Nach den ersten Tagen im Schweiß und Staub zeigte das Thermometer eigentlich nur noch eine Richtung: nach oben. Die Nächte hatten uns zuvor immerhin noch mit 15–20 Grad etwas Erholung gegönnt, damit war nun Schluss. Die heißesten Tage der Woche standen bevor. Also Wüstenmontur an, Wasser marsch, den Steinkult anbeten und sich wahlweise mit Sonnencreme oder einer feinen Schicht Dinkelsbühler Staub überziehen.
Am Freitag waren es irgendwo 33–34 Grad, am Samstag dann lauschige 36 Grad. Temperaturen also, bei denen man besser zweimal überlegt, ob man wirklich gerade in die pralle Sonne laufen möchte oder ob der Schatten neben dem Dixiklo plötzlich doch als erstklassiger Aufenthaltsort durchgeht. Das Summer Breeze hatte allerdings mit zusätzlichen Schatten- und Wasserplätzen ordentlich vorgesorgt. Dazu wurde das Infield regelmäßig bewässert, was die Staubbelastung tatsächlich spürbar reduzierte. Ganz verhindern ließ sich die persönliche Staubpanade natürlich nicht – dafür hätten wir vermutlich schwimmen müssen.
Freitag
Das Lumpenpack
Früh am Freitag, die Sonne bereits mit dem festen Vorsatz, uns kollektiv zu grillen, kam mit Das Lumpenpack genau die richtige Medizin auf die Mainstage. Max Kennel und Jonas Meyer brachten ihren Mix aus Akustik-Punk, Pop, Satire und Alltagswahnsinn mit – und genau diesen kleinen Schuss bekloppten Humor konnte man zu dieser Uhrzeit verdammt gut gebrauchen. Zwischen „Hauch mich mal an“, „WZF?!“ und „Guacamole“ wurde gelacht und mitgesungen. Gerade nach den ersten Stunden in Hitze und Staub fühlte sich das fast wie eine mentale Dusche an. Während um uns herum die ersten Sonnenopfer ihre Schattenplätze verteidigten, zeigte das Duo, dass man auf einem Metal-Festival durchaus auch mit Quatsch ordentlich Druck machen kann. Und ganz ehrlich: Wenn morgens schon „Guacamole“ aus tausenden Kehlen kommt, weißt du, dass der Tag eigentlich nur noch eskalieren kann.
Future Palace
Etwas emotionaler wurde es danach mit Future Palace. Der moderne Post-Hardcore der Berliner um Sängerin Maria Lessing ist ohnehin nichts für die Kategorie „läuft halt nebenbei“. Zwischen elektronischen Elementen, harten Ausbrüchen und großen Refrains ging es ordentlich auf die Gefühlsebene. Songs wie „Flames“, „Dead Inside“ oder „Malphas“ bekamen dabei genau diese Mischung aus Wut und Verletzlichkeit, für die die Band inzwischen bekannt ist. Lessing sang die großen Gefühle nicht einfach ins Publikum – man hatte eher das Gefühl, sie direkt vor einem durchleben zu sehen. Und das funktionierte erstaunlich gut. Draußen 34 Grad, auf der Bühne emotionale Kernschmelze. Der Freitag hatte also bereits früh beschlossen, sämtliche Temperaturgrenzen zu ignorieren.
Misery Index
Wer danach der Meinung war, es könnte jetzt etwas gemütlicher werden, hatte die Rechnung ohne Misery Index gemacht. Auf der T-Stage wurde aus dem gemütlichen Festivalspaziergang ziemlich schnell eine sportliche Veranstaltung. Death Metal, Grindcore, Hardcore-Schärfe und politische Wut prasselten auf uns ein, dazu Blastbeats und Riffs, die vermutlich noch in Dinkelsbühl-Nord zu hören waren. Die Jungs aus Baltimore machten jedenfalls keine Gefangenen. Nach diesem Auftritt konnte man eigentlich nur noch feststellen: Entweder ist der Kreislauf mittlerweile festivalerprobt – oder man hat sich gerade erfolgreich selbst überschätzt.
