Es gibt Konzertabende, die nicht laut sein müssen, um nachhaltig Eindruck zu hinterlassen. Der Auftritt von Keb‘ Mo‘ im Schön & Frölich in Braunschweig war genau so ein Abend: intim, entspannt und voller musikalischer Klasse. Und das Schön & Frölich hat gezeigt, dass es auch für einen ruhigen Bluesband ein stilvolles Ambiente bieten kann.

Schon mit den ersten Tönen wurde deutlich, warum Keb’ Mo’ seit Jahrzehnten zu den wichtigsten Stimmen des Delta Blues gehört. Der mehrfach mit Grammys ausgezeichnete Musiker verbindet traditionellen Delta Blues mit Folk, Americana und einer gehörigen Portion Soul. Dabei wirkt nichts aufgesetzt oder nostalgisch. Seine Songs erzählen Geschichten aus dem Leben, getragen von einer warmen Stimme und einem Gitarrenspiel, das gleichermaßen virtuos wie unaufgeregt ist.

Im Mittelpunkt des Abends standen vor allem bei den Blues Kennern auch seine Gitarren. Besonders eindrucksvoll präsentierte sich die charakteristische Gibson Bluesmaster, deren warmer, holziger Ton perfekt zu Keb’ Mo’s Fingerpicking-Stil passte. Die Korpusform und der offene Klang verliehen vielen Songs eine beinahe intime Wohnzimmeratmosphäre. Die Bluesmaster basiert auf den legendären Gibson-L-Modellen der frühen Blues-Ära und ist seit Jahren eines seiner wichtigsten Instrumente.

Für die erdigen Slide-Passagen griff Keb’ Mo’ zur National Reso Rocket – einer besonderen Single-Cone-Resonatorgitarre, die konstruktiv den Klangcharakter einer Tricone-Gitarre nachbildet. Dank des Cutaways und des 12-Bund-Halses ermöglicht sie mühelosen Zugang zu den hohen Lagen und liefert genau den metallisch singenden Ton, der den Delta Blues seit Generationen prägt. Gerade bei den Solostücken entfaltete die Reso Rocket ihren vollen Charakter: rau, direkt und dennoch erstaunlich nuanciert.

Zwischen den Songs plauderte Keb’ Mo’ mit viel Charme und trockenem Humor aus seinem Musikerleben oder animierte auch schon mal zum Mitmachen. Diese Nähe zum Publikum machte den Abend besonders. Es wirkte weniger wie ein Konzert vor Hunderten Menschen als vielmehr wie ein Treffen alter Freunde, bei dem zufällig einer der besten Bluesmusiker der Gegenwart auf der Bühne sitzt.

Das Publikum im gut gefüllten Schön & Frölich dankte es ihm mit konzentrierter Aufmerksamkeit und lang anhaltendem Applaus. Ohne große Effekte, ohne Pathos und ohne Lautstärke demonstrierte Keb’ Mo’, worauf es im Blues wirklich ankommt: Gefühl, Geschichten und die Fähigkeit, mit wenigen Tönen eine ganze Welt entstehen zu lassen.

Nicht unerwähnt bleiben sollte auch der hervorragende britische Blues singer/songwriter Connor Shelby, Gewinner des „Young artist of the year at the UK blues awards“ in 2020 and 2021, der den Abend ebenso warum und gefühlvoll für Keb’ Mo’ eröffnet hatte.

Als Fazit bleibt ein Abend voller musikalischer Wärme, meisterhafter Gitarrenarbeit und zeitloser Songs – und ein weiterer Beweis dafür, dass echter Blues keine Altersgrenzen kennt.