Das M’era Luna Festival 2025 in Hildesheim war wieder der schwärzeste, stilvollste und zugleich herzlichste Treffpunkt der Schwarzen Szene – und das bei perfektem Festivalwetter. Die Anreise begann am Freitagvormittag und lief organisiert und dank entspannter Besucher reibungslos ab – Zelte und WoMos standen schnell, Deko wurde drapiert, die Vorfreude knisterte – schließlich startete am Freitag, den 8. August auch direkt schon das Programm der 25. Festival-Jubiläumsausgabe auf dem Flugplatz Hildesheim.
Sonnig und warm ging es los, als hätte der Wettergott persönlich Bock auf das diesjährige M’era Luna. Tagsüber boten Lesungen und Crypt Talks jede Menge Input für Geist und Szene, abends verzauberten Stimmgewalt und Lord of the Lost die Main Stage mit opulenten Klangwänden und großer Geste. Zwischen Sonnenbrillen, Staubwolken und ersten kalten Drinks war klar: Wer heute nass wurde, stand entweder unter der Bierdusche, war im engen Kostüm zu sehr warm angezogen oder tanzte stundenlang direkt vor der Bühne.
Stimmgewalt
Stimmgewalt eröffneten den allerersten dritten Festivaltag in der Geschichte des M’era Luna – eine Jubiläumszugabe zum 25-jährigen Bestehen, die besser kaum hätte beginnen können. Die Berliner A-cappella-Formation zeigte eindrucksvoll, dass man für Gänsehaut keine Gitarren braucht – nur Stimmen, Power und Präsenz. Mit ihren mehrstimmigen Arrangements, die von mittelalterlicher Klangkunst bis zu düsterem Metal-Chor reichen, verwandelten sie das Festivalgelände in ein akustisches Monument. Die Gruppe, bestehend aus über einem Dutzend stimmgewaltiger Mitglieder überzeugte nicht nur musikalisch, sondern auch mit charismatischer Bühnenpräsenz. Ihre Performance war atmosphärisch, technisch brillant und emotional bewegend. Wer pünktlich zum Festivalstart vor Ort war, durfte sich über ein Konzert freuen, das den perfekten, würdevollen Auftakt für das große Jubiläumswochenende bildete.
Lord of the Lost
Lord of the Lost waren nicht nur die zweite Band des Tages, sie waren auch gleichzeitig direkt finaler Headliner, denn so feierte das erstmals dreitägige M’era Luna Festival sein 25-jähriges Jubiläum. Und das mit einem Paukenschlag auf der Main Stage. Wie oft war die Hamburger Band rund um Frontmann Chris Harms schon zu Besuch beim M’era? Einige Male waren es bestimmt – zumindest, haben wir sie schon gern in 2024, 2018 und 2016 gesehen. Nun ging es ans Eingemachte, LOTL lieferten eine fulminante Show aus düsterem Glam, brachialem Dark Rock und emotionaler Theatralik. Ihre Musik, irgendwo zwischen Industrial, Gothic und orchestraler Epik, machte deutlich, warum sie längst zur Speerspitze der Szene gehören – spätestens seit ihrem ESC-Auftritt 2023 und dem internationalen Durchbruch. Mit kraftvollen Hymnen brachten sie die Menge zum Kochen, als wäre es bereits Samstagabend. Die Bühne bebte unter Pyros, Flammenwänden und einem perfekt inszenierten Sound – theatralisch, laut, grandios. Neben Harms standen natürlich auch Gitarrist π, Bassist Klaas Helmecke, Drummer Niklas Kahl und Multiinstrumentalist Gared Dirge in Topform. Die Stimmung: elektrisierend und ausgelassen – ein würdiger Auftakt für ein Festival, das sich dieses Jahr etwas mehr gönnte. Wer so früh schon angereist und vor der Bühne war, der wurde belohnt: mit einer Show, die jeden Cent des Wochenendtickets schon am ersten Abend gerechtfertigt hat.
So war der Samstag
Auch am Samstag, dem 9. August, lachte die Sonne – bei bis zu 27 °C luden Gothic- und Mittelaltermarkt mit Accessoires, Corsagen, Schmuck und Rüstzeug zum stilvollen Shoppen, während die Gothic Fashion Show im Hangar das Who’s-Who der düsteren Mode zelebrierte. Musikalisch folgte eine Reise von Neofolk über Electro bis Industrial – mit Szenegrößen, feinem Sound und Gänsehautmomenten. Was das M’era Luna besonders macht? Die einzigartige Mischung aus Musik, Kunst, Stil, Gemeinschaft und einer tiefen Verbundenheit, die hier nicht nur tragbar, sondern auch tanzbar ist.