Brothers of Metal
Etwas größer, epischer und mit deutlich mehr Trinkhorn ging es anschließend auf der Mainstage weiter. Brothers of Metal packten ihren nordischen Power Metal aus und verwandelten das Gelände für eine Weile in eine Wikinger-Arena. „Yggdrasil“, „Prophecy of Ragnarök“, „Njord“ und „The Mead Song“ sorgten für große Melodien und noch größere Fäuste in der Luft. Dabei nahm sich die schwedische Truppe selbst angenehm wenig ernst.Genau das machte Spaß. Zwischen Pathos, Wikinger-Mythologie und Mitsing-Refrains wurde ordentlich gefeiert. Und irgendwo im Publikum stand vermutlich gerade ein Mann mit Hörnerhelm, der sich fragte, warum sein Trinkhorn eigentlich leer ist.
The Butcher Sisters
Bei The Butcher Sisters durfte das Gehirn dann endgültig Urlaub machen. Und bei den Temperaturen war das vielleicht sogar ganz vernünftig. Massive Bewegungen vor der Bühne, Party, jede Menge Crowdsurfer und ziemlich viel Gelächter. TBS machten genau das, was man von ihnen erwartet: keine komplizierten Gedanken, dafür ordentlich Bewegung. Unser Problem: Wir mussten irgendwann weiter. Es wartete schließlich noch ernsthafte satanische Musik auf uns – und ein paar dringend benötigte Schattenplätze. Oder wir waren einfach noch nicht betrunken genug. Auch das lässt sich im Nachhinein nicht mehr zweifelsfrei klären.
Brymir
Auf der Wera Tool Rebel Stage wurde es danach wieder deutlich epischer. Brymir brachten finnischen Melodic Death Metal mit orchestraler Schlagseite auf die Bühne und klangen dabei, als würde irgendwo gerade eine Fantasy-Armee zum Angriff blasen.Rasende Gitarren, harsche Vocals und große Melodien – genau die richtige Mischung, wenn man ohnehin schon aussieht, als hätte man sich gerade durch eine Wüste gekämpft.„Breathe Fire to the Sun“, „Wings of Fire“ und „Voices in the Sky“ zeigten dabei, warum die Finnen inzwischen einen ziemlich guten Namen in der Szene haben. Technisch stark, groß angelegt und trotzdem ohne unnötigen Kitsch. Brymir spielten, als wollten sie nebenbei noch den Horizont vertonen.
Lamb of God
Spätestens bei Lamb of God war dann wieder Schluss mit vorsichtig. Groove Metal funktioniert eben besonders gut, wenn einem der Sound mit voller Wucht in den Brustkorb gedrückt wird. Randy Blythe und seine Mannschaft hatten mit „Laid to Rest“, „Redneck“, „Walk with Me in Hell“, „Now You’ve Got Something to Die For“ und „Memento Mori“ genügend Material dabei, um den nächsten Moshpit anzuzünden. Und genau das passierte. Präzise Riffs, mächtiger Groove und Blythe, der über die Bühne fegte, als hätte er persönlich noch irgendwo Schattenplätze zu verteilen. Ein Vorschlaghammer mit Taktgefühl – und spätestens hier wusste auch der Nacken wieder, warum er eigentlich angereist war.
Blood Command
Danach wurde es plötzlich bunt – zumindest musikalisch. Blood Command aus Norwegen schmissen Hardcore, Punk, Alternative Rock und Pop-Hooks in einen Mixer und drückten einfach auf „Start“. Das Ergebnis war wütend, tanzbar und erstaunlich eingängig. Eigentlich wollten wir nur mal kurz schauen, was da auf der kleineren Bühne passiert. Und genau das ist beim Summer Breeze immer gefährlich. Denn aus „mal kurz schauen“ wurde ziemlich schnell „okay, wir bleiben noch“. Blood Command waren kompakt, direkt und angenehm unberechenbar – genau diese kleinen Festivalüberraschungen, wegen denen man am Ende doch wieder Bands entdeckt, die vorher gar nicht auf dem Zettel standen.
