Stahlgewitter an der Elbe: Heaven Shall Burn zerlegen Hamburg


Stahlgewitter an der Elbe: Heaven Shall Burn zerlegen Hamburg
Am Freitag, den 27. Februar 2026 gaben Heaven Shall Burn in Hamburg ein Konzert. (Bild: Birger Treimer)

Am Freitag, den 27.02.2026, war die Inselpark Arena theoretisch bis auf den letzten Platz gefüllt, hätte der Streik nicht noch so einige Opfer gefordert, aber schon beim Einlass war klar, dass dieser Abend intensiv werden würde.

Den Start übernahmen Frozen Soul. Ohne große Ansagen ging es direkt los mit „Encased in Ice“ und „Absolute Zero“. Der Sound war massiv, die Gitarren tief gestimmt, das Schlagzeug druckvoll. „No Place of Warmth“, „Arsenal of War“ und „Crypt of Ice“ folgten ohne große Pausen. Die Band spielte wuchtig und brutal, genau das, was man von ihnen erwartet. Vor der Bühne bildeten sich schnell die ersten Moshpits, das Publikum war von Anfang an auch gut dabei. Ein kompromissloser Auftakt, der die Richtung des Abends klar vorgab.

Danach wurde es deutlich schneller. The Black Dahlia Murder lieferten eine extrem präzise und energiegeladene Show ab. „What a Horrible Night to Have a Curse“ wurde lautstark mitgesungen, bei „Kings of the Nightworld“ und „Aftermath“ nahm die Intensität weiter zu. Die Gitarrenläufe messerscharf und sorgten für einen guten Mosphit. Mit „Nightbringers“, „Everything Went Black“ und „Utopia Black“ blieb das Tempo hoch, ohne dass die Band an Kontrolle verlor. Man merkte, wie eingespielt sie sind – routiniert, aber keineswegs lustlos. Das Publikum dankte es mit durchgehender Bewegung vor der Bühne.

Mit The Halo Effect kam anschließend eine etwas melodischere, aber nicht weniger kraftvolle Stimmung in die Halle. „This Curse of Silence“ eröffnete ihr Set, gefolgt von „March of the Unheard“ und „Feel What I Believe“. Die Refrains wurden mehr als sicher mitgesungen, die Atmosphäre war dicht, aber weniger chaotisch als zuvor. Songs wie „Gateways“ und „Shadowminds“ sorgten für viele erhobene Arme und laute Gesänge. Während der Göteborger Stahl für die nötige Härte und Melodie sorgte und die Band wirkte sichtlich zufrieden mit der Resonanz in Hamburg.

Drei Bands, drei unterschiedliche Schwerpunkte – und die Halle war zu diesem Zeitpunkt längst auf Betriebstemperatur. Es war klar, dass der Höhepunkt mit Heaven Shall Burn noch bevorstand. Als schließlich Heaven Shall Burn die Bühne der Inselpark Arena betraten, war die Halle endgültig am Anschlag. Ohne langes Intro ging es mit „War Is the Father of All“ direkt nach vorne. Die Energie, die sich über den Abend aufgebaut hatte, entlud sich schlagartig. „Voice of the Voiceless“ und „My Revocation of Compliance“ folgten mit voller Wucht, textsicher begleitet von einer lautstarken Crowd.

Mit „Godiva“ und „Armia“ nahm das Set weiter Fahrt auf, „Counterweight“ hielt das Tempo hoch und Spätestens bei „Endzeit“ sang gefühlt die komplette Arena mit – einer dieser Momente, in denen Band und Publikum komplett ineinander greifen. „Tirpitz“ brachte noch einmal ordentlich Druck, bevor es bei „Übermacht“ am Gesang mit Heaven Shall Britta (Görtz) zu einem kurzen, aber eindringlichen Zwischenfall kam. Mitten im Song wurde unterbrochen, weil im Pit ein Fan verletzt wurde. Die Band reagierte sofort, stoppte die Show und wartete, bis Hilfe vor Ort war. Von der Bühne aus kam die klare Ansage, dass so etwas sehr selten vorkommt und dass bei aller Härte immer aufeinander aufgepasst werden muss. Die Halle wurde in diesem Moment still, viele reckten die Hände, um Platz zu schaffen. Es war einer dieser Augenblicke, die zeigen, was diese Szene ausmacht – Zusammenhalt statt Ego. Nachdem klar war, dass geholfen wurde, startete die Band „Übermacht“ erneut – mit dem Gastauftritt Britta Görtz, deren Stimme dem Song noch einmal eine besondere Intensität verlieh.

Gemeinsam mit ihr folgte auch „Black Tears“, das Cover des Klassikers von Edge of Sanity. Die Kombination aus den markanten Vocals und der ohnehin dichten Atmosphäre funktionierte hervorragend und wurde entsprechend gefeiert. Mit „Confounder“, „The Martyrs‘ Blood“, „March of Retribution“ und „Thoughts and Prayers“ zog die Band das Set kompromisslos durch. Die Kräfte in der Halle wurden langsam weniger, die Lautstärke nicht. Jeder Refrain, jede Break wurde noch einmal mobilisiert. Nach kurzer Pause kamen sie für die Zugabe zurück. „The Weapon They Fear“ ließ keinen Zweifel daran, dass noch genug Energie für einen letzten Ausbruch da war, bevor mit „Valhalla“ ein würdiger Abschluss folgte. Spätestens hier war alles draußen – Stimmen heiser, Shirts durchgeschwitzt, aber überall zufriedene Gesichter. Es war ein intensiver Abend, laut und emotional zugleich. Viel Härte, viel Bewegung – und ein Moment bei „Übermacht“, der trotz allem besonders hängen bleibt.