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Converge und Crowbar in Berlin – Tongötter unter sich

Nicht nur der erste Mai steht vor der Tür, sondern auch eine neue Datenschutz-Grundverordnung. Converge gehen derzeit mit ihrem aktuellen Album „The Dusk in Us“ auf Tour und haben das US-amerikanische Brecheisen und Sludge-Legende Crowbar mit im Gepäck – so also kein Wunder, dass der Kreuzberger Club SO36 aus allen Nähten platzt.

Was auch immer mit diesem wundervollen Club passiert ist, aber heute Abend haben Licht- und Tonmann ihre Hausaufgaben mehr als gründlich gemacht. Der Sound klingt durchgehend extrem gut. Der Lichtmann hat einen Platin-Oscar für seinen Job verdient. Als Fotograf kann man sich allgemein sehr glücklich schätzen, im SO36 fotografieren zu dürfen, denn hier gibt es keinen beschissenen LED-Mist an der Decke. Alte Lichtkannen ohne Folien, ein paar Laser und fette Fluter an der Bühnenkante – und fertig ist der Lichtsalat. Bis vor diesem Konzert dachte ich immer, es gäbe entweder Licht für Fotografen oder für das Publikum – nein, es gibt gutes und schlechtes Licht. Danke also lieber Lichtmann, wenn Du diesen Artikel liest, ich will keinen überteuerten Merch von den Bands kaufen, ich will ein T-Shirt von dir!

Aber was nützt mir das tolle Licht, wenn ich diese großartigen Momente bald nicht mehr festhalten kann/darf? Ab dem 25. Mai 2018 müssen entsprechend Veranstalter und auch Unternehmen die geforderten gesetzlichen Richtlinien der (DSGVO) umgesetzt haben. Die neue Datenschutz-Grundverordnung DSGVO – setzt einen übergreifend für die EU geltenden Datenschutzstandard in Kraft. „Denn die Verordnung, die regeln soll, wie mit personenbezogenen Daten umgegangen wird, schließt auch die Fotografie ein. Und damit gelten schon für die AUFNAHME von Personen (auch ohne Veröffentlichung der Bilder) strenge Regeln, egal ob die Abgebildeten erkennbar sind oder nicht. Der Fotograf müsste vor der Aufnahme alle um Erlaubnis bitten – was natürlich vor allem auf Veranstaltungen wie Konzerten oder Festivals nicht möglich ist.“ (http://www.impericon-mag.com/de/petitionen-die-neue-eudatenschutz-verordnung-fickt-auch-konzert-fotografen-16007)

Crowbar – Die Breakdown Götter

Der Saal ist im wahrsten Sinne brühend heiß und bis zum Anschlag vollgepackt mit Metalheads. „We are fucking Crowbar from New Orleans“ brüllt Frontmann Kirk Windstein in sein Mikrofon und der erste Song „Conquering“ zerlegt den Laden gleich zu Beginn. Der Sound ist glasklar und drückt die Besucher förmlich an die Wand. Das Setup der Jungs ist einfach gestrickt, es gibt jeweils einen Röhren-Amp, ein Kabel und ein Instrument, keine aufwendige Technik oder sonst irgendwas. Bei Crowbar geht es um massives Handwerk und Energie – der Ton kommt also aus den Fingern und nicht aus dem Portmonee. Wer hier also mit einem Kemper aufkreuzt, wird erst mal ausgelacht. Seit 1992 spielen Crowbar schon in Berlin und kommen immer wieder gerne zurück, erzählt Windstein.

Ich bin eigentlich ein straighter Fenderbass-Liebhaber aber Todd Strange hat mich eines Besseren belehrt. Die Antwort auf ein tiefes Tuning kann die Firma Kiesel beantworten.Dieser Klang ist in meinen Ohren bisher einzigartig und ab sofort unverwechselbar. Die Tiefe und gleichzeitig Klarheit im Ton – Hut ab liebe Kiesel-Guys! Musikalisch fehlt es dem Banger-Publikum auf gar keinen Fall, neben neueren Songs, gibt es auch die alten Brecher wie „Planets Collide“ oder „Existence Is Punishment“. Danke Crowbar, es war wie immer ein Fest!

