Das Summer Breeze Open Air 2026 hatte schon am Mittwoch und Donnerstag gezeigt, warum Dinkelsbühl im August für Metalheads längst mehr ist als eine hübsche mittelalterliche Stadt in Bayern. Auf dem Flugplatz bei Sinbronn entstand wieder diese eigene Festivalwelt aus Campingchaos, Staub, Sonnencreme, Pommesgabeln, schwarzen Shirts und erstaunlich guter Laune trotz der üblichen Wege zwischen Zelt, Bühne und Getränkestand. Das Summer Breeze lebt seit Jahren davon, dass es große Namen, Szene-Lieblinge, harte Abrisskommandos und kleinere Entdeckungen nicht gegeneinander ausspielt, sondern nebeneinander funktionieren lässt.

Mittwoch

Das Wetter zeigte sich zum Auftakt überwiegend, heiß, sommerlich und trocken, mit viel Wärme und Staub im Gepäck. Wer mittags unterwegs war, bekam die volle Festivalprüfung aus Sonne, schwarzem Stoff und zu wenig Eiscreme, abends wurde es dafür deutlich angenehmer und genau diese Dinkelsbühler Open-Air-Magie stellte sich ein. Das Programm war bereits an den ersten beiden Tagen bemerkenswert breit aufgestellt: von jungem Deathcore über okkulten Heavy Metal, Alternative-Rock-Nostalgie, Mittelalter-Überraschung, Technical Death Metal und maskiertem Nu-Metal-Spektakel. Kurz gesagt: Das Summer Breeze brauchte keine lange Aufwärmphase, es ging direkt in den Betriebsmodus „Nacken, Beine, Kreislauf“.

Excrementory Grindfuckers

Dann wurde es auf der Mainstage endgültig unanständig – und zwar auf die bestmögliche Art. Die Excrementory Grindfuckers sind seit Jahren der lebende Beweis dafür, dass Grindcore nicht zwangsläufig nur aus möglichst vielen Schlägen pro Sekunde bestehen muss, sondern durchaus auch Humor, Wahnsinn und gepflegten musikalischen Irrsinn verträgt. Zwischen Grindcore-Attacken, Metal-Klischees und völlig durchgedrehten Einfällen prügelte sich die Band durch ihr Programm und sorgte damit für genau jene Sorte Chaos, die auf einem Festival wie dem Summer Breeze einfach dazugehört. Hier durfte gelacht, gebangt und hemmungslos die Nackenmuskulatur ruiniert werden. Die Mainstage wurde zum musikalischen Tollhaus – und die Grindfuckers bewiesen einmal mehr, dass gepflegte Geschmacklosigkeit manchmal verdammt viel Spaß machen kann.

Neckbreakker

Neckbreakker lieferten am Mittwoch auf der T-Stage genau den frühen Schlag in die Magengrube, den ihr Name versprach. Die junge dänische Band steht für Death Metal mit Hardcore-Wucht, viel Tempo und jener räudigen Direktheit, bei der man schnell merkt: Hier wird nicht um Szenepunkte gebettelt, hier wird gearbeitet. Mit Songs aus ihrem bisherigen Repertoire und ihrem kompromisslosen Live-Ruf hatten sie sich bereits als einer der spannenden neuen Namen im extremen Metal empfohlen. In Dinkelsbühl funktionierte das hervorragend, weil Neckbreakker keine große Bühnendramaturgie brauchten, sondern Druck, Präsenz und eine Menge Energie mitbrachten. Der Auftritt war ein früher Beweis dafür, dass das Summer Breeze 2026 nicht nur von etablierten Namen lebte, sondern auch von Bands, die gerade hörbar nach oben wollten.

Betontod

Mit Betontod änderte sich die Temperatur auf dem Platz spürbar. Die Rheinberger Punkrock-Institution brachte ihre Mischung aus Wut, Melodie, gesellschaftlicher Kante und ungebremster Live-Energie auf die Mainstage. Betontod sind eine jener Bands, bei denen aus einem Konzert schnell eine gemeinsame Angelegenheit wird: Die Fäuste gehen nach oben, die Refrains werden vom Publikum übernommen und aus einzelnen Songs werden binnen Sekunden Festivalhymnen. Gerade live entfalten Stücke wie „Viva Punk“, „Revolution“ oder „La Familia“ jene Wucht, die zwischen Punkrock und Metal bestens funktioniert. Der Auftritt hatte weniger mit filigraner Zurückhaltung als mit Haltung, Schweiß und großen Gesten zu tun – und genau deshalb passte Betontod hervorragend auf die Mainstage. Hier wurde nicht einfach gespielt, hier wurde gemeinsam auf die Kacke gehauen.

