Der Samstagabend zeigte eindrucksvoll, wie Spontanität ein Konzert unvergesslich machen kann. Genau das erlebte das Publikum mit den beiden britischen Ausnahmekünstlern Joss Stone und Jamie Cullum. Zwischen Soul, Pop und Jazz entstand ein Konzert voller Nähe, Emotionen und musikalischer Überraschungen.
Joss Stone verzaubert mit Soul und Jazz
Die britische Joss Stone, eine der bekanntesten Soul-Stimmen, betrat die Bühne in einem türkisfarbenen Kleid. Mit ihrer warmen und sympathischen Persönlichkeit hielt sie das Publikum von der ersten bis zur letzten Minute gefesselt. Immer wieder suchte sie den direkten Kontakt zu den Fans, ging mitten durchs Publikum und animierte sie zum Mitsingen.
Besonders persönlich wurde es bei einem Lied, das sie seit ihrem 14. Lebensjahr begleitet. Damals, erzählte sie, habe sie noch geglaubt, Liebe sei wie in einem Disney-Film. Später überraschte Stone das Publikum mit einem bisher unveröffentlichten Lied. Sie bat die Zuschauer, ehrlich zu reagieren: Wenn es ihnen nicht gefalle, sollten sie einfach still bleiben. Doch nach dem letzten Ton war die Begeisterung so groß, dass sie entschied, den Song in ihr Repertoire aufzunehmen. Zum emotionalen Abschluss sang sie Right to Be Wrong, ein Lied, das sie seit ihrem 16. Lebensjahr begleitet und ihr Mut gegeben sowie sie gelehrt hat, an sich selbst zu glauben.
Jamie Cullum: Ein Meister der musikalischen Mischung
Nach Joss Stones emotionaler Soul-Reise übernahm Jamie Cullum die Bühne und verwandelte sie in eine Spielwiese für Jazz, Pop und spontane musikalische Ideen. Der britische Singer-Songwriter und Jazz-Pianist war bereits zum neunten Mal in Stuttgart zu Gast. Er begrüßte das Publikum auf Deutsch und scherzte darüber, dass er Stuttgart schon so oft besucht habe, dass die Stadt langsam zusehen könne, wie er älter werde.
Sein Konzert begann mit Cullum am Klavier und ließ seine Stimme gemeinsam mit den ersten Tönen des Instruments wirken. Später kamen Bass und Band hinzu, doch immer blieb seine außergewöhnliche Fähigkeit am Piano der Mittelpunkt. Seine Soli wirkten oft wie spontane Jazz-Dialoge voller Überraschungen und musikalischer Freiheit.
Cullum zeigte seine ganze Vielseitigkeit: Er nutzte das Klavier nicht nur als Tasteninstrument, sondern auch für Percussion, schlug Rhythmen auf das Holz, wechselte zwischen Gesang, Klavier und Schlagzeug und überraschte mit schnellen Rhythmuswechseln – von lebhaften Rumba-Elementen bis zu ruhigen Jazzmomenten.
Ein besonderer Höhepunkt war seine Jazz-Version von Rihannas Don’t Stop the Music. Die Überraschung wurde noch größer, als Joss Stone plötzlich auf die Bühne kam und gemeinsam mit ihm sang. Das unerwartete Duett sorgte für Gänsehaut und wurde vom Publikum mit langem Applaus gefeiert.
Zum Finale führte er das Publikum einem ganz besonderen Moment zusammen: Die Zuschauer sangen in drei verschiedenen Tonlagen, während Cullum sie am Klavier begleitete und daraus einen beeindruckenden musikalischen Augenblick entstehen ließ. Am Ende blieb vor allem eines: ein Konzertabend, der nicht nur durch große Stimmen überzeugte, sondern durch Nähe, Spontaneität und die Magie des gemeinsamen Musizierens.