Converge – Genies und Soundextremisten

Converge muss man heutzutage nicht mehr vorstellen, sie sind weder ein Geheimnis noch gleich zu stellen – wichtig ist, sie sind wieder da. Das SO36 ist wie gewohnt ausverkauft und das Klima gleicht den Subtropen. Schlagzeuger Ben Koller muss nur einen Schlag auf die Snare setzen und das Publikum ist vor Euphorie während des Line-Checks kaum noch zu bremsen.

Lange soll das Publikum aber nicht warten, Kurt Balou klimpert schnell ein paar Töne in seine Loop-Station und es hört sich wie ein Werk von Hans Zimmer an – der heute übrigens ein paar Häuser weiter in dieser Automobilhalle spielt. Das Set ist kurz aber dafür unglaublich intensiv. Ganze zehn Songs von „The Dusk in Us“ schmettern Converge aufs Parkett, plus acht verbliebene Songs von älteren Alben. Frontmann Jacob Bannon ist wie immer in Höchstform mit seinen Bandkollegen. Doch was macht Gitarren- und Technikgott Kurt Balou? Die Antwort lautet: er selbst sein. Wäre Balou ein genau so guter Ringer wie er Gitarre spielen kann, könnte er es mit fünf Gegnern gleichzeitig aufnehmen. Das Publikum rastet völlig aus, die Bühnenflieger starten alle nacheinander von der Bühne in die Zuschauermasse und lassen sich bis zur Theke tragen. Bis bald Converge.

Converge Tour 2018 mit Co-Headliner Crowbar

Fünf Jahre nach ihrer letzten Veröffentlichung sind die US-Hardcore-Punk-Ikonen Converge mit „The Dusk In Us“ (VÖ 11/2017) zurück: Einem knallhart, großartigen Album, das die künstlerische Entwicklung der Band zeigt und gleichzeitig ihren Sound auf wundervolle Weise einfängt. Converge formierten sich 1990 in Massachusetts und debütierten 1994 mit „Halo in a Haystack“. Schnell wurden sie als Pioniere der aggressiven Musikszene angesehen, die Band feierte ihren großen Durchbruch dann mit dem bahnbrechenden Album „Jane Doe“ (VÖ: 2001).

Passend zum neuen Album hat das Quartett eine kleine Europatour für den Frühling 2018 angekündigt und wird darüber hinaus auf dem legendären Wacken Open Air 2018 im August zugegeben sein. Als Special Guests sind Crowbar, Thou und Grave Pleasures bei der Converge Tour 2018 mit von der Partie. Für Fans der derben Beschallung, ist das ein verdammt gutgemischtes Musikpaket, das man so nicht jeden Tag zu Hören bekommt.

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Feuertaufe für Converge Blood Moon in Berlin

Nachdem Converge Berlin erst im vergangenen Jahr mit einer grandiosen Show im SO36 beschenkte, kommen sie heute mit einem besonderen Projekt wieder, Converge Blood Moon. Diese Konzertreihe beinhaltet vier Konzerte, in vier unterschiedlichen Städten, dafür hat sich Converge Gastmusiker von: Chelsea Wolfe und Cave In eingeladen. Im Vorprogramm hat Label-Gründer und Converge Frontmann Jacob Bannon, die Truppe Grime und Crippled Black Phoenix eingeladen.
Die Gitarren hängen so tief wie der brachiale Sound der vier-köpfigen Sludge-Band aus Trieste, Italien. Unpassend wechseln die Bühnenlichter im Takt die Farben. Oftmals vergessen viele Künstler, dass nicht nur der Ton stimmen sollte, sondern auch das Licht. Allerdings ist das immer eine Sache des Geldes, nicht jeder kann sich einen Ton und Lichttechniker leisten. Also geht mehr auf Konzerte! Um den Zuschauern das perfekte Erlebnis vorzustellen, darf eine geile Lichtshow nicht fehlen, denn erst das Licht setzt die letzten Nuancen um Stimmungen das ultimative Know-How zu verpassen. In diesem Fall war das wahrscheinlich nicht vorhandene Lichtkonzept daneben. Das Organ der Band wird zu jedem Zeitpunkt von den Gitarrenlautstärken übertrumpft, sodass der Gesang weit in den Hintergrund rutscht. Ich habe das Gefühl, dass es die Band an diesem Abend noch nicht so ganz geschafft hat, dass Publikum abzuholen. Was nicht ist, kann ja noch werden, bis zum nächstem Mal Grime. Nicht ganz so drückend, geht es mit Crippled Black Phoenix aus Bristol, UK weiter.