Airbourne

Danach hieß es: Lautstärke auf Anschlag und Verstärker in den roten Bereich. Airbourne betraten die Mainstage und machten sofort klar, warum diese Australier seit Jahren als eine der heißesten Live-Bands des klassischen Hard Rock gelten. Wer hier auf dezente Zurückhaltung hoffte, war definitiv am falschen Ort. Joel O’Keeffe und seine Mannschaft lieferten schweißtreibenden Rock ’n’ Roll mit offenem Visier, dreckigen Gitarren, großen Riffs und jener hemmungslosen Energie, die unweigerlich an die großen Vorbilder aus Down Under erinnert. Airbourne brauchen dabei keine komplizierte Inszenierung. Ein paar Verstärker, eine Gitarre, ein Mikrofon und eine Bühne reichen vollkommen aus, wenn man sie mit dieser Wucht bespielt. Songs wie „Too Much, Too Young, Too Fast“, „Back in the Game“ oder „Runnin’ Wild“ ließen den Platz beben. Joel O’Keeffe tobte über die Bühne, als hätte ihm jemand den Stecker ins Rückenmark gesteckt, und die Band prügelte sich mit einer Präzision durch ihren Rock ’n’ Roll, die trotz aller Wildheit niemals den roten Faden verlor. Airbourne waren an diesem Abend nicht einfach ein Hard-Rock-Act – sie waren eine lebende Abrissbirne.

In Flames

Mit In Flames wurde anschließend ein völlig anderes Kapitel aufgeschlagen. Die Schweden gehören zu den Bands, die die Entwicklung des modernen Melodic Death Metal entscheidend mitgeprägt haben, und auf der Mainstage zeigte sich eindrucksvoll, warum ihr Sound auch Jahrzehnte später nichts von seiner Durchschlagskraft verloren hat. Zwischen melodischen Gitarrenläufen, brachialen Riffs, modernen Metal-Elementen und großen Refrains spannte die Band einen gewaltigen Bogen durch ihre Karriere.
Gerade live funktioniert der Wechsel zwischen Härte und Melodie hervorragend. Wo eben noch die Gitarren wie eine Dampfwalze über das Gelände rollten, öffneten sich plötzlich hymnische Passagen, bevor der nächste Riffhammer zuschlug. Anders Fridén führte das Publikum mit gewohnt markanter Präsenz durch die Show, während hinter ihm die Gitarrenwand von In Flames für eine der druckvollsten Klangkulissen des Tages sorgte. Der Auftritt machte deutlich: In Flames sind längst mehr als ein Stück Metal-Geschichte.

Castle Rat

Castle Rat verwandelten die Wera Tool Rebel Stage später in ein kleines Fantasy-Doom-Theater mit Gitarren, Kutten und sehr viel Stilbewusstsein. Die New Yorker Band um Sängerin und Gitarristin Riley Pinkerton, die als „The Rat Queen“ auftritt, verbindet Doom Metal, Heavy Metal, Proto-Metal, psychedelischen Einschlag und eine komplette Bühnenwelt zwischen Dungeon, Schwert und Nebelmaschine. Mit Songs wie „Dagger Dragger“, „Fresh Fur“ oder Material aus ihrem Album „Into the Realm“ hatten sie längst bewiesen, dass sie nicht nur eine schicke Idee, sondern auch musikalisch Substanz haben. Beim Summer Breeze war der Auftritt besonders reizvoll, weil Castle Rat inmitten der härteren und moderneren Acts wie ein handgemaltes Metal-Poster zum Leben erwachten. Das war keine reine Kostümnummer, sondern ein atmosphärischer, schwer groovender Auftritt mit Charme, Kante und einer angenehm eigenwilligen Ästhetik.