Mit zwei Bühnen, die eine exquisite Auswahl an dunklen Subgenres boten, stand den Gästen ein musikalisches Fest bevor. Nahezu 20 Bands traten an diesem Tag auf, was die Qual der Wahl zu einem süßen Dilemma machte. Auch die Club Stage, die seit 2022 als zweite Freiluftbühne bereit steht, begeisterte mit ihrem weiterhin futuristischen, UFO-ähnlichen Design und bot eine einzigartige Atmosphäre.
Ost+Front
Ost+Front legten für uns beim M’era Luna 2025 am Samstag den Tagesstart hin und lieferten auf der Main Stage ein düsteres, industrial-getränktes Inferno mit brachialen Riffs, martialischer Ästhetik und provokanten Texte inklusive. Die Berliner NDH-Provokateure rund um Frontmann Herrmann Ostfront sind bekannt für ihre kompromisslose Mischung aus Metal, Elektro und Theatralik, die irgendwo zwischen Rammstein-Schule und bitterbösem Satirekabarett angesiedelt ist. Die Show: eine makabre Performance zwischen Blut, Rauch und schwarzem Humor, bei der man nie wusste, ob man lachen, tanzen oder fliehen sollte. Wer Ost+Front live erlebt hat, sei es dieses Mal oder bei einer der Shows in 2022 oder 2017 hier an gleicher Stelle, der bekam kein Konzert – sondern ein groteskes aber gutes Gesamtkunstwerk.
Universum 25
Treibende Synthwellen und melodiöser Futurepop, dass war es, was Universum 25 danach auf der Main Stage für das Festivalpublikum bereithielt. Die Dresdner Band verband epische Klanglandschaften mit kraftvollen Beats und packenden Vocals – irgendwo zwischen VNV Nation, Assemblage 23 und tanzbarer Emotionalität. Ihre Live-Show war visuell wie musikalisch ein Statement: mitreißende Dramaturgie und Michael Robert Rhein’s professionelle aber vor allem charismatische Bühnenpräsenz (man kennt ihn auch als das Letzte Einhorn bei der Mittelalterrockband In Extremo) zogen die Menge in ihren Bann. Ein bemerkenswerter Auftritt, der zeigte: Universum 25 lieferten nicht nur Musik – sie boten ein fesselndes Erlebnis für Szene-Veteranen und Neuentdecker gleichermaßen.
Faun
Faun traten ebenfalls auf der Main Stage des M’era Luna auf und entführten das Publikum in eine verwunschene Welt aus Mittelalterklängen, mystischen Poesie und akustischer Virtuosität. Die Band verbindet seit Jahren mittelalterliche Instrumente wie Harfe, Dudelsack und Nyckelharpa mit modernen Folk-Arrangements – eine charakteristische Mischung, die ihren multimedialen Erfolg und Bestseller-Alben rechtfertigt. Mit Songs wie „Federkleid“ und „Eden“ hatten sie bereits die deutschen Charts bestürmt und ihre Live-Shows waren stets ausverkauft. Ihr Auftritt in Hildesheim war ein emotionales Ritual: sanfte Chöre, berührende Stimmen und eine fast sakrale Bühnenatmosphäre, in der die Zeit stehenzubleiben schien.
Funker Vogt
Funker Vogt verwandelten den Bereich vor der Club Stage in ein pulsierendes Schlachtfeld aus harten Beats, wummernden Bässen und kompromisslosem EBM-Sound. Chris L. am Mikro und Gerrit Thomas an den Maschinen lieferten eine gnadenlose Mischung aus Clubkrachern wie Tragic Hero und Gunman sowie neuem Material, das nahtlos in die Setlist passte. Seit den 90ern für ihren militärisch geprägten Industrial-Style und energiegeladene Live-Shows bekannt, bewiesen sie einmal mehr, dass sie keine Gefangenen machen. Das Publikum tanzte, sprang und sang mit, als wären die Songs Manifest und Marschbefehl zugleich.
Joachim Witt
Joachim Witt (der bereits in den Jahren 2023, 2019 und 2015 hier zu Gast war – zumindest waren wir damals mit dabei) brachte am frühen Samstagabend die Main Stage mit seinem unvergleichlichen Mix aus NDH‑Legende und Synthpop‑Pionier zum Beben. Sein Sound – kraftvolle E‑Gitarre trifft markante Stimme auf düster-schwelgende Beats – hat ihn seit den 80ern zu einem Fixstern der deutschen Alternative-Szene gemacht. Songs wie „Der Goldene Reiter“ und „Gloria“ verhalfen ihm nicht nur zu Chartplatzierungen in mehreren Jahrzehnten, sondern brachten ihm ihm auch Kultstatus ein. Die Show war ein eher stilistisches aber emotionales Feuerwerk: Joachim Witt stand im Zentrum, umgeben von Lichtstimmungen zwischen Schwarzlicht und Nebel, und performte mit spürbarer Leidenschaft, die Klassiker und neuere Stücke gleichermaßen zum Leben erweckte. Wer Witt live erlebt hat, spürte: das war mehr als ein Auftritt – das war musikalische Zeitreise mit ikonischer Bühnenpräsenz.
