Dunkel, intensiv, kompromisslos: Kanonenfieber liefern Hamburg Black-Metal-Statement


Kanonenfieber in Hamburg 2026
Am Dienstag, den 23. März 2026 gaben Kanonenfieber in Hamburg ein Konzert. (Bild: Birger Treimer)

Am Abend des 24. März 2026 versammelten sich zahlreiche Metalheads vor der Inselpark Arena in Hamburg, um ein intensives Konzerterlebnis mit Mental Cruelty und Kanonenfieber zu erleben. Bereits eine Stunde vor Beginn sammelte sich eine bunt gemischte Menge vor der Halle – ein durchwachsenes Verhältnis verschiedenster Szenemitglieder, die gemeinsam auf Einlass warteten und die Vorfreude spürbar machten.

Nach kurzer Wartezeit bewegte sich die Schlange zügig nach innen, wo sich direkt ein neuer Brennpunkt bildete: der Merchandising-Stand von Kanonenfieber. Dort entstand eine beeindruckend lange Schlange, da scheinbar jeder ein begehrtes „Kanonen-T-Shirt“ ergattern wollte – zumindest wurde darüber scherzhaft gemunkelt.

Metal Cruelty

Pünktlich um 19:00 Uhr – trotz der auf den Tickets angegebenen, etwas irreführenden Zeit von 19:30 Uhr – betraten Mental Cruelty die Bühne. Für die junge Band war es bereits der dritte Auftritt in Hamburg, und sie nutzten die Gelegenheit, um ihre wachsende Fangemeinde weiter zu beeindrucken. Seit ihrer Gründung hatte sich die Band schnell einen Namen in der extremen Metalszene gemacht, insbesondere durch ihren Stil, der zwischen Metalcore und Deathcore pendelte und oft mit Lorna Shore verglichen wurde.

Der Sound war kraftvoll und druckvoll: Die Gitarren krachten mit voller Wucht, der Bass brachte eine leicht grungige Note ein, und der Schlagzeuger überzeugte durch Dynamik und unermüdlichen Einsatz. Trotz vergleichsweise weniger komplexer Riffs schaffte es die Band, mit eingängigen Melodien das Publikum zu fesseln – viele Gäste nickten synchron im Takt. Auffällig war zudem der vergleichsweise hohe Frauenanteil im Publikum. Eine kuriose Beobachtung bot sich während eines kurzen Gangs zur Toilette: Im ersten Stock war die Schlange bei den Männern länger als bei den Frauen – ein ungewöhnliches Phänomen, das für Schmunzeln sorgte. Vielleicht lag es an der steigenden Nervosität vor dem Auftritt von Kanonenfieber.

Kanonenfieber

Die Halle war schließlich vollständig gefüllt, als um 20:11 Uhr die Hauptband des Abends die Bühne betrat. Kanonenfieber, ursprünglich ein Ein-Mann-Projekt, hatten sich in den letzten Jahren zu einer festen Größe im deutschen Black Metal entwickelt. Besonders bekannt waren sie für ihre thematische Auseinandersetzung mit dem Ersten Weltkrieg sowie ihre markanten Bühnenauftritte mit historischen Uniformen und maskierten Gesichtern.

Musikalisch lieferten sie kompromisslosen deutschen Black Metal: schnelle Riffs, präzise und treibende Schlagzeugrhythmen sowie ein Wechselspiel aus klarem Gesang und Growls gehörten zu ihrem Markenzeichen. Die Bühnendekoration war dabei ein echtes Highlight: Zwischen Bühne und Publikum befand sich ein bewegliches Element, das je nach Song entweder einen Schützengraben oder das Deck eines Schiffes darstellte. Dieses Detail beeindruckte viele Zuschauer – mich eingeschlossen.

Aufgrund technischer Einschränkungen der Halle konnte leider keine Pyrotechnik eingesetzt werden. Dennoch gelang es der Band, eine dichte Atmosphäre zu schaffen: Der Sänger verteilte mit einer Nebelpistole dichten Rauch im Raum, wodurch das Gefühl entstand, sich mitten in einem Kriegsszenario zu befinden. Spätestens bei Songs wie „Die Feuertaufe“, „Die Havarie“ und „Menschenmühle“ erreichte die Stimmung ihren Höhepunkt – das Publikum jubelte lautstark und ließ sich vollständig mitreißen. Am Ende blieb ein unvergesslicher Abend – eine „Night to remember“ voller Energie, Atmosphäre und natürlich: vieler Kanonen.

Text: Helga Königshügel