Hatebreed

Wer danach glaubte, der Abend könne nicht mehr brutaler werden, bekam von Hatebreed die entsprechende Antwort direkt ins Gesicht. Die US-Hardcore-Metal-Institution marschierte auf die Mainstage und verwandelte den Platz in eine einzige gewaltige Druckwelle. Jamey Jasta und seine Mannschaft stehen wie kaum eine andere Band für kompromisslosen Hardcore, schwere Metal-Riffs und diese besondere Mischung aus Aggression, Motivation und kollektiver Entladung. Hatebreed spielen keine Musik, bei der man gemütlich irgendwo hinten stehen bleibt und höflich mit dem Fuß wippt. Das ist Musik zum Ausrasten. Die Riffs drücken nach vorne, die Breakdowns sitzen wie Vorschlaghämmer und Jastas markante Ansagen treiben das Publikum immer weiter an. Songs wie „I Will Be Heard“, „Destroy Everything“ oder „Looking Down the Barrel of Today“ entwickelten jene brutale Energie, für die Hatebreed seit Jahren bekannt sind. Vor der Mainstage wurde aus der Menge endgültig ein brodelnder Organismus. Das war Hardcore in seiner direktesten Form: keine Ausreden, keine Gefangenen und verdammt viel Adrenalin.

Alcest

Und dann kam der Moment, in dem der Mittwoch noch einmal eine völlig andere Farbe bekam. Alcest betraten die Mainstage zur guten Nachtmusik und öffneten mit ihrem atmosphärischen Blackgaze eine Tür in eine Welt, die mit den vorherigen Abrisskommandos kaum unterschiedlicher hätte sein können. Wo Hatebreed gerade noch alles niedergerissen hatten, ließen Alcest Klanglandschaften entstehen, die zwischen Shoegaze, Black Metal, Post-Metal und verträumter Melancholie schwebten. Neige und seine Mitstreiter erzeugten eine Atmosphäre, die gerade auf einem riesigen Festivalgelände eine besondere Wirkung entfaltete. Verzerrte Gitarren trafen auf schwebende Melodien, harsche Momente gingen in beinahe entrückte Passagen über und aus dem klassischen Metal-Konzert wurde für einen Augenblick eine Reise in eine andere Welt. Alcest sind keine Band, die ihr Publikum permanent mit der Brechstange bearbeitet. Ihre Stärke liegt vielmehr darin, Spannung aufzubauen und Emotionen über Atmosphäre zu transportieren.

Damit bekam dieser Mittwoch einen bemerkenswerten Schlussakkord. Vom Grindcore-Wahnsinn der Excrementory Grindfuckers über Punkrock, dreckigen Hard Rock, melodischen Death Metal und die brutale Hardcore-Attacke von Hatebreed bis hin zu den träumerischen Klangwelten von Alcest zeigte die Mainstage, wie weit das musikalische Spektrum des Summer Breeze reichen kann. Sechs Bands, sechs völlig unterschiedliche Welten – und trotzdem passte alles unter dieses eine große Metal-Dach.

Donnerstag

Good Morning Summer Breeze, heute wird es knackige 32-33° Grad, der Schweiss sifft, der Staub sorgt für blutige Nasen. Zudem machten fielen die ganzen zusätzlichen Schattenflächen gut auf, das Breeze hatte hier scheinbar alle Sonnenschirme von Mönchshofer geplündert und zudem eine komplette Bühnenpadagode als Schattenfläche aufgebaut. Hinzu kommen noch zahlreiche Wasserstellen, Wasserberieselung über Schneemaschinen und Feuerwehrschläuche.. ja das Summer Breeze kann Hitze.

Fireborn

Fireborn eröffneten euren Donnerstag mit klassischem Heavy Metal und Hard-Rock-Kante, der auf der Wera Tool Rebel Stage angenehm direkt nach vorne ging. Die Schweizer Band um Sängerin Jenny Mannaerts steht für kraftvolle Vocals, melodische Gitarren, treibende Rhythmen und einen Sound, der die alte Schule kennt, aber nicht im Museum wohnen möchte. Mit ihrem Album „Reflections“ hatte sich die Band in der europäischen Underground- und Traditionsmetal-Szene bereits einen Namen gemacht. In Dinkelsbühl wirkte ihr Set wie ein gut geölter Startmotor für den Festivaltag: nicht überladen, nicht verkopft, sondern sauber gespielt und mit spürbarer Live-Lust. Fireborn zeigten, dass man auch früh am Tag mit klassischem Metal genügend Funken schlagen kann.

