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Open Flair 2019 – Von Mittwoch bis Freitag

Ich könnte diesen Bericht über das Open Flair Festival 2019 ähnlich wie die letzten Berichte über das Open Air-Event beginnen: dass es in Eschwege, inmitten der hessischen Kleinstadt stattfindet und und und. Nein, dieses Jahr möchte ich direkt am Anfang einfach sagen: Happy 35th Birthday, Lieblingsfestival! Vielleicht verstehen wir uns so gut, weil wir vom Alter her nicht so weit auseinander liegen. Vielleicht bin ich aber auch einfach immer wieder gern bei dir, weil du es mir so leicht machst, dich zu mögen.

Jedes Jahr schaffen es die Macher des Open Flair, sowohl große nationale und internationale Acts zu buchen als dann auch wieder kleinen, unbekannten Bands und Künstlern eine Bühne zu geben. Überraschungen hinsichtlich Musik und Performance gibt es immer.

Mittwoch

Aber es gibt auch Bands, die scheinen fast Pflichtprogramm zu sein, wie z. B. Das Pack, die direkt als zweite Band des diesjährigen Festivals auf der Seebühne spielten. Wie bereits die letzten Jahre öffnete das Hauptgelände am Werdchen erst am Freitag seine Tore. Pensen Paletti und Flozze von Das Pack animierten das Publikum direkt zum Mitsingen und Klatschen. Da ließen sich die Fans nicht zweimal bitten. Schon jetzt herrschte gute Stimmung.

Direkt im Anschluss spielte ein erstes internationales Highlight mit The Subways. „You are the sun, you are the only one. Be mine, be mine like a Rock’n’Roll Queen“. Na, wer hat jetzt direkt einen Ohrwurm? Aber es wäre schade, die Band auf nur diesen einen Song zu reduzieren, auch wenn es ihr bisher erfolgreichster Hit ist. Die drei Briten lieferten eine richtig gute Show ab. Das war sympathisch, voller Energie und hat einfach nur Spaß gemacht.

Als die Alex Mofa Gang die Bühne betrat, konnte sie direkt das tanzende Publikum übernehmen. Sänger Sascha Hörold setzte sich mitten in den Kreis seiner Fans und surfte später auf einem Brett erst ein wenig über die Köpfe ehe er sich voll ins Geschehen stürzte zum Crowdsurfen. Neben ihm ein Rolli-Fahrer. Ja, die Band aus Berlin hatte Bock. Sascha sagte einmal in einem Interview “Die Konzerte sind das, wofür wir die Musik machen.” Da kann ich nur sagen: Jungs, macht weiter so. Das funktioniert gut!

Den persönlichen Abschluss des Tages bildeten für uns die Österreicher Russkaja. Polka-Beats gepaart mit Rock und folkloristischen Klängen begeisterten das Publikum. Ein gelungener erster Tag am Werratalsee neigte sich somit dem Ende.

Donnerstag

Und auch der Donnerstag zeigte ein extrem feierfreudiges Publikum und Bands, die sichtbar Lust darauf hatten, hier zu spielen. Da waren beispielsweise Shame aus England. Rotzig und rockig. Bei dem Bassisten Josh Finerty fragte man sich, wie er die Show überhaupt durchsteht: er flitzte permanent von links nach rechts und zurück und sprang, was das Zeug hielt. Und auch hier gönnte sich Sänger Charlie Steen ein Bad in der Menge. Ganz im Gegensatz zum agilen Shame-Bassisten passierte bei The Intersphere in dieser Hinsicht nicht so viel auf der Bühne, aber der volle, gute Sound animierte dennoch das Publikum zum Abgehen.

Das Debüt-Album „Cheeky Heart“ von City Kids Feel The Beat hat lange auf sich warten lassen. Die Platte ist erst im Oktober 2018 erschienen, aber die Ulmer Band gibt es bereits seit 2011. Sie traten bisher mit u.a. Anti Flag, Zebrahead oder auch den Deez Nuts auf. Recht erfolgreich war ihre Coverversion des Lady Gaga Hits “Applause”. Das durfte natürlich gegen Ende des Auftritts nicht fehlen. Der Berliner Rapper Megaloh stach im Anschluss musikalisch etwas hervor. Seit mehr als 20 Jahren ist er allerdings schon in der Rap-Szene aktiv und bekannt und so verwunderte es nicht, dass er auch das Eschweger Publikum im Griff hatte.