Terror
Bei Terror war dann wieder klar, wo der Hammer hängt. Hardcore ohne Schnörkel, ohne Glitzer und ohne unnötige Umwege. Scott Vogel und seine Mannschaft feuerten „Keepers of the Faith“, „One with the Underdogs“ und „Overcome“ ins Publikum und verwandelten den Bereich vor der Bühne erwartungsgemäß in einen Ort, an dem man besser nicht im Weg herumsteht. Circle Pit, Moshparts und jede Menge Bewegung. Terror funktionieren live einfach über Gemeinschaft – auch wenn diese Gemeinschaft gelegentlich mit ziemlich hoher Geschwindigkeit ineinanderläuft.
Arch Enemy
Dann kam Arch Enemy – und mit ihnen eine ziemlich deutliche Ansage, dass der Abend noch lange nicht fertig war. Mit Lauren Hart gab es dabei quasi einen „Neu“-Einstand am Mikro, und der fiel alles andere als vorsichtig aus. Messerscharfe Gitarren, extreme Vocals und große Melodien sorgten für ordentlich Bewegung. „Nemesis“, „War Eternal“, „The World Is Yours“, „Deceiver, Deceiver“ und „Handshake with Hell“ waren dabei natürlich die passende Munition. Lauren Hart führte die Menge mit einer Intensität, die weniger nach freundlicher Moderation und mehr nach akuter Sturmwarnung klang. Der Einstand funktionierte – und wie.
Versengold
Ein bisschen Taverne gefällig? Kein Problem. Mit Versengold zog später auf der Mainstage plötzlich eine ganz andere Stimmung ein. Folk-Instrumente, Rock, deutsche Texte und jede Menge Feierlaune sorgten dafür, dass aus dem Festivalgelände kurzfristig eine riesige Freiluft-Taverne wurde. Bei „Thekenmädchen“, „Hoch die Krüge“, „Butter bei die Fische“, „Funkenflug“ und „Niemals sang- und klanglos“ war das Publikum entsprechend textsicher. Nach all dem Geballer war diese Abwechslung genau richtig. Man konnte mitsingen, feiern und dabei kurz vergessen, dass die Füße inzwischen ungefähr den Aggregatzustand „Beton“ erreicht hatten. Und natürlich hätte es zu Versengold hervorragend gepasst, wenn irgendwo ein großer Krug herumgereicht worden wäre. Ob darin Bier oder Wasser war, hätte bei den Temperaturen vermutlich sowieso niemand mehr gefragt.
Deafheaven
Spät in der Nacht wurde es dann noch einmal ganz anders. Mit Deafheaven kam eine Band, die Black Metal, Shoegaze, Post-Rock und jede Menge Atmosphäre miteinander verbindet. „Sunbather“, „New Bermuda“ und „Infinite Granite“ standen dabei sinngemäß für genau diese Mischung aus Härte und Schönheit. Statt eines klassischen Abrisses bekam man eine Klangwand, die sich langsam aufbaute und irgendwann einfach über einen hinwegrollte. Nach einem Tag voller Hitze, Moshpits, Staub und Bier war das beinahe hypnotisch. Deafheaven prügelten nicht einfach auf die Ohren ein – sie zogen einen langsam hinein. Ein ziemlich passender Abschluss für einen Freitag, an dem wir längst aufgehört hatten zu zählen, wie viel Schweiß eigentlich noch im Körper übrig war.
Samstag
Parasite Inc.
Der Samstag begann genau so, wie man es nach einem solchen Freitag eigentlich nicht braucht: heiß. Richtig heiß.Parasite Inc. standen trotzdem auf der Mainstage und hatten offenbar keinerlei Interesse daran, uns langsam wieder an das Leben heranzuführen. Melodic Death Metal aus Aalen, treibende Riffs und ordentlich Tempo – der Nacken wurde also direkt wieder aus dem Tiefschlaf gerissen.Mit „Time Tears Down“, „Dead and Alive“ und „Cyan Night Dreams“ gab es genug Material für einen ordentlichen Start. Kaffee war damit eigentlich überflüssig. Der Nacken hatte bereits übernommen.
