA und Conny war in Norddeutschland. Nichtsdestotrotz hat er die Möglichkeit bekommen, einen „Ersatzwagen“ zu fahren, der ihn vielleicht sogar zum Sieg bringt.

Musikalisch war der Freitag ein absolutes Spektakel – gestartet mit der Mallorca-Schlager-Frau Mia Julia Brückner zog es uns vom „Kesseldrom“ zur „Dezibel Stage“ auf der die schwedischen Hardrockerinnern von Thundermother die Traversen abrissen! In der schönen Abendsonne folgte Kim Wilde mit einem richtig guten Portfolio aus alten Klassikern bis hin zu tollen moderneren Stücken. The BossHoss sattelten ein letztes Mal Ihre Pferde für einen Tour-Abschluss beim „Werner Rennen“ in Hartenholm – die „Black is Beautiful“ Tour war nun Geschichte. (wir berichteten)

Am Abend dann der große „Knall“ – H.P. Baxxter mit seinem Electronic Music-Musikprojekt Scooter zerlegten den ganzen Platz, rissen jung und alt mit und zeigten ihr Können mit einer pyro- und energiegeladenen Show und und jeder Menge ihrer beliebten Songs wie „Nessaja“, „Hyper Hyper“ oder „How much is the fish“.

Mia Julia

Die 33-jährige Münchnerin ist bekannt als Schlager-Sängerin der Kultinsel Mallorca. Bereits seit 2013 versorgt sie häufig die junge Feiergemeinschaft des mallorcanischen Bierkönigs mit Hits wie „Mallorca da bin ich daheim“, „M.I.A. Meine Gang“ oder „Scheiss auf Schickimich“. Auf dem diesjährigen „Werner Rennen“ eine große Prämiere für die feierwütigen Gäste.

THUNDERMOTHER

Die vier schwedischen Hard-Rock-Ladies aus Växjö haben mal wieder bewiesen, wie schnell es geht eine Bühne aus Traversen zu „zerlegen“. Nach den ersten drei Songs gingen die Riffs der Gitarristin Filippa Nässil ins Blut über und brachte auch den letzten Fan zum mit rocken und abfeiern. Auch hier waren richtige Hits wie „Revival“, „It’s just a Tease“ oder „Hellevator“ am Start.

Kim Wilde

Die mittlerweile 59-jährige Londonerin Kimberly Smith, besser bekannt als Kim Wilde, war für mich die Überraschung des Tages. Sicherlich kennt jeder mindestens einen Hit wie „Kids in America“ doch die größten Erfolge feierte Kim Mitte der 80er Jahre. Mit zwei Schlagzeugern, Gitarristen, Bassisten und einer Background-Sängerin zerriss Kim Wilde mein erst sehr trüben Eindruck von der folgenden Performance. Jedoch war meine Skepsis nicht begründet – wenn ich Sterne vergeben müsste wären es sicherlich fünf von fünf!

The BossHoss

Bereits im März 2019 berichteten wir von der „Black is Beautiful“ Tour der BossHoss-Sänger Alec und Sascha aus der Barclaycard Arena in Hamburg. Knapp fünfeinhalb Monate später fand das letzte Konzert ihrer Tour auf dem Werner Rennen in Hartenholm statt. Mit richtig guter Laune in der Abendsonne zeigten die Jungs mal wieder, wie grandios sie performen können. Gute Show, tolle Songauswahl und wieder einmal absoluter Publikumsliebling.

Scooter

Als ich vor wenigen Monaten das erste Plakat zur 2. Auflage des „Werner Rennen“ in Hartenholm sah war ich etwas irritiert – Scooter auf einem Festival? Na klar, was passt denn besser als Motorsport, Party und ein wenig Hardcore von Scooter? Mit einigen Tänzern kam der Hamburger H.P. Baxxter auf die Kesseldrom Bühne und ließ alle 35.000 Besucher abzappeln. Große Show mit viel Feuerwerk, Feuer und ordentlich Bass.

Eiszeit im Frühling: Eisbrecher in Hannover

Samstagabend um 18.30 Uhr vor der Swiss Life Hall in Hannover, heißt es erstmal anstehen. Die Schlange ist beträchtlich lang und so reiht man sich in die schon wartende Menschenmenge ein. Was als erstes auffällt ist, dass die Eisbrecher-Fans ein bunt gemischtes Völkchen sind. Von aufgestylten Damen im Gothicgewand, Metallern mit Kutte, bis hin zum Familienverband mit Mama, Papa und Kids. Eisbrecher wissen anscheinend genreübergreifend zu begeistern. Man ist gespannt auf das Konzert und der Einlass geht dann auch recht zügig voran, so dass pünktlich begonnen wird.

Faelder

Faelder sind in Hannover als Vorband mit dabei. Aber noch bevor die Band, die sich aus Mitgliedern von In Extremo und Unheilig zusammensetzt, die Bühne betreten darf, wird es „poetisch“: Eisbrecher-Frontmann Alexx betritt die Bühne – noch in zivil gekleidet – um ein kleines Gedicht über „Faelder“ vorzutragen. Eine nette Idee um die Vorband zu begrüßen. Und dann geht’s auch schon los. Mit einer Mischung aus Electro-Beats und Gothic-Pop mit deutschen Texten, spielen Faelder Songs von Ihrem Debütalbum „Unheilbar“ – welches im letzten Jahr veröffentlicht wurde. Sänger Kai Niemann ähnelt in seinem schwarzen Anzug und seiner Gestik irgendwie einem jungen Roland Kaiser. Die Songs sind schwer-düster und balladig aufgemacht und handeln von den nicht so schönen Momenten im Leben. Aber trotz der eher düsteren, melancholischen Stimmung der Texte, werden Faelder von den Besuchern mit viel Applaus geehrt. Da fällt es wohl auch nicht ins Gewicht, dass die Stimme von Niemann ab dem dritten Song merklich schwächer geworden ist.

Eisbrecher

In der etwas länger andauernden Umbaupause fällt einem auf, dass die Halle nicht ganz voll ist. Die Bühne wurde vor eine der Tribünen gebaut, so dass nur ein Teil mit Sitzplätzen genutzt wird. Diese ist allerdings voll belegt. Der Innenraum dagegen ist etwas sporadischer gefüllt. Aber so hat jeder Gast auch genug Platz und am Bierstand muss man nicht lang warten. Dennoch ist dieses Konzert am besten besucht auf der aktuellen „Ewiges Eis Tour“, denn in Hannover sind 3.000 Besucher zu verzeichnen.

Und nun geht’s endlich los. Das Saallicht geht aus und das Bühnenlicht, rote Spots hinter einem riesigen Banner, gehen an. Das Banner fällt zu Boden und Eisbrecher beginnen gleich mit „Zwischen uns“. Von der ersten Minuten an ist die Stimmung in der Swiss Life Hall voll da. Alle singen und tanzen mit. Ein gut gewählter Song zum Einstieg. Alexx singt den ersten Song vom hinteren Bühnenpodest aus. Die Bühne ist mit zwei Podesten und einem höheren Drumpodest in der Mitte ausgestattet. Ein Steg geht nach vorne ins Publikum. Dort begibt sich Alexx nach dem ersten Song hin, um das Publikum zu begrüßen. Gekleidet ganz in schwarz, mit Sonnenbrille und Nietengürtel, macht er wie immer eine gute Figur.