Ganz klarer Headliner des Abends waren die Donots. Und dieser Aufgabe wurden sie mehr als gerecht. Niemand hätte wohl auch etwas anderes erwartet. Die fünfköpfige Band aus Ibbenbüren feiert in diesem Jahr ihr 25-Jähriges Jubiläum. Ihre Hits, eigentlich egal, ob in Deutsch oder Englisch, kennen viele der Anwesenden und man muss nicht mal ein Album zu Hause haben, um hier und da lauthals mitsingen zu können. Die Donots überzeugen. Immer wieder. So auch an diesem Abend. Und so versammelten sich gefühlt alle Festivalbesucher des Wochenendes vor der Seebühne und feierten mit den Donots. Spätestens jetzt wurden die Tanzschuhe ausgepackt. Ingo Donot ging so weit und schuf den Begriff der „Eschweger Peitsche“: 20.000 Menschen hauen sich friedlich gegenseitig auf die Fresse gegen Nazis. Gibt es eigentlich mittlerweile einen Wikipedia-Eintrag dazu, wie ihn Ingo gefordert hat?

Freitag

Am Freitag wurde traditionell das Hauptgelände am Werdchen eröffnet. Nachdem Spit direkt die große Radio Bob-Bühne bespielten, eroberten die Franzosen von Ze Gran Zeft, deren Name zum Schmunzeln verleitet, die Freibühne. Sie zeigten sich exzentrisch und brachten mit ihrem Alternative Crunk Rock – wie sie es selbst nennen – das Publikum in Bewegung.

Nachdem im Dezember 2016 der frühere Sänger Austin Carlile von Of Mice And Men aus gesundheitlichen Gründen leider seine Karriere beenden musste, war sicher erst einmal unklar, wie es wirklich weitergeht mit der Band. Doch ein neuer Frontmann wurde mit Aaron Pauley gefunden. Harte Töne peitschten über das Werdchen, es bildeten sich Circlepits.

“Kafvka” überzeugten bereits 2016 das Publikum des Open Flair. Bereits damals konnten sie sicher neue Fans dazu gewinnen und so wunderte es nicht, dass beim diesjährigen Auftritt beste Stimmung herrschte. Makabar eröffneten währenddessen das Gelände an der Seebühne an diesem dritten Tag, gefolgt von Deaf Havana. Leider war das Areal am Werratalsee nicht so gut besucht, aber die Fans, die da waren, feierten die Band. Ein kurzer Sprint führte mich zurück zum Hauptgelände am Werdchen, um die Show von Nothing But Thieves zu sehen. Die Briten veröffentlichten 2015 ihr Debütalbum und machten durch Songs wie „Amsterdam“ Lust auf einen Live-Einblick. Das Publikum wurde nicht enttäuscht.

„Madsen“ gehören auch zu den Dauergästen auf dem Open Flair. Ursprünglich waren sie allerdings gar nicht geplant für dieses Jahr, aber als Good Charlotte aufgrund eines Todesfalls in der Familie ihre gesamten Auftritte abgesagt hatten, darunter auch den in Eschwege, war man froh, mit Madsen noch einen so guten „Ersatz“ gefunden zu haben. Und auch Madsen selbst haben sich sehr über die Einladung gefreut. Zu Ehren von Good Charlotte gab es einen Coversong und auch „Basket Case“ von Green Day wurde zum Besten gegeben.

Und dann kam einer dieser Momente, die man auf einem Festival vermeiden möchte: die Überschneidung zweier Bands, die man eigentlich beide unbedingt sehen will. So geschehen dieses Jahr mit den Stuttgarter Kult-Hip Hoppern Die Fantastischen Vier und der kalifornischen Punkrock-Band Zebrahead. Hier hat sich mein Fan-Herz zugunsten der Kalifornier entschieden. Die ersten paar Minuten der Fanta 4 konnte ich dennoch kurz genießen und ein wenig zu beispielsweise „Was Geht“ mit dem Kopf nicken. Ja, die Klassiker gehen immer.

Dann hieß es: schnell zur Seebühne, denn dort fingen gerade Zebrahead mit ihrer Show an. Die Kalifornier nehmen sich selbst überhaupt nicht ernst auf der Bühne, sie blödeln herum. Im Gegensatz zu den bisherigen Konzerten auf der Seebühne an diesem verregneten Freitag war der Platz zum ersten Mal richtig gut gefüllt. Zebrahead sind Garanten für gute Laune. Ein Konzert ohne ihre Einlage von “drink drink my germans” ist fast nicht mehr vorstellbar. Auch der obligatorische Ritt auf dem Schlauchboot über die Menge durfte nicht fehlen. Und der Regen? Der wurde einfach weggetanzt.