The Sons of Huens
Bei The Sons of Huens standen wir zunächst vielleicht noch ein bisschen nach dem Motto „Mal schauen, was das hier wird“. Und genau daraus entstehen auf Festivals manchmal die besseren Momente. Die Band bewegte sich irgendwo zwischen Metal, Rockdruck und moderner Festivalenergie und überzeugte vor allem durch Spielfreude und eine direkte Bühnenpräsenz. Kein riesiger Legendenmoment, kein „Das wird in 20 Jahren noch erzählt“. Aber ein ehrlicher Auftritt einer Band, die ihre Chance genutzt hat. Und genau für solche Entdeckungen geht man schließlich auch auf ein Festival.
Bloodred Hourglass
Mit Bloodred Hourglass wurde es anschließend wieder finnisch und ordentlich hart. Melodic Death Metal, moderne Riffs, aggressive Vocals und genug Druck, um die ersten müden Knochen wieder in Bewegung zu bekommen. „Heal“, „Godsend“, „Your Highness“ und „How’s the Heart?“ zeigten die musikalische Bandbreite, live ging es aber vor allem nach vorne. Melodisch genug für große Refrains, hart genug für Nackenarbeit. Der Samstag war damit endgültig auf Betriebstemperatur – was angesichts der Außentemperatur eigentlich keine weitere Erwärmung gebraucht hätte.
Kadavar
Dann durften die Ohren einmal etwas tiefer durchatmen. Kadavar brachten ihren psychedelischen Hard Rock und die dicke Retro-Schlagseite auf die Mainstage.Vintage-Riffs, 70er-Wärme, Stoner-Groove – dazu diese typische Atmosphäre, bei der man fast automatisch an Verstärkerstaub, alte Platten und eine Lavalampe denkt.Mit „Abra Kadavar“, „Berlin“ und „For the Dead Travel Fast“ zeigten die Berliner, warum sie längst zu den bekanntesten deutschen Retro-Rock-Bands gehören. Und besonders angenehm: Das Ganze wirkte nicht wie ein Museumsbesuch. Kadavar spielten die alten Sounds mit ordentlich Gegenwartsdruck. Groovy, erdig und genau richtig, um kurz aus dem Dauerfeuer auszusteigen.
Orbit Culture
Lange hielt die Verschnaufpause natürlich nicht. Orbit Culture übernahmen und brachten aus Schweden eine ziemlich massive Mischung aus Melodic Death, Groove und Thrash mit. Niklas Karlsson und seine Mannschaft klangen dabei wie eine Maschine, die jemand auf „maximal“ gestellt hatte. „North Star of Nija“, „Vultures of North“, „Strangler“ und „While We Serve“ sorgten für ordentlich Druck. Und während wir uns langsam fragten, ob die 36 Grad vielleicht doch eine persönliche Fehlentscheidung waren, spielte Orbit Culture einfach weiter, als wäre das alles vollkommen normal.
Haggefugg
Auf der Tool Rebel Stage gab es danach wieder eine Portion Folk-Metal mit Schalk. Haggefugg verbanden mittelalterliche Melodien mit Rock- und Metal-Gitarren und deutschen Texten. Das funktionierte vor allem deshalb so gut, weil niemand vor der Bühne ein Problem damit hatte, gleichzeitig ernsthaft zu moshen und fünf Minuten später albern mitzutanzen. Zwischen Mitsingmomenten und Bewegung gab es genau die richtige Portion Feierlaune. Musik wie ein gut gefüllter Krug: nicht unbedingt filigran, aber verdammt wirksam.
Testament
Mit Testament wurde anschließend ein ordentliches Stück Thrash-Metal-Geschichte auf die Mainstage gestellt.Chuck Billy, Eric Peterson und Alex Skolnick gehören seit Jahrzehnten zu den großen Namen der Bay-Area-Szene – und das merkte man der Show auch an. „Over the Wall“, „Into the Pit“, „Practice What You Preach“, „The New Order“ und „Native Blood“ sind schließlich keine unbekannten Nebenkriegsschauplätze. Das Schöne dabei: Testament wirkten nicht wie eine Band, die nur ihre eigene Vergangenheit verwaltet. Sie spielten hart, präzise und mit ordentlich Hunger. Alte Schule? Ja. Alt? Überhaupt nicht.
