Unsere Highlights – Mera Luna Festival 2025 am Sonntag


Mera Luna Festival 2025 am Sonntag
Am Sonntag, den 10,. August 2025 ging das Mera Luna Festival in Hildesheim in seinen dritten und letzten Festivaltag. (Bild: Rüdiger Knuth)

Im M’era Luna Festival-Sonntag am 10. August 2025 vereinte sich in Hildesheim unter der heißen Sonne wieder alles, was die Schwarze Szene einzigartig macht: Musik, Mode, Workshops und Community mit Festivalherz. Die Stimmung war lässig-tiefgründig: Zwischen Händeklatschen und Tanzflächenromantik auf dem Hangargelände spürte man die kreative Energie der Festivalcrowd.

Tagsüber stand Schwarzsein zum Mitmachen an – vom Yoga auf der Landebahn über Make‑Up‑Workshops bis zu Lydia Beneckes spannendem Vortrag im Hangar über „The Psychology of Manipulation“, der tief ging und zugleich unterhielt. Am späten Abend brillierten auf der Main Stage Bands wie And One, Subway to Sally, Blutengel, Rotersand, Leather Strip und Lacuna Coil mit klanglicher Vielfalt zwischen Synthpop, Gothic Rock und EBM – ein Abschluss, der zeigte: Das M’era Luna lebt von Musik, Haltung und ganz eigener Ästhetik.

Coppelius

Coppelius betraten die Main Stage des M’era Luna – und verwandelten das Festivalgelände kurzerhand in ein viktorianisches Theater voller Wahnsinn, Charme und Kammer-Core. Mit Klarinette, Cello, Schlagwerk und Zylinder servierten Bastille, Graf Lindorf, Sissy Voss, Max Coppella, Nobusama und Der Butler ihre ganz eigene Mischung aus Metal, Oper, Kabarett und gepflegter Absurdität. Die Band, die längst Kultstatus erreicht hat und regelmäßig die Alternative-Charts entert, zeigte erneut, wie gut orchestraler Irrsinn und harte Riffs zusammenpassen. Zwischen Butler-Service, Celloduellen und absurder Etikette lieferte die Show alles – außer Vorhersehbarkeit. Wer da nicht wenigstens einmal feierlich genickt hat, war vermutlich tot… oder kein Freund außergewöhnlicher Live-Erlebnisse.

Corvus Corax

Corvus Corax entfachten danach ein mittelalterliches Spektakel, das gleichzeitig nach Rauch, Schweiß und Festivallegende roch. Die Könige der Spielleute – angeführt von Castus Rabensang, Norri der Weise und ihren sackpfeifenstarken Gefährten – riefen mit donnernden Drums, Dudelsäcken und markigen Rufen zu einem Tanz, dem sich niemand entziehen konnte. Seit Jahrzehnten prägen sie die Mittelalter- und Folk-Szene, touren weltweit und haben mit Projekten wie Cantus Buranus bewiesen, dass zwischen Geschichte und Bombast nur ein Takt liegt. Ihre Live-Show war laut, wild, ekstatisch – ein Klanggewitter wie aus einer anderen Zeit, das trotzdem perfekt ins Hier und Jetzt passte.

Versengold

Versengold haben danach auf der Main Stage wortwörtlich ein Feuerwerk gezündet – mit Pyro, Konfettikanonen und jeder Menge Mittelalter-Folk-Power. Ihre Mischung aus traditionellen Instrumenten, modernen Arrangements und ehrlichen Texten brachte das Publikum zum kollektiven Hüpfen. Ihre Setlist und Spielfreude zeigte, warum sie längst zu den festen Größen der deutschsprachigen Festivalbühnen gehören. Die Band überzeugte mit Humor und einer Nähe zum Publikum, die selten so authentisch wirkt. Wer hier nicht klatschte, tanzte oder grölte, war entweder taub – oder beim falschen Festival.

