A Hum Of Maybe“ – ein gehauchtes Verlocken der Möglichkeiten, das dir die Härchen im Nacken elektrisiert. Die Gänsehaut des unmöglich Möglichen. L’appel du vide. Der Abgrund kichert und küsst dir ein Verzücken in den Raumzwischen zwei Gedanken, in dem Zeit weich wird und Entscheidungen ihr Gewicht verlieren. Der Puls bleibt gleichmäßig, wie der Atem, der sich nicht sicher ist, ob er tragen oder stocken soll. Streicher streifen die Weite, die im Nebel sich eröffnet. Das Postrockherz hüpft und stolpert über die Dunkelheit, die ein bisschen durch die dunkelbunte Sommernacht zuckt.

Apparat das Bandgewordene Paradoxon, das lächelnd und tanzend, barfüßig und rotzig mit seiner Energie ansteckt. Alles andere als leblos, alles andere als eindimensional. Alles. Vielleicht. Jetzt. A Hum of Maybe – Ein Paradox in Zeiten von KI, die kein Vielleicht kennt, nur Lobhudelei und öde Halluzinationen. Paradox wie Olympia, die schöne Apparate, die in den Augen des Suchenden zum Mittelpunkt eines Universums wird, in dem der Sandmann den Kindern die Augen stiehlt. Wer braucht schon Augen, wenn er Eins werden kann mit einem beseelten Summen. Album, Band und dieser Abend sind ein Gefühl, das – anders als bei E.T.A. Hofmann – nicht nur aus Nullen und Einsen, hölzernen Zauberkisten, Zahnrädern, Loop- und Effektgeräten gekrochen kommt, sondern sehr organisch, ansteckend, echt. Die Luft flirrt und das Theater des Westens hält den Atem an.

„The breath between each beat
I’m wondering where the light can go
I know, I know”

L’appel du vide brille

…und die schöne Kreatur. Ob Konzerterlebnis, Album oder Song. Apparat sind wie der Puls, der in deinen Ohren rauscht. Im Nebel der Bühne gehen Texturen auf, die Atmosphäre statt Kontur schaffen und mit Fragmenten spielen, die die Apparatur menschlicher, will sagen verletzlich wirken lassen. War da ein Kichern? Ein Sein? Eine Stimme? Ist sie in mir? Vielleicht. Sie mischt sich unter die Strukturen. Rings Gesang wird Teil der Klaviatur, Teil der Saitenschlags, Teil des Sounds, der kein Finale ersehnt oder etwas auserzählt, sondern die Angstlust kitzelt.

Kein „Ich“, das sich behauptet. Ein multiples „Wir“, das sich ein Unbewusstes teilt, kurz innehält, berauscht von der Klangwelt, die es erschafft. Gespannt. Gebannt. Gekonnt. Eine multiinstrumentierte vielarmige schöne Kreatur, die diese Apparatur in dir zum Klingen bringt und Zuhöhrer*innen berauscht.

Neben Sascha Ring (Gitarre, voc. u. a.) loten auf der Bühne Philipp Johann Thimm (Cello, u.a.), „Mäckie“ Hamann (Violine, u. a.), Christian Kohlhaas (Posaune u. a.) und Jörg Wähner (Schlagzeug) die Ambivalenz aus. Jeder für sich virtuos und in der hohen Kunst sich selbst zurücknehmend, um dem summenden Kosmos aus Klang den Raum zu geben, der ein jedes Vielleicht über das Finale stellt.

Ein Schwebezustand

Das Wagnis wagen, sich einfach dem Maybe zu verschreiben, sich fallen lassen – für den Moment. Den Abgrund. Den Kuss. Apparat ertappen dein Vielleicht. Eine Show wie ein leiser Schwur: Nicht alles muss sich auflösen, um wahr zu sein. Nicht alles braucht ein Label. Nicht alles muss einen Sinn verfolgen. Das Zwiegesicht, das irre Mütchen und die Unsicherheit dürfen sein. Gleichzeitig Fliegen und Fallen. Schweben, ohne das Wollen aufzugeben. Ein berauschendes Wagnis. Der Ruf des Abgrunds leuchtet. Das Publikum scheint – ob zum Tourauftakt im Huxleys oder eingezwängt in die Stühlchen und Ränge im Theater des Westens – so körperlos im Dazwischen gebannt, dass es verzückt vergisst zu applaudieren.
Dieses konzertante Vielleicht ist ein Zwinkern. Ein Vielleicht ist ein Ja zum Voranscheitern. Ein Vielleicht erlöst nicht, es eröffnet. So als hätte jemand einen Vorhang nicht aufgezogen, sondern leicht zur Seite geschoben, so dass etwas Licht auf das Tableau der Möglichkeiten fällt. Das „Maybe“ dieses Abends kitzelt den Reiz des Potenziellen, umarmt den Fehler und – hier findet das Publikum sehr schnell zum Applaudieren – macht auch aus einem „unwürdigen“ Songauftakt einen selbstironischen Publikumsmoment. Das Theater des Westens feiert ihn, feiert das Straucheln, feiert Apparat. Ohnehin ein Gig unter Freund*innen, Künstler*innen, maybe hätte E.T.A. Hoffmann hier auch vom Rang gepfiffen.
Ein Abend wie ein verhuschter Kuss, der Olympias kalte Lippen belebt. Schön nicht alles wissen zu müssen. Der Abgrund verführt zum Springen. Apparat verbeugen sich vor der Angstlust, vielleicht vor der eigenen Courage.

Vielleicht wird alles vielleichter, wenn wir summen.

If we start again
Don’t call it again
Just start
…
Just us