Open Flair 2020: Tickets + Infos

Reload Festival 2016 –Tag 2: Das ging ab am Sonntag

Obwohl das Reload nur ein 2-Tages-Festival ist, wurde in der Nacht von Freitag auf Samstag mindestens so hart gefeiert, wie auf jedem anderen Festival auch. Entsprechend „schwer“ fiel es so manchem Besucher, sich früh aus dem Zelt zu schleppen. Die morgendliche Katerstimmung wurde allerdings mit roher Gewalt beendet – As We Arise ließen jeden von den Toten wieder auferstehen. Der Opener aus Niedersachsen prügelte feinsten Metalcore, mit diversen Hardcore-Einflüssen, dem Publikum entgegen. Ein sanfter Weckruf sieht zwar anders aus, aber man war ja schließlich nicht zum schlafen auf dem Festival. Es ging also gleich mit Vollgas los.

Bildergalerie: So war AS WE ARISE live

Als Friday Flashback die Stage enterten, wurde der Party-Faktor direkt erhöht und das nicht zu knapp. Der saubervorgetragene Skater Punk zeigte gewisse Ähnlichkeit mit Größen wie Blink182 oder Sum41 auf, aber die Jungs waren alles andere, als eine schlechte Kopie. Sehr dynamisch und mit viel Spielfreude demonstrierten die vier Burschen ihr Können und wurden auch ordentlich bejubelt.

Bildergalerie: So war FRIDAY FLASHBACK live

Mit 90er Skater-Attitüde war es dann allerdings auch schon wieder vorbei. Keine geringere Band als Das Pack aus Hamburg blies zur Attacke. Punk-Rock der Hamburger Schule mit einer gehörigen Portion Blödsinn und guter Laune wirbelte über die Bühne und ließ die Massen tanzen. Das Infield hüpfte, pogte und hatte einfach Spass an der Darbietung – so und nicht anders soll es auch sein. Herrlich!

Bildergalerie: So war DAS PACK live

Burning Down Alaska brachten danach wieder härtere Klänge auf die Bühne. Die New Wave Hardcore-Band aus Recklinghausen zelebrierte eine unfassbar melancholische Atmosphäre, die sie eins zu eins auf das ganze Publikum übertrugen. Genau so muss Musik mit viel Emotionen auch gelebt werden. Leidenschaft und Hingabe von der ersten bis zur letzten Minute und das vor und auf der Bühne.

Bildergalerie: So war BURNING DOWN ALASKA live

Fast ins gleiche Hauptgenre viel auch die nächste Band. Watch Out Stampede aus Bremen legten mit Vollgas los. Ihr wirklich einprägsamer Post Hordcore ließ keine Wünsche offen und legte eine Schippe an Aggressivität nach. Was an der Musik sehr gefiel, ist das facettenreiche Spektrum der Band. Sie bedienten sich nicht nur klassischer HC-Elemente, sondern fügten Elemente aus Melodic Death Metal und dem Metalcore hinzu. Und das Ergebnis ließ sich wirklich gut hören. Dieser Meinung waren zumindest auch die zahlreichen Fans vor der Bühne.

Bildergalerie: So war WATCH OU STAMPEDE live

Post Hardcore folgte im Anschluss, allerdings kam diesmal eine richtige Größe auf die Bühne. Die schwedische Band Adept beeindruckt mit ihrer Kunst nun seit über 10 Jahren und zählt wohl zu den bekanntesten Bands der Szene. Eigentlich kann man den Auftritt mit nur einem Wort zusammenfassen: Grandios! Vollkommen abgezockt und souverän zerlegten die Nord-Europäer die Bühne und verwandelten das Infield zu einer tanzenden Masse. Für alle Anwesenden war es wirklich eine schiere Demonstration von musikalischem Können. Authentischer kann man so eine Show nicht spielen.