Apocalyptica
Apocalyptica traten wenig später auf der Main Stage des M’era Luna auf und lieferten einmal mehr ihren typischen Mix aus cellogetriebenem Metal, klassischer Virtuosität und orchestraler Dramatik. Auch eine Band, die man als gern gesehener Gast auf dem M’era Luna erleben konnte, beispielsweise in 2016 zuletzt hier gewesen. Die Finnen – bestehend aus Eicca Toppinen, Perttu Kivilaakso und Paavo Lötjönen –, unterstützt von Schlagzeug und Gästen, kombinierten wieder ihre energiegeladene Metal-Coverversionen mit eigenen epischen Kompositionen. Mit Millionen verkauften Alben, weltweiten Tourneen und Chartplatzierungen in Europa und den USA haben sie bewiesen, dass klassische Instrumente im Härtebereich genauso kraftvoll agieren können wie jede E-Gitarre. Die Show war ein audiovisuelles Highlight: Lichtdesign, dramatische Cello-Arrangements und der wuchtige Einsatz an den Instrumenten verschmolz zu einem packenden Spektakel. Bei Apocalyptica wurde klassische Musik zur rockigen Offenbarung mit Gänsehaut-Garantie.
Heilung
Heilung entführten die begeisterte Menge tief in eine archaisch-magische Klangwelt, die zwischen Ritual und Performance changierte. Die nordischen Klangforscher – mit Kai Uwe Faust, Christopher Juul und Maria Franz an der Spitze – mixten urtümliche Runenpoesie, Trommelrhythmen und Kehlenklang zu einem einzigartigen Ethno-Trans-Erlebnis. Mit ihrem Album Drif und zahlreichen internationalen Festivalauftritten haben sie Grenzen zwischen Musik, Kunst und Spiritualität verwischt und sich eine treue globale Fangemeinschaft aufgebaut. Die Show war eine multisensorische Offenbarung: Rauchschwaden, Trommelschläge, Gesänge und architektonische Beleuchtung verschmolzen zu einem hypnotischen Gesamtkunstwerk. Heilung standen für ein eher ungewöhnliches Konzert, es glich eher einem intensiven, urgewaltigen Ritual zum Anfassen.
Eisbrecher
Für die Gemeinschaft beim M’era Luna war es auch bei diesem finalen Headliner-Auftritt ein Wiedersehen, nicht nur, dass viele Besucher jedes Jahr wieder anreisen – auch die Bands kommen immer wieder gern. Eisbrecher reihten sich damit in eine Vielzahl jener allein an diesem Festivalsamstag ein und lieferten die Krönung des ersten richtigen „Tagesprogramms“ beim diesjährigen M’era. Die Main Stage versank in einen energiegeladenen Abschluss, bei dem jeder Beat direkt in die Brust traf. Die NDH-Schwergewichte – mit Alex Wesselsky am Mikro und Noel Pix an der Gitarre wie immer an der Spitze – mischten harte Gitarren mit tanzbaren Elektro-Beats und markanten Texten, die ihre Unverwechselbarkeit ausmachen. Mit mehreren Gold‑ und Platinalben in Deutschland und zahlreichen Top‑Chart‑Platzierungen haben sie sich einen festen Platz in der Szene gesichert und ihre Live‑Shows stets ausverkauft. Die Show war eine spektakuläre Mischung aus Pyro, Lichtgewitter, Mitklatsch-Hymnen wie „Verrückt“ und imposanten Visuals, bei der die Fans jeden Refrain mit voller Inbrunst mitsangen. Ein triumphaler Abschlussakt.









































































































































































































