Dienstagabend, der 4. Juni 2025 in Rostock, grauer Himmel, aber Frühlingswetter. Die perfekte Kulisse für einen Industrial-Metal-Abend der Extraklasse. Und tatsächlich: Der M.A.U. Club verwandelte sich für ein paar Stunden in eine brodelnde Kathedrale der Härte, als COMBICHRIST im Rahmen ihrer „Still Making Monsters“-Tour Halt in der Hansestadt machten. Mit im Gepäck: Zwei spannende Support-Acts, die dem Publikum schon früh den Puls nach oben trieben.
Düstere Eleganz mit Biss – CRIMSON VEIL eröffnen den Abend
Pünktlich zum Einlass füllte sich der traditionsreiche Club am Stadthafen langsam mit schwarzgewandeten Gestalten, Boots, Leder, Nieten – das Industrial-Volk war versammelt. CRIMSON VEIL machten um kurz nach acht den Auftakt und setzten gleich ein düster-schillerndes Ausrufezeichen. Die Mischung aus Dark Rock, Industrial und einer Prise Gothic wirkte wie der Soundtrack zu einem postapokalyptischen Roadmovie – düster, emotional, aber mit Punch. Sängerin und Band zeigten eine eindrucksvolle Bühnenpräsenz, durchdrungen von Energie und Theatralik, ohne jemals ins Kitschige abzudriften. Besonders hervorzuheben: die gelungene Balance zwischen Atmosphäre und Härte – ein Auftakt, der Lust auf mehr machte und das Publikum bereits erstaunlich früh aus der norddeutschen Zurückhaltung lockte.
ESOTERIK: Elektro-Attacke trifft Metal-Maschine
Danach übernahm ESOTERIK das Ruder – und das mit Nachdruck. Der Hybrid aus elektronischen Soundwellen, hämmernden Gitarren und fast tranceartigen Synth-Parts sorgte für das erste richtige Beben im Saal. Frontmann Steven hat die Mischung aus Charisma, Wahnsinn und Entertainer-Qualitäten, die man in diesem Genre braucht, um sich von der Masse abzuheben. Mit Songs, die zwischen Tanzfläche und Abrissbirne pendelten, brachten sie die Menge endgültig zum Kochen. Manch ein Fan konnte die Füße nicht mehr stillhalten – Industrial kann eben auch clubtauglich sein.
COMBICHRIST – 15 Jahre „Making Monsters“ und kein bisschen leise
Als dann schließlich das Licht erlosch und die ersten düsteren Klänge von COMBICHRIST den Raum erfüllten, war klar: Jetzt wird’s ernst. Oder besser gesagt: Jetzt wird’s laut, wild und unvergesslich. Andy LaPlegua, charismatischer Kopf der norwegisch-amerikanischen Formation, betrat die Bühne mit der Energie eines Vulkanausbruchs. Der Anlass: 15 Jahre „Making Monsters“ – ein Album, das für viele Fans der Einstieg in die düstere Welt von COMBICHRIST war. Doch Nostalgie war nur ein Teil des Pakets: Auch neue Songs vom aktuellen Album „CMBCRST“ fanden ihren Weg in die Setlist und fügten sich nahtlos in den brachialen Soundkosmos ein.
Was folgte, war ein Industrial-Metal-Gewitter par excellence. Stampfende Beats, peitschende Gitarren und eine Lichtshow, die selbst gestandenen Festivalbühnen zur Ehre gereicht hätte. LaPlegua agierte wie ein Mann, der nicht performt, sondern lebt, was er singt – mit direktem Blickkontakt zum Publikum, viel Interaktion und einer Portion Wahnsinn, die genau richtig dosiert war. Klassiker wie „Throat Full of Glass“, „Follow the Trail of Blood“ oder „Never Surrender“ wurden frenetisch gefeiert, während neue Tracks wie „Compliance“ oder „Modern Demon“ zeigten, dass COMBICHRIST auch 2025 noch kraftvoll in die Zukunft blicken.
Als das letzte Feedback verklang, das Licht wieder anging und sich ein dampfender M.A.U. Club langsam leerte, war klar: Das war kein gewöhnlicher Dienstagabend. COMBICHRIST haben einmal mehr bewiesen, warum sie zur Speerspitze der Industrial-Metal-Szene gehören. Ihr Auftritt war laut, roh, ehrlich – und dabei überraschend emotional. Unterstützt von zwei vielversprechenden Acts, war der Abend eine Art Mini-Festival für Freunde dunkler, harter Klänge. Wer da war, wird’s nicht vergessen. Und wer’s verpasst hat – tja, der hat definitiv was verpasst.





