Nach ein paar Worten an die Besucher und ein paar Witzen über seine Sehstärke, kündigt er den zweiten Song an und vertut sich auch prompt in der Setlist, nimmt dieses aber mit Humor. Weiter geht’s mit Songs wie „Prototyp“, „Leider“, „1.000 Narben“, „Himmel Arsch und Zwirn“ und damit begeistern Eisbrecher alle angereisten Fans. Bei „Amok“ werden von den marineähnlich-gekleideten Bühnenhelfern vier Eisentonnen auf die Bühne geholt, hinter denen alle Mitmusiker Platz nehmen um dann wie bei der „Blue Man Group“ zu trommeln, während Alexx singt. Pünktlich zu „Eiszeit“ beginnt von der Hallendecke Kunstschnee hinab zu rieseln und alle Bandmitglieder kommen in dicker Winterjacken gehüllt auf die Bühne. Respekt, denn in der Halle ist es zu dieser Zeit schon wie in einer Sauna.

Zwischen den Songs wird das Publikum mit Sprüchen, Witzen und Mitmachaktionen bei Laune gehalten. Um seinen Kollegen eine kleine Pause hinter der Bühne zu gönnen, stellt sich Alexx dann mit einer Akustikgitarre bewaffnet in die Bühnenmitte, um mit dem Publikum den „Biene Maja Song“ zu singen, bevor es dann mit „This is deutsch“ weitergeht. Bei „Miststück“ darf dann auch jeder, der das Glück hat in der ersten Reihe zu stehen, auch mal ins Mikro singen, da Alexx in den Graben gewechselt ist. Nach gut 90 Minuten ist dann auch schon wieder alles vorbei. Wenn man sich umschaut, sieht man  durchweg strahlende und glückliche Gesichter. Die Leinestadt hat an diesem Abend wieder einmal mehr bewiesen, dass Konzerte in Hannover auch für die Zuschauer als auch die Band zu einem großen Highlight werden können.

Danke: Katrin Truckenbrodt (Text)

So war das Summer Breeze 2018: Mittwoch + Donnerstag

Im letzten Jahr, zum 20. Jubiläum, gab es einige Änderungen auf dem Summer Breeze Open Air. Dieses Jahr stand ganz im Fokus diese Änderungen zu verbessern und die allgemeine Besuchererfahrung zu verbessern, ohne dabei die besonderen Merkmale des Festivals zu verlieren. So wurde der Zugang zur sich drehenden Hauptbühne von beiden Seite ermöglicht, sodass es dort weniger zu Stau kommt und beide Seiten gleichstark befüllt werden. Zudem wurden die Umbauzeiten leicht erhöht, was zu Folge hat, dass vor jeder Band der Bereich vor dem ersten Wellenbrecher komplett getauscht werden kann. Im Vorjahr war der Zugang nur von einer Seite möglich, sodass man oft nicht aus dem vorderen Bereich heraus kam, bevor die nächste Band zu spielen begann. Außerdem erscheint die Camel-Stage im neuen Glanz. Diese hat nun ein chices Dach bekommen und bietet damit einen guten Schutz vor Wind und Wetter und vor allem Sonne. Weiterhin spielt hier primär der Szene Nachwuchs und aufsteigende Bands, abwechselnd, ohne Zeitverzögerung mit der T-Stage.

Das Zirkuszelt wurde entfernt und durch die Ficken Party Stage ersetzt, welche sich mitten auf dem Campground befindet. Hier spielen nur wenige Bands, dafür findet hier jeden Abend eine Disco statt und es gibt keine Sicherheitskontrollen vor der Bühne, man kann also sein eigenes Bier mitbringen. Auf dem Infield gibt es auch ein paar Änderungen. Die Rolli-Bühne steht an einem zentraleren Ort und es gibt einige Toiletten mehr, um dem „Wildpinkeln“ an manchen Orten entgegenzuwirken. Lediglich die Anreise hat für viele Besucher für Frust gesorgt, da die Campingflächen in diesem Jahr von Hinten nach Vorne befüllt wurden, anstatt andersherum und sich eine verfrühte Anreise mit Extragebühr, damit nicht gelohnt hat um einen besonders guten Platz zu ergattern. Sonst bleibt alles beim Alten. Ein starkes Lineup, ein super Gelände, die Nuclear Blast Label Night am Mittwoch und die netteste Security, die man auf einem Festival finden kann.

Any Given Day

Bevor es richtig los geht, steht auf der Camel-Stage Blasmusik Illenschwang auf der Bühne und läutet wie gewohnt das Festival ein. Mit klassischer Blasmusik und bekannten Songs wie „Ihr Kinderlein kommet“ sorgen diese für mächtig Stimmung und stellen die Security auf die erste Probe was Crowdsurfer angeht. Obwohl Any Given Day die erste Metal Band auf dem Festival ist, ist das Infield schon gepackt voll. Abgesehen von der Merch-Schlange, in der man mehrere Stunden verweilen muss um sich eindecken zu können, haben sich auch sehr viele vor der Bühne versammelt. Und diese haben Lust zu feiern. Kaum ertönen die ersten Klänge durch die Boxen kann man schon Crowdsurfer beobachten. Aber auch sonst gibt es Pits wo das Auge reicht, obwohl die Sonne versucht dies zu verhindern. Zu „Home Is Where The Heart Is“ wird es erneut voll im Graben vor der Bühne. Ein Crowdsurfer nach dem anderen, sodass die Security leicht aus der Puste kommt, aber dies ist erst das Aufwärmprogramm, für das was noch kommt.

Night Flight Orchestra

Auf einer Soilwork Tour gegründet und mit Arch Enemy und Mean Streak Mitgliedern komplettiert, sind Night Flight Orchestra seit 2012 bzw. 2013 unterwegs, sofern es sich zwischen allen Touren der Bands eben machen lässt. Auf dem Sumerb Breeze finden dennoch alle Musiker zusammen, auch wenn sonst nur Arch Enemy auf der Running Order seinen Platz gefunden hat. Seit der Gründung kann die Band auf vier Alben zurückblicken, das letzte, „Sometimes the World Ain’t Enough“ sogar erst dieses Jahr. Vor der Bühne ist es weiterhin gut gefüllt und die Stimmung könnte nicht besser sein. In den Reihen lassen sich auch viele junge Gesichter erblicken, auch wenn die Musik bewusst eher auf die älteren Generationen zugeschnitten ist.

Farmer Boys

Lange war es ruhig um die Farmer Boys. Letztes Jahr dann die plötzliche Rückkehr der Band. Noch dieses Jahr, am 2. 11., erscheint das neue Album „Born Again“ nach immerhin 14 Jahren. Danach folgte die erste große Tour, bis dahin nur vereinzelte Konzerte. Entsprechend gefeiert wird die Rückkehr zum Summerbreeze. Viel Stimmung viele Crowdsurfer und vereinzelte Kinderwünsche erreichen die Bühne, auch wenn diese aus einer Männerkehle kommen. So soll ein Comeback doch sein, oder?

Kataklysm

Kataklysm stehen für soliden und brachialen Death Metal. So ist es nicht verwunderlich, dass es beim Auftritt der Kanadier im Sänger Maurizio vor der T-Stage recht kuschelig zugeht. Das Quartett muss das Publikum nicht anheizen, denn die Fans sind schon heiß genug, um die Mannen abzufeiern, die gewohnt routiniert ihre Songs zum Besten geben. Als Maurizio das Publikum zum Stresstest für die Grabenschlampen aufruft, gibt es kein Halten und man mag glauben, dass die Hälfte der Zuhörer dem Aufruf zum Crowdsufen gefolgt sind. Die starken Männer im Bühnengraben sind mehr als gefordert, können dieser Herausforderung jedoch standhalten und pflücken jeden Crowdsurfer sicher aus den Reihen! Jedoch haben sie sich ihre Pause nach der einstündigen Spielzeit der Kanadier redlich verdient.