Bildergalerie: So waren GRIME live:

Gleich zu Beginn des Auftrittes kommen den Zuschauern warme Gitarren-Klänge, verstärkt mit einem aufbauenden Schlagzeug entgegen, das von einem satten Bass unterstützt wird. Die Lieder sind vom Songwriting alle ähnlich aufgebaut. Oft starten Chorus unterlegte, unverzerrte Gitarren mit einer schönen warmen Melodie, die zusammen mit der restlichen Band zum Höhepunkt hinarbeiten, um am Ende in einem gigantischen Rockspektakel zu enden. Zwischen den Stücken spielen Black Crippled Phoenix sphärische Melodien, die den Übergang in den nächsten Song einleiten. An dritter Stelle der Set-Liste zeigen die Briten eines ihrer neusten Werke „New Dark Age“. Von groovigen Rocksongs, über leicht Doom-lastigen Passagen, teilt Crippled Black Phoenix auch Balladen an das Publikum aus. Im letzten Song holen sie das Publikum mit einer abschließenden Singalong-Einlage ab und liefern damit einen super Support ab.

Bildergalerie: So waren CRIPPELD BLACK PHOENIX live:

Jetzt wird fleißig ab- und umgebaut, die ersten Reihen füllen sich schlagartig mit erwartungsvollen Fans. Zu Beginn stehen Kurt Ballou und Gastmusiker Stephen Brodsky (Cave In) alleine auf der Bühne und leiten den Meilenstein Plagues von dem 2006 erschienen Album No Heroes ein. Leider ist der Postbahnhof nur zu 2/3 mit ca. 500 Leuten gefüllt. In etwas abgeschwächter Form spielen Converge überleitend In Her Blood. Man spürt förmlich die Anspannung der Zuschauer, „was genau wird jetzt passieren, wie geht es weiter“? Spätestens nach den ersten vier Songs, nachdem sich das Set nun langsam aber sicher von der gewohnten Härte distanziert, ist für alle Fans klar, dass an diesem Abend keine gewöhnliche Converge-Show mit Stagediving und dauerhaften Singalongs statt findet.

Bildergalerie: So waren CONVERGE live:

Das wohl größte Geschenk an die Fans, ist die Vielzahl an Live-Debüts wie z.B Minnesota, Cruel Bloom, Wretched World und In Her Shadow. Leider verlassen viele frühzeitig den Saal, um etwas frustriert eine Zigarette zu genießen. Von der eigentlichen brachialen Seite der Band, ist sehr wenig an diesem Abend zu merken, was vielleicht viele Fans der harten Musik etwas enttäuschte. Converge lassen mit Hilfe der Gastmusiker die gewöhnten Song in einem völlig neuem Licht erstarren.

Erst ziemlich spät betritt Sängerin Chelsea Wolfe die Bühne, um die nächsten vier Lieder mit Converge zu performen. Von diesem Moment an, wird es wirklich interessant. Die eigentlichen Kompositionen werden von langsamen, fast mystischen Synthesizer (Ben Chisholm) und einem schleppenden Schlagzeug voran getrieben, währenddessen Jacob Bannon vorsichtig mit der Amerikanischen SingerSongwriterin, den Text gefühlvoll in einer sehr tiefen Stimmung singt. Großartig. Bereits im Ersten der vier Stücke, werden schon Instrumente getauscht, sodass man sogar Frontmann Jacob mal mit einem Instrument sehen kann. Nachdem viele Songs gesanglich neu dargestellt werden, unterstützen Bassist Nate Newton und Gitarrist Kurt Ballou den Rest der Band, mit Background-Vocals und voran treibende Rhythmen mit ihren Saiten-Instrumenten. Nach einer kurzen Pause, kommen Converge wieder zurück auf die Bühne und hauen den gleichnamigen Album-Song jane doe in der Original Version, hart und heftig raus. Viele der noch Anwesenden, die es sich im Foyer gemütlich gemacht haben, kehren jetzt schnell zurück um sich das Meisterwerk nicht entgehen zu lassen. Zügig verlassen Converge und Gastmusiker die Bühne aber Jacob Bannan bleibt noch bei seinen Fans um sich mit ihnen auszutauschen. Super sympathisch. Fazit: Ein Haufen geiler Live-Debüts, komplett neue Adaptierung der Songs und tolle Gastmusiker.

Danke an:
Christoph Eisenmenger (Text und Fotos)