From Fall to Spring

From Fall to Spring eröffneten auf der Mainstage den Donnerstag mit einer modernen Mischung aus Metalcore, Alternative Metal, elektronischen Elementen und eingängigen Hooks. Die Berliner Band verbindet harte Gitarren mit melodischen Refrains und einer gehörigen Portion moderner Energie. Gerade auf einem Festival wie dem Summer Breeze funktioniert dieser Sound hervorragend, weil From Fall to Spring die Brücke zwischen Metal, Hardcore und moderner Rockästhetik schlagen. Ihr Auftritt wirkte wie ein kräftiger Tritt aufs Gaspedal: druckvoll, melodisch und mit genügend Energie, um auch die ersten Reihen schon früh auf Betriebstemperatur zu bringen.

Alien Ant Farm

Alien Ant Farm brachten danach auf der Main Stage eine sehr willkommene Portion Alternative-Rock-Nostalgie ins Programm. Die Band aus Kalifornien um Sänger Dryden Mitchell wurde Anfang der 2000er vor allem durch ihre Version von Michael Jacksons „Smooth Criminal“ weltweit bekannt, hatte mit Songs wie „Movies“, „These Days“ oder „Wish“ aber deutlich mehr im Gepäck als nur diesen einen Überhit. Ihr Sound verbindet Alternative Rock, Post-Grunge, Funk-Metal-Anklänge und eine sonnige Westcoast-Lässigkeit, die auf einem Metal-Festival erst einmal wie ein Stilbruch wirken kann. Genau dieser Kontrast machte den Auftritt beim Summer Breeze so unterhaltsam: Plötzlich standen zwischen Deathcore, Thrash und Black Metal diese kalifornischen Hooks im Raum. Alien Ant Farm spielten nicht auf maximale Härte, sondern auf Wiedererkennung, Groove und die Erkenntnis, dass ein guter Refrain auch in Dinkelsbühl keine Eintrittskarte extra braucht.

Grand Magus

Grand Magus ließen danach wieder die klassischen Metal-Glocken auf der T-Stage läuten. Die Schweden stehen für schweren, epischen Heavy Metal mit Doom-Einschlag und einem Sound, der sich nicht um kurzlebige Trends schert. Hier zählen Riffs, Pathos, Atmosphäre und Songs, die nach Schlachtfeld, Stahl und nordischer Saga klingen.
Auf der Bühne entwickelte sich daraus genau jene Mischung, für die Grand Magus bekannt sind: wuchtig, majestätisch und ohne unnötigen Firlefanz. Die Band braucht keine hundert Effekte, wenn ein einziges schweres Riff bereits mehr Atmosphäre erzeugt als manch überproduzierte Show. Grand Magus lieferten klassischen Metal mit ordentlich Gewicht und bewiesen einmal mehr, dass das alte Eisen noch lange nicht rostet.

Northlane

Mit Northlane wurde es anschließend deutlich schwerer und atmosphärischer. Die Australier gehören zu den wichtigsten Vertretern des modernen Progressive Metalcore und haben ihren Sound über die Jahre immer weiter geöffnet. Djent-artige Gitarren, elektronische Flächen, brachiale Breakdowns und große atmosphärische Momente verschmelzen bei ihnen zu einem Klangbild, das gleichzeitig massiv und futuristisch wirkt. Auf der Mainstage konnten Northlane genau diese Mischung voll ausspielen. Zwischen gewaltigen Gitarrenwänden und elektronischen Soundflächen entstand eine Atmosphäre, die weit über klassischen Metalcore hinausging. Die Band wirkte dabei präzise und gleichzeitig enorm druckvoll. Northlane lieferten einen Auftritt für alle, die Metal nicht nur hart, sondern auch modern, technisch und atmosphärisch mögen.

Deserted Fear

Deserted Fear brachten auf der T-Stage ihren kompromisslosen Death Metal auf die Bühne und sorgten damit für eine gehörige Tracht Death Metal in einen ohnehin extrem abwechslungsreichen Tages. Die deutsche Band steht für druckvolle Gitarren, aggressive Vocals, donnernde Drums und jene kompromisslose Direktheit, die Death Metal live so wirkungsvoll macht.