Sepultura

Zur später Stunde zerlegen die Brasilianer von Sepultura, mit einem fetten Sound, die T-Stage. Die Band besteht inzwischen seit 35 Jahren und kann in der Zeit auf 14 Studioalben zurückblicken. Ihr Set besteht daher aus einer bunten Mischung dieser Zeit, ohne dabei großartig an Klassikern zu sparen. Belohnt wird die Band dabei mit ordentlich Stimmung, welche bei „Roots Bloody Roots“ ihren deutlichen Höhepunkt hat.

Paradise Lost

Nach den zwei Dampfhammern Kataklysm und Sepultura geht es nun bei Paradise Lost ein wenig klassischer zu. Nein, auf der Bühne wartet kein Orchester auf, aber die Briten um Nick Holmes brauchen kein großes Tamtam, schließlich gehören sie seit über einem Vierteljahrhundert zur Speerspitze der europäischen Metal-Elite. In dieser Zeit veröffentlichte die Band viele Alben die zur Grundausstattung der Plattensammlung eines jeden Metalhead gehört, änderte des Öfteren die Ausrichtung ihrer Musik und sind trotz allem beständig durch den Wandel der Szene gekommen. So kann man den Auftritt auf dem diesjährigen Summer Breeze als Querschnitt ihrer Schaffensphase sehen.

Info + Tickets Summer Breeze 2019

Summer Breeze 2019 / Summer Breeze Open Air 2019

Highlights beim Mera Luna 2018 am Sonntag

Den Klängen der vielen szene-typischen Bands lauschen und dazu zu tanzen, das sind natürlich zwei gute Gründe, weshalb 25.000 Festivalbesucher auch in diesem Jahr wieder zum Mera Luna 2018 gepilgert sind. Der Großteil jener kommt aber doch, um sich selbst zu inszenieren: Mittelalter-Fans, Fetish-Freunde, blutrünstige Vampire und Zombies, Gothic-Lifestyler und sonstige Kostümierte.

Nachdem der Samstag mit The Prodigy bereits den großen Headliner als musikalisches Highlight präsentiert hat, liefert der zweite Festivaltag zwar nicht mehr die gleiche Dimension, aber doch noch viele weitere Höhepunkte. Die erfolgreiche Neue Deutsche Härte-Band Eisbrecher führt das Line-up als Headliner an, hinzu kommen Künstler wie Lacrimas Profundere, Frozen Plasma, Aesthetic Perfection, Bannkreis, Hocico, Peter Heppner, L’Ame Immortelle, Saltatio Mortis und viele viele weitere.

Neben der musikalischen Seite bietet das Mera Luna 2018 auch wieder ein ganz besonderes Schmankerl. Schließlich reisen Fans der schwarzen Szene europaweit an, um sich einerseits selbst im extravaganten Outfit zu präsentieren, andererseits aber auch neue genretypische Modehighlights zu sehen und zu erwerben. Da kommt die heiße „Gothic Fashion Show“ ins Spiel. Verschiedene Labels zeigen dort ihre (Fetisch-)Mode aus Lack, Leder und Latex, Mieder oder mittelalterliche Kleider natürlich an wunderschönen Körpern.

Bannkreis

Im Jahr 2012 haben sich zwei außergewöhnliche und sehr unterschiedliche Musiker kennengelernt. Eric Fish, ein durch tausende Konzerte bühnenerprobtes Urgestein der deutschen Rockszene und Johanna Krins, eine junge Sängerin und Multiinstrumentalistin. Schnell haben sie festgestellt, was sie miteinander verbindet: Die Liebe zu handgemachter Musik mit Folk- Einflüssen und der Mut zu tief empfundenen Emotionen. Auch wenn es auf dem Flughafengelände noch nicht so voll ist, wer jetzt vor der Bühne steht weiß, dass ihn ein zauberhaftes musikalisches Liveset erwartet. Der Zusammenklang ihrer beiden Stimmen erzeugt eine einzigartige Atmosphäre und verleiht gegenseitig Ausdruck. Dazu stimmen die Musiker- und mittlerweile Bandkollegen von Subway To Sally, Ingo Hampf, Bodenski und Simon Michael Schmitt instrumental mit ein. Bannkreis vereinen die Emotionalität großer Balladen, die Melancholie des Irish Folk und die fast in Vergessenheit geratene Kunst der Lyrik gepaart mit der puren Energie des Rock und mitreißender klassischer Musik.

Lacrimas profundere

Die fünfköpfige Band aus Oberbayern ist bekannt für eingängigen Gothic-Rock, der aus verschiedenen Einflüssen und dazu düsteren und dennoch dreckigen Melodien besteht. Harte Songs wabern zwischen Melancholie, Hoffnung, Wut und Aggression, also alles mitten aus dem Leben. Pathos, tiefgreifende Lyrik und ein Hauch Morbidität auf der einen, aber auch schnelles Tempo und Lust an der Musik auf der anderen Seite, dahinter stecken Lacrimas Profundere. Ihre Musik ist ein willkommener Mix für all die Besucher, die bedingungslos tanzen wollen, ohne dabei auf Gitarrensound zu verzichten.

FROZEN PLASMA

Frozen Plasma sind mit einer frischen Setlist beim Mera Luna 2018 und führen mit ihren anschließenden Songs wie einem roten Faden durch ein angenehm melodischen Klangteppich. Bevor Monotonie aufkommt, stimmen sie ihre Tanzhits an, es kommt Bewegung in die Zuschauer. Was Tastenmann Vasi anfasst wird zu Gold – der Typ hat es am Keyboard einfach unfassbar drauf und vor allem ist er in völliger Ekstase auch mal oben drauf. Ihre neue Single „Safe death Harm“ geht live besonders gut in den Gehörgang, der Partyknaller „Tanz die Revolution“ wird begeistert vom Publikum gefeiert und mit der Coverversion von „Living in Video“ wird frenetisch weiter abgefeiert. Frozen Plasma gönnen ihrem Publikum keine Verschnaufpausen. Zu „Tanz Die Revolution“ werden alle Energiereserven mobilisiert und zu „Murderous Trap“ gefordert.

L’âme Immortelle

Zwei Jahre nach dem letzten Album-Erfolg mit „Drahtseilakt“ (VÖ 2014 – sowie dem folgenden Jubiläumsalbum zum 20 in 2016) knüpfen L’Âme Immortelle mit ihrem neuen Werk „Hinter dem Horizont“ genau dort wieder an. Das Duo, bestehend aus Thomas Rainer und Sonja Kraushofer, ist schon seit Jahren weit über die schwarzen Szene hinaus beliebt. Die Kombination der beiden herausragenden Stimmen zieht die Hörerschaft einfach in den Bann. Bei Thomas dringt die Black-Metal-Vergangeheit in seinem harschen Gesang hindurch, wohin gegen ein jeder von der engelsgleichen, perfekt ausgebildeten Stimme von Sonja verzaubert wird.

Aesthetic Perfection

Dass Aesthetic Perfection mit einer großen Fanbase aufwarten, macht sich vor der Bühne gut bemerkbar. Kaum erklingt der erste Ton, beginnt das Publikum zu jubeln. Frontmann Daniel Graves entert adrett gekleidet mit Hut und Glitzerblazer die Bühne und erinnert ein wenig an Boy George. Nur attraktiver und jünger. Zu Beginn wird der Clubhit „Antibody“ gespielt und bringt die ersten Reihen zum Springen. Der agile Frontmann fühlt sich offensichtlich wohl im Rampenlicht und posiert souverän für die vielen Handykameras. Während Graves die Bühne als persönlichen Laufsteg nutzt, bleibt auch Keyboarder Elliot Berlin nicht regungslos, er nutzt seine Instrumente immer wieder als Klettergerüst. Der Auftritt von Aesthetic Perfection entwickelt sich schnell zum Massen-Workout, flinke Tracks oder auch Mid-Tempo-Songs wie „Big Bad Wolf“ werden auf und vor der Bühne gefeiert.

