Ralswiek hat seine eigene Konzertdramaturgie: Wo sonst Klaus Störtebeker mit Schiffen, Pferden, Explosionen und Kanonendonner auftritt, steht an diesem Sonnabend ein anderer Lokalheld im Mittelpunkt. Rund 7.000 Menschen kommen auf die Naturbühne, um Marteria bei seiner „Zum Glück in die Zukunft“-Tour zu erleben.

Passender könnte seine Anreise kaum sein. Marteria erreicht Ralswiek mit seinem kleinen Angelboot über den Großen Jasmunder Bodden. Seit zehn Jahren lebt Marten Laciny auf Rügen; die Insel ist für ihn längst mehr als ein Wohnort. Das Konzert wird so zwangsläufig zum Heimspiel.

Foto: Eckard Rohde

Auch im Publikum zeigt sich die Verbundenheit mit der Region. Viele Besucher tragen Schals, T-Shirts und andere Utensilien des FC Hansa Rostock. Die blau-weißen Farben passen zu Marterias Herkunft Rostock und verstärken den Eindruck eines großen Mecklenburg/Vorpommerschen Heimspiels.

Der Mannheimer GReeeN übernimmt den Support, bevor Marteria mit Live-Band, DJ und Backing-Vocals die Bühne betritt. Das kann er allerdings erst, nachdem Klaus Störtebeker aka Moritz Stephan ihm gnädig von den Turmzinnen der Kulisse der Störtebekerfestspiele „seine“ Bühne überlässt.

Elektronische Beats treffen auf druckvolle Bandpassagen, Clubsound auf Hip-Hop und Pop. Marteria tanzt, springt, dirigiert das Publikum und lässt die Distanz zwischen Bühne und Zuschauern immer wieder verschwinden. Die großen Klassiker fehlen nicht: „Marteria Girl“, „Kids“, „Endboss“ und „Lila Wolken“ verwandeln die Besucher der stimmungsvollen Naturbühne in einen riesigen Chor. Bei „Bengalische Tiger“ hält Marteria selbst ein Bengalo in der Hand, während im Publikum bengalische Fackeln aufleuchten. Rotes Licht und Rauch legen sich über die Naturbühne; für diesen Moment wirkt die Szenerie regelrecht mystisch.

Gerade die älteren Songs zeigen, wie tief Marterias Musik im kollektiven Gedächtnis seiner Fans verankert ist. Die neuen Stücke von „Zum Glück in die Zukunft III“ müssen sich ihren Platz in dieser Hitgeschichte dagegen erst erarbeiten. Der Abend lebt von der Mischung aus Vergangenheit und Gegenwart. Und das in dieser besonderen Kulisse besonderen Kulisse. Hinter der Bühne liegt der Bodden, über den Marteria wenige Stunden zuvor gekommen ist; vor ihm stehen die Menschen, viele in den Farben des FC Hansa Rostock. Dieses Konzert hätte an kaum einem anderen Ort dieselbe Wirkung entfalten können.

Marteria ist an diesem Abend nicht nur Gast auf Rügen. Er gehört hierher. Gegen Ende lässt er es sich schließlich nicht nehmen, noch einmal ganz in die Nähe seines Publikums zu kommen: Marteria springt in die Menge und nimmt crowdsurfend ein Bad in den Zuschauern. Über den Köpfen der Fans getragen, verschwindet die letzte Distanz zwischen Künstler und Publikum endgültig. Zum Abschluss steigt ein großes Feuerwerk über der Naturbühne auf. Es beendet nicht nur das Konzert, sondern die gesamte „Zum Glück in die Zukunft“-Tour. Raketen erhellen den Himmel über Ralswiek, während Rauch, Licht und blau-weiße Farben das Schlussbild bestimmen.

Das Heimspiel endet und lässt auf viele weitere so unvergessliche Konzerte von Marteria hoffen.