Die Applaus-Konzerte in Braunschweig stehen 2026 unter besonderen Vorzeichen. Die gewohnte Grünfläche der Wolters Brauerei steht wegen der Insolvenz von Wolters nicht wie üblich zur Verfügung, weshalb die Konzertreihe auf das Gelände rund um das Schön & Frölich verlegt wird. Für das Publikum bedeutet das am Mittwoch, den 12. August: anderer Ort, gleiche Mission – raus aus dem Alltag, rein in den Sommerabend, und im Fall von Bitch Is Back – The Elton John Show natürlich direkt hinein in Pailletten, Piano-Pop und sehr viel britischen Glamour.
Dass die Verlegung dem Abend keinen Abbruch tut, merkt man beim ersten Eindruck. Das Schön & Frölich wird für die Applaus-Konzerte zur Ersatz-Heimat mit Charme, und gerade eine Tribute-Show wie diese lebt ohnehin weniger vom perfekten Rasen als von Songs, Haltung und Spielfreude. Die Gruppe um Braunschweiger und Frontmann Jens Duckstein bringt dafür genau das richtige Besteck mit. Die sechsköpfige Liveband – heute mit Unterstützung am Saxophon sowie später beim Gesang durch Musikkollege „George Michael“, die Elton Johns Hitkosmos nicht als Karnevalskopie behandelt, sondern als Pop- und Rock-Erbe mit ordentlich Tastendruck.
Im Mittelpunkt steht natürlich der Sänger und Pianist Duckstein, der durch Eltons Jahrzehnte führt und dabei weder vor großen Melodien noch vor extrovertierter Garderobe zurückschreckt. Zur Band gehören außerdem Torsten „Ted“ Lutz an der Gitarre, Britta Breuckmann am Bass sowie Mirja Lendt und Julia Weidner an den Vocals sowie olafe. am Schlagzeug. Diese Besetzung ist wichtig, denn Elton-John-Songs funktionieren live nur dann richtig, wenn sie nicht dünn nach Playback-Postkarte klingen, sondern nach Band, Chor, Groove und großem Pop-Theater.
Musikalisch greift die Show tief in ein Werk, das längst zum kollektiven Popgedächtnis gehört. Elton John hat mit Songs wie „Rocket Man“, „Your Song“, „Crocodile Rock“, „Tiny Dancer“, „I’m Still Standing“, „Don’t Go Breaking My Heart“, „Sorry Seems to Be the Hardest Word“, „Candle in the Wind“ und natürlich „The Bitch Is Back“ Generationen begleitet. Diese Lieder sind keine bloßen Oldie-Radiofossilien, sondern kleine Bühnenmaschinen: sofort wiedererkennbar, melodisch groß, manchmal rührend, manchmal frech und fast immer gefährlich mitsingbar.
Genau hier liegt die Stärke von Bitch Is Back. Die Band versucht nicht, Elton John museal unter Glas zu stellen, sondern holt seine Songs dorthin zurück, wo sie hingehören: auf eine Bühne, vor Menschen, die Refrains kennen, auch wenn sie sich nicht immer daran erinnern, woher. Zwischen Rock’n’Roll, Ballade, Gospel-Schimmer, Pop-Glanz und Piano-Pathos entsteht ein Abend, der gleichermaßen für eingefleischte Elton-Fans wie für Gelegenheitshörer funktioniert. Man kommt vielleicht wegen „I’m Still Standing“ – und bleibt, weil die Band den Katalog mit echter Live-Energie füllt.
Auch für die Applaus-Konzerte ist dieser Abend ein passender Programmpunkt. Nach der notwendigen Verlegung vom Wolters-Gelände ins Schön & Frölich zeigt die Reihe, dass sich Kultur nicht an einer bestimmten Wiese festklammern muss. Entscheidend ist, dass Menschen zusammenkommen, Musik hören und für zwei Stunden vergessen, dass ein Sommer in Braunschweig organisatorisch manchmal mehr Drama hat als eine Elton-John-Brille mit Federbesatz.
Am Ende bleibt ein Konzert, das aus der Not des Ortswechsels keinen Makel, sondern einen neuen Rahmen macht. Das Schön & Frölich wird für diesen Abend zur kleinen Elton-John-Zentrale Braunschweigs, und Bitch Is Back zeigen, wie lebendig Tribute-Shows sein können, wenn sie mit Respekt, Können und sichtbarer Lust gespielt werden. Wer an diesem Abend still sitzen bleibt, hat vermutlich entweder sehr robuste Selbstbeherrschung oder noch nie verstanden, was ein guter Piano-Refrain mit einem Menschen anrichten kann.