Peter HepPner

Auch bekannt durch den Elektro-Pop- und Dark-Wave-Act Wolfsheim, hat der Hamburger Peter Heppner alles im Musikbusiness erreicht, was man sich wünscht. Bis heute sind Hit-Singles präsent im Radio, viele namhafte Auszeichnungen hat Heppner ebenfalls eingesammelt. Doch auch jenseits des Maßstäbe setzenden Duos ist Heppner Dauergast in den Charts. Auf einige beeindruckende Kollaborationen mit den unterschiedlichsten Kollegen blickt er zurück, wie z. B. mit „„Die Flut““ an der Seite von Joachim Witt. Auch Erfolge mit Schiller und Van Dyk reihen sich bei Heppner ein. Die Notwendigkeit des kompletten Alleingangs hat es früher nicht gegeben, wobei sich in ihm aber immer mehr der Wunsch regte, auch mal ein künstlerisches Musikprojekt völlig alleine durchzuziehen. Mit intelligentem, emotionalen Elektro-Songwriter-Pop ist Peter Heppner nun sein eigener Herr – tiefe, persönliche Texte interpretiert von einer unvergleichbaren Ausnahmestimme. Live funktioniert das natürlich genauso gut, wie auf einem Longplayer – vor allem wenn dazu auch noch ein ganz besonderer Gast kommt: Joachim Witt. Gemeinsam performen die beiden einige ihrer großen Hits, aber auch einen ganz neuen Song. Hach, es ist fast als wären Wolfsheim wieder vereint.

Saltatio Mortis

2015 ist für die Mittelalter-Rock-Band Saltatio Mortis z. B. ein Mega-Jahr gewesen. Da haben die acht Musiker ihr 15-jähriges Bandjubiläum gefeiert, dazu haben sie auch ihr zehntes Studioalbum Album „Zirkus Zeitgeist“veröffentlicht. Auf dem Mera Luna sind sie im selben Jahr auch gewesen. Zwei Jahre später sind Frontmann Alea der Bescheidene und seine Mannen erneut zu Gast und haben, wie sollte es auch anders sein, wieder neues Material mit im Gepäck. In den Startlöchern steht das Album „Brot und Spiele“ (VÖ 15. August 2018). Die Musik von Saltatio Mortis ist geprägt von mittelalterlichem Charme, untermalt von Instrumenten wie Dudelsack, Schalmaien oder Harfe. Rockig aber auch romantisch-emotional kommen sie daher, überwiegend mit modernen teils auch sozialkritischen Themen. Die Band hinterlässt Eindruck, es wird gewirbelt und getanzt auf der Bühne und die Musiker zeigen sich als prima Entertainer.

Front 242

Die Elektro-Band Front 242 sind eine der Urgesteine der EBM-Szene. Sie präsentieren unverblümt den alten Stil der 90er Jahre und kramen dafür einen Klassiker nach dem anderen aus der Vergangenheit. Fans der ersten Stunde kommen voll auf ihre Kosten und trotz ihres stolzen Alters von über 37 Jahren Bandgeschichte brauchen sich Front 242 nicht hinter ihren jüngeren Kollegen zu verstecken. Auf der Bühne sprudeln sie nur so vor Energie, die die Massen ansteckt, so wie es nur wenige Bands können. Mit „Welcome to Paradise“ beenden Front 242 ihr Liveset.

Hocico

Es gibt wenige Gruppen, die ein Genre so nachhaltig geprägt haben, wie das Duo Erk Aicrag und Racso Agroyam, besser bekannt als Hocico. Kein Wunder also, dass der späte Prime Time-Slot vor Eisbrecher ihnen gebührt. Mit einem Faustschlag in die Magengrube geht es bei dem mexikanischen Duo los – ihrer einzigartige Kombination aus heftigem Beatgewitter, atmosphärischem Sounddesigns, schrägen Experimenten und ultra-aggressiven Shouts zucken einem direkt durch den Leib. So haben sie auch den Hard-Electro-Olymp erklommen: Quasi im Alleingang haben sie dafür gesorgt, dass plötzlich eine ganze Szene das Land Mexiko auch mal musikalisch auf dem Schirm hatte. Die Setlist bietet alles, was man als Fan oder Neuling an Hits, Favoriten und Raritäten aus mehr als 20 Jahren Bandgeschichte hören will.

Eisbrecher

Der Headliner des zweiten Abends bewegt sich schon seit Jahren mit an der Spitze der Neuen Deutschen Härte. Es ist immer wieder eine Freude die Band live zu sehen. Zuletzt sind Alexx Wesselsky und Co. gerade einmal vor drei Jahren zu Gast auf dem Flughafen Nordholz gewesen. Auch heute gibt es eine Show, wie man sie von Eisbrecher gewohnt ist, dabei wird ein Toptitel nach dem anderen raus gehämmert. Zum Song „Eiszeit“ gibt es dann thematisch noch Kunstschnee, der die Band und das Bühnenbild regelrecht einschneien.

Infos + Tickets Mera Luna 2019

Mera Luna 1019 / Mera Luna Festival 2019 / Mera 19

So war das Deichbrand Festival 2018 am Sonntag

Das Wetter hat sich mittlerweile an allen drei Tagen bestens gehalten. Das ist in diesem und den letzten Jahren bei vielen Festivals leider nicht immer der Fall gewesen. Im letzten Jahr hat auch das Deichbrand ein wenig was abbekommen, zur Wiedergutmachung also dieses Mal traumhaftes, wenn auch durch Trockenheit etwas verstaubtes Festival-Sommerwetter. Nun ist der dritte und damit letzte Festivaltag schon wieder da, die 14. Runde vom Deichbrand Festival neigt sich dem Ende. Schade. An der Musikfront geht es heute mit Bands der Extraklasse weiter. In den Startlöchern sind Alligatoah mit Akustik-Set und bestuhltem Infield, gefolgt von Eisbrecher, Itchy, Gurr, Milky Chance, Fünf Sterne Deluxe, Bosse, SDP und viele weitere. Und niemand geringer als eine echte deutsche Punkrock-Legende besetzt die Position des dritten Headliners für das Deichbrand 2018 am Sonntag: Die Toten Hosen!  Im kommenden Jahr steht übrigens schon der neue Termin fest, vom 18. bis 21. Juli geht das Deichbrand Festival 2019 in Runde 15.

Alligatoah

Im vergangenen Jahr gemeinsam mit Trailerpark auf der Deichbrand-Bühne, davor ist Alligatoah zuletzt in 2016 und vor allem zum ersten Mal im Jahr 2014 noch im kleinen Rahmen und mittags im Palastzelt gewesen. Doch bereits in 2016 hat das Palastzelt damit gedroht, aus allen Nähten zu platzen. Warum? Der Deutsch-Rapper, Sänger, DJ und Produzent ist nicht nur eng mit der Region verbunden, schließlich ist er im nahegelegenen Neuenwalde bei Bremerhaven aufgewachsen – nein, Herr Strobel hat es verstanden, die Menschen mit seiner Musik und seinen Texten gnadenlos zu unterhalten. Früher noch mit Kollege BattleBoi Basti allein auf der Bühne, danach mit Backing-Band, seinem Himmelfahrtskommando – begeisterte der junge Mann mit Schnauzer vor allem durch seine wunderbaren Geschichten, die er in der Musik perfekt verpackt hat. Heute wird gerappt, gesungen, geblödelt und geschickt Kritik an der Gesellschaft geübt – das alles mit erstaunlich viel Niveau. Wie man dem Ganzen das Sahnehäubchen aufsetzt? In dem Alligatoah zur Mittagsstunde mit einem frischen Akustik-Set daherkommt. Herr Gator schafft es wie kein anderer, die Massen zu so früher Stunde auf dem Field zu versammeln um einen gemeinsamen, großen Chor anzustimmen.