Decapitated
Wer nach Testament dachte, jetzt könne man vielleicht langsam wieder etwas entspannen, bekam von Decapitated direkt die nächste Ohrfeige. Komplexe Riffs, maschinelle Präzision und eine Brutalität, bei der wirklich jeder Break saß. Die Polen um Wacław „Vogg“ Kiełtyka machten aus der Bühne eine ziemlich präzise arbeitende Abrissmaschine. „Nihility“, „Organic Hallucinosis“, „Carnival Is Forever“ und „Cancer Culture“ lieferten die entsprechende Grundlage. Das war kein leichter Snack für zwischendurch. Eher ein präzise geführter Schlag ins Zentrum – während der eigene Körper langsam darum bat, vielleicht doch einmal fünf Minuten irgendwo sitzen zu dürfen.
Alestorm
Dann kamen die Piraten. Und plötzlich war alles wieder völlig egal, selbst die Flugenten. Alestorm verwandelten den Abend in eine riesige Party mit Metalfundament. „Drink“, „Keelhauled“, „Mexico“, „Fucked with an Anchor“ und „P.A.R.T.Y.“ sind schließlich genau die Sorte Songs, bei denen niemand nach tiefgründiger Lyrik fragt. Die Menge sang, lachte, trank und ließ sich bereitwillig entern. Alestorm sind nicht subtil – aber das ist ungefähr so, als würde man einem Presslufthammer vorwerfen, dass er keine Zimmerlautstärke kann.Wenn das Publikum so mitzieht wie beim Summer Breeze, funktioniert genau dieser Unsinn einfach hervorragend.
Manntra
Auf der Tool Rebel Stage wurde es anschließend wieder etwas düsterer. Manntra brachten kroatischen Folk-Industrial-Metal mit elektronischen Elementen, traditionellen Anklängen und großen Refrains.„Ori Ori“, „Heathens“, „Barren King“ und „Yelena“ zeigten dabei eine ziemlich eigene Mischung. Und genau das machte den Auftritt interessant. Manntra klangen nicht wie der nächste Standard-Metal-Act, sondern brachten ihre eigene Farbe mit. Dunkel, rhythmisch und angenehm anders. Bei einem Festival mit diesem Programm ist das ziemlich wertvoll.
Soulfly
Mit Soulfly kam anschließend ein ordentliches Stück Metalgeschichte auf die T-Stage. Max Cavalera und seine Mannschaft brachten Tribal-Groove, Thrash-Kante und brasilianische Einflüsse zusammen – und das Ganze hatte ordentlich Gewicht. „Eye for an Eye“, „Back to the Primitive“, „Jumpdafuckup“ und „Prophecy“ machten dabei ziemlich schnell klar, wohin die Reise geht. Der Auftritt wirkte roh und erdig, weniger poliert als manche große Produktion. Soulfly klangen wie ein Ritual, bei dem jemand einen Riffmotor angeworfen hatte. Und nach zwei Tagen Staub passte das irgendwie ziemlich gut.
Helloween
Dann wurde es groß. Sehr groß. Helloween standen auf der Bühne und hatten praktisch die halbe deutsche Power-Metal-Geschichte im Gepäck. Michael Kiske, Andi Deris, Kai Hansen, Michael Weikath und der Rest der Mannschaft brachten mit „Keeper of the Seven Keys“, „Future World“, „I Want Out“, „Dr. Stein“ und „Eagle Fly Free“ einen Hit nach dem anderen.Durch die Mehr-Sänger-Besetzung trafen dabei gleich mehrere Helloween-Epochen aufeinander. Und das Ergebnis war einfach ein verdammt großer Metal-Moment. Nostalgie, Spielfreude und Hymnen, die selbst dann funktionieren, wenn die Stimme eigentlich schon seit Stunden im Urlaub ist. Helloween lieferten nicht nur Hits. Sie lieferten ein Stück deutscher Metalgeschichte – und das mit einem breiten Grinsen. Auch wenn das Feuerweg wegen der höchsten Waldbrandstufe etwas kleiner ausfiel, war das Hitfeuerwerk mehr als ausreichend.
