An einem sonnigen Dienstag machte ich mich auf den Weg zum Kiez in Hamburg, um mir erneut eine ordentliche Portion Metal zu gönnen. An diesem Abend standen skandinavische Klänge aus Norwegen und Schweden auf dem Programm. Schon vor dem Gruenspan bildeten sich lange Schlangen, während mehrere Tourbusse die Straße blockierten. Im inneren Bereich war es bereits früh gut gefüllt und freie Plätze waren kaum noch zu finden.
Vreid
Der Eisbrecher des Abends wurde die Norweger Vreid, deren Name aus dem Norwegischen übersetzt „Zorn“ bedeutet. Pünktlich um 18:30 Uhr betrat die Band die Bühne und stellte unter anderem ihr neues Werk „The Skies Turned Black“ vor. Trotz ihrer inzwischen über 20-jährigen Bandgeschichte ist ihre Herkunft untrennbar mit Windir verbunden, da Vreid nach dem Tod von Frontmann Valfar aus den verbliebenen Mitgliedern hervorging. Diese Geschichte verlieh dem Auftritt für mich eine gewisse Melancholie, da ich Windir nie live erleben konnte. Musikalisch bewegte sich Vreid zwischen Black Metal und rockigeren Elementen, die man durchaus als „Black’n’Roll“ bezeichnen kann. Die Vocals reichten von harschen Growls über hohe Screams bis hin zu klaren Passagen und erinnerten stellenweise an moderne Vertreter wie die aktuelle Musik von Borknagar. Besonders eindrucksvoll war die Widmung des Songs „Skies Turned Black“ an den verstorbenen Ozzy Osbourne. Nach knapp einer halben Stunde endete ein kompakter, aber stimmungsvoller Auftritt, der das Publikum bestens auf den weiteren Abend vorbereitete.
Vomitory
Um 19:20 Uhr betraten Vomitory die Bühne und legten direkt mit dem Klassiker „Revelation Nausea“ los. Die schwedische Death-Metal-Institution präsentierte sich gewohnt kompromisslos: wuchtige Riffs, hohe Geschwindigkeit und gnadenlose Growls bestimmten das Bild. Auffällig war die veränderte Besetzung an den Gitarren. Während Christian Fredriksson seit 2025 fest zur Band gehört und sowohl auf dem aktuellen Album „In Death Throes“ als auch live überzeugte, fehlte Gründungsmitglied Urban Gustafsson aus bislang nicht näher bekannten Gründen. Der etwa 30-minütige Auftritt war intensiv, präzise und ließ kaum Verschnaufpausen.
Abbath
Anschließend wurde es noch voller im Gruenspan, als sich alles auf den nächsten Act vorbereitete: Abbath, bekannt als ehemaliger Frontmann von Immortal. Viele Fans erschienen stilecht im Corpsepaint, was mich stellenweise an eine Mischung aus Black Metal, Katzen und Pandas erinnerte. Um 20:10 Uhr begann die Show. Anfangs wirkte der Gesang noch etwas leise abgemischt, doch im Verlauf des Sets besserte sich der Sound deutlich. Abbath überzeugte mit charismatischer Bühnenpräsenz und einer angenehm unaufgeregten und nüchtern wirkenden Art. Spätestens bei Immortal-Klassikern wie „Tyrants“ oder „One by One“ verwandelte sich der Raum in eine frostige Klanglandschaft. Optisch blieb er seinem Stil treu: Ledermontur, Nieten, hohe Stiefel und das charakteristische Corpsepaint durften natürlich nicht fehlen. Leider fiel auch dieser Auftritt etwas kurz aus und endete bereits gegen 21:00 Uhr.
Hypocrisy
Den Abschluss bildeten schließlich Hypocrisy, die im Rahmen ihrer „Mass Hallucination Tour 2026“ die Bühne betraten. Bereits vor Beginn fiel mir die riesige Auswahl an Merchandising-Artikeln auf: von T-Shirts über Vinyl bis hin zu Kassetten für Nostalgiker. Um 21:30 Uhr startete die Band ihr Set, und sofort setzte Bewegung im Publikum. Die ersten Crowdsurfer ließen nicht lange auf sich warten und fingen an, sich bemerkbar zu machen.
Frontmann Peter Tägtgren präsentierte sich ohne große Showelemente, dafür aber mit umso mehr Energie. Unterstützt wurde der Auftritt durch visuelle Animationen auf den Displays im Hintergrund. Die Setlist bot eine gelungene Mischung aus Klassikern und neueren Songs. Besonders freute ich mich über Titel wie „Eraser“, „End of Disclosure“, „Fractured Millennium“, „Inferior Devoties“ und „Warpath“.
Technisch präzise, druckvoll und mitreißend zeigte Hypocrisy einmal mehr, warum sie seit den frühen 1990er-Jahren zu den festen Größen im Death Metal zählen. Der apotheotische Auftritt war geprägt von intensiver Energie und einer starken Verbindung zum Publikum, das jeden Song frenetisch feierte.
Gegen 22:45 Uhr endete ein insgesamt herausragender Konzertabend. Zufrieden und mit einem breiten Grinsen im Gesicht verließen die Besucher die Location, als hätten sie gerade eine besonders gelungene Gute-Nacht-Geschichte erzählt bekommen.
Autor: Helga Königshügel
























