itchy

In jungen Jahren bereits als Schülerband aktiv, sind damals noch Songs von Metallica und Green Day gecovert wurden, bevor Itchy (ehemals Itchy Poopzkid) es inzwischen auf eine beachtliche 18-jährige Musikkarriere gebracht haben. Wenn gleich in all den Jahren ein paar Mitglieder-Wechsel stattgefunden haben, so sind die Punkrocker in der heutigen Dreier-Besetzung glücklich und vor allem erfolgreich. In der Punkrock-Band aus dem schönen Schwabenländle hat jedes Mitglied mehrere Aufgaben: Frontmann Sibbi (Sebastian Hafner) und Kollege Panzer (Daniel Friedl) spielen beide Gitarre und Bass und geben abwechselnd den Sänger. Max (Max Zimmer) ist ebenfalls für den Gesang zuständig, ist aber auch ein Ass an den Drums. Musikalisch bietet das Liveset von Itchy einfach alles, was ein Punker-Herz höher schlagen lässt. Hau-Drauf-Krach, knackige Texte zum Mitgröhlen und Melodien sowie Sounds, zu denen man feiern und abrocken kann. Da Sibbi heute mit STimmproblemen zu kämpfen hat, bekommt die Band netterweise von Sängerkollege Darius – dem Frontmann von Smile and Burn die schon am Samstag aufgetreten sind … gesangliche Unterstützung.

eisbrecher

Noch verdeckt ein Banner die Bühne, aber schnell fällt es herab und da stehen sie: Eisbrecher. Die Band bewegt sich schon seit Jahren mit an der Spitze der Neuen Deutschen Härte. Zum Glück spiegelt das Deichbrand Line-up sowie das Publikum einen bunten Musikgeschmack wieder, entsprechend viele Leute haben sich bereits am frühen Nachmittag vor der Fire Stage versammelt. Es ist immer wieder eine Freude die Band live zu sehen. Zuletzt sind Alexx Wesselsky und Co. gerade einmal vor drei Jahren zu Gast auf dem Flughafen Nordholz gewesen. Auch heute gibt es eine Show, wie man sie von Eisbrecher gewohnt ist, dabei wird ein Toptitel nach dem anderen raus gehämmert. Zum Song „Eiszeit“ gibt es dann thematisch noch Kunstschnee, der die Band und das Bühnenbild regelrecht einschneien.

Heisskalt

Seit Mai ist das aktuelle Album „Idylle“ von Heisskalt zu haben, danach ein paar Clubshows und direkt jetzt sind die Jungs in den Festivalsommer gestartet. Ihre neue Dreier-Konstellation ist erproben und für gut befunden. Mathias Bloech und seine Bandkollegen sind bestens aufgelegt, das Publikum davor zeigt sich textsicher und gut gelaunt. Egal ob alte, neue Songs, zu viert oder nur zu dritt, Heisskalt funktionieren und der Funke springt über. Die Setlist ballert und besänftigt an der richtigen Stelle. Die beiden Saitenspieler tauschen die Instrumente bei jedem Song, mal spielen beide Gitarre, beide Bass oder eben der eine Gitarre und der andere den Bass. Das Konzept ist ziemlich interessant und sorgt für eine gesunde Abwechslung.

Damit aber nicht genug, für den frühen abend haben sich Heisskalt bereit erklärt, am Deichbrand Merch-Stand ein Mini-Konzert zugeben. Entsprechend voll ist es vor dem Stand. Matthias und Kollegen sind locker im Gespräch mit dem ein oder anderen Fan, geben Autogramme und sind total locker drauf. Auf die Frage eines Fans, wann denn das Konzert losginge, ist Bloech überrascht, die Band wusste gar nichts „von einem Konzert“. Also kurzerhand improvisiert, per Laptop die Beats angeworfen und Mathias legt los. Absolut in seinem Element. Für eine kleine Stand-up Improvisation ist der sympathische Frontsänger sofort zu haben. Völlig unvorbereitet und ohne Text stellt er sein Können auch ohne Bandkollegen unter Beweis, was die Fanmenge total begeistert.

fünf sterne deluxe

 Noch eine deutsche Band, die gerne in Cuxhaven zu Gast ist und zuletzt in 2016 auf der Bühne gestanden hat. Die Hamburger Hip-Hop-Kombo besteht aus „Das Bo” und „Tobi Tobsen” (auch aktiv mit seinem DJ-Duo Moonbootica) sowie dem Designer „Marcnesium” (agiert im Hintergrund) und „DJ Coolman”. Mit der Veröffentlichung ihres ersten Album „Sillium” haben die Genre-Veteranen 1998 erste Erfolge gefeiert. 20 Jahre später ist alles noch wie früher. Die beiden Frontmänner (etwas gealtert) rappen durch ihre Klassiker, allesamt unterhaltsame Songs die man natürlich kennt. Ob „Die Leude” oder „Deine Mudder”, im Publikum zeigen sich zufriedene Gesichter. Das Bo und Tobi bieten ein witziges Schauspiel, ansonsten ist aber ruhiger auf der Bühne, DJ Coolman bewegt im Hintergrund die Turntables. Mit dem Mega-Ohrwurm „Wir brauchen Bass” hauen Fünf Sterne Deluxe dann aber nochmal ein Highlight raus, bei dem wirklich jeder mitgröhlen kann und auch jede Hüfte mitschwingt.

So war das Rockharz Open Air 2018 am Freitag

Die Wettergötter meinen es am Freitag gut und lassen uns so lange wir wollen im Zelt schlafen, denn wirklich warm ist es nicht. Im Gegensatz zum Vortag steht daher eine lange Hose auf der Tagesordnung. Aber auch wenn einen statt der Sonne der Kater geweckt hat, das Rockharz hat zur frühen Festival-Morgenstunde etwas im Angebot: Entspannten Rock‘n‘Roll von I’ll Be Damned auf der Bühne. Dunkler wird es danach mit Aeverium, die sich in der schwarzen Szene bereits einen Namen gemacht haben. Hier hat die Band noch ein paar Probleme das Publikum mit zu reißen, aber das liegt natürlich noch am Halbschlaf einiger Zuschauer. Weiter geht es mit… Satire-Metal? Nanowar of Steel, deren Name alleine an zwei Bands angelehnt ist, haben es sich zur Aufgabe gemacht, Power-Metal zu spielen und dabei True-Metal auf den Arm zu nehmen. Dies gelingt ihnen sehr gut und so werden sie von vornherein schon mit einem üppigen Publikum belohnt.

obscurity

Obscurity gehören zu den ersten deutschen Bands im Death- und Black-Metal Bereich. Aber auch nach 21 Jahren ist die Band noch nicht veraltet: Letztes Jahr erschien erst das jüngste Album „Streitmacht“ und live können sie auch noch überzeugen. Für den frühen Nachmittag haben Obscurity einige Leute vor die Bühne gezogen und rütteln auch den letzten noch verschlafenen ordentlich durch.