Lacuna Coil

Düstere Atmosphäre und Metal-Wucht, das bekamen die Zuschauer als nächstes vor der Main Stage. Lacuna Coil lieferten ein kraftvolles Set ab. Die Mailänder Band um Cristina Scabbia und Andrea Ferro zeigte mit ihrer markanten Dual-Vocal-Performance, warum sie seit Jahrzehnten zu den Aushängeschildern des Gothic Metal zählen. Mit Klassikern und neueren Brechern rissen sie das Publikum mühelos mit. Die Bühne pulsierte im Wechselspiel aus brachialen Riffs, melancholischer Melodie und einer Lichtshow, die zwischen Hölle und Himmel tanzte. Das war keine Musik zum Nebenbei-Hören – Lacuna Coil hatten eine Live-Wucht mit Herz, Härte und Haltung.

Blutengel

Blutengel brachten die Main Stage mit einer düster-romantischen Show zum Leuchten – ganz in Schwarz, aber mit reichlich Glitzer. Chris Pohl und Ulrike Goldmann lieferten den gewohnt dramatischen Mix aus Dark Pop, Gothic-Electro und bittersüßen Hymnen, der längst Kultstatus in der Szene genießt. Mit Songs wie Reich mir die Hand und Wir sind das Licht feierten sie nicht nur ihre größten Erfolge, sondern ließen auch das Publikum in melancholischer Euphorie tanzen. Ihre Liveshow bot alles: opulente Lichtkulisse, Tänzerinnen in Lack und Leder, und eine Stimme, die zwischen Verführung und Verzweiflung oszillierte. Blutengel war ein gefühlvoller Abgesang auf ein großartiges Festivalwochenende.

Subway to Sally

Subway to Sally rissen zum baldigen Tagesende noch einmal mit einem Mix aus Mittelalter-Rock, Metal und Folk-Energie buchstäblich das Gelände ab. Eric Fish und seine Mitstreiter – darunter Bodenski, Simon, Ingo Hampf und Ally Storch – bewiesen einmal mehr, warum sie seit Jahrzehnten zur Speerspitze der Szene gehören. Ihre Songs, irgendwo zwischen Tanzwut und Tiefgang, erzählten von Feuer, Dunkelheit und Sehnsucht – getragen von Geige, Dudelsack, Gitarren und charismatischem Gesang. Mit Klassikern wie Kleid aus Rosen und Eisblumen sowie neuen Stücken vom aktuellen Album bot die Band eine mitreißende, kraftvolle Show mit Gänsehautgarantie. Subway to Sally lieferten kein Nostalgie-Set – sie lieferten pure Bühnenmagie, die das Festival würdig Richtung Finale führte.

And One

And One setzten am Sonntagnacht als letzter Act den glitzernden Schlusspunkt unter das M’era Luna Festival 2025 und sein wunderbares Jubiläum – und verwandelten das Gelände in eine riesige Synthpop-Party mit nostalgischem Herzschlag. Steve Naghavi und seine Crew – inklusive Joke Jay und Nico Wieditz – feuerten ein Hit-Feuerwerk zwischen Military Fashion Show, Techno Man und neuen Tracks ab, das sowohl Oldschool-Fans als auch neue Generationen elektrisierte. Ihr Sound: elektronische 80er-Vibes, clubtauglicher EBM und jede Menge Ironie, serviert mit Sonnenbrille und Seitenhieb. And One waren nie nur Musik – sie waren Attitüde mit Tanzbefehl. Die Lightshow pulsierte, der Bass wummerte, das Publikum tanzte, als gäbe es kein Morgen (was ja bei einem Festival irgendwie auch stimmt). Besser hätte man das M’era Luna nicht beenden können – mit einem letzten, schweißtreibenden “Zugabe!” in die Nacht.

Für 2026 steht natürlich bereits der neue Termin fest. Vom 8. bis 9. August 2026 kommen Bands wie In Extremo, Within Temptation, OMD, Floor Jansen, Front Line Assembly, Combichrist, L’Ame Immortelle, Agonoize, Megaherz, Aesthetic Perfection, IAMX, Nachtmahr, KMFDM und viele mehr nach Hildesheim. Der Ticketvorverkauf startet in Kürze.