Imminence

Danach schlugen Imminence eine ganz eigene Kerbe in den Donnerstag. Die Schweden haben sich mit ihrer ungewöhnlichen Verbindung aus Metalcore, orchestralen Elementen und der markanten Violine von Eddie Berg einen unverwechselbaren Platz in der modernen Metalszene geschaffen. Wo andere Bands einfach den nächsten Breakdown zünden, bauen Imminence zunächst Atmosphäre auf – und lassen danach umso gewaltiger die Gitarren los. Gerade live entsteht dadurch eine besondere Dynamik. Harte Riffs und aggressive Vocals treffen auf melancholische Streicher und große Melodien. Der Auftritt auf der Mainstage hatte deshalb etwas Cinematisches: mal brachial, mal verletzlich, mal beinahe majestätisch. Imminence zeigten eindrucksvoll, dass moderne Härte und emotionale Tiefe längst keine Gegensätze mehr sein müssen.

Saltatio Mortis

Die Surprise Show am Donnerstag auf der T-Stage entpuppte sich als Saltatio Mortis – und damit als einer dieser Momente, bei denen sich ein kurzer Blick in die Running Order sofort auszahlte. Die Band aus Karlsruhe gehört seit Jahren zu den größten Namen des deutschen Mittelalter-Rock und verbindet Dudelsäcke, Schalmeien, Rockgitarren, Folk-Energie und große Refrains zu einem Sound, der auf Festivals fast automatisch Gemeinschaft stiftet. Mit Songs wie „Wachstum über alles“, „Wo sind die Clowns?“, „My Mother Told Me“, „Prometheus“ oder „Für immer jung“ hatten sie längst bewiesen, dass Mittelalter-Rock nicht nach Mittelaltermarkt allein klingen muss, sondern nach moderner Festivalwucht. Auf der T-Stage wirkte dieser Überraschungsauftritt wie ein zusätzlicher Energieschub zur richtigen Zeit: laut, eingängig, beweglich und mit einem Publikum, das schnell verstand, dass hier nicht nur ein Lückenfüller spielte. Saltatio Mortis machten aus dem Überraschungsslot ein kleines Fest im Fest.

Saxon

Dann wurde die Zeitmaschine angeworfen. Saxon betraten die Mainstage – und plötzlich stand eine der ganz großen Institutionen der New Wave of British Heavy Metal vor dem Summer-Breeze-Publikum. Biff Byford und seine Mannschaft gehören zu den Bands, die Heavy Metal nicht nur gespielt, sondern über Jahrzehnte hinweg mitgeprägt haben. Entsprechend groß war die Vorfreude. Saxon machten genau das, was man von ihnen erwartet: klassische Heavy-Metal-Riffs, treibende Drums, große Melodien und Songs, die längst zum kollektiven Gedächtnis der Szene gehören. Wenn „Wheels of Steel“, „747 (Strangers in the Night“ oder „Denim and Leather“ aus den Boxen dröhnen, braucht es keine komplizierte Erklärung mehr. Das ist Heavy Metal in seiner ursprünglichsten Form. Saxon zeigten, dass man keine modernen Tricks braucht, wenn die Songs selbst bereits wie Stahl gebaut sind.

Eisbrecher

Mit Eisbrecher wurde es anschließend elektronischer, kälter und verdammt massiv. Die Neue-Deutsche-Härte-Veteranen um Alexander „Alexx“ Wesselsky verbinden harte Gitarren mit elektronischen Industrial-Elementen, treibenden Beats und der charakteristischen Mischung aus Härte, schwarzem Humor und deutscher Direktheit.
Auf der Mainstage funktionierte diese Kombination prächtig. Eisbrecher sind eine Band, die ihre Songs nicht einfach nur aufführt, sondern sie mit einer gehörigen Portion Bühnenpräsenz verkauft. Zwischen wuchtigen Gitarren, elektronischen Sequenzen und den markanten Vocals entstand eine Show, die gleichermaßen zum Mitgrölen wie zum kollektiven Kopfnicken einlud. Der Donnerstag bekam damit eine weitere musikalische Farbe – und die war eindeutig aus Stahl.