Annisokay, The Other & Evergrey

Weiter geht’s mit Metalcore von Annisokay. Hier ist die erste richtige Bewegung im Publikum in Form eines Circle Pits zu beobachten. Dieses hat dabei sichtlich Spaß und auch auf der Bühne geht die Post ab. Am Ende lässt es sich Sänger Dave nicht nehmen nochmal selbst in das Publikum zu springen. Mit The Other wird danach eine ganz andere Richtung eingeschlagen. Die wohl bekannteste Horrorpunk-Band in Europa kann nicht nur mit skurrilen Kostümen punkten, sondern auch mit guter Musik, die es so nicht oft auf dem Rockharz zu hören gibt. Während es vor der Bühne langsam voller wird, kommen Evergrey auf die Bühne. Die Schweden spielen Progressive-Metal und können das Publikum damit überzeugen. Langsam erreicht die Stimmung ein Level, bei dem schon einiges passieren muss, damit diese wieder einbricht.

crematory

Jetzt wird es wieder dunkel auf der Bühne. Die Gothic-Metaller von Crematory beginnen ihr Live-Set. Mit im Gepäck: Das neue Album „Oblivion“ (VÖ: April 2018). Bei ihrem Auftritt spielen sie aus diesem jedoch nur zwei Songs und legen ihren Fokus eher auf die früheren Songs der inzwischen 27 jährigen Bandgeschichte. Die Fans scheint das jedoch weniger zu stören und so wird ausgiebig gefeiert, naja, zumindest so, wie es in der Gothic-Szene üblich ist.

amaranthe

Wenn die Anzahl der Sänger auf der Bühne plötzlich steil nach oben geht, kommen nicht viele Bands ins Frage. Amaranthe hat stets drei ausschließliche Sänger dabei, was die Band schonmal außergewöhnlich macht, zumindest im Metal. Das bedeutet nicht nur viel Stimmvielfalt, sondern auch viel Potenzial das Publikum zu animieren. Dies klappt ohne Probleme und so springt die Band von einem Song zum nächsten, ohne dazwischen an Zeit zu verlieren. Da kann man wirklich ein großes Lob für den ersten Auftritt der schwedisch-dänischen-Band auf dem Rockharz 2018 aussprechen.

battle Beast

Für Fans von Battle Beast beginnt der Auftritt mit einer guten Nachricht: Aufgrund einer Flugverspätung von Ensiferum verlängert sich die Spielzeit der Band um 15 Minuten. Dies gilt auch für Finntroll, die im Anschluss spielen. Für Ensiferum-Fans ist das wiederum natürlich schade, denn die Band spielt jetzt einige Stunden später und muss ihr Set kürzen. Aber immernoch besser, als würden sie gar nicht auftreten. Battle Beast haben bei ihrem letzten Auftritt in Ballenstedt den Tag eröffnet, heute stehen sie am späten Nachmittag auf der Bühne. Diese Änderung sieht man gerne, denn Battle Beast steht für eine gewaltige Stimme. Und das wissen auch die Leute auf dem Gelände. Es ist reichlich voll als die Finnen die Bühne betreten. Und auch die Sonne lässt sich mal wieder blicken. Die Band spielt einen guten Song nach dem anderen und die Menge feiert. Kann man da noch groß was hinzufügen? Ein großartiger Auftritt, wie man ihn von Battle Beast gewohnt ist.

Finntroll

Finntroll sagen mit ihrem Namen schon einiges aus; Finn für Finnland und Troll für, naja… Bildlich wird das zwar nicht unterstrichen, aber in ihren Texten ist dies das Hauptthema, was sie extra auf schwedisch schreiben, um noch „trolliger“ zu klingen. Klingt komisch, aber funktioniert. Sehr gut sogar. Da stört es auch nicht, dass das letzte Album der Band vor 5 Jahren erschienen ist. Live macht die Band ordentlich Stimmung und das ist alles, was gerade zählt. Etwas Erholung gibt es im Anschluss in Form einer 30-minütigen Bierpause durch die Verspätung von Ensiferum.

So war das Nova Rock 2018 am Freitag

Trocken und so ganz ohne Regen ging es am Freitag bei strahlendem Sonnenschein weiter. Die Sonne knallte bereits morgens so schon sehr, dass einige der Matschstellen direkt vertrockneten. So konnte man gut gelaunt in den zweiten Festivaltag starten, der wieder voll gepackt mit großartigen Bands war. Den Auftakt machte die finnische Powermetal-Band „Beast in Black“ auf der Blue Stage und parallel auf der Red Stage gab’s ein bisschen Glamrock von „The Struts“ auf die Ohren. Bereits mit der zweiten Band auf der Blue Stage wurde es chartverdächtig, als „Nothing But Thieves“ einige ihrer bekanntesten Lieder zum besten gaben. Fast zeitgleich feierten die Besucher die einheimische, österreichische Rockband Krautschädl aus Wels. Krautschädl spielen Alternative Rock mit einschlägigen Einflüssen aus dem Ska, Punk und Metal-Bereich. Und natürlich werden die Texte im oberösterreichischen Dialekt gesungen. Weiter ging es mit Eisbrecher, einer deutschen Rockband gegründet von Frontmann Alexander Wesselsky, auch bekannt als „Alex“ und ebenfalls Gründer der Band Megaherz. Zwischen den Songs huldigte er den vorangegangen „Nothing But Thieves“ und beteuerte nun Fan zu sein. Mit knalligem Politikpunk aus Pittsburgh, USA ging es auf der Red Stage mit Anti-Flag weiter.

Gewohnt aktienreich auf der Bühne wurde viel gerannt und gesprungen. Und das Publikum tat es ihnen gleich. Etwas entspannter wurde es mit der US-amerikanischen Ska-Punk Band „Mad Caddies“. Für die einen eine Band zum durchatmen, für die anderen die perfekte Aufforderung zum ausgelassenen tanzen. Auf dem Nova Rock ist eben für jeden etwas dabei. Mit feinstem Metal ebenfalls aus Amerika wurde die andere Hälfte der Besucher auf der Blue Stage von „Life of Agony“ versorgt. Passend zur Haarfarbe der charismatischen Frontfrau Alissa White-Gluz spielten „Arch Enemy“ ebenfalls auf der Blue Stage. Wie gewohnt wurde es zu Arch Enemy wieder etwas voller als sonst. Jeder will sie sehen, diese Powerfrau, die den gutturalen Gesang so gut beherrscht, dass einige Männer dagegen ziemlich blass vor Neid werden. Doch wer dieser Frau hinterher schmachtet, hat schlechte Karten, denn die gut aussehende Kanadierin ist mit dem bekannten Gitarristen Doyle Wolfgang von Frankenstein – Gitarrist von Misfits – zusammen. Komplettes Kontrast-Programm spielten auf der Red Stage „OK Kid“, eine deutsche Pop-Band, die 2006 von Jonas Schubert gegründet wurde. Quasi im Ping-Pong-Wechsel spielten die nächsten 6 Bands auf den beiden Hauptbühnen. Darunter auch Jonathan Davis, Frontmann und Sänger der Nu-Metal-Band Korn, der aktuell Solo unterwegs ist. Alte bekannte ließen sich auf der Red Stage blicken. Die 1980 gegründete Punk-Rock-Band Bad Religion aus L.A. ließ es trotz höherem alter ordentlich krachen. Mit sagenhaften 16 Studioalben habe sie auch mehr als genug Material für ein ordentliches Set.

