Zwischen Moshpit und Melancholie: Kraftklub zünden in Braunschweig Indie-Rap-Feuerwerk


Zwischen Moshpit und Melancholie: Kraftklub zünden in Braunschweig Indie-Rap-Feuerwerk
Am Montag, den 23. März 2026 gaben Kraftklub in der Braunschweiger VW Halle ein Konzert. (Bild: Rüdiger Knuth)

Braunschweig, 23. März 2026. Montagabend, Volkswagen Halle – und schon beim Einlass wird klar: Das hier wird kein gemütlicher Wochenstart. Sondern eher ein kollektiver Ausbruch. Kraftklub sind mit ihrer „Sterben in Karl-Marx-Stadt“-Tour 2026 unterwegs und machen Halt in einer rappelvollen Halle mit knapp 7.000 Zuschauern. Und wie so oft bei den Chemnitzern gilt: Wer hier reingeht, kommt nicht unberührt wieder raus.

Kraftklub haben sich nie entscheiden wollen – und genau das macht ihren Sound bis heute aus. Indie-Rock trifft auf Rap, Punk auf Pop-Appeal, dazu Texte zwischen Ironie, Gesellschaftskritik und ehrlicher Melancholie. Live bedeutet das: Tanzbare Hooks, abrissbereite Gitarren, und eine Crowd, die vom ersten Moment an funktioniert wie ein Uhrwerk – nur lauter. Felix Brummer gibt dabei wie gewohnt den Frontmann irgendwo zwischen Kumpel, Provokateur und Dirigent eines Moshpits. Ansagen? Mal schnippisch, mal charmant, oft beides gleichzeitig.

Mia Morgan

Mia Morgan eröffnete den Abend mit einer energiegeladenen Mischung aus düsterem Pop-Punk und ehrlichem Indie-Vibe – und hatte das Publikum schneller auf ihrer Seite, als man „Vorband“ sagen kann. Ihre Songs pendeln gekonnt zwischen roher Emotionalität und eingängigen Hooks, die live überraschend wuchtig funktionieren. Besonders ihre Bühnenpräsenz blieb hängen: ungekünstelt, nahbar und gleichzeitig mit genau der richtigen Portion Attitüde. Ein Support-Act, der nicht nur aufwärmt, sondern zeigt, dass er längst bereit für größere Bühnen ist.

Kraftklub

Setlist mit Ansage: Hits, neue Songs und keine Verschnaufpause

Wer einen Blick auf die Setlist geworfen hat, wusste: Das wird lang – und laut. Der Abend startet mit einem starken Auftakt aus neuen und alten Tracks wie „Marlboro Mann“, „Ein letztes Mal“, „Teil dieser Band“, „Balkon“, „Fahr mit mir (4×4)“ und „So rechts“. Schnell ist die Halle komplett im Modus: Springen, Mitsingen, Bier hoch. Mit den nachfolgenden Songs „Unsterblich sein“, „Halt’s Maul und spiel“,  „Koverversion“ (hier kommt Mia Morgan dazu mit auf die Bühne) und „Wie ich“ zieht die Band das Tempo weiter an – keine Pausen, kein Durchatmen.

B-Stage, Fan-Momente und Eskalation auf zwei Bühnen

Ein typischer Kraftklub-Move: Die Band verlagert Teile der Show auf eine zweite Mini-Bühne mitten im Publikum. Dort wird es etwas intimer – zumindest für Kraftklub-Verhältnisse und es gibt Songs wie „Zeit aus dem Fenster“, „Kein Liebeslied“ oder „Schief in jedem Chor“. Doch lange hält diese Ruhe nicht. Zurück auf der Hauptbühne wird wieder hochgefahren: „Kippenautomat“
„Chemie Chemie Ya“, „Blaues Licht“. „Glücksräder“ und „Fallen in Liebe“ folgen. Und dann natürlich die unvermeidlichen Abrissbirnen: „Schüsse in die Luft“ und „Randale“. Spätestens hier gibt es kein Halten mehr – kollektiver Ausnahmezustand.

Finale mit Herz und Haltung

Zum Ende zeigt sich nochmal, warum Kraftklub mehr sind als nur Partylieferanten wie „500K“, „Wenn ich tot bin“, „Ein Song reicht“ und „Songs für Liam“. Gerade die letzten beiden Tracks funktionieren live wie emotionale Klammern – zwischen Nostalgie, Zusammenhalt und diesem Gefühl, dass man hier gerade Teil von etwas Größerem ist.

Warum dieses Konzert so besonders war

Kraftklub schaffen es auch 2026 noch, das Kunststück hinzubekommen, gleichzeitig: politisch zu sein, ohne belehrend zu wirken, ironisch zu bleiben, ohne beliebig zu werden und vor allem: eine Liveshow abzuliefern, die sich wie ein einziger Rausch anfühlt. Die aktuelle Tour zum fünften Album „Sterben in Karl-Marx-Stadt“ bringt dabei nicht nur neues Material auf die Bühne, sondern verbindet es nahtlos mit den großen Klassikern der Band. Songs wie „Ich will nicht nach Berlin“, „Songs für Liam“ oder „Schüsse in die Luft“ gehören längst zum festen Kanon deutscher Indie-Hymnen.