Cryptopsy

Cryptopsy holten später auf der Wera Tool Rebel Stage die ganz schwere technische Keule heraus. Die kanadische Band um Schlagzeuger Flo Mounier und Sänger Matt McGachy gehört seit den 90ern zu den prägenden Namen des Technical Death Metal und Brutal Death Metal. Mit Alben wie „None So Vile“, „Whisper Supremacy“ oder dem späteren Material hatten sie sich einen Ruf erspielt, der irgendwo zwischen Hochgeschwindigkeit, Präzision und kontrolliertem Wahnsinn liegt. Beim Summer Breeze war ihre Show keine leichte Kost, aber genau das war ihr Reiz: Riffs, Blastbeats und Breaks flogen so dicht, dass mancher Nacken vermutlich erst am nächsten Morgen verstand, was passiert war. Cryptopsy lieferten ein Set für alle, die Death Metal nicht nur laut, sondern auch technisch gnadenlos erleben wollten.

Mushroomhead

Mushroomhead beschlossen den markierten Donnerstag für euch mit einer Show, die mehr war als nur ein Konzert. Die US-Band aus Cleveland steht seit den 90ern für Alternative Metal, Nu Metal, Industrial-Anklänge, maskierte Bühnenfiguren, Percussion-Druck und eine visuelle Ästhetik zwischen Horrorfilm, Zirkus und Endzeitlabor. Mit Songs wie „Solitaire/Unraveling“, „Sun Doesn’t Rise“, „Qwerty“ oder „Seen It All“ hatten sie sich über Jahrzehnte eine treue Fanbase erspielt. Auf der T-Stage funktionierte diese Mischung aus Sound und Optik besonders gut, weil Mushroomhead nicht einfach Songs spielten, sondern eine ganze Welt auf die Bühne stellten. Zwischen Masken, Wasserdrums, Groove und düsterem Theater wurde der Auftritt zu einem späten Höhepunkt für alle, die Metal gern mit Show, Atmosphäre und leichtem Albtraumfaktor mögen.

Amorphis

Und dann kam AMORPHIS. EPISCH. Anders kann man diesen Auftritt eigentlich kaum beschreiben. Die Finnen gehören zu den Bands, die es schaffen, Metal nicht nur zu spielen, sondern ganze Landschaften aus Klang zu erschaffen. Bei Amorphis treffen melancholische Melodien auf Progressive Metal, Folk-Einflüsse, harte Gitarren und die mystische Atmosphäre der finnischen Mythologie. Dazu kommt eine Diskografie, die über Jahrzehnte gewachsen ist und immer wieder neue Facetten hervorgebracht hat. Auf der Mainstage entwickelte sich daraus ein Moment, der weit über einen normalen Festivalauftritt hinausging. Die Gitarren klangen gewaltig, die Melodien schwebten über dem Gelände und Tomi Joutsen wechselte mühelos zwischen tiefen Growls und kraftvollem Klargesang. Besonders die Stücke aus der „Kalevala“-inspirierten Schaffensphase entfalten live diese ganz eigene Magie. Amorphis waren an diesem Abend nicht einfach eine weitere Band im Programm. Sie waren eine Reise. Eine Reise durch finnische Wälder, alte Mythen, Melancholie und gewaltige Metal-Hymnen. Während die Sonne langsam verschwand und das Festivalgelände in das Abendlicht tauchte, bekam die Musik eine beinahe übernatürliche Wirkung. Das war einer dieser Summer-Breeze-Momente, bei denen man für einen Augenblick vergisst, wie viele Menschen um einen herumstehen. EPISCH.

dAratagan

Mit dArtagnan wurde der Tagesabschluss anschließend deutlich folkiger – und plötzlich wehte ein Hauch von Abenteuer, Lagerfeuer und historischem Pathos über das Summer-Breeze-Gelände. Die Nürnberger Band verbindet deutschsprachigen Folk-Rock mit mittelalterlichen Einflüssen, eingängigen Melodien und einer ordentlichen Portion Seefahrer-, Reiter- und Räuberromantik. Genau diese Mischung macht dArtagnan zu einer Band, die auch abseits des klassischen Metal-Publikums hervorragend funktioniert.