Nach den alten Herren wurde es mit dem deutschen Reggae-Sänger „Gentleman“ ziemlich groovig. Völlig entspannt und mit Joint in der Hand betritt der Osnabrücker die Bühne und performt gemeinsam mit zwei hübschen Damen einen Song nach dem anderen. Wem das zu viel entspannte, groovige Musik ist, der ist bei „Rise Against“ auf der Blue Stage definitiv besser aufgehoben. Und hier ging es ordentlich rund – kennt man aber auch nicht anders bei den Punk/Hardcore Jungs aus Chicago. Damit war der Tag auch schon fast wieder vorbei. Nach sagenhaften 14 Bands ging es in den Endspurt mit den zwei Headlinern „Avenged Sevenfold“ und „The Prodigy“. Zwei völlig unterschiedliche Musikrichtungen, die die Entscheidung für eine Bühne den Besuchern wohlmöglich deutlich erleichterten. Doch auf beiden Bühnen wurde ordentlich aufgetischt. „The Prodigy“ begeisterten mit eine gigantischen Lichtshow, während „Avenged Sevenfold“ auf eine gute Portion Feuer und Flammen setzte und ihr Konzert mit einem fulminanten Feuerwerk beendeten. Wer es bis hier her geschafft hatte, war entweder todmüde und glücklich oder aber bereit für Late Night Act „Otto und die Friesenjungs“. Kurz vor seinem Auftritt gab es noch ein schönes Feuerwerk. Der deutsche Komiker, Musiker und Schauspiel zog noch so einige Zuschauer an, teilweise mehr Zuschauer als manche Band an diesem zweiten Tag. Und auch die Textsicherheit war verblüffend gut. Es wurde mitgesungen, mitgesprochen und viel gelacht und auch Otto hatte sichtlich Spaß an seinem Auftritt. Ein wirklich gelungener Late Night Act im Vergleich zu David Hasselhoff im vergangenen Jahr.

Nova Rock 2019 Infos + Tickets

Nova Rock 2019 / Nova Rock Festival 2019

XIII. Amphi Festival 2017 – So war der Sonntag

Der Sonntag beginnt mit einem kurzen Abstecher zur Orbit-Stage. Die große Entfernung zum Tanzbrunnen – auf Grund des Wasserspiegels auf der Altstadt-Seite des Rheins und nicht direkt davor am Kennedy Ufer – ist trotz Schuttle-Bus schon etwas abschreckend, aber sowohl die entspannte Atmosphäre als auch das gute Catering bei gleichzeitigem Genuss von We are Temporary können absolut überzeugen.

Wir sind durch unseren Abstecher zur Orbit-Stage heute etwas spät am Tanzbrunnen, so dass wir erst gegen 14:30 Uhr dort eintrudeln nachdem das Programm schon in vollem Gange ist. Schade eigentlich, denn Stahlmann hätte ich gerne gesehen. Allerdings wollten wir natürlich auch mal die dritte Bühne gesehen haben um euch berichten zu können, wie es ist. Fazit: Lohnt sich! Vielleicht gibt es nächstes Jahr eine nähere Möglichkeit?

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XIV. Amphi Festival 2018 Tickets + Infos:Amphi Festival 2018 / XIV Amphi Festival

Das Ich

Auf der Main-Stage erwartet uns Das Ich. Spontanes Vergessen der Setlist im Backstagebereich führt zu einer improvisierten und vom Publikum inspirierten Setlist. Was natürlich dabei nicht fehlen darf – nach breiter Meinung des Publikums – ist „Gottes Tod“ und „Destilat“. Neben philosophischen Texten die es aufs Ohr gibt, ist auch für die Optik gesorgt: auf der Bühne gibt es bewegliche Elemente, phantasievolle Bühnenoutfits und ein regelrechtes „Grimassenkino“ .

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Hocico

Schon ist es Zeit für Hocico um die Main-Stage unsicher zu machen. Die Sonne macht sich am heuten Sonntag schon rar, stattdessen gibt es eine steife Brise. Vereinzelte Tropfen von oben kündigen den ersten Schauer des Tages an und es wird eng unter den Pilzen vor der Main-Stage. Die Fotografen der zweiten Gruppe werden ganz schön nass, unterstellen hilft nicht, denn es regnet gefühlt waagerecht. Zu „Bite me!“ verabschiedet sich der Schauer dann auch schon und zu den hartgesottenen Tänzern außen um die Pilze herum gesellen sich nun auch die wasserscheuen Besucher. Der fröhliche Mexikaner, Erk Aicrag lässt sich von all dem nicht beirren und springt herum wie ein Mitglied der Gummibärenbande.

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chombichrist

Nach einer kurzen Verschnaufs-Pause geht es weiter mit Combichrist. Selbst ohne Sonnenschein brennt hier die Luft bei „What the Fuck Is Wrong With You“. Weiter geht es dann mit „Skullcrusher“ und „Blut Royal“. Die Menge tanzt und feiert mit was das Zeug hält. Gut das das Wetter weiter kühl bleibt. Mehr Energie um bei Hits wie „My Life My Rules“. „Get your Body beat“ Vollgas zu geben. Den Abschluss gibt Combichrist mit „Maggots at the party“ und „Send to Destroy“. Live knallen die Songs gleich doppelt so krass wie auf Platte, Andy und Co. schaffen es aber auch jedes Mal von der ersten bis zur letzten Sekunde voll aufs Gaspedal zu drücken und auch die letzten Energiereserven der partyhungrigen Menge anzuzapfen.

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APOPTYGMA BERSERK

Als vorletzter Act der Main-Stage des beim Amphi Festival 2017 steht Apoptygma Berserk auf der Bühne. Loslegen die Norweger mit „In this Together“ und „Starsign“. Ohne Unterlass wird hier zu Titeln wie „Shadow“, „Awaken asleep“ und „Deep Red“ getanzt. Für mich war es das geilste Set überhaupt, allerdings merkte man der Menge langsam an, dass die Energie ausgeht – die eisernen Reserven wurden noch gespart für den darauffolgenden Headliner. Das hält aber niemanden davon ab, beim Cover des Klassikers „Major Tom“ von Peter Schilling lautstark mitzusingen.

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eisbrecher

Dann neigt sich das diesjährige Amphi auch schon dem Ende. Als Hauptact des Abends und damit letzte Band des XIII. Amphi Festivals beehrt uns Eisbrecher. Alexx Wesselsky ist es offenbar zu kalt in Deutschland und er lässt sich deswegen einen Vollbart stehen. Losgelegt von der ersten Sekunde an mit „Verrückt“. „Ich habe ja nicht viele Bands auf diesem Festival gesehen, aber Combichrist und Apoptygma Berserk waren schon ziemlich geil – da müssen wir mit Halten“ tönt Wesselsky von der Bühne und das Niveau wird auch gehalten. Es wird ein Toptitel nach dem anderen raus gehämmert: „Willkommen im Nichts“. Dann eine kurze Unterbrechung. Eisbrecher stoppen die Musik. Es ist Zeit für alle diejenigen die mit Handy einen Schnappschuss wollen zu posieren. Danach wandern die Handys wieder in die Tasche damit jeder die Musik genießen kann. Einen großen Dank spricht Alexx auch aus, an all die professionellen Fotografen, deren Arbeit so wenig geschätzt wird, obwohl sie so wichtig ist. Danach geht es aber wieder weiter mit „Augen unter null“, „Fehler machen Leute“ und „Leider“. Neue Single „Was ist hier los?“ darf natürlich auch nicht fehlen. Aktuell ist diese noch nur auf Eisbrecher Homepage zu erwerben.

Weiter geht es danach mit „Prototyp“ und „Himmel, Arsch & Zwirn“. Aber was ist denn hier los? Auf einmal fängt Alexx an zu rappen?  „So oder so“ geht es weiter durch die Bandgeschichte mit „Eiszeit“, „1000 Narben“ und „Miststück“. Zum großen Finale gibt es „This is Deutsch“ angestimmt mit der Mundharmonika. Damit beenden Eisbrecher das Amphi Festival 2017. Für einige geht der Abend jetzt noch weiter bei der Aftershow-Party im Theater. Doch die meisten machen sich nun auf den Heimweg. Der Alltag wartet leider bereits nach diesen zwei großartigen Festivaltagen.