Bildergalerie: So war ADEPT live

Zeit für eine Pause. Nach der dreifachen Ladung an unterschiedlichen Hardcore-Richtungen wurde es nun ruhiger, dafür aber umso spaßiger. Keine geringe Kapelle, als die furiosen Monsters Of Liedermaching waren nun an der Reihe. Sechs eigensinnige Künstler, die es verstanden haben, Spass auf akustischen Gitarren zu zelebrieren – wirklich amüsant und eine wirklich nette Abwechslung. Durchaus repräsentativ für das „multikulturelle“ Line Up des Festivals. Die Besonderheit mochte auch daran liegen, dass die Band quasi über das ganze Land der BRD verteilt lebt. Umso erfreulicher ist es, dass die sechs Mannen selbst so mit Feuereifer bei der Sache waren.

Zu den (mächtigen) Die Kassierer muss man eigentlich nicht viel sagen, außer vielleicht: Wölfi for President! 1985 erblickte die Punkband in Wattenscheid das Licht des Bieres… äh … der Welt. Von diesem Zeitpunkt an lebten die (alten) durstigen Männer für ihre Musik und tun dies hoffentlich auch noch lange. Versuchte man die Musik der Herren zu definieren, musste zwangsweise das Wort Bier drin vorkommen. Aber auch ihre Bühnenshow ließ sich herrlich mit dem Gerstensaft definieren. Diese Band sorgte für viel Spass und das Infield war bis zum Rand gefüllt mit Besuchern, die die Punklegenden abfeierten. Ein wirklich bierseliger Abriss!

Bildergalerie: So war DIE KASSIERER live

Greift zu eurer M-16, geht vor dem Bombenhagel in Deckung und besteigt die Stalinorgel. Es kann sich bei solchen Anspielungen natürlich um keine geringere Band handeln, als um die Ruhrpott Legende Sodom. Mit ihrer aktuellen Scheibe „Decision Day“ erstürmten die Mannen aus Gelsenkirchen nicht nur die Top-Ten der Charts, sondern erwiesen erneut, dass sie auf keinen Fall eingerostet sind. Von Alterserscheinungen war auch auf der Bühne keine Spur. Angelripper und Co zeigten, warum sie die unangefochtene Nummer 1 der Thrash Metal-Bands aus Deutschland sind. Gewohnt textsicher zeigte sich auch das Publikum – alles in allem ein runder, sodomtypischer Auftritt. Thrash Herz, was willst du mehr?

Bildergalerie: So war SODOM live

Das Australien nicht nur ein wunderschöner Kontinent ist, sondern auch geniale Bands hervorgebracht hat, wissen wir aller spätestens seit AC/DC. Der wohl heißeste Anwärter auf den Thron der legendären Rockbands wäre da aber wohl Airbourne. Die ebenfalls aus Down Under stammende Band war an diesem Abend Sinnbild dafür, das Rock’n’Roll vollkommen zeitlos ist. Trotz gerade mal drei Studioalben spielten sie aber auch schon auf wirklich allen großen Bühnen dieser Welt. Und sie konnten eine gewaltige Fanbase weltweit aufbauen. Böse Zungen kreideten ihnen aber an, dass sie lediglich die göttlichen AC/DC kopieren. Solche Thesen sollte man aber getrost als Schwachsinn abstempeln. Denn diese Band hat auf jeden Fall eins: Feuer und davon eine Menge. Dreckiger Hard Rock mit zügigen Tempo und jeder Menge Energie auf der Bühne – so und nicht anders muss doch eine Rockshow ablaufen.

Bildergalerie: So war AIRBOURNE live

Der Headliner des letzten Festivaltages war keine geringere Band als Five Finger Death Punch aus den USA. Die Heavy Metal-Formation zählt mittlerweile wohl zu den bekanntesten und größten Metal-Exporten aus Übersee. Gewaltige Verkaufszahlen und regelrechte Runs auf die Konzerttickets sprachen da schon eine mehr als nur deutliche Sprache. Warum die Band auf einer Welle des Erfolgs schwimmt, zeigten sie eindrucksvoll auch auf der Reload-Bühne. Frontmann Ivan Moody demonstrierte, dass er neben den rauen Gesangs-Parts auch imposant die cleanen Parts beherrscht. Allgemein wirkten die Musiker konzentriert und vor allem hoch motiviert. Was anderes sollte man bei einer Band der Extraklasse auch nicht erwarten. Einen würdigeren Headliner für das diesjährige Reload Festival-Finale hätte man sich schlichtweg nicht wünschen können! Nächstes Jahr gerne wieder!

Bildergalerie: So war 5 FINGER DEATH PUNCH live

Hier geht es zum Bericht: „Reload Festival 2016 –Tag 1