Thy Art Is Murder
Spät am Abend wurde es noch einmal richtig finster. Thy Art Is Murder brachten Deathcore auf die Bühne und damit genau die Sorte Musik, bei der man sich fragt, ob das Gelände eigentlich statisch dafür ausgelegt ist. Tiefe Riffs, Blastbeats und Breakdowns hämmerten ins Publikum. „Hate“, „Holy War“, „Dear Desolation“, „Human Target“ und „Godlike“ lieferten die passende Grundlage. Leider musste das Konzert direkt nach den ersten Liedern für zehn Minuten unterbrochen werden, da es im Pit einen schweren medizinischen Notfall gab. Gerade hier zeigte sich wieder, wie wichtig eine gut funktionierende Organisation und aufmerksame Sicherheitskräfte auf einem solchen Festival sind. Danach ging es weiter – und Thy Art Is Murder setzten einen brutalen Schlusspunkt unter den musikalisch ohnehin schon ziemlich durchgeknallten Samstag.
Soen
Und dann kam Soen.Nach zwei Tagen voller Hitze, Staub, Moshpits, Piraten, Wikinger, Thrash, Death Metal und sonstigem kontrollierten Wahnsinn war der progressive, melancholische Sound der Schweden genau das richtige Gegenmittel. Joel Ekelöf und Martin Lopez führten mit Soen noch einmal in eine ganz andere Welt. Progressive Metal, Alternative-Rock-Melancholie und atmosphärische Spannung statt Dauerfeuer. „Cognitive“, „Lotus“, „Imperial“ und „Memorial“ lieferten dabei die Grundlage für einen Abschluss, der nicht mehr prügeln musste.Soen zogen eher, als dass sie drückten. Schwer, elegant und intensiv. Und genau deshalb passte es am Ende so gut.
5 Tage Summer Breeze bei Temperaturen, bei denen selbst der Schatten irgendwann einen Schatten gebraucht hätte. Wir haben geschwitzt, gestaubt, getrunken, gesungen, gemosht, gelacht und uns zwischendurch vermutlich mehrfach gefragt, warum wir uns das eigentlich freiwillig antun. Und genau deshalb machen wir es.
Denn am Ende sind es nicht nur die großen Namen und die großen Bühnen, die hängen bleiben. Es sind die kleinen Momente dazwischen. Die Band, bei der man eigentlich nur kurz vorbeischauen wollte, die kleine Black Metal Empfehlung vom Nachbarn nachts um 2.00. Der Nachbar der dich dann morgens mit Kaffee (und seinem Generator für Kaffee) weckt. Der völlig bescheuerte Spruch, über den man eine Stunde später immer noch lacht. Der Moshpit, aus dem man aussieht wie nach einem Kampf gegen einen Staubsaugerbeutel. Der erste Schluck kaltes Wasser aus dem C-Rohr der Grabenschlampen, die wieder einen brutal guten Job bei den Temperaturen ablieferte. Der Schattenplatz, der plötzlich wertvoller ist als eine Eigentumswohnung, die satanische Energie bei gefühlt wirklich jeder Band, oder einfach nur die komplett sauberen Campingplätze. Respekt!
Ebenso der reibungslose Ablauf, eingehen auf Verbesserungsvorschläge auch während des Festivals, faire Bierpreise/Getränke und trinkbares Bier aus der Region (und nicht Marken aus Übersee). Und natürlich der Refrain oder das Growlen, den plötzlich tausende Menschen gleichzeitig brüllen. Das Summer Breeze 2026 hat uns ordentlich durchgeknetet. Schweiß und Staub waren unsere ständigen Begleiter, die Schuhe haben vermutlich inzwischen einen eigenen ökologischen Fußabdruck und irgendwo zwischen Freitagmorgen und Samstagabend ist auch der letzte Rest Vernunft verloren gegangen.
Aber genau das ist Festival. Man fährt müde nach Hause, die Klamotten gehören eigentlich in Quarantäne, der Nacken meldet sich vermutlich noch drei Tage später und aus jeder Tasche rieselt beim Auspacken ein halbes Infield. Und trotzdem denkt man schon wieder darüber nach, wann es eigentlich weitergeht, 2027 dann aber werden die 30 Jahre zünftig gefeiert.