Es gibt Konzerte, bei denen man schon nach den ersten Minuten merkt, dass der Abend funktionieren wird. Genau so ein Abend war es am Dienstag im Hamburger Docks. Die ursprünglich geplante Tour von Beyond the Black war aus dem Frühjahr verschoben worden, nun wurde der Termin nachgeholt – und das ausverkaufte Docks zeigte ziemlich deutlich, dass die Fans das Warten nicht übelgenommen hatten.

Den Abend eröffneten SETYØURSAILS aus Köln – und die sorgten schon ziemlich früh dafür, dass niemand einfach gemütlich an seinem Platz stehen blieb. Musikalisch ist die Band schwer auf ein einziges Genre festzunageln. Metalcore bildet das Fundament, dazu kommen Elemente aus Post-Hardcore und Melodic Hardcore, elektronische Sounds und immer wieder diese Wechsel zwischen melodischen Passagen und wuchtigen Breakdowns. Genau diese Mischung funktioniert live ausgesprochen gut. Die Gitarren drücken ordentlich nach vorne, die Drums treiben die Songs an und darüber sitzt die Stimme von Jules Mitch, die innerhalb eines Songs von klaren, melodischen Passagen in aggressive Screams wechseln kann.

Und vor allem: SETYØURSAILS spielen ihre Musik nicht einfach nur herunter. Die Band bringt eine enorme Energie auf die Bühne. Jules Mitch ist ständig in Bewegung, sucht den Kontakt zum Publikum und schafft es damit ziemlich schnell, die Distanz zwischen Bühne und Zuschauerraum verschwinden zu lassen. Dafür sorgt auch der Bassist mit seinen Ausflügen in dieMenge und „auf“ den Tresen. Im Docks dauerte es entsprechend nicht lange.

Der musikalische Kontrast zu Beyond the Black war dabei sogar ein Glücksfall. Statt schon vor dem Headliner in derselben Klangwelt zu bleiben, brachten SETYØURSAILS eine deutlich härtere, modernere und aggressivere Note in den Abend. Songs wie „In My Head“, „Bad Company“ und „FCK OFF“ funktionieren mit ihren druckvollen Riffs, Breakdowns und den Wechseln zwischen Melodie und Härte hervorragend als Live-Material.

Nach der Umbaupause wurde es noch einmal merklich voller vor der Bühne. Das Docks war ausverkauft, und die Erwartung war förmlich zu spüren. Viele der Menschen im Saal hatten also bereits einmal auf diesen Abend gewartet – jetzt sollte er endlich stattfinden.

Als die Lichter ausgingen und Beyond the Black die Bühne betraten, war von einer möglichen Enttäuschung über die Verschiebung nichts mehr zu spüren. Mit „Break the Silence“ startete die Band direkt kraftvoll in ihr Set. Mit „Hysteria“ und „Rising High“ ging es anschließend weiter. Schon hier zeigte sich, was den Sound von Beyond the Black live ausmacht: druckvolle Gitarren, treibendes Schlagzeug und große, eingängige Melodien, die auch in einem vollgepackten Docks sofort funktionieren. Dabei setzt die Band nicht ausschließlich auf Härte. Vielmehr entsteht die Wirkung durch die Mischung aus schweren Gitarren und den großen, emotionalen Refrains. Genau diese Kombination gibt Beyond the Black ihren eigenen Charakter und sorgt dafür, dass die Songs gleichermaßen kraftvoll wie melodisch wirken.

Im weiteren Verlauf nahm die Band das Publikum mit auf eine Reise durch ihre bisherige Geschichte. „Heart of the Hurricane“, „Reincarnation“ und „Songs of Love and Death“ trafen dabei auf neuere Stücke und zeigten, wie breit das musikalische Spektrum der Band inzwischen geworden ist. Bei „Wounded Healer“, „Ravens“ und „The Flood“ wurde es wieder deutlich härter, während andere Songs stärker von ihren emotionalen und melodischen Momenten lebten.

Besonders bei „Lost in Forever“ zeigte sich, wie gut die Verbindung zwischen Band und Publikum an diesem Abend funktionierte. Wegen einem medzinischen Einsatz musste die Band den Song zwar kurz unterbrechen, aber konnte dann normal den Song erneut starten. Das Docks sang mit, und aus der zunächst erwartungsvollen Stimmung war längst eine richtige Konzertatmosphäre geworden. Auch „Written in Blood“ und „Let There Be Rain“ fügten sich nahtlos in den abwechslungsreichen Abend ein. Im letzten Teil des regulären Sets wurde es noch einmal besonders emotional. „When Angels Fall“ und „Shine and Shade“ führten schließlich zu „In the Shadows“, mit dem Beyond the Black zunächst die Bühne verließen. Für die Zugabe kamen Beyond the Black noch einmal zurück. „The Art of Being Alone“, „Running to the Edge“ und schließlich „Hallelujah“ bildeten den Abschluss eines Konzerts, das musikalisch verschiedene Phasen der Band miteinander verband.

Nach rund eineinhalb Stunden war der Abend vorbei. Was blieb, war vor allem die Stimmung eines Konzerts, das sich trotz seiner Vorgeschichte überhaupt nicht nach einem bloßen Nachholtermin anfühlte. Ein ausverkauftes Docks, ein Publikum, das bereits beim Support voll dabei war, und zwei Bands, die musikalisch sehr unterschiedliche Akzente setzten, machten den Abend zu einem gelungenen Konzertabend.