The Dead South in der Autostadt Wolfsburg: Banjo, Bart und bittersüßer Wahnsinn


The Dead South in der Autostadt Wolfsburg 2025
Am Samstag, den 2. August 2025 gaben The Dead South in der Autostadt Wolfsburg ein Konzert. (Bild: Rüdiger Knuth)

Wolfsburg, 2. August 2025. Eigentlich ein Sommerabend, ein lauer Wind weht vom Mittellandkanal durch die Autostadt und die Sonne bricht sich nur hier und da nochmal durch den wolkenverhangenen Himmel, während sich die Lagunenbühne langsam mit gespannter Vorfreude füllt. Dann, Punkt 20:00 Uhr, betreten vier Männer mit Hüten, Hosenträgern und ernstem Blick die Bühne – und verwandeln das Gelände in eine Mischung aus Saloon, Südstaatenveranda und Festival-Arena. The Dead South sind in der Stadt. Und sie haben Wolfsburg im Sturm genommen – ganz ohne Stromgitarre, dafür mit jeder Menge musikalischer Wucht.

Bluegrass mit Punk-Attitüde
Wer The Dead South noch immer nur als „diese Typen mit dem Banjo“ kennt, sollte schleunigst aufholen. Die vierköpfige Band aus Regina, Saskatchewan (Kanada) ist längst mehr als ein YouTube-Phänomen mit Millionen Klicks für In Hell I’ll Be in Good Company. Ihr Stil? Irgendwo zwischen Bluegrass, Folk, Americana – und einem Schuss Punk. Nur eben akustisch. Kein Schlagzeug, keine E-Gitarre – dafür Cello, Banjo, Mandoline und Gitarre, gespielt mit einer solchen Inbrunst, dass man sich fragt, ob Johnny Cash heimlich aus dem Jenseits Regie führt.

Ein Set wie ein Roadtrip durch die Wildnis
Der Abend startete passend zur aufziehenden Dunkelheit mit dem düster-epischen “Diamond Ring”, gefolgt von “Broken Cowboy” und dem treibenden “Boots”. Spätestens bei Honey You war klar: Hier wird nicht einfach musiziert, hier wird erzählt, geschwitzt, geackert und gerockt – nur eben mit akustischen Waffen.

Das Publikum? Hingerissen. Barfüßige Festivalgänger neben Familien mit Ohrschützlingen, ältere Semester mit Country-Affinität neben Indie-Kids in Flanellhemden. Selten war das Publikum so bunt gemischt und dabei so einig: Diese Band knallt. Ohne Lautstärke, aber mit emotionalem Schalldruck. Natürlich fehlten die großen Hymnen nicht: That Bastard Son, The Recap, Travellin‘ Man. Und ja, bei In Hell I’ll Be in Good Company wurde gepfiffen, gesungen und getanzt, als gäbe es kein Morgen. Die Band selbst? Zurückhaltend wie immer im Auftreten, aber mit einer magnetischen Bühnenpräsenz, die man nicht lernen kann – die hat man oder nicht. Es war einer dieser perfekten Abende, an denen Musik und Atmosphäre ineinandergreifen wie Zahnräder einer gut geölten Maschine. Die Lichter der Autostadt spiegeln sich in der Lagune. Die Lagunenbühne selbst erwies sich mal wieder als idealer Ort für eine perfekte Show. Akustik? Glasklar. Lichtshow? Dezent, aber stimmungsvoll. Die Szenerie? Postkartenreif.

The Dead South live zu sehen, bedeutet nicht nur, ein Konzert zu erleben. Es ist eher wie eine musikalische Séance, bei der Vergangenheit, Gegenwart und eine Prise Anarchie aufeinandertreffen. Es gibt keine Showelemente, keine Pyro, keine große Pose. Nur vier Musiker, die sich mit Leib und Seele ihrer Musik hingeben. Und genau das macht es so besonders.

Wolfsburg hatte an diesem Abend nicht nur ein Konzert, sondern einen Soundtrack für den perfekten Spätsommerabend. Einen Abend, an dem Zeit relativ wurde und Bluegrass plötzlich sehr, sehr cool klang. Wer dachte, Kanada könne nur Ahornsirup und Eishockey, wurde eines Besseren belehrt. The Dead South haben in Wolfsburg nicht nur ein Konzert gespielt – sie haben eine kleine Welt gebaut, die für 90 Minuten alles draußen vergessen ließ. Banjo statt Ballermann. Amen dazu.