Aus dem Effeff – Tom Schilling & The Jazz Kids in Hannover


Tom Schilling & The Jazz Kids in Hannover
Tom Schilling & The Jazz Kids spielten am Sonntagabend ein Konzert im LUX in Hannover (Bild: stagr / Isabelle Hannemann)

Zum Wochenausklang ein Konzert von Tom Schilling and the Jazz Kids zu besuchen, war nicht die schlechteste Idee. Klar, dass sich das angesichts der Bekanntheit des Künstlers viele – vor allem Frauen – dachten und das Konzert im Lux so restlos ausverkauft war.

Pünktlich um 20:00 Uhr schreitet Tom Schilling auf die Bühne, akkurat gekleidet, vom Scheitel bis zur Sohle inklusive Krawattennadel. Zugegeben der Scheitel ist wild verhuscht, aber anders wäre es auch komisch gewesen. Was das Styling betrifft, erfüllte Schilling demnach alle Erwartungen.

Wortgewandt kündigt er seinen – doppelt so großen- Supporting Act Andreas Vey an: „Andreas singt wie ein Engel“.
Besagter Engel hat bereits alle vorherigen Konzerte mit den Jazz Kids gespielt, Hannover bildet als letzte Station der Tour dabei keine Ausnahme.

Gottlob, möchte man sagen. Vey macht seine Sache gut, auch wenn das Publikum natürlich auf Tom Schilling wartet. Doch die erfrischende Art Veys nimmt die Hörerschaft sofort für ihn ein. Sein Hinweis, man könne sich seine Visitenkarte später am Merchstand abholen, wird lachend und klatschend goutiert. Nicht minder sympathisch der musikalische Vortrag und die selbstironische Feststellung beim Songwriting vergessen zu haben, dass man beim Singen auch mal Luft holen müsse.

Die selbst geschriebenen Stücke in englischer Sprache begleitet vom Piano waren eingängig und gefielen. Im März erscheint übrigens das erste Album des aus der Nähe von Hameln stammenden Sängers, der in Anwesenheit seiner Eltern quasi ein Heimspiel hat.

Nach gut 40 Minuten ist es dann soweit, Tom Schilling und die Jazz Kids übernehmen. Zunächst steht der Künstler allein auf der Bühne, für das Intro wird es dunkel. Als Opener dient Hildegard Knefs „Wenn ich mir was wünschen dürfte“. Der Song schwappt ins Dunkel. Nach und nach schleichen sich die Jazz Kids durchs Publikum nach vorn, und die Musiker wirken tatsächlich kindlich und zart. Was das Styling angeht, sind die Kids Musterschüler, sehen toll aus. Anzüge, gute Schuhe, Krawattennadel, wunderbar. Da stimmt das Gesamtbild.

Die Band hat ein paar unveröffentlichte Songs mitgebracht und zusammen mit den bekannten Melodien wird daraus ein großes Ganzes. Tom Schilling wirkt ein bisschen müde und pflegt sein Understatement. Die eigenen Stücke kündigt er weit weniger enthusiastisch an als die seines Vorsängers. Aber: das tut dem musikalischen Genuss keinen Abbruch.

Besonders berührend, das Lied von Bettina Wegner. So früh am Abend kommt es etwas unerwartet. Doch die Band und ihr charismatischer Frontmann kriegen danach wieder die Kurve, beschwingter geht es weiter und macht tatsächlich richtig Spaß. Sie beherrschen es einfach aus dem Effeff die Balance zwischen Melancholie und Freude zu halten und transportieren diese Stimmung ins Publikum.

Vielen Dank, und gerne wieder. Nach einem solchen Sonntag startet man besser in die Woche.