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Summer Breeze 2016 – Tag 2: Das ging ab am Freitag

Nach erfolgreich überstandener Nacht und viel zu wenig Schlaf machen Versengold den Auftakt des Tages auf der Main-Stage. Die gute Stimmung legt einen guten Grundstein für den Rest des Tages.

Bildergalerie: So war VERSENGOLD live

„Eine kleine Tragödie“ ereignet sich derweil auf der Pain-Stage. Der Heilige Gral wurde von Dr. Skull gestohlen! Glücklicherweise sind die Grailknights da, um ihn wieder zu erlangen. Mit heldenhaftem Auftreten und glorreichem Powermetal können sie den heiligen Gral retten. Und für die Leute, die zu dieser Zeit noch nicht ganz fit waren oder diejenigen, die auch so heldenhaft werden wollen wie die fünf Hannoveraner, gibt es eine Lehrstunde in Sachen „Heldengymnastik“.

Bildergalerie: So war GRAILKNIGHTS live

Feuerschwanz präsentieren auf der Main-Stage ihr neues Album und geben richtig Vollgas um der Vorfreude die ihnen entgegenschallt gerecht zu werden. Den Start des Tages im Pogen legen danach Deadlock auf der Pain-Stage. Auch wenn die Band bereits viele Musikerwechsel hinter sich hat, stehen sie routiniert auf der Bühne. Der letzte Wechsel der Clean-Sängerin zu Margie Gerlitz hat der Band keinesfalls geschadet. Sie ist erst seit diesem Jahr Teil der Band, aber man merkt ihr keinerlei Bühnenangst an und so wurde bei der ein oder anderen Wall Of Death oder den unzähligen Circlepits die letzte Müdigkeit vom Vortag aus den Knochen geschüttelt.

Bildergalerie: So war FEUERSCHWANZ live

Bildergalerie: So war DEADLOCK live

Danach geht’s direkt wieder rüber zur Main-Stage. Die Bengel von Kärbholz reißen einen dort mit, ansteckende Freude, knackige Beats. Authentizität bis auf die Knochen, Fokus auf die Fans. Sänger Torben Höffgen plaudert mit den zahlreich Anwesenden als wären sie alte Freunde. Er erzählt mit sichtbarem Stolz und Ergriffenheit, dass der Band als einzige Deutschsprachige die Ehre zu Teil wird, einen Song zu einem in Kürze erscheinenden Tribute-Album anlässlich Lemmy’s Tods beisteuern zu dürfen. Darauf erst mal einen Jacky! Prost!

Bildergalerie: So war KÄRBHOLZ live

Grindcore … nicht gerade Alltagsmucke, aber wenn es eine Band gibt, die einen in diesem Genre packt, sind es Dying Fetus. Das ist das volle Brett an Wut, Aggression und Intensität. Da sitzt jedes Riff, jeder Blast-Beat, einfach alles. Jeder einzelne Ton, der hier aus der PA dröhnt malträtiert das Trommelfell auf das Feinste, trommelt auf den Brustkorb. Schlicht auf den Punkt gebracht: Geil!

Bildergalerie: So war DYING FETUS live

Queensryche auf der Main-Stage, zuletzt vor zig Jahren (1990) auf dem Monsters of Rock live erlebt und entsprechend groß war die Anspannung – und leider etwas enttäuschend das Ergebnis. So rechte Freude will bei dem zwar sauber gespielten Set nicht aufkommen, die Faszination alter Tage scheint vorüber. Schade um eine Band, die seinerzeit einen überzeugend eigenständigen und innovativen Stil pflegte.

Bildergalerie: So war QUEENSRYCHE live

Auf der Pain-Stage: Soilwork erlöst prompt aus der gerade aufkommenden Lethargie und bohrt sich mit ihrem melodischen Death in den Schädel. Eine Stunde aufgefüllt mit einer gelungenen Mischung aus Melodie und Härte, dargereicht in Perfektion… mehr kann und will man dazu nicht sagen.

Bildergalerie: So war SOILWORK live

Anfänglich haben Arch Enemy offenbar etwas Mühe ihre Anhängerschaft um sich zu scharen, denn erst ab dem dritten Song füllt sich das Feld vor der Main-Stage so richtig, bis man schließlich den Eindruck hat, dass fast mehr Crowd-Surfer in der Luft sind, als Hände darunter, die den unablässigen Strom in Richtung Graben tragen… Und Frontfrau Alissa White-Gluz schafft mit ihrer blauen Mähne und ihrem exzessiven Wirbeln der Haare, heute endlich mal ein Pendant zu den ganzen Männern auf der Bühne. Na also, geht doch!

Bildergalerie: So war ARCH ENEMY live

Progressive Metal hat ja oft den Nachteil, dass die Songstrukturen erst nach mehrmaligem Hören im Kopf hängen bleiben, was live bekanntlich schwer umsetzbar ist … Denn welche Band (außer der Cantina Band natürlich) spielt schon denselben Song einen ganzes Set lang durch. Mastodon auf der Pain-Stage bilden hier eine löbliche Ausnahme. Ihr heutiges Set reißt direkt mit und spricht alle Sinne an. Die Vielseitigkeit und Emotionen überzeugen sofort.

Bildergalerie: So war MASTODON live

Carcass, endlich habe ich es geschafft die Jungs mal live zu erleben! Die ersten beiden Alben waren ja bekanntlich Meilensteine der Metal-Historie und der aktuelle Silberling steht dem in nichts nach. Live ist die Band eine Bank. Aber keine zum Ausruhen und Zeitung lesen. Vielmehr zum gepflegt abmoshen und Kopfschütteln.

Bildergalerie: So war CARCASS live

Auf der Pain-Stage erfreuen sich Eisb(r)echer ungebrochener Beliebtheit. (Die sich mir persönlich leider nicht ganz erschließt …) Liegt es an den deutschen Texten, an der zugegeben charismatischen Stimme von „Alexx“ Wesselsky – oder daran, dass die Jungs ihre Instrumente wirklich sauber beherrschen? Keine Ahnung. Mir jedenfalls wirkt das ganze etwas zu pathetisch, zu einstudiert und inszeniert. Die Masse empfindet es wohl anders, lauscht andächtig, folgt den gegebenen Anweisungen und singt brav mit. Eine Runde Sache also …

Bildergalerie: So war EISBRECHER live

Weiter geht es mit noch mehr alten Helden. Slayer machen die Main-Stage unsicher. Gänsehaut vom ersten Ton an. Die Vergangenheit holt einen direkt ein, man fühlt sich 25 Jahre in die Vergangenheit geschleudert. Liegt bestimmt daran, dass sich die Jungs bei ihrem Set meist auf ihre allseits bekannten Klassiker stützen, die in Reinkultur dargeboten werden. Voll auf den Punkt. Nach dem Prinzip „Steht Slayer drauf, ist Slayer drin“.

Bildergalerie: So war SLAYER live

Satyricon schließen auf der Pain-Stage für heute das Programm der beiden großen Bühnen ab und liefern sozusagen die Gute-Nacht Musik für den Freitag. Diese besteht aus einem bunten Stilmix, was die Sache ziemlich abwechslungsreich gestaltet und somit verschiedenste schwarzen Sehnsüchte anspricht. Satyricons bisweilen eigenwillige Bühnenpräsenz tut dazu ihr Übriges, sodass man anschließend müde und zufrieden in das Reich der düsteren Träume wechseln kann.

Bildergalerie: So war SATYRICON live

Danke an:
·  Florian Schulz, Andreas Theisinger und Cynthia Theisinger für die Fotos
· Rico, Hanah und Dominik für den Text

Übrigens: vom 16. – 19.08.2017 feiert das SUMMER BREEZE
seinen